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Full text of "Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft und des Naturhistorischen Museums in Lübeck"

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Mitteilungen 



der 



Geographischen Gesellschaft 



und des 



Naturhistorischen IVIuseums 

in 

LÜBECK. 

Herausgegeben 

von 

Aug. Sartori, Professor. 



Zweite Reihe. 

Heft 10 und 11. 



Lübeck. 

Lübeke & Hartr 
1806. 



Mitteilungen 



der 



GeograpMscIlen Gesellschaft 



und des 



Naturhistorischen Museums 



LÜBECK. 



Herausgegeben 



Aug. Sartori, Professor. 



Zweite Reihe. 

Heft 10 und 11. 



Lübeck. 

Lübeke & Hartr 
1896. 



Inhaltsverzeichnis. 



Prof. Aug. Sartori. Kafiristan, Tschitral, Pamir S. 1. 

Ders. Die Republik San Marino = 10. 

Argentinisches. 

Gust. Enström. Argentinien und sein Volk = 30. 

Carlos Sievers. Eine Reise nach Patagonien = 46. 

Otto Sartori. Der Kamp in Argentinien = 71. 

Dr. phil. Georg Duncker. Neue und seltene Fische der Neustädter 

Bucht = 77. 

Major z. D. von Koschitzky. Die Käfer Lübecks = 80. 

Prof. Dr. W. Blasius, Braunschweig. Vögel von Pontianak (West- 

Borneo) u. s. w. im Museum zw Lübeck = 90. 

Dr. Heinr. Lenz. Einige Bemerkungen über das Spitz -Krokodil 

von Borneo - ■ . ■- 146. 

Jahresberichte der Geographischen Gesellschaft 1894. 1895 . . . -- 149. 

= Erdmagnetischen Station 1894. 1895 ....-- 156. 

des Museums für Völkerkunde 1894. 1895 . . . . = 158. 

-- Naturhistorischen Musetims 1894. 1895 . . . = 165. 

Verhandlungen der Geographischen Gesellschaft vom Oktober 1894 

bis zum Mai 1896 • 187. 

Mitgiiederverzeichnis '197. 

Verzeichnis der Gesellschaften, Vereine, Redaktionen u. s. w., mit 

welchen die Gesellschaft im Schriftenaustausch steht . . =202. 
Verzeichnis der seit dem 1. November 1894 eingegangenen Schriften, 

Erwerbuno-en und Geschenke = 205. 



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Kafiristan, Tschitral, Pamir. 



im Februar 1895 starb der letzte Mechtar*) von Tschitral an der 
Nordwestgrenze Eogiisch-Indiens. Um 1878—80 regierte dort Aman-al-Malik, 
ein schlauer, verschlagener, fanatischer Mohamedaner. Freilich hatte der 
Tod eines Mechtars stets eine Reihe von Palast-Intriguen hervorgerufen, die 
aus Vergiftungen, Einkerkerungen der nächsten männlichen Verwandten des 
Verstorbenen, und hier und da auch wohl aus kleinen Scharmützeln in 
der Nähe des Palastes und den dahin führenden Strassen bestanden. Aber 
der englische Resident (Tschitral steht unter englischem Protektorat) Dr. 
Robertson schien vollständig Herr der Stadt zu sein, zumal er 400 Mann 
mit Artillerie, von acht englischen Offizieren befehligt, bei sich hatte und 
drei die Stadt beherrschende Forts sich in seiner Hand befanden. Dr. 
Robertson wählte unter den verschiedenen Bewerbern um den Wasirithron 
Amir-ul-Mulk, obwohl dieser selbst keine besonderen Herrschertugeuden 
gezeigt und sich lediglich dadurch hervorgethan hatte, dass er ver- 
schiedene, dem Thron näher stehende Verwandte eigenhändig ermordete. 
Kaum war Amir-ul-Mulk als Mechtar proklamiert, als sich zahlreiche 
Stämme gegen ihn erhoben und Schir-Abzul als Mechtar anerkannten. 
Dieser war schon 1882 in Wirklichkeit eine Zeitlang Herrscher von Wasi- 
ristan gewesen. Ihn unterstützte besonders Unna (Unra) Khan von 
Jandol, und entrollte zuerst öffentlich die Fahne der Empörung. Gegen 
ihn musste schliesslich eine Expedition ausgerüstet werden, ohne dass 
man indessen irgendwie für die Hauptstadt gefürchtet hätte. Angesichts 
der Ansammlung englischer Truppen zog er sich aus Tschitral nach Nari, 
einer seiner Grenzburgen, wieder zurück. Er suchte seinen Einfall in 
Tschitral damit zu rechtfertigen, dass er den Mechtar zu einem gemein- 
samen Kriegszug gegen die Kafirs habe veranlassen wollen. Als er in 
Sicherheit war, entfaltete er eine überraschende Thätigkeit, konzentrierte 



*) Mehtar, Mechtar, ein persischer Titel, ist soviel wie Padischah. 

1 



die zahlreichen kriegerischen Bergstämme von Bajur bis Iskardo in den 
Karakorum-Bergen, brachte 4000 Maultiere zusammen, bemächligte sich 
des Dir-Forts, nahm es zur Operationsbasis und rückte im März gegen 
Tschitral vor. Lieutenant Ross wurde nun mit 60 Mann vom Sikhs-Re- 
gimente ausgesandt, um den Lieutenants Fowler und Edwards, die Rashun 
bei Karagh, eine von der Voiiiut Unna Khans bedrohte Position, besetzt 
hielten, Hülfe zu bringen. Aber die kleine Truppe fand den Weg ver- 
legt und wurde von Eingeborenen, die hinter Brustwehren verborgen 
waren, beschossen. Nach vergeblichen Versuchen, die feindlichen Ver- 
schanzungen zu nehmen, zog sich Ross zurück, fand aber den Rückweg 
von etwa 1000 Eingeborenen besetzt, die seine kleine Truppe in ein ver- 
nichtendes Kreuzfeuer nahmen. 46 Sikhs, 8 Engländer und Lieutenant 
Ross selbst fanden beim Versuche, sich durchzuschlagen, den Tod und 
nur 14 Mann kehrten nach Tschitral zurück. Auch diese Stadt ging ver- 
loren. Die Einwohner erklärten sich für Schir Abzul und Hessen ihn 
friedlich in die Stadt. Angesichts der Übermacht öffnete ihm Dr. Robertson 
auch das Fort und zog mit dem englischen Schützling Amir-ul-Mulk und 
den Europäern ab. So wurden Shir Abzul und Unna Khan Herreu von 
Wasiristan. Shir Abzul hat sofort einen grossen Teil der in Tschitral 
vorgefundenen fürstlichen Schätze als Zeichen seiner Anerkennung und 
Freundschaft an Unna Khan abgesendet. 

So stand England in einer schweren Situation und vor einem 
bedenklichen Grenzkriege. Die „Westminster Gazette" und einige andere 
Blätter rieten geradezu, Schir Abzul anzuerkennen, und die St. James 
Gazette sprach von mindestens 14000 Mann, die erforderlich seien, um 
weit über die indische Grenze hinaus in einem gewaltigen Berglande mit 
einer überaus kriegerischen Bevölkerung Erfolge zu erringen. Diese 
waren unbedingt erforderlich angesichts der Pamirfrage. 

Kafiristan, Tschitral, Pamir bezeichnen Gegenden, die zu den un- 
bekanntesten und doch zu den interessantesten Asiens gehören. Es ist 
nur ungemein schwer, bestimmte und übereinstimmende Nachrichten von 
ihnen zu erhalten. 

Ungefähr unter dem 72 ° ö. L. und dem 37 " n. Br. finden wir die 
Pamir, einen weiten unbewohnten Teil der Erdoberfläche, aber von den 
ausgedehntesten Reichen, Russland, England, China, eifrig umstritten bis 
jetzt, wo nach den neuesten Mitteilungen zwischen England, Afghanistan 
und Russland ein Abkommen getroffen ist. Der letzte Grenzpfahl wurde 
auf dem Kamme des Mustags gesetzt, wo die chinesische Grenze beginnt. 
Das „Dach der Welt" heisst sie seit den Zeiten des berühmten Venetianers 
Marco Polo, der sie im Jahre 1271 durchkreuzte. Zwei gewaltige Gebngs- 



ketten ziehen dort entlang. Die eine, nördlichere ist das Alai- und öst- 
licher das ThiauschanGebirge, die südhchere das Hindukusch- und öst- 
licher das Mustag-, sowie weiterhin das Karakorum-Gebirge. Sie bilden 
zwei Bogen, die mit ihrer konvexen Seite einander gegenüberstehen. Dort, 
wo sie sich am nächsten kommen, zieht sich von einem zum andern die 
Hochfläche Pamir hinüber und erreicht eine Höhe von 12000 Fuss. 
Parallel mit dem Karakorum läuft nördlich das Küeulüen, südlich der 
Westteil des Himalaja; hier ist eine Welt von Riesenbergen. AVelch' 
Wunder, dass die innerasiatisehen Völker hier die höchste Erhebung der 
Erdoberfläche erblickten! Die Pamir selbst ist ein Hochplateau, welches 
nach allen Richtungen hin von Bergrücken durchzogen ist, von denen 
die wenigsten die Region des ewigen Schnees erreichen.*) Die Ebenen, 
Thäler, Schluchten, sowie die Bergrücken selbst liegen nicht in einer be- 
stimmten Richtung, sondern sind wie durcheinander geworfen; daher sind 
auch die Bewässerungsverhältnisse der Pamir- Hochfläche äusserst ver- 
wickelt. Sie wird von Süd nach Nord von einem breiten Gürtel durch- 
zogen, der sich durcheinander nach beiden Seiten hin entwässert; einige 
der dort entspringenden Flüsse verlaufen im Sande, andere senden ilire 
Gewässer durch den Tarim in den Lopsee, andere gehören dem oberen 
Amugebiete. Die Thäler sind nicht breit, 2 bis 3 km, auch zweigen sich 
häufig Nebenthäler von ihnen ab. Die ganze Gegend ist bäum- und 
strauchlos, selbst Gras wächst nur an emzelnen Stellen, an den Ufern der 
Bäche, wo es oft sehr dicht und üppig erscheint und so dem Vieh der 
Nomaden einige Nahrung gewährt. Die Berge haben weiches Gestein, 
und die Pässe sind daher weniger steil und leichter zu überschreiten; über- 
haupt sind sämtliche Wege in der Pamir leidlich gut. Die von den 
nicht hohen Bergen herabkommenden Bäche und Flüsschen sind in der 
Regel nicht reissend und bieten daher beim Überschreiten auch keine 
Schwierigkeiten dar Der Boden besteht entweder aus steinigem Sande 
oder sandigem Lehm oder sandigen Salzlachen oder auch reinen Salz- 
lachen, die, wenn sie erst vor kurzem ausgetrocknet sind, mit einer wie 
Schnee blitzenden Magnesiaschicht überzogen sind. Bisweilen sind auch 
feuchte Stellen anzutreifen, auf denen stets ein niedriges, aber dichtes 
Gras wächst. Auf Plätzen, wo der Boden Eindrücke aufnehmen konnte, 
sind Fährten von Gemsen, Hasen, Wölfen, Füchsen und Hirschen zu 
sehen. Der Steinbock ist früher hier unzweifelhaft sehr zaMreich vorge- 
kommen, aber der gänzliche Mangel an frischen Fährten, sowie die zahl- 
lose Menge überall umherliegender grosser, schwerer Hörner dieser Tiere 



*) Hellwald, Die N'ölker der Erde. 



berechtigen zu der Annahme, dass sie nach der Seuche, welche im Jahre 
1869 unter ihnen herrschte, ganz oder zum grössten Teile ausgestorben 
sind. Bären und Tiger wurden nicht angetroffen; aus der Vogelwelt 
wurden Adler, Geier, Raben, rotschnabelige Dohlen und sehr viel kleines 
Geflügel gesehen. Trotz des rauhen Klimas wird die Pamir dennoch im 
Sommer von den Nomaden des kaschgarischen und anderer benachbarter 
Gebiete besucht. Alle diese Nomaden beschäftigen sich ausschliesslich 
mit der Viehzucht. Im Sommer sind die Tage heiss, die Nächte dagegen 
kalt. Im Anfange des August sinkt die Temperatur oft schon bis auf 
4" R. herab.*) Im Winter erreicht sie einen sehr hohen Grad und zwingt 
die Nomaden, in die Thal er herabzusteigen. Die Winde sind in der Regel 
sehr scharf; ihre Richtung hängt von der Lage der Thäler ab. Die dünne 
Atmosphäre erschwert ebenfalls dem Menschen, sogar während des 
Sommers, den Aufenthalt, wenn gleich die Erzählungen von ihrem schäd- 
lichen Einfluss oftmals übertrieben sind. Es unterliegt keinem Zweifel, 
dass vollblütige Menschen hier an Nasenbluten leiden, auch Ohnmächten 
unterworfen sind; bei der Mehrzahl aber äussert sich der Einfluss dieser 
Atmosphäre nur in erschwertem Atmen und zeitweiligen Brustbeklem- 
mungen, indess gewöhnt man sich auch an diese Luft. Marco Polo, der 
zwölf Tage brauchte, um die Pamir zu überschreiten, sagt: „So gross ist 
„die Höhe der Berge, dass keine Vögel in der Nähe ihrer Gipfel zu sehen 
„sind, und, wie ausserordentlich es auch ei'scheinen mag, es wurde ver- 
„sichert, dass wegen der Schärfe der Luft Feuer, die da angezündet wer- 
„den, nicht dieselbe Hitze geben, wie in den niedrigeren Gegenden, auch 
„bei der Zubereitung der Speisen nicht so kräftig wirken." Ob die Pamir 
das höchste Hochplateau der Erde ist — die dünne Luft wird dafür an- 
geführt — ist noch nicht festgestellt, aber doch sehr wahrscheinlich. 

Steigen wir nun südwärts über den Hindukusch, so kommen wir 
nach Wasiristan, eine neuere, nach einem allgemeinen Völkernamen ge- 
bildete Bezeichnung für eine Anzahl von Gebieten, welche sich ihre Un- 
abhängigkeit mehr oder weniger bewahrt haben. Bekannter ist wohl der 
Name Dardistan nach dem Volke der Dardu, welcher jedoch ein grösseres 
Gebiet umfasst. Der nordösthche Teil heisst Tschitral, der südwestliche 
Kafiristan; beide erstrecken sich längs des Hindukusch an seinem süd- 
lichen Abhänge. 

Ober-TschitraP''*) ist reich an Quellen und Gebirgsbächen; die Nieder- 
schläge sind ausgiebig; den Kamm des Hindukusch bedecken Sclinee und 
Gletschermassen; die niedrigeren Berggehänge sind mit Nadelholz stark 



Die Temperatur schwankt zwischen -t- 27,5 ° C und — 44 " 0. 
) Major Biddulfs Tribes of the Hindoo Koosh. 1880. 



bewachsen. Die Thäler haben ergiebigen Humusboden und sind ver- 
hältnismässig volkreich; die Wohnstätten wie in Kafiristan an den 
Berglehnen terrassenförmig aufgebaut. In Mastu^ (Mastutsch) und in 
allen Seitenthälern des Khoflusses herrscht an Stelle des Wuriski die 
Sprache von Tschitral oder das Kliowari; die Bewohner werden auch 
Arina genannt, was an einen altiudischen. im Rigweda vorkommenden 
Volksnamen erinnert. 

Das Khowari ist ein eigentümlicher, mit persischen Elementen ver- 
setzter Prakritdialekt, der sich vor den übrigen indischen Sprachen nicht 
nur durch eigene Flexionsformen, sondern auch durch altertümliche Laut- 
bewahrung auszeichnet. Er nimmt aber nur ein kleines Gebiet ein, wie 
denn in diesen Gegenden ein wahres Sprachengemisch herrscht. 

Die Hauptstadt Tschitral, welche auch Tschitrar und Tschitlal 
heisst, ist ein Komplex von sechs Ortschaften auf beiden Seiten des Flusses 
in geringer Entfernung von einander und in der Höhe von 4000 Fuss über 
dem Meere. Von hier aus ist die Front des weit im Norden gelegenen 
zum Hindukusch gehörigen, über 6000 m (22000 Fuss) hohen Teritsch- . 
Mir-Massivs noch immer deutlich sichtbar. Der Herrscher von Tschitral, 
Aman al Malik, welchen Major Biddulph auf seiner Forschungsreise nach 
Tschitral (1878) kennen lernte und dessen schon Erwähnung geschehen 
ist, war 60 Jalire alt. 

Die Einwohnerzahl des Landes beträgt etwa 200000. Es ist ein 
schöner indischer Menschenschlag mit ovalem Gesichte, feingeschnittenen 
Zügen und mandelförmigen, grossen Augen, von schlanker nnd doch 
kräftiger Statur; die Frauen sind von ausnehmender Schönheit. Ackerbau 
ist die Hauptbeschäftigung der Bewohner, auch Viehzucht und Bergbau 
werden betrieben; die Industrie beschränkt sich auf die Erzeugung grober 
und feiner Gewebe; die Feuerwaffen kommen über Gilgit aus Turkistan. 
In dem waldreichen Bergiande findet sich ausgezeichnetes Eisen, Kupfer 
und Auripigment. (Operment, Rauschgelb, in der Oel-Malerei auch Königs- 
oder Neugelb genannt.) 

Der Unterschied des Klimas im Sommer und im Winter ist sehr 
bedeutend. Hagel- und Sclineestürme sind namentlich in den höheren 
Lagen nicht selten; dennoch ist die Vegetation eine südeuropäische. 
Weizen, Aprikosen, Pfirsiche, Wein sind Hauptprodukte. Hochgeschätzt 
für die Jagd sind die langhaarigen, wilden und mutigen Windhunde. 

Die herrschende Religion ist zwar der Islam, aber in einer rohen, 
durch allerhand Märchen verunreinigten Form. 

Zu den unbekanntesten Ländern der Erde gehört Kafiristan. 
Ausser v. TTjfalv}' hat genauer es nur Robertson, ein Engländer erforscht. 



Er machte seinen ersten Besuch dort im Oktober 1889 und hat mehr als 
ein Jahr im Lande zugebracht. Nach seinen Mitteilungen ist Kafiristan, 
d. h. das Land der Ungläubigen, eine geographische Benennung, um eine 
Gegend zu Ijezeichnen, die von Nicht-Mohamedanern bewohnt wird. Es 
wird im Osten von Tschitral und dem Kunarthale, im Südwesten von 
diesem, im Westen von Afghanistan und im Norden vom Hindukusch 
und Badakschan begrenzt. Die Gegend besteht aus einer Reihe von 
Hauptthälern, tief, eng und gewunden, in welche noch engere und 
schwierigere Thäler und Schluchten ihre Bergströme ergiessen. An den 
Abhängen derselben hängen die Dörfer wie Häuserterrassen. Die Haupt- 
thäler werden durch hohe und rauhe Kämme von einander geschieden 
und die einzelnen Stämme sind infolgedessen im Winter von einander 
getrennt. Die Pässe, welche von Badakschan herüberführen, erreiclien 
eine Höhe von mehr als 15 000 Fuss (4500 m) und diejenigen auf der 
Tschitralseite sind, obgleich niedriger, im Winter in der That ganz durch 
Schnee geschlossen. 

An den unteren Abhängen findet man zahlreiche Obstbäume neben 
schattenspendenden Rosskastanien, Eichen, wilden Oliven und Sträuchern 
aller Art; ferner zieht man trefflichen, weltberühmten Wein, Aprikosen, 
Mandeln, Apfel und viele andere Früchte. In einer Höhe von 1500 bis 
3000 m (5000—9000 Fuss] erbHckt man dichte Ceder- und Fichtenwälder. 
Zwischen diesen wachsen Weiden, Birken und Wachholder. Über 13 000 
Fuss (4000 m) besteht der Pflanzen wuchs nur aus grobem Grase 
und Moos. 

Alle Flüsse münden in den Kabulstrom, entweder direkt, oder durch 
den Kunarfluss. Die Strassen, wenn man sie so nennen will, ziehen sich 
am Flussufer hin, doch muss der Reisende sich oft genug in sitzender 
Stellung vor\\ärts schieben. 

Die zuweilen recht gut gebauten Brücken liegen hoch über dem 
Wasser und sind in der Mitte oft nicht breiter als V2 m; die Brustwehren 
haben nur eine Höhe von 10 bis 12 cm. Zuweilen bestehen die Brücken 
nur aus zwei Stangen. Im Presunthale w'erden sie jedoch aus grossen 
Baumstämmen erbaut und sind ruhig und sicher. 

Robertson nimmt an, dass die Bewohner dieses entlegenen Landes 
hauptsächhch von der alten Indischen Bevölkerung Ost- Afghanistaus, ge- 
i-nischt mit den ursprünglichen Rassen der Thäler, abstammen. Ausser 
vielen Dialekten fand er drei verschiedene Sprachen in Kafiristan. Von 
der grössten Zahl der Einwohner wird die Siah-Posch-Sprache gebraucht; 
die anderen beiden sind das Wai und die Sprache des Presunvolkes, 
welche, wie die Baschgul-Kafirs behaupten, von keinem Menschen erlernt 



werden kanu. Der Ton dieser Mundart hat Ähnlichkeit mit einem sanften, 
musikalischen Miauen. 

Die Einwohner nennen sich selbst Kafirs, d. h. Schwarzbeinler, 
eigentlich Schwarzgekleidete und Siah-Posch. In den höchsten Bergthälern 
giebt es auch Rote Kafirs, von ilirer lichten Farbe so benannt, und auch 
Safid-Poschs, d^ h. Weissgekleidete. 

Jeder Stamm, deren es 18 giebt, ist in Familien geteilt und die 
öffentlichen Angelegenheiten werden durch Beratungen der Häuptlinge 
oder Jästs entschieden. Der Jäst wird nach einer Ceremonie ernannt, 
welche für mehr, als zwei Jahre gilt und immer wieder erneut werden 
muss, wenn der Häupthng seinen Einfluss zu bewahren wünscht. 

Körperlich sind die Kafii's schlank gebaute, kräftige Menschen, 
welche sich gut geübt zu haben scheinen. Fette Männer sind unbekannt. 
Als Robertson gesprächsweise einem Priester erzählte, wie häufig in Eng- 
land Dickleibigkeit sei, sagte er: „Ich weiss sehr wohl, was Sie meinen. 
,,Ich tötete einmal einen Mann an der Asmarischen Grenze und er war 
„gerade so fett, wie Sie es sagen.'-' 

Die durchschnittliche Höhe der Männer ist öV^ Fuss. Die Weiber 
sind von kleiner Statur und scheinbar schwach, in Wirklichkeit aber von 
wunderbarer Ausdauer. Die Gesichtszüge sind ganz europäisch und sehr 
intelligent; sowohl blaue als schwarze Augen kommen vor; die Augen- 
brauen sind gewölbt, die Lider lang, die Stirn ist offen und breit; die 
Farbe des gelockten Haares wechselt von Schwarz bis Hellbraun. Die 
Kafirs sind Hyperdolichocefalen. 

Das Volk ist äusserst neidisch und habgierig und zwischen den ein- 
zelnen Stämmen besteht oft der bitterste Hass. Am meisten richtet er 
sich aber gegen die Afghanen. Die geistigen Anlagen der Kafirs sind 
bedeutend. Robertson nahm einen jungen Diener von einem ziemlich 
geringen Typus mit nach Indien und zahlte ihm 280 Indische Rupien 
für seine Dienstleistungen. Der Diener wünschte diese Summe in Kabul- 
Rupien ausgezahlt. Die KabuIRupie hat 12 V2 Annas und die Indische 16. 
Robertson rechnete die Summe aus, aber der Diener bewies ihm, dass er 
sich verrechnet hatte, indem er an seinen Fingern und Zehen nach- 
rechnete. Bei einer andern Gelegenheit hatte Robertson die Anordnung 
von Buchstaben, durch welche man ein künstliches Schloss öffnete, ver- 
gessen. Er zeigte es einem Kafir, der nie einen gedruckten Buchstaben 
gesehen hatte. Der Mann fand die Kombination und vergass sie nie 
wieder. 

Die Religion der Kafirs ist Götzendienst mit einem Anfinge von 
Ahnenkultus. Imra ist der Schöpfer aller Dinge, aber es giebt noch viele 



untergeordnete Gottheiten. Die bekannteste ist Gisch, der Kriegsgott, der 
auf wunderbare "Weise erschaffen wurde. Er soll Hassan und Hussein, die 
Enkel Mahomets, erschlagen haben. In jedem Dorfe hat er einen Altar- 
schrein. Sein Bild ist entweder ein flacher Stein, oder ein hölzerner Kopf 
und Antlitz. Häufig sind Kriegstrophäen auf Pfählen in jeder Ecke seines 
Tempels aufgehängt. 

Die Kafirs glauben auch an Teufel und Zauberinnen, uod dass in 
einer Hölle unter der Ei'de die Sünder wei-den verbrannt werden. Der 
Geist eines Verstorbenen wird ein Schatten oder Gespenst. Übrigens 
haben einige Familien den Islam angenommen und sich an der Grenze 
von Tschitral niedergelassen; man nennt sie gewöhnlich Kalascha. Ein 
anderer Teil, der nördlich von ihnen wohnt und ebenfalls unter der Herr- 
schaft von Tschitral steht, sind die Baschgali. Bei ihnen tragen nach 
Major Biddulph die verheirateten Weiber zum Unterschiede von den 
Mädchen schwarze Kappen mit Zipfeln, aus denen zwei lange Hörner 
hervorragen. 

Der heihgste Platz auf der Erde ist Kaschmir, weil es das zuerst 
erschaffene Land ist. Von hier aus wurde die Welt durch eine Zer- 
streuung, wie bei dem Bau des Turmes von Babel bevölkert. Eine grosse 
Zahl der Kinder des Vaters Adam waren bei einander in Schlaf ver- 
sunken und als sie am Morgen erwachten, hatte eine Spracheuverwirrung 
sie befallen, so dass jeder Mann nur ein einziges Weib verstehen konnte 
und die Paare nun nach verschiedenen Richtungen hin auswanderten. 

Wie alle Hindukuschvölker schreiben sie der Flamme eine besonders 
heilende Kraft zu. Bei allen Übeln brennen sie Arme, Beine und den 
Leib wund. Die Mütter brennen den Kindern Scheiben, so gross wie ein 
Zehnpfennigstück auf der Spitze des Schädels ein, hie und da auch ober- 
halb der beiden Ohren, um sie vor Kopfleiden zu bewahren. 

Obgleich die Kafirs nicht zugestehen wollen, dass sie ihre Ahnen 
verehren, sind doch die hölzernen und steinernen Denkmäler derselben oft 
mit Opferblut besprengt. Aller Gottesdienst geschieht durch Opfer, Tänze 
und heihge Gesäuge, aber von Gebeten findet sich keine Spur. Die Toten 
werden weder begraben, noch verbrannt. Die Leichname werden in grosse 
Kasten an der Hügelseite oder an einem verborgenen Platze gelegt, in einigen 
Fällen auch ganz nahe beim Dorfe und am Wege. Die Kasten sind sehr 
gross und werden gebraucht, bis sie voll sind oder so lange sie zusammen 
halten. Nur in seltenen Fällen findet beim Begräbnisse eine Ceremonie 
statt. Zwei junge Männer, erzählt Robertson, waren auf einem Kriegs- 
zuge getötet. Von einem befreundeten Stamme wurden ihre Köpfe in ihr 
Dorf gebracht und dort von einer Schar klagender Weiber empfangen. 



9 

Aber die Väter der Gefalleneu trieben sie sofort von der Hausthüve weg. 
Strohfiguren wurden an den Köpfen befestigt und diese nun auf den 
Tanzplatz gebracht. Dort währten Reden, Tänze und Wehklagen zwei 
bis drei Tage lang, wobei Speise und Wein unter die Gesellschaft 
ausgeteilt wurden Dann brachte man die Köpfe an die Begräbnisstätte, 
aber die Feierlichkeiten wurden mit den Strohfiguren noch fortgesetzt. 

Blutsfehde ist unbekannt, aber wenn ein Kafir einen von seinem 
Stamme tötet, muss er sein Dorf verlassen und wird ein Outcast. Sein 
Haus wird niedergebrannt und sein Eigentum geplündert. Seine Nach- 
kommen müssen den Makel seines Verbrechens tragen. Der Mörder fiieht 
an eine der anerkannten Zufiuchtsstätten und bleibt dort. 

Die Hochzeitsgebräuche sind einfach. Wünscht ein Mann sich zu 
verheiraten, so schickt er einen Freund aus und lässt sich nach dem 
Preise der Frau erkundigen. Wenn er arm ist, wird er gefragt, ob er 
acht Kühe bezahlen kann, wenn reich, soviel wie zwölf oder sechzehn. 
Nimmt der Vater den Preis an, so geht der Mann in des Weibes Haus, 
wo eine Ziege geopfert wird, und die Ceremonie ist beendet, aber das 
Weib bleibt im Vaterhause, bis der Preis bezahlt ist. Die Polygamie 
herrscht, und nach dem Tode eines Mannes werden seine Weiber verkauft, 
oder seine Brüder behalten sie. 

Robertson lobt den Mut und den Unabhängigkeitssinn der Kafirs, 
sowie ihr starkes Familiengefühl und ihre Hingebung für einander im 
Kampfe. Sie sind prahlerisch und glänzende Lügner, aber doch treuer 
und ehrenhafter, als ihre unmittelbaren Nachbaren, die fanatischen Darden 
und die heimtückischen Jeschkun. Dies ist ein schlimmes Urteil für die 
Nachbaren, und alles bekommt ein düsteres Aussehen, wenn Robertson 
hinzufügt: „Die meisten von meinen ersten Erkundigungen waren vom 
„Anfang bis zum Ende falsch, und ich ärgere mich noch über die Mühe, 
„welche es mir kostete, sie in Ordnung zu bringen." 

Nachschrift. Nachdem der Krieg der Engländer gegen Tschitral 
beendet und dieses Land gänzlich ihrer Herrschaft unterworfen ist, wird 
das benachbarte Kafiristan wohl bekannter werden. Auch eine dänische 
Forschungsgesellschaft will dem Vernehmen nach demnächst dahin ab- 
gehen. Unter der Leitung des dänischen Leutnants Olufsen will sie die 
Pamirpässe erforschen und über Ishkaschan durch den Hindukusch in 
Kafiristan eindringen. Indessen währen die Kämpfe der Kafirs mit den 
Afghanen fort. Nach den letzten Nachrichten hatten jene im Vernothale 
verzweifelten Widerstand geleistet und 200 afghanische Irreguläre getötet, 
selbst aber 180 Mann verloren. Dennoch dringen die Afghanen durch 
das Basgholthal vor. 



Die Republik San Marino. 



(Den folgenden Mitteilungen liegt die Abhandlung H, Hauttecoeurs im Bulletin der Kgl. Belgischen 
Geographischen Gesellschaft, Jahrg. 1895 Heft 2, zugrunde. Benntzt ist ferner ausser vereinzelten Notizen 
ein im XVII. Jahresbericht des Vereins für Erdl^unde in Jletz enthaltener Vortrag seines Schriftführers 

Dr. Schumacher.) 



JVLitten iu dem durch seine Geschichte und die Schönheit seines 
Himmels berühmten Italien erhebt sich am Abhänge des Berges Titan 
eine ahe Stadt, klein, wenn man nur ihre Ausdehnung und die Zabl 
ihrer Bewohner berücksichtigt, gross unter allen andern durch die Er- 
innerungen, welche sie erweckt. 

Angeklebt an einen Gipfel des hohen Gebirges, an dessen Sonnen- 
seite staffeiförmig ihre Häuser hängen, bietet sie den Angriffen der Nord- 
stürme nur die Türme ihrer Veste dar. Die Strahlen der Sonne und die 
Seebrise mildern die Frische ihrer hohen Lage. 

Am Fusse des Abhanges breiten sich, wie das Blumenwerk einer 
Krone, die Dörfer aus, welche die Stadt umgeben. 

Um diesen schwachen Staat herum haben sich die Einfälle der 
Barbaren und der Sarazenen ergossen; die Zwistigkeiten des Mittelalters 
haben die Verwüstungen der Bürgerkriege ausgebreitet. Die Päpste, die 
weltlichen Herrscher, die Bischöfe haben abwechselnd versucht, dies 
glückliche und stolze Völkchen zu unterjochen. Die grössten Eroberer 
haben seine Freiheit geachtet. Und als vor wenigen Jahren Italien ein 
Leib und eine Seele sein wollte, haben mitten in dem allgemeinen Brande, 
ohne welchen die Einheit nicht entstehen kann, die Sieger die Erben des 
heiligen Martine mit Achtung begrüsst, und während die Waffen und das 
Verlangen der Bevölkerung einen Souderstaat der Halbiusel nach dem 
andern auslöschten, um daraus ein einiges Königreich zu machen, ver- 
stand diese kleine Republik es, ihr Gebiet und ihre Selbständigkeit un- 
versehrt zu erhalten. 



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I. 

Stadt und Staat San Marino haben ihren Namen von einem armen 
Steinhaiier. Nach der Sage war er durch ein Edikt der Kaiser Diocietian 
und Maximian berufen, an der Wiederherstellung der Mauern von Rimini 
zu arbeiten. Er hatte mit seinem Freunde Leo, dem späteren Bischof 
und Gründer der Stadt St. Leon, Dalmatien verlassen und arbeitete in 
den Granitbrüchen am Fusse des Berges Titan. Nach 14jähriger Thätig- 
keit bereitete er sich ^'or, nach Dalmatien zurückzukehren, als plötzlich 
eine von der dalmatischen Insel Arbes stammende Frau im Hafen von 
Rimini landete, um ihren Ehemann Marinus wieder zu erlangen. Sie 
fand ihn und beschwor ihn, sie bei sich zu behalten. Der arme Stein- 
hauer, eifriger Christ, ostium cellulae in faciem ejus clausit, wie ein Ge- 
währsmann aus dem 10. Jahrhundert sagt, d. h. machte ihr die Thür vor 
der Nase zu und floh nachts auf den Gipfel des Berges Titan. Hier er- 
baute er zu Ehren des Apostels Petrus eine Kapelle, aber eine Witwe 
von -adliger Abstammung, namens Felicitas, die auf dem Landgute 
Montecchio am Abhänge des Berges wohnte, beauftragte, erbittert über 
die Erbauung des Heiligtums, ihren Sohn Marinus zu töten. In dem 
Augenblicke aber, als er sein Vorhaben ausfühi'en wollte, wurde er vom 
Schlage getroffen und erhielt den Gebrauch seiner Glieder nur durch ein 
Wunder des Heiligen zurück. Aus Dankbarkeit für diese Wohlthat 
schenkte Felicitas, eine nahe Verwandte des Kaiserhauses, dem heiligen 
Marinus nicht nur den Berg, sondern auch alle Ländereien und Hügel 
umher. Der Ruf des Heiligen, die günstige Lage, die Religion sverfol- 
gungeu, der Schutz des Bischofs Gaudenzio von Rimini führten dem 
Gottesmann eine grosse Zahl von Jüngern zu. Ohne sich durch Vor- 
schriften oder mönchische Gelübde zu binden, bildeten sie einen Verein 
freier Männer, nur geeinigt durch den gemeinsamen Willen, mit einander 
zu beten und zu arbeiten. Später kamen ganze Familien, um die Ruhe 
der Einsamkeit in der unzugänghchen Zuflucht des Gebirges aufzusuchen. 
Wie hoch Sankt Marinus geschätzt wurde, geht aus einer Inschrift her- 
vor, die auf einem Denkstein über der Thür der Kirche sich befindet. 
Dort heisst es: Divo Marino, patrono et libertatis autori. Die Bezeichnung 
divus, göttlich, i.st bei Heiligen durchaus ungewöhnlich. 

Dies war der Ursprung der Stadt San Marino. Schwieriger ist es, 
genau denjenigen der Unabhängigkeit dieses Staates festzustellen. Barba- 
rische Horden zogen nach einander bei der entstehenden Gemeinde vor- 
über, ohne ihre Freiheit anzutasten. Nur die Longobarden bemächtigten 
sich der Überreste des heiligen Marinus, aber Pipin liess sie zurückstellen. 



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Einige Päpste haben den Berg Titan unter ihre weltliche Herrschaft 
bringen wollen, andere haben zu allen Zeiten seine Unabhängigkeit an- 
erkannt. Jenen hat die Republik mit Entschlossenheit widerstanden, ohne 
ihre Armeen und die zehnmal geschleuderten Bannblitze zu fürchten. 
Andere haben sie warm geliebt. Gegen die einen verbündete sie sich, mit 
den Ghibellinen oder wollte sich den Venetianern ergeben, während diese 
sie ihre teuren Nachkommen des heiligen Marinus nannten. Aber niemals, 
selbst nicht in den schlimmsten Zeiten seiner Geschichte hat der Berg 
Titan seiner Unabhängigkeit entsagt. 

Im Staatsarchiv, welches viele alte Urkunden bewahrt, findet sich 
eine vom 20. Februar 885, die schon von einem Presbyter und Abt des 
Klosters des hl. Marinus spricht. Damals war die Stadt bereits mit Mauern 
und Türmen befestigt, und hiess statt ehemals Schloss der Felicitas die 
Citadelle San Marino. 961 nahm Berengar von Ivrea seine Zuflucht vor 
Kaiser Otto I. in dasselbe. Noch jetzt trägt jede der drei Spitzen (le tre 
penne) des M. Titan ein dräuendes, an das Mittelalter erinnerndes Castell. 

Während fünf Jahrhunderten nahmen die San Marinesen, welche 
ihr Gebiet indessen durch Ankäufe und Geschenke vergrössert hatten, an 
allen Kriegen, welche Mittehtalien zerrissen, teil. Mit dem Jahre 1247 
begannen diese Kämpfe, als der geistliche Oberhirte San Marinos, Bischof 
ügolino von Montefeltro, weil die Mitglieder seiner Familie Lehnsleute 
des Deutschen Kaisers waren, für Friedrich IL gegen den Papst lunocenz IV. 
Partei ergriff. Sofort traf ihn und seine getreuen Sammariner der Bann- 
strahl und von nun an stand San Marino beständig auf der Seite der 
Ghibellinen. Trotzdem die Weifen unter dem Malatesta, Grafen von 
Rimini, in der übrigen Romagna Sieger blieben, hielt sich San Marino 
mit dem befreundeten Grafen von Montefeltro mehr als 50 Jahre (bis 
zum Friedensschlüsse 1300) als einziger Hort der Kaiserlichen. Im 
14. Jahrhundert herrschte ein langer Kampf mit der Kirche, indem die 
Bischöfe von San Leo behaupteten, Lehnsherren der kleinen Republik zu 
sein, und Bischof Benvenuto sogar so weit ging, seine Rechte an die 
Grafen von Rimini zu verkaufen. Allein die Sammariner wehrten sich 
tapfer und mit Erfolg. Aus diesen Kämpfen wird folgende Episode be- 
richtet. Eines Tages sah man eine Menge Menschen kommen, welche 
sich Abgesandte des Bischofs Hubert nannten. Mit oder ohne Grund er- 
schienen sie verdächtig und hielt man sie für Spione. In der Ghibelli- 
nischen Jugend erwachte der Hass gegen die Römischen Weifen; sie 
ergriff die Waffen, verhaftete die Fremden und schloss sie im Fort la 
Rocca ein. Der Rat versammelte sich mit Ruhe und besprach sich, nicht 
über die schlimmen Absichten der Fremden, weil sie noch nicht ausge- 



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führt waren, sondern über die patriotische, aber gesetzwidrige Handhmg 
der jungen Leute, welche fi-eie Männer verletzt und die Regeln der alt- 
herkömmlichen Gastfreundschaft gebrochen hatten. Sie wurden zur Ver- 
bannimg und einer schweren Geldbusse verurteilt. Gehorsam entrichteten 
sie und verliessen mit Thränen in den Augen den heimischen Boden. 
Doch rief die Verteidigung des Staates sie bald zurück. Nachdem so dem 
Gesetze genüge geschehen war, wie in Sparta, dachte man daran, sich für 
die Freiheit zu bewaffnen. Die gewandte und stolze Jugend schlug die 
Truppen des Bischofs, nahm seine Festungen mit Sturm und kehrte, zu- 
frieden mit der Züchtigung, die sie den ungerechten Menschen hatte an- 
gedeihen lassen, zurück, ohne darnach zu trachten, das gerächte Vater- 
land, den kleinen und freien Zufluchtsort für Unglückliche und Miss- 
handelte, zu vergrössern. 

Später bemächtigte sich Cäsar Borgia San Marinos, aber nur so 
lange, um eine Urkunde für Serravalla, ein Dorf der Republik, auszu- 
stellen. Der Tod seines Vaters, des berüchtigten Papstes Alexander IV. 
Borgia machte seiner Herrschaft ein Ende. 

Zwanzigmal war in dieser Zeit die Stadt in Gefahr, mit Sturm ge- 
nommen zu werden ; niemals gelang es. Bald ist es ein Sieg, der gewonnen 
wird, bald das Bellen eines Hundes, der eine Überraschung vereitelt. 

Nach 200 Jahren eines entnervenden Friedens glaubte Cardinal 
Alberoni, dem es in Spanien misslungen war, seinen König Philipp V. 
auf den Thron von Frankreich zu setzen, dass er sich in Italien mit 
Ruhm bedecken könnte, wenn er seinem Papst- Souverain die Republik 
San Marino verschaffte. Er stellte sich an die Spitze von 200 Rittern 
und zog gegen die Stadt. Verräter, 47 Sbirren und der Henker von 
Ravenna begleiteten ihn. Kaum in der Stadt angekommen ernannte er 
einen Gonfalonniere des heiligen Stuhles, warf alle San Marinesen, welche 
Miene machten sich zu widersetzen, in den Kerker und kündigte unter 
Androhung der schrecklichsten Züchtigungen an, dass er in einigen Tagen 
den Unterwerfungseid verlangen werde. Als die Soldaten alle Bürger in 
die Kirche getrieben hatten, gab der Kardinal den Befehl, die einzelnen 
Namen zu nennen. Niemand antwortete. Man musste Gewalt. anwenden. 
Die Furcht erpresste den ersten beiden Männern den frevelhaften Schwur. 
Dann trat der Kapitän Giangi vor. „Am 1. Oktober," rief er, „habe ich 
„meinem rechtmässigen Herrn, der Republik San Marino, Treue ge- 
„schworen. Diesen Schwur erneuere und bekräftige ich." Onofri sagte 
dasselbe. „Ich habe immer gerufen und werde immer rufen: Es lebe die 
„Republik Sankt Marino! Es lebe die Freiheit!" Diese mit Begeisterung 
ausgerufenen Worte wurden von dem Diakon, welcher am Altare Dienst 



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that und die Hände zum Himmel erhoben hatte, wiederholt. Evviva 
San Marino! Evviva la liberta! antwortete einstimmig die ganze Menge. 
Der Kardinal wurde verwirrt, entfernte sich, drohte, gestattete zu plün- 
dern und liess das Volk 24 Stunden lang in der Kirche einschliessen. 
Endlich kehrte Alberoni, erschrocken über die mutige Haltung, eilig nach 
Ravenna zurück und meldete dem Papste, dass die Eroberung von San 
Marino beendigt wäre. 

Sobald der französische Gesandte in Rom diesen schmählichen Ver- 
such erfuhr, erliess er ohne Zaudern folgende Mitteilung an den Papst: 
„Heiliger Vater. Ich erkläre Ihnen, dass der König, mein Herr, es nie- 
mals dulden wird, wenn man eine freie und unabhängige Nation zu 
Sklaven macht. Im Falle eines Widerstandes erkläre ich Ihnen sofort 
den Krieg." Clemens XII. war vernünftig und setzte die Sau Marinesen 
wieder in den Genuss ihrer alten Freiheit ein. Dies geschah am 5. Fe- 
bruar 1740 und dieser Tag wird noch immer als Freudensfest gefeiei't. 

Am Tage nach der Schlacht bei Rivoli schickte der General Bona- 
parte den berühmten Mathematiker und berüchtigten Direktor des Pariser 
Nationalmuseums Monge ziu' Republik San Maiino, um sie der Brüder- 
lichkeit und der Freundschaft der französischen Republik zu versichern, 
indem er ein Geschenk von 4 Kanonen und 1000 Zentner Getreide an- 
kündigte. Beides ist aber nie eingetroffen. Monge hielt vor den Regenten 
eine emphatische Rede. „Bürger! Die politische Verfassung der Bürger, 
„welche euch umgeben, wird Veränderungen erleiden müssen. Wenn 
„einige Teile eurer Nachbarländer euch notwendig sein sollten, bin ich 
„durch den Obergeneral ermächtigt, euch aufzufordern, es ihm mitzuteilen. 
„Mit dem grössten Eifer wird er der französischen Republik Gelegenheit 
„geben, euch ihre aufrichtige Freundschaft zu beweisen." Nach einigen 
Worten des Dankes antwortete der Regent Onofri: „Die französische 
„Armee hat ihre Blicke auf einen Erdenwinkel zu werfen geruht, wohin 
„sich ein Rest der antiken Freiheit geflüchtet hat, und wo mehr die 
„Strenge Spartas, als die Eleganz von Athen lebt. Ihr wisst es, die Ein- 
„fachheit der Sitten und das innige Gefühl der Freiheit sind das einzige 
„Erbe, welches uns unsere Vorfahren hinterlassen haben. Wir haben es 
„durch alle Jahrhunderte bewahrt, ohne dass die Anstrengungen des Ehr- 
„geizes, der Hass der Mächtigen, der Neid unserer Feinde es hätten un- 
„gestraft antasten können. Kehren Sie jetzt zu Ihrem Helden zurück und 
„sagen Sie ihm, dass die Repubhk San Marino, zufrieden mit ihren 
„Grenzen und ihrem bescheidenen Dasein, das Anerbieten, welches er ihr 
„macht, nicht annimmt, noch überhaupt nach einer Vergrösserung trachtet, 
„welche mit der Zeit üirer Freilieit gefährlich werden könnte." 



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Trotz dieser edlen Antwort, geriet bald nachher die Freiheit San 
Marines in Gefahr. Napoleon I. war im Begriff sich des Kirchenstaats 
zu bemächtigen und San Marino sollte Kantonshauptstadt des Departe- 
ments Mark Ankona werden, als der Minister der auswärtigen Angelegen- 
heiten auf den Gedanken kam, Napoleon zu befragen. „Ach was," ant- 
wortete heiter der Kaiser, „wir wollen San Marino als Probemuster einer 
Republik aufbewahren." 

Nach dem Sturze des Kaiserreichs warfen die Österreicher, Pajjst 
Leo XII., der bei seiner Thronbesteigung 1823 die Unterwerfung ver- 
langte, aber infolge der Vermittlung Bunsens, des preussischen Gesandten, 
davon abstand, und die Grossherzöge von Toskana nach einander neidische 
Bücke auf die Veste San Marino. Die Weisheit der Regenten und ins- 
besondere Onofi'is, welcher den Namen Vater des Vaterlandes verdient, 
wendete die Gefahr ab, bis im Juli 1849 plötzlich Garibaldi mit seinen 
von den Österreichern geschlagenen und verfolgten Truppen an dei- 
Grenze von San Marino erschien. Der kleine Staat hatte immer als Zu- 
fluchtsort für Verbannte und politische Flüchtlinge gedient. Man durfte 
die Überreste dieser tapferen Verleiteten nicht in den Tod schicken. Aber 
konnte dies Mitleiden nicht den Zorn der vier siegreichen und damals 
allmächtigen Nationen erregen. Man fragt bei den Österreichern an. 
„Ihre Bedingungen sind unannehmbar," schreibt Garibaldi den Regenten 
und zieht sich mit seinen Truppen in das Franziskanerkloster am Thore 
der Stadt zurück. Hier entlässt er seine Gefährten und gestattet ihnen, 
in das Privatleben zurückzukehren. Indessen hatten die Regenten mit 
dem österreichischen General Hahn einen Vertrag verabredet, nach 
welchem Garibaldi unter der Bedingung, dass er nach Amerika aus- 
wandere, frei sein, und seine Mitkämpfer, diejenigen ausgenommen, welche 
wegen Kriminalverbrechen verfolgt wurden, sich ohne Furcht ergriffen zu 
werden, zerstreuen durften. Aber in der Nacht Hess Garibaldi seine Mit- 
kämpfer im Stich und entfloh mit seiner sterbenden Frau Anita und 
einigen wenigen Begleitern. Als dies General Hahn hörte, schrie er, dass 
er von den San Marinesen angeführt sei, und verlangte die sofortige Aus- 
lieferung aller Männer, welche dem Condottiere nicht hatten folgen können. 
Diese wollten sich nicht ergeben und erklärten, dass sie sich der Veste 
bemächtigen und gegen die Österreicher verteidigen würden. Sofort Hessen 
die Regenten Sturm läuten. Die Marinesischen Truppen ergriffen die 
Waffen und machten sich fertig, die Neutralität ihres Gebiets gegen die 
Schützlinge des vorhergehenden Tages zu verteidigen. Nun ergaben sich 
Garibaldis Soldaten, da der Widerstand aussichtslos war. 

Victor Emanuel und Humbert haben der Republik ihre unerschütter- 



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liehe Freundschaft bewiesen. Bei der Annexion der Romagna ist niemals 
an eine solche von San Marino gedacht, da das Dekret nur diejenigen 
Gebiete nannte, welche sie verlangt hatten, was bei San Marino nie ge- 
schehen war. Ein Freundschaftsvertrag zwischen Italien und der Republik 
wurde 1864 unterzeichnet. 

Arn Schlüsse dieser historischen Angaben*) möge eine sonderbare 
Geschichte erfolgen, welche angeblich nach der Behauptung eines ge- 
lehrten Deutschen von den San Mariuesen allen Fremden erzählt wird; 
Hauttecoeur aber verwahrt sich dagegen, selbst sie gehört zu haben. 

Im Jahre 1556 wohnte zu San Marino an der Ecke des Markt- 
platzes und der Strasse Sankt Jakob ein Buchhändler Francesco Bellero. 
In den drei Jahren, seitdem er in der Stadt sich aufhielt, hatten die Ein- 
wohner ihn als einen guten, frommen und mildthätigen Menschen gekannt, 
aber von solcher Misanthropie, dass man ihn nur in seinem Laden oder 
in der Kirche treffen konnte. Zuweilen ging er indessen auf den ein- 
samen Pfaden des Gebirges spazieren oder drang in die Höhlen des Titan 
ein, das Haupt gesenkt und der Geist vertieft in ein unlösbares Rätsel. 

Am Abende eines Sonntags begab er sich plötzlich zu seinem Beicht- 
vater und benachrichtigte ihn, dass eine schwere Gefahr San Marino be- 
drohe. Zigeuner, behauptete er, hätten die Brunnen und Fontänen ver- 
giftet, um sich der Stadt zu bemächtigen. Als der Geistliche aus Miss- 
trauen gegen die Erzählung des traurigen Träumers sich darüber ver- 
wunderte, wie er die Sprache dieser Nomaden verstehen könnte, machte 
dieser ein sonderbares Geständnis. Als er noch ein junger Student ge- 
wesen wäre, habe er beschlossen, ganz Italien zu durchwandern, um nach 
Abenteuern zu suchen. Er habe in Neapel eine Zigeunerbande getroffen 
und sich sterblich in ihre Königin verliebt. Die Prinzessin Drokh, sonst 
gegen die Thorheiten junger vornehmer Herren gepanzert, wäre gegen 
seine stummen Bewerbungen nicht unempfindlich gewesen. Aus Eifer- 
sucht hätten ihre Landsleute sie ermorden wollen, aber er sei so glück- 
lich gewesen, sie zu retten. Hierauf habe er sie geheiratet, wäre Mit- 
glied der Horde geworden und mit den Zigeunern umhergezogen. Aber 
als sie die Absicht verrieten, nach Afrika zu gehen, habe die Liebe zum 
Vaterlande bei ihm über die schwächer gewordene Leidenschaft gesiegt. 
Er sei geflohen und habe auf dem Titan ein sicheres Versteck gefunden. 
Aber er hätte ohne die Prinzessin gerechnet. Nach drei Jahren habe sie 
ihn hier in seinem Buchladen wieder aufgefunden. 



*) Der Geschichtsschreiber San Marinos ist der Sammariner Delfico in seinen 
Memorie storiclie della Kepublica di San Marino. 



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Man schenkte seiner Erzählung keinen Glauben, aber am folgenden 
Tage breitete eine ansteckende Krankheit sich über die Stadt aus, an der 
in weniger als zwei Monaten 200 Menschen starben. Francesco wurde 
endlich gehöit. Er hatte die Zigeuner behorcht und ihre Pläne entdeckt. 
Sie hofften inderthat während des Schlafes der Einwohner die Stadt zu 
überrumpeln. Als sie versuchten einzudringen, fanden sie die Verteidiger 
bewaffnet. Das Blutbad war schrecklich. Beinahe alle Augreifer wurden 
niedergemetzelt. Während des Kampfes verschwand Francesco. Ein 
junges Mädchen berichtete, dass drei Männer sich des Buchhändlers be- 
mächtigt hätten und mit ihm verschwunden wären. Als nach langem 
Warten es sicher war, dass er nicht wieder zurückkehren würde, öffnete 
die Behörde seinen Laden und fand ein Testament, in welchem er an- 
ordnete, dass er sein Vermögen den Waisen und Studenten vermachte. 
Aber dieses Testament ist nicht mehr vorhanden. 

IL 

Die Repubhk San Marino hegt unter 43 " 55 u. Br. und 10 " 8 ' 
(Paris = 30 ° 8 ' Ferro) ö Länge und ist im Königreich Italien von den 
Provinzen ForH im Norden, Osten und Süden und Pesaro im Westen 
vollständig eingeschlossen. In ihrer nächsten Umgebung giebt es manche 
historisch berühmte Orter. In germger südlicher Entfernung vom Titan 
liegen Urbino und Pesaro, bekannt als die Geburtsstätten Rafael, Santi's 
und Rossinis. Im Norden fliesst der Uso (Rubicon), der durch Cäsars 
Worte Alea jacta und seinen Übergang berühmt ist. Rimini ist das alte, 
vielfach in der Geschichte Roms genannte Ariminum. Das Staatsgebiet 
hat die Gestalt eines länglichen Vierecks und dehnt sich auf den Seiten 
eines westlichen Gebirgszuges der Apenniuenkette aus, der sich von der 
Alpa Luna bis zum adriatischen Meer südwestlich von Rimini hinzieht. 
Der höchste Gipfel dieser Kette liegt zwischen La Marecchia im Norden 
und La Conca im Süden und ist der 738 m hohe Berg T^tan. Seine 
drei Gipfel sind von drei alten Vesten gekrönt, die die Stadt San Marino 
und ihre Vorstadt Borgo Maggiore beherrschen. 

Drei kleine Bäche, die Ausa, auch Rio Marignano genannt, der 
Marano oder Ancorano und der Fiume entspringen am Fusse des Berges 
Titan, dm-chschneiden das Gebiet der Repubhk, welches eine Oberfläche 
von 61 qkm und einen Umfang von 30 km hat, und ergiessen sich, nach- 
dem sie 18 Kornmühlen getrieben haben, in die Marecchia, welche in die 
Adria strömt. 

Drei Kilometer von San Marino bei der alten Abtei San Anastasia 
finden sich drei Mineralc[uellen, eine schwefellaaltige, ein Säuerliug und 

2 



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eine doppeltkohlensaure Sodaquelle, die nach San Marino benannt sind, 
obgleich sie nicht in seinem Gebiete liegen. Nach dem Zeugnis der 
Arzte sind diese, ausserhalb Italien gar nicht bekannten Quellen, bei 
Haut- und Magenleiden sehr wirksam. 

Der seinem Ursprünge nach vulkanische Boden hat im Laufe der 
Jahrhunderte sein Aussehen nicht geändert und einen Teil seiner wert- 
vollen Schätze bewahrt. Nur die grossen "Wälder, in welchen der Eremit 
unter Bären und Wölfen sich seinen Büssungen hingab, sind allmählich 
von den Berghängen bis auf einige dichte verschwunden, in denen der 
Holzhauer zwischen Lorbeerbäumen, Cypressen, Tannen, Mastixbäumen 
die schönsten Eichen Italiens fällt. 

Der Baustein von San Marino, Marmo di san Marino, welchen die 
Steinbrecher seit undenklichen Zeiten in Suburbium am Fusse des Titan 
brechen, giebt einer grossen Zahl von Werkleuten Arbeit. Man findet 
zwei selu' gesuchte Arten, einen saudhaltigen Tuff, welcher sich besonders 
für ländliche Bauten, wie Grenzmauern, Viehtränken u. dgl. eignet, und 
einen Kalkstein von einem viel feineren Koi'n und weisslicher Farbe. In 
Berührung mit der Luft wird er immer fester und widerstandsfähiger und 
nimmt mit der Zeit eine ernste und harmonische Färbung an, welche der 
Verzierung von Gebäuden sehr dienlich ist. Man kann Blöcke von be- 
deutendem Umfange herstellen, und der neue Nationalpalast ist ganz aus 
diesem Stein errichtet. Der Boden enthält Schwefel, Maugan, Alabaster 
und einige Kohlen- und Eisenadern. Doch wird keine von diesen Minen 
ausgebeutet. Auch ist er im ganzen Lande nicht sehr fruchtbar, daher 
wandert von Zeit zu Zeit ein Teil der Bevölkerung aus, um Arbeit 
zu suchen. 

Die hauptsächlichen Produkte sind zunächst der AVein, ein kleiner 
ausgezeichneter Wein, der zuweilen seltsam den besten Gewächsen Frank- 
reichs ähnelt. Dies gilt nicht von dem San Marinischen Champagner, 
sondern von dem Wein, welchen einige grosse Bologneser Weinbauern 
ernten. Er führt auf den Etiketten verschiedene Namen und wird in 
Italien mit einem französischen Stempel verkauft. Die übrigen Produkte 
sind Ackerfrüchte und zwar besonders Getreide und Mais, Früchte, Seiden- 
kokons, Iris wurzeln, Absinth, Olivenöl, Holz, Futterkräuter. Indessen hat 
das Land niemals genug Weizen erzeugt, um seinen Einwohnern zu 
genügen. Es kommt vor, dass die Armen sich statt mit Brot von den 
Früchten des Johannisbrotbaums ernähren. 

Die Ställe enthalten alle grösseren Tiere und Geflügel unserer Länder 
mit Ausnahme der Gans, welche überall in Italien verehrt wird. Das Gebiet 
von San Marino ist ein Schlaraffenland für Jäger. Man erlegt im Herbst 



19 

ausserordeütliche Mengen von wilden Enten, Bekassinen, roten Rebhühnern 
und "Wachteln. Die Insekten sind zahlreich, ebenso das Ungeziefer und 
die Skorpione. Rindvieh und schwarze Schweine werden dank der sal- 
zigen Weiden, in grosser Menge gezüchtet. 

Der Handel umfasst Vieh, Wein, Kokons, Holz, Kastanien (Maronen), 
Tuch. Gewebe, Gemüse, Ochsen- und Lammfelle, Salzfleisch,'" Gewehre und 
Jagdgegenstände, Seife, Parfüms, Darmsaiten und Thouwaaren. Die Be- 
wohner von Acquaviva verarbeiten mit vieler Kunst Alabaster und 
Korallen. Die in dem Flecken Borgo gehaltenen Viehmärkte, besonders 
der im September, gehören zu den bedeutendsten in ganz Italien; nament- 
lich Schweine- und Schafzüchter kommen aus den entlegensten Dörfern 
herbei. 

Eine vorzügliche, 15 kni lange Fahrstrasse führt von San Marino 
nach Rimini; die übrigen Wege im Staate sind im guten Stande, aber 
nicht durchaus für Fuhrwerk geeignet. Eisenbahnen giebt es nicht; die 
Post-, Telegraphen- und Zollverwaltung ist durch einen Vertrag mit Italien 
geregelt. 

Das Klima wird von den Reisenden verschieden geschätzt, weil sie 
das Land meistens nach dem halben Tage, welchen sie dort zubrachten, 
beurteilen. Desmarie sagt: „Die Luft ist so scharf, dass Personen mit 
„schwacher Brust dort bald sterben; der Winter beginnt am Ende des 
„September und wälu't sechs Monate." Edm. About hatte das Unglück, 
in San Marino während eines Regensturmes anzukommen. Er liess seine 
üble Laune dadurch aus, dass er über die Bewohner und die Einrich- 
tungen spöttelt. ,Aber," sagt er selbst, „wie soll ich die Dinge rosig an- 
„sehen, wenn ich vom Regen blind bin?" 

Es fällt wenig Schnee in San Marino und das Thermometer sinkt 
selten unter drei Grad, so dass die Bäume des Südens leicht überwintern 
können. Im Anfange des Februars, sagt Hauttecoeur, habe ich die Ab- 
hänge des Gebirges mit verhärtetem Schnee bedeckt gesehen, aber von 
zehn Uhr vormittags an war es sehr warm. Vor drei Uhr nachmittags 
fror es wieder, dessen ungeachtet arbeiteten die Winzer in den Weinbergen 
und auf dem Gipfel des Titan war Flachs von 25 cm Höhe zu sehen. 

Zwei Arten von Winden blasen häufig, die Tramontana und der 
Sirocco Der letztere wirkt in erstaunlicher Weise auf die Nerven und 
lähmt zuweilen den ganzen menschlichen Organismus. Während der 
heissen Monate schliesst man Thüren und Fenster, um seinem verderb- 
hchen Einflüsse zu entgehen. Der meiste Regen fällt im November. 
Wenn er mit dem Sirocco zusammentrifft, entwickelt er eine Feuchtigkeit, 
welche sich bis zum Fusse des Titan ausdehnt und zuweilen verderbliche 

2« 



§0 

kalte Fieber erzeugt. Aber in der Stadt San Marino sind diese nie 
endemisch. 

Die Einwohnerzahl nimmt in bemerkenswerten Verhältnissen zu und 
umfasst etwas mehr als 8500 Seelen, davon die Hälfte in der Stadt und 
ihren Vororten. Im 12. Jahrhundert war die der Stadt so sehr gestiegen, 
dass am Abhänge des Berges, tief unter ihr der Flecken Borge angelegt 
wurde, der sie jetzt, da sie nur 1600 Seelen enthält, bedeutend übertrifft. 
Sie trägt einen stillen, fast aristokratischen Charakter, während der Borgo 
der Sitz der Industrie und des Handelsverkehrs ist und viel Leben zeigt, 
namentlich auf dem von Arkaden umgebenen Hauptplatze. Auf den 
Quadratkilometer kommen 139 Einwohner, während der Durchschnitt in 
Italien 107 beträgt. Es giebt seltsamerweise in San Marino mehr Männer 
als Frauen, und diesem Umstände muss man auch wohl einen Anteil an 
der jährlichen Auswanderung beimessen. 

In Bezug auf Sprache, Sitten, Gebräuche und Kleidung unterscheidet 
sich die Bevölkerung in nichts von der der Romagna, und diese ist viel- 
leicht die solideste und thatkräftigste auf der ganzen Halbinsel. Die 
Romagnolen haben heftige Leidenschaften und Kraft, sich ihrer zu be- 
dienen. Sie sind eine Rasse von Verbrechern oder Helden. Die Geschichte 
hat berichtet, was die San Marinesen im öffentlichen Leben waren, aber 
niemand könnte sie genug wegen ihrer häuslichen Tugenden und ihrer 
Gastlichkeit preisen. Wenn ich, sagt Hauttecoeur, unerwartet in der 
Stadt oder im Flecken SerravaUe ankam, waren alle Thüren und alle 
Hände geöffnet, nicht um zu bitten, wie es sonst ofi; genug in Italien vor- 
kommt, sondern um mii- bei den Erzählungen der Alten und den Lieb- 
kosungen der kleinen Kinder mit antiker Gastfreundlichkeit freiwillig 
Brot und Wein anzubieten. Hierzu ein Beispiel. In den Tiefen des Ge- 
birges befinden sich Keller, breit und hoch, wie die Schiffe unserer 
Kathedralen. Dort verwahren die Weinbauer den Ertrag ihrer Jahresernte. 
Die Fässer sind in langen Reihen aufeinander gestapelt, durch einander, 
jedes mit einer anderen Etikette und einem Hahn zum Zapfen. Der Eingang 
zum Keller ist nicht verschlossen, und jeder geht hin, wenn es ihm gefällt, 
um den Wein zu suchen, den er braucht. Ich glaube nicht, dass unsere 
Brauer es ebenso machen würden. Was die Strafrechtspflege anbetrifft 
so hatte das Staatsgefängnis bei meiner Reise nur einen einzigen Ge- 
fangenen; seine Schuld bestand darin, nach zu reichlichem Genüsse des 
Marsala einen erst kürzlich ernannten Polizeibeamten beleidigt zu haben. 

IlL 

Seit sechs Jahrhunderten gehört die gesetzgebende Gewalt in der 
Republik San Marino einem souveränen Rate , sonst auch Fürstenrat, 



21 

Grosser souveräner Rat, genannt. Er besteht aus 60 Mitgliedern, die 
mindesteus 25 Jahre alt und sämtlich Laien sein müssen, da Kleriker, 
wie Mönche weder wählbar, noch wahlberechtigt sind. Er umfasst 20 
Adlige, 20 Bürgerliche und 20 ländliche Eigentümer. Diese Ratsmitglieder 
sind auf Lebenszeit erwählt und können nur wegen eines schweren Ver- 
brechens abgesetzt werden. Der Titel ist nicht erblich. Wenn eines der 
Ratsmitglieder mit Tode abgegangen ist, erwählen die übrigen 59 seinen 
Nachfolger, indem sie sorgfältig das Zahlenverhältnis der drei Wahlklassen 
beachten. 

Der Oberste Rat entscheidet in allen wichtigen Fragen der Verwal- 
tung und der Politik. Lim stehen die Ernennung der Verwaltungs- 
beamten und öffentlichen Angestellten, der Erlass und die Verbesserung 
der Gesetze, das Recht über Leben und Tod der Landesangehörigen, das 
Amnestie- und das Begnadigungsrecht, das Recht den Adel, das Patriziat 
und das Bürgerrecht zu verleihen, die Erteilung des Ritterordens von 
San Marino, endlich die Wahl der Regenten zu. 

Seine Mitglieder beziehen keine Besoldung; die Abstimmung ist 
geheim und geschieht durch schwarze und weisse Kugeln. Er mrd von 
den regierenden Kapitänen (Regenten) berufen und seine Entscheidungen 
hat der Sekretär des Innern innerhalb drei Tagen nach der Beratung in 
ein besonderes Register einzutragen. 

Der Oberste Rat wählt aus seiner Mitte den Kleinen Rat. Er hat 
12 Mitglieder, von denen jährUch zwei Drittel erneut werden; acht müssen 
aus den Bewohnern der Stadt oder des Borgo, vier aus den Landgemein- 
den genommen werden. Dieser Kleine Rat dient gewissermassen als 
Vermittler zwischen der gesetzgebenden und der ausübenden Macht. Es 
ist eine administrative, konsultative und ausführende Gewalt, welche in 
dritter Instanz entscheidet und gegen deren Urteil es keine Berufung 
giebt. Der Kleine Rat oder der Rat der Zwölfe überwacht alle Rechts- 
verhältnisse der Witwen und der Unmündigen. Auch diese Thätigkeiten 
werden ohne Vergütung geübt. 

Der Oberste Rat erwählt ausserdem eine Kommission von neun 
Personen, welche sich mit der A^'erwaltung zu beschäftigen hat. 

Zwei regierende Kapitäne haben die ausübende Gewalt. Einer 
gehört dem Adel, der andere den Bürgern oder den ländlichen Besitzern 
an. Ihre WaU geschieht auf folgende Weise. 

Zweimal im Jahre, am 15. März und am 15. September, ernennt 
der Grosse Rat zwölf von seinen Mitgliedern zur geheimen Abstimmung. 
Hierauf schreibt man die Namen von den sechs Ratsmitgliedern, welche 
die meisten Stimmen erhalten haben, auf drei Wahlzettel, so dass jeder 



22 

zwei Namen trägt, eines Adligen und eines Bürgerlichen oder Land- 
bewohners. Diese Wahlzettel legt man in drei vergoldeten Kugeln und 
diese wieder in einer silbernen Urne auf den Hauptaltar der Pieve (Haupt- 
kirche), unter welchem die Reliquien des heiligen Marinus ruhen. Nach 
dem Gesänge des Veni, Creator Spiritus macht der Erzpriester die Namen 
bekannt, welche sich in der Urne befinden. Hierauf nimmt ein Kind, 
dessen Augen verbunden sind, eine Kugel aus der Urne und überreicht 
sie vor dem Rat der XH. dem Erzpriester. Dieser verkündet sodann die 
Namen der beiden erwählten Kapitäne. Sie haben 14 Tage, um die 
Rechnungen der Vorgänger und ihre Verwaltung zu prüfen. Am Tage 
ihrer Amtsübernahme, am 1. April oder am 1. Oktober, werden die neuen 
Regenten mit ihren Amtsabzeichen bekleidet und ein Festzug, der aus 
den höchsten bürgerlichen und militärischen Beamten, der Nobelgarde und 
dem Volke besteht, begiebt sich mit grossem Pomp, Musik und Fahnen 
an der Spitze, in den Staatspalast, wo die abgehenden Regenten diejenigen 
erwarten, welche an ihre Stelle treten sollen. Nach einer kurzen Anrede 
der ersteren begiebt sich der Zug in die Kirche, wo der Erzpriester die 
Neuerwählten mit Weihrauch beräuchert und dem Volke den Segen erteilt. 
Von dort geht man zum Pfarrhause und endlich in den Sitzungssaal des 
Obersten Rates, wo die bürgerliche Feierlichkeit stattfindet. Die neuen 
Regenten empfangen von ihren Vorgängern die Standarte, die Staatssiegel 
und die Schlüssel der Stadt. Darauf leisten sie den Schwur auf dem 
Verfassungsbuche. Früher schwuren alle Fürsten der Christenheit auf 
dem Evangelium; die Regenten von San Marino legen seit beinahe 700 
Jahren den Eid, die Verfassung zu beobachten, auf dem Buche ab, 
welches sie enthält. 

Die regierenden Kapitäne müssen dem Rechte und der That nach 
Bürger sein, das heisst geboren und wohnhaft in dem Gebiete der Re- 
publik, und mindestens 25 Jahre alt. Sie sind vom Obersten Rate ab- 
hängig, haben den Titel Excelleuz und sind Grossmeister des San Marini- 
schen Ordens. Während der Ausübung ihres Amtes empfangen sie eiuen 
Kostenersatz von 150 Lire. Die abtretenden Regenten dürfen in drei 
Jahren nicht wieder gewählt werden. 

Bei jeder Wahl haben alle Bürger, welche Familienhäupter sind, das 
Recht, Gesuche und Beschwerden an die Kapitäne zu richten. Diese 
werden öffentlich in dem halbjährlichen Arriugo verhandelt. Arringo 
nennt man die Versammlung des Volkes, welche aber nicht aus allen 
Familienvätern, sondern aus allen Familienhäupteru besteht. Ehemals 
hatte jedes der letzteren, welches sich nicht zum Arringo begab, eine Strafe 
von 5 Centesimi zu entrichten, welche ohne Gnade bezahlt werden musste. 



23 

Verschiedene Male haben einzelne Missvergnügte, sogar auf den 
Mauern der Stadt, das Recht der Teilnahme am Arringo, ja selbst das 
allgemeine Stimmrecht verlangt, aber ihre Foi'derung hatte keinen Erfolg. 
Die grosse Mehrzahl des Volkes ist überhaupt gegen jede gefährliche 
Veränderung. 

Die Republik hat ferner zwei Staatssekretäre, einen für das Innere, 
den anderen für die auswärtigen Angelegenheiten und die Finanzen. Ihre 
Anordnungen müssen von den regierenden Kapitänen bestätigt werden. 
Die bürgerliche Verwaltung der Flecken und Dörfer hängt von der Citta 
ab; an jedem Orte ist ein Syndikus mit der lokalen Verwaltung beauf- 
tragt und dient als Mittelsperson zwischen den Einwohnern und der Obrig- 
keit. Die Civilregister führt der Sekretär; die Ehe ist durchaus kirchlich. 
Die Beamten und die Notare werden vom Obersten Rat ernannt. 

Die Rechtspflege wird durch drei Richter geübt, Doctoren juris, dem 
Lande fremd, auf drei Jahre vom Obersten Rat erwählt. Nach Ablauf 
dieser Zeit können sie noch einmal auf drei Jahre bestätigt werden. Sie 
werden vom Staate für ihre im Namen der Republik stattfindenden 
Sitzungen im Gerichtshause bezahlt und von einem Staatsanwälte und 
einem Kanzler unterstützt. Diese Richter sind 1) ein Gesetzeskommissar, 
welcher in Civilsachen in erster Instanz entscheidet und in Strafsachen 
instruiert; 2) ein Appellationsrichter in Civilsachen; 3) ein Richter in 
erster und zweiter Instanz in Strafsachen. Es kann mit Vergnügen her- 
vorgehoben werden, dass die beiden letzteren in Rom wohnen, weil man 
sie nicht braucht. Man kann gegen die Entscheidung an eine höhere 
Instanz, welche aus dem Rate der zwölf zusammengesetzt ist, und in 
Civil- wie in Strafsachen in letzter Instanz urteilt, Berufung einlegen. 
Ausser den verfassungsmässigen Bestimmungen, welche zum teil bis 
ins 13. Jahrhundert zurückreichen, ist in San Marino der Italienische 
Codex, der sich sehr dem Code Napoleon nähert, in Kraft. Es giebt 
ferner eine Verordnung über den Ackerbau, und ein Gesetz über die 
Steinbrüche und den Verkauf von Lebensmitteln, sowie ein Pressgesetz. 
Dieses verdient in Betracht der Umstände, welche damit verknüpft sind, 
besprochen zu werden. 

Zwei Zeitungen vom kleinsten Format blühten eines schönen Tages 
in San Marino auf, ein demokratisches und ein konservatives, der „Junge 
Titano" und „die Republik von San Marino." Ein Pressgesetz wurde er- 
forderlich. ' — Einige seiner Hauptbestimmungen sind folgende: 
Auf jeder Druckschrift ist der Name des Druckers anzugeben. 
Innerhalb zehn Tagen ist ein Exemplar an die Nationalbibliothek ab- 
zuliefern. 



24 

Der Korrekturbogen und die Illustrationen sind beim Kommissar des 

Gesetzes einzureichen. 
Urteile in Privatangelegenheiten dürfen nicht veröffentlicht werden. 
Verbotene Schriften und Zeiclmuugen dürfen nicht veröffentlicht werden. 
Angriffe gegen den Obersten Rat, die Regenten, die Staatsbeamten, die 
Vertreter der auswärtigen Mächte, sowie Attentate gegen die Sicher» 
heit des Staats werden mit Gefängnis und einer Busse von 100 
bis 200 Lire bestraft. 
Verstösse gegen die guten Sitten 1 — 6 Monat Gefängnis oder 20 — 100 

Lire Busse. 
Aufforderung zu Verbrechen und Angriffe auf die Religion 6 Monate 
bis 1 Jahr Gefängnis und 50 — 200 Lire Busse. 
Das war straff. Die beiden Zeitungen stellten ihr Erseheinen ein — ■ 
sie hatten übrigens gar keinen Grund für ihr Dasein, — aber sie wurden 
durch ein anderes Blatt ersetzt, welches noch besteht, den Philatelisten 
von San Marino. Es kommt in italienischer, französischer, englischer und 
deutscher Sprache heraus. Bis jetzt hat dieses würdige Organ der Brief- 
markenfreunde noch keine Bestrafung erlitten. 

Die Citadelle dient als ehrenvolles Gefängnis, denn sie wird jetzt 
meistens nur von Ratten bewohnt. Alle Verurteilten, deren Strafe mehr 
als sechs Mouate beträgt, werden in italienischen Gefängnissen unter- 
gebracht. Die Todesstrafe ist seit Jahrhunderten in San Marino nicht 
vollzogen worden. Die letzte Hinrichtung war die eines Verräters. Er 
wurde dem Gesetze gemäss an den Schwanz eines Esels gebunden zum 
Richtplatze geführt und dort enthauptet. 

Italien ist der einzige Staat, der einen Auslieferungsvertrag mit der 
Republik hat. 

Als Beweis für die Gerechtigkeitsliebe, welche die Obrigkeit von 
San Marino beseelt, dient folgendes aus dem Ende des vorigen Jahrhun- 
derts berichtete Ereignis. Ein Venetianer kam, um von der Gitta die 
Berichtigung einer Summe zu fordern, welche ilirn einer der Einwohner 
seit langer Zeit schuldete. Er trat in das Haus des provisorischen Be- 
amten, war aber erstaunt, als man ihm einen Mann als höchsten Richter 
des Landes bezeichnete, welcher in einer Kufe im Winkel einer Kelter 
mit blossen Füssen Weintrauben austrat. Ohne sich unterbrechen zu 
lassen, hörte er die Klage, liess den bösen Zahler verhaften, sein Haus 
mit Beschlag belegen und dem Gläubiger die Schuld entrichten. Dieser 
war über eine so schnelle Justiz entzückt und als er ein ähnliches Ge 
schäft vor dem Tribunal von Venedig hatte, rief er, erbittert über die 
Verzögerungen, und durch die gewöhulichen kleinliclien Formalitäten auf- 



25 

geregt, aus: Ein Winzer in San Marino ist mehr wert, als alle alten 
Perrücken in Venedig! 

Die Stadt San Marino zieht sich vom Gipfel des Berges aus am 
westlichen Hang hin, weshalb viele Strassen ziemlich steil ansteigen und 
auf Treppen begangen werden müssen. Der Besichtigung wert sind die 
kleine Gemäldegallerie und die Münzensammlung, welche der Altertums- 
forscher Graf Borghesi während eines beinahe 40iährigen Aufenthaltes in 
San Marino angelegt hat. Ferner die Hauptkirche, la Pieve genannt. Sie 
ist ein einfacher, vorn mit einer Vorhalle aus korinthischen Säulen ge- 
schmückter Bau; im Innern befindet sich das Standbild des heiligen 
Marinus aus weissem Marmor, sowie die Standbilder des Grafen Borghesi 
und des Konsuls Onofri, dem man wegen seiner 30 Jahre lang dem 
Staate geleisteten grossen Dienste den Ehrentitel „Vater des Vaterlandes" 
verliehen hat. In der Kirche werden auch die Überreste des Marinus 
und seine Werkzeuge, Hammer und Meissel, im sorgfältig verschlossenen 
Schrein aufbewahrt, und den Gläubigen ein Stein gezeigt, der ihm und 
seinen getreuen Gefährten, einem Esel und einem Bären, als Ruhelager 
gedient haben soll, wovon er noch drei Eindrücke zurückbehalten hat. 
Nahe bei der Hauptkirche befindet pich auf einem freien Platze die Statue 
der Freiheit, das Symbol San Marinos, und der Palast des Grossen Rates; 
im Sitzungssaale sind die Büsten und die Porträts derjenigen Sammariner 
aufgestellt, die sich um ihr Vaterland oder in Künsten und Wissen- 
schaften ausgezeichnet haben, sowie derjenigen Ausländer, welche San 
Marino als seine Wohlthäter bezeichnet, z B. Napoleons I. und des Papstes 
Clemens XII. 

Eine jede von den sieben Pfarreien der Republik hat eine 
oder mehrere gemischte Schulen. Ausser dem in diesen erteiltem 
Unterrichte giebt es eine mittlere Lehranstalt und ein vollkommen 
eingerichtetes humanistisches Lyceum. Dieses ist von der gräflichen 
Familie Belluzzi gestiftet und ihre Büsten sind darin aufgestellt. 
Es hat ausser dem Direktor zwölf Lehrer, von denen jedoch nur 
drei fest angestellt sind. Es ist in Itahen sehr berühmt und hat etwa 
60 Schüler. Man lehrt dort Philosophie, Mathematik, Physik, Chemie, 
schöne Litteratur, Civil-, Straf- und Handelsrecht. Die von ihm ausge- 
stellten Zeugnisse werden von den italienischen Universitäten anerkannt. 
Eine solche im strengen Sinne des Wortes giebt es in der Republik 
ebensowenig, wie ein theologisches Seminar, aber sie besitzt mehrere 
bedeutende Bibliotheken- Diejenige des Staates zählt über 15 000 Bände, 
und ist in drei schönen Sälen passend aufgestellt. Der Bibliothekar ist 
gleichzeitig Staatsarchivar. Das Archiv steigt bis ins 9. Jahrhundert 



26 

hinauf. Seit zehn Jahren sind in allen Dörfern Volksbibliotheken 
errichtet. 

Der Advokat Masi hat eine Akademie der Wissenschaften, Poesie 
und Künste gegründet. Wettkämpfe in Poesie und Prosa werden in 
jedem Jahre gehalten und diejenigen, welche sich ausgezeichnet haben, 
erhalten Kunstwerke, goldene, silberne und bronzene Denkmünzen zur 
Belohnung. 

Der Staat bezahlt vier Doctoren der Medizin und der Chirurgie, 
damit sie jedem Bürger von San Marino, der ihre Dienste nötig hat, ohne 
weitere Vergütung ihre Sorgfalt angedeihen lasseu Sie sind Beamte und 
verpflichtet, sich zu jeder Stunde bei Nacht oder bei Tage dahin zu be- 
geben, wo man ihrer bedarf. Das Strafgesetz bedroht den Arzt oder den 
Chirurgen, welcher sich weigert, dem Rufe eines Kranken zu folgen, mit 
einer Busse von 50 bis 200 Lire und mit einer Strafe von 50 bis 100 Lire 
und 3 bis 6 Monaten Gefängnis den Apotheker, welcher Geheimmittel 
verkauft, oder andere Arzeneien giebt, als verlangt waren, oder solche, die 
in Dosen zusammengesetzt sind, welche von den vorgeschriebenen ab- 
weichen. Die Arzeneien werden zu festen Preisen vom Staate verkauft. 

Für Kranke, Schwache und Greise giebt es seit 1865 ein Hospital. 

Am 1. April jedes Jahres werden zwei Männer erwählt, welche die 
gute Beschaffenheit der Lebensmittel jeder Art, die zum Verkaufe ge- 
langen, zu überwachen haben mit dem Rechte, bei Übertretungen ein 
Protokoll aufzunehmen und körperliche, sowie Geldstrafen zu verhängen. 

San Marino hat auch eine Armee. Sie besteht ans allen dienst- 
fähigen Bürgern im Alter von 18 — 50 Jahren, und ist in 9 Kompagnien 
eingeteilt. Die Uniform ist blau und weiss und ähnelt der des italie- 
nischen Heeres. Auch die Gewehre sind dieselben, wie dort. Ausge- 
nommen sind die Mitglieder der Behörden, die öffentlichen Beamten, die 
Lehrer, die Mitglieder des Klerus und die Studenten. 

Sind die Cadres gefüllt, so zählt man 30 Offiziere und 900 voll- 
kommen bewaffnete und ausgerüstete Mann. Der aktive Militärdienst 
dauert sechs Jahre. Die Waffen und sonstige Ausrüstung stellt der Staat; 
die Offiziere dienen ohne Gehalt. Ein eigentliches stehendes Heer giebt 
es nicht, sondern nur 40 Mann und 1 Ofiizier zur Bewachung der Cita- 
delle. Die übrigen sind Sonntagssoldaten, ähnlich den Bürgergarden. 
Am 3. September jedes Jahres, dem Tage des heiligen Marinus, halten 
die bürgerlichen und militärischen Regenten eine allgemeine Truppen- 
schau ab. 

Die Regenten haben eine Ehrengarde, welche einen Kommandanten, 
mehrere Offiziere und 24 Soldaten zählt und den Titel Nobelgarde führt. 



27 

Es wird erzählt, dass die Sammariner durchaus eine Kauone haben 
wollten. Man kaufte einen furchtbaren Krupp; er kam an, man wand 
ihn bis auf die Spitze der Festung, und alle Welt forderte, dass man ihn 
sofort probierte. Aber im Augenbhck, dass man ihn abfeuern wollte, 
gerieten die Artilleristen in Verlegenheit. Es war unmöglich zu ver- 
vermeiden, dass die Kugel auf fremdes Gebiet fiel; man entschloss sich 
zuletzt, bliud zu feuern. 

Der schon erwähnte Ritterorden von San Marino wird am blau- 
weissen Bande getragen und hat drei (nach andern fünf) Klassen. Die- 
jenigen, welche sich damit l^efassen, Auszeichnungslüsternen Orden zu ver- 
schaffen, beziffern die Unkosten für die Erwerbung des Rittei'kreuzes auf 
2000 JC^ des Offizierkreuzes auf 2500 JC und des Kommandeurkreuzes 
auf 3500 Jt. 

Die Polizei wird von den Oberbehörden und den Sekretären unter 
dem Beistaude eines Gendarmerie-Lieutenants verwaltet. Dieser wird im 
Rat der XII. erwählt und befehligt acht von auswärts berufene Schutz- 
mänuer. Sie sind meistens Bologneser und durch die Strenge des Ge- 
setzes zur Ehelosigkeit verurteilt. Sie dürfen nur drei Jahre im Amte 
bleiben. Die Militärmusik zählt 36 Mann. Sie hat sich 1878 im Pariser 
Industriepalaste hören lassen, und man sagt, dass die Pariser Dilettanten 
ihr einen begeisterten Empfang haben angedeihen lassen. Allerdings war 
Rossini Ehrenbürger von San Marino. 

Der katholische Kultus ist der einzige anerkannte und geübte. 
Zwar existiert Religionsfreiheit, aber in Wirklichkeit ist keine Gelegen- 
heit, sie anzuwenden. Die Weltpriesterschaft der Republik besteht aus 
acht Pfarrern, fünf Kaplänen und einigen Priestern. An ihrer Spitze 
steht der Dekan der Hauptkirche, welcher den Titel bischöflicher Auditor 
führt. Er wird durch den Bischof von Montefeltre ernannt. Dieser 
Klerus lebt in völliger Eintracht mit den Civilbehörden. Seine Einkünfte 
bezieht er aus Grundbesitz, und sie gewähren ihm einen anständigen 
Unterhalt. Das Kultusbudget erreicht noch nicht ein Prozent der Staats- 
einkünfte. 

Seit mehreren Jahrhunderten bestehen vier Klöster; sie werden von 
18 Mönchen und 50 Nonnen bewohnt. Alle Güter der toten Hand, 
kirchliche Anstalten, Pfarreien, Brüderschaften, Korporationen u s. w. 
gehören dem Staate. 

Die Finanzangelegenheiten werden von einem besonderen Ausschusse 
und einem General- Schatzmeister, der die Abgaben zweimal im Jahre an 
bestimmten Tagen erhebt, verwaltet. Eine Staatsschuld giebt es nicht. 
Die auf dem Grundbesitz ruhenden Abgaben sind gleich Null und die 



28 

indirekten unbedeutend; sie werden von Brot, Fleisch, Fischen, Salz, 
Taback, Jagdscheinen, Pulver, Stempel und Wechseln erhoben. 

1888 betrugen die Einnahmen: 

Staatsregale (Salz und Taback) 50 000 Lire 

Direkte Abgaben 8 012 = 

Indirekte Abgaben 7 611 = 

Verschiedene Einnahmen (Post und Telegraph, 
von Italien geleistete Entschädigungen, 
Kanzlei, Adelstitel und Ritterorden) . . 73 412 = 

139 035 Lire 

die Ausgaben: 

Regierung, Repräsentationskosten .... 7 586 Lire 

Rechtspflege 9 000 = 

Truppen 12 880 = 

Öffenthcher Unterricht 35 080 = 

Öffentliche Arbeiten 31 050 = 

Verwaltung der Finanzen, Gesundheitspflege, 

Industrie, Handel, Wohlthätigkeit . . . 41820 = 

Kirchücher Kultus 1 250 = 

138 666 Lire 



Überschuss der Einnahmen über die Ausgaben 369 Lire. Ausser- 
dem befindet sich im Staatsschatze ein unangreifbarer Reservefonds von 
300 000 Lire. San Marino prägt eigenes Geld und eigene Freimarken. 

Grossmütige Freunde, Männer von Verdienst, haben aus Erkennt- 
lichkeit für Ehrenbezeugungen, welche ihnen die Regierung von San 
Marino erwiesen hatte, der Republik fürstliche Geschenke gemacht. Durch 
diese haben grosse Wohlthätigkeitsanstalten und der neue prächtige 
Nationalpalast erbaut werden können. 

Im Laufe des Jahres 1879 kamen fremde Spekulanten in San Marino 
an und errichteten im Borgo Maggiore eine Spielbank nach dem Muster 
von Monaco. Sofort Hess das Gericht den Saal schliessen. Die Bankiers 
richteten hierauf ein Gesuch um Erlaubnis an den Obersten Rat mit dem 
Versprechen, sämtliche Ausgaben des Staates zu übernehmen, mehrere 
Woblthätigkeits Anstalten zu errichten, grosse Arbeiten zum allgemeinen 
Nutzen, Eisenbahnen, Strassen u. dgl. auszuführen. Dies Anerbieten reizte 
einige Ratsmitglieder und sie empfahlen die Genehmigung. Die Regenten 
richteten darauf folgende Proklamation an das Volk: 



29 

Mitbürger ! 
Nicht das materielle Wohlergehen ist es, welches den guten Ruf 
freier Staaten aufrecht erhält, sondern die grossen Tugenden stolzer 
und bewährter Republikaner, die Selbstverleugnung, welche in der 
Armut den Reichtum zurückzuweisen versteht, der Mut, welcher nicht 
zögert, der Gefahr entgegenzutreten, und die hohe Gesinnung, welche 
mit Verachtung alles zu verweigern weiss, was das Volk verderben und 
dem allgemeinen Wohle Schaden zufügen könnte. Nehmt euch wohl 
vor denen in Acht, welche unsere Ansichten nicht bekennen. Die Re- 
gierung ist mit euch und für euch, und ihr müsst auch mit ihr und 
für sie sein, wenn wir in Eintracht leben und unseren Kindern als 
Erbteil die Freiheit in ihrer ganzen Heiligkeit und Reinheit hinter- 
lassen wollen. 

Da die meisten Ratsmitglieder dafür stimmten, die verlangte Ge- 
nehmigung abzuschlagen, wandten sich die Bankiers an die einzelnen 
Personen des Rats der XII. und suchten durch Bestechung aller Art 
ihre Beihülfe zu erlangen. Die Antwort der XII. war nicht zweifelhaft. 
Es wurde sofort Befehl erteilt, diese Werkzeuge der Verderbnis ins Ge- 
fängnis zu werfen und ihnen den Prozess zu machen. Aber die italie- 
nische Regierung riet, die Schuldigen nicht zu verfolgen, sondern einfach 
wegzujagen. Dies geschah augenblickhch ! 

Die unruhigen Republiken Genua, Florenz, Lucca, Venedig, welche 
an Reichtum, wie an Ehrgeiz wetteiferten, sind zusammengestürzt, die 
einen mit Krachen, die andern ohne Geräusch. Alle italienischen Re- 
publiken hat die von San Marino überlebt, ruhig seit 15 Jahrhunderten. 
Ihre glückhche Unbedeutenheit , die Eintracht und die Freiheitsliebe, 
welche alle ihre Bürger umschlingen, geben ihr die Bürgschaft uner- 
schütterlicher Dauer. 



-^H-<- 



Är^entinisclies. 



I. Argentinien und sein Volk. 

Nach einem am 30. April 1892 von Gustav Enström gehaltenen Vortrage im 
geographischen Verein zu Helsingfors in Finland. 

Jjie argentinische Republilv liegt zwischen dem 22. und dem 55. 
Breitengrade südlich vom Äquator und umfasst ein Areal von nahezu 
drei Millionen Quadratkilometern oder mehr als Grossbritannien, Deutsch- 
land, Frankreich, Österreich-Ungarn, Spanien und Italien zusammen- 
genommen. 

In Hinsicht auf das Klima kann das Gebiet in drei grosse Regionen 
eingeteilt werden; 1) von Feuerland bis zum Fluss Santa Cruz zwischen 
den 55. und 50. Breitegraden mit einer Durchschnittstemperatur von 
~\- 5 bis 10° Celsius. 2) von Santa Cruz bis zum Rio Colorado (dem 
roten Fluss) zwischen den 50. und 40. Breitengraden mit 10 " bis 15 " 
jährlicher Durchschnittstemperatur, und seh hesslich 3) vom Rio Colorado 
bis zur Grenze Boli-\dens auf dem 22. Grade mit einer Durchschnitts- 
temperatur von 15° bis 20° Celsius. Die Grenze des Landes im Westen 
sind die Anden, im Norden grenzt es an Bolivien, Paraguay und Brasilien, 
im Osten an Brasilien, Uruguay und den Atlantischen Ocean, und im 
Süden an Chile und den Atlanl Ischen Ocean. 

An den Abhängen der Anden und im Norden ist das Land mit 
grossen Wäldern bewachsen, in denen die Indianer noch so gut wie un- 
gestört ihr Naturleben fühj-en, im Kampf mit einander und den wilden 
Tieren. — Der grösste Teil des Landes wird jedoch durch Pampas, flache 
baumlose Felder eingenommen, bisweilen salzhaltig und unfruchtbar, 
meistens jedoch fruchtbar und grasreich wie „La gran Pampa" deren 
östlicher Theil die Provinz Buenos Aires ausmacht. 

Das Wort Pampa bedeutet Grassteppe und ist ein indianisches 
(aurakanisches) Wort. Bergig sind die Provinzen in und bei den Anden, 
sowie die Provinz Cordoba. Besonders waldreich sind ausser oben ge- 
nannten Provinzen die Territorien Formosa und Gran Cbaco im Norden. 
In den letzten Jahren ist die Rinde des Quebrachobaumes, welche Gerb- 



31 

Stoff enthält, ein bedeutender Ausfuhrartikel geworden. Diesen Namen 
hat der Baum wegen seiner ausserordentlichen Härte erhalten (quebrar, 
biegen, brechen, acha, Axt). 

Die hauptsächlichsten Flüsse sind, der breite Rio de la Plata, welcher 
einem Meeresarm gleicht und von den Flüssen Paranä und Uruguay ge- 
bildet wird. In den Paranä münden nördlich von der Stadt Corrientes 
der Fluss Paraguay, welcher bei Asunciou, der Hauptstadt der Republik 
Paraguay, den Fluss Pilcomayo aufnimmt, und kurz vor der Einmündung 
in den Paranä die vereinten Flüsse Teuco und Vermejo. Der Paranä 
nimmt weiter den ansehnlichen Fluss Salado nördlich von der Stadt 
Rosario, ebenso wie den Uruguay und eine grosse Menge kleinerer Flüsse 
auf, von welchen einige Wasserfälle von bemerkenswerter Grösse bilden; 
unter ilmeu soll einer, im Anfang des vorigen Jahres entdeckter, von 
gleichem Range wie der Niagara sein. 

Weiter nach Süden entspringen aus den Anden Rio Colorado, Rio 
Negro, Rio Chubut mit dem Nebenfluss Senger, Rio Descado, Rio Chico und 
Rio Santa Cruz. Der letztgenannte kommt aus dem Lago Capar in den Anden ; 
beide Flüsse vereinigen sich kurz vor der Mündung in den Atlantischen 
Ocean. Im Feuerland giebt es eine Menge kleinerer Flüsse und Bäche, 
welche von dem hervorragenden rumänischen Entdeckungsreisenden 
Ingenieur' Julius Popper, der seit mehreren Jahren in Argentinien an- 
sässig ist, entdeckt sind. Er besitzt im Feuerland bedeutende Gold- 
wäschereien und geht mit dem Plane um, zu versuchen, die Indianer da- 
selbst zu civilisieren. Zu diesem Zwecke hat er bei der Regierung um 
80 000 Hektar Land angehalten, um seinen Kolonisierungsversuch zu be- 
ginnen. Ingenieur Popper, dessen Bekanntschaft ich vor drei Jahren 
machte, hat mir viele interessante Sachen von dem bis jetzt so gut wie 
unbekannten Lande erzählt, wie von seinen Einwohnern, den Ona-Indi- 
anern, welche den grössten Teil von Feuerland bewohnen, den Alacalufes 
und Yakanas, welche sich hauptsächlich auf den Inseln und an den 
Küsten im südlichen Teil des Landes aufhalten. Er ist auch der Erste, 
welcher mit Erfolg in verschiedenen Richtungen das Innere Feuerlands 
durchreiste und dasselbe erforschte. Von diesen Flüssen, bis jetzt noch 
nicht in den Karten aufgeführt, mögen genannt werden Rio Grande, Rio 
Irigoyen, Rio Lopez, Rio Noguera und Rio Lainez, sowie neunzehn Bäche, 
•bis auf Weiteres A, B, C etc. genannt. Diese Flüsse münden in den 
Atlantischen Ocean. 

In den nördlichen und westlichen Teilen von Argentinien ist die 
Flora reich, aber die östlichen und besonders La gran Pampa sind an 
grösseren Gewächsen ausserordentlich arm. Der Boden der Pampa besteht 



32 

aus Sand und kalkgemischtem Lehm und Humus; zuweilen werden 
Skelette vom Mastodon und Mylodon gefunden. Die Blumen, welche in der 
Provinz Buenos Aires vorkommen, sind zum grossen Teil aus anderen Pro- 
vinzen und dem Auslande dahin eingeführt, obgleich sie im Laufe der 
Zeit sich bedeutend ausgebreitet haben, so dass man anfänglich glauben 
könnte, sie hätten von undenklichen Zeiten her an dem Platz existiert. 
In Buenos Aires und Umgegend reichen die gemässigte und die tropische 
Flora in buntem Wechsel einander die Hände. Sogar eine nordische 
Birke, vielleicht die einzige in der ganzen Republik, behauptet stolz ihren 
Platz auf der Plaza Libertad. Sie ist von einem schwedischen Arzt ge- 
pflanzt, scheint aber etwas unentschlossen zu sein, ob sie im Juh, dem 
Winter Argentiniens, ihren Schmuck fallen lassen soll oder nicht. Mehrere 
Arten von Palmen giebt es und Akazien, Eucalyptus mit hohen rinde- 
losen Stämmen, Weiden mit langen niederhängenden Zweigen, Cedern, 
Fichtenarten, Hecken von Nerium, unsern Fliederhecken entsprechend, 
obgleich höher, im reichen Blumenschmuck zweimal im Jahr, Jasmin, 
selbst unser nordischer, sowie der von Paraguay mit seinen kleinen zart 
duftenden Blumen. In den Pampas trifft man auch hier und da den 
Ombü, einen Baum mit üppigem glänzenden Blätterschmuck und unge- 
wöhnlich knorrigem Stamm. Früchte vielerlei Art werden reichlich erzielt 
und machen fast das ganze Jahr ein tägliches Gericht auf dem argen- 
tinischen Tische aus. Von diesen mögen Weintrauben, Pfirsiche, beson- 
ders zahlreich, Apfel (reif im Februar und Anfang März), Kirschen (reif 
Ende November), Birnen, Feigen, Oliven, Pflaumen, Citronen, Apfelsinen 
und viele andere genannt w^erden. Unsere Waldbeeren giebt es in dem 
Lande niclrt anders, als zuweilen in eingemachter Form, zum grossen 
Leidwesen im Sommer beim Mineralwassertrinken und speziell für uns 
Nordländer, wenn eine skandinavische Hausmutter auf den guten Ge- 
danken verfällt, auf Pfannkuchen einzuladen. Es ist den nordischen 
Exportvereinen vorbehalten, diesem fühlbaren Bedarf abzuhelfen. Von 
Getreidearten werden Weizen und Mais in ungeheuer grossem Masse 
angebaut. 

Einige in den übrigen Provinzen vorkommende gewöhnliclie Baum- 
arten mögen hier genannt werden, viele von ümen mit indianischem 
Namen: Curupi, Milchbaum, (Sapium aucuparium), Samului, auf spanisch 
palo boracho, die betrunkene Stange, (Chorisia insignis), Guayaivil (Pata- 
gonula americana), Virapitä mine (Dephropsis), Ivirapepe (Holocalyx 
balanceae), Niandubey (Prosopis Algarrobilla), Sauce colorado (Salix 
Hi;mboldtiana), Timbö colorado (Enterolobium timbauba), Quebracho 
blanco (Aspidosperma quebracho), Viraminä (Daphnopsis) , Espina de 



33 

Corona Christi, Dorn von der Krone Christi, (Garugandra amorphoides), 
Laurel amarillo (Ocotea suaveolens), Ivapöy (Ficus), Pahna negra (Coper- 
nicea cerifera), Yucari putä (Acacia riparia), Tembetarimi (Zanthoxylum), 
Sangre de drago (Croton succirubrus), Ramo (Cupania vernalis), Nogal 
(Jugiaus austrahs), Gamboata (Cupania uruguensis), Guabirobä (Campo- 
manesia crenata), Pindö (Cocos australis), und nicht zu vergessen Yerba 
mate (Hex Bonplandiana), den südamerikanischen Theestrauch, dessen 
Blätter die Indianerinnen, meistens in Paraguay, in der Sonne trocknen, 
zu Pulver zermahlen und dann als Thee gebrauchen. Eine getrocknete 
Fruchtschale, Mate genannt, mit einer Röhre aus Silber, „la bombilla," 
wird zur Hälfte mit Yerba gefüllt, etwas Streuzucker hinzugethan, und 
darauf das Gefäss mit kochendem Wasser gefüllt. Durch die Röhre wird 
das dem Thee ähnelnde Getränk herausgesogen. In ganz Südamerika, 
sowohl in reichen als armen Familien, in den Städten als auch besonders 
auf dem Lande wird dieses Getränk verwendet. Was dem Europäer 
weniger appetitlich erscheint, ist, dass der Mate, nachdem derselbe ausge- 
sogen ist, aufs Neue präpariert und einem Andern angeboten wird, ohne 
dass die Röhre inzwisclaen gereinigt wurde. Man gewöhnt sich bald an 
dieses Getränk, und geniesst es mit gutem Geschmack. 

Die Fauna ist in Argentinien gleich der Flora reich vertreten. Von 
zahmen Tieren kommen am zahlreichsten Schafe, Rinder, Pferde, Ziegen 
und Maulesel vor, alle von Europa eingeführt. Die wertvollen Llamas 
(Auchenia lama und Guanaco) treten zahlreich im ganzen Gebiet sowohl 
in zahmem wie in wildem Zustand auf. Eine andere Art (Auchenia 
vicugna) gehört den Berggegenden an. Von wilden Tieren mögen genannt 
werden der anspruchslose südamerikanische Löwe, von den Indianern 
Puma genannt; der Tiger, der Pampaswolf (Canis yubatus), Biber, Otter, 
Oso hormiguero oder Ameisenbär, Tapir (tapirus suillus), Sumpf Schwein, 
el carpincho, etwas einer gewaltigen Ratte gleichend, Fuchs el zorro, 
Hase tuco-tuco, (Cteuomys), welches Tier den Boden untergräbt, das 
Gürteltier und mehrere. Im Chaco treten grosse Heerden von Wild- 
schweinen auf. Von den Vögeln mag vor allen der Strauss genannt 
werden, Avestruz, welcher eine Zierde der Pampa -Ebenen ausmacht. 
Seine Farbe ist gewöhnhch grau; sein Federschmuck viel weniger wert, 
als der des afrikanischen Bruders. Beständig sieht man grosse Heerden 
derselben, wenn man über die Grasfelder reitet oder mit der Volanta 
fährt. Ihnen zu nahen ist unmöglich, wie sehr man sich auch bemühe. 
Interessant ist es auch, ihr Hecken zu beobachten. Der Hahn brütet die 
Eier aus. Wenn er meint, dass die Hühner genug gelegt haben, treibt 
er sie mit Hieb und Schlag fort, und sie entfernen sich dann, betrübt in 

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Gedanken an die Unbeständigkeit des ehelichen Glückes, und legen gleich- 
gültig gegen alles in der Welt den Rest ihrer Eier hier und da auf das 
Feld, sofern sie nicht einen andern Strausskavalier finden, der sie freund- 
lich in seine Wohnung einladet. Derjenige, welcher sie forttreibt, ordnet 
nun die Eier dicht aneinander und zwei derselben setzt er neben das 
Nest. Weshalb mag das sein? Nachdem er die Jungen ausgebrütet, 
hackt er eine grosse Öffnung in diese Eier, damit die überall zahlreich 
vorkommenden Fliegen sich dort niederlassen mögen und die Straussen- 
kinder auf die Weise einen beständig wohlgedeckten Tisch haben. Zahl- 
reicher als die Strausse kommen die Rebhühner, die sogenannten Perdicas, 
in den Pampas vor, zur Freude des Fuchses und der Wildkatze; in grosser 
Anzahl tritt auch Teru-teru auf, eine Art Kibitz. In den Flüssen und 
„los pozos" oder Weihern giebt es Schwäne, sowohl weisse wie schwarze 
und weisse mit schwarzen Hälsen, und an den Ufern Sumpfvögel in un- 
zähligen Variationen. Am zahlreichsten sind die kleinen Vögel vertreten, 
aber es finden sieh unter ihnen äusserst wenige unserer lieblichen Sänger. 
Ferner ist der Condor zu nennen, welcher majestätisch über dem Felsen- 
rücken der Anden kreist, und gierig dem Guanaco nachspäht, und der 
Geier, der Adler, und im südlichen Teil des Landes der gewaltige Albatros, 
der Pinguin und hundert andere Arten. Nebenbei mag erwähnt werden, 
dass unsere Krähe und Elster unter einer Schaar von ausländischen Ver- 
wandten ganz vornehm aussehen, wo sie im Tiergarten von Buenos- 
Aires einen Käfig einnehmen, und sich von neugierigen Blicken bewun- 
dern lassen. 

Argentinien scheint das gelobte Land der Insekten zu sein, denn in 
unglaublicher Menge treten sie da auf. In den warmen, aber dunklen 
Sommernächten sieht man überall, M'O es Grasflächen giebt, den unauf- 
hörlichen Tanz der Feuerfliegen nach der Musik von Fröschen und Grillen. 
Die südländische Sommernacht träumt nicht lächelnd und mild, wie die 
nordländische; das Leben der Natur pulsiert da unabgebrochen laut, 
leidenschaftlich und glühend. Man muss sich vorsehen, in niedrigen 
Schuhen zu gehen, wo es Gras giebt, oder sich auf den einladenden Gras- 
flächen im Hochsommer niederzulassen, denn auf fast jedem Grashalm 
findet sich zu Millionen das beinahe mikroskopische Coloradoinsekt, 
welches sich unter die Haut frisst, sich dort vermehrt und ein unleidliches 
Jucken verursacht. Erst nach ungefähr einem Monat sterben sie ab. 
Von Plagegeistern haben wii' weiter die unausstehlichen Moskitos oder 
Mücken. Im Sommer ohne Moskitonetz um das Bett zu schlafen ist fast 
unmöglich. Die argentinische Mücke hat nicht, wie die finnische, die 
Freundhchkeit, durch Gesang ihre Ankunft bekannt zu macheu; nein, wie 



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ein Meuchelmörder in der Nacht lässt sie sich nieder, sticht und ver- 
schwindet. Furchtbar für den Landmann ist die Logusta, die Heu- 
schrecke, die, wenn sie sich zu Millionen auf ein Getreidefeld niederlässt, 
kaum einen grünen Halm nachlässt. Es ist interessant, die Wolken von 
Heuschrecken zu sehen, welche in der heissen Jahreszeit zuweilen vorüber- 
ziehen. Ein Schwärm von sehr kleinen fiel eines Sommerabends 1889 
auf Buenos Aires nieder. Die Fenster und Thüren offen zu halten, um 
die Abendkühle hereinzulassen, wie es wünschenswert gewesen wäre, war 
unthunlich, wenn man die Lampe augezündet haben wollte. Am folgen- 
den Morgen, als die Strassen gefegt wurden, sammelte mau grosse Haufen 
derselben, welche sich an den Gasflammen zu Tode gebrannt hatten. 
Dass die Fliegen iu Argentinien vortreffhch gedeihen, versteht sich von 
selbst. Schmetterlinge in grossartigen und leuchtenden Gewändern giebt 
es in Menge. Die Motten sind sehr lästig und schwer vou der Garderobe 
fern zu halten, der sie vielen Schaden thun. In den nördlichen Teilen 
des Landes giebt es grosse giftige Spinnen, welche sogar den Menschen 
angreifen. Auf dem Boden wimmelt es von kleinen kriechenden Tieren 
aller Art. 

Von grosser zukünftiger Bedeutung für das Land sind die reichen 
Schätze der Berge. Mineralreich sind zumeist die Provinzen an den Anden. 
Die Gebirge bestehen hauptsächlich aus Gneis und Granit; grosse Quarz- 
gänge kommen auch vor, und in der Provinz Cordoba besonders Kalk- 
stein und Marmor von verschiedener Farbe. Gold wird an mehreren 
Orten im Lande angetroffen; gleichfalls gediegenes Silber. 

Kupfer und Eisenerz giebt es in grossen Mengen, jedoch existiert 
noch keine einheimische Eisenindustrie in Argentinien. Ausserordentlich 
reiche Steinkohlenlager giebt es, aber bis jetzt so gut wie unerschlossen ; 
Asphalt und Petroleum gleichfalls. In der Nähe von Uspalata in den 
Anden, wo die noch nicht fertige transaudinische Bahn vorüberzieht, hat 
man nicht weniger als zehn Petroleumquellen von bedeutendem Reichtum 
gefunden. Die Stadt Mendoza wird seit einigen Jahren mit Petroleumgas 
erleuchtet. In unbegrenzter Menge kommen Salzlager vor. Bleiglauz und 
Schwefelkies findet man auch bedeutend, gleichwie Eucarit, Kaohn, 
Graphit u. s. w. Wenn ihr mehr Sorgfalt gewidmet wird, muss die 
Minenindustrie dem Lande kolossale Einkünfte schenken. 

Argentiniens wichtigste Erwerbszweige sind jetzt Viehzucht und 
Landwirtschaft. Es giebt iu der Republik 27 Millionen zahmes Horn- 
vieh, 83 Miüionen Schafe, öVs Millionen Pferde, 2V2 MiUionen Ziegen, 
547 700 Maulesel, 233000 Strausse, 60000 Llamas. Der Export von 
lebendem Rindvieh übersteigt jährlich 200000 Stück. Vou konserviertem 

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Fleisch werden jährlicli 60 Millionen Kilogramm ausgeführt. Meiereien 
giebt es bis jetzt äusserst wenige. Die wichtigsten Getreidearten sind 
Weizen und Mais, wovon jährlich ungefähr 300000 Tons ausgeführt werden. 

Flachs, Gerste, Wein, Zuckerrohr, Taback und Kaffe hat man in 
den letzten Jahren begonnen mehr zu kultivieren. Am besten angebaut 
sind die Provinzen Buenos Aires und Santa Fe. Jede Art industrieller 
Tliätigkeit befindet sicli noch in den Windeln, weshalb das Land darauf 
angewiesen ist, seinen Bedarf durch die europäische Produktion zu decken. 

Argentinien befreite sich von dem spanischen Joch durch einen am 
25. Mai 1810 begonnenen, langdauernden Krieg, an dessen Spitze der 
Freiheitsheld, General San Martin, stand, und erklärte nach dem Schlüsse 
desselben am 9. Juli 1816 auf dem Kongress zu Tucmnan seine politische 
Selbständigkeit. Die repubhkanische Staatsverfassung wurde nach nord- 
amerikaniscliem Muster gebildet. Das Land wird in ^derzehn Provinzen 
und neun Territorien eingeteilt. Die Provinzen von Norden nach Süden 
gerechnet sind Jujuy, Salta, Tucuman, Catamarca, Santiago del Estero, 
Santa Fe, Corrientes, Entre Rios, Rioja, San Juan, Cordoba, Mendoza, 
San Luis und Buenos Aires. Die Hauptstädte dieser Provinzen, in 
welchen die lokale Provinz Verwaltung ihren Sitz hat, tragen den Namen 
nach den Provinzen, mit Ausnahme von Buenos Aires, deren Hauptstadt 
La Plata ist, und Entre Rios mit Paranä als Hauptstadt. Die Territorien 
sind Formosa, Gran Chaco, Misiones, Gran Pampa, Neuqueu, Rio Negro, 
Chubut, Santa Cruz und Tierra del Fuego, oder Feuerland. Jedes Terri- 
torium wird zu dem Range und der Würde einer Provinz erhöht, sobald 
seine Bevölkerung auf 60000 Weisse gestiegen ist. 

Das Land hat ausgezeichnete Gesetze, aber ihre Befolgung giebt 
sehr oft Veranlassuug zu den bittersten Anmerkungen. 

Jede Provinz hat ihre Regierung, einen Gouverneur mit zwei bis 
drei Ministei-n, und eine gesetzgebende Versammlung, verteilt auf zwei 
Kammern, und kann frei über ihre inneren Angelegenheiten bestimmen; 
jedoch bilden alle Provinzen eine einzige unteilbare Republik mit gemein- 
samer gesetzgebender Versammlung (dem Kongress), Regierung und Ober- 
gericht. Die Mitglieder des Kongresses bestellen aus 30 Senatoren und 
86 Deputirten. Der Präsident, der am 12. Oktober, dem Jahrestage der 
Entdeckung Amerikas, instalhert wird, wird auf 6 Jahre gewählt und ist 
erst nach der nächstfolgenden sechsjährigen Periode wieder wählbar. 
Zum Nationalkongress sendet jede der vierzehn Provinzen zwei Senatoren, 
welche durch Elektoren gewählt werden, die Hauptstadt der Republik 
auch zwei. Die Deputierten werden durch direkte Wahl des Volks aus- 
ersehen für Kreise von 10 — 20000 Einwohnern. Eines Senators jähr- 



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liches Gehalt beträgt 48 000 J€. Die Sessionszeit ist vom 1. Mai bis 
30. September. 

Verschiedene Eassen und Volksstämme bilden die argentinische 
Nation, aber das spanische Element ist doch das überwiegende und hat 
derselben sein Gepräge aufgedrückt. Das Hochspanische, la lengua 
castellana, ist die officielle Sprache des Landes. Der Unterschied zwischen 
Spaniern und Argentiuiern ist jedoch schon ziemlich gross wegen der 
Vermischung der letzteren mit anderen Volksstämmen, zum Beispiel mit 
den germanischen; selbst in der Sprache bemerkt man bedeutende Un- 
gleichheiten, besonders was die Aussprache betrifft. Die Ureinwohner 
Südamerikas, die Indianer, welche über die weitgestreckteu Pampas 
herrschten, und einmal ganz mächtig waren, mit einer gewissen Kultur 
(das Kaiserreich der Incas), werden fortwährend immermehr zurückge- 
drängt nach den unzugänglichen Berggegenden und Einöden, werden 
geschwächt und sterben aus. Dasselbe geschieht ohne Zweifel den Gauchos 
(ursprünglich Mischlingen von Spaniern und Indianern), da wo der ge- 
waltige europäische Einwanderungsstrom sich ausbreitet. Die Civilisation 
ist ihnen zu mächtig; Kenntnisse, Fleiss und Energie besiegen hier, wie 
überall in der Welt, Dummheit, Faulheit und Unlust. 

Langwierige und blutige Fehden sind zwischen den Indianern und 
den Christen in Argentinien ausgefochten worden und endeten mit der 
Besiegung un«! Zurückdrängung der Ersteren. Einer meiner argentinischen 
Bekannten, der Oberste Solano, welcher an mehreren Expeditionen gegen 
die Indianer teilnahm, hat mir manche interessante Episoden aus den- 
selben erzählt. Dass die Erbitterung der Indianer gegen die Christen 
(huiucä) zur Raserei ausartete, geht aus manchen derselben hervor. In 
den fünfziger bis sechsziger Jahren fanden mehrere harte Kämpfe mit 
dem letzten Pampakaiser, Callvucurä dem Grossen, statt (Gallvu, blau; 
curä. Stein), welcher schliesslich 1872 in der Schlacht bei San Carlos be- 
siegt wurde und kurz darauf starb. Sein Bruder Namuncurä (Namun, 
Fuss; curä. Stein), 65 Jahre alt, der Erbe des Kaiserreiches Pampa, lebt 
noch in Buenos Aires mit einer Tochter, in Sehnsucht nach seinen Freun- 
den und seiner Freiheit. Der Sohn eines Kaziken wurde im Jesuiten- 
kollegium San Jose in Buenos Aires erzogen und bestand vor einigen 
Jahren die Doktorprüfung an der Universität. 

Einer seiner fi'üheren Schulkameraden erzählte mü-, dass er stets 
grosses Interesse an den Studien zeigte und besonders intelligent war. 

Die südamerikanischen Indianer haben eine dunkelbraune Haut und 
schwarzes, nachlässig herunter hängendes Haar; jedoch hat der Oberste 
Solano in Patagonien Indianer mit hellbraunem Haar getroffen. Ihr Kopf 



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ist vorn und hinten abgeplattet, die Angen sind oft ganz hübsch. Frauen- 
typen giebt es, die wirkliche Schönheiten sind. In Buenos Aires sieht 
man ganz viele „gebildete" Indianer oder richtiger gesagt, zahme, unter 
ihnen einige des schönen Geschlechts, die sich noch im Gesicht mit blauen 
und grünen Strichen, welche kleine Vierecke bilden, zu tättowieren lieben; 
sie sehen ganz scherzhaft aus. Die Indianer im wilden Zustande werden 
in Stämme eingeteilt mit einem Kaziken oder Häuptling an der Spitze, 
welcher eigenmächtig alle Angelegenheiten des Stammes verwaltet und 
dem die übrigen Mitglieder desselben blind gehorchen müssen. Die 
Individuen und Stämme haben Namen nach Naturgegenständeu, Tieren 
oder dergleichen, wie Milla Leuvü, der Goldfluss, Cure Leuvü, der schwarze 
Fluss, Carü Mahuida, die grüne Anhöhe, Nahuel Pichi, der kleine Tiger, 
Puma Quintün, der Löwenjäger, Gner, der Fuchs, Ghoique, der Strauss, 
Njanqü, der Adler, Manque, der Oondor, Huemul, die Ziege, Luän, Llama, 
Curü Loncö, der schwarze Kopf, Millä Pulqui, der goldene Bogen, Carü 
Pan, die grüne Schulter, Curü Pichi, der kleine Schwarze, u. s w. oder 
nach Orten, z. B. Nahuel Mapü, das Tigerland, Melincue, die vier Kar- 
toffeln (von meli, vier und cue, Kartoffel). 

Von den Indianersprachen wird das Guarani eine der am meisten 
verbreitesten in Südamerika sein. 

Von dem Gaucho, dem argentinischen Bauern wäre viel zu sagen, 
aber nur einige lose Züge aus seinem Leben mögen hier gezeigt werden. 
Er besitzt eine gewisse angeborene Noblesse, ist ehrlich und gradezu, und 
gegen den Fremden gastfrei und wohlwollend; in der Gefahr bewahrt er 
unerschütterliche Ruhe. Nur wenn er berauscht ist oder gereizt wird, ist 
er zu fürchten; Dolch und Revolver werden dann ohne Rücksicht auf 
des Gegners Leben gebraucht. Einen Unbewaffneten fällt er jedoch weder 
an, noch schleicht er sich an seinen Gegner heran. 

Er ist mehr weich- als hartherzig. Da er Gesang und Musik sehr 
liebt, geschieht es, dass er beim Anhören eines hübschen wehmütigen 
Gesanges zu Thränen gerührt wird. Der argentinische Gaucho besitzt 
sogar viele Lieder, reich an schönen poetischen Gedanken, obgleich die 
Form oft mangelhaft und steif ist. Er besingt der Jugend glühende Liebe, 
des Weibes Reiz, des Mannes Mut und kriegerische Thaten, seinen Kampf 
gegen die Indianer und die wilden Tiere, die Einsamkeit auf dem end- 
losen Feld der Pampas, die Pracht des Sternenhimmels und den Aufgang 
der Sonne über die taubenetzten Ebenen. An den vaterländischen Fest- 
tagen kleidet er sich in ein Festgewand, erfasst die Guitarre, seine unzer- 
trennliche Freundin, und singt seiner Familie von der Freiheit, wie schön 
sie ist, von Siegen und einem ehrenvollen Tod für das geliebte Vaterland. 



J9 

Er versteht sogar die Guitarre auf eine besonders ansprechende Weise 
zu behandeln-, und wie sollte er das nicht, seine Herzensangelegenheiten 
werden oft mittelst ihrer sanften Sprache verrichtet. Ergriffen von der 
Schönheit einer paisanita (Landsmännin), besucht er am Abend ihren 
rancho (Hütte), und singt ihr vor dessen Fenster seines Herzens ganze 
Liebe. Wird die Thür geöffnet, und ein freundliches „entre amigo" er- 
reicht sein Ohr, so weiss er, dass die Liebeserklärung wohl aufgenommen 
wurde, auch von Mama und Papa, und er tritt überglücklich in den 
rancho ein, wo er mit Mate und Wein bewirtet wird. Eine Begebenheit 
im Leben der Pampa ist ein Besuch des Priesters an dem Ort. Jeder in 
der Umgegend hat dann ein Anliegen an ihn, denn sehr selten ist eine 
solche Person da draussen zu haben. Einer der reicheren Gauchos hat 
die Ehre dieses Besuchs, und dieser sendet nun Boten herum, dass der 
sacerdote dann oder dann auf seiner estancia (Landgut) eintreffen wird. 
Eine Menge Landleute mit ihren Familien findet sich au dem Tage ein. 
Da kommt der junge Gaucho mit seiner neu erworbenen Braut, welche 
er mit kräftigem Arm auf dem Rücken des wilden Renners festhält, dort 
ein Anderer mit einem kleinen Jungen auf dem Arm. Selbst eine Menge 
„viejas" (alte Weiber) kommen, um zu beichten und das Sakrament zu 
empfangen. Als eine Eigentümlichkeit mag die Sitte genannt werden, 
welche noch in den entlegeneren Teilen der Pampas herrscht, nämlich 
dass man sich beim Anblick eines toten Kindes freut, und Tänze um 
dessen Bahre ausführt, denn, sagt der Gaucho, mein Kind ist nun ein 
Engel; die Nachbaren pflegen sogar die 'Leiche zu leihen und um den 
kleinen „Engel" Freudentänze aufzuführen. — Nach der Ernte, der 
Schlachterei und der Schafschur werden immer Festlichkeiten mit Wett- 
rennen (carreras), Tanz und Gesang angeordnet. Ein gewöhnlicher Tanz 
ist der s. g. „pericon nacional," eine Art Quadrille. Unter den Gesängen 
ist der allgemeinste der „milonga," in welchem zwei Personen mit Guitarr- 
und Mandolmbegleitung abwechselnd improvisieren, oft recht erfinderisch 
und witzig, ein Jeder alle Kraft aufbietend, um so treffend wie möglich 
dem Kameraden zu antworten. Da die Witze eine Lachsalve nach der 
andern hervorrufen und die Gegenpartei sich von dem Scherz getroffen 
fühlt, kommt es vor, dass Streit entsteht, aber einige wenige Augenblicke 
und er ist von den Umstehenden beigelegt. Als Reiter exceUiert der 
Gaucho, ebenso in der Handhabung des Lasso und der Kugeln, mit 
welchen Geräten er das halbwilde Vieh und sogar wilde Thiere fängt. 
Afrikaner giebt es in Argentinien auch seit den Tagen der Sklaverei, 
aber sie scheinen da nicht gut zu gedeihen, denn die Statistik zeigt, dass 
ihre Anzahl sich von Jahr zu Jahr vermindert. Neger und Mulatten sind 



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im Allgemeinen auf Diener-, Kutscher-, Portier- und Mägdeplätze ange- 
wiesen. In dem Hause, welches ich bewohnte, war des Portiers „Don 
Matteos" Frau — geborene Prinzessin — nun als Köchin des Hauses 
engagiert. Ihr Vater, ein hochgeborener Fürst Westafrikas, wurde von 
Sklavenhändlern nach Brasilien gebracht, wo er sich später verheiratete. 
Sie, die Tochter, floh von Rio de Janeiro, bevor die Sklaverei dort auf- 
gehoben w^urde. Die arme Dona Nieolasa beklagte oft, dass sie nichts 
von ihren Verwandten auf der andern Seite des grossen Wassers zu 
hören bekäme. Mit Bitterkeit sprach sie von der Weise, womit Menschen 
Menschen behandeln. — Zum Unterschied von den Indianern sind die 
Neger ausserordentlich schwatzhaft und affektiert, oft sogar bis aufs 
Ausserste hochmütig. Sie sind alle Kinder des Tages, freuen sich und 
lachen, so lange sie etwas zu leben haben, aber denken niemals an einen 
kommenden schweren Tag, da es gut wäre, die für Luxus verschleuderten 
Mittel noch zu besitzen. So lud Don Matteo auf eine Menge Flaschen 
Champagner ein, als er seiner Tochter Hochzeit feierte, obgleich er nur 
ein armer Portier war. Dona Nieolasa war in ein rauschendes schwarzes 
Seideugewand gekleidet und hatte eine rote Rose in dem wolligen Haar. 
Nach der kü-chlichen Trauung versammelten sich alle Gäste in der Küche, 
die meisten der Damen in Seide gekleidet. Es war sehr interessant, die 
lebhafte Gesellschaft beim schäumenden Champagnerglas zu sehen. — 
Lauter schwarze Gestalten mit glänzend weissen, den ganzen Abend sicht- 
baren Zahnreiheu; die Freude ging hoch! — Das Gespräch bewegte sich 
um alles mögliche durcheinander. „0, dios mio (mein Gott) wie ent- 
zückend ist die Patti! LTnd die Senora Judic erst? 0, es ist nicht so 
weit nach Europa; erst nach PJo de Janeiro und dann ein Stück zur 
Seite. Ja, es wäre wirklich nett Paris zu besuchen." Plötzlich tritt Don 
Matteos jüngstes achtjähriges Mädchen vor, indem sie der Dona Nieolasa 
Grimassen schneidet unter dem Ausruf „que mona" (welcher Affe)! In 
fürstlicher Wut eilt die korpulente Dona hinter der listigen Kleinen her, 
welche sie in dem patio (Hof) beim Marmorbrunnen erfasst. Auf dem 
Mosaikfussboden liegt bald die schwarze Gruppe, und nur das seidene 
Kleid giebt zu erkennen, dass die Besitzerin in lebhafter Bewegung ist. 
Von Seiina (dem kleinen Mädchen), sieht man nur den kleinen wolligen 
Kopf. Aber bald ist sie wieder frei und schneidet nun noch mehr 
Grimassen und versteht wohl sich vor einem erneuerten Überfall zu 
schützen. Einige Augenblicke weiter und die ganze Sache ist vergessen. 
Danach führte ein im Hause wohnender gemütlicher Maschinist aus 
Dalekarlien auf der Violine eine Menge Polkas und Walzer aus, und bald 
war die schwarze Schar in vollem Tanz auf dem patio. Die grossen 



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hochroten Fächer kamen in lebhafte Bewegung, und eine Menge atem- 
loser Stimmen bekomplimentierten den typischen schwedischen Bauern- 
spielmann, welcher darauf mit dem Champagnerglas in der Hand in dem 
ungereimtesten Kauderwelsch zu seinen „afrikanischen" Brüdern und 
Schwestern sprach. Am andern Tage suchte Don Matteo die leeren 
Flaschen an umherziehende Aufkäufer zu verkaufen. Das Grossstadtleben 
ist kosmopohtisch und steht unter grossem Einfluss der europäischen 
Sitten und Gebräuche. Dies gilt hauptsächlich für Buenos Aires, wohin 
jährlich manche Tausend Europäer strömen; doch kommen im Familien- 
leben noch manche alte traditionelle spanische Gebräuche vor, obgleich 
man anfängt, immer weniger auf dieselben zu halten. Aller Adel wurde 
bei der^ Proklamation der Republik abgeschafft und die Geldaristokratie 
nahm dessen Platz ein. Der Luxus ist ungeheuer, in vielen Fällen den 
Pariser übertreffend; die Bildung, besonders die gelehrte, ausserordentlich 
äusserlich, obgleich der Argentinier, lebhaft und intelligent, oft diesen 
Maugel auf eine besonders bezeichnende Weise zu verbergen versteht. 
Manche argentinische junge Herren erinnern bei verschiedenen Gelegen- 
heiten an dummstolze finnische Bauernjungen in angeregter Stimmung, 
wenn man sich diese letzteren mit dunklen Augen und Haaren denkt, 
etwas bucklig, schmalschultrig, klein und dick, gekleidet in kostbaren An- 
zügen nach der letzten londoner mid pariser Mode. Auf eines Argen- 
tiniers Wort ist im Allgemeinen nicht allzuviel Verlass; aus lauter augen- 
blicklicher Höflichkeit kann er Gold und grüne Wälder versprechen, Ver- 
sprechen, welche er niemals zu halten denkt. Der Satz, „Der Zweck 
heiligt das Mittel" besitzt auch in Argentinien grosse praktische Verwen- 
dung, besonders im Geschäftsleben. Ausserdem ist der Argentinier leicht- 
sinnig, gleichgültig gegen Pflichterfüllung, egoistisch bis zur Unehrlich- 
keit, veränderlich in der Gesinnung und in seinem politischen Auftreten 
pomphaft und wichtig, mit den Armen und Phrasen um sich werfend. 
Was die argentinische Frau betriflft, so tritt sie mehr zu ihrem Vor- 
teil hervor, und besitzt unbestreitbar einen besseren Charakter, als der 
Mann. Sie ist allerdings sehr luxusliebend, gefallsüchtig, bequem und 
beteiligt sich fast gar nicht an den Angelegenheiten des öffentlichen 
Lebens, wenn man ihre Wirksamkeit auf dem Gebiet des Wohlthuns aus- 
nimmt. Die argentinische Frau will nichts von der Frauenemancipation 
wissen. Aber ihre guten Eigenschaften wägen vielfach die Fehler auf, 
welche oft von der fehlenden Bildung verursacht werden. Mit einem 
schönen Äussern vereinigt die Argentinierin eine feine weibliche Anmut, 
welche jedem gefallen muss, obgleich es keine Regel ohne Ausnahme 
giebt. Im öffentlichen Leben erscheint sie etwas hochmütig und kokett, 



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aber im Familienkreis ist sie ganz anders, offen und ungezwungen, leb- 
haft, fröhlich und liebenswürdig, mit einem Wort betörend. Die Argen- 
tinierin besitzt einen ausgesuchten Geschmack sich zu kleiden, ja, es wird 
behauptet, dass sie sogar die Französinnen übertrifft. 

Sie hält sich viel zu Hause, während ihre lieben Brüder schon 
in den Knabenjahren unter Geschrei und Lärm auf Strassen und 
Gassen umherstreifen. Das Klavierspiel ist allgemein unter den gebil- 
deten Senoritas, aber sie besitzen keine Ausdauer; das habe ich von 
Paulig gehört, einem hervorragenden italienischen Pianisten, welcher seit 
einigen Jahren in Buenos Aires ansässig ist, wo er einen grossen Ruf als 
Klavierlehrer besitzt. Nebenher mag erwähnt werden, dass er ein früherer 
Schulkamerad und intimer Freund des bekannten Pianisten Busoni ist. 
Im allgemeinen spielen die Argentinierinnen Walzer und leichte Sachen 
mit Vorliebe. Selbst mit der Malerei beschäftigen sie sich, aber immerhin 
ist der Rahmen in den meisten Fällen das hübschste des ganzen Bildes. 
In den Wohnungen der reichen Familien findet man kostbare Möbeln und 
Kunstgegenstände, aber die Anordnungen zeugen in diesem Falle im 
ganzen nicht von gutem Geschmack. Im allgemeinen tanzt man in den 
argentinischen Familien weniger, und immer auf dem Teppich. Der 
Walzer wird sehr langsam getanzt und wechselt mit der Promenade ab. 
Die Argentinierin tanzt die Habanera. auf ausgesucht feine Weise; auch 
Schottisch, Polka, Mazurka und Fran9aise. Während der Saison hat die 
Oper die meiste Anziehungskraft unter den Vergnügungen; zugleich ist 
sie der Versammlungsplatz für la creme de la societe. Auch die Karchen 
liebt die Argentinierin zu besuchen, aber es dürfte nicht allein der Eifer 
für die Religion sein, welcher sie dorthin zieht; mit einem Kirchgang 
können auch andere Interessen vereinigt werden. Wie es sich wirklich 
mit den Kirchgängen der Damen und ihren Motiven dazu verhält, lasse 
ich unentschieden, da ich kein Herzenserforscher bin, aber was die der 
jungen Männer betrifft, so weiss ich mit Bestimmtheit, dass sie ausschliess- 
lich der jungen Damen wegen vorgenommen werden. — So viel habe ich 
indessen bemerkt, dass das dunkle Auge nicht so warm vor Marias antikem 
luxuriös drapiertem Bild erglüht, wie vor einem lebendigen Joseph in 
einem pariser Kostüm. Von grossem schädlichen Einfluss auf die mora- 
hsche Ausbildung und Veredlung des Charakters der jungen Männer ist 
ohne Zweifel die grosse Isolierung, welche von der frühesten Jugend an 
zwischen Knaben und Mädchen herrscht. Jene werden gewöhnhch in den 
Jesuitenschulen erzogen, wo sie Tag und Nacht bleiben, während sie nur 
an Sonntagen und in den Ferien sich im Hause aufhalten dürfen. 
Moderne Elementarschulen gewinnen jedoch immer mehr Ausbreitung. 



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Den argentinischen Schulknaben ist das Rauchen erlaubt; jedoch dürfte 
das heimliche Rauchen in den finnischen Knabenschulen grösser sein, als 
das erlaubte in den argentinischen. Die Jahresprüfung in den Staats- 
schulen wird am 5. Dezember abgehalten. Ich wohnte vor zwei Jahren 
derjenigen im GoUegio nacional, welches einem unserer Lyceen entspricht, 
bei, und es interessierte mich besonders den Geographieunterricht in einer 
der Klassen anzuhören, weil die Geographie Nordeuropas behandelt wer- 
den sollte. Einige Kleinigkeiten wussten sie allerdings aus der Geographie 
Finlands, aber die Aussprache der Namen war ein solches Abrakadabra, 
dass ich es schwer hatte den wirklichen Namen des Ortes zu erraten. 
Ich beklage die jungen Herren auf ihren Touristen fahrten in Finland. 

Hymens Band in Argentinien zu knüpfen ist nicht immer leicht, 
denn Viele haben mit der Sache 7A1 thun, und viele Wenn und Aber 
kommen in Frage. Wenn ein junger Mann, welcher mit einer Familie 
bekannt ist, anfängt derselben Besuche ausser den gewöhnlichen Höflich- 
keitsbesuchen zu machen, fragt der Familienvater ihn schliesslich, ob er 
die Absicht hat, intimere Verbindung mit einer seiner Töchter anzu- 
knüpfen, (die Auserwählte kennt wohl die Ursache der Besuche) und wenn 
das der Fall ist, mit welcher von ihnen ? Denn in vielen argentinischen 
Familien giebt es zwölf bis fünfzehn, ja bis zwanzig Kinder. Wenn dieser 
darauf bejahend antwortet, werden die übrigen Mitglieder der Familie 
von der Sache unterrichtet, worauf ein Familienrat gehalten wird, zu 
welchem besonders eine Menge Tanten die Liebenswürdigkeit haben sich 
einzufinden. Des jungen Mannes Person, Lebensstellung, Lebensweise, 
Charakter, Vermögensverhältnisse und Aussichten für die Zukunft, mit 
einem Wort, alles, was ihn betrifft, wird nun der strengsten Kritik unter- 
zogen, bei welcher die Tanten sich inderthat einander überbieten. 
Glückt es dem Bewerber diese Feuerprobe zu bestehen, für ein liebendes 
Herz schauerlicher, als die Qual des Fegefeuers, so wird die Verlobung 
bekannt gemacht, wenn nicht, — der Korb, sofern nicht die unglückliche 
Braut, welche in ihrer Liebe vieles verzeiht, vor Kummer und Verzweif- 
lung sterben will, alsdann einige Nachgiebigkeiten in Frage kommen und 
beide das ersehnte Ziel erreichen. 

Verlobte werden niemals mit einander allein gelassen, können nie- 
mals ohne Gesellschaft auf der Strasse spazieren gehen; immer haben sie 
die Mama der Braut, oder eine geliebte Tante mit Monokel bei sich. Die 
Civilehe ist seit 1888 obligatorisch in Argentinien, obgleich die kirchliche 
Trauung oft daneben vorkommt, weil die Braut und die Tanten es so 
wollen. Vor der Trauung wird die gewohnte Beichte verrichtet. 

Von Bekannten erfuhr ich zwei Fälle, dass der Bräutigam statt seiner 



44 

UDd in seinem Namen den Bedienten in den Beichtstuhl schickte, ohne 
dass der Priester das Mindeste ahnte. Frühe Ehen, die Braut 12 — 15 
Jahre alt, der Mann ungefähr 20, kommen oft vor. Die argentinische 
Frau ist früh entwickelt, aber ihre jugendliche Schönheit entflieht bald. 
Buenos Aires, die Hauptstadt der argentinischen Republik am rechten 
Ufer des La plata gelegen, ist eine grosse und teilweise ganz hübsche 
Stadt. Sie wurde 1580 von dem Spanier Juan Garay gegründet. Anfangs 
bestand sie aus Lehmhütten mit Eohrschilf als Dach, aber dieses Aus- 
sehen behielt sie nicht lange, denn schon im Anfang des 17. Jahrhunderts 
wurde sie von den Indianern durch Abschiessen brennender Pfeile abge- 
brannt. Ihre Lage ist auf 34» 36' 21" südhcher Breite und 58" 21' 33" 
westlicher Länge (Greenwich), 300 Kilometer von der Flussmündung. Der 
längste Tag in Buenos Aires ist der 22. Dezember mit 14 Stunden und 
24 Minuten, der kürzeste der 21. Juni mit 9 Stunden und 50 Minuten. 
Die Masimaltemperatur im Hochsommer steigt auf dreissig und einige 
Grade Celsius im Schatten, zuweilen auf 38 ", die Minimaltemperatur fällt 
selten unter + 1 ". Den Namen „gute Luft" führt die Stadt nicht mit 
Recht wegen mangelnder Reinhaltung. Was soll man von der hygie- 
nischen Beschaffenheit einer Stadt von über Vs Million Einwolmern denken, 
wo das Kloakensystem nur teilweise in Thätigkeit ist. Es ist ein Glück, 
dass die „pamperos," heftige Sturm- und Regenschauer, oft die Stadt 
reinigen. Ungeachtet aller Unsauberkeit, besonders in den Arbeitervierteln, 
treten gleichwohl die hässlichen tropischen Pestepidemien, das gelbe Fieber 
und die Cholera, nur ganz selten auf. Die Strassen sind sehr schmal, 
und die Häuser haben meistens ein und zwei Stockwerke, im letzteren 
Falle immer mit einem längs des ganzen Hauses sich erstreckenden 
Balkon. Die Fenster des Erdgeschosses sind nach der Strasse immer 
mit Eisengittern versehen, mit Ausnahme der Ladenfenster. Pferdebahnen 
giebt es in fast allen Strassen. Die Hausdächer sind flach. An Sommer- 
abenden nehmen die Familienmitglieder Platz auf denselben, unterhalten 
sich bei einem Glase Wein, lauschen auf die rasselnde Musik der zahl- 
reichen Drehorgeln (giückhcherweise besser, als was die Neapolitaner uns 
hier in Finland bieten), und betrachten das Menschengewühl auf den 
Strassen. Was die Pferdebahnen betriflit, so mag erwähnt werden, dass 
sie wegen ihrer Grösse wirkliche Folterwerkzeuge für die Pferde sind, 
und dass der Kutscher die Signale durch ein infernalisches Blasen auf 
einem Ochsenhorn giebt, nicht durch Glocken, wie in civilisierten Städten. 
In den letzten Jahren sind grosse palastähnliche Häuser in Menge auf- 
gefühi't, so dass Buenos Aires sicher allmählich das Gepräge einer mo- 
dernen europäischen Stadt bekommt. Mehrere bepflanzte Plätze giebt es, 
wie die plaza Victoria mit einer um den Platz laufenden Allee von 



45 

Palmen. An ihm stehen die Kathedrale, die Börse, das Regierungsgebäude 
und das Kougresshaus, und mitten auf demselben erhebt sich das Stand- 
bild der Freiheitsgöttin. Von diesem Platz aus wird durch die ganze 
Stadt eine breite moderne Strasse, avenida de Mayo, gezogen, welche un- 
geheure Summen verschlingt, aber für den lebhaften Verkehr notwendig 
ist, welcher auf den engen Strassen in den centralen Teilen der Stadt 
herrscht. Von anderen Plätzen mögen die Plaza Constitucion (50 762 qm), 
Once de setiembre, San Martin, Lavalle und Libertad genannt werden, 
die beiden letzten die Hauptstätten für die neueste Revolution in Buenos 
Aires. Die Stadt besitzt auch hübsche Umgebungen, wie Palermo, das 
boulogner Wäldchen von Buenos Aires, Recoleta mit künstlichen Anhöhen, 
Wasserfällen, Teichen, einer grossartigen Cementgrotte u. s. w. Dass die 
Flora in diesen Parken üppig ist, braucht nicht gesagt zu werden. 

Villenstädte sind Belgrano und Flores, Hafenstadt ist Boca; auf der 
andern Seite von Belgrano liegt die Vorstadt Campana. Die Strassen der 
Stadt sind mit behauenen Steinen gepflastert, aber doch in schlechtem 
Zustand ausser im Centrum, wo viele schon mit Holz belegt sind. Grosse 
Export- und Importmagazine giebt es in Menge, ebenso Läden gefüllt mit 
Luxusartikeln, unter diesen sogar Kunstwerke von Bedeutung, welche hier 
einen holien Preis erzielen. Eine Menge Kirchen giebt es ebenso, wie 
Theater, unter welchen die Oper den ersten Platz einnimmt, weil sie eine 
treue Kopie, obgleich in kleinerem Massstab, der grossen Oper m Paris ist. 
Ein anderes grösseres Theater, das Theater Colon, ist im Bau begriffen. 
In Buenos Aü-es haben wir Gelegenheit gehabt, mehrere der hervorragendsten 
Künstler der Welt zu hören, wie die lentzückende Patti, den Tenorkönig 
Tamagno, Signorina Pautaleoni, die beiden letztgenannten von der Skala 
in Mailand, wo sie die Hauptrollen in Verdis Othello schufen; Adalgasia 
Galelei, Lucia, Ernesto Rossi und nicht zu vergessen die Goquelin-Judic 
Tournee, Sarah Bernard, Hortense Synnerberg, hier hocherhaben und 
bewundert, u. m. Die Preise der Eintrittskarten sind bei solchen Gelegen- 
heiten ausserordentlich hoch, was wegen der hohen Honorare notwendig 
ist, die die Künstler sich ausbedingen. Adelina Patti z. B. hatte 30 000 
Francs für den Abend. 

Im allgemeinen sind die Argentinier sehr vergntigungsüchtig, und 
eine unendliche Menge Festtage, sowohl kirchhche wie vaterländische, 
unterbrechen die regelmässige Arbeit. Der Karneval währt immer mehrere 
Tage. Ein grossartiger Blumenkorso wird jedes Jahr im November arran- 
giert, gewissermassen der Feier des ersten Mai bei uns im Norden ent- 
sprechend. Schönheit und Luxus sind bei solchen Gelegenheiten reich ver- 
treten. Politische Zusammenkünfte mit Prozessionen werden auch oft gehalten. 



46 



II. Eine Reise nach Patagonien. 

JLn der La Plata Post, einer deutschen Zeitnng in Buenos Aires 
finden wir die interessante Beschreibung einer Reise, welclie Herr Carlos 
Sievers 1894 im Auftrage der Argentinischen Regierung zu Rekognos- 
zierungszwecken für eine Vermessung ausgefülirt liatte. Er benutzte dazu 
einen Regierungsdampfer und langte am dritten Tage vor dem Hafen von 
Chubut, Puerto Madryn, an. Die Einfahrt liegt zwischen hohen Ufer= 
wänden und ist verhältnismässig schmal; bald jedoch erweitert sich der 
Kanal und bildet ein Becken oder kleinen Meerbusen von bedeutender 
Breite und Tiefe, geschützt durch ringsherum liegende Höhen. Diese sind 
etwa 30 m hoch, aber sandig, dürr, gelb und kahl. Menschen und Vieh 
waren nicht zu sehen, nur fünf bis sechs Holzhütten und eine kleine 
Muelle oder Landungsbrücke, die aber sonderbarerweise gar nicht bis ans 
Wasser reicht. Alles sieht tot und verlassen aus; der Ort Chubut selbst 
liegt auch einige Meilen landeinwärts und ist von hier aus nur mit einer 
Eisenbahn verbunden. Kommt man ans Land — das Schiff ankerte 
etwa 300 bis 400 m vom Ufer — , so empfängt mau den Eindruck der 
Ode und Verlassenheit nur noch schärfer. Mit Verwunderung hörten 
wir, dass nur alle Wochen einmal, d. h., wenn es gut geht, ein Zug nach 
Chubut expediei't wird, der dann in der nächsten Woche zurückkehrt. 
Auf verschiedentlichen grossen Tafeln und in allen möglichen Sprachen 
wird bekannt gemacht, dass kein Menschenkind, welches des Landes 
nicht durchaus kundig, sich ins Innere wagen soll, da auf sieben oder 
acht Meilen im Umkreise weder Wasser, noch menschliche Wohnungen 
anzutreffen sind.*) 

Für unser Schiff war wenig oder gar keine Ladung vorhanden, und 
so verliessen wir denn schon am nächsten Morgen den Hafen. Bei 
schönem Wetter durchkreuzten wir den als böse verschrienen Golf von 
San Jorge und konnten deshalb schon am nächsten Tage um 3 Uhr 
nachmittags in Puerto Deseado ankern. Die Marke dieses Hafens ist ein 



*) An der Mündung des Chubut liegt eine kleine Kolonie von Wallisern, etwa 
3000 Personen, die im Jahre 1865 dahin auswanderten. Das schmale Thal bringt den 
besten Weizen Südamerikas hervor. Die Eisenbahn geht von Goifo Nuevo im Port 
Madryn nach Chubut an der Mündung des gleichnamigen Flusses und von da nach 
den nahebeieinander liegenden Caiman und Eawson. Sie ist die erste in Patagonien. 



4^ 

links im Hintergrunde befindlicher Felsen, welcher dui'ch Verwitterung 
eine eigentümliche Form erhalten hat, nämlich wie ein mächtiger Baum 
mit zwei gen Himmel gestreckten Asten. 

Der Hafen, berichtet der Reisende, viel kleiner, als der von Chubut, 
kam mir schöner vor, denn abgesehen davon, dass Einfahrt, Wassertiefe 
und Windschutz vorzüglich sind, macht die Umgebung einen an- 
genehmeren Eindruck. Obgleich mau auch nicht viel mehr als Felsen zu 
sehen bekommt, so sind die Häuser doch zahlreicher; wir sahen Schaf- 
heerden und Rinder, auch Leute zu Pferde etc. Nach Norden ist nur 
schroffes und zerklüftetes Felsengesteiu. Hier liegt eine für Argentinien 
sehr seltene Erscheinung, nämlich eine alte Burgruine von gelblich- 
weissem Mauei'werk. Die noch ziemlich gut erhaltenen Wände lassen 
ein längliches Viereck als Hauptgebäude mit mehreren Vorsprüugen und 
dazu gehörigen Türmen erkennen; sie sind noch 2 — 3 Meter hoch und 
von äusserst solider Konstruktion. Vor Jahren soll dies die Burg einer 
altspanischen Truppenabteilung gewesen sein, schliesslich sollen aber, so 
wird erzählt, die Indianer das Fort eingenommen und alles Lebende 
umgebracht haben. Heute findet man hier keine Wilden mehr. 

Das Ufer bietet mehrere sehr gute Anlegestellen für Boote, und unser 
Kapitän Hess in liebenswürdigster Weise jeden Passagier, der es wünschte, 
ans Land bringen. Die Bai lag wie ein glänzender Spiegel vor uns, das 
Wetter war prächtig, in zwei Minuten war man am Strand. Wer Appetit 
hatte, konnte sich hier sofort an einem frischen Gericht sehr wohl- 
schmeckender Muscheln erlaben; es gab verschiedene Sorten, und mau 
hatte nur nötig, sie von den ganz sauberen Steinen abzupflücken. Die 
meisten luid die beste Sorte wird mit „maquinones" bezeichnet; sie sind 
länglich rund, dunkelblau-schwarz, bis zu 8 Centimeter lang und halb so 
breit und dick. In Bahia Bianca nnd fast an der ganzen Küste kommen 
diese Muscheln ebenfalls vor, aber viel kleiner. Ihr Fleisch ist weiss und 
zart, und sowohl in lebendem, als gekochtem Zustande vorzüglich. 

Auf diesem linksseitigen oder Nordufer giebt es ausser der beschrie- 
benen Burgruine auch noch einige Kamp-Etablissements mit ganz gemüt- 
lichen Wohnhäusern aus PIolz und Wellblech. Die vorhandenen Schafe 
waren in sehr gutem Zustande, auch sah ich mehrere hundert Stück 
Rindvieh. Diese waren von keiner besonderen Rasse; dünnleibig, wie die 
Guanacos, sprangen sie, als man sie zum Corral trieb, wie die Wind- 
hunde. Vielleicht nur aus Übermut, denn das Gras am Ufer war aus- 
gezeichnet und jetzt, im Frühjahr, auch reichlich Wasser vorhanden, was 
später nicht immer der Fall sein soll. 

Unser ScMff nahm frisches Fleisch ein (Hammel sowohl, als Rind), 



48 

und da hierzu Zeit gehört, konnten auch wir mehrere kleine Espeditionen 
unternehmen. 

Die ei'wähnte Burgruine liegt 5 — 600 Meter von der Bucht entfernt 
auf einem leicht ansteigenden, ungefähr 20 Meter hohen, kahlen Hügel. 
Halbkreisförmig, in der Entfernung eines guten Bogenschusses, erheben 
sich schroffe Felswände, die zur Rechten, wie zur Linken bis zum Strande 
reichen und dort steil, als rötlich-braun gefärbte Barrancas ins Wasser 
fallen. Durch die hintere Wand, die stark zerrissen und zerklüftet aus- 
sieht, und deren Höhe ca. 100 Meter erreicht, führen mehrere Engpässe 
in schmale Thäler und Schluchten, deren Boden fruchtbar sein muss und 
früher sicherlich kultiviert wurde. Wir trafen dort, und zwar in voller, 
schönster Blüte, eine Anzahl Kirsch- und Quitten-Membrillo-Stämme, gross 
und schön entwickelt; leider werden sie jetzt aus remem Unverstand ge- 
schlagen und zu Brennholz verkauft, wie schon viele Stümpfe beweisen. 
Ausserdem fanden wir eine Menge verwilderter Blumen und Kücheu- 
pflanzen, wie Petersilie, Sellerie, Zwiebeln, Alfalfa, Wicken und Erbsen; 
letztere von erstaunlich kräftigem Wuchs und mit grossen blau -rötlichen 
Blüten. Überhaupt fiel die Menge der Blumen auf; es gab unter andern 
Goldlack und Levkojen und viele hübsche Arten, deren Namen ich nicht 
kenne, doch fast alle wohlriechend, einzelne nur zu kräftig; die ganze 
Luft war mit Duft geschwängert. Mächtige Sträusse wurden den an Bord 
zurückgebliebenen Damen gebracht, und noch acht Tage lang duftete das 
ganze Schiff vorherrschend nach Pfeffermünze. 

Eine Insel weiter innerhalb der Bucht ist noch der Erwähnung wert. 
Sie ist von Tausenden von Pinguinen bevölkert, die hier eine Brutstätte 
haben. Einige dieser Taucher wurden lebend au Bord gebracht; sie 
machen, wenn man nur Kopf und Hals sieht (das Gefieder ist dunkel), 
mehr den Eindruck von Raubvögeln, als von friedlichen Gänsen; der 
Ausdruck der schwarzen Augen verrät durchaus nichts Furchtsames oder 
Dummes, und der gefährlich kräftige Schnabel ist stets zur Verteidigung 
bereit. Auf dem nackten Felsen, ohne jeden weiteren Schutz, ist dies 
arme Tier gegen mit Knütteln bewaffnete Matrosen natürlich wehrlos und 
wird ohne Mühe umgebracht. 

Nach eintägiger Weiterfahrt wai-en wir im Hafen von Santa Cruz. 
Mehr oder weniger derselbe Eindruck, wie Chubut; am Ufer kein leben- 
des Wesen, nur einiges graugrünes, dunkles Gestrüpp. Die die Bucht 
umgebenden Höhen oder Barrancas bestehen aus einer Art von festem 
Land, vielfach mit antediluvianischen Muschelschalen und etwas Gestein 
und Geröll untermischt. Am Ufer konnte ich keine lebenden Muscheln 
entdecken, früher aber müssen hier Austern von ganz ungewöhnlicher 



4D 

Grösse vorgekommen sein. Niemand hat sich die Mühe genommen, jetzt 
den Meeresboden zu untersuchen; aber welch' ein Geschäft müsste es sein, 
wenn hier nocli so grosse Austern gefischt werden könnten, wie früher! 
Nach den vorhandenen Schalen existierten nämlich hier solche von 
1 Fuss und mehr Durchmesser. Mit Staunen betrachteten wir sie. Der 
Pflanzeuwuchs auf den nahen Hügeln ist äusserst spärlich; gelbes, kurzes, 
öliges Zeug; Blumen und Wohlgeruch giebt es aber auch hier; es ist eben 
Frühling in Patagonien. 

Die Stadt, aus wenigen Häusern bestehend, ist vom Ankerplatz aus 
nicht sichtbar. Dagegen präsentiert sich, etwa eine halbe Legua entfernt 
in einem Thale, nicht weit vom Wasser, eine Menge kleiner und kleinster 
Häuschen. Vom Schiffe aus betrachtet, könnte man fast glauben, ein 
Kinderspielzeug vor sich zu haben; es sind aber in Wirklichkeit die Be- 
hausungen der Militärsträflinge, von welcher auserlesenen Sorte hier eine 
Kolonie errichtet ist. Sonst sieht man, wie in Chubut, Nichts! Nur trost- 
lose Öde allüberall. Höchstens ziehen ein paar Möven vorüber, und selbst 
die Fische müssen ausgewandert sein, denn an unseren ausgeworfenen 
Angeln wollte nichts anbeissen. 

Auf einer kleinen Insel, und nur auf dieser, leben Kaninchen; sie 
sind den europäischen vollständig ähnlich und ihre Ahnen sollen von 
einem Schiffskapitän ausgesetzt sein; heute ist die ganze Insel von ihnen 
bevölkert und ihre Zahl wird auf Hunderte und Tausende geschätzt. Bis 
hierher, also noch auf dem nördlichen Ufer des ßio Santa Cruz kommt 
auch das Armadill oder Gürteltier (Piche) vor; eine Abart der Mulita; 
auf dem südlichen Kamp ist auch kein einziges mehr zu sehen. 

Abermals eine Tagesfahrt, und unser Dampfer legt in Puerto Gallegos, 
Sitz der Gobernacion von Santa Cruz und vorläufig mein Bestimmungs- 
ort, an! Der erste Eindruck von Bord aus ist nicht glänzend. 

Zunächst am Ufer (das Schiff ankert nur etwa 120 — 150 Meter vom 
Land entfernt) nichts als Steine und Geröll; dann folgt, wenigstens hier 
nach Süden zu, etwas, was einem grau-grünen, unbestimmbaren, ver- 
schwimmenden Sand gleichsieht, und dann weiter landeinwärts auf einer 
schwachen Erhebung wenige Häuser. Mehrere aufgehisste argentinische 
Flaggen lassen den Sitz der Territorialgewalt und der Behörden der See- 
stadt Gallegos erraten. 

Im Norden hat man hohe, bis zu 80 und 100 Meter ansteigende 
Barrancas und Hügel vor sich; in ihren vielfachen Schluchten und 
Thälern und unter deren Schutz vor dem fast permanenten Winde sind 
zahlreiche hübsche Häuser und Häuschen gebaut. Pferde, Rinder und 
namentlich viele Schafe beleben die Landschaft, die, wenn auch ohne 
Bäume, wenigstens grün erscheint. 



5Ö 

Mein Augenmerk ist vorläufig der Südseite zugewandt, und ich 
zähle 20 bis 25 Häuser oder Schuppen, Alles Holz und Wellblech, ohne 
Farbe und Architektur; nur ein rotes Dach leuchtet aus dem ewigen Grau 
hervor, dies ist die „Gobernacion." In weiter Ferne machen sich einige 
nebelhafte blaue Berge bemerkbar, welche mit dem Namen Frailes y 
Convento bezeichnet werden; woher diese sonderbare Bezeichnung stammt, 
konnte ich nicht entziffern; eine Ähnlichkeit mit Kloster und Kloster- 
brüdern kann nicht dazu veranlasst haben. Eine hölzerne Landuugsbrücke 
ist am Ufer sichtbar, aber nicht benutzbar. Die die Passagiere an den 
Strand befördernden Boote setzen uns an beliebigen Stellen des etwas flach 
ansteigenden Ufers ab und legen dicht dabei unser Gepäck nieder. Alles 
sehr schön, späteren Reisenden will ich aber bemerken, dass man gut 
thut, für die sofortige Weiterbeföi'derung seines Gepäcks zu sorgen. Ge- 
stohlen wird zwar nichts, aber der Unterschied zwischen Ebbe und Flut 
beträgt ca. 4 — 5 Meter, und das Wasser schreitet bei dem flachen Strand 
sehr schnell vorwärts. 

Hotels giebt es in diesem gesegneten Lande nicht. Bedienung mid 
sonstige Hülfe ist auch nur um schweres Geld zu haben. Beeilt man 
sich nicht, so kann man bei ansteigender Flut sein ganzes Hab und Gut 
überschwemmt oder schwimmend finden und demselben eventuell, je nach 
der Strömung, nachflöten: Adios for ever! Englische Sprachlaute hört 
man von nun an sehr häufig, ja fast ausschliesslich; man glaubt, nach 
Old England oder Schottland verschlagen worden zu sein, oder zum 
Mindesten nach den Malvinen; mit Ausnahme der Beamten der]„Capita- 
nia" ist eben alles englisch, Hunde, Schafe, Sprache, Essen, Trinken, 
Ochsen, Kühe, Ladies und Gentlemen. 

Am nächsten Morgen wurde die „Hauptstadt" Gallegos einer ein- 
gehenden Besichtigung unterzogen. Das Wetter war kalt, windig und 
unfreundhch, die Temperatur nur 10 Grad Celsius, und die wenigen 
Menschen, die man sah, verschwanden mit möglichster Beschleunigung 
in den Häusern. 

Die grössere Mehrzahl der Gebäude gehört der Regierang; ausser 
diesen giebt es noch fünf oder sechs Schnapskneipen, die sich Handels- 
häuser nennen, ferner einen Schuppen, in dem ein wackeliges Billard 
steht; es ist dies das „Cafe." Ferner giebt es eine Art Loch, vor dem 
die angesessene — Hebamme des Ortes steht, und das als Garküche aus- 
gegeben wird; allerlei Flüssigkeiten kann man hier auch erhalten, mau 
muss aber behufs deren Genuss ausserhalb bleiben, denn drinnen giebt 
es einen, fortwährend mit grünem Zeug „gefeuerten" Ofen ohne Schorn- 
stein, in Folge dessen es in diesen Räumen Niemand vor beisseudem 



hl 

Rauch aushält. Soustige Merkwürdigkeiten hat Gallegos noch nicht her- 
voi'gebracht, es sei denn, dass viele Frauen Hosen tragen und auf Männer- 
weise zu Pferde sitzen. 

Die Freundlichkeit des Herrn Goberuador verschaffte mir ein Boot, 
und ich konnte nun auch, über die Bucht setzend, das Land nördlich 
von Gallegos besuchen. Die Bai erstreckt sich nämlich auf circa 8 bis 
10 Leguas ins Innere, fast genau von Ost nach West. 

Der Boden dieser nördlichen Seite ist, wie vorhin bemerkt, stark 
hügelig und von der Südseite merklich verschieden. 

Aus Sand bestehen hier alle Hügel; derselbe ist indessen so stark 
zusammengedrückt, dass die meistens ganz steil zur Bucht abfallenden 
Barrancas den Eindruck hervorrufen, als wären sie aus Stein. Auf den 
Höhen ist der Graswuchs nicht besonders reichlich; die vielfachen, oft 
sehr langen und breiten Thäler aber haben vorzügliche Weide und sehr 
gutes, süsses Wasser, das in kleinen lebendigen Quellen überall an den 
Abhängen der Hügel entspringt. Jedenfalls ist hier schon in prähisto^ 
rischer Zeit ein starkes Tierleben vorhanden gewesen; in den Barrancas 
werden Knochen und Zähne solcher antediluvianischen „Bichos" (Unge- 
ziefer) massenhaft gefunden. Verschiedene davon — ich meine Knochen 
und Zähne, meist respektabler Grösse — sind mir zu Gesicht gekommen, 
doch bin ich leider nicht Naturkundiger genug, um ein Urteil über ihr 
Vorkommen abgeben zu können. Versichern kann ich nur, dass heute 
solche Bestien mit 1 — 2 Fuss laugen und breiten Zähnen dort nicht mehr 
herumlaufen. Eine Menge von Pfeilspitzen, aus sehr hartem Gestein ge- 
arbeitet, wird ebenso fast täglich aufgefunden; auch diese müssen schon 
ein beträchtliches Alter haben, da den heutigen Indianern der Bogen ganz 
unbekannt ist. Keiner von ihnen kennt auch nur eine Sage von ihrem 
Gebrauch. 

Menschliche Gebeine sind bei Erdbewegungen, wie Brunnen, An- 
lagen etc. vielfach aufgedeckt worden; man zeigte mir fast in jedem Hause 
einige Schädel, deren Form für mich neu war. Phrenologe aber bin ich 
nocli weniger, als Naturforscher, und so kann ich nicht bestimmen, 
welchen Grad von Intelligenz diese Rasse einst erreicht haben mag. So 
viel kann aber auch ich beurteilen, dass diese Leutchen mit einem geseg- 
neten Appetit versehen gewesen sein müssen, denn die Kauwerkzeuge sind 
von einer geradezu fabelhaften Gediegenheit. Viele Schädel haben noch 
sämtliche Zähne; es ist aber auch nirgends eine Lücke zu bemerken, 
alles noch gut und fest, wie aus einem Guss. 

Was haben diese Menschen zu ihren Lebzeiten gegessen? Die Zahn- 
konstruktion deutet nicht auf Fleischgenuss oder Früchte. Heute giebt 

4* 



52 

es in dem ganzen Territorium weiter nichts, als Gras, und ich kann mir 
unmögücli denken, dass auf diesem Boden in Vorzeiten einmal Ananas 
oder Apfelsinen wuchsen. Der Wind wird wohl schon seit Jahrtausenden 
dort ebenso geblasen haben, wie heute; es ist dies die Eigentümlichkeit 
des östlichen Patagoniens, alle Tage "Wind, und zwar starken, zu haben; 
dabei kann aber weder Baum noch Strauch gedeihen. Bedenkt man nun, 
dass die Wärme, selbst im Sommer, wenn er am schönsten ist, selten über 
-f- 15" Celsius steigt, so muss man sich gerechter Weise verwundern, wie 
hier vom Pflanzenreich lebende Menschen existiert haben können. Nur 
an ganz geschützten Stellen kommen heute einige wenige krüppelhafte 
Calafete-Sträucher fort; ebenso zieht man nur mit vieler Mühe und grosser 
Vorsicht etwas Salat, Kohl und einige Radieschen und Moorrüben etc. 

Kartoflieln habe ich nicht gesehen, d. h. keine Knollen, wohl aber 
einige sauber gepflegte Beete Kartoffelstauden, mitunter wohl bis zu einem 
Morgen gross. Kommt kein Frost in der Blütezeit, so rechnet man meist 
auf eine ausgezeichnete Ernte. Mr. Halliday versicherte wenigstens, dass 
er im vergangenen Jahre Kartoffelknollen gewonnen habe, die durch- 
schnittlich einen halben Kilo per Stück gewogen haben; einzelne grosse 
Exemplare sollen sogar ein Gewicht von IVä und 2 Kilo erreicht haben. 
Ich habe keinen Grund, Mr. Halliday für einen Aufschneider zu halten. 

Weiter im Innern trifft man häufig Lagunen von beträchtlicher 
Ausdehnung, einige mit süssem, die meisten indess mit salzigem Wasser. 
An den Ufern wächst ein Strauchwerk, das „Mata negra", Schwarzer 
Strauch, genannt und zur Feuerung der Öfen im Winter gebraucht wird; 
sonst besteht die ganze Abwechselung hier in Berg auf, Berg ab, und 
Himmel und Gras! Gebirge kommen nicht vor. 

Als ich wieder auf die Südseite zurückgekehrt war, fiel mir die 
Flachheit des Ufers um so mehr auf, weil im Norden die steil abfallen- 
den Höhen bis dicht ans Ufer treten, auf dieser Seite aber von eigent- 
Hcher Barranca kaum die Rede sein kann; die Erhebung, auf der der 
Ort Gallegos steht, ist ganz unbedeutend. Im Norden besteht der Boden 
fast nur aus Geröll; 2 3 Meter tiefe Aushebungen fördern immer nur 
rundliche abgeschliffene Steine und wieder Steine zu Tage; der Graswuchs 
an der Oberfläche ist dementsprechend auch nur spärlich. Je weiter man 
aber nach Süden, nach der Magellanstrasse zu, kommt, desto welliger 
wird das Terrain, desto höher die Berge, und mehrere, nicht ganz un- 
bedeutende Flüsschen durchströmen tief und breit ausgewaschene Thäler. 

Hier ist die Vegetation vorzüglich, und hier findet man einzelne 
recht bedeutende Viehzucht-Etablissements, die einen Schafstock von 
20 000 Köpfen und mehr aufzuweisen haben. Kleine Gebirgszüge vulka- 
nischen Ursprungs durchziehen ununterbrochen die Ebene. 



53 

Fast plötzlich, ohne einen durch Vorberge vernnttelten Übergang, 
erheben sich die einzelnen Krater, deren Natur, als solche, noch ganz 
deutlich erkennbar ist; sie stehen zwar in Gruppen, aber meist ohne Zu- 
sammenhang durch nur schmale Thäler getrennt. Lavamassen haben 
sich nach allen Richtungen ergossen und bedecken Leguas lange und 
breite Strecken, leicht erkenntlich durch ihre Erhebung und die daraus 
hervorstehenden Steine. Höheubildungen sind nicht selten, doch existiert 
keine von grosser Ausdehnung; die bedeutendste befindet sich in El 
Convento. Auf argentinischem Gebiet in dem Winkel zwischen dem Rio 
Gallegos, dem Atlantischen Ocean und Chile, zählt man mehrere solcher 
kleine „Sierras", die unter sich durch Ebenen von 3 — 4 Leguas Breite 
getrennt sind; man bezeichnet die hauptsächlichsten, ausser den schon 
fi'üher zitierten „Frailes y Convento", mit „Sierra Norte", „Los Tres Her- 
manos", „Sierra Negra", „Mont Feiton" und „La Picana", Letztere zum 
Teil schon auf chilenischem Gebiete unter dem 52. Grad südlicher Breite. 

Das Gestein ist überall das gleiche, eine durchaus nicht sehr harte, 
rötlich graue, bis ins Schwärzliche spielende Masse, wohl Porphyr- und 
Basaltbildung. Schlacken und LaA^astücke, die durch und durch porös 
sind und wie halb verbrannter Koks aussehen, bedecken überall den 
Boden in der Nähe der Krater. Diese sind gegenwärtig vollständig tot, 
aber gar zu lange kann es noch nicht her sein, dass sie noch arbeiteten. 
Besteigt man einen der Kraterkegel, deren Spitzen sich etwa zwischen 
100 — 300 Meter erheben (es giebt auch einzelne viel niedrigere, fast mit 
dem Erdboden gleiche) so befindet man sich meist vor einem zerrissenen 
und zerklüfteten runden Kessel, von dem ein oft 30^40 Meter tiefer 
steiler Abhang in den Krater hinabführt. Ln Zentrum der Einsenkung, 
gleich wie die Mondberge dargestellt werden, erhebt sich dann wieder 
eine vollständig zerrissene und über einandergetürmte Steinmasse, die, 
durch die Umstände vor Sturmwind vollständig geschützt, mit allerlei 
Gewächs bekleidet und einer alten Burgruine nicht unähnlich ist. 

Die Schafe suchen solche Kratereinsenkungen und Klüfte mit Vor- 
liebe auf, sie finden daselbst fast stets süsses Wasser, oft kleine Lagunen, 
vorzügliches Futter und vor Allem unbedingten Schutz vor dem Winde. 
Für Naturliebhaber sind dies die interessantesten Punkte, namentlich jene, 
wo sich kleine Flüsse oder Bäche einen Weg durch die Gebirge gebahnt 
haben. Wildere und grotesker geformte Höhenzüge sind kaum denkbar. 
Unten der schöne klare Wasserspiegel im saftigsten Wiesengrün, rings- 
herum die seltsamst, mitunter fast gespensterhaft ausschauenden hohen 
Wände und Massen, in deren Zacken, Spalten und Rissen sich -xäel 
sonderbar geformtes Kraut und Gesträuch eingenistet hat, das alles mit 



54 

den tiefen und wechselnden Schatten und seinen unzähUgen farbenglän- 
zenden Blumen und Blüten und wildverschlungenen Ranken, die Phantasie 
in eigentümlicher Weise gefangen nimmt und unwillkürlich in uns die 
alten trauten Märchenbilder der Heimat wachruft. Stundenlang kann 
man an einer solchen Stelle sitzen und träumen, die Angel auswerfen und 
den überall munter herumkletternden Schafen zuschauen; ein wunderlieb- 
licher zarter Blumenduft erfüllt dazu die klare Luft; hoch über uns 
summt und pfeift der Wind durch Spalten und Geäst, in diesem letzteren 
unaufhörlich neue Verschlinguugen und Figuren bildend, immer wieder 
neue Bilder in unsere Träume schaffend. Kleine bunte Schmetterlinge 
flattern von Blüte zu Blüte, Käfer schnurren brummend vorüber, kleine 
Vögel zwitschern und hüpfen durch die Sträucher, ein Fuchs steckt auch 
wohl seine bewegliche Nase durch ein Steinloeh und beäugelt uns auf- 
merksam, spitzt dann plötzhch seiue grossen Ohren und kneift aus! Hunde- 
gebell und Pferdegestampfe stören plötzlich unsere Träume und versetzen 
uns wieder in die Wirklichkeit. Es ist der Hirt, der seine Heerde sucht, 
denn der Mensch lebt ja nicht vom Träumen, sondern vom Kampfe um 
sein tägliches Brot, — von der Arbeit. 

Schafzucht ist hier überall vorherrschend und giebt ausserordentliche 
Resultate. Jeder Mensch ist Schäfer oder hat mit diesem Zweige der 
Viehzucht zu thun. Die Vermehrung, man rechnet natürlich zur eigent- 
lichen Heerde nur die nötigen Böcke und sonst Mutterschafe, beträgt bis 
zu 120 ^ per Jahr. Hauptsächlich wird die Lincoln-Rasse gezüchtet; nir- 
gends habe ich grössere oder fettere Tiere gefunden. Die Hammel, welche 
in besonderen Herden meist in den Aussenkamps gehalten werden, sind 
durchM'eg so fett, dass mau, mit Ausnahme der Keulen, das Fleisch nicht 
essen kann; die Eingeweide sind vor Talg kaum kennthch, und die Nieren 
gleichen zwei grossen Fettblasen, ähnlich jenen, welche in Buenos Aires 
in den Handel kommen und Schweinefett enthalten — sollen. Junge 
Mutterschafe werden je nach Feinheit und Rasse mit 10—15 Shilling 
bezahlt, Hammel kann man je nach Jahreszeit, Wolle und Nachfrage für 
5 — 7 Pesos m./l. erhalten. 

Kühe werden wenig gesucht, jede Estancia hält davon eben nur so 
viele, um den nicht geringen Bedarf von Milch, Butter, Käse und Fleisch 
zu decken, denn im allgemeinen wird gut gelebt. Die Rasse des Rind- 
viehs ist nicht schlecht; dieselbe ist durch importiertes Schweizer Zucht- 
material veredelt, welches von den in Punta Arenas etablierten Schweizer- 
kolonisten angekauft ist. Eine recht gute Kuh mit Kalb kann man für 
$ 30 — 40 erhalten, Schlachtvieh wird nur auf $ 20, höchstens $ 25 ge- 
schätzt. Zugochsen aber sind teuer. Pferde haben gleichfalls guten 



Preis, selbst alte „MancaroDes" (lahme) rechnet man noch zu $ 60 und 70, 
kräftige gute „Pingos' nicht unter $ 150 — 200, dagegen sind junge un- 
gerittene Fohlen noch verhältnismässig billig zu erhalten. 

Jede Arbeit wird hier gut bezahlt; die Peone leben, wie die Herren, 
jeder hat seinen Sclilafraum und sein eigenes Bett, Pferd und Sattelzeug, 
alles stellt die Estancia. Die Küche wird überall durch einen besonders 
hierzu angestellten Koch besorgt, und für die Peone sind grosse Räum- 
lichkeiten mit Tischen und Bänken vorhanden, wo für sie gedeckt und 
wohin sie zu den Mahlzeiten durch ein Glockenzeichen gerufen werden. 
Der Koch hat ein schweres Amt, er erhält in der Regel 6 — 7 Pfund Ster- 
hng Monatslohn, muss aber selbst für die Peone Brot backen; Galletas, 
wie in der Provinz Buenos Aires etc., sind nicht gebräuchlich. Das Essen 
wird nicht nur reichlich, sondern auch mit Abwechselung verlangt; zwei 
Mal wöchentlich giebt es Plumpudding und Kompot; dass Kaffe und Thee, 
und zwar süss, nicht fehlen dürfen, ist selbstverständlich. 

Die Einrichtung der Häuser, obgleich alles nur aus PIolz und Well- 
blech besteht, ist recht komfortabel und hat mitunter sogar schon einen 
Anflug von Luxus; auf den Fussböden Teppiche, an den Wänden Gobe- 
lins etc. Eiserne Öfen sorgen im Winter für die nötige Wärme. Der 
Schnee soll, wenn überhaupt einer fällt, was meist in den Monaten Mai 
bis August vorkommt, nicht lange liegen bleiben; in 2 — 3 Tagen ver- 
schwindet er wieder. Überhaupt tritt der Winter durchaus nicht so un- 
angenehm auf, wie man nach dem ziemlich rauhen Sommer annehmen 
könnte. Es weht in der kalten Jahreszeit eben kein Wind, während er 
den Sommer über sich in unangenehmer Weise bemerkbar macht. Sämt- 
liches Vieh bleibt auch im Winter im Freien, und zwar ohne Schaden, 
natürlich suchen die Tiere in kalten Tagen die Schutz gewährenden Thäler 
auf und sind dann häufig so mit den Guanacos untermischt, dass man 
namentlich die Schafe gar nicht davon trennen kann. 

Die Guanacos kommen in diesen Tagen in solchen Unmassen in die 
Thäler und sind so dreist und zahm geworden, dass man sie mit den 
Händen greifen und gelegentlich mit Knitteln töten kann ; Estancieros 
versicherten mir, dass diese Tiere zu Zeiten so häufig werden, dass man 
nicht weiss, wohin damü. Raubtiere sind in diesem Teile Patagoniens 
nicht mehr anzutreffen; die „Pumas" oder „Leoues" (Löwen) sind schon 
fast ganz ausgerottet, und von den vielen Füchsen habe ich nie gehört, 
dass sie dem zahmen Federvieh oder gar den Heerden Schaden zufügen. 
An Vögeln giebts verschiedene Sorten, vom Strauss angefangen bis zum 
kleinsten „Chingolito"; namentlich zahlreich sind die „Abutordes", eine 
Entenart. Seltsamer Weise kennt man in ganz Patagonien kein Ungeziefer; 



56 

es giebt weder Ratten noch Mäuse, und auch keine — Wanzen und Flöhe, 
und selbst Fliegen sind äusserst selten. Von Schlangen oder sonstigem 
giftigen Gewürm ist niemals etwas erblickt worden. Tag- und Nacht- 
schmetterlinge dagegen sind, sowie verschiedene Käferarten, durchaus nicht 
selten; auch kommen einige Arten von Spinnen vor; von letzteren fiel mir 
eine ganz schwarze auf, deren Hinterleib einen hell-lackroten Streifen 
zeigt; sie lebt in Erdlöchern. 

Bis auf etwa 30 Meilen von der Küste entfernt, den Rio Gallegos auf- 
wärts, nehmen die Wildheit der Landschaft, die Höhe der Berge und die 
Steilheit der oft senkrecht zum Fluss abfallenden Barranca zu. Er hat eine 
Breite von 50 — 60 Metern, aber nur geringe Tiefe, etwa durchschnittlich 
einen Meter; für die Schifffahrt ist er nicht geeignet. Die Strömung ist 
nicht übermässig, aber der Strom zwängt sich durch die Berge in einer 
Unmenge von Windungen hindurch bei fast steter Veränderung seiner 
Tiefe. Häufig wurde ich gezwungen, die Ufer zu wechseln, da der Strom 
bald links, bald rechts bis dicht an die Thalwäude herandrängt, so dass 
die breite Niederung bald am rechten, bald am linken Ufer liegt; selten 
nur liegt das Flussbett annähernd in der Mitte des etwa durchschnittlich 
3000 Meter breiten Thaies. Nur an einer einzigen Stelle treten sich die 
Thalwände auf etwa 250 Meter nahe, sodass es scheint, als ob der Fluss 
sich hier mit Gewalt ein Thor geöffnet habe. Kleine Zuflüsse entspringen 
überall an den umliegenden Bergen, schon weithin kenntlich von der im 
frischen Grün leuchtenden Vegetation; den Viehzüchtern sehr erwünscht, 
sind sie für den Reisenden, der meist Übeln Passage wegen, recht störend. 
Die Berge erreichen hier eine Höhe bis zu 300 Metern und sind sicher 
auch vulkanischen Ursprungs, doch sieht man selten, wie näher an der 
Küste, die eigentümliche Gestalt der ausgebrannten Krater. Nur kurz vor 
dem Zusammenfluss mit dem Gallegos Chico steht noch einer derselben, 
ein durch aussergewöhnlich bizarre Form bemerkenswerter Kegel; auf ihm 
traf ich den ersten Horst eines Condor-Paares; hoch oben an einer steilen 
Wand in einer tiefen Spalte lag das Nest, für uns, so viele Mühe wir 
uns auch gaben, unerreichbar. 

Weiter nach Westen treten die Berge zu beiden Seiten des Flusses 
immer mehr zurück, sich zu bewaldeten Höhenzügen mit Gebirgscharakter 
zusammenschiebend. Auch am Flussufer treten von nun an schon kleine 
Baumgruppen auf, und ist das Terrain leicht hügelig. Die Abhänge der 
Hügel zeigen jetzt häufig eine eigentümliche Farbe, hervorgebracht durch 
Blätter und Frucht einer Art Moosbeere. Die Pflanze kommt strecken- 
weise in solcher Menge vor, dass der Hufschlag der Pferde unhörbar 
wird; steigt man ab, so hat man das Gefühl, auf einen weichen Teppich 



57 

zu treten; auch das Aussehen ist teppichartig. Die abgestorbenen Stiele 
können vor der Menge der frisch aufschiessenden nicht zu Boden fallen, 
und so entsteht eine Farbe vom hellsten Gelb bis zum tiefsten Grün, 
durch die grell roten Früchte in allen möglichen Schattierungen von rot 
bis braun unterbrochen. Schon aus der Ferne erkennt man diese Hügel 
an dem rötlichen Schimmer. Grosse Lagunen, fast alle süsses Wasser 
führend, unterbrechen die Landschaft in angenehmster Weise; bei hellem 
Wetter sieht man in weiter Ferne die mächtigen weissen Schneehäupter 
der grossen Cordillera, welche die Grenze gegen Chile bildet. 

Je weiter wir nach Westen vordringen, desto schöner wird die Niede- 
ruug, desto kräftiger der Graswuchs und desto höher und entwickelter die 
Bäume in den zerstreuten Waldparzellen. Immer weiter dehnt sich die 
Ebene aus, bis sie am Stillen Ozean endet, wo sie den Namen der „Diana- 
Ebene" führt, so benannt vor schon 200 Jahren durch einen chilenischen 
Piloten, der diese fruchtbaren, wasser-, wald- und wildreichen Strecken ent- 
deckte und in seiner Schrift ausdrücklich als zum Anbau von Getreide etc. 
für wohlgeeignet erklärte. 

Vorläufig verblieb ich am östUchen Anfang dieser grossen Niederung, 
am Ufer des hier eine scharfe Biegung machenden Eio Gallegos, in der 
Ebene der sogenannten „Moros." Der gute Boden und das kräftige Gras 
noch mehr, als die schöne Landschaft, haben bereits die Etabherung 
einiger Estancias in dieser Gegend veranlasst. Die Besitzer sind fast aus- 
nahmslos Engländer. Alle züchten Pferde, Rindvieh und Schafe, letztere 
natürlich vorzugsweise, und ich schätze den Bestand der einzelnen Höfe 
auf 2 — 8000 Köpfe. Die Wohnhäuser sind auch hier aus Brettern und 
Wellblech, aber Corrales und Schuppen, sowie die Badevorrichtungen für 
die Schafe, sind schon aus den Stämmen der Waldbäume hergestellt; die 
Höfe liegen sämtlich in der Nähe kleiner Gehölze am Rande eines Baches 
oder einer Laguna. 

Die „Moros" sind zwei mächtige, isoliert stehende, höchst eigenartige 
Basaltberge; grosse Säulengruppen ragen, wie die Orgelpfeifen, zu respek- 
tabler Höhe empor, und zwar so regelmässig und schön geformt, dass sie 
wie ein von Menschenhänden abgelegtes Werk aussehen; getauft hat man 
diese Kegel bereits; sie führen die Namen „Philipp!" und „Domeyco"; 
ausserdem giebt es in der Nähe noch einen Moro „Haj^" und einen dito 
,,Cuadrado", weiter nach Süden, aber schon auf der chilenischen Seite, 
sogar noch einen ,,Moro Chico." Bewaldet sind diese Basaltfelsen, mit 
Ausnahme des „Chico", nicht, der Schnee aber bleibt in einzelnen hoch 
und kesselig gelegenen Spalten und Schluchten das ganze Jahr über 
hegen. Gleich am Fusse des Philippi breitet sich eine mächtige Lagune 



58 . 

aus, wohl an zwei Leguas lang und etwa halb so breit, einzelne Wäldchen 
treten bis dicht an die Ufer heran, und auf dem Wasser wimmelt es von 
Flamingos, Schwänen, Gänsen, Enten, grossen und kleinen Schnepfen und 
vielem anderen Zeug. Fische kommen überall in den Gewässern vor; 
trotzdem hier aber mehrere Zuflüsse in den Gallegos münden, wie der 
Turkio, Rubio, Condor, Surdo etc., so gelang es mir doch, gleichviel ob 
in Lagunen oder Bächen, immer nur ein und dieselbe Sorte zu fangen. 
Forelle (trucha) wird dieser Fisch hier genannt, gehört aber entschieden 
nicht zu dieser Familie; die Form des Körpers und der Flossen ist aller- 
dings der der Forelle ähnlich, der Kopf aber erinnert mehr an einen Aal, 
desgleichen die schuppenlose schleimige Haut; die Färbung ist oben dunkel 
olivengrün, allmählich bis zu einem gelblichen Weissgrün am Bauche ver- 
blassend; die Seiten sind dunkelgefleckt und marmoriert, eine deutliche 
Zeichnung ist nicht erkennbar. Öffnet man den Fisch, so fällt das durch- 
sichtige weisse Fett und die helle appetitliche Leber sofort auf, das ge- 
kochte Fleisch ist härtlich und sehr wohlschmeckend. Auch Wild ist 
ebenso reichlich vertreten, in den Wäldern Hirsche und Rehe, in der 
offenen Ebene Strausse und Guanacos, in den Bergen Pumas, Wölfe, 
Füchse etc. Der eingeborene Mensch oder Indianer war mir bis jetzt 
nur ein einziges Mal zu Gesicht gekommen, und zwar drei Männer 
und eine Dame, sämtlich in stark bekneiptem Zustande; sie hatten eben 
ihre Felle an einen der fliegenden Händler verkauft und verzechten nun 
den Verdienst. 

Von den Moros aus zogen wir durch einen Pass, „Schneiders -Vali" 
genannt, und überschritten den fast zu einem Gebirge gewordenen und 
auf bereits ca. 4 Leguas vom Gallegos zurückgetretenen Höhenzug; das 
Reiten war hier stellenweise sehr behindert durch die vollständige Unter- 
minierung des Bodens von einem Tierchen, welches Cururu genannt wird. 
Die Tucu-Tucus in der Provinz Buenos Aires, denen dieses Tierchen sehr 
ähnlich ist, unterwühlen den Boden wohl auch, aber so etwas, wie hier, 
war mir doch noch nicht vorgekommen; die Pferde stolperten eigentlich 
nur von einem Loch ins andere. Glücklicher Weise sind diese Tiere 
nicht überall, und die Estancieros behaupten, dass sie sofort verschwinden, 
sobald Schafe auf den Kamp kommen. Die Grösse und Form der 
Tierchen ist etwa die eines stai'ken Meerschweinchens, die Farbe ein 
helles Gelbgrau, der Schwanz, an der Wurzel verhältnismässig stark, läuft 
ziemlich spitz aus und hat etwa die Länge des Körpers; ob ihr Fleisch 
essbar ist, kann ich nicht sagen; die Indianer gemessen es, letztere halten 
aber auch ein halb roh gebratenes Zorino oder Stinktier für einen 
Leckerbissen. 



59 

Wir durchritteu nun ein gebirgiges Land, reich an Wald und Wasser 
— ersterer namentlich am unteren Abhänge der Hügel, während die 
höheren Zonen fast ganz der früher angeführten Moosbeere überlassen 
bleiben — und nachdem wir mehrere in tiefen Thälern zum Rio Coyle 
fliessende Bäche passiert hatten, langten wir am Abend in der Behausung 
unseres Vaqueanos oder Führers an. Sein Zelt stand mitten im Wald 
am Abhänge eines Hügels, davor eine schöne blaue Lagune mit süssem 
Wasser, an deren Ufer die Pferde unseres Führers, etwa 20 Stück, seit 
mehreren Tagen ohne alle und jede Aufsicht weideten, bald darauf ge- 
sellten sich denn auch die unsrigen dazu. Unser Führer war ein Deutscher, 
der schon seit Jahren hier teils von der Jagd, teils von der Goldwäscherei 
lebt und, wie mir schien, gar nicht schlecht. Anfangs mag er wohl ein- 
sam genug gehaust haben, nun aber haben sich die Ansiedlungen und 
auch seine Mittel vermehrt, und er war bereits in der Lage, sich einen 
Gehülfen oder Peon halten zu können. Wie Fritz, so war sein Name, 
mir mitteilte, wird in Punta Arenas, das in der Luftlinie ungefähr nur 
50 Leguas entfernt liegt und wohin er mit seinen guten Pferden in drei 
Tagen bequem gelangen kann, jedes gute Hirsehfell mit 10 Pesos bezahlt, 
ebenso viel bringt ein Puma-Fell; kleineres Pelzwerk, wie das von Füchsen, 
Wölfen, Wildkatzen, Stinktieren etc., wirft auch noch 2 oder 3 Pesos ab, 
ausserdem kommt zu diesem Verdienst noch der Wert der Straussenfedern 
und die Ergebnisse der Goldwäscherei. Strausse jagen iind ergreifen die 
zahlreich gehaltenen Windhunde; das kleine Raubzeug wird in Fallen 
gefangen, und nur Pumas und Hirsche geschossen. Natürlich ist nur der 
Winterpelz gut und wertvoll, im Sommer geht man mehr an die Gold- 
wäsche. Mit der Zeit lernte ich noch 8 — 9 solcher Jäger kennen, die 
alle recht gemütlich lebten, An jenem Abend bestand unser Souper z. B., 
trotzdem ich gutes frisches Rindfleisch mitgebracht hatte, in einer schönen 
fetten Straussensuppe mit Klössen (gekochtes Straussenfleisch schmeckt 
dem Gänsefleisch sehr ähnlich); dann gab's ausgezeichneten in der Pfanne 
gebratenen Hirschziemer und einen Eierkuchen, worauf aus meinem Vorrat 
Butter, Brot und Käse folgten; ein kleiner Kaffe und ein Schluck Cognak 
machten den würdigen Schluss. Noch spät sassen wir beim hellen Feuer, 
unsere Pfeifen rauchend, im hohen Gras und lauschten den Beschrei- 
bungen der noch vor uns liegenden unbekannten Ländereien und Wege, 
die wir zu passieren haben würden, denn Fritz wollte uns nur noch einen 
Tag begleiten, da ihm Pferde abhanden gekommen waren, die er suchen 
musste; er versprach jedoch, uns zu einem anderen, ihm befreundeten 
Jäger, einem Nordamerikaner, „Long Jack" genannt, zu bringen. 

Am nächsten Morgen ging es weiter durch Thäler und Schluchten, 



60 

durch Feld und Wald, über Bäche und an Seen vorbei, bis wir zur Mit- 
tagszeit gleich hinter einem munter rieselnden Flüsschen in ein kleines 
Wäldchen kamen; hier wurde Halt geblasen und abgesattelt. Als wir 
noch mit unserem Frühstück beschäftigt waren, traf Long Jack, der schon 
von den Moros aus durch Fritz benachrichtigt war, hier, einem alten 
Rendezvousplatz der Jäger, ein und übernahm nach kurzem „Palaver" 
von nun an die Führung. 

In der Nacht hatten sich fast alle Pferde verlaufen, und der ganze 
nächste Tag ging mit dem Suchen verloren. Von den unseren Lagerplatz 
umgebenden Hügeln aus konnte ich melirere schneebedeckte Bergspitzen 
in der Richtung nach West und Nord-West erkennen, der Vaqneano be- 
zeichnete die einen als „Moor's Monument" und die anderen als „Baguales." 
Am nächsten Tage ging's durch mehrere Thäler und kleine Flüsschen, 
die sämtlich in den Rio Coyle münden, über einen meist sehr schlechten, 
öden und steinigen Kamp an einer grossen Lagune (La Traversia) vorbei, 
immer in der Richtung auf die Baguales zu. Holz war auf dieser Tour 
nicht zu finden und so ging die Reiterei immer lustig weiter; Rudel von 
Guanacos waren überall sichtbar, auch trafen wir zwei Pumas, von denen 
einer durch eine Kugel erlegt wurde. Unsere weitere Reise führte uns 
wieder mitten durch bedeutende Hügelketten; wir näherten uns immer 
mehr den eigentlichen Gebirgen. 

Am folgenden Nachmittage überschritten wir eine wolil 300 Meter 
hohe Kette, und vor uns lag eine weite leichtwellige Ebene, fast rings 
umgrenzt von himmelhohen Schneebergen. Der Eindruck war über- 
raschend, ja überwältigend. Den ganzen Tag vorher hatten wir nur öde 
Schluchten und Hochflächen durchkreuzt, keinen Wald und nur wenig 
Wasser zu Gesicht bekommen und waren fast nur über dürres Gras und 
steinigen holperigen Boden galoppiert, hier sahen wir uns nun plötzlich 
einer Landschaft gegenüber, wie ich sie ähnlich nur mit der Schweiz 
vergleichen kann. Von unserem hohen Standpunkt aus übersahen wir 
meilenweit ein üppig grünes Thal, von Bächen und Flüssen durchzogen, 
in klaren schönen Lagunen spiegelten sich die mächtigen Häupter der 
stark hervortretenden Berge, sich im Hintergrunde in blaue Nebel ver- 
lierend; hoher, prächtiger Laubwald (Patagonien-Buche = fagus antarcticus) 
zieht sich parkartig, in grösseren und kleineren Inseln zerstreut, lauschig 
zur Ruhe einladend, dahin. Über allem scheint die Sonne so warm und 
so hell, und alles ringsherum ist so ruhig und friedlich, dass man in eine, 
ich möchte sagen, wahrhaft andächtige StimmuDg verfällt. Der Wind 
hatte hier schon ganz nachgelassen und 14 oder 15 weisslich durchsichtige 
Rauchsäulen, die wir weiter im Thal von ebenso vielen Indianer-Hütten 



61 

aufsteigen sahen, machten das Bild nur noch anheimelnder. Auch meine 
sämtlichen Reisegefährten, echte gute Schotten, standen mit lachenden 
Blicken und fast verklärten Gesichtern (Yes, that is just hke in Scotland) 
diesem reizvollen Panorama gegenüber. Als sich aber einige Baguales, 
\vilde Pferde, zeigten, war's mit der Andacht vorbei und los ging's, da 
hinterher, wie die wilde Jagd. Die wilden Pferde konnten aber auf 
unseren schon stark angestrengten Tieren natürlich nicht eingeholt wer- 
den, aber einem Puma, der sich in solcher Gesellschaft nicht vermuten 
liess, wurde dabei das Lebenslicht ausgeblasen. Auf meinen fi'üheren 
Eeisen hatte ich schon oft Pumas angetroffen, auch selbst erlegt; von der 
Ungeniertheit dieses Burschen war ich jedoch betroffen; trotz des Ge- 
trampels der Pferde und Mulas hatte er ruhig, im hohen Grase unsicht- 
bar, in imserer unmittelbaren Nähe gelegen, und erst als die Reiter von 
der nutzlosen Verfolgung der wilden Pferde zurückkehrten, erhob sich 
endlich Herr Urian, sah sich die Gesellschaft ein Weilchen an, gähnte 
einige Male und wollte sich langsam drücken; als er die Kugel aus un- 
gefähr fünf Schritt Entfernung erhielt, legte er sich ohne einen Mucks 
sofort um und war tot. Wir durchritten nun das Thal längs des Ufers 
einer schönen Lagune, die hier und da vom Wald so nahe umsäumt 
war, dass sein Laub das Wasser beschattete. Überall hörte und sah man 
Vögel, die Lagune war belebt von solchem Getier, und im Wald schrieen 
sogar Papageien, die ich in diesen Breiten nicht vermutete, die aber doch 
existieren, denn ich habe selbst welche davon geschossen. Abends spät, 
schon im Dunkel, erreichten wir nach langem Marsch um einen Hügel 
biegend endlich dicht am Rande eines grösseren Gehölzes die Hütte von 
Long Jack, unser vorläufiges Ziel. 

Mit Morgengrauen waren wir auf. Long Jacks Häuschen, mn- aus 
Baumstämmen mit einem Grasdach darüber konstruiert, lag sehr hübsch, 
rechts eine breite Wiese mit klarem Bach, durch einen kleinen Hügel, 
den wir gestern umritten, abgeschlossen, nach hinten oder Süden zu, 
ebenso zur linken Hand, hoher, mächtiger Wald, der sich einen ziemlich 
bedeutenden, etwa 500 Meter hohen Gebirgszug hinanzieht und teilweise 
bis in die Spitzen bedeckt. Der Blick geradeaus aber oder nach Norden 
schweift zunächst über die Wiese vor der Thüre, auf der hin und wieder 
Baumgruppen stehen, dann über leichtes Hügelland, und wird schliesslich 
begrenzt von den mit Schnee und Eis bedeckten Gipfeln des Baguah 
Gebirges. 

Die Bäume sind fast alle von der gleichen Art, fagus antarcticus 
Patagonien-Buche), die bis zu 10 und 15 Meter hoch wird, und in ihrem 
Aussehen an ihre Schwester, die europäische Buche, erinnert. Das Laub 



62 

ist nur klein, aber saftig grün, und bildet eine dichte Krone; die Jäger 
nennen den Baum Roble (Eiche). Auch Früchte sind vorhanden, doch 
muss man sie suchen, denn, obgleich deren viele an den Ästen stehen, 
sind sie doch so klein — etwa wie eine Buchenknospe im Winter — 
dass sie leicht übersehen werden. Noch eine andere Frucht fiel mir sofort 
auf, weisslich gelbe Kugeln von der Grösse einer Nuss bis zu der eines 
kleinen Apfels; sie wachsen in dicken Bündeln oder Klumpen, rings um 
die grösseren Aste der alten Bäume. Anfangs hielt ich dies für Gall. 
äpfel, doch Long Jack sagte mir, sie seien essbar, und verzehrte gleich 
ein Stück zum Beweise; nun probierte auch ich. Der Geschmack ist 
nicht besonders zusagend; die Frucht schmeckt nämlich wie das Weisse 
eines hart gekochten Eies; das Innere besteht aus einer weissen weichen 
Masse. Die Indianer sollen für die Winterzeit diese Art von Äpfel sam- 
meln; wenn man nichts anderes hat, mögen sie auch nicht schlecht sein. 
Dass Long Jack und seine Gefährten keine grossen Liebhaber davon sind, 
bezeugte die grosse Menge der unverspeist gebliebenen. 

Ein Gefährte von Long Jack rief nun die Hunde und ritt zur 
Straussenjagd aus, denn unser Fleischvorrat war bereits knapp geworden; 
daher nahmen auch Jack, ein anderer Gehülfe, ein Deutscher mit dem 
schönen Namen Max, und ich die Flinten, resp. Karabiner zur Hand, 
und zogen zu Fuss durch den herrlichen Wald auf die Hirschjagd. Nach 
einer Wanderung von etw^a 20 Minuten machten wir am Ufer eines 
Bächleins, gegenüber einer mit schönem Gras und Waldblumen ge- 
schmückten Lichtung Halt, überall echter, rechter Urwald, junger Nach- 
wuchs, alte und auch tote Stämme, alles neben-, über und untereinander, 
viel wechselnde Bilder. 

Noch war ich ins Anschauen der alten Riesen mit ihren langen, 
zerzausten, grauen Moosbärten versunken, als Jack mich anstiess und auf 
zwei junge Hirsche, die die Blosse der anderen Seite soeben betreten 
hatten, hinwies. Zwei zierliche, elegante Tiere; sie hatten uns offenbar 
gesehen, denn wir hatten durchaus keine Deckung gesucht, kamen aber 
trotzdem näher. Long Jack hob seine Büchse, ich hielt ihn noch vom 
Schuss zurück, doch da krachte schon das Schiessgewehr von Max, und 
mit einem gewaltigen Satz brach das eine Tier zusammen, sein Gefährte 
stutzte, floh aber nicht, hob seine grossen Lauscher, äugte nach uns her- 
über, näherte sich dem Gefallenen, beschnupperte ihn und zog dann erst, 
häufig stehen bleibend, wie um den Kameraden zum Mitkommen aufzu- 
fordern, langsam ab. Da wir nun Fleisch genug hatten, unterliessen wir 
weiteres Morden, holten uns den Erlegten, es war ein weibliches Tier von 
der Grösse des deutschen Damwildes, und zogen triumphierend wieder 



63 

heim. Zum Frühstück war auch der andere Jäger mit zwei feisten 
Straussen zurückgekelirt, und unser Mahl war wieder recht lukuUisch, 
gewürzt durch verschiedene mehr oder weniger wunderbare Geschicliten 
Jacks. Sogar Radieschen und Salat fehlten nicht, welche die Jäger nebst 
anderen Küchenpflanzen im Walde angebaut hatten. Long Jack muss 
ein gebildeter Mann sein, denn er kann lesen und schreiben, auch etwas 
zeichnen, hatte aber durchaus keinen Respekt vor meinem neuen schönen 
Theodoliten, sondern nannte ihn nur immer schlechtweg die olle Monkej^- 
Box. Um 1 Uhr nachmittags ungefähr sattelten wir und ritten unter 
Führung Jacks, der zur Strafe für seine Verachtung den Affenkasten auf 
sein Pferd nehmen musste, zur Aufnahme einiger Höhen etc., deren ich 
für die Orientierung bedurfte. Zunächst gings, die Wiese links, den Wald 
rechts, auf einem Wildpfad eine Legua weit nach Norden, dann bog Jack 
links ab und führte uns im Zickzack den Gebirgszug empor. Bis zur 
Hälfte der Höhe ungefähr konnten wir, dank der Führung, noch zu 
Pferde bleiben, dann wurden die Tiere in einer Waldstelle zurückgelassen, 
und die Kletterei fing an. Wenn man mit Flinten und Instrumenten be- 
laden ist, so ist ein Berganstieg, der von weitem so glatt und eben aus- 
sieht, durchaus kein Kinderspiel; wir schwitzten und ächzten gehörig, und 
Jack verfluchte wohl hundert Mal die Monkey-Box; nach fast zweistün- 
diger harter Arbeit erreichten wir endlich den höchsten Gipfel und ge- 
nossen nun einen Rundblick von geradezu berauschender Schönheit. 

Der Gebirgszug, den wir eben von der Ostseite erklettert haben, 
fällt nach Westen, gleich von seinen höchsten Kämmen an, abschüssig 
steil, vielleicht 300 Meter tief hinab und geht dann, immer noch steil 
genug, in die weite Ebene hinüber. Im fernsten Westen erheben sich 
mächtige blaue Berge, deren Häupter, von ewigem Schnee bedeckt, im 
reinsten Weiss am Himmel glänzen. Näher heran tritt die mächtige 
Berggruppe des „Mont Payne" in mehr violetten und rötlichen Tönen; 
deutlich erkennt man zwischen den weissen zackigen Spitzen die grossen 
Schneefelder und Gletscher; noch weiter nach rechts seitlich schliessen 
sich die Baguale.s-Berge am Gerade vor uns, zu unseren Füssen, liegt 
ein zaubervoller See, auf dessen ultramarin-blauen Spiegel ein in seiner 
Mitte gelegener, hoher, breiter Felsenkoloss trotzig sein markiges Bild und 
seine dunklen Schatten wirft. Der felsige Berg inmitten des Sees, ob- 
gleich in Wirklichkeit etwa vier Leguas entfernt, erscheint in der klaren 
Luft zum Greifen nahe; links von ihm erheben weitere vereinzelte Berg- 
züge ihre teilweise mit Schnee bedeckten Zinnen, entfernen sich allmählich 
und verschwinden am blauen Horizont. . 

Wald begrenzt die Ufer des Sees, smaragdgrün, in wechselnden 



Lichtern schimmert das Thal zu uns herauf, Wald zieht sich an den Ab- 
hängen der Berge und Felsen hinan, die in ihren jähen Abstürzen und 
Felsenmaueru wundervolle Farbenspiele zeigen. Hier oder dort stürzt 
aus einer hohen FelsensjDalte ein heller Wasserstrahl hervor, der, herab- 
fallend und an Vorsprüngen zerstäubend, sich in weissem durchsichtigen 
Schaum auflösend kleine Regenbogen bildet. Zwei grosse Condorpaare 
schweben über dem Thale, schweigend ihre Kreise in der durchsichtigen 
Luft ziehend, und lange blickten wir ihnen nach, und lange, lange haben 
wir uns dies wundervolle Panorama von unseren Felsenklippen aus an- 
geschaut. Endlich mahnt die sinkende Sonne zur Rückkehr; das Herab- 
klettern geht besser und viel schneller vor sich, als der Aufstieg; bald 
sind wir bei unseren Pferden. Nun giugs bergab, indess nicht so schön 
und bequem, als ich es mir gedacht, denn alle Nase lang glitt so ein un- 
beschlagener Pingo auf dem glatten Felsen aus und setzte sich dann auf 
den Schwanz; schliesslich aber kamen wir doch alle glücklich herab. 

Schon auf dem Herritt hatte Long Jack Strausse gesehen, seine Jagd- 
lust aber noch gezügelt; als nun aber kurz vor uns ein alter grosser 
männlicher Strauss aufsprang, dem die mitgenommenen Hunde sofort 
folgten, wars mit Jacks Geduld vorbei! Bums lag die „Monkey Box" im, 
Gott seit Dank, hohen weichen Gras, und en pleine carriöre saust Jack 
davon. Wir anderen schauen der ziemlich nahe sich abspielenden Jagd 
zu. Die gut abgerichteten Hunde erreichen auch bald den häufig Haken 
schlagenden Strauss, springen ihm an den Hals und werfen ihn nieder. 
Jack springt vom Pferde, bricht dem Vogel vollends das Genick und 
bindet ihn auf seinen Sattel; zu uns kommt er aber noch nicht zurück, 
sondern jagt mit seinen Hunden weiter. Als wir mit ihm schliesslich 
kurz vor seinem Plause zusammentreffen, zeigt er uns drei grosse Strausse 
als seine Beute. 

Für den nächsten Tag wurde beschlossen, einen Forschungsausflug 
nach dem schönen blauen See auf der anderen Seite des Gebirgszuges 
zu unternehmen, umsomehr da Jack vorher zu uns geäussert hatte, dass 
er am Ufer desselben bläuliche Steine gefunden habe, in denen, wenn er 
sie zerschlagen, Goldadern gewesen; auch Silber, Kupfer und Kohlen 
wollte er in den Abhängen der Berge gesehen haben. Als wir am anderen 
Morgen abreiten wollten, kam aber Long Jack nicht mit; er müsse noch 
nach seinen Pferden sehen, auch Fleisch und sonstigen Vorrat für den 
Winter besorgen, und so sollte Max uns begleiten, der wisse ebenso gut 
Bescheid. Verirren könnten wir uns auf keinen Fall, denn geradeaus 
kämen wir in die Gletscher, zu weit links aber könnten wir nur zur 
Estancia von Twidi und rechts nur nach der von Jameicon kommen, 



65 

Gefahr wäre absolut nicht vorhanden. Wir zogen dann auch mit Max 
davon, erreichten auch glücklich das Ufer des Sees, wenn auch nicht 
ohne Schwierigkeiten; aber viele blaue Steine habe ich dort zerklopft, 
ohne Goldadern zu finden. 

Mit dem Auffinden der Minen wollte es ebenfalls nicht glücken; 
Max führte uns hierhin und dorthin; überall sehr schöne Scenerie, aber 
die wahren Stelleu, wo Kohle oder Kupfer etc. zu Tage treten, konnten 
wir nicht finden. Nachdem wir schliesslich den ganzen Tag uns und 
unsere Pferde abstrapaziert hatten, kamen wir nach Sonnenuntergang mit 
leeren Händen zu unserem Hauptquartier zurück. Zwei von unseren Be- 
gleitern, die Bekannte Twidis waren, hatten sich abgesondert und dessen 
Estancia gesucht, aber nach der Beschreibung ebenso wenig auffinden 
können, und kamen noch später zurück, als wir anderen; Long Jack 
bekam viel zu hören, kratzte sich hinter den Ohren, lachte vor sich hin 
und versprach, am nächsten Tage uns selbst zu führen. Früh mit Tages- 
anbruch waren alle auf den Beinen, das Wetter aber, das bis jetzt 
immer schön gewesen, zeigte Neigung, sich zu trüben, und da unsere 
Zeit gemessen war, auch noch viel Weg vor uns lag, beschlossen wir, die 
Minensucherei einstweilen aufzugeben und unsere Pferde für die Weiter- 
reise zu schonen. Ganz angeführt hatte Long Jack uns mit seinen Er- 
zählungen gewiss nicht, denn Gold ist überall in Patagonien vorhanden 
und mehrfach gefunden worden. Jack hatte selbst auch welches! Erz- 
haltig sieht überhaupt die ganze Gegend aus. 

Der nächste Tag sah uns dann wieder auf dem Marsch nach Süden. 
Von Jack geführt, überschritten wir in vielen Windungen mehrere Hügel- 
ketten und hatten demnach zuletzt nacli dem Arroyo Guillermo einen 
Abstieg zu bewerkstelligen, der uns einigermassen die Haare zu Berge 
stehen machte; hier stieg selbst Jack vom Pferde, und die Tiere wurden 
einzeln, mit grosser Vorsicht den felsigen steilen Abhang hinuntergebracht. 
Der Arroyo Guillermo ist ein schöner Gebirgsbach in breitem Thal; an 
seinen Ufern und dem seiner Zuflüsse sind die besten Kamps; die Land- 
schaft ist leicht gebirgig, hat viel Wald auf den Höhen, und hier und 
dort hat man einen entzückenden Ausblick auf das Hochgebirge. 

Im Thale weiterreitend trafen wir ohne Schwierigkeiten am Abend 
auf der Estancia von Herrn Kork ein und machten Nachtquartier. 
Das Etablissement liegt, wie die meisten, in einer grossen, wasserreichen 
Ebene am Saume eines Wäldchens; in diesem ist regelmässig durch Ab- 
holzen einiger Bäume ein Corral für Pferde und Ochsen geschaffen; für 
die Schafe wird extra aus dicht aneinander gereihten Baumstämmen im 
Freien eine besondere Abfeilung hergestellt. An Gebirgen fehlts auch 

5 



66 

liier nicht; links die Sierra Sola, rechts El Castillo geben der Landschaft 
den Charakter, und, wie schon früher gesagt, ich kann hier nur die 
Schweiz zum Vergleich anführen; es kam mh jedoch so vor, als ob die 
Thäler hier breiter und länger, die Berge aber nicht so mächtig sind, als 
dort. Mit dem Klima wird es sich ungefähr auch so verhalten; der 
Sommer ist kühler, der Winter wärmer als in der Schweiz, indess schien 
die Sonne uns recht kräftig auf den Nacken, und wir schwitzten ganz 
anständig. Der Winterschnee soll niemals hegen bleiben, wenigstens ver- 
sicherten dies sämtliche Jäger, die doch schon acht und neun Jahre lang 
diese Wildnis durchstreifen. Auf vielen Umwegen schlängelten wir uns 
den nächsten Tag am Fusse der Berge auf einem bereits deutUch erkenn- 
baren Karrenwege der Meeresküste zu, vorher aber passierten wir noch 
einen prachtvollen Hochwald. 

Die Ansiedler hatten auch durch diesen einen recht guten Weg ge- 
schlagen und die vielen kleinen Bäche durch primitive Brücken passierbar 
gemacht; bequem und langsam reitend genossen wir mit Wollust die herz- 
erfrischende Waldluft. Mächtige Bäume, deren gewaltige Kronen das 
Licht nur gedämpft durchscheinen lassen, rufen eine nur dem Laubholz 
eigentümliche Dämmerung hervor und erinnerten mich lebhaft an die alte 
deutsche Heimat. Lichtungen öffnen sich mehrfach, fast stets mit schönem 
Blick auf die Sierra oder auf kleine tiefblaue Seen, die mit ihren an- 
mutigen schattigen Ufern zur Rast einladen; auch wir liessen uns nicht 
nötigen, denn es war Mittag. 

Unterholz ist im Walde häufig, auch viel altes gefallenes Holz, 
häufiger aber noch die Berberitzen und wilden Johannisbeersträucher. 
Letztere sind an Wuchs und Blatt vollständig den veredelten unserer 
Gärten gleich, nur sind die Früchte, ebenso in Trauben hängend, nicht 
so sauer und ganz dunkelschwarz. Es war die Zeit der Reife dieser 
Früchte, und an Stellen, wo sie uns gar zu vei4ockend in die Augen 
leuchteten, konnten selbst wir alten Knaben in der Erinnerung an unsere 
Jugendzeit nicht widerstehen, wir stiegen ab und labten uns wohl halbe 
Stunden laug an den angenehm saftigen Beeren. Auch Berberitzen 
schmecken leidlich, haben nur zu viele Kerne und färben die Finger und 
den Mund noch stärker, als unsere Blau- und Bickbeeren. Die Zweige 
der mitunter recht hohen Sträucher sind mit Früchten ordentlich über- 
laden, Traube hängt an Traube und Beere an Beere; die Jäger sagen, sie 
sammelten sich im Herbst diese J'rüchte und wollten sich daraus einen 
vorzüghchen Wein fabriziert haben, der besser gewesen sei, als fran- 
zösischer Rotwein; leider giebt's keinen mehr. 

Nach und nach hört der eigentliche Hochwald auf; wir kamen noch 



67 

durch eine lange tiefe Schlucht, an deren Felsenwänden noch viele Bäume 
Wurzel gefasst hatten, dann begleitet uns nui' noch Gesträuch, in welches 
nur hin und wieder einige hohe Bäume versprengt sind; das Gelände 
flacht mehr und mehr ab, und vor uns liegt das Meer. La ultima 
esperanza! 

Ultima Esperanza ist eine der vielen, schmalen, sich tief in das 
Binnenland erstreckenden Buchten des Stillen Ozeans, deren Wasser tief 
und auch grösseren Seeschiffen zugänglich ist. — Unser Weg führte an 
eine freie Stelle des Ufers, und wn- fanden dort einen grossen Steinblock, 
den der Transportdampfer „Toro," um seine Anwesenheit in diesen Ge- 
wässern zu beglaubigen, hier zurückgelassen hatte. Proviant für Ansiedler 
heraufzubringen, war der Zweck der Reise dieses ScMffes gewesen, und 
noch lagen ßeste der Ladung, in Säcken und Kisten nun schon Monate 
lang, ohne jeden Schutz am Strande; augenscheinlich noch gut erhalten 
und unberührt durch fremde Hände. 

Die Umgebung und der Ausblick auf die Bucht ist ungemein 
fesselnd; bewaldete Höhen und Felsen erheben sich direkt aus dem 
Wasserspiegel, der, durch mehrere hübsche Inseln geschmückt, bis zum 
jenseitigen Ufer übersehen wird. Den Hintergrund bilden hohe weisse 
Berge; Eisfelder überziehen die Abhänge, und an Stellen haben breite 
Gletscherströme alle Hindernisse durchbrochen und münden unmittelbar 
in's Meer. Begrenzt werden diese Gletscher häufig auf ihrem unteren 
Lauf durch alten Hochwald, und ich glaube, dass ein solches Zusammen- 
treffen von Gletscher, Wald und Meer nur Patagouien eigentümlich ist; 
jedenfalls ist's ein seltenes und sehenswertes, schönes Bild. 

Der Meeresboden ist, soweit man sehen kann, überall mit ganz flach 
geschliffenen, häufig zum Zerbrechen dünnen Steinen bedeckt; runde 
Formen (Geröll), wie an der Küste des Atlantischen Ozeans, habe ich 
hier nicht bemerkt. Das Wasser hat nur wenig Salzgeschmack und ist 
reichlich kühl, was uns indess nicht abhielt, ein Bad zu nehmen. Fische 
sind in Menge vorhanden; wir hatten in kurzer Zeit eine grosse Anzahl 
mit den Angeln erbeutet und fanden später den Geschmack ausgezeichnet; 
sie waren etwa 50 Centimeter lang, silberweiss mit dunklem Rücken und 
dem in Buenos Aires gut bekannten „Liza" nicht unähnlich. Das Ufer 
ist sandig, auch kommen Steine darin vor, doch wächst überall Gras, 
und je weiter man hinaufsteigt, desto reicher wird die Vegetation. Luft- 
wärme, Niederschläge und Wind scheinen offenbar dem Pflanzenwuchs 
günstig zu sein, sodass die Möglichkeit des Ackerbaues hier glaubhaft 
wird; verlorene Körner des verladenen Proviants hatten wenigstens an 
vielen Stellen gekeimt, und ich war anfangs sehr verwundert, als mir am 

5* 



Wegrande die ersten Gersten- und Roggen -Ahi-en, recht gut entwickelt, 
entgegennickten. Vorzüglich aber ist erst der Kamp ohne Zweifel für 
die Vieh- und speziell wieder für die Schafzucht geeignet. Bessere 
Stellen, was Klima, Wasser und Weide anbetrifft, wird man schwer 
anderswo treffen, für den heute dafür verlangten Preis aber kann man 
gewiss den ganzen Erdball ablaufen und wird Alinliches nicht finden. 
Die Verbindung mit der civiüsierten Welt ist dabei durchaus nicht so 
schwierig; in drei Tagen kann man mit guten Pferden in Punta Arenas 
sein und in fünf weiteren erreicht man mit jedem Dampfer Montevideo. 
Eine nennenswerte Gefahr von Indianern und wilden Tieren existiert 
nicht; ebensowenig kommen schädliche Insekten vor, wie Heu- oder 
sonstige Schrecken, man kennt überhaupt kein Ungeziefer. Kleine Häfen 
oder Verschiffungspunkte finden sich an den Kanälen (so bezeichnet man 
die schmalen Buchten des Pazifik Ozeans) vielfach vor, und man kann 
sich fast nach Gutdünken einen VerladuDgsplatz aussuchen, welche gleich 
wie Punta Arenas, Gallegos etc. sämtlich Freihäfen sind. Wie es später 
mit den Freihäfen aussehen wird, kann ich nicht wissen; zur Zeit aber 
kommen selbst grosse Kriegs-Transportdampfer an diese Küsten und be- 
sorgen die Ein- und Ausfuhr für die Ansiedler, ohne dass diese einen 
Cent Zoll bezahlen müssen. Fische und Wild, Holz und Gras findet der 
neue Ansiedler im Überfluss, auch wird die landschaftliche Schönheit mit 
der Zeit sicher Menschen hierher ziehen. Alles spricht für die Zukunft 
dieser Thäler. 

Gutes Brunnenwasser findet sich überall in einer Tiefe von 3 bis 7 
Metern. 

Die Nacht hatten wir unter freiem Himmel zugebracht, nicht ein- 
mal das Zelt war aufgeschlagen, und wir schliefen in der ruhigen Luft 
vorzüglich; auch unsere Pferde hatten sich von ihrer guten Weide am 
Ufer nicht entfernt, und erst am Nachmittag des nächsten Tages sagten 
wir dem Stillen Ozean Adieu. Für die Rückreise wählten wir einen an- 
deren, mehr südlichen Weg, den schon viele Karreten vorher gefahren 
waren; man hatte Bäume gefällt, kleine Brücken geschlagen und Knüppel- 
dämme über Sumpf stellen hergestellt; man sah überall die Arbeit von 
Menschenhand, und obgleich weder grosse Unkosten, noch grosse Kunst 
augewendet wurde, so ist dieser Weg doch schon fahrbar und zur Zeit 
nicht allein für Ochsenkarren. Einen hässlichen Eindruck machen die 
ab und zu vorkommenden, niedergebrannten Waldstrecken; die Hitze 
muss dabei so stark werden, dass selbst die Wurzeln der kräftigsten Gras- 
arten absterben, denn Jahre lang sieht man auf solch einer Stelle keinen 
grünen Halm, nur traurige Stümpfe, halb verkohlt, halb weiss gebleicht. 



69 

stehen oder liegen in der grauen Asche; sie liefern dem Reisenden das 
Brennholz. Diese Nacht verbrachten wir noch beim hellen Feuer, wundervoll 
gelagert unter hohen mächtigen Bäumen im Urwald; am andern Morgen 
gings weiter, wieder durch viel schönen Wald und herrhchen Kamp, doch 
trafen wir nun häufig auf Ansiedelungen und nach vier Tagen kamen 
wir glücklich an unseren Ausgangspunkt, die Estancia des Don Guillermo 
Saunders, zurück. Einen Tag gönnten wir uns Erholung, dann machten 
■war uns über Moro Cliico auf den "Weg nach Panta Arenas. Moro Chico 
ist die erste Estancia auf chilenischem Boden; sie liegt mitten im Wald, 
am Fusse des ebenso benannten Felsens und ist sehr gut eingerichtet; 
schönes Wohnhaus, gute Ställe, Garten, Badeplatz, alles vorhanden. Wir 
wurden sehr freundlich aufgenommen und blieben zur Nacht; zum Abend- 
essen gab's sogar frisches Gemüse, vorzüglichen Kopfsalat und einen 
Nachtisch von schwarzen Johannis- und prächtigen Erdbeeren. Der 
nächste Tag brachte uns an jmehreren ansehnlichen Kampetablissements 
vorüber und am Ufer eines grossen Sees (Laguna Bianca) entlang nach 
„Ottway Station," einer Estancia des Herrn Juan Hamilton. 

Spät am Abend kamen wir sehr ermüdet au und wurden sehr an- 
genehm überrascht durch den gefälligen Komfort der Wohnräume dieses 
Hauses. Die junge Lady machte die Honneurs an der geschmackvoll 
und zierlich geordneten Abendtafel, und Mr. Hamilton machte am Schluss 
noch einige krampfhafte Versuche auf dem Piano im Musikzimmer, 
unseren Schlaf zu vertreiben, allein die Müdigkeit war zu gross, um seine 
Kunst noch richtig würdigen zu können. 

Bald streckten wir denn auch die strapazierten Glieder behaglich 
in den grossen weichen Betten aus. 

Nach dem überaus reichhchen Frühstück ging's den folgenden Tag 
weiter, anfangs auf holperiger Strasse und in langweiliger Landschaft, 
dann nach Überwindung eines gefährlichen steilen Abhanges hinunter an 
die Küste. Der Weg ist nun steinig und schmal, links das Meer, rechts 
steil aufsteigende hohe und bewaldete Berge, doch sind die vielen kleinen 
Flüsschen durch kunstlose Vorrichtungen überbrückt und überhaupt 
manches gethan, um die Strasse fahrbar zu erbalten. Nachdem wir 
einen etwa 20 Meter breiten klaren Bergbach überschritten hatten, trafen 
wir sogar in einem kleinen Wäldchen auf ein elegant eingerichtetes Wirts- 
haus mit Billard etc.; doch wir wollten noch heute Punta Arenas er- 
reichen, und nach Vertilgung einer Flasche guten deutschen Exportbieres 
brachen wir auf. Etwa drei Leguas vor Punta Arenas gingen wir an 
einer sehr bedeutenden Dampfsäge vorüber, die Hunderte von Menschen 
beschäftigt, deren vieles Fuhrwerk die Strasse hier aber gründlich ver- 



70 

dorben hat. Die Landschaft hat auch hier ihre Scliönheiteu; auf dem 
Wasser lag ein Dampfer, der Holz eimiahm, und Boote gingen hin und 
her. Der Wald an der anderen Seite den Berg hinan ist durch viele 
kleine Häuschen belebt, die sich überall, wo es nur der Abhang erlaubt, 
eingenistet haben und sich unter dem grüneji Laube nicht übel aus- 
nehmen. Bald wird denn auch die Strasse besser, und Reiter und Wagen, 
auch viele Ochsenkarren kommen an uns vorüber. Dabei fiel mir auf, 
dass die Räder der Karren einfach aus Baumstämmen gefügt sind und 
dass die Ochsen sämtlich im Trabe laufen. Der Weg wendet sich dann 
rechts von der Küste abbiegend und führt durch gut gehaltene einge- 
zäunte Felder zu der aus etwa 100 Familien bestehenden Schweizer- 
Kolonie. Leider wurde es schon so stark dunkel, dass nicht viel mehr 
zu erkennen war, doch leuchteten überall die hellen Feuer aus freund- 
lichen Häusern, meist unter Bäumen hervor, und machten einen gemüt- 
lichen, anheimelnden Eindruck. 

Erst mit dunkler Nacht erreichten wir unser Hotel in Punta Areuas; 
deutscher Wirt, deutsche Bedienung, deutsche Küche, saubere Zimmer 
und Betten, zwar alles nur Holz mit Ölfarbe gestrichen, aber frei von 
Ungeziefer, die sonst so lästige Beigabe in Holzhäusern. 

Anderen Tages sah ich mich im Orte näher um und fand, dass 
Punta. Arenas ein ganz bedeutendes Städtchen von etwa 4000 Einwohnern 
ist. Zwar sind sämtliche Gebäude nur aus Holz und Eisen konstruiert, 
mit Ausnahme eines einzigen aus Ziegelsteinen erbauten, doch giebt 
es darunter einzelne recht hübsche, in denen bedeutende Geschäfte 
etabliert sind. Es soll hier Handelshäuser geben, die über bedeutende 
Kapitalien verfügen und in direkter Verbindung mit grossen europäischen 
Firmen stehen; sogar eine Bankstelle ist jetzt am Platze, die bis nach 
Argentinien hinein ihre Geschäfte macht und auch dem Landmann Kredit 
bewilligt. Der LIafen ist tief und gut, und fast alle vorüberkommenden 
grossen Handelsdampfer legen, wenn auch nur für einige Stunden, an 
und ankern kaum 200 — 300 Meter von der Landuugsbrücke, die etwa 
zwei Cuadras ins Meer hinausgeht. Viel kann ich von Punta Arenas 
weiter nicht berichten, ich blieb dort eben nur einen Tag; die Strassen 
waren sauber, gut gehalten und, wie immer in Südamerika, in recht- 
winklig sich schneidenden Linien angelegt. Mehrere grosse Gasthäuser 
stehen gleich am Strande, ausserdem fiel mir das schöne Gebäude der 
freiwilligen Feuerwehr, welches zu gleicher Zeit Klubhaus ist, auf; auch 
eine Warmbadeanstalt war vorhanden u. s. w., überhaupt fast kein Haus 
ohne Geschäft. 

Am nächsten Morgen um 9 Uhr kam ein grosser englischer Dampfer 



71 

an, und die Gelegenheit benutzend schiffte ich mich nach Montevideo 
ein. Mittags V3I2 wurden die Anker gehchtet, und wir dampften durch 
die Magelhaeusstrasse dem Atlantisclien Ozean zu. Feuerland sieht man 
als schwachen Nebel schon von Punta Arenas aus, auf der Weiterfahrt 
kommt man seinen Ufern streckenweise recht nahe, eigentlich Schönes 
und Sehenswertes ist aber auf dieser ganzen Tour nicht vorhanden. Die 
Ufer bestehen teils aus Felsen, teils aus Hartsand -Barrancas von unbe- 
deutender Höhe; Wald konnte ich auch nicht entdecken, doch soll er 
vorhanden sein. Abends gegen 6 oder 7 Uhr passierten wir Cobo de 
Virgenes und erreichten somit den Ozean; in fünf Tagen waren wir im 
Hafen von Montevideo, wo ich sofort an Land ging; und somit schliesst 
mein einfacher Reisebericht, der den verehrlichen Lesern hoffentlich 
einiges Interesse abgewonnen hat. 



III. Der Kamp in Argentinien. 

Aus einem Briefe von Otto Sartori in Buenos Aires. 

Ich will Euch noch von meinen Kampreisen erzählen. Der Süden 
x4rgentiniens ist \'iel schöner als der Norden, denn er ist ursprünglicher 
und weniger kultiviert. Im Norden wird viel Ackerbau getrieben und 
alle Augenblicke sieht man Dörfer und Ansiedeleien. Dagegen ist im 
Süden nur Viehzucht zu finden. Scliafe bilden das Hauptprodukt, dann 
Rindvieh und Pferde. 

Nach zehnstündiger Eisenbahnfahrt von Buenos Aires, während 
deren es nur eine halbe Stunde Aufenthalt zu einer miserablen Mahlzeit 
gab, langte ich auf einer kleinen Eisenbahnstation — (alle Stunde giebt 
es eine Station) — an, auf welcher mich der Kapataz (Vorarbeiter) der 
Estancia mit einem Gaul erwartete. Nach vierstündigem unausgesetzten 
Galopp (ich glaube in Deutschland sagt man Kartoffelgalopp; ein kurzer, 
sehr bequemer Galopp, die einzigste Gangart, die die Kamppferde kennen) 
erreichten wir die Estancia. Die Eigentümer solcher Estancias, wenigstens 
diejenigen der grösseren Etablissements, verweilen nur einige Wochen im 
Sommer auf derselben. Der Majordomo empfing mich sehr zuvorkom- 
mend und wir machten erst eine Runde in der nächsten Umgegend der 
Häuser. Ich will hierbei bemerken, dass man die ganze Besitzung 
„Estancia" nennt; ist man aber auf dem Grund und Boden derselben, so 
heisst so die Stelle, wo die Herrschaft bezw. der Inspektor wohnt und wo 
sich die guten Zucht- und Racetiere befinden. 



72 

Das Terrain, d. h, der Kamp im Süden der Provinz, zwischen den 
Stationen Arbolito und Vivorata, wo ich mich befand, ist eben wie der 
Tisch. Soweit das Auge reiclit nichts als KamiD und Kamp bis an den 
Horizont. Nur ab und zu durch einige Bäume, die die Wohnungen der 
Hirten anzeigen, unterbrochen, ruhig und still, von keinem Geräusch ge- 
stört und scheinbar ohne eine menschliche Seele; aber doch war es schön, 
gerade in dieser Einsamkeit. Ich kam mir so frei und unabhängig vor, 
als ich vom Eisenbahnzug gestiegen war und nun bei prachtvollstem 
kühlen Wetter und der schönsten reinen Luft ius Blaue hineinritt, in der 
Voraussicht einer Zahl genussreicher Tage. 

Aber ich komme ganz von meinem Berichte ab. Wir machten also 
noch einen Spaziergang vor deiu Dunkelwerden, dann wurde ziemlich 
gut zu Abend gegessen und es ging zu Bett, um Kräfte für die nächsten 
Tage zu sammeln. 

Der Zweck meiner Reise bestand darin, den Zustand der Schaf- 
lieerden anzusehen, die Wolle auf den Tieren zu prüfen und den übrigen 
Stand der Kämpe zu untersuchen. 

Am nächsten Morgen, nachdem wir uns durch ein halbes Dutzend 
Mates gestärkt hatten, ging es also los. Der Majordomo, ich und einige 
Peone mit ungefähr 20 Pferden, in hohen Stiefeln, Poncho, (grossem Hals- 
tuch an Stelle des Hemdkragen) und Schlapphut, alle gleich gekleidet, je 
nach Verhältnis besser und schlechter. 

Die Estancia, auf der ich mich befand, ist ungefähr 15 □Meilen 
gross und hat ca. 130000 Schafe, 45000 Stück Hornvieh und 23000 
Pferde. Ich hatte mich nur um die Schafe zu bekümmern. Dieselben 
weiden heerdenweise an bestimmten Stellen im Kamp, inuuer ca. 1500 
bis 2000 Stück zusammen. Sie stehen unter der Aufsicht von Plirten, 
meist Gauchos, die ihre Wohnungen mitten im Kamp haben. Dies sind 
nicht Hirten in unserem Sinne; die Schafe laufen vielmehr allein herum 
und können sich wegen der grossen Entfernungen nicht mit den anderen 
Heerden vermischen, auch bleiben sie instinktmässig in der Nähe der 
Hirtenwohnungen („Puestos"). 

Die Hii'teu leben natürlich mit ihren ganzen Familien zusammen 
und sind gewässermassen kleine Beamte, deren Stellung fast immer von 
dem Vater auf den Sohn übergeht. Dadurch kommt es, dass sie sich 
selbst als Eigentümer der Herrschaft und der ihnen anvertrauten Schafe, 
Pferde und Kinder ansehen. Die meisten derselben sind auch ganz wohl- 
habend und besitzen uns Stadtmenschen gegenüber einen gewissen Stolz, 
da sie uns als Schwächlinge ansehen. Dabei sind sie jedoch voller 
Freundlichkeit und Gastfreundschaft. Das Beste, was sie zu essen haben, 



73 

bringen sie, und wenn man etwa einmal eine Nacht bei ihnen bleiben 
will, wie es mir wegen schlechten Wetters passiert ist, so muss man erst 
einen Kampf ausfechten, damit Mann und Frau in ihrem Bette bleiben 
und sich nicht, um es dem Fremden zu überlassen, auf die Erde zum 
Schlafen legen. Das Essen ist sehr einfach. Hauptsächlich giebt es 
Spiesbraten; der ist aber sehr schön. Kommt ein Fremder, so wird gleich 
ein Schaf oder ein Kalb eingefangen, geschlachtet und am Spiess ge- 
braten. Das Feuer befindet sich in der Mitte des Ranchos, der Braten 
davor und rund herum reihen sich die Männer und Weiber, auf kleineu 
niedrigen Bänken und Stühlen hockend, an. Ist das Fleisch mürbe, so 
zieht jeder sein Messer aus dem Gürtel und schneidet sich nach Belieben 
von dem Braten ab. Als Gabel dient die einem mit auf die Welt ge- 
gebene. Dazu giebt es sogenannte Galletas, eine Art Schiffsbrot, das sich 
monatelang hält, und auf dem Sitze oder einem anderen harten Gegen- 
stand zerschlagen und zerkleinert wird, und Wein, der in einem ledernen 
Beutel die Runde macht. Es ist eine delikate Geschichte und man muss 
sich zuerst etwas daran gewöhnen, aber wenn man Hunger hat, geht 
alles. Ausserdem ist es eine bekannte Thatsache, dass man im Kamp 
bei weitem schöneres Fleisch, als in der Stadt erhält, denn erstens suchen 
die Gauchos sich bei dem kolossalen Überfluss das beste, fettste und 
jüngste Stück Vieh aus, zweitens ist es kein abgetriebenes Tier und end- 
lich drittens ist es eben erst geschlachtet. Nach dem Mahle giebt es 
wieder unzählige Mates und dann holt der Gaucho seine Guitarre, sein 
liebstes Eigentum nächst seinem Pferde, hervor und singt seine endlosen 
melancholischen Weisen. 

Schliesslich muss man aber doch daran denken, dass man auch 
noch zu etwas anderem hergekommen ist, und so bricht man denn auf. 
Nach kurzem Galopp kommt die diesem Hirten zustehende Heerde in 
Sicht und wird von den Peonen umringt. Einige Tiere werden einge- 
fangen, in Bezug auf Aussehen und Qualität der Wolle untersucht und 
notiert. Dann wird wieder aufs Pferd gestiegen und es geht zum nächsten 
Puesto, die alle etwa ein bis zwei Meilen von einander entfernt liegen. 
So geht es weiter, bis alle Heerden durchgesehen sind, schnell oder lang- 
sam, je nachdem man Zeit hat. Aber meistens geht es schnell; es ist 
eben Geschäft. Ich habe das erstemal in 16 Tagen 12 Estancias an- 
gesehen. 

Wenn man Zeit hat, geht man auch auf die Jagd. Der Kamp hier 
im Süden wimmelt von Wild aller Art in solcher Unmenge, wie ich es 
mir nicht vorgestellt hatte. Besonders giebt es Geflügel wie Enten, Reb- 
hühner und Schwäne, Aber noch eine Menge anderes Getier ist millionen- 



74 

weise vorhanden und durchaus nicht scheu, so dass die Gauchos die 
Tiere vom Pferde ab mit ihrer Rebenque todt werfen. 
Dies ist eine Reitpeitsche von dieser Form: 



a. ist ein circa 40 cm langer und 2 cm im Durchschnitt dicker Stock, 
der mit Leder überzogen und vielfach mit silbernen Verzierungen ver- 
sehen ist; b. ist ein circa 2 cm breiter dicker Lederstreifen. 

Gelungen sind die Papageien, von denen ich einmal 16 Stück mit 
einem Schrotschuss erlegte. Das kam uämlich so. Die Tiere sind immer 
in Schwärmen von 100 bis 200 oder mehr zusammen und machen ein 
ohrenbetäubendes Geschrei. Schiesst man nun unter sie und trifft auch 
nur einen einzigen, so fallen die anderen sämtlich über diesen einen her 
und zerhacken ihn. Schiesst man dann dazwischen, so ist es klar, dass 
eine Menge davon fallen muss. Kleine Adler, Habichte und dergleichen 
begleiteten uns oft stundenlang. An vierfüssigem Gelichter sind zuerst 
Rehe (etwas andere als die bei Euch) zu nennen; dann Unmassen von 
Füchsen, Dachsen, Ottern, Gürteltieren, Stinktieren u. s. w. Bei der Jagd 
sind auch die Strausse nicht zu vergessen. 

Ich wollte noch von den Pferden und Rindern sagen, dass man 
sich sehr in Acht nehmen muss, wenn man in die Nähe einer Heerde 
kommt, da die Tiere, besonderes die Stuten mit kleinen eben geboreneu 
Füllen und die Kühe mit Kälbern äusserst tapfer sind und auf den 
Menschen losgehen, den sie, wenn er zu Fuss M'äre, töten würden, weil 
sie ihn ja nicht kennen. 

Was nun den Gaucho anbetrifft, so will ich doch auch noch über 
ihn einige Worte sagen. Ein Mestize von Europäern und Indianern, was 
er früher war, ist er nicht mehr, sondern meistens ein Angestellter der 
grossen Estancieros. Natürlich mit Ausnahmen. Ich spreche auch nicht 
von den Banditen, die vagabondierend und ohne festen Wohnsitz durch 
den Kamp ziehen, sondern eben von diesen Hirten. Sie sind Meister in 
der Behandlung der halb verwilderten Pferde- und Rinderheerden. Dazu 
gehört in erster Linie das Reiten. Wie auf dem Pferde geboren scheint 
er mit ihm verwachsen zu sein. Er sitzt nicht darauf, sondern hängt 
vielmehr daran, und dass Mann und Pferd nicht oftmals Hals und Beine 
brechen, ist mir unverständlich. 

Dazu kommt die riesige Fertigkeit im Werfen des Lasso, der seine 
10 Kilo wiegt, und das Schleudern mit den Boleacoras; das sind drei mit 




75 

Leder überzogene und untereinander mit ge- 
flochtenen Lederstreifen A^erbundene Steine, die 
die Gauclios dem einzufangenden und davon 
stürmenden Pferde oder Rinde im vollsten Galopp 
um die Hinterbeine schlingen. Wenn möglich 
werden auch noch die Vorderbeine mit umschlungen und so das Tier im 
selben Augenblicke zu Fall gebracht, das natürlich dann die unglaub- 
lichsten Anstrengungen macht um sich zu befreien. Aber der Gaucho 
ist schon zur Seite, schlingt dem Tiere noch seinen Lasso über und macht 
dann mit ihm, was er will, sei es zum Kapieren (versclineiden capar) 
oder, wenn es ein Pferd ist, zum Einfahren oder Reiten. Im letzten Falle 
besteigt er es sofort. Erst bindet er ihm seinen Poncho vor die Augen, 
bringt ihm einen Zügel (ein einfaches Stück Leder) ins Maul, löst dem 
auf der Erde liegenden Gaul die Bolas ab und lässt nur noch die Hinter- 
beine mit dem Lasso gefesselt und zwar mit einer einfachen Schlinge, die 
sich mit einem Ruck auflösen lässt. Er stellt sich dann über das Pferd; 
mit einem Griff werden die Augen des Tieres frei und ein zweiter löst 
die Schlinge an den Beineu. Kaum fühlt der Gaul sich sehend und frei, 
so springt er auf, nimmt im Aufstehen den Reiter auf den Rücken und 
dann geht es los. Gewöhnhch sucht er sich zuerst des Reiters zu ent- 
ledigen, springt in die Höhe, wirft sich auf die Erde, steigt, schlägt aus, 
beisst um sich und wälzt sich wieder auf der Erde aber — den Reiter 
bringt er nicht ab. Dieser lässt das Tier sich erst etwas austoben, dann 
giebt er ihm mit den allmächtigen Sporen und der Rebenque einige 
Aufmunterung, und der Gaul fliegt davon. Erst sucht er sich der Heerde 
zu nähern, was der Reiter aber zu vermeiden weiss, und dann geht die 
wüde Jagd los, immer gerade aus, bis er nach einer halben Stunde 
wiederkommt, am ganzen Körper voll Schaum, zitternd und vor Angst 
und Erschlafl^ung fast, zusammenbrechend. Der Reiter ist Sieger geblieben 
und am nächsten Tage ist der Gaul lammfromm. 

Das ist der Gaucho als Hirte und Angestellter auf den grossen 
Estancias und weit draussen. Er ist ein selbstbewusster und stolzer 
Charakter, der nur seinen Herru oder dessen Stellvertreter als über ihm 
stehend anerkennt, sich sonst aber für ebenso gut und wenn möglich 
noch besser, als den civilisierten Menschen hält. 

Alles, was er zum Lebensunterhalt braucht, liefert ihm der Kamp. 
Nur bei Festlichkeiten schmückt er sich. Dann holt er seinen besten 
Gaul und sattelt ihn mit seinem Feiertagsgeschirr. 

Der hiesige Sattel ist anders als der sogenannte enghsche (euro- 



76 




päische). Die Hauptbestandteile sind zwei mit 
Stroh vollgestopfte Lederhülsen (Bastos), die in 
der Mitte verbunden dem Gaul auf den Rücken 
gelegt werden. Darüber und darunter werden 
eine Menge von Decken und Fellen gestopft, so 
dass ein äusserst weicher und breiter Sitz entsteht. Über diesen wird 
dann schliesslich ein breiter Gurt rund herum geschlagen, damit er sich 
nicht bewegt. An den Bastos hängen die Steigbügel, bei seinem Sonntags- 
staat aus purem Silber; ebenso sind die Enden der Bastos mit Silber 
verziert. Auch Zügel, Zaum u. s. w. glänzen von schweren Silberbe- 
schlägeu. Um den Hals des Pferdes bis zum Sattel zieht sich ein 
Riemen mit aneinander gereihten grossen Silbermünzen, und sogar auf 
dem Sattelgurte sind solche befestigt. 

Dann der Manu selbst. Anstatt der Hosen schlingt er sich auf eine 
eigentümliche AVeise ein grosses, viereckiges, schwarzes Tuch um die 
Beine, das von einem sogenannten Tirador, einem von Gold- und Silber- 
münzen und sonstigen Verzierungen strotzenden Ledergürtel, festgehalten 
wird. In diesem steckt hinten das Vs Meter lange, in silberner Scheide 
befindliche und mit silbernem Griff versehene Messer, und daran hängen 
die Boleacoras. Eine gestickte Bluse, Schlapphut, seidenes, breit umge- 
bundenes Halstuch, sowie hohe mit Gold und Silber bestickte Stiefel 
vollenden den Anzug. Hinten auf dem Rücken des Pferdes liegt der 
xinvermeidliche, mit einer leicht zu lösenden Schlinge befestigte Lasso. 
Reitpeitsche mit silbernem Griff und grosse silberne Sporen nicht zu 
vergessen. 

Da habt Ihr den Gaucho wie er leibt und lebt. Wenn es dann 
zum Tanze geht, nimmt er auch noch die mit Schleifen (Erinnerungen 
an frühere Festlichkeiten) verzierte Guitarre mit aufs Pferd, und so zieht 
er ab. Ein hübsches Bild. 



Neue und seltene Fiscbe der Neustädter BucM. 

Von Dr. phil. Georg Duncker. 



(Zusatz zu: Die Fische der Tiavemüncler Buclit etc. von Dr. H. Lenz. Lübeck 1891.) 



-A.ngeregt durch jährlich wiederholten Aufenthalt an der Neustädter 
Bucht, unterstützt durch die verständnisvolle Hülfe des Fischers Heinrich 
Lender in Niendorf daselbst, habe ich seit zehn Jahren besondere Auf- 
merksamkeit auf die Fischfauna dieser Bucht gerichtet. Allmählich er- 
hielt ich 55 Species von dort, von denen einige wenige noch nicht in 
dem von Lenz*) herausgegebenen Verzeichnis der Fische der Trave- 
münder Bucht erwähnt, andere dort genannte so selten sind, dass auch 
die seither gefangenen Belegexemplare aufgezählt zu werden verdienen. 

Möbius und Heincke**) unterscheiden Standfische und Gäste eines 
Faunengebiets. Ausser diesen beiden kann man m. E. noch eine dritte 
Gruppe bestehend aus solchen Arten unterscheiden, welche als Gäste aus 
anderen Gebieten einwandern, dann jedoch für längere oder kürzere Zeit 
„Standfische" werden, d. h. sich an ihrem neuen Fundorte regelmässig 
fortpflanzen, um nach Ablauf derselben wieder spurlos zu verschwinden. 
Derartig verhielten sich in der Neustädter Bucht Syngnathus acus L. 
1885 — 1890, Stichaeus islandicus C. V., welcher vereinzelt schon frülier, 
regelmässig seit 1889 auftrat, jetzt jedoch schon seltener zu werden 
scheint. Von letzterer Art besitze ich z. ß. eine grössere Anzahl er- 
wachsener laichreifer und junger Tiere vom Oktober 1892. Endlich 
scheint Cottus bubalis Euphr., welcher früher trotz Suchens weder von 
Dr. Lenz noch von mir in der Neustädter Bucht gefunden war, in 
den letzten drei Jahren dort regelmässig, wenn auch nicht häufig, vor- 
zukommen. Sein bisheriges Fehlen ist besonders merkwürdig5|dadurch, 
dass er weder in der Kieler Bucht, noch, wie mich die Rostocker Uni- 
versitätssammlung lehrt, bei Warnemünde selten ist. 

«) Mitteil. d. Geogr. Ges. u, Naturli. Mus., 2. R. Heft 3. Lübeck 1891. 8°. 
**) Die Fische der Ostsee. Berlin 1883. 8». p. 162 fi. 



78 

Mit den im folgenden erwähnten fünf neu hinzugekommenen sind 
bis jetzt 86 Spezies aus der Neustädter Bucht bekannt, von denen drei 
(Liparis vulgaris Flem., Syngnathus acus L. und Raja fuUonica L) nicht 
zu den 96 der von Möbius und Heincke aus der westlichen Ostsee auf- 
gezählten gehören, so dass die Zahl der letzteren sich jetzt auf 99 erhöht. 

4.*) Mullus surmuletus L. 
Am 11. November 1893 sandte mir der Fischer Heinrich Land er 
ein kleines, ca. 7 cm langes Exemplar, das er in der Wade gefangen hatte. 

9. Trachinus draeo L. 
Ich erhielt diesen Fisch am 5. Oktober 1893 und am 20. November 
1895 durch Heinrich Lender. 

10. Lophius piscatorius L. 
Am 15. oder 16. März 1891 wurde ein ca. 1,5 m langes Exemplar 
von dem Fischer Brokmann in Haffkrug in der Heringswade gefangen 
und nach Lübeck, um ausgestellt zu werden, verkauft. 

IIa. Cottus bubalis Euphr., „blagen WoUkus," 
erhielt ich am 9. August 1892, 11. November 1893 und Ende Oktober 
1894 durch Heinrich Lender in je einem Exemplar. Der Fisch soll im 
Winter nicht ganz selten gefangen werden. 

21. Anarrhichas lupus L., in Niendorf „Seekatt" genannt. 

Der Niendorfer Fischer Hans Lender fing in den siebziger Jahren 
ein ca. 70 cm messendes Stück. Prof. Dr. Dahl erhielt ein bei Dahme 
gefangenes, etwa gleich langes Weibchen am 17. November 1886, dessen 
Skelett und Eier im Kieler zoologischen Institut aufbewahrt werden. 
Anfang Mai 1895 fingen die Fischer Hoopt und Jobs. Böbs-Niendorf 
unter dem Brothener Ufer ein kleineres Exemplar. 

22. Stichaeus islandicus C. V. 
Ich erhielt diesen Fisch im Jahre 1885, ferner mehrfach von 1890 
— 1892. Er soll noch jetzt, nach Heinrich Lender, nicht ganz selten sein. 

32. Gadus aeglefiuus L. 
Nach mehrjährigem Sammeln habe ich erst kürzhch (20. November 
1895) ein einziges, 17 cm langes Exemplar dieser Art aus Niendorf 
erhalten. 



*) Die Nummern dos Lenz'schen V'erzeichnisses. 



79 

35. Gadus poUachius L. 
erhielt ich am 17. und 20. Februar 1891 in je einem Exemplar. 

43. Hippoglossus vulgaris Flem. 
Heinrich Lender fing im Frühjahr 1873 bei Niendorf ein 29 'S 
schweres Exemplar. Mitte der siebziger Jahre erhielten Travemünder 
Fischer ein 72 'S schweres im Zugnetz. 

44. Hippoglossoides limandoides Bl. 
erhielt ich am 2. Januar 1890 und am 20. Februar 1891 in je einem 
Exemplar in Niendorf. 

47. Pleuronectes platessa L. 

Je ein linksäugiges Exemplar (sehr selten!) erhielt ich am 31. Januar 
1893 (lebend) und Ende Oktober 1894 durch Heinrich Lender. — Junge 
von 2 — 4 cm Länge finden sich zahlreich im Juli und August auf dem 
feinsandigen Grunde des Scharbeutzer Ufers. — Rauhe Schollen sind 
männhch, glatte weiblich oder jung. 

47a. Pleuronectes pseudoflesus Gottsche, „Blendling," 
ist keine rauhe (cf) Scholle, sondern eine Mittel-, wahrscheinlich Bastard-, 
Form zwischen dieser und der Flunder. Ich erhielt davon je ein Exem- 
plar am 2. Januar 1890, 16. Dezember 1891, 8. Juni, 7. August und 
4. Oktober 1892 und am 11. November 1893. — Die genauere Be- 
schreibung derselben habe ich an anderer Stelle*) gegeben. 

49a. Pleuronectes microcephalus Donov. 
Heinrich Lender fing diese bisher noch nicht in der Neustädter 
Bucht beobachtete Art am 29. April 1892, Anfang Juü 1892 und am 
4. Juni 1893 in je einem Exemplar, von denen ich das erste in meiner 
Sammlung bewahre. 

58a. Squalius cephalus L., „Dickkopf," „Dübel," 

wurde in meinem Beisein am 16. Juli 1890 bei Timmeudorfer Strand in 
der Aalwade gefangen. 

69. Clupea alosa L. Fischername „Eiben." 
April 1890 und August 1891 je ein, Oktober 1891 zwei Exemplare. 



*) Variation und Verwandtschaft von Pleuronectes flesus L. und PL platessa L. 
lu: Wissenscli. Meeresunters., herausg. v. d. Komm. z. wissensch. Unters, d. deutsch. 
Meere in Kiel und der biolog. Anstalt auf Helgoland; 2. Heft, p. 76 ff. 



80 

70. Engraulis encrasicholus L. 
Ende August 1895 erhielt das Hamburger naturhistorische Museum 
ein ca. 20 cm langes Exemplar durch C. Hofft aus Niendorf. 

76. Acanthias vulgaris Risso 
erhielt ich am 3. April 1890 von Heinrich Lender; Anfang Mai 1893 
fing der junge Fischer Carl Bobs -Niendorf ein weiteres Exemplar. 

77 a. Raj a radiata Donov. 
Von dieser Art besitze ich in meiner Sammlung ein am 4. Juni 
1892 in der Aussentrave unter Roseuhagen von Claus Frese-Sierksdorf 
gefangenes kleines Exemplar. 



->^Hg- 



Die Käfer Lübecks. 

Von Major z. D. von KoscMtzky. 



2. Liste. 

Fortsetzung v. Heft 7 u. 8 p. 102. 



VII. Limnichiden 

fehlen. 

VIII. Dryopiden. 

* Diyops prolifericornis, F. Nicht sehr häufig. S. M. H. 
auriculata, Panz. 8. M. H. 

IX. Greoryssiden. 

Georyssus crenulatus, Rossi. Am Ostseestraud, selten. S. M. H. 

X. Heteroeeriden. 

Heterocerus marginatus, F. S. M. H. 

intermedius, Kiesw. Selten. M. 

fenestratus, Thunb. Nicht häufig. 8. M. H. 

XI. Staphyliniden. 

Diese Familie ist noch nicht ausreichend durchgearbeitet und wird daher 
in einer späteren Liste erscheinen. 

XII. Pselapliiden 

zahh-eich im Frühjahr vor der Eisschmelze unter Typha-Blättern. 
Batrisus venustus, Reichb. M. 
Bryaxis fossulata, Reichb. 8. M. H. 
? = haematica, Reichb. 8. M. H. 
juncorum, Leach. M. 
impressa, Panz. M. 
* Rybaxis sanguinea, L. 8. M. H. 

6 



82 

Bythinus bulbifer, Keichb. M. 

distinctus, Chaud. M. 

-- Burelli, Denny. Im August unter Riude. S. M. H. 

validus, Aub. 

Pselaphus Heisei, Hbst. H. S. M. 1 

_,, , ,, I Beide im Frühiahr zwischen Typha-Blättern. 
dresdensis, Hbst. M. \ •'^ 

Tychus niger, Payk. S. M. 

Bibloporus bicolor, Deuny. Im Sommer unter Rinde. M. 

Euplectus nanus, Reichb. Jf. 

Karsten!, Reichb. Unter Eichenrinde. S. M. H. 

■■ ambiguus, Reichb. M. 

XIII. Clavigeriden 

fehlen wahrscheinhch. 

XIV. Scydmaeiiiden. 

Neuraphes angulatus, Müll. 8. M. H. 
Scydmaenus scutellaris, Müll. S. M. H. 

collaris, Müll. S. M. H. 
Euconnus hirticoüis, 111. 8. M. H. 

denticornis, Müll. 8. M. H. 
Eumicrus tarsatus, Müll. 8. Selten, M. 

XV. SilphidcB. 

Choleva intermedia, Kr. 

angustata, F. 8. M. H. 
cisteloides, Fröhl. 8. M. H. 
praecox, Er. (= Wilkini, Spence). 8. M. H. 
velox, Spence. 8. M. H. 
Ptomaphagus picipes, F. 8. M. H. 

nigricans, Spence. 8. M. H. 
morio, F. 8. M. H. 
tristis, Panz. 8. M. H. 
Watsoni, Spence. 8. M. H. 
sericeus, F. 8. M. H. 
fuscus, Panz. M. 
fumatus, Spence. M. 
Phosphuga atrata, L. 8. M. H. 

var. brunnea, Hbst. M. H. 
opaca, L. 8. M. H. 
midata, Müll. 8. M. H. 



83 

Thanatophilus thoracicus, L. S. M. H. 
rugosus, L. S. M. H. 
sinuatus, F. 8. M. H. 
dispar, Hbst. M. 
Xylodrepa 4- punctata, L. 8. M. H. 
Silpha tristis, Ili. 8 M. H. 

obscura, L. 8. M. H. 
Necrodes litoralis, L. Selten. 8. M. H. 
Necrophorus humator, Goetze. Selten. 8. M. H. 
vespillo, L. 8. M. H. 
■- vestigator, Herschel. 8. M. H. 

investigator, Zett. Sehr selten. M. 
vespilloides, Hbst. 8. M. H. 
Hydnobius punetatissimus, Stph. Sehr selten. 
Liodes dubia, Kugel. 8. M. H. 
flavescens, Schmidt, 
ovalis, Schmidt. 8. 
rubiginosa, Schmidt. 
Colenis immunda, Sturm. 8. 
Auisotoma axillaris, Gyll. 8. M. H. 
glabra, Kugel. M. 
humeralis, Kugel. 8. M. H. 
castanea, Hbst. M. 
orbicularis, Hbst. M. 
Amphicyllis globus, F. 8. M. H. 
Agathidium atrum, Payk. 8. M. H. 

laevigatum, Er. 8. M. H. 
marginatum, Sturm, 
haemorrhoum. Er. 

XVI. Claiubiden. 

Cybocephalus politus, Gyll. Selten. 
Clambus pubescens, Redtb. Selten. M. 

XVII. Spliaeriiden. 

Sphaerius acaroides, Waltl. Zwischen Typha-Blättern. M. H. 

XVIII. Tricliopterygiden. 

Trichopteryx atomaria, Deg. Sehr häufig. 8. M. H. 

Von dieser Familie sind sicherlich noch mehrere Arten vorhanden, 
welche noch nicht beobachtet wurden. 



84 

XIX. Corylophiden. 

Corylophus cassidoides, Mrsh. Zwischen Typha-Blättern. 8. 

XX. Scapliidiiden. 

ScapMdium 4-maculatum, Ol. Selten. S. M. H. 
ScapMsoma agaricinum, L. S. M. H. 

boleti, Panz. M. 

assimile, Er. 

XXI. Phalacriden. 

Phalacrus corruscus, Payk. 8. M. H. 

caricis, Sturm. An Sumpfgras im Lauerholz. 8. M. H. 
substriatus, Gyll. 8. M. H. 
Olibrus corticalis, Panz. 8. M. H. 
aeneus, F. 8. M. H. 
bicolor, F. 8. M. H. 
millefolii, Payk. 8. M. H. 
Stilbus testaceus, Panz. 8. 
atomarius, L. 8. 
oblongus, Er. Im Frühjahr am Schilf bei der Herrenfähre. 

XXII. Erotyllden. 

Dacne bipustulata, Thunb. 8. M. H. 
Triplax russica, L. Selten. WI. 

■- aenea, Schall. Nur einmal in einem Pappelschwamm im Früh- 
jahr ein Kolonie von ca. 10 Stück gefunden. M. 
Cyrtotriplax bipustulata, F. Selten. M. H. 

XXUI. Eudomychiden. 

Mycetaea hirta, Marsh. Selten und zerstreut. 8. M. H. 
XXIV. Oryptophagiden. 

Thelmatophilus caricis, Ol. Sehr häufig. 8. M. H. 

typhae, Fall. Sehr häufig, 8. M. H. 
Antherophagus nigricornis, F. 8. M. H. 
silaceus, Hbst. 8. M. H. 
pallens, Ol. 8 M. H. 
Henoticus serratus, Gyll. Selten. 
Cryptophagus lycoperdi, Hbst. 8. M. H. 
setulosus, Sturm. M. 
cellaris, Scop. 8. M. H. 
-■ fuscicornis, Sturm. M. 



85 



Cryptophagus distinguendus, Sturm. M 

* = saginatus, Sturm. M. S. H. 

scanicus, L. 8. M. H. 

* = lapponicus, Gyll. 8. 

* - affinis, Sturm. M. 
Atomaria umbrina, Gyll. 8. M. H. 

prolisa, Er. 
■' uigripennis, Payk. M. 
pusilla, Payk. 8 M. H. 

* = atra, Hbst. M. 

mesomelas, Hbst. 8. M. H. 

* = fuscipes, Gyll. 8. M. H. 

XXV. Lathridiiden. 

Lathridius lardarius, Deg. 8. M. H. 
alternans, Mannh. M. 

* = rugicollis, Ol. M. 

* Coninomus constrictus, Gyll. M. 

Dodifer, Westw. Unter Baumrinde. 
Enicmus minuttis, L. 8. M. H. 

rugosus, Hbst. 8. M. H. 
transversus, Ol. 8. M. H. 

* Cartodere elongata, Curtis. 

* . filiformis, Gyll. 8. M. H. 

* Corticaria pubescens, Gyll. 8. M. H. 

impressa, Ol. 8. 
serrata, Payk. 8. M. H. 

* = elongata, Hummel. 8. M. H. 
Melanophthalma gibbosa, Hbst. 8. M. H. 

transversalis, Gyll. 8. M. H. 
fuscula, Hummel. 8. M. H. 

* = var. trifoveolata, Redtb. 

XXVI. Tritomiden. 

Triphyllus punctatus, F. 8. M. H. 

Litargus bifasciatus, F. M. 

Tritoma 4-pustulata, L. Häufig. 8. M. H. 

10-punctata, F. Selten unter Buchenrinde. H. 

atomaria, F. 8. M. H. 

* = picea, F. 8 M. H. 



* Tritoma multipunctata, Hellw. S. M. H. 
?* = fulvicollis, F. 

* -- 4-guttata, Müll. 
Typhaea fumata, L. S. M. H. 

XXVII. Micropepliden. 

Micropeplus porcatus, F. 

XXVIU. Nitidulideii. 

Cercus pedicularis, L. 8. M. H. 
Brachypterus gravidus, 111. 8. M. H. 

glaber, Newm. Selten. 8. M. H. 

urticae, F. 8 M. H. 
Carpophilus liemiptei'us, L. M. 

* Omosiphora limbata, F. 8. M. H. 
Epurea decemguttata, F. 8. M. H. 

aestiva, L. 8. M. H. 
melina, Er. 8. M. H. 
variegata, Hbst. 8. 
obsoleta, F. 8. M. H. 

* = pygmaea, Gyll. M. 

pusilla, 111. 8 M. H. 
? = florea, Er. (Vielleicht missdeutet?) 8. Selten. M. 
Nitidula bipustulata, L. 8. M. H. 
rufipes, L. 8 M. H. 
eamaria, Schall. 8. M. H. 
Omosita colon, L. 8. M. H. 

discoidea, F. 8. M. H. 

* Soronia punctatissima, III. M. 

grisea, L. 8. M. H. 
Pria dulcamarae, Scop. Selten. M. 
Meligethes coracinus, Sturm. Selten, 
coeruleovirens, Forst. M. 
brassicae, Scop. 8. M. H. 
viridescens, F. 8. M. H. 
symphyti, Heer. M. H. 
? = corvinus, Er. Selten. 

? = subrugosus, var substrigosus Er. 8. M. 

umbrosus, Sturm. 8. 
: flavipes, Sturm. 8. M. R. 

> ochropus, Sturm. Im September an Kreuzblumen. 8. M. H. 



87 

Meligethes difficilis, Heer. 

viduatus, Sturm. M. 

tristis, Sturm. An echium vulgare. 8. M. H. 
lugubris, Sturm. S. 

bidentatus, Bris. (Vielleicht missdeutet?) M. 
■■ erythropus, Gyll. M. 

? = hebes, Er. (Vielleicht von Skandinavien verschleppt.) 

* = pedicularis, Gyll. S. M. H. 
Pocadius ferrugineus, F. 8. M. H. 
Cychramus luteus, F. Selten. 8. M. H. 
Cryptarcha strigata, F. 8. M. H. 

imperialis F. Seltner als die vorige Art. 8. M. H. 
Ips 4-puuctatus, Ol. Ä. M. E. 

-. 4-guttatus, F. 8. M. R. 

-■ 4-pustulatus, L. M. 

-- ferrugineus L. Nicht häufig. 8. M. H. 
Rhizophagus depressus, F. »S^. M. H. 

* - cribratus, Gyll. 8. M. H. 

* -- ferrugineus, Payk. M. 

* : nitidulus, F. 8. M. H. 

dispar, Paj'k. M. 
bipustulatus, F. 8. M. H. 

XXIX. Trogositideii. 
Tenebrioides mauritauicus, L. M. 
? Ostoma ferrugineum, L. Nur ein Stück, vielleicht eingeschleppt. 
Thymalus limbatus, F. Im Winter unter der Fussborke der alten Eichen 
im Lauerholze. 

XXX. Colydiiden. 

Orthocerus muticus, L. Zahlreich an Flechten. 8. M. H. 
Cicones variegatus, Hellw. Sehr selten an Buchenschwämmen. M. 
Sinchitodes crenata, F. 8. M. H. 
Cerylon histeroides, F. 8. M. H. 

ferrugineum, Steph. M. H. 

deplanatum, Gyll. 
*? = evanescens, Reitt. (Wohl von Milde missdeutet.) 

XXXI. Cucujiden. 

Monotoma spinicollis, Aub. Bei Wesloe unter Buchenrinde nur ein 
Stück gefunden, 
picipes, Hbst. An der Ostsee. 8. M. H, 



XXXII. Byturiden (Trixagiden). 

Byturus rosae, Scop. 8. M. H. 
' sambuci, Scop. S. M. H. 

XXXIII. Demestiden. 

Dermestes vulpinus, F. Selten. M. 

* ■- Frischi, Kugel. (Vom Verfasser noch nicht gefunden.) 8. M. H. 

* = murinus, L. 8. M. H. 

* ■- undulatus, Brahm. M. 

laniarius, lUg. 8. M. H. 

atomarius, Er. Zahlreich am Ostseestrande. 8. H. 

bicolor, F. Selten. 

lardarius, L. 8. M. H. 
Attagenus pellio, L. 8. M. H. 

piceus, Ol. M. 
Megatoma (Apogramme) undata, L. Seh]- selten. M. 
Hadratoma marginata, Payk. M. 
Anthrenus pimpinellae, F. 8. M. H. 

scrophulariae, L. 8. M. H. 
■■ verbasci, L. M. 

museorum, L. 8. M. H. 

* Triuodes hirtus, F. 8. M. H. 

XXXIV. Cisteliden. 

* Syncalypta setigera, 111. M. 
Curimus mminus, F. M. 
Byrrhus pilula, L. 8. M. H. 

fasciatus, F. 8. M. H. 
■- var einctus, 111. 

pustulatus, Forst. M. 
Cistela (Cytilus) varia, F. 8. M. H. 
Pedilophorus aeneus, F. 8. M. H. 

nitens, Panz. M. 
Simploearia semistriata, F. 8. M. H. 

XXXV. Histeriden. 

Platysoma frontale, Payk. Unter Rinde von Eichen- und Eschen- 
stümpfen, ziemlich selten. 8. M. H. 

* ' compressum, Hbst. 8. M. H. 

* Hister unicolor, L. 8. M. H. 

-• cadaverinus, Hoffm. 8. M. H. 



Hister succicola, Thoms. An Schwämmen und Eichensaftausfluss nicht 
häufig. M. H. 
fimetarius, Hbst. 8. M. H. 
■ neglectus, Germ. M. 

carbonarius, 111. 8. M. H. 
ventrahs, Mars. 8. M. H. 
■■ purpurascens, Hbst. 5*. M. H. 
marginatus, Er. 

stercorarius, Hoffm. 8. M. H. 
*■ -- sinuatus, 111. (Nach Milde bei Lübeck.) 
qaadrinotatus, Scrib. Selten. 8. M. H. 
bissexstriatus, F. M. 

bimaculatus, L. Sehr selten, bei Wesloe. M. Nicht selten. 
12-striatus, Schrank. M. 
Paromalus flavicornis, Hbst. Sehr selten, am Fuss einer Eiche bei 

Genin. 8. M. H. 
Dendrophilus punctatus, Hbst. In Eichenmulm bei den Larven von 

Osmoderma eremita. M. 
Saprinus nitidulus, Payk. 8. M. H. 
ünmundus, Gyll. 8. M. H. 
aeneus, F. 8. M. H. 
rufipes var. arenarius, Mars. M. 
conjungens, Payk. M. 
quadristriatus, Hoffm. M. 
-' rugifrons, Payk. 5. M. H. 
metallicus, Hbst. M. H. 
Gnathoncus rotundatus, Kugel. Selten. S. 
Myrmetes piceus, Payk. Sehr selten, Wesloe, Brandenbaum. 
Plegaderus saucius, Er. Unter Kiefernrinde den Larven nachgehend. M. 

caesus, 111. Unter Eichenrinde. 
Onthophilus globulosus, Ol. Selten. S. 

Abraeus giobulus, Creutz. Selten unter Buchenrinde bei Wesloe. 
globosus, Hoffm. M. 

XXXVl. Lucaniden. 

Lucanus cervus, L. Sehr selten, doch bestimmt noch kürzlich bei Israels- 
dorf an Eichen und Eschen; bei Genin eine Larve gefunden. 
Dorcus parallelopipedus, L. S. M. H. 
Systenocorus caraboides, L. 5. H. 
Sinodendron cylindricum, L. 5. M. H. 



Vögel von Pontianak (West-Borneo) 

und anderen Gegenden des indomalayisehen Gebietes, 

gesammelt von 
Herrn Kapitän H. Storm für das Naturhistorische Museum zu Lübeck. 

Aufgezählt und besprochen 
von 

Professor Dr. Wilh. Blasius in Braunschweig. 



J-Lw Ende der achtziger Jahre und in der ersten Hälfte der neun 
ziger Jahre unseres Jahrhunderts hat Herr Kapitän H. Storm vom 
Dampfer „Lübeck," welcher u. A. durch die Überbriugung besonders alter 
und grosser lebendiger Orang-Utan's nach Europa und durch die Schilde- 
rungen, welche er über die Methode des Einfangens derselben gegeben 
hat, auch in weiteren Kreisen rühmlich bekannt geworden ist, ausser 
zahlreichen wertvollen zoologischen Sammlungen aus anderen Abteilungen 
des Tierreichs auch zahlreiche Vogelbälge aus dem indomalayisehen Ge- 
biete für seine Vaterstadt Lübeck gesammelt und dem dortigen Naturhisto- 
rischen Museum übermittelt. Der Leiter des genannten Museums, mein 
Freund, Herr Dr. Lenz, hatte die Güte mir diese ornithologischen Samm- 
lungen zum Zwecke der wissenschaftlichen Verzeichnung und Besprechung 
zuzusenden. Die meisten von den in Frage kommenden Vogelbälgen sind 
mit ganz genauer Heimats- Angabe versehen und stammen zum grössten 
Teile von Pontianak (West-Borneo), zum kleineren Teile von Klang 
(Malakka), je einzelne Arten auch von Singapore, Baujermassin (Süd-Ost- 
Borneo), Bulangan (Ost-Borneo), den Sulu-Inseln und Celebes; eine gewisse 
Anzahl derselben ist jedoch nicht mit ganz genauer Heimats-Bezeichnung 
versehen, vielmehr ohne besondere Angaben von kleinen Dampferfahrten 
in dem indomalayisehen Gebiete mitgebracht, die von Singapore aus- 
gehend verschiedene Hafenstädte auf verschiedenen Inseln des Gebietes 
berührten. Die Heimat dieser Vögel kann nicht mit unbedingter Sicher- 
heit, sondern nur vermutungsweise angegeben werden; doch stammen sie 
sicher sämtlich aus dem indomalayisehen Archipel zwischen Atjih (Nord- 
West-Sumatra) und der südlich davon gelegenen Insel Simalu im Westen, 



91 

ferner Süd-Malakka, Singapore, der Süd- und Ost-Küste Borneo's und den 
Sulu-Inseln im Norden, Gelebes im Osten und endlicli Surabaja (Java) 
im Süden. — Die in Betracht kommenden Dampferfahrten führten Herrn 
Kapitän H. Storm anfangs, etwa 1889/90, nur von Singapore an der nord- 
östhchen Küste der Nord- West-Hälfte von Sumatra entlang über Deli nach 
Atjih und Simalu, später, etwa 1890/91, von Singapore an der Stidküste 
von Borneo vorbei nach Celebes und den Sulu-Inseln, noch später, etwa 
1892, von Singapore durch die Java-See nach Surabaja auf Java und 
Banjermassin in Süd-Ost-Borneo. Hierbei wurde offenbar gelegentlich auch 
Bulangan in Ost-Borneo berührt. Die allerletzten Fahrten, etwa 1893/94, 
fanden nur zwischen Singapore und Pontianak statt. Die Vogelbälge sind 
auf diesen Reisen nicht etwa in präpariertem Zustande angekauft, viel- 
mehr von frisch erlegten Vögeln hergestellt, die entweder auf der Seefahrt 
selbst erbeutet oder bei dem Aufenthalt in den Hafenstädten am Lande 
erlegt oder von den Eingeborenen aus einem nahen Umkreise des Hafen- 
ortes frisch im Fleische überbracht sind. Bei Pontianak ist der Dampfer 
etwa 24 Stunden den Kapuas-Fluss hinaufgefahren und hat bei dieser 
Gelegenheit manche Stücke aus dem etwas weiteren lunenlande erworben. 
Die faunistischen Ergebnisse der Sammlungen dürften am Deutlichsten 
zu Tage treten, wenn ich im Folgenden getrennt behandele: I. Die zu- 
sammen 37 verschiedenen Arten angehörenden 73 Vögel von Pontianak 
(West-Borneo). IL Die Vögel von zwei anderen sicheren Stellen 
S.-O. u. 0. Borneo's; III., IV. und V. Wenige Vögel von Celebes, den 
Sulu-Inseln und Singapore (II bis V zusammen 12 Exemplare von 
5 verschiedenen Arten). VI. Die zusammen 9 verschiedenen Arten ange- 
hörenden 11 Vögel von Klang (Malakka) und VII. Die zusammen auf 
27 Arten sich verteilenden 33 Vögel aus anderen nicht ganz sicher 
bestimmten Gegenden des indomalayischen Gebietes, unter denen 
einige mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit auch von Pontianak, Banjer- 
massiu und Bulangan (Borneo), sowie Pulo Laut (im Süden von Borneo), 
andere fast sicher von der Insel Simalu bei Sumatra oder Atjih (Sumatra), 
andere mit grosser Wahrscheinlichkeit von Surabaja (Java), und Deli 
(Sumatra) stammen. — Besonders unter den vermeintlichen Simalu- Vögeln 
finden sich einige Arten (z B. Columba grisea und Carpophaga consobrina) 
von grosser Seltenheit. 

1. Vögel von Pontianak (West-Borneo). 

Die mir vorliegenden Vogelbälge sind z. T. schon kurz erwähnt iu 
den von der Direktion des Naturhistorischeu Museums in Lübeck heraus- 
gegebenen Jahresberichten des genannten Museums, wo z. B. in dem- 



92 

jenigen für 1893 (Lübeck 1894, 8«) auf Seite 8 bis 10 der fünf ersten 
Sendungen des Kapitäns H. Storm aus Pontianak gedacht ist. Auch in 
dem Jahresberichte für 1894 (Lübeck 1895, 8") werden auf Seite 8 bis 
10 neue Sendungen von Pontianak (West-Borneo) erwähnt, die sich aber 
zum grössten Teile auf Säugetiere und andere Tier-Abteilungen erstrecken. 
In diesen Teilen von West-Borneo ist, seitdem in älterer Zeit Georg 
Müller und Henrici dort gereist sind und Diard, von Kessel und 
Schwaner dort gesammelt haben, neuerdings verhältnismässig wenig 
ornithologisches Material für europäische Museen erworben worden, und 
soweit dies wirklich stattgefunden hat, wie z. B. auf den von ßüttikofer 
und Selenka ausgeführten Reisen, scheint dasselbe wissenschaftlich 
noch nicht bearbeitet zu sein. Es ist deshalb von nicht geringem Inter- 
esse, hier eine Aufzählung der durch den Kapitän H. Storm für das 
Naturhistorische Museum in Lübeck bei Pontianak gesammelten Vögel zu 
geben. Für manche Arten wird dadurch das Vorkommen in diesen 
Teilen West-Borneo's zuerst bekannt. Dass Storni bisweilen von Pontianak 
aus den Kapuas-Fluss mit seinem Dampfer eine Strecke aufwärts befahren 
hat, erwähnte ich schon. Alle Vögel stammen aber, wenn nicht aus der 
nächsten Nachbarschaft von Pontianak, mindestens von dem unteren 
Flusslaufe des Kapuas. 

Bei der Aufzählung folge ich der Anordnung und gebe die ent- 
sprechenden Citate des noch immer als Hauptwerk für die Vögel Borneo's 
geltenden Buches von Tommaso Salvadori: Catalogo sistematico degli 
Uccelli di Borneo con note ed oosservazioni di G. Doria ed 0. Beccari 
intorno alle Specie da essi raccolte nel Regiato di Sarawak (Annali del 
Museo civico di Storia naturale di Genova, Vol. V, Genova 1874, 
LH + 431 Seit. gr. 8" mit 6 color. Tafeln). Dabei werde ich regelmässig 
Bezug nehmen auf die letzte, die sämtlichen Vögel Borneo's, allerdings in 
anderer Reihenfolge, verzeichnende Arbeit von A. H. Everett: A List of 
the Birds of the Bornean Group of Islands (Journal of the Straits Brauch 
of the Royal Asiatic Society, Singapore, No. 20, 1889, 8», p. 91—212), 
welche wegen des neueren Datums und der beigegebenen Synonymie und 
Litteratur den Vorzug verdient vor A. G. Vor der man' s Liste des Oiseaux 
de Borneo (Batavia, Ernst & Co. 1886, S. A. aus Natuurkundig Tijdschrift 
voor Nederlandsch-Indie Bd. 46, S. 217 — 241). Die einzelnen neueren, die 
Vogelfauna von Borneo behandelnden Arbeiten von R. B. Sharpe, Brügge- 
mann, V. Pelzeln, Nicholson, Guillemard, Kutter, Grant, 
Everett, Vorderman, A. B. Meyer, Elliot, Hose, W. Blasius und 
Anderen werde ich nur ausnahmsweise erwähnen und eitleren. Dagegen 
werde ich die Stelle, an welcher über die betreffenden Arten in dem 



93 

neuesten und ausführlichsten, die gesamte Vogelwelt der Erde umfassen- 
den Werke, dem Catalogue of the ßirds in the Britisli Museum (London 
1874 ff. Vol. I— XXIII; XXV und XXVII) gehandelt wird, kurz an- 
führen, weil sich aus diesem Werke am Besten die Synonymie, die Ver- 
breitung und das Verhältnis der einzelnen Arten zu den nahe verwandten 
anderen Formen ersehen lässt. Daneben wird selbstverständlich auch 
das Citat der ersten Beschreibung der Art gegeben. 

1. Ninox scutulata (Rafft.) 

Strix scutulata Raffles, Aves Sumatra, Transact. Linn. Soc. London XIII p. 280. 1822. 

Ninos borneensis Salvadori, Uccelli di Borneo p. 18 sp. 20. 1874. 

Ninox scutulata Everett, Birds of the Bornean Group p. 179 sp. 401. 1889. 

Ninox scutulata Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. 11 p. 156. 1875 (partim). 

Ein Stück vom December 1892. „Malayisch Burong antu." 
Den Flügeln fehlen, offenbar durch Mauser oder Verletzung, die 
ersten Schwungfedern, sodass das relative Grössenverhältnis der Schwingen 
sich dem Auge nicht deutlich darbietet. Doch zeigen sich die längsten 
Schwungfedern (also die Flügelspitze) höchstens etwa 3 cm länger als die 
Mittelschwiugen , was für die kurzflügelige Form spricht, während bei 
japonica die Differenz etwa 6 cm, bei macroptera W. Blas, von Gross- 
Sanghir 5,7 bis 6,4 cm beträgt (vgl. Ornis, Jahrg. IV 1888, p. 545 — 555). 
Dass N. borneensis mit scutulata zu vereinigen ist, dürfte jetzt als fest- 
stehend angenommen werden können. Die langflügeligen Formen (japo- 
nica etc.) hat Sharpe 1875 dagegen mit Unrecht auch zu scutulata 
gezogen. — Die Färbung des vorliegenden Exemplars stimmt im Allge- 
meinen mit der von Sharpe (1. c. p. 163/4) gegebenen Beschreibung seiner 
Borneo -Exemplare überein. Die meisten Schwanzfedern zeigen nur ab- 
weichend davon bei dem vorliegenden Stücke deutlich 5 dunkle Binden 
und dabei 6 helle Bänder, von denen das letzte wenige Millimeter breit 
die Spitze der Feder vor der breiten dunklen Endbinde einnimmt und 
das erste an der Basis vielfach nur angedeutet ist. Die Masse sind: 

Long tot. (etwas zu gross gemessen) 27,0 cm; Ala 18,4; Cauda 10,3; 
Gulmen (Sehne der Firste vor der Wachshaut) 1,3; Rictus 2,6; Tarsus 2,3 cm. 

2. Scops lempiji (Horsf.) 

Strix lempiji Horsfield, Java-Birds, Transact. Linn. Soc. London XIII p. 140. 1821. 
Scops lempiji Salvadori, Uccelli di Borneo. p. 19 sp. 21. 1874. 

Everett, Birds of the Bornean Group p. 178 sp. 396. 1889. 

Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. II p. 91. 1875. 

Ein Stück im Dunenkleide, von 1893; im Allgemeinen mit einem 
etwas älteren und grösseren Exemplare im Nestkleide übereinstimmend, 
das Storm in Bulangan (Ost-Borneo) im Februar 1892 gesammelt hat, 



94 

und welches ich auch als Scops lempiji (Horsf.) glaube bezeichnen 
zu sollen. 

Die Bestimmung des Dunenbalges ist nicht leicht, da die Federn 
des Kopfes, des Rückens, der Flügel und des Schwanzes erst im Hervor- 
brechen sich befinden, und mir direktes Vergleichsmaterial an Dunen- 
jungen der für Borneo in Betracht kommenden Arten nicht zur Ver- 
fügung steht. — Zu Scops rufescens kann der Balg aber deshalb nicht 
gehören, weil schon das Dunenkleid viel stärker die rotbraune Färbung 
ausgeprägt zeigen müsste, die den ausgefärbten alten Individuen eigen ist 
und die ich z. B. an einem von der malayischen Halbinsel stammenden 
Balge des Braunschweiger Museums sehe. Im Ganzen stimmt das vor- 
liegende Exemplar recht gut mit der Beschreibung überein, welche Sharpe 
(1. c.) von einem Jugendkleide von Sc. lempiji giebt. Auch verhält sich 
die Färbung des betr. Dianen jungen zu derjenigen von Temminck's 
Abbildung der genannten Art (PI. Col. II pl. 99) ähnlich, wie ein Dunen- 
kleid, das ich von der Minahassa (Nord-Celebes) in dem Naturhistorischen 
Museum besitze, zu den ausgefärbten Kleidern von Scops menadensis 
(Qu. u. G.) und Scops magicus (S. Müll), die ihrerseits in der Färbung 
wiederum Sc. lempiji nahe stehen. — Sowie Scops rufescens wegen 
der dieser Art eigenen rotbraunen Färbung ausgeschlossen zu sein scheint, 
so dürfte auch die dritte von Everett für die Borneo-Gruppe angeführte 
Art Scops everetti wegen der dunklen Färbung nicht in Betracht 
kommen. — So gelangt man bei dem vorliegenden Balge durch Analogie 
und Ausschluss zu der obigen Bestimmung. — Während Scops rufescens 
schon von Diard bei Pontianak gefunden worden ist, scheint in der 
Litteratur sich bis jetzt keine Angabe über das Vorkommen von Scops 
lempiji bei Pontianak zu finden. 

Die wichtigsten Masse des Dunenjungen sind die folgenden: 

Long tot. 13,5 cm; Ala 6,8; Cauda 1,4; Culmen (Sehne der Firste 
vor der Wachshaut) 1,0; Rictus 1,8; Tarsus 2,4 cm. 

Das andere Exemplar im Nestkleide hat bedeutend grössere Dimen- 
sionen, ist jedoch noch nicht in allen Teilen ausgewachsen. Die Masse 
eines ausgewachsenen Männchen (und eines anderen Stückes) giebt 
Vorderman (Nat. Tijdsch. v. Ned. Indie Bd. 42 S. 192, 1883 und 50 
S. 380, 1891) folgendermassen an: Long tot. 19,7; Ala (13,8—) 14,3; 
Cauda (6,9 — ) 7,0; Tarsus 2,7 ( — 2,9) cm etc. 

3. Bubo orientalis (Horsf.) 

Ötrix Orientalis Horsfield, Java-ßirds, Transact. Linn. Soe. London XllI p. 140. 1821. 
Bubo sumatranus Salvadori, üccelli di Borneo p. 19 sp. 23. 1874. 
Bubo Orientalis Everett, Birds of tlie Bornean Group p. 178 sp. 395. 1889. 
Sharpe, Cat. Birds Brit, Mus. II p. 39. 1875. 



95 

Ein Balg im Dunenkleide, von 1893. 

Das Exemplar stimmt ungefähr mit Sharpe's Beschreibung vom 
Jugendkleide und mit der Temminck'schen Abbildung eines solchen 
(PI. Col. II pl. 229) überein. 

Das Vorkommen dieser Art bei Pontianak war ja im höchsten Grade 
wahrscheinlich, seheint jedoch in der Litteratur bisher noch nicht ver- 
zeichnet za sein. — Die Masse sind: 

Long tot. 53 cm; Ala 33; Cauda 17,3; Culmen (Sehne der Firste 
vor der Wachshaut) 2,8; Rictus 4,3; Tarsus 4,8 cm. 



4. Harpactes diardi (Temm.) 

Trogon diardi Temminck, PI. Col. 541. 1832. 

Pyrotrogon diardi Salvadori, Uccelli di Borneo p. 28, sp. 32. 1874. 

Harpactes diardi Everett, Birds of the ßornean Group p. 166 sp. 348. 1889. 

W. R. Ogilvie-Grant, Cat. Birds Brit,. Mus. XVII p. 482. 1892. 

Zwei Bälge a. cf; b 9, beide von 1893. 

Das männliche Exemplar hat wiederum, wie alle bisher von mir 
untersuchten Borneo -Exemplare, eine vollständig dunkel purpurfarbene 
Zeichnimg des Oberkopfes (vgl. meine Bemerkungen über 13 von Platen 
bei Jambusan, Sarawak, gesammelte Männchen dieser Art in dem Jahres- 
berichte des Vereins f. Naturwiss. zu Braunschweig für 1880/1, S. 110/1; 
S. A. Braimschweig. 1881. S. 4/5). Genau dieselbe Färbung des Kopfes zeigt 
die Abbildung des typischen Exemplars, das offenbar von Diard auch 
bei Pontianak (W. Borneo) gesammelt ist, bei Temminck (PI. Col. V 
pl. 541. 1832). Die abweichenden Stücke von der Malayischen Halbinsel 
und Sumatra, welche nur am Hinterkopf eine dunkel- purpurrote Fär- 
bung des schwarzen Kopfes besitzen, können als Vertreter einer Lokalrasse 
oder Subspecies angesehen werden, für welche ich den Namen Har- 
pactes diardi sumatranus in Vorschlag bringe. Die Bemerkung von 
Ogilvie-Grant (1. c), dass nur einige Borneo -Exemplare eine weitere 
Ausdehnung des Rot vom Hinterkopf bis zur Firste zeigen, halte ich 
nicht für richtig; auch glaube ich, dass der Schlüssel desselben zur Be- 
stimmung der Harpactes-Arten verbesserungsfähig ist, da die vorliegende 
Art keine Spur von einem weissen Brustbande zwischen dem Schwarz 
der Kehle und Vorderbrust und dem Rot der übrigen Unterseite besitzt. 

Die Stücke sind mit Storm's vierter Sendung von Pontianak nach 
Lübeck gelangt und als Harpactes diardi bereits im Jahresberichte des 
Naturhist. Museums in Lübeck für 1893 (Lübeck 1894, S. 10) erwähnt. 



t 



• 96 

5. Harpactes kasumba (Eaffl.) 

Trogon kasumba EafHes, Aves Sumatra, Transact. Linn. Soc. London XIII p. 282. 1822. 
Pyrotrogon kasumba Salvadori, Uccelli di Borneo, p. 29 sp. 33. 1874. 
Harpactes kasumba Everett, Birds of the Bornean Group p. 166 sp. 349. 1889. 

W. E. Ogilvie-Grant, Cat. Birds Brit. Mus. XVU p. 483. 1892. 

Drei Exemplare, sämmtlich Männchen und von 1893. 

Dieselben sind mit Storm's vierter Sendung von Pontianak nach 
Lübeck gelangt und als Harpactes kasumba bereits im Jahresberichte des 
Naturhist. Museums in Lübeck für 1893 (Lübeck 1894 S. 10) erwähnt, 
womit das Vorkommen dieser Art bei Pontianak zuerst in der Litteratur 
nachgewiesen zu sein scheint. 

6. Chotorhea versicolor (Raffl.) 

Bucco versicolor, Raffles Aves Sumatra, Transact. Linn. Soc. London XIII p. 284. 1822. 
Chotorea versicolor Salvadori, Uccelli di Borneo p. 33 sp. 38. 1874, 
Megalaema versicolor Everett, Birds of the Bornean Group, p. 167 sp. 353. 1889. 
Chotorhea versicolor G. E. Shelley, Cat. Birds Brit. Mus. XIX p. 59. 1891. 

Zwei Bälge, a und b, von 1894. 

Beide sind ausgefärbt und zeigen in der Färbung des Kopfes, 
Halses und Rückens genau wieder die Charaktere, welche ich bisher an 
allen in meine Hände gelangten Borneo -Exemplaren dieser Art sah, und 
welche mir Veranlassung gaben eine Varietät: borneensis zu unter- 
scheiden (vgl. W. Blasius, Vögel von Borneo etc. in den Verhandl. der 
k. k. zooLbot. Gesellsch. Wien XXXHI 1883, p. 25, S. A. p. 27). Everett 
sowohl, als auch G. E. Shelley haben (1. c.) versichert, dass sich diese 
Unterschiede bei der Vergleichung einer grösseren Reüie von Bälgen jener 
Art von der Malayischen Halbinsel, Sumatra und Borneo nicht bestätigen, 
weshalb ich bis auf Weiteres von der Wiederholung meines Varietät- 
Namens Abstand nehme. 

Die Art war in der Litteratur bisher noch nicht von Pontianak 
erwähnt und ist durch Kapitän H. Storm zuerst für diese Gegend nacli- 
gewiesen. 

Ich füge noch die hauptsächlichsten Masse hinzu: 
Long tot. Ala Cauda Culmen Rictus Tarsus 

a. 31,5 12,0 7,8 4,1 5,4 3,0 cm 

b. 26,5 11,9 7,4 4,6 5,7 2,9 • 

7. Hemilophus pulverulentus (Temm.) 

Picus pulverulentus Temminck, PI. Col. pl. 389. 1826. 

Alophonerpes pulverulentus, Salvadori, Uccelli di Borneo p. 51 sp. 55. 1874. 
MuUeripicus pulverulentus Everett, Birds of the Bornean Group p. 156 sp. 305. 1889. 
Hemilophus pulverulentus Edward Hargitt, Cat. Birds Brit. Mus. XVIII p. 494. 1890. 
Zwei Exemplare, nach der Färbung des Kopfes weiblichen Ge- 
schlechts: a. Januar 1893; b. 1893. 



97 

Beide Stücke zeigen sich in dem charakteristischen Kleide ausge- 
wachsener Weibchen. Das erste Exemplar befand sich in Kapitän Storm's 
erster Sendung aus Pontianak und wurde schon in dem Jahresberichte 
des Naturhist. Museums in Lübeck für 1893 (Lübeck 1894, S. 9) als 
Hemilophus ■ pulveruleutus aufgeführt, womit die Art zum ersten Male in 
der Litteratur als bei Pontianak vorkommend nachgewiesen war. Eine 
Bemerkung, welche Hargitt (1. c. p. 496) bei Erwähnung von Sumatra 
als einem Teile des Verbreitungs-Gebietes hinzufügt, lässt darauf schliessen, 
dass er das Vorkommen der Art auf Sumatra als etwas zweifelhaft an- 
sieht; doch, abgesehen von neueren Funden, giebt schon Temminck bei 
seiner ersten Beschreibung der Art an, dass dieselbe auf Java und Sumatra 
vorkomme. Auf letzterer Insel war dieselbe von Duvaucel nachgewiesen. 

Ich füge die wichtigsten Masse hinzu: 
Long. tot. Ala Cauda Culmen Rictus Tarsus 

a. 54,6 23,6 17,5 6,5 7,3 c. 4,0 cm 

b. 51,5 23,2 18,6 5,9 6,7 3,8 = 



8. Thriponax javensis (Horsf.) 

Picus javensis Horsfield, Java Birds, Transact. Linu. Soc. London XIII p. 175. 1822. 
Thriponax javensis Salvador!, Uccelli di Borneo p. 52 sp. 56. 1874. 

Everett, Birds of the Bornean Group p. 157 sp. 306. 1889. 

Edward Hargitt, Cat. Birds Brit. Mus. XVIII p. 498. 1890. 

Zwei Exemplare, a vmd b, von 1893, die auf der Etikette als „männ- 
lich" bezeichnet sind, die aber die charakteristische Färbung der Weibchen 
haben. Es wird, soweit ich sehe, durch diese Exemplare zuerst das Vor- 
kommen der Art bei Pontianak in der Litteratur nachgewiesen. — Bei b 
sind die hellen Ränder an den schwarzen Brustfedern breiter und deut- 
licher entwickelt, als bei a. Die Masse sind: 

Long. tot. Ala Cauda Culmen 

a. 50,0 23,0 16,8 5,3 

b. 49,0 22,7 16,5 5,25 
Es ergiebt sich hieraus, dass es sich um verhältnismässig grosse 

Exemplare handelt, wenn auch die Totallänge in Folge der Präparation 
zu gross erscheint. Dabei bestätigt die bedeutende Grösse des Schnabels 
und der Flügel von Neuem die konstante relative Grössen-Differenz, welche 
ich zwischen der Hauptform rmd den auf den Sulu-Inseln vorkommenden 
Rasse früher feststellen konnte (vgl. Journ. f. Ornith. 1890, S. 140). 

7 



Rictus 


Tarsus 


6,0 


3,7 


5,85 


3,6 



9. Carpococcyx radiatus (Temm.) 

Calobates radiceus Temminek, PI. Col. V pl. 538. 1832. 
radiatus Temminek, Tabl. Möth. p. 53. 1838. 
Carpococc3'x radiatus Salvadori, Uccelli di Borneo p. 76 sp. 82. 1874. 

Everett, Birds of the Bornean Group p. 175 sp. 384. 1889. 

G. E. Shelley, Oat. Birds Brit. IVIus. XIX p. 414. -1891. 

Drei Exemplare: a. 1892 ohne Geschlechtsangabe; b. Januai' 1893 
als cf bezeichnet; c. 1894 als 9 bezeichnet. 

Die beiden ersten Stücke sind in der ersten Sendung des Kapitäns 
H. Storni nach Lübeck gekommen und schon in dem Jahresberichte des 
Naturh. Museums in Lübeck für 1893 (Lübeck 1894 S. 9) erwähnt. Das 
der Temminck'schen Beschreibung zu Grunde gelegte Exemplar stammte 
gleichfalls von Pontianak und war von Diard dort gesammelt; der Sammler 
hatte das typische Stück als Weibchen bezeichnet und hinzugefügt, dass 
sich die Männchen durch einen fast doppelt so grossen Scliwauz von den 
Weibchen unterschieden. Die Masse dieses typischen Exemplares sind 
nach Temminek (übersetzt in Metermass): Long tot. 57 cm; Gauda 32,5 cm. 
Schlegel gab später im Museum des Pays-Bas (Cuculi S. 60) einige 
Masse desselben Stückes, in Metermass übertragen, in folgender Weise an: 
Ala 25,3; Cauda 30,2 5; Tarsus 9,4 5 cm. — Bei der Besprechung eines in 
das Braunschweiger Museum gelangten Balges dieser Art, welchen Fritz 
Grabowsky in Süd-Ost-Borneo gesammelt hatte, habe icli eine ausführliche 
Darlegung über die Gattungs-, Art- und Alters-Unterschiede gegeben (vgl. 
W. Blasius, Vögel von Boi'neo etc. in den Verhandl. d. k. k. zoolog.-botan. 
Gesellsch. Wien XXXIII. 1883. S. 34—39; S. A. S 36-41). Es ergab 
sich dabei, dass das Männchen dieser Art mit Sicherheit noch nicht be- 
kannt geworden ist Inzwischen habe ich in verschiedenen Sammlungen 
weitere Exemplare derselben durchmustert, ohne in dieser Beziehung zu 
einem bestimmten Ergebnisse gekommen zu sein. Im Königsberger 
Museum verglich ich ein zweites von Fritz Grabowsky gesammeltes Exem- 
]:)lar, welches die Aufschrift trug: „Nr. 241. Geschlecht nicht zu er- 
kennen. Local-Name „Bubut lai." Augeu 13 mm; Iiis graubraun. Beine 
hellgrau. Schwanz überragt die Flügel um 18,5 cm. Schnabel und Haut 
um die Augen grünlichgrau. Der herauspräparierte Kadaver 13 cm laug, 
6,5 cm breit und 7,5 cm hoch, sowie mit 11 cm laugem Halse. Lihong 
Bahaja, Süd-Ost-Borneo, 20. Januar 1882." Dies Stück war überall voll- 
ständig ausgefärbt, ähnlich wie das Exemplar im Braunschweiger Museum. 
Abweichend von demselben zeigte sich jedoch jederseits die 6. Hand- 
schwinge als die längste, wie in Gray und Mitchell's „Genera of Birds" 
als Gattungs -Charakter augegeben ist, während Temminek entsprechend 



99 

dem Verhältnisse bei dem anderen von Grabowsky gesammelten Stücke 
des Braunschweiger Museums die 7. Handschwinge als die längste an- 
giebt. Offenbar scheint die 6., 7. oder 8. Schwinge die Spitze des im 
Ganzen sehr stumpfen Flügels bilden zu können. 

Bei den drei Pontianak-Bälgen , die sämtlich ausgefärbt sind und 
sich wenig von einander unterscheiden, fällt mir im Ganzen die etwas 
schlankere, ein wenig niedrigere und weniger gebogene Gestalt des 
Schnabels auf, was sich allerdings in Zahlen bei den Messungen des 
Schnabels sehr schwer ausdrücken lässt. Die Form der Nasenlöcher ist 
überall eine ähnhche; sie bilden eine Spalte, die sich nach vorn und 
medianwärts nach oben krümmt. Bei dem Balge c ist dies Verhältnis 
olfenbar dadurch verschleiert, dass bei demselben ein Faden durch beide 
Nasenlöcher gezogen ist, welcher die zarte deckende Hornplatte grössten- 
teils zerstört hat. Obgleich b als „d" und c als „Q" bezeichnet ist, 
scheint es mir, als ob die drei durch Kapitän H. Storm eingesandten 
Bälge kaum die Frage des Geschlechts-Uuterschiedes zu lösen vermögen. 

Um für spätere diesbezügliche Untersuchungen eine bessere Grund- 
lage 7A1 bieten, will ich im Folgenden die wichtigsten Masse der drei 
)Storm'schen Bälge zusammen mit den Ausmessungen der von mir unter- 
suchten zwei Grabowsky'schen Exemplare geben; wobei ich die oben er- 
wähnten Masse des typischen Exemplars hinzufüge, soweit sie in der 
Litteratur verzeichnet stehen. 





(jBschlecht Long. tot. 


Ala 


Clinda 


Cnlmeu 


Rictus 


Tarsus 


Digit. 
med. 


ant. 
int. 


Storni a. 


. . (?) c. 65 


24,8 


30,5 


4,9 


6,0 


8,4 


5,3 


4,0 CUl 


- V 


. . „c?"(?9)c. 64 


25,2 


31,6 


4,9 


5,9 


c. 9.0 


5,4 


4,0 . 


■- c. 


. . „9"(?(?)c. 74 


27,2 


33,0 


4,9 


6,0 


9,2 


5,9 


4,3 = 


Oral)o\vsky \ 


jus. Bruiisv. „ 9 " c. 56 


25,5 


31,5 


4,8 


5,6 


8,2 


c. 5,6 e 


.3,8 = 




= Kegiom. (?) 63 


25,5 


29,8 


5,2 


6,0 


9,25 


6,1 


3,9 . 


Typus Jlns. 


Lugd. „9"*) 57 


25,3 


30,2 5 


**\ 




9,45 







Wenn wirkhch die bedeutendere Grösse des Schwanzes (vielleicht 
zusammen mit bedeutenderer Grösse des Flügels) für das männliche Ge- 
schlecht charakteristisch sein soll, so würde man am Ehesten geneigt sein, 
Storm's Balg c für ein d* zu halten, obgleich dies als „9" bezeichnet ist. 
Das als „d"' bezeichnete Stück b andererseits unterscheidet sich kaum 
erheblich in den Massen von dem Balge, welchen Fr. Grabowsky nach 
genauer anatomischer Untersuchung als „Q" bezeichnet hat. — Bemerkt 
mag noch werden, dass an dem Balge b die beiden Mittelzehen im Leben 
verletzt gewesen und offenbar schief zusammengeheilt sind. 



') Von «chlegel später als „cf" bezeichnet. 

") Von Temminck anfangs mit douzes pouces = 32,5 cm angegeben. 

7* 



100 

10. Anorrhinus galeritus (Temm.) 

Buceros galeritus Terominck, PI. Col. pl. 620. 1824. 

Anorrhinus galeritus Salvadori, Uccelli di Borneo p. 79, sp. 85. 1874. 

Everett, Birds of the Bornean Group p. 163 sp. 336. 1889. 

W. R. Ogilvie Grant, Cat. Birds Brit. Mus. XVII p. 391. 1892. 

Drei Exemplare: a. d ad; h. d jun. und c. 9 jun., sämtlich im 
Januar 1893 erlegt, letzteres am 20. Januar 1893. 

Die Vögel sind bereits iin Jahresberichte des Naturhistorisehen 
Museums in Lübeck für 1893 (Lübeck 1894 S. 9) erwähnt. 

Beide Männchen (a und b) haben eine bräunhche Unterseite, ähn- 
lich wie solche in der Temminck'schen Original-Abbildung an einem nicht 
ganz alten männlichen Individuum dargestellt ist. Das AV eibchen c da- 
gegen ist viel dunkler, fast schwarz, unterseits gefärbt, die Federn z. T. 
mit bräunlichen Rändern. Schon Temminck führt an, dass das Weibchen 
ein schwärzeres Gefieder besitzt. 

In der Färbung des Schnabels liegen hauptsächlich die Kennzeichen 
für das Alter: Das alte Männchen a hat einen ganz schwarzen Schnabel, 
das junge Männchen b bei sonst schwärzhcher Färbung eine helle Spitze 
des Schnabels, das junge Weibchen dagegen einen an der Spitze zur 
Hälfte weisslichen Schnabel, in der eigentümlichen Abgrenzung zwischen 
Weiss und Schwarz, wie solche wiederholt beschrieben ist (vgl. W. Blasius 
und A. Nehrkorn, Beiträge z. Vogelfauna von Borneo, S. A., 1881. S. 21). 

Letzteres ähnelt sehr einem im Braunschweiger Museum befindlichen 
von Platen bei Sarawak gesammelten weiblichen Exemplare. Es mögen 
noch die Masse der drei Bälge von Pontianak folgen: 

Long. tot. Ala Cauda Culmen Hornlänge Rictus Tarsus 

a. c. 74,0 33,8 28,7 12,6 7,9 12,4 c. 4,3 cm 

b. c. 77,8 32,4 26,8 12,9 c. 8,4 12,4 c. 4,4 . 

c. c. 72,3 33,0 28,2 11,9 7,o 11,9 c. 4,2 = 



11. Anthracoceros convexus (Temm.) 

Buceros convexus Temminck, PI. Col. pl. 530. 1832. 

Hydrocissa convexa [et albirostris (partim)] Salvadori, Uccelli di Borneo p. 81 [u. 82] 

sp. 86 [u. 87]. 1874. 
Anthracoceros convexus Everett, Birds of the Bornean Group p. 162 sp. 329. 1889. 

W. R. Ogilvie Grant, Cat. Birds Brit. Mus. XVII p. 364. 1892. 

Zwei Exemplare: a. d Januar 1893; b. 9 November 1893. 

Das erste Stück ist bereits unter dem Namen „Hydrocissa albirostris" 
in dem Jahresberichte des Naturhistorischeu Museums in Lübeck für 1893 



101 

(Lübeck 1894 S. 9) erwähnt worden, womit, allerdings unter einem nicht 
ganz unzweideutigen Namen, die Art zuerst von Pontianak (West-Borneo) 
in Bälgen nachgewiesen worden ist. Schlegel erwähnt im Museum des 
Pa^'s-Bas (Buceros p. 7) allerdings schon eines von Diard bei Pontianak 
gesammelten Skeletts dieser Art. — Die Synonymie von albirostris ist 
eine zweifelhafte. Ich selbst habe früher, wie ich jetzt einsehe, mit Un- 
recht die vorliegende Art zweimal als Hydrocissa albirostris (Shaw) auf- 
geführt, nämlich bei der Erwähnung eines von Platen in Sarawak (Borneo) 
gesammelten Stückes (Journ. f. Ornith. 1882. S. 247) und bei der Be- 
schreibung eines anderen Stückes, das Fritz Grabowsky bei Tumbaug 
Hiang (Borneo) erlegt hatte (Verhandl. d. k. k. zool.-bot. Gesellsch Wien 
XXXIII 1883. S. 40, S. A. S. 42). Beide Male folgte ich der Salvadori- 
schen Bezeichnung und Unterscheidung (Uccelh di Borneo p. 82), und 
zwar, wie ich jetzt glaube, mit Unrecht, da Salvadori ausser Hydrocissa 
albirostris (Shaw), für welche Art der Name malabaricus (Gmel.) die 
Priorität hat, den aber Salvadori wegen des geographischen Fehlers ver- 
wirft, noch Hydrocissa convesa (Temm.) unterscheidet. — Es bedarf noch 
der Aufklärung, in wie fern die Borneo-Bälge, welche Salvadori vorlagen, 
der einen oder andern aufgeführten Art angehört haben, die sich beide 
einander ausserordentlich ähnlich sind. Salvadori hebt ausdrücklich her- 
vor, dass er bei jeder dieser beiden Arten Exemplare mit ganz weissen 
äusseren Schwanzfedern beobachtet habe und solche, bei denen die Basis 
der äusseren Schwanzfedern schwarz und nur die Endhälfte weiss sei, und 
glaubt, dass diese Verschiedenheiten das Zeichen verschieden vorge- 
schrittenen Alters seien. Nun wird aber bei der Original -Beschreibung 
und Abbildung beider Arten gerade hierauf mit ein besonders grosser 
Wert gelegt: Gmelin beschreibt malabaricus (Liune's Syst. Nat. Edit. XIII 
1788. Vol. I. S. 359): „crissum, remiges, rectricesque exteriores apice 
albae." Die Abbildung, welche Temminck (PL col. 530) von Buceros 
convexus giebt, zeigt bis zur Basis rein weisse äussere Schwanzfedern, 
wobei allerdings erwähnt werden muss, dass der beschreibende Text sich 
nicht genau in demselben Sinne ausspricht. Aber die späteren mono- 
graphischen Bearbeiter der Bucerotidae haben diesen Unterschied aufrecht 
erhalten; so sagt Alph. Dubois in seiner Revue criticjue des Oiseaux de 
la famille des Bucerotides (Bull, du Musee Royal Belgique T. III. 1884. 
p. 197 u. 198): Buceros convexus: „Rectrices laterales -blanches." — 
Buceros malabaricus: „Rectrices medianes noires dans toute leur 
etendue, les laterales noires avec leur tiei's terminal blanc." — Ogilvie 
Grant giebt in seiner Übersicht der Species von Anthracoceros (Cat. 
Bu'ds Brit. Mus. XVII p. 361) etwa folgenden Bestimmmigsschlüssel: 



102 

I. Mittlei'es Paar Schwanzfedern schwarz oder schwarz mit weisser Spitze. 
A. Äussere Schwanzfeder-Paare ganz weiss. 

a. Hörn mit grossem schwarzen Flecken: corouatus 

b. = ' massig grossem schwarzen 

Flecken vorn: convexus 

ß. Äussere Schwanzfeder-Paare schwarz mit 
weissen Enden. 

c. Brust und Leib schwarz malaj^auus 

d. = - -- weiss malabaricus (u.affinis) 

IL Alle Schwanzfedern rein weiss montani. 

Nach diesen Unterscheidungs- Merkmalen muss ich die von mir 
früher als albirostris (Shaw) bezeichneten Bälge und auch die vorliegen- 
den von Pontianak nunmehr als convexus bezeichnen. Es dürfte wohl 
der Mülie wert sein, zukünftig diese Frage weiter im Auge zu behalten, 
und zu prüfen, ob nicht doch vielleicht Salvador! mit seiner Meinung, 
dass die verschiedene Färbung der Schwanzfedern nur als Altersver- 
schiedenheit aufzufassen ist, Recht behält, da der genannte italienische 
Gelehrte in diesen Fragen einen ausserordentlich scharfen Blick zu be- 
sitzen pflegt. — Jedenfalls lagen Salvador! auch Exemplare mit schwarz- 
weissen äusseren Schwanzfedern von Borneo vor, die wohl mit Recht als 
malabaricus bezeichnet werden können. Daher ist es nicht als richtig 
anzusehen, dass Ogilvie Grant bei der Synonymie von Anthracoceros 
malabaricus vollständig Salvadori's Hydrocissa albirostris auslässt und 
ebenso die Verbreitung dieser Art über den malayischen Archipel voll- 
ständig unerwähnt lässt. — Alph. Dubois lässt andererseits offenbar 
mit mein- oder weniger Recht malabaricus auch in Borneo, Java und 
Sumatra vorkommen, hauptsächlich auf Schlegel's Autorität hin. 
Wünschenswert würde es sein, dass die im Leydener Museum befind- 
lichen Anthracoceros -Exemplare von Neuem einer gründlichen Revision 
unterzogen würden. Neuerdings hat C. Hose die Art A. malabaricus aus- 
drücklich von Neuem im Baram- Distrikt (Borneo) nachgewiesen (Ibis, 
1893 S. 410). Auch Everett führt A. malabaricus für Borneo an, zieht 
aber hierher noch zahlreiche Angaben, die grö.sstenteils auf convexus be- 
zogen werden müssen. Auch hier ist eine Sichtung erforderlich. 

Was die beiden von Pontianak vorliegenden Bälge anbetrifft, so 
haben sie mit Ausnahme des ganz schwarzen mittleren Paares rein weisse 
Schwanzfedern; das c? (a) hat ein viel grösseres Hörn und an der Firste 
sowohl, wie an den Rändern am Ober- und Unterschnabel keine erheb- 
liche schwarze Färbung. Das $ (b) dagegen hat ein viel kleineres Horu 
und schwarze Färbung der Firste und Schuabel-Ränder. Ich kann hier 



103 

eines ähnlich gefärbten Weibchens derselben Art Erwähnung thun, welches 
von Fritz Grabowsky bei Telang (Süd-Ost-Borneo) gesammelt ist und sich 
jetzt im Braunschweiger Museum befindet. Dasselbe ist folgendermassen 
bezeichnet: „Nr. 225 $. Name „Taliang." Augen 12 mm. Iris braun. 
Beine aschgrau. Schwanz überragt die Flügel um 21,5 cm. Nackte Haut- 
stellen weiss mit schwachem Blau um Auge und Schnabelwurzel. Der 
herauspräparierte Kadaver 19 cm lang, 9,-5 bezw. 6,5 cm breit und 6,5 
bezw. 5 cm hoch, Hals desselben 14,5 cm lang und 2,5 cm dick. 
Telang, Borneo, 28. Dezember 1881." Dieses Exemplar ähnelt dem 
Weibchen von Pontianak sehr, nur ist das letztere etwas kleiner, hat eine 
etwas höhere Erhebung des Hernes und eine grössere Zuschärfung der 
Ploruspitze; auch ist die Ausbreitung der schwarzen Färbung an der 
Spitze und Firste des Oberschnabels eine grössere. Bei beiden weiblichen 
Bälgen sieht man noch deutlich den rötlichen Fleck, welcher beiderseits 
vor dem schwarzen Flecken an der Basis des Unterkiefers liegt. 
Die Ausmessungen der beiden Pontianak-Bälge sind folgende: 
Long. tot. Ala Cauda Culmen*) Hornlänge ßictus Tarsus 

a. c. 87,0 31,2 29,0 20,7 14,0 15,0 c. 5,3 cm 

b. c. 76,5 29,0 27,5 14,2 8,6 12,8 c. 5,0 = 

12. Anthraeoceros malayanus (Rafft.) 

Buceros malayanus ßaffles, Aves Sumatra, Transact. Linn. Soc. London XIII p. 292. 1822. 
Hydrocissa malayana + nigrirostris Salvadori, üccelli di Borneo, p. 83 u. 84 sp. 88 u. 

89. 1874. 
Anthraeoceros malayanus Everett, Birds of the Bornean Group p. 162 sp. 3.31. 1889. 
W. R. Ogilvie Grant, Cat. Birds Brit. Mus. XVII p. 368. 1892. 

Ein Exem])lar, als 9 bezeichnet, vom Januar 1893 mit kleinem 
schwarzen oder wenigstens schwärzlich graubraunen Schnabel. 

Auf (jrrund von Salvador!' s Autorität habe ich . diese Form früher 
als nigrirostris (Blyth) aufgeführt und von malayanus (RafH.) unterschieden 
(vgl. W. Blasius und A. Nehrkorn, Beiträge z. Vogelfauna von Borneo 1881. 
p. 22). Es fehlt mir an Material, die Frage der Artselbständigkeit von 
nigrirostris (Blyth) irgendwie zu fördern. Da aber die neuereu mono- 
graphischen Bearbeitungen der Bucerotidae beide Formen unter dem 
älteren Namen malayanus vereinigen, und auch Büttikofer die schwarz- 
schnäbelige Form als malayanus Q aufführt, so schliesse ich mich dem 
vorläufig an. — Auf einen Druckfehler möchte ich bei dieser Gelegenheit 
aufmerksam macheu, der in Alph. Dubois' Revue critique sich bei 
dieser Art findet: Die Temminck'sche Tafel von „Buceros antracicus" in 



*) Gerade Entfernung von dem hinteren Ende des Hornes bis zur Schnabelspitze. 



104 

den Plauches Coloriees trägt uiclit die Nummer 592, sondern 529. — 
Das vorliegende Exemplar ist sehr ähnlich dem von Platen in Sarawak 
gesammelten Weibchen des Braunschweiger Museums, nur ist der Schnabel 
und das Horu erheblich kleiner und das Hörn nach vorn nicht zuge- 
spitzt, sondern in fast senkrechter Linie abgestutzt. Auch sind die Super- 
ciliarstreifen nicht weiss, sondern nur schwärzlich-grau und vereinigen sich 
nicht im Nacken, sondern sind nur etwa 5 cm weit nach hinten an den 
Seiten des Kopfes zu verfolgen. Eine ähnliche Färbung zeigen auch die 
Federn, welche das Auge nach hinten und unten umgeben, ähnlich wie 
dies bei einem von Platen in Sarawak gesammelten Männchen im Braun- 
schweiger Museum mit grossem wachsgelben Schnabel und vorn zuge- 
spitztem Hörn zu sehen ist. Die wichtigsten Masse sind: 
Long. tot. Ala Cauda Ciilmen*) Hornlänge Rictus Tarsus 

c. 71,0 27,6 28,2 13,2 6,9 10,9 c. 5,0 cm 

Das vorliegende Stück ist bereits in dem Jahresberichte des Natui"- 
historischen Museums in Lübeck für 1893 (Lübeck 1894 S. 9) als Hydro- 
cissa malayana erwähnt. Die Art war schon von Diard bei Pontianak 
gefunden. 

13. Cranorrhinus corrugatus (Temm.) 
Buceros corrugatus Temminck, Planch. Col. pl. 531. 1832. 
Cranorrhinus corrugatus Salvadori, üccelli di Borneo p. 86 sp. 91. 1874. 

" Everett, Birds of the Bornean Group p. 163 sp. 333. 1889. 

W. E. Ogilvie Grant, Cat. Birds Brit. Mus. XVII p. 379. 1892. 

Vier Exemplare vom Januar 1893: a. cS ad., b. cf jun,, c. 5 (b. und 
c. mit einander gepaart), d. Q. . 

Die beiden Männchen haben die charakteristische helle Färbung der 
Kopfseiten und des Halses, die beiden Weibchen sind an diesen Stellen 
ebenso charakteristisch ganz schwarz gefärbt. Das alte Männchen a 
besitzt ein weit ausgedehntes, nach vorn sich von der Firste mnklig ab- 
hebendes, mit etwa vier Falten jederseits versehenes rotes Hörn und hat 
etwa sechs schräge Furchen an der Seite des Basalteiles des Unterkiefers. 
Bei dem jungen Männchen b ist das Hörn erst wenig entwickelt ohne 
Falten und tritt in der Mitte der Firste in einem sehr stumpfen Winkel 
in den oberen Rand des Obersclmabels über; das Hörn und die basalen 
zwei Dritteile des Schnabels sind rot gefärbt. Bei beiden Weibchen ist 
die Profil -Ansicht des Horns ähnlich wie bei dem jungen Männchen, 
höchstens ist der A¥iukel, in welchem Hörn und Firste zu einander 
stehen, etwas kleiner, der vordere Rand des Hernes mithin etwas steiler. 
Bei denselben ist das Hörn im Querschnitt oben weniger abgerundet, viel- 

*) Gerade Entfernung von dem hinteren Ende des Hornes bis zur Schnabelspitze. 



105 

mehr zugeschärft durch seithche Zusammenpressung und ohne jede Falten- 
bildung. Die Farbe des Hornes und Schnabels ist bei den Weibchen 
wachsgebhch, höchstens mit einer Spur von Rot an der Basis. — Ogilvie 
Grant beschreibt die Farbe des Endes der Schwanzfedern als Aveiss, sich 
gewöhnlich in Braun verfärbend. Selbst die ganz frisch nachwachsenden 
Schwanzfedern, wie z. B. bei dem Q c, erscheinen jedoch schon, wenn 
auch etwas heller, als die übrigen, so doch bräuuhch-isabellfarben , und 
ich glaube, dass die Federn für gewöhnhch wohl zu keiner Zeit ein 
reines Weiss zeigen. Ph. L. Sclater hat allerdings einmal bei einem 
lebenden Exemplare im Garten der Zoologischen Gesellschaft zu London 
rein weisse Spitzen der Schwanzfedern beobachtet. 

Die wichtigsten Masse der vier Pontianak-Bälge stelle ich im Folgen- 
dem noch zusammen: 

Long. tot. Ala Cauda Cuhnen Hornlänge Rictus Tarsus 

a. c. 81,0 37,2 26,4 17,9 8,9 16,1 c. 5,3 cm 

b. c. 73,0 37,2 24,5 14,0 7,4 12,5 c. 5,1 = 

c. c. 76,0 35,0 26,4 13,9 7,8 11,9 c. 4,8 • 

d. c. 72,5 33,3 25,9 12,6 6,8 11,9 c. 5,0 > 

14. Buceros rhinoceros Linn. 

Bnceros rhinoceros Linne, Syst. Nat. I. p. 153. 1766. 

rhinoceroides Salvador!, TJccelli di Borneo p. 87 sp. 92. 1874. 
rhinoceros Everett, Birds of the Bornean Group p. 162 sp. 327. 1889. 

W. ß. Ogilvie Grant, Cat. Birds Brit. Mus. XVU. p. 352. 1892. 

Fünf Exemplare vom Januar 1893 (das 2 vom 20. Januar) a. c?; 
b. d; c. c? ; d. d' ; e. $ . Die vier Männchen zeigen die charakteristische 
schwarze Zeichnung auf den verhältnismässig grossen Schnäbeln; bei b 
mit dem verhältnismässig kleinsten Schnabel ist die schwarze Linie am 
Deutlichsten, bei a und c dagegen am Wenigsten deutlich. Das Weibchen 
e hat keine schwarze Zeichnung am Schnabel. Bei allen fünf Stücken 
ist das Hörn hakenförmig an der Spitze zurückgekrümmt. Die Spitze 
krümmt sich bei a sogar wieder nach unten zu, und eine annähernd 
ähnliche Bildung zeigt auch das Weibchen e. — Salvadori hielt früher 
die Borneo-Vögel für spezifisch verschieden von den Sumatra-Vögeln, auf 
welche der Liune'sche Name Buceros rhinoceros sich bezieht, und ge- 
brauchte deshalb für die Borneo -Form den Temminck'schen Namen 
rhinoceroides. Eine Trennung dieser beiden Formen hat derselbe aber 
nicht aufrecht erhalten können. Bei der Aufzählung der von Platen in 
Sarawak gesammelten Stücke und des von Fr. Grabowsky in Süd-Ost- 
Borneo gesammelten jungen Weibchens folgte ich noch der früheren 



106 



Nomenclatur Salvadori's. — Inzwischen hat das Braun Schweiger Museum 
aus den Sammk;ngen des Herrn Fr. Grabowsky noch das Skelett eines 
weibhchen Individuums von Tumbang Hiang (Name „Tingang," 6. August 
1881) und die Bälge zweier Weibchen zur Untersuchung erhalten, deren 
Aufschrift ich hier mittheilen will: 

„Nr. 222. Name Tingang. Äugen 14 mm. Iris milchweiss. Beine 
fieischfarben. Schnabel rot und gelb. Der herauspräparierte Kadaver 
27 cm lang, 15 bezw. 10 cm breit, 10 bezw. 8 cm hoch; der Hals des- 
selben 19 cm lang und 3 cm dick. Telang, Borneo 10./12. 1881." 

„Nr. 223. Name (Tingang) Manengaug. Augen 13 mm. Iris milch- 
weiss, Beine fleischfarben. Der Schwanz überragt die Flügel um 24 cm. 
Der Kadaver 22 cm lang, 13 bezw. 9 cm breit, 10 bezw. 8 cm hoch; 
der Hals 20 cm lang. Telang, Borneo 12/12. 1881." 

Bei Nr. 222 ist das Hörn mit der vorderen Spitze nach hinten ge- 
krümmt; bei 223 steht die Spitze des Hernes aufrecht. 

Beide erwähnte Weibchen haben die charakterische Schnabelfärbung, 
wie das Weibchen e von Pontianak. 

Im Folgenden gebe ich noch die wichtigsten Masse: 

Entferimng der Hornspitze vom 



Long. tot. 


Ah 


(Jaiula 


Horu: 

firösst» Liiugc 


lliersclmalie 


Hinterraude 
des Kornes 


Rictus 


Tarsus 


a. 120,0 


48,3 


38,5 


15,3 


6,8 


9,8 


26,5 


c. 7,0 cm 


b. 116,5 


47,3 


35,0 


13,2 


6,7 


8,4 


24,0 


c. 6,5 - 


c. ca. 120,0 


45,6 


38,3 


15,3 


8,3 


10,8 


25,3 


c. 6,5 = 


d. ca. 120,0 


47,8 


38,2 


15,8 


9.0 


10,0 


25,3 


C. 6,5 = 


e. 106,0 


43,0 


35,8 


12,7 


7,0 


9,2 


19,5 


c. 5,8 = 


222 — 


43,5 


34,5 


13,35 


8,5 


9,82 


21,] 


7,2 = 


223 — 


43,0 


34,0 


12,3 


6,6 


11,16 


20,5 


6,5 - 



15. Berenicornis comatus (Raffl.) 

Buceros comatus Raffles, Aves Sumatra, Transact. Linn. Soo. XIII p. 399. 1822. 
Berenicornis comatus W. Blas. u. Nehrkorn, Beiträge Vogelfauna Borneo. [Erster 
Nachweis für Borneo,] (Jahresb. Ver. Naturw. Braunschg. f. 1880/1 p. 134. 1881.) 
Anorrhinus comatus Everett, ßirds of the Bornean Group p. 164 ep. 387. 1889. 
Brenicornis comatus W. ß. Ogilvie Graut, Cat. Birds Brit. Mus. XVII p. 423. 1892. 

Zwei jugendliche Exemplare von 1893: a. d' juv. und b. 2 juv. 

Die Art wurde zuerst durch meine Beai'beitung der Platen'schen 
Sammlungen von Jambusan, Sarawak (Borneo) für diese Insel nachge- 
wiesen. Später sind auch Exemplare von J. Whitehead bei Benkoka 
(Nord-Borneo), von C. Hose bei Baram, Sarawak, von A. Everett am Mt. 
Sirambu gesammelt worden. Das Vorkommen bei Pontianak war bis- 



107 

her noch nicht bekannt und wird hiermit, und zugleich das Brüten, durch 
die Sammlungen des Kapitäns H. Storm zuerst nachgewiesen. 

Mir lieg-t zur Vergleichung das von Platen gesammelte, von mir 
früher (1. c.) ausführiich besprochene alte weibliche Exemplar von Jam- 
bnsan, Sarawak, vor, von welchem die Storm'schen Bälge abweichen. 

Beide Exemplare sind noch nicht ausgewachsen und wahrscheinlich 
Nestjunge, die einem gemeinsamen Neste entnommen sind. Das männ- 
liche Exemplar ist etwas jünger und kleiner in den Ghedmassen, dagegen 
schon etwas grösser in den Schnabelmassen. Leider ist das männliche 
Exemplar ziemlich defekt; l;)esonders felilen sämtliche Schwanzfedern. — 
Ogilvie Grant's Beschreibung des männlichen Nestkleides passt im Übrigen 
vollständig auf das Stück. Vgl auch Büttikofer's Ausführungen darüber 
(Notes Leyden Museum Vol. IX 1887, p. 34/5). 

Das weibliche Nestkleid scheint noch nicht bekannt zu sein. 
Dasselbe entspricht durchaus dem männlichen Nestkleide; nur sind die 
weissen Spitzen der Federn an Kopf, Hals, Brust und Oberleib weiter aus- 
gedehnt, sodass diese Teile fast ganz weiss erscheinen. Die Zeichnung des 
Schwanzes entspricht Ogilvie Grant's Beschreibung bei dem männhchen 
Nestkleide. Die mittleren Schwanzfedern überragen die anderen nur 
um 1 cm. 

Bei beiden Exemplaren ist die Kopfhaube erst sehr wenig ange- 
deutet. Die Federn auf der oberen Seite des Kopfes sind alle ziemlich 
gleichförmig etwas verlängert, ohne dass sie eine mediangestellte Crista 
bilden, wie dies im Alter geschieht. 

Die Farbe des Schnabels ist bei beiden jungen Individuen im toten 

trockenen Zustande wachsgelb; es macht den Eindruck, als ob im Leben 

die Farbe vielleicht etwas ins Rötliche gegangen sein könnte. Ich gebe 

noch die Masse, soweit sie bei dem defekten Zustande des d juv. sich 

geben lassen: 

Entfciunug 
Loi]£. tot. (1. Flogt!- u. Ala Cau 



Tarsus 


Colniou 
(der Krnmmnng uacli) 


Maiulikla RiciiLS 


6,2 


C. 9,4 


12,3 c. 10,0 cm 


6,3 


c. 9,0 (def.) 


11,7 c. 9.4 - (def. 



a. — — 28,5 — 

b. 71,3 20,6 29,0 23,0 

16. Alcedo meninting Horsf. 

Alcedo meninting Horsfield, Java Birds, Transact. Linn. Soc. XIII p. 172. 1821. 
Salvadori, üccelli di Borneo, p. 93 sp. 98 (partim). 1874. 
asiatica Everett, Birds of the Bornean Group p. 159 gp. 315. 1889. 
meninting Sharps, Cat. Birds Brit. Mus. XVII p. 157. 1892. 

Ein Balg von 1894 mit vollständig rotbraunen Wangen, was nach 

den letzten Auseinandersetzungen Sharpe's (1. c.) auf den Jugendzustand 



108 

eines Weibchens schliessen lässt, während sowohl alte Weibchen, als auch 
Manuellen in allen Alterszuständen eine bläuhche Färbung der Wangen zeigen. 

Im Jahre 1873 unterschied Waiden von dieser Form durch die 
heller blaue Färbung des Rückens und durch die heller blauen Flecken 
an den Flügeldeckfedern u. s. w. die Art rufigastra, der er im folgenden 
Jahre unter Änderung des Namens zu Ehren des Kapitäns Beavan den 
Namen beavani gab. — Es scheinen nur kleine Farben-Abweichungen zu 
sein, durch welche man beide Formen bei Vergieichung grosser Reihen 
gut auseinander halten kann, während ohne grösseres Vergleichsmaterial 
die Bestimmung schwer ist. Die Verbreitung der beiden Formen ist in 
so fern eine abnorme, als sie an vielen Stellen neben einander gefunden 
sind. Nach den Beschreibungen, die Salvadori von vier Sarawak-Bälgen 
giebt (1. c.) bin ich z. B. geneigt, anzunehmen, dass er von dieser einen 
Stelle nicht nur Exemplare von meninting, sondern auch solche von 
beavani in Händen hatte. — Ich selber habe früher zwei Celebes-Bälge 
als meninting aufgeführt (Zeitsch. f. die ges. Ornitli. 1886 p. 94), die ich 
jetzt geneigt bin, als beavani anzusprechen. Und doch wird von ver- 
schiedenen anderen Autoren auch meninting als ein Vogel von Celebes 
aufgeführt, z. B. noch neuerdings von Sharpe (1. c). Diese Verhältnisse 
sprechen nicht für die Berechtigung, meninting und beavani als geson- 
derte Alten zu unterscheiden. W. T. Blanford in seiner „Fauna of 
British India" (Vol. III 1895 p. 125) führt an, dass sowohl Oates als auch 
Hume die Artberechtiguiig angezweifelt haben und dass er dieser Meinung 
zuzustimmen geneigt sei, obgleich er sie vorläufig noch als gesonderte 
Arten aufführt. Vielleicht handelt es sich um eine einfache Farben- 
Varietät, vielleicht um Alters- Unterschiede oder dgl. — Das Exemplar 
von Pontianak entspricht auf alle Fälle den Beschreibungen des echten 
Alcedo mininting. 

Von Pontianak scheint die Art früher nocli nicht in der Litteratur 
verzeichnet zu sein, lii dem Jahresberichte des Naturhistorischen Museums 
in Lübeck für 1894 (Lübeck 1895 p. 9) war schon mit dem Namen „Eis- 
vogel" auf den vorliegenden Balg Bezug genommen. 

Long. tot. 14,3; Ala 6,3; Cauda 2,7; Culrneu 3,8; Rictus 4,5; Tarsus 

0,8 cm. 

17. Cymborhynehus macrorhynchus (Gmel.) 

Todus macrorhynchus Gmehn, Syst. Nat. I p. 446. 1788. 

Cymborhynehus macrorhynchus Salvadori, Uccelli di Borneo p. 109 sp. 115. 1874. 

Everett, Birds of the Bornean Group p. 151 sp. 276. 1889. 

Ph. L. Sclater, Cat. Birds Brit. Mus. XIV p. 468. 1888. 

Zwei Exemplare a. 5 vom November 1893; b. von 1894. Das erste 

Stück trägt die Notiz; „Im lebenden Zustande ist die obere Hälfte des 



109 

Schnabels schön hellblau, die untere Hälfte gelb. Die Füsse sind auch 
blau, etwas dunkler, wie die Oberschnabelhälfte." 

Gleichzeitig liegen, von Kapitän Storm eingesandt, von derselben 
Art zwei Bälge von Malakka von 1892 vor und ein Balg von 1895, der 
entweder von Singapore oder Pontianak stammen kann und wegen der 
sehr geringen Entwickelung der weissen Flecken an den äusseren Schwanz- 
federn höchst wahrscheinlich auch von Pontianak herrührt. Sämtliche 
geuajinteu fünf Bälge gehören alten Individuen an, keiner trägt die von 
W. T. Blanford gut hervorgehobenen Spuren des Jugendkleides (Fauna 
of British India A'^ol. III 1895 p. 7), wie ich solche teilweise auch bei 
einem von Platen in Sarawak gesammelten jüngeren Männchen des 
Braunschweiger Museums finde. 

Die weissen Flecken bezw. Streifen an den äusseren Schwanzfedern 
scheinen bei der Gattung Cymborhynchus auf Borneo und Sumatra am 
schwächsten entwickelt vorzukommen und um so mehr an Zahl und Aus- 
dehnung zuzunehmen, je weiter die Entfernung von diesen Inseln ist. 
(Vgl. darüber die neueren Untersuchungen Büttikofers in den Notes Leyden 
Museum Vol. IX 1887 p. 43/4). Diese Differenzierung führt dann in 
Arrakau m dem äussersten Extrem zu der Abscheidung der Species 
affiuis Blyth, die ausserdem durch die geringere Grösse und die roten 
Spitzenflecken der Tertiärschwingen charakterisiert ist. Die Differenzierung 
ist bei dem Malakka- Vogel noch nicht soweit A^orgeschritten , dass die 
Unterscheidung einer besonderen Form als Art, Unterart oder Varietät 
mit dem von Salvadori 1874 vorgeschlagenen und auch noch später 1888 
beibehaltenen Namen malaccensis gerechtfertigt erscheint. (Vgl. darüber 
auch Aug. Müller [im Journ. f. Ornith. 1882 S. 394/5] und Ernst Hartert 
[ebenda 1889 S. 358], welcher auf die MögHchkeit hinweist, vielleicht die 
Borneo-Form subspezifisch als C. m. salvadorii zu imterscheiden , was ich 
für ebenso unrichtig halten würde.) 

Bei dem Balge a sind die beiden äussersten Schwanzfedern jeder- 
seits mit deutlichen weissen Streifen auf der . Innenfahne versehen, die 
drittäusserste zeigt nur rechts noch einen undeutlichen, ca. 1 mm grossen 
Flecken. Bei dem Balge b sind auch nur die jederseits beiden äussersten 
Schwanzfedern auf der Innenfahne mit einem kleinen weissen schrägen 
Bande versehen. Der erwähnte dritte (fragliche) Pontianak -Balg hat nur 
auf der einen alleräussersten Schwanzfeder rechts einen ähnlichen Streifen, 
während die entsprechende Feder der linken Seite fehlt. Bei den beiden 
von Storm gesandten Malakka-Bälgen haben jederseits die drei äussersten 
Schwanzfedern auf der Innenfahne sehr deutliche ziemlich grosse weisse 
Bänder, und die vierte Schwanzfeder zeigt bei dem einen («) linkerseits 



HO 

noch eine Spur der hellen Fleckung und bei dem andern (ß) jederseits 
noch ein helles, wenn auch kleineres Band. 

Es scheint, dass das Vorkommen dieser Art bei Poutianak in der 
Litteratur vorher noch nicht nachgewiesen war. 



18. Corydon sumatranus (Raffl.) 

Coracias sumatranus Rafties, Aves Sumatra, Transact. Linn. Soc. XIII yi. 303. 1822. 
Corydon sumatranus Salvador!, Uccelli di Borneo p. 111 sp. 116. 1874. 

Everett, Birds of the Bornean Group p. 151 sp. 277. 1889. 

Ph. L. Sclater, Cat. Birds Brit. Mus. XIV p. 466. 1888. 

Zwei Bälge von 1893, bezeichnet als weiblich. 

Der Rückeufieck ist bei beiden Exemplaren liellrötlich. Das Vor- 
kommen dieser Art bei Pontianak ist durch H. Storni zuerst nachgewiesen. 



19. Batraehostomus javensis (Horsf.) 

Podargus javensis Horsfleld, Java Birds, Transact. Linn. Soc. XIII p. 141. 1821. 
Batracliostomus javanensis Salvadori, Uccelli di ßorneo p. 112 sp. 117. 1874. 

adspersus + cornutus Everett, Birds of the Bornean Grouyj p. 165 
sp 344 u. 345. 1889. 
Batraehostomus javensis E. Hartert, Cat. Birds Brit. Mus. XVI p. 640. 1892. 

Ein Balg von 1893 in der von Hartert (1. c.) beschriebenen braunen 
Phase, mithin vielleicht als Männchen zu bezeichnen. 

Die derselben Art angehörigen von F. Grabowsky in Süd-Ost-Borneo 
gesammelten Bälge des Braunschweiger Museums habe ich früher mit 
dem Synonym Batraehostomus cornutus (Temm.) angeführt. Das Exem- 
plar von Pagat ist von dem Sammler als cf bezeichnet und befindet sich 
in der rotbraunen Phase, was allerdings gegen die Meinung Ernst Hartert's 
sprechen würde, dass diese wahrscheinlich dem weiblichen Geschlechte 
eigen wäre. 

Das Exemplar von Pontianak ist schon bei Gelegenheit der zweiten 
Sendung des Kapitäns H. Storm im Jahresberichte des Naturhistorischeii 
Museums in Lübeck für 1893 (Lübeck 1894 -S 9) erwähnt, womit das 
Vorkommen der Art an dieser Stelle zuerst litterarisch nachgewiesen zu 
sein scheint. 

Ich füge noch die wichtigsten Masse des Balges von Pontianak und 
des erwähnten Balges von Pagat hinzu; 

Long. tot. Ala Cauda Culmen Rictus Tarsus 
Pontianak (Storm) 30,0 13,(i 14,2 2,2 3,8 1,5 cm 

Pagat (Grabowsky) > 23,ö 13, o 13,3 2,0 3,5 1,4 = 



111 

20. Caprimnlgus macrurus Horsf. 

Caprimulgus macrurus Horsfield, Java Birds, Trausact. Linn. Soc. XIII p. 142. 1821. 
Salvador!, üccelli di Borneo p. 117 sp. (?) 1874. 
Everett, Birds of the Bornean Group p. 153 sp. 289. 1889. 
E. Hartert, Oat. Birds Brit. Mus. XVI p. 537. 1892. 

Ein Balg vom November 1893, wegen der weissen Farbe der Spitzen 
der jederseits beiden äussersten Schwanzfedern und der weissen Flecken 
in der Mitte der Innenfahne der vier ersten Schwungfedern vermutlich 
ein altes Männchen. 

Von Malakka hat Kapitän H. Storni noch ein anderes Exemplar 
derselben Art eingesendet, das durch rotbraunen Farbenton an Kinn, 
Kehle, Hals, Mittelschwingen etc. sich auszeichnet und wegen der bräun- 
lichen Färbung der hellen Flecken auf der Innenfahne der ersten vier 
Schwungfedern und der geringen Ausdehnung und des weniger reinen 
Weiss der hellen Spitzen der jederseits beiden äussersten Schwanzfedern, 
vermutlich als ein jüngeres Weibchen zu bezeichnen ist. Während ersteres 
Stück von Pontianak einem im Braunschweiger Museum befindlichen 
Balge von Celebes sehr ähnhch ist, zeigt das Malakka-Exemplar, wenigstens 
in dem rotbraunen Farbentone, grosse Ahnhchkeit mit einem Malakka- 
Balge desselben Museums. 

Beide Stücke lassen sich nach den ausführlichen Beschreibungen 
Hartert's (1. c.) nur auf macrurus beziehen. Derselbe Gewährsmann 
zieht Caprimulgus salvadorii Sliarpe von Nord -Borneo als eine dunkle 
Insularform mit zu macrurus. 

Durch H. Storm's Sammlungen ist das Vorkommen dieser Art bei 
Pontianak zuerst in der Litteratur nachgewiesen. 

21. Terpsiphone affinis (Blyth) 

Tchitrea affinis Blyth, Journ. As Soc. XV p. 291. 1847. 

Terpsiphone affinis Salvadori, Uccelli dl Borneo p. 137 sp. 148. 1874. 

. Everett, Birds of the Bornean Group p. 130 sp. 172. 1889. 

= Sharpe, Gat. Birds Brit. Mus. IV p. 349. 1879. 

Ein Exemplar von 1894 im schwarz -weissen Gefieder, das als 
Männchen bezeichnet werden kann, mit verhältnismässig sehr langen 
mittleren Schwanzfedern. Die Totallänge beträgt 49 cm, die Längender 
beiden mittleren Schwanzfedern allein 39 cm! — Das Stück ist bereits 
im Jahresberichte des Naturhistorischeu Museums in Lübeck für 1894 
(Lübeck 1895 S. 9) erwähnt, wodurch das Vorkommen der Art bei 
Pontianak zuerst in der Litteratur nachgewiesen ist. Die bedeutende 
Länge der verlängerten Schwanzfedern und die etwas geringere Aus- 
breitung der schwarzen Farbe an dem Gefieder lässt das vorliegende 



112 

Exemplar gewissermassen einen Übergang zu A. B. Meyer's Terpsiphone 
sumbaensis von Sumba bilden, die im Journal für Ornithologie 1894 
(S. 89) beschrieben ist. 

22. Irena crinigera Sharpe. 

Irena criniger Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. III p. 2G7. 1877. 

cyanea Salvador!, Uceelli di Borneo p. 151 sp. 162. (partim.) 1874. 
criniger Everett, ßirds of the Bornean Group p. 117 sp. 112. 1889. 
crinigera Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. VI p. J76. 1881. 

Ein Balg von 1894, dem leider der Schwanz fehlt, ,sodas.s die 
charakteristischen Merkmale, die hauptsächlich in den Schwanzdeckfedern 
liegen, nicht gut zu beobachten sind. Der Balg stimmt übrigens genau 
mit drei von Platen gesammelten Borneo -Bälgen überein, die ich früher 
als Irena cyanea (Begbie) aufführte, da mir die Trennung der Borneo- 
Form von der Malakka -Form nicht genügend berechtigt schien. Auch 
jetzt bin ich noch sehr zweifelhaft, ob Sharpe sich im Rechte befindet, be- 
sonders nachdem Büttikofer festgestellt hat, dass sich beide Formen in 
Sumatra begegnen oder neben einander vorkommen. 

Die Art scheint hiermit zuerst für Pontianak nachgewiesen zu sein. 

23. Anthreptes malaccensis (Scop.) 

Certhia malaccensis Scopoli, Del. Flor, et Faun. Insubr. II p. 91 ex Sonnerat. 1786. 
Anthreptes malaccensis Salvadori, üccelli di Borneo p. 178 sp. 187. (partim) 1874. 
Everett, Birds of the Bornean Group p. 137 sp. 207. 1889. 
Anthothreptes malaccensis H. Gadow, Cat. Birds Brit. Mus. IX p. 122. (partim) 1884. 

Zwei Exemplare von 1894: a. c? ad.; b. c? jun. 

Der Balg a ist beinahe ausgefärbt. Doch ist die Kehle etwas blasser 
braun, die Färbung der Brust und des Vorderleibes etwas weniger 
intensiv gelb, als bei einem von F. Grabowsky bei Rangas gesammelten 
alten Männchen des Braunschweiger Museums. Der Balg b trägt ein 
interessantes Übergangskleid : Au Stirn und Kopfseiten befinden sich 
einige metallgiänzende Federn eingestreut, ebenso an den Malarstreifen 
und zur Seite der Kehle. Die Mantelfedern sind noch nicht metallisch 
gefärbt, die Bauchseite noch nicht intensiv gelb, vielmehr gelb-grün u. s. w. 
Es ist dies Exemplar in der Umfärbung etwas weiter vorgeschritten, als 
ein junges Männchen von chlorigaster Sharpe aus Gross-Sanghir, das das 
Braunschweiger Museum von Platen erhalten hat, und das ich in meiner 
Arbeit über die Vögel von Gross-Sanghir als k aufgezählt habe. (Ornis 
IV p. 585. 1888,) Nacli den Angaben über die Verbreitung umfasst 
Salvadori's Art malaccensis zugleich diejenigen beiden abweichenden 
Formen mit, welche Shelley später als celebensis und Sharpe 1887 als 



113 

chlorigaster beschrieben hat. — Gadow vereinigt absichthch alle diese 
Formen wiederum und unterscheidet nur eine westliche Rasse (malacceusis 
t}-pica) von Hinter-Indien, Malakka, Java und Sumatra, eine Zwischenform 
von Boi-neo und eine östliche Rasse (chlorogaster) von den Philippinen, 
Celebes und Floi-es, zu welcher er auch als Synonjan rhodolaema Shelley 
voll Borneo stellt. Eine solche Zusammen ziehung der Formen erscheint 
mir jedoch nicht gerechtfertigt und wird auch von sämtlichen neueren 
Schriftstellern darüber zurückgewiesen. Auch Everett unterscheidet für 
Borneo ausser A. phoenicotis, hypogrammica und simplex noch malacceusis 
und rhodolaema, welche letztere auch Sharpe (Ibis 1879 p. 260) als be- 
rechtigt augesehen hat. Ebenso verfährt auch Eugene W. Oates (Fauna 
of British India, Birds II p. 365 ff. 1890). Die wenigen vorliegenden 
Stücke von Pontianak können zur Klärung der Frage kaum beitragen. 
Durch dieselben scheint aber zuerst das Vorkommen der Art in dieser 
Gegend Borneo's festgestellt zu sein. 

24. Arachnothera modesta (Eyt.) 

Anthreptes modesta Eyton, Proc. Zool. Soc. VII p. 105. 1839. 
Arachnothera modesta Salvador!, Uccelli di Borneo p. 183 sp. 191. 1874. 

" • Everett, Bird8 of the Bornean Group p. 137 sp. 210. 1889. 

affinia H. Gadow, Oat. Birds Brit. Mus. IX p. 106 (partim). 1884. 

Ein Exemplar von 1894. vermutlich ein Weibchen, mit welchem das 
Vorkommen dieser Art bei Pontianak zuerst in der Litteratur nachge- 
wiesen wird. Von den beiden nahe verwandten Formen, die H. Gadow 
unrichtigerweise unter dem Namen affinis vereinigt, soll nach Büttikofer 
afiinis (Horsf.) nur auf Java, modesta (Eyt.) dagegen in Malakka und 
Sumatra und nach anderen Autoritäten auch in Borneo vorkommen, welch' 
letztere Angabe dui-ch den vorliegenden Balg bestätigt wird. Auffallend ist 
mir nun, dass im Brauuschweiger Museum sich ein Balg befindet, der zwar 
unsicherer Herkunft ist, aber nach der Präparation von Malakka zu 
stammen scheint, und der doch nach der Färbung und den etwas be- 
deutenderen Grössen-Verhältnissen des Schnabels und der übrigen Körper- 
teile als die javanische Form, afhnis (Horsf.), angesprochen werden müsste. 

Die Grösse des Schnabels des Pontianak -Vogels ist verhältnismässig 
gering, doch erwähnt Salvadori eines weiblichen Individuums, welches im 
Allgemeinen noch geringere Grössenverhältnisse zeigt (Long. tot. 14; 
Ala 7,1; Cauda 4,3; Culmeu 2,9; Tai'sus 1,6 cm). Unser Balg hat 
folgende Masse: 

Long. tot. 16,2; Ala 7,3; Cauda 4,3; Culmen 3,0; Rictus 3,5; 
Tarsus 1,7 cm. 



114 



25. Aegithina viridis (Bp.) 

Jora viridis Bonaparte, Consp. I p. 397 (ex Temm. M. S. in Mus. Lugd.). 1850. 

Jora scapularis Salvadori, Uccelli di ßorneo p. 190 sp. 198. 1874. 

Aegitliina viridis Everett, ßirds of tlie Bornean Group p. 116 ,sp. 105. 1889. 

tipliia subsp. viridis Sliarpe, Cat. Birds Brit. Mus. VI p. 11. 1881. 

Zwei Exemplare von 1894: a. c? ad; b. juv. 

Das Männchen im offenbar ausgefärbten Kleide unterscheidet sich 
bei schwarzem Schwanz, bei schwarzen, weissgebänderten Flügeln und 
dunkelgrüner Färbung des Kopfes und Rückens durch die gelbe, nur 
wenig grün überflogene Unterseite von dem mir vorliegenden ausgefärbten 
Männchen von viridissima, welches Platen gesammelt hat. Es sollte an- 
zunehmen sein, dass, wenn es sich bei dem Pontiauak-Balge um viridissima 
handelte, die gelbe Färbung der Unterseite gleichzeitig mit der Ausbil- 
dung des schwarzen Schwanzes sich in eine grüne verwandelte. Das vor- 
liegende Männchen ähnelt, abgesehen von der Schwanzfärbung, allerdings 
sehr dem von mir früher beschriebenen jungen Männchen im Übergangs- 
kleide (von viridissima?), das Fr. Grabowsky vanter Nr. 144 bei Tumbaug 
Hiang gesammelt hat, und das ich früher nur deshalb als viridissima c? 
im Übergangskleide ansprach, weil dies Exemplar an derselben Sammel- 
stelle und an demselben Tage erlegt war, wie ganz charakteristische 
Exemplare von viridissima. Andernfalls würde ich es zu viridis gezogen 
haben. — Es ergiebt sich aus der Vergleichung des vorliegenden Pon- 
tianak-Männchens von Neuem, dass die Frage der Unterscheidung von 
Aegithina viridis und viridissima noch nicht endgültig entschieden ist, und 
dass es sehr wünschenswert ist, von Borneo noch mehr authentisches 
Vergleichs-Matei'ial mit genauen Angaben über Ort, Zeit, Alter und Ge- 
schlecht etc. zu empfangen. Vorderman unterscheidet noch kürzlich im 
Gegensatz zu Everett (1. c), der nur viridis und viridissima als auf ßorneo 
vorkommend annimmt, ausser diesen als dritte Art: scapularis von Banjer- 
massin (Nat. Tijdschr. v, Ned. Ind. Bd. 50 S. 398. 1891). Er dürfte damit 
wohl nicht das Richtige getroffen haben; ich vermute, dass alle Exem- 
plare Borneo's, die als scapularis angesprochen sind, zu viridissima gehören. 

Das jugendliche Individuum b, dessen Schnabel erst etwas über 
halb so lang ist wie im Alter und dessen Gefieder noch nicht vollständig 
ausgewachsen ist, ähnelt vollständig den weiblichen und jungen Individuen 
von viridissima, ist höchstens von etwas matter grüner Färbung, haupt- 
sächlich an Kopf und Hals. Durch die Storm'schen Exemplare scheint 
zuerst das Vorkommen dieser und überhaupt einer Aegithina-Art bei 
Pontianak nachgewiesen zu sein. 



115 

26. Chloropsis zosterops Vig. 

Chloropsis zosterops Vigors, App. Mein. Life Raffles p. 674. 1831. 
Pliyllornis sonneratii Salvador]', Uccelli di Borneo p. 193 sp. 201. 1874. 
Chloropsis zosterops Everett, Rirds of the Bornean Group p. 116 sp. 107. 1889. 
Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. VI p. 24. 1881. 

Ein Balg von 1894, offenbar Männchen im Übergangskleide. Das 
Schwarz der Wangen ist noch stark mit grünen . Federn gemischt; auch 
in dem Bereiche der schwarzen Kehle finden sich noch einige grüne 
Federchen. Die blauen Malarstreifen sind erst durch wenige Federn an- 
gedeutet. Im Übrigen stimmt das Stück mit einem Malakka-Balge des 
Braun Schweiger Museums überein. 

Von Malakka hat Kapitän H. Storni 1892 ein vermutlich weibliches 
Exemplar gesandt, das im Allgemeinen den jugendlichen bezw. weiblichen 
Borneo- und Malakka -Bälgen des Brauuschweiger Museums gleicht, und 
auf der linken Seite der gelben Kehle einige wenige blaue Federn als 
Andeutung eines Bartstreifens von gleicher Färbung besitzt. 

Die Art war vorher von Pontianak noch nicht bekannt. 

27. Pitta cyanoptera Temm. 

Pitta cyanoptera Temminck, PL Col. pl. 218. 1823. 

Salvadori, üccelli di Borneo p. 235 sp. 248. 1874. 
Everett, Birds of the Bornean Group p. 147 sp. 261. 1889. 
• Ph. L. Sclater, Cat. Birds Brit. iMus. XIV p. 420. 1888. 

Zwei Exemplare von 1894, die vollständig mit der Temminck'schen 
Abbildung übereinstimmen. Die Unterschiede zwischen dieser Art und 
der nächst verwandten Form megarhyncha Schlg. sind von Eugene W. 
Gates (Fauna of British India, Birds Vol. II p. 392 mid 393. 1890) viel 
genauer auseinandergesetzt, als im Cat. Birds Brit. Mus. (1. c), wo sogar 
die hauptsächlich charakteristischen Masse des Schnabels fehlen. — Der 
eigentlich die Priorität besitzende Name moluccensis ist von allen Seiten 
aus geographischen Gründen verworfen, weil die Art auf den Molukken 
nicht vorkommt. — Mit den vorhegenden Exemplaren scheint das Vor- 
kommen der Art bei Pontianak zuerst in der Litteratur nachgewiesen zu 
werden Ich gebe im Folgenden noch die wichtigsten Masse. 

Long. tot. Ala Cauda Culmen Rictus Tarsus 

a. 23,5 12,5 4,8 2,7 3,2 4,0 cm 

b. 22,7 12,2 4,7 2,7 3,3 3,9 = 

28. Pitta granatina Temm. 

Pitta granatina Temminck, Planoh. Col. pl. 506. 1830. 

Salvadori, Uccelli di Borneo p. 242 sp. 253. 1874. 
Everett, Birds of the Bornean Group p. 148 sp. 2G4. 1889. 
Ph. L. Sclater, Cat. Birds Brit. Mus. XIV p. 430. 1888. 



116 

Ein Exemplar von 1894. Ich kann dasselbe, das vollständig aus- 
gefärbt ist, mit einem von Platen bei Jambusan, Sarawak gesammelten 
Exemplare von grauatina und zwei Exemplaren des Braunschweiger 
Museums von der nahe verwandten Form coccinea Eyton von Malakka 
vergleichen und finde die für beide von Gould, Waiden u A. angegebenen 
Unterschiede deutlich ausgesprochen. 

Die Art war schon von Diard bei Pontianak erbeutet. 



29. Platysmurus aterrimus (Temm) 

Glaucopis aterrimus Temminck, Planch. Col. livr. 57. 1825. 

Platysmurus aterrimus Salvador!, Uccelli di Borneo p. 279 sp. 297. 1874. 

Everett, Birds of the Bornean Group p. 146 sp. 257. 1889. 

Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. Vol. III p. 91. 1877. 

Ein Balg von 1893, genau mit einem Platen'schen von Sarawak 
übereinstimmend. Das Vorkommen der Art bei Pontianak war schon von 
Diard nachgewiesen. 



30. Lophura nobilis (Sclat.) 

fiuplocamus nohilis Sclater, Proc. Zool. See. 1863 p. 119 pl. XVI. 1863. 
Euplocomus ' Salyadori, Uccelli di Borneo p. 306 sp. 319. 1874. 
Euplocamus • Everett, Birds of the Bornean Group p 199 sp. 494. 1889. 
Lophura ignita W. R. Ogilvie Grant, Cat. Birds Brit. Mus. Vol. XXII p. 288 (partim) 1893. 

Zwei männliche Exemplare: a. Januar 1893; b. October 1893. Beide 
sind ausgefärbte alte Männchen. Das erste Stück ist iu dem Jahres- 
berichte des Natur historischen Museums in Lübeck für 1893 (Lübeck 1894 
S. 9) schon bei der ersten Sendung des Ka^Ditäns H. Storni unter dem 
Namen Euplocomus nobilis erwähnt, womit das Vorkommen dieser Art 
bei Pontianak zuerst litterarisch nachgewiesen worden ist. Später hat auch 
J. Büttikofer die Erbeutuug eines alten Weibchens auf dem Kenepai-Berge 
(West-Borneo) bekannt gegeben (Notes Leyden Museum XVII p. 177. 
1895). In der Trennung der Form von Borneo und Bangka als nobilis 
(Sclat.) von ignita (Shaw u. Nodder), deren Heimat bis jetzt unbekannt 
zu sein scheint, folge ich den lehrreichen Auseinandersetzungen J. Bütti- 
kofer's (1. c. p. 169 ff.). 

Das Exemplar b übertrifft a etwas in der Grösse, wie folgende 
Tabelle lehrt: 

Long. tot. Ala Cauda Culmen Rictus Tarsus 

a. c. 66,0 26,5 27,0 3,5 4,1 10,3 cm 

b. c. 72,0 27,6 28,3 3,5 4,2 10,8 = 



117 

31. Acomus pyronotus (G. R. Gray.) 

Alectrophasis pyronota G. K. Gray, List of B. Brit. Mus. Part. III Gallinae p. 26. 1844. 
Euplocomus pyronotus Salvador!, Uccelli di Borneo p. 307 sp. 320. 1874. 
Euplocamus • Everett, Birds of the Bornean Group p. 199 sp. 495. 1889. 

Acomus pyronotus W. R. Ogilvie Grant, Cat. Birds Brit. Mus. Vol. XXII p. 284. 1893. 

Fünf Exemplare: a. d Dezember 1892, b. cj Januar 1893, c. § 
1893, d. Q Oktober 1893 und e. d 1894. 

Sämtliche Stücke bestätigen im Allgemeinen dasjenige, was ich bei 
Besprechung der von Fr. Grabowsky in Süd-Ost-Borneo gesammelten Bälge 
dieser Art in Betreff des Unterschiedes derselben von erythrophthalmus 
und in Betreff der Alters- und Geschlechts-Charaktere gesagt habe. (Ver- 
handl. der k. k. zool.-bot. Gesellschaft Wien XXXIII 1883 S. 68/9). 

Das letztgesandte Männchen e ist am Hinterrücken und Bürzel noch 
nicht gut ausgefärbt. Die kupferrote Färbung der Bürzelfedern vor den 
blauschwarzen oberen Schwanzdeckeu ist nur auf kurze Strecke angedeutet. 
Die Federn des Hinterrückens sind rotbraun und zeigen nach Art der 
wurmförmigeu Zeichnung der Federn des Vorderrückens und Mantels 
zahlreiche schwärzliche Querwellen. Diese wurmförmige Zeichnung setzt 
sich nach hinten auf die Bürzelfedern mit kupferroter Grundfarbe fort, 
und selbst die kleineren schwarzen Federn zeigen noch eine rotbraune 
ähnliche Zeichnung. Bei diesem Individuum zeichnen sich die Zehen 
durch besondere Länge aus. 

In dem Museum zu Königsberg sah ich ausser den früher von mir 
erwähnten Grabowsky'schen Bälgen noch zwei von demselben Sammler 
gesammelte Bälge, die folgende Aufschrift tragen: 

„Nr. 234. cf Name: Tanriau mato (asam utan). Augen 11 mm. 
Iris braun. Beine hellblau. Der Schwanz überragt die Flügelspitzen um 
11 cm. Nackte Hautstellen und Hautlappen um die Augen blutrot. 
Der herauspräparierte Rumpf-Kadaver 18 cm lang, 8 cm breit, 11 cm 
hoch von gewöhnlicher Form des Hühnerkörpers. Lihong Bahaja, 
Borneo, 15. Januar 1882." 

„Nr. 257. 5 Name Tanriau mato. Augen 1 cm. Iris braun. 
Beine hellblau. Der Schwanz überragt die Flügelspitzen um 11,5 cm. 
Nackte Hautstellen um die Augen blutrot. Rumpf -Kadaver 16,5 cm 
lang, 7,5 cm breit, 9 bezw. 6,5 cm hoch. Hals 10,6 cm lang. Lihong 
Bahaja, Borneo, 27. Januar 1882." 

In der Zeichnung entsprechen auch diese beiden Exemplare, ein 
Pärchen, den früher gemachten Angaben. 

Die Krümmung der Spitze des Oberschnabels nach unten ist bei den 
Männchen stärker, als bei den Weibchen. — Die ersten von H. Storra ein- 



118 

gesendeten Exemplare sind schon in dem Jahresberichte des Naturhisto 
rischen Musemns in Lübeck für 1893 (Lübeck 1894 S. 9) erwähnt, womit 
das Vorkommen dieser Art bei Pontianak zuerst ütterarisch nachgewiesen 
worden ist. 

Die Masse der fünf Pontiauak-Bälge sind folgende: 





Long. tot. 


Ala 


a. 


c. 54,0 


24,5 


b. 


c. 47,2 


23,2 


c. 


c. 44,5 


22,5 


d. 


c. 50,5 


22,8 


e. 


c. 54,5 


23,3 



Cauda 


Culnien 


Rictus 


Tarsus 


15,3 


3,5 


c, 4,2 


c. 9,0 cm 


15,1 


3,5 


C. 4,2 


C. 8,5 = 


13,5—14,0 


3,0 


3,9 


C. 7,3 = 


15,3 


3,3 


3,6 


C. 7,6 = 


15,1 


2,9 


3,8 


c. 8,0 = 



32. EoUulus roulroul (Scop.) 

Phasianus roulroul Scopoll, Del. Flor, et Faun. Insubr. II. p. 93. 1786. 
Rollulus rouloul Salvador!, Uccelli di Borneo p. 308 sp. 321. 1874. 

roulroul Everett, ßirds of the Bornean Group p. 200 sp. 502. 1889. 

W. R. Ogilvie Grant, Cat. Birds Brit. Mus. XXII p. 225. 1893. 

Zwei männliche ausgefärbte und ziemlich grosse Exemplare von 
1893. Dieselben sind schon in dem Jahresberichte des Naturhistorischen 
Museums in Lübeck für 1893 (Lübeck 1894 S. 9) erwähnt, womit das 
Vorkommen dieser Art bei Pontianak in der Litteratur zuerst nach- 
gewiesen ist. 

Die wichtigsten Masse sind: 

Loug. tot, Ala Oanda liilmcu Riclns Tarsus , .^ .^^^^ Mwihkpim 

a. 29,5 14,0 7,0 1,7 2,4 4,4 1,0 cm 

b. 29,3 14,2 6,7 1,65 2,25 4,4 0,95 - 

Es bestätigen diese Zahlen, dass, wie ich schon früher hervorgehoben 
habe, sich die Borneo -Individuen dieser Art von den Malakka -Vögeln 
dm-ch verhältnismässig bedeutendere Grösse der Flügel, des Schnabels 
und des Laufes auszeichnen. (Vgl. Verhandl. d. k. k. zool.-bot. Gesellsch. 
Wien. XXXIII 1883 S. 69/70.) 

33. Melanoperdix nigra (Vig.) 

Crj'ptonyx niger Vigors, Zool. Journ. IV p. 349. 1829. 

Melanoperdix nigra Salvadori, Uccelli di Borneo p. 309 sp. 322. 1874. 

. Everett, Birds of the Bornean Group p. 199 sp. 498. 1889. 

. W. K. Ogilvie Grant, Cat. ßirds Brit. Mus. XXII p. 227. 1893. 

Drei Bälge bez. „Waldhuhn" a. $ (fälschhch als „d"' l)ezeichnet) 
vom Januar 1893; b. d" vom Februar 1893; c. Q. (richtig so bezeichnet) 
von 1893. 

Das Männchen b hat die charakteristische schwarze, die beiden 
Weibchen a und c die bekannte braune Färbung. Die letzteren unter- 



119 

scheiden sich vou einem aus den Grabowsky'schen Sammlungen von 
Süd-Ost-Borneo stammenden "Weibchen des Braunsclaweiger Museums durcli 
einen etwas dunkleren Farbenton an Brust und Rücken; auch sind die 
helleren Bänder zwischen den schwarzen Binden der Mittelschwingen 
nicht so leuchtend braun und etwas dunkler bei den Pontianak-Weibchen. 
Das erste Stück war schon in dem Jahresberichte des Naturhistorischen 
Museums in Lübeck für 1893 (Lübeck 1894 S. 9) erwähnt, wodurch das 
Vorkommen dieser Art bei Pontianak zuerst in der Litteratur nach- 
gewiesen ist. 

Die wichtigsten Masse sind folgende: 

Long, tot, Ala Cauda Culmen Rictus Tarsus 

a. $ 25,6 13,2 7,0 1,9 2,5 4,3 cm 

b. d c. 27,0 12,6 6,7 1,8 2,3 4,3. ■ 

c. 5 c. 27,5 13,5 6,1 1,75 2,1 4,3 = 

34. Rhizothera longirostris (Temm.) 

Perdix longirostris Temminck, Pig. et Gall. III p. 323, 721. 1815. 
Rhizothera longirostris Salvador], üccelli di Borneo p. 310 sp. 323. 1874. 

Bverett, Birds of the Bornean Group p. 199 sp. 497. 1889. 

W. R. Ogilvie Grant, Gat. Birds Brit, Mus. XXII p. 183. 1893. 

Zwei ausgefärbte männliche Exemplare, die im Wesentlichen voll- 
ständig untereinander und mit der Beschreibung des Männchens überein- 
stimmen. Das Vorkommen der Art bei Pontianak wird durch H. Storm's 
Sammlungen zuerst nachgewiesen. Die kürzlich von W. R. Ogilvie Grant 
vom Mt. Dulit beschriebene Art dulitensis unterscheidet sich hauptsäch- 
lich durch die weissliche Färbung des Bauches von der vorliegenden Art. 
(Ibis, 1895 S. 378.) 

35. Hypotaenidia striata (Linn.) 

RalluB striatus Linne, Syst. Nat. I p. 262. 1766. 

Hypotaenidia striata Salvadori, Uccelli di Borneo p. 336 sp. 355. 1874. 

Everett, Birds of the Bornean Group p. 201 sp. 506. 1889. 

Sharpe, Gat. Birds Brit. Mus. XXIII p. 33. 1894. 

Ein Exemplar bezeichnet „Sumpfhühnchen $" vom Oktober 1894. 

Der Schnabel ist braun, die Füsse sind schwärzlich gefärbt. 

Die rotbraune Färbung der Kopfplatte und des Nackens ist stark 
ausgesprochen, kastanienbraune Streifen gehen an den Seiten des Nackens 
weit nach hinten. Die Färbung des Gefieders am Rücken und unter- 
wärts zeigt keine oder doch nur eine sehr geringe olivenfarbene Schattie- 
rung. Die Vorderseite des Halses und der Brust ist einfarbig aschgrau; 
an dem Leibe bee'innt unmittelbar liinter dem Grau der Brust die 



120 

charakteristische gel)äuderte Zeichnung; die weissen Bänder sind hier 
nicht gelblich verfärbt. Durch diese Charaktere der Zeichnung und Fär- 
bung unterscheidet sich der vorliegende Balg von einem Platen'schen 
Weibchen von Sarawak und einem Malakka-Balge des Braun Schweiger 
Museums. — Ich vermute, dass der vorliegende Balg von einem männ- 
lichen Vogel stammt. • Die Art ist durch denselben zuerst von Pontianak 
nachgewiesen. 

36. Rallina fasciata (Eaffl.) 

Rallus fasciatus Kaffles, Aves Sumatra, Transact. Linn. Soc. XIII p. 328. 1822. 
Rallina fasciata Salvadori, üccelli di Borneo, p. 337 sp. 356. 1874. 

Everett, Birds of the Bornean Group p. 201 sp. 507. 1889. 

Sharpe, Cat, Birds Brit. Mus. XXIII p. 75. 1894. 

Ein Balg, bezeichnet „Kleines Sumpfhuhn cf" vom 4 Januar 1894. 

Derselbe entspricht genau der Beschreibung des männlichen Kleides, 
während ein Malakka- Balg des Braunschweiger Museums die Charaktere 
des weiblichen Kleides zeigt. 

Durch den von Herrn Kapitän H. Storni eingesandten Balg wird 
das Vorkommen dieser Art bei Pontianak zuerst nachgewiesen. 

-\— 37. Melanopelargus episcopus (Bodd.) stormi nov. var. 

Ardea episcopus Boddaert Tabl. PL Eni. p. 54 (ex Butlon-Daubonton , PI. Eni. 906 ; 

partim). 1783. 
Melanopelargus epi.scopue Salvadori, Uccelli di Borneo p. 356 sp. 376. 1874. 

Everett, Birds of the Bornean Group p. 191 sp. 457. 1889. 

Vier Exemplare ohne Geschlechtsbezeichnung: a und b vom Januar 
1893; c und d aus einer späteren Zeit desselben Jahres, sämtlich mit 
vollständig entwickeltem und ausgefärbtem Gefieder, a — c als alt, d als 
etwas jünger zu bezeichnen. 

Die ersten beiden Exemplare sind schon in dem Jahresberichte des 
Naturhistorischen Museums in Lübeck für 1893 (Lübeck 1894 S. 9) er- 
wähnt, womit zuerst das Vorkommen dieser Art bei Pontianak nachge- 
wiesen ist. In früheren Arbeiten über Borneo -Vögel hatte ich schon Ge- 
legenheit, einen von Dr. Platen bei Guuong Giily, Sarawak, gesammelten 
Balg derselben Art (cf jun.) und zwei Dunenjunge, welche Fritz Grabowsky 
bei Tumbaug Hiang gesammelt hatte, zu besprechen (Jouru. f. Ornith. 
1882 S. 254 u. Verhandl. der k. k. zool. bot. Gesellsch. Wien. XXXIII 1883 
S. 72). Von den Grabowsky'schen Sammlungen ei'hielt das Brauuschweiger 
Museum auch ein weibliches Skelett derselben Art von Tumbang Hiang 
(14./9. 1881) und später zur Vergleichung einen jüngeren männlichen 
Balg, der folgende Aufschrift trägt: „493. Name „Biuti laut." Augen 
14 mm. Iris braun, 3 mm. Beine blassrot, die Ränder der einzelnen 



121 

Schilder duukler. Flügel überragt die Schwanzspitze nicht. Haut um 
das Auge, Kehle, Ohren schmutzig orangefarben. Schnabel rötlich mit 
dunkler Spitze. Der herauspräparierte Rumpf-Kadaver 20 cm lang, 10 cm 
breit und 11 cm hoch. Sehr selten!" 

Zum ersten Male sehe ich jetzt eine grössere Anzahl auf Borneo 
erlegter ausgewachsener Exemplare dieser Art zusammen und kann die- 
selben mit einem afiikanischen und einem Celebes-Exemplare vergleichen. 
Da fällt auf den ersten Blick eine mei-kwürdige Verschiedenheit der 
Borneo-Vögel von den übrigen Vertretern derselben Art auf, die mich 
veranlasst, für Borneo eine besondere Lokal-Rasse zu unterscheiden unter 
dem Namen stormi, zu Ehren des hochverdienten Kapitäns H. Storm. 
welcher seiner Heimat und der Wissenschaft schon so viele Dienste ge- 
leistet hat. Vielleicht werden spätere Untersuchungen auch für die 
Individuen von Celebes und dem asiatischen Festlande Unterschiede mit 
Sicherheit feststellen können, welche schon von verschiedenen Autoren 
angedeutet sind. Hierüber zu entscheiden fehlt mir das Material. Die 
Borneo-Form lässt sich in folgender Weise charakterisieren: 

Melanopelargus episcopus stormi nov. var. 

unterscheidet sich von der Hauptform durch das gänzliche Fehlen weisser 
Stirnbefiederung und weisser Superciliarstreifen, durch eine grössere Aus- 
dehnung der dunklen Kopfplatte von vorn nach hinten (ca. 9 — 10 cm), 
durch einen gedrungeneren und etwas höheren Schnabel, der meist an 
der Firste eine geringe Konkavität nach oben und an dem Vorderteile 
des Unterschnabels eine deutliche Krümmung nach oben zeigt, durch im 
Alter intensiv rote Färbung des ganzen Schnabels oder doch wenigstens 
des grössten Teiles desselben, durch eine wulstige Auftreibnng, welche 
sich hinten an der Basis der Firste findet, hinter welcher vor der 
schwarzen Stirnbefiederung sich eine tiefe Querrinne bildet, während der 
Wulst nach vorn mit einer nach oben gerichteten Konkavität allmählich 
in die Firste übergeht. Dabei haben die Borneo -Exemplare einen grün- 
lichen Glanz an den schwarzen Federn der Kopfplatte und im Alter 
eine deutlich rötliche Färbung der Läufe. (Nur bei dem jungen Exem- 
l^lare d sind sie graubraun). Auch scheinen dieselben im Ganzen eine 
etwas geringere Grösse des Schwanzes und hauptsächlich der Flügel, 
jedoch nicht der Beine zu besitzen. 

Ich füge hinzu, dass sowohl an dem von mir verglichenen Celebes- 
Balge, als auch an dem alten Männchen vom Blauen Flusse (Afrika) 
der Schnabel grösstenteils dunkel schwärzlich gefärbt und an der Firste 
nach oben schwach konvex, nicht konkav, und in keinem Teile nach 



122 



aufwärts gebogen erscheint, dass bei beiden ein oben an der Basis des 
Obersclmabels liegender Wulst und eine dahinter befindliche Querrinue 
nur ganz schwach angedeutet sind, und dass bei dem Celebes-Balge die 
schwarzen Federn der kleineu Kopfplatte (von vorn nach hinten nur ca. 
5,5 cm) einen bläulichen Glauz besitzen, während bei dem afrikanischen 
Exemplare die dunkle Kopfplatte fast noch kleiner ist (ca. 5 cm), einen 
bräunlichen Schein mit sehr wenig Glanz hat und schon auf dem Scheitel 
durch eingestreute weisse Federn allmählich in das weiss gefärbte Hinter- 
haupt übergeführt wird. 

Die wichtigsten Masse sind in der folgenden Tabelle zusammen- 
gestellt, der ich zum Vergleiche die Ausmessungen der verglichenen 
anderen Stücke hinzufüge: 







Ala 


Canda 
Tectriccs alliao 


Cuimcii 


Rictas 


Tarsus 


Dig. nioil. 




Storm a. 


41,7 


20,0 


15,3 


15,9 


15,4 


8,8 cm 




b. 


41,4 


18,5 


14,8 


16,1 


14,3 


8,2 - 


o 

(E 


c. 


42,0 


17,8 


14,0 


14,6 


14,3 


8,3 = 


O 


d. 


38,8 


16,3 


13,3 


13,9 


14.3 


8,0 . 


Platen 


40,5 


17,8 


14,1 


15,0 


15,4 


8,6 ■ 




Grabowsky 


40,4 


16,8 


13,9 


14,2 


15,0 


8,7 = 


Gelebes (Riedel) 


44,8 


21,0 


14,8 


16,1 


15,7 


8,7 = 


Afril 


ja (Brehm) 


48,0 


24,5 


14,7 


15,8 


15,4 


8,5 = 



II. Vögel von zwei anderen Stellen Borneo's. 

1. Scops lempiji (Horsf.) 

Ein Exemplar von Bulangan (Ost-Borneo), Februar 1892, im ziem- 
lich entwickelten Nestkleide, das ich schon oben (S. 93) erwähnt habe. 
Das Vorkommen dieser Art ist schon an den verschiedensten Stellen 
Borneo's nachgewiesen, von Bulangan, wie es scheint, früher noch nicht. 



2. Porphyrie calvus Vieill. 

Porphyrie calvus Vieillot, N. Dict. d'Hist. Hat. XXVIII p. 28. 1819. 
Porphyrie indicus Salvadori, Uccelll di Borneo p. 342 sp. (?) 1874. 

• Everett, Birds of the Bornean Group p. 203 sp. 516. 1889. 
calvus Sharpe, Cat. Birds Brit. .Mus. XXIII. p. 200. 1894. 

Sieben Exemplare von Banjermassin (Süd -Ost- Borneo), wovon zwei, 
a und b, als jüngere Individuen, fünf, c bis g, als Dunenjunge zu be- 
zeichnen sind. 

Das Vorkommen und Brüten der Art bei Banjermassin war schon 
seit SemnieHnk festgestellt, von dem ein Dunenjunges im Museum zu 



123 

Darmstadt stammt, das Brüggemann erwähnte. Mit aller Sicherheit 
konnte ich später zuerst nach zahlreichen Bälgen von alten und jungen 
Exemplaren, die Grabowsky am Bangkau-See gesammelt hatte, das dortige 
Brüten bestätigen. Neuerdings hat Vorderman eine neue Bestätigung ge- 
geben, der sich nunmehr die Exemplare, die H. Storm dem Naturhisto- 
rischen Museum in Lübeck gesandt hat, anschliessen. — Die Platte auf 
dem Oberschnabel ist bei a und b sehr schmal, schmaler als bei alten 
Bälgen Grabowsky's, woraus auf einen jüngeren Zustand zu schliessen 
ist. Der Balg a hat eine Flügelläuge von 20,2 cm und eine Schwauz- 
länge von 7,8 cm; b, bei dem die Flügel defekt sind, eine Schwauzlänge 
von 8,0 cm; bei den Dunen- Jungen, von denen c an Brust und Leib 
schon eine grössere Anzahl von blauen Federn besitzt, während bei den 
kleinsten nur Spuren einer blauen Färbung sichtbar sind, lassen sich von 
Flügel und Schwanz noch keine Masse nehmen. Die übrigen Masse stelle 
ich in folgender Tabelle zusammen: 





Long. tot. 


Culmen 


Rictus 


Tarsus 


a. 


41,5 


5,0 


3,4 


8,0 


b. 


37,0 


5,1 


3,3 


7,0 


c. 


22,8 


3,2 


2,8 


4,7 


d. 


20,8 


2,9 


2,6 


4,3 


e. 


19,5 


3,0 


2,4 


4,0 


f. 


19,5 


2,8 


2,3 


4,3 


g- 


16,0 


2,7 


2,2 


3,8 



Die ganz jungen Dunenkleijder zeigen eine fast einfarbig- 
schwarzbraune Färbung, nur an dem Hinterleibe und der Innenseite der 
Schenkel ist die Färbung graubraun; der Kopf ist rein schwarz und zeigt 
nur einige mit weisslichem Belage Versehene Borstenfedern, die dem Kopfe 
ein eigentümlich strujjpiges Aussehen geben. Abgesehen von dem weissen 
Flecken liinter der Spitze des Oberschnabels ist der Schnabel in der 
vordem Hälfte schwärzlich, in dem Basalteile braun, mit heller Firste und 
hellen Rändern am Ober- und LTnterschnabel. Mit dem Hervorbrechen 
von blauen Federn am Leibe und blaugrünen an der Brust nimmt die 
graue Färbung des Hinterleibes zu. Bei den etwas älteren Dunenjuugeu 
zeigt sich am Hinterleibe auf grauem Grunde eine dunklere Bänderung, 
die dann allmählich (so z. B. bei b) in eine dunklere braune Färbung 
mit weissen Qnerbändern übergeht, welche letztere dann allmählich ver- 
schwinden, z. B. bei a fast vollständig verschwunden sind. In den 
letzten Entwicklungsstadien, z. B. bei a und b, ist der ganze Schnabel 
mit der breiten Platte des Oberschnabels rot gefärbt. 



124 

III. Vögel von Celebes. 
1. Megacephalon maleo (S. Müll.) 

Macroceplialon maleo Sal. Müller, Archiv f. Naturgeschichte Jahrg. XII ßd. I. Heft 1. 

S. 116. Fussnote. 1846. 
Megacephalon maleo W. R. Ogilvie Grant, Cat. Birds Brit. Mus. XXII p. 472. 1893. 

Ein altes, vermutlich männliches Exemplar von Celebes 1890 (wahr- 
scheinlich von der Minahassa, Nord-Celebes). Bisher scheint die Art nur 
in Nord-Celebes und von A. B. Meyer auf den Sanghir-Inseln beobachtet 
zu sein. 

Die Nomenclaturfrage bedarf einiger Erläuterungen. Temminck hat 
den Namen „Maleo," den die Eingeborenen von Celebes für dieses Gross- 
fuss-Huhn benutzen, (eigentlich „Moleo"), in einer nicht wissenschaftlichen, 
geschweige denn binären Form 1826 in den Planches Coloriees (Text zu 
PI. 411) gebraucht Die Stelle lautet: „Le grand Megapode, connu aux 
Celfebes sous le nom de Maleo, ne nous est point eucore parvenu. Jen 
fais la remarque, afin que l'espece decrite dans cet article [Megapodius 
rubripes Temra.] ne soit pas confondue avec ce quatrieme Megapode, 
Fun et l'autre se trouvant aux Celebes: celle du present article habite 
aussi l'ile d'Amboine". — Quoy & Gaimard (Voyage de l'Astrolabe, Zool. I 
p. 239; pl. 25) benannten einen von ihnen abgebildeten jungen Vogel 
dieser Art 1833 mit dem falschen Namen Megapodius rubripes Temm., 
einem Synonym von Megapodius duperreyi Less. u. Garn. Hartlaub ge- 
brauchte 1844 den Namen Megacephalon maleo ohne Beschreibung (Ver- 
zeichnis S. 101). Im folgenden Jahre bildete Thienemann (Fortpflanzung 
aller Vögel, Bd. I S. 11 Taf. IV Fig. 1) das Ei unter dem Namen Mega- 
podius maleo ab, ohne eine Beschreibung des Vogels zu geben. Im Jahre 
1846 führten Gray & Mitchell (Genera Birds III pl. 123, p. 489) die Art 
unter Beschreibung der schon von Hartlaub aufgestellten Gattung Mega- 
cephalon irrtümlich als „M. rubripes (auf der Tafel sogar fälschlich als 
rufipes) Quoy et Gaim." an. Im Anfange desselben Jahres hatte schon 
vorher Sal. Müller zuerst wirklich die Art in dem Archiv für Natur- 
geschichte (1. c.) und zugleich die (von ihm vielleicht irrtümlich so ge- 
nannte) Gattuuig „Macrocephalon" beschrieben. Der Aufsatz ist datiert 
Oktober 1845 und steht im ersten Hefte des Archivs, dürfte also die 
Priorität von Gray & Mitchells Genera (Bd. III) beanspruchen können. 
Da die Gattung unter dein Namen Megacephalon nicht wirklich vor 
S. Müller beschrieben zu sein scheint, hat schon Robert G. Wardlaw 
Ramsay bei Herausgabe der gesammelten Werke seines Oheims (The 
Ornithological Works of Arthur, Ninth Marquis of Tweeddale, London 



125 

1881. 4° S. 187/8) nach im Manuskript vorliegenden Original-Bemer- 
kungen Tweeddale's den Namen Macroceplialon maleo S. Müll, als den 
richtigen hingestellt. Salvador! erwähnt die angeführten Thatsachen 
ebenfalls, nimmt aber bei dem Worte Macrocephalon einen einfachen 
Schreibfehler oder Irrtum S. Müllers au, weshalb er die Gattungsbezeich- 
nung Megacephalon beibehält. Nach dem Gesagten würde jedoch der 
Gattungsname Macrocephalon angewendet werden müssen, wenn nicht 
Westwood 1841 eine Wanzengattung als Macrocephalus beschrieben hätte 
und nicht nach Art. 53 der „Regles de la Nomenclature" der Gebrauch 
eines später beschriebenen Gattungsnamens vermieden werden sollte, der 
sich nur durch die (männliche, weibliche oder sächliche) Endigung des 
Namens von dem früher aufgestellten Gattungsnamen unterscheidet. 

2. Megapodius cumingi Dillw. 

Megapodius cumingi Dillwyn, Proo. Zool. Soo. 1851. p. 118 PI. 39. 

Megapodius gilberti G. R. Gray., Proc. Zool. Soo. 1861. p. 289. 

Megapodius cumingi W. R. Ogilvie Graut, Cat. Birds Brit. Mus. XXII p. 449. 1893. 

Ein Exemplar vom August 1891, bezeichnet „Waldhuhn." 

Rücken und Flügel olivenfarben. Unterseite grau. — Ogilvie Graut 
hat dargelegt, dass die Färbung der Oberseite bei Individuen selbst vou 
demselben Fundort stark variirt, und dass die Formen: gilberti, lowi, 
dillwjaii, pusillus spezifisch nicht zu trennen sind. Ohne mir selbst ein 
Urteil darüber haben bilden zu können, folge ich in der Benennung 
der Autorität Ogilvie Grant's, welcher etwa 35 Stücke des Britischen 
Museums von den verschiedensten Teilen des Verbreitungs - Gebietes der 
Formen dieser Gruppe untersuchen konnte. Die Ausmessungen des vor- 
liegenden Balges zeigen im Allgemeinen etwas kleinere Verhältnisse als bei 
einem Balge des Braunschweiger Museums von den Sulu-Inseln, nämlich: 

Ala 20,5; Cauda 6,4; Culmen 1,6; Rictus 2,9; Tarsus ca. 5,6 cm. 
Von den Sulu-Inseln hat Herr Kapitän H. Storni einen andern Balg der- 
selben Art eingesendet. Derselbe stimmt fast vollständig mit dem schon 
erwähnten von Dr. Platen auf den Sulu-Inseln gesammelten Exemplare 
des Braunschweiger Museums überein. Die Unterseite ist dunkelgrau. 

Die wichtigsten Masse sind: 

Ala 23,0; Cauda 6,5; Culmen ca. 1,6; Rictus ca. 3,0; Tarsus ca. 
6,1 cm. 

IV. Von den Sulu-Inseln. 

1. Megapodius cumingi Dillw. 

Ein Exemplar von den Sulu-Inseln 1890, das ich unter dei' vorigen 
Nummer mit besprochen habe. 



126 



V. Von Singapore. 

1. Aethopyga siparaja (Raffl.) 

Certbia siparaja Raflies, Aves Sumatra, Transact. Liiui. Soc. XIII p. 299. 1822. 
Aethopyga siparaja H. Gadow, Cat. Birds Brit. Mus. IX p. 21. 1884. 

Ein Balg im ausgefärbten männlichen Kleide, vollständig mit alten 
männlichen Bälgen des Braunschweiger Museums übereinstimmend, die 
Fr. Grabowsky in Süd-Ost-Borneo gesammelt hat. 

VI. Vögel von Klang (Malakka). 

Herr Kapitän Storm hat in zwei verschiedenen Jahren (1890 und 
1892) Klang besucht und von dort einige Bälge an das Naturhistorische 
Museum in Lübeck eingesendet, die ich im Folgenden aufzähle: 

1. Rhinortha chlorophaea (Raffl.) 

Cuculus cliloropbaeus Raffies, Aves Sumatra, Transact. Linn. Soc. XIII p. 288. 1822. 
Rhinortha chlorophaea G. E. Shelley, Cat. Birds Brit. Mus. XIX p. S93. 1891. 

Zwei Exemplare von 1892: a. im alten männlichen; b. im weib- 
lichen Kleide, sowie ich dieselben z. B. in meiner Arbeit über die von 
Platen auf Borneo gesammelten Vögel beschrieben habe. (Jahresber. d. 
Ver. f. Naturwiss. Braunschweig f. 1880/1, p. 123 S. A. 1881 p. 17.) Es liegt 
ausserdem noch ein von H. Storm eingesandtes Exemplar von den „Suuda- 
Inseln" vor, das dasselbe männliche Kleid trägt. 

2. Centropus javanensis (Dumont) 

Cuculus javanensis Dumont de St. Croix, Dict. Sc. Nat. XI p. 144. 1818. 
Centropus javanicus G. E. Shelley, Cat. Birds Brit. Mus. XIX p. 354. 1891. 

Ein Balg von 1890, welcher vermutlich als junges Männchen zu be- 
zeichnen ist. Er befiiidet sich in einem ähnlichen rotbraun-grau-gestreiften 
bezw. gebänderten Kleide, wie ein Balg (Nr. 5785) des Braun Schweiger 
Museums, den Duyvenbode auf Celebes gesammelt hat, und den ich 
früher ausführlich beschrieben habe (Zeitschr. f. d. ges. Ornithologie 1885, 
p. 267). Die Grössen-Verhältnisse sind nur bedeutend geringer: 

Long. tot. ca. 31,0; Ala 13,0; Cauda 15,8; Culmen 2,4; Rictus 2,7; 
Tarsus 3,8. 

Die Original -Beschreibung Dumont's habe ich nicht nachsehen 
können; ich bin jedoch im Zweifel, ob G. E. Shelley im Gegensatz zu 
sämtlichen anderen Autoren den Originalnamen richtig javanicus anstatt 
javanensis citiert. Aug. Müller (Journ. f. Ornith. 1882 S. 410) hat die 
Vögel von Hinterindien, Malakka, Salanga etc. als C. bengalensis (Gmel.) 
aufgeführt, während sie Shelley (1. c.) zu der oben genannten Ai't zieht. 



127 

Das Kleid des vorliegenden Balges lässt keine sichere Entscheidung dar- 
über zu, zu welcher dieser zwei Arten derselbe zu rechnen ist, da gerade 
in diesem Kleide grosse Ähnlichkeit zwischen denselben besteht. Möglich 
auch, dass beide Formen zusammenfallen und der Name bengalensis auch 
für die Malakka-Vögel angewendet werden muss, wie dies z. B. auch von 
A. B. Me3^er und L. W. Wiglesworth geschehen ist (Journ. f. Ornith. 
1894 p. 242). 

3. Eurystomus orientalis (Linn.) 

Coraoias orientalis Linne, Syst. Nat. I p. 159. 1766. 

Eurystomus orientalis Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. XVIt p. 33, pl. II, fig. 1. 1892. 

Ein Balg von 1892, der in der Färbung vollständig mit einem von 
Platen auf Gross -Sanghir gesammelten Weibchen des Braunschweiger 
Museums und mit einem ebendort befindlichen vielleicht männlichen 
Balge (A), von Riedel in Celebes gesammelt, übereinstimmt. — Von den 
„Suuda- Inseln" hat Storm ausserdem einen Balg der naheverwaudteu 
Form Eur. calonyx Hodgs. eingesendet, welchen ich weiter unten be- 
sjjrechen werde. 

4. Cymborhynchus macrorhynchus (Gmel.) 

Zwei Exemplare von 1892, die ich schon oben (S. 1U9) besprochen habe. 

5. Caprimulgus macrurus Horsf. 

Ein vermutlich weibliches Exemplar von 1892, das ich schon oben 
(S. 111) besprochen habe. 

6. Chloropsis zosterops Vig. 

Ein Exemplar von 1892 im weiblichen Kleide, das schon oben 
(S. 115) besprochen ist. 

1. Chloropsis ieterocephala (Less.) 

Phyllornis icterocephalus Lesson., Rev. Zool. 1840 p. 164. 

Chloropsis ieterocephala Sharpe, Cat. ßirds Brit. Mus. VI p. 30. 1881. 

Ein Balg von 1892, der ein jüngeres männliches Kleid im Übergänge 
trägt. Die Stirn und die Halsseiten sind noch nicht intensiv gelb gefärbt, 
sondern nur wenig gelber, als der goldfarbene Nacken. Zwischen den 
schwarzen Federn der Kehle und der Wangen finden sich noch grüne 
Federn eingestreut. Dunkelblaue Federn sind bisher nur wenige an den 
Mundwinkeln entwickelt, sodass der blaue Malarfleck nur angedeutet ist. 
Im Übrigen zeigt das Exemplar Übereinstimmung mit einem männhchen 
Malakka-Balge des Braunschweiger Museums. Es scheint, dass diese Art 
in Borneo von viridiuucha vertreten wird, und dass Vorderman in seiner 



128 

Abhandlung: De Vogels van Billiton (Nat. Tijdsch. v. Ned. Indie Bd. 50; 
S. 475, 1891) fälschlich beide Formen mit einander vermengt. Auch in 
Billiton scheint nicht icterophala, sondern viridiuucha vorzukommen. 

8. Rallina superciliaris (Eyt.) 

Rallus superciliaris Eyton, Ann. & Mag., Nat. Hist. XVI p. 230. 1845. 
Rallina superciliaris Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. XXIII p. 76. 1894. 

Ein Balg von 1892, der das charakteristische männliche Kleid trägt. 
Ich kann denselben mit einem Malakka-Balge des Braun Schweiger Museums 
im weiblichen Kleide vergleichen. Die Beschreibung, welche Sharpe (1. c.) 
von den Geschlechtsverschiedenheiten giebt, stimmt sehr gut zu beiden 
Bälgen. 

9. Amaurornis phoenicura (Forster). 

RalluB phoenicurus Forster, Zool. Ind. p. 19 pl. 9. 1781. 

Amaurornis phoenicura Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. XXIII p. 166. 1894. 

Ein Balg von 1890, ein offenbar jugendliches Stück, wie man an 
der noch geringeren Entwickelung des Schnabels erkennen kann. Stirn 
und Wangen zeigen eine ähnliche Ausdehnung des Weiss, wie ich solche 
an zwei vorderindischen Bälgen des Braunschweiger Museums sehe und 
bei einem ebenda befindlichen, noch jüngeren c?, welches F. Grabowsk}^ 
am Suugei Amandit in Borneo am 27./4. 1882 gesammelt hat. Das Weiss 
an Kopf und Hals und Vorderbrust ist jedoch ziemlich schmutzig. Das 
graue Gefieder des Rückens ist sehr abgenutzt und zeigt weniger oliveu- 
farbenen Ton, als die erwähnten anderen Exemplare. Wahrscheinlich ist 
das Exemplar als $ zu bezeichnen. 

VII. Vögel aus dem indo-malayischen Gebiete, 

bei denen eine ganz genaue Heimat- Bezeichnung fehlt. 

Die B[eimat-Bezeichnungen der hier aufzuzählenden Vögel lauten 
verschieden und lassen, wie ich schon oben angedeutet habe, nur auf das 
eine oder andere beschränkte Gebiet der indo-malayischen Region 
schliessen. Unter „Java-See" ist das Meeres-Gebiet zwischen Singapore, 
Borneo, (auch östlich von Borneo), Celebes, Java und der südösthchen 
Hälfte von Sumatra gemeint, welche letztere Insel aber niemals von diesen 
Fahrten berührt wurde. Die Landvögel können nur entweder von Banjei'- 
massin (SO-Borneo), ßulangan (Ost-Borneo) , Surabaja (Java) oder Singa- 
pore sein. „Sunda-Inseln" kann Java, Borneo, Sumatra (Deli oder 
Atjih) und vielleicht auch Celebes bedeuten. Ähnlich ist es mit dem 
„Malayischen Archipel," doch kann hier möglicher Weise auch Singa- 
pore und Malakka mit in Betracht kommen. Unter „Simalu" führe ich 



ausser einem Balge von Dissemurus platurus diejenigen Tauben auf, 
welche mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit nach dem Wortlaute eines 
Briefes des Kapitäns H. Storm vom 3. Februar 1890 von dort stammen 
(,,die Vögel mit den langen Schwanzfedern und sämtliche Tauben sind 
von der Insel Simalu'). Die Unsicherheit in der Bezeichnung rührt nur 
daher, dass das Schiff damals auch Atjih und Singapore berührte und 
dass später auch noch von anderen Gegenden, z. B. von Makassar (Süd- 
Celebes) Tauben-Bälge eingesandt sind, wie Osmotreron vernans, Caloenas 
nicobarica und Myristicivora bicolor, die mir aber, wie es scheint, über- 
haupt nicht vorgelegen haben. Die Heimatsangaben sind z. T. noch nach 
der Erinnerung durch den ehemaligen Steuermann des Kapitäns H. Storm, 
Herrn Derlien, als ihm kürzlich die zweifelhaften Bälge vorgelegt wurden, 
genauer festgelegt, so z. B. Banjermassin für Astur soloensis und Osmo- 
treron vernans, Pulo-laut für Eudynamis orientalis, Dongala für das 
2. Exemplar dieser Art; Bulangan und Ostküste Borneo's für Eurystomus 
calonyx und Rhinortha chlorophaea, Deli (Sumatra) für Pelargopsis fraseri, 
Pontianak bezw. West-Borneo für Gymborhynchus macrorhynchus und 
Nettopus cormandelianus. Wenn derselbe für die fraglichen Tauben- 
Arten Atjih als Heimat angiebt, so widerspricht dies zwar dem Wortlaut 
des Storm'schen Briefes, doch liegt darin die Bestätigung, dass die Bälge 
von einer auch Simalu berührenden Fahrt nach Atjih mitgebracht sind; 
andererseits scheint die Angabe, dass Phoenicophaes erythrognathus von 
der Ostküste Borneo's stammen soll, auf Verwechselung zu beruhen. 
Das deutet schon darauf hin, dass Derlien's Angaben keinen Anspruch 
auf untrügliche Sicherheit haben. 

Es erschien mir unzweckmässig, die an dieser Stelle aufzuzählenden 
Vögel nochmals nach den verschiedenen mehr oder weniger unbestimmten 
Heimat-Angaben zu trennen. Natürlich wird bei jeder Art und event. 
den verschiedenen Individuen die betreffende Bezeichnung hinzugefügt, 
um für später eine Kritik der faunistischen Bedeutung nicht gänzlich 
unmöglich zu machen. — Was die Beihenfolge bei der Aufzählung an- 
betrifft, so folge ich aus Zweckmässigkeits-Gründen wiederum der syste- 
matischen Anordnung, welche Salvadori in seinen Uccelli di Borneo an- 
gewendet hat. Für die Identifizierung eitlere ich ausser der Original- 
Beschreibung die Beschreibung in dem Catalogue of the Birds in the 
British Museum und, wo die Art bis jetzt noch in diesem Werke nicht 
abgehandelt ist, in Betreff der Identifizierung, Synonymie und Verbreitung 
Salvadori's Werk über die Ornitologia della Papuasia etc. 



130 

1. Accipiter virgatus (Temm.) 

Falco virgatus Temminck, Planoh. Color. I PI. 109 (ex Reinw. MS.) 1823. 
Accipiter virgatus Sharpe, Cat. ßirds Brit. Mus. I p. 151. 1874. 

Ein Stück von der „Java-See," vermutlich 9 juv. 

Der Balg trägt das Kleid eines jüngeren Individuums mit Schaft- 
flecken an der Brust und Querbäudern an dem Leibe und au den Bein- 
federn, mit dunkelbraunem Rücken und schwärzlicher Kopfplatte. Die 
erwähnte Zeichnung entspricht fast genau zwei Malakka-Bälgen dieser 
Art im Braunschweiger Museum. Da die Masse den Massen des grösseren 
dieser beiden Bälge ungefähr entsprechen, so ist weibliches Geschlecht 
anzunehmen. Die Art ist im ganzen östlichen Asien von Nord-China und 
Japan bis zu den Sunda-Inseln verbreitet und bereits für die malayische 
Halbinsel, Java, Banka, Sumatra und Borneo nachgewiesen. 

2. Astur soloensis (Lath.) 
Falco soloensis Latham, Gen. Hist. I p. 209. 1821. 
Astur soloensis Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. 1, p. 114 pl. IV Fig. 1. 1874. 

Ein weniger gut präpariertes Stück von den „Sunda-Inseln," nach 
der Erinnerung des Steuermanns, Herrn Derlien, von Banjermassin (SO- 
Borneo), im ausgefärbten Kleide der Alten, in Grösse and Färbung mit einem 
von Platen in der Minahassa (Nord-Celebes) gesammelteo alten d" und einem 
von G. A. Frank stammenden Balge nicht ganz sicherer Herkunft im 
Braun Schweiger Museum übereinstimmend; nur ist bei dem Storm'schen 
Exemplare das Rot der Unterseite bedeutend dunkler und intensiver, etwa 
genau der von Sharpe gegebenen Abbildung (1. c.) entsprechend. 

Diese Art ist der vorigen in den verschiedenen Entwickelungs- 
Stadien sehr ähnlich, unterscheidet sich aber z. B. von derselben sehr 
leicht durch die gelbe Färbung der Wachshaut. Die Verbreitung ist eine 
ähnliche, wie diejenige von Accipiter virgatus; die Art ist schon von allen 
in Betracht kommenden Sunda-Inseln: Sumatra, Java, Borneo und Celebes 
nachgewiesen. 

3. Xantholaema haematocephala (P. L. S. Müll.) 

Bucco haemacephalus P. L. S. Müller, Syst. Nat. Anhang p. 88 (es Daubenton). 1776. 
Xantholaema haematocephala G. E. Shelley, Cat. Birds Brit. Mus. XIX p. 89. 1891. 
Zwei wenig gut präparierte Bälge vom „Malayischen Archipel," mit 
einem von Schadenberg und Koch stammenden Philippinen -Balge ziem- 
lich übereinstimmend. Das Vorkommen der Art auf der malajdscheu 
Halbinsel und Sumatra (Atjih) ist bereits nachgewiesen. 

4. Chrysophlegma mlniatum (Forster). 
Picus miniatus Forster, Ind. Zool. p. 14 pl. IV. 1781. 
Chrysophlegma miniatum Edw. Hargitt, Cat. Birds Brit. Mus. XVIII p. 121. 1890. 

Zwei wenig gut präparierte Bälge von den „Sunda-Inseln," a im 



131 

männlichen Kleide, b im weiblichen. Das letztere Stück stimmt im All- 
gemeinen mit einem von Ed Verreaux stammenden Java -Balge des 
Braunschweiger Museums überein ; nur ist bei dem Storm'schen Exem- 
plare die Färbung der hintersten Hollenfedern rein gelb, auf welche nach 
vorn solche folgen, die gelb und rot gefärbt sind und erst ganz vorn 
solche (die Mehrzahl) von ganz roter Farbe. Auch erscheint bei beiden 
Storm'schen Exemplaren die rote Färbung des Rückens nicht ganz so 
stark, was vielleicht voii der Zerrung der Rückenhaut bei der Präparation 
herrührt. Die Federn sind grün gefärbt mit mehr oder weniger deutlich 
hervortretenden roten Rändern und Spitzen. Vielleicht handelt es sich 
hier um eine Ubergangsform zwischen malaccense und miniatum, wie in 
ähnlicher, aber etwas verschiedener, Weise solche von Salvadori aus 
Sumatra beschrieben ist. (Ann. Mus. Civ. Genova (2) IV S. 530. 1887.) 
Die Färbung der Haube ist bei a ähnlich wie bei b. 

Die Art ist bis jetzt nur auf Java beobachtet, während die ver- 
wandte Form malaccense in Tenasserim, Malakka, Sumatra, Nias, Banka, 
Borneo und Billiton vorkommt. Die beiden Bälge können demnach recht 
gut von Surabaja (Java) stammen. 

5. Chrysophlegma humei Harg. 

Chrysophlegma humii Edw. Hargitt, Ibis 1889 p. 231. 

Cat. Birds Brit. Mus. XVIII p. 126. 1890. 

Ein gut präparierter Balg vom „Malayischen Archipel," der ver- 
mutlich wegen der braunen an der Seite (nicht zugleich an der Spitze) 
weiss geränderten Kinufedern und der matten Färbung an den Kopf- 
seiten etc. als junges Männchen dieser seit langer Zeit unter dem Namen 
mentale (Temm.) gut bekannten, von Hargitt 1889 jedoch abgeschiedenen 
Form anzusprechen ist. Diese Art verbreitet sich durch Süd-Tenasserim, 
die malayische Halbinsel, Sumatra und Borneo, während Chr. mentale 
auf Java beschränkt sein soll. Vordermau's Auseinandersetzungen (Nat. 
Tijdschr. v. Nederl. Indie Bd. 49. 1890. S. 46/8) lassen fast darauf schliesseu, 
dass ausser humei auch letztere Art, die er unter dem Namen gularis 
Rchb. aufführt, in Sumatra vorkommt. 

6. Eudynamis orientalis (Linn.) 

Cuculus orientalis Linne, Syst. Nat. I p. 168 (ex Brisson Fig. 1). 1766. 
Eudynamis orientalis G. E. Shelley, Cat. Birds Brit. Mus. XIX p. 322. 1891. 

Zwei Exemplare, nämlich eines im schwarzen Federkleide der alten 
Männchen von den „Sunda-Inseln" und ein anderes im rotbraunen, dunkel 
gefleckten und gebänderten Kleide der Weibchen bezw. jungen Individuen 
von dem „Malayischen Archipel," nach der Erinnerung des Steuermanns, 
Herrn Derlien, letzteres von Pulo Laut (Süd -Borneo) und ersteres von 

9* 



132 

derselben Stelle, von welcher Megapodius cumingi Dillw. (s. ob. S. 125) 
stammt, nämlich Dongala (W-Celebes). Das Männchen hat auf dem schwarzen 
Gefieder blauen und grünen Glanz gemischt; der Schnabel ist in den beiden 
Wurzeldritteln dunkel schwärzlich hornfarben, an der Spitze hell, dabei 
breit und verhältnismässig kurz, mit abgerundeter Firste, zu deren Seite 
über den nahezu runden und höchstens etwas längsovalen kleinen Nasen- 
löchern die Wände des Oberschuabels ziemlich steil abfallen; die Ober- 
schnabelspitze ist zuletzt fast senkrecht abwärts gebogen. Eine ähnliche 
Form des Schnabels finde ich bei einem alten männlichen Eudynamis- 
Exemplare von Gross-Sanghir, das ich als „mindanensis var. sanghirensis" 
beschrieben habe. Dies hat aber in dem Gefieder einen vorwiegend 
grünen Glanz. Ein Balg von Palawan [d ad.) im schwarzen Kleide, das 
ich bis jetzt als „mindanensis" rubriciert hatte, hat einen viel blaueren 
Metallglanz. Ein anderer ähnlich gefärbter männlicher Eudynamis-Balg 
von den Sulu-Inseln, den ich als „mindanensis var. (an monströs. ?) alboma- 
culata" erwähnt habe, dürfte in der Mischung von grünem und blauem 
Glänze dem vorliegenden Storm'schen Balge sein* nahe kommen. Die 
Schnabelform der letzterwähnten Individuen von Palawan und Sulu ist 
ähnlich, wenn auch etwas abweichend, besonders durch etwas grössere 
Länge. In dieser Beziehung ähneln sie dem zweiten Storm'schen Balge, 
und es werden die Verschiedenheiten in der Schnabelform und -Grösse 
schwerlich Veranlassung geben dürfen, die beiden Storm'schen Bälge von 
einander spezifisch zu trennen, weshalb nach den besonderen Eigen- 
schaften der Gattung Eudynamis zur Bestimmung des männlichen 
Individuums hier auch das weibliche bezw. jugendliche Kleid wesentlich 
mit verwendet werden darf. Dieses rotbraun, dunkel gefleckte und ge- 
bänderte Individuum mit horngraubraunem, an der Spitze hellerem Schnabel 
ähnelt im Allgemeinen der Abbildung, welche Daubenton 
(Planch. Enlum. VI. pl. 771) vom „Goucou tachete des Indes Orien- 
tales" gegeben hat. Diese Tafel ist nun leider von G. E. Shelley 
(1. c.) sowohl bei Eudynamis orientalis als auch (hier sogar . als typische) 
bei Eudynamis rufiventer (Less.) von Neu -Guinea und den angrenzenden 
Inseln Papuasien's und der Molukken citiert, sodass daraus allein noch 
keine Entscheidung zu treffen gewesen wäre. T. Salvador! aber citiert 
in seiner Ornitologia della Papuasia etc. diese Tafel nur bei 
Orientalis. Wenn ich den vorliegenden Balg mit anderen ähnlichen 
weiblichen und jugendlichen Kleidern von Eudynamis -Arten im Braun- 
schweiger Museum vei'gleiche, so finde ich nirgends eine vollständige 
Überemstimumug, am Meisten noch mit dem Balge eines Weibchens von 
Sulu, das ich vorläufig als „mindanensis" rubriciert hatte. Auch die 



133 

Zeichnung der Weibchen von Eudynamis raelanorhyncha von Celebes ist 
ähnlich, doch abgesehen von dem dunkleren, meist schwärzlichen Schnabel 
mit grösseren und längeren Nasenlöchern, haben diese letzteren eine 
hellere, etwas isabellgelbliche Grundfarbe der Unterseite, dunklere Fär- 
bung am Oberkopf und Kehle und eine feinere dunkle Bänderung an den 
Flügeln und besonders am Schwänze; auch ist der helle Bartstreifen, der 
bei dem Storm'schen Balge nur mit wenigen Federn angedeutet ist, viel 
stärker ausgesprochen. — Dieser Bartstreifen ist auch bei dem genannten 
Sulu- Balge viel stärker entwickelt, und, wie ich gestehen muss, auch bei 
zwei weiblichen Bälgen des Braunschweiger Museums, die nach Färbung 
und Verbreitung zu Eudynamis orientalis gerechnet werden müssen, von 
denen einer von Platen auf Amboina, der andere als „Eudynamis ransoni" 
auf Ceram gesammelt ist; diese beiden Bälge sind durch dunkleren Kopf 
und Kehle, sowie durch die rostfarbene fast bänderlose Unterseite des 
Körpers unterschieden, abgesehen davon, dass das Ceram -Exemplar viel 
schmalere dunkle Bänder der Schwanzfedern und eine weniger gefleckte, 
als gebänderte Oberseite besitzt. Die indische Eudynamis honorata (Linn.), 
von welcher ich zwei Bälge vergleichen kann, und Eud. cyanocephala 
(Lath.) von Australien, von welcher ein Balg vorliegt, können nebst der 
verwandten Form: malayana Gab. u. Heine wegen der mehr weisslichen 
Grundfarbe des Gefieders nicht in Betracht kommen. Viele von den mir 
vorliegenden Bälgen lassen sich nach den von G. E. Shelley gegebenen 
Bestimmungs-Tabellen und Beschreibungen nicht genau ordnen, und ich 
glaube, in Übereinstimmung mit Aug. Müller (Journ. f. Ornith. 1882, 
S. 408) u. A , dass in der Gattung Eudjmamis noch Vieles aufzuklären 
übrig geblieben ist. — Um Material dafür zu liefern, habe ich im Obigen 
eine ausführlichere Darlegung gegeben, weshalb ich die beiden Bälge 
zwar mit einigem anfänglichen Zweifel, aber doch zuletzt als orientalis 
(Linn.) glaube aufführen zu dürfen, eine Art, welche, im engeren Sinne 
genommen, bisher nur auf den Molukken beobachtet ist. Da Kapitän 
H. Storm auf seinen Reisen, von denen die Bälge stammen, ausser Borneo 
und Java als östlichste Punkte nur Makassar und Dongala au der West- 
küste von Celebes besucht hat, so würde durch diese Exemplare jeden- 
falls das Verbreitungsgebiet von Eudynamis orientahs, vorausgesetzt, 
dass meine Benennung richtig ist, nach Westen ausgedehnt werden. 
Allerdings hat Büttikofer diesen Namen auch für ein junges d von 
West-Sumatra augewendet (Notes Leyden Museum Vol. IX p. 29 1887), 
doch mit ausdrücklichem Vorbehalt über die weitere Deutung der Art im 
Sinne Schlegel's. Auch Vorderman führt in diesem Sinne orientalis von 
Java an (Nat. Tijdschr. v. Ned. Indie. Bd. 42 S. 205, 1883), meint jedoch 



Ala 


Cauda 


Culmen 


Rictns 


Tarsus 


18,5 


18,6 


2,9 


3,15 


3,2 cm 


19,0 


18,7 


3,2 


3,6 


3,2 = 



134 

damit Eud. houorata Liuu., wie er später ausdrücklich berichtigt liat. 

(Ibid. Bd. 44 S. 320, 1895). Im Folgeuden gebe icl:i uoch die wichtigsten 

Masse: 

Long. tot. 

a. c? ad. ca. 37,5 

b. 9 s. juv. ca. 38,7 

7. Rhinortha chlorophaea (Eaffl.) 

Ein Exemplar von den „Suuda-Inseln" im mäunliclien Kleide, das 
ich schon oben (S. 126) besprochen habe, nach der Erinnerung des 
Steuermanns, lierru Derlien, von der Ostküste Borneo's. 

8. Phoenicophaes erythrognathus Bp. 

Phoenicopbaes erythrognathus ßonaparte, Consp. Gen. Av. I p. 89. 1849. (Sumatra.) 
Urococcyx erythrognathus, G. E. Shelley, Cat. Birds Brit. Mus. XIX p. 398. 1891. 
partim (exul. Borneo). 

Ein Exemplar vom „Malayischen Archipel," in Färbung des Ge- 
fieders und der Form der Nasenlöcher mit Malakka- Bälgen des Braun- 
schweiger Museums übereinstimmend. Sollten sich die Geschlechts- 
Charaktere, welche ich früher für die Borneo -Form glaubte nachweisen 
zu können (Jahresber. d. Ver. f. Naturw. Braunschweig für 1880/1, S. 124 
S. A. Braunschweig 1881 S. 18), analog auch auf die Sumatra- und 
Malakka-Vögel anwenden lassen, so würde hier vermutlich ein männliches 
Individuum vorliegen, da das Kinn, abgesehen von den allervordei'sten 
Federn, nicht grau, sondern, wie die Kehle, rotbraun gefärbt ist. — Graf 
Hans V. Berlepsch hat kürzlich nach der verschiedenen Form des 
Nasenloches, welches bei den Borneo-Vögeln nicht gross und ruudUch, 
sondern schmal, kleiner und länglich erscheint, und nach den Grössen- 
Differenzen und Färbungs -Verschiedenheiten des Schnabels die Borueo- 
Exemplare als Phoenicophaes microrhiuus unterschieden (Novitates Zoolo- 
gicae II 1895 p. 70). Ich kann dieser Unterscheidung, auf deren Berech- 
tigung ich schon 1881 (1. c.) vermutungsweise hingewiesen habe, in allen 
Punkten zustimmen. Es ist höchst auffallend, dass in der Form der 
Nasenlöcher die drei verwandten und in der Färbung sich sehr ähnlich 
verhaltenden Arten: erythrognathus, microrhinus (Borneo) und curvirostris 
(Java) sich unterscheiden. Es spricht dies gewiss dafür, dass die ab- 
weichende Nasenlochform in diesem Falle nicht zur generischen Trennung 
der Arten verwendet werden darf, wie dies von Sharpe und Shelley (1 c ) 
geschehen ist. Übrigens möchte ich noch darauf aufmerksam machen, 
dass, wenn ich auch früher auf die verschiedene Form der Nasenlöcher 
nicht ausdrücklich aufmerksam gemacht habe, ich doch (1. c.) zahlreiche 



135 

andere zur Unterscheidnug genügende Unterschiede beider Formen in 
Grösse und Färbung erwähnt und die Borneo Form mit dem Namen var. 
borneensis versehen habe. Danach dürfte doch vielleicht nach den 
neueren Prinzipien der Nomenclatur auch der Varietät -Name: borneensis 
W. Blas, und Nehrk. zur Bezeichnung der Spezies vor microrhinus Berlepsch 
die Priorität beanspruchen können. Mit Recht hat Berlepsch (1. c.) dar- 
auf hingewiesen, dass als Autor für den Namen erythrognathus nicht 
Hartlaub, sondern Bonaparte stehen muss. 

Der Schnabel des vorliegenden Exemplars von H. Storm scheint 
noch wenig ausgebildet gewesen zu sein, da er am trockenen Balge 
keine Spur der roten Farbe an der Basis behalten hat. Der ganze 
Schnabel ist schmutzig grüngelb gefärbt, an der Spitze heller. 

Die vorhegende Art erythrognathus Bp. in der von Berlepsch fest- 
gestellten Beschränkung ist bisher in Malakka und Sumatra gefunden, 
wo die Borneo- Form nicht vorkommt. Auf den Natunas - Inseln scheinen 
beide Formen nebeneinander vorzukommen. 

Die Masse des Exemplares sind folgende: 

Long. tot. 44,0; Ala 16,4; Cauda 25,:3; Culmen 3,9; Rictus 4,3; 
Tarsus 3,9 cm. 

9. Pelargopsis fraseri Sharpe. 

Pelargopsis fi-aseri Shavpe, Proc. Zool. Soc. 1870 p. 65. 

Pelargopi^is gurial subsp. fraseri Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. XVII p. 106. 1892. 

Ein Exemplar von den „Sunda-Inseln," nach Erinnerung des Steuer- 
manns, Herrn Derlien, von Deli (Sumatra). Die Kopfplatte ist ockerfarben- 
grau, die Schnabelspitze dunkel. Von typischen Gurial-Exemplaren ist 
das Stück durch die blaue Farbe der Flügel und des Schwanzes unter- 
schieden, sowie durch den mehr blauen Farbenton des blaugrünen Unter- 
rückens. Li dieser Blaufärbung ähnelt das vorliegende Stück den von 
F. Grabowsky gesammelten Borneo-Bälgen von leucocephala und einem 
Balge von malaccensis des Braunschweiger Museums; während gouldi 
von Palawan ein viel matteres Blau an Flügeln und Schwanz und Rücken 
zeigt und am Unterrücken einen mehr grünlichen Ton. Mir erscheint 
es sehr zweifelhaft, ob Sharpe bei der subspezilischen Vereinigung der 
Form fraseri mit gurial Recht hat, ob überhaupt auf die Bildung und 
Färbung der Kopfplatte ein so grosser Wert gelegt werden darf, dass 
danach leucocephala und gurial als die beiden Hauptarten der mit rotem 
Schnabel und blauen Schulterfedern versehenen Pelargopsis-Formen unter- 
schieden werden dürfen, von denen leucocephala als Unterarten inter- 
media, gouldi und gigantea, dagegen gurial als solche malaccensis, flore- 
siana, burmannica und fraseri beigefügt werden. Die beiden Formen 



13ß 

fraseri und malaccensis schliessen sich vielleicht natürlicher der leiico- 
cephala an, Bei diesem Zweifel lasse ich die gut erkennbare Form fraseri 
lieber als gute Haupt- Art stehen, ohne dass icli damit die Wahrschein- 
lichkeit verneinen möchte, dass von den genannten Formen noch mehrere 
spezifisch vereinigt werden müssen, wie dies z. B. Büttikofer (Notes Leyden 
Museum Vol. IX p. 37 1887) unter dem Namen javana thut. Als Ver- 
breitung für P. fraseri« wird von Sharpe: Java, Sumatra, Billiton, Borneo 
und die malayische Halbinsel angegeben. Es mag hier bemerkt werden, 
dass sowohl bei Salvadori (1874) als auch bei Everett (1889) in deren 
Verzeichnissen der Borneo-Vögel diese Form fehlt; dieselben führen nur 
leucocephala von dort auf (Everett daneben nur von Palawan auch gouldi). 

10. Halcyon coromandus Steph. 

Halcyon coromanda Steph., in Shaw's Gen. Zool. XIII pt. 2 p. 100. 1826. 
Halcyon coromandus Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. XVII p. 217. 1892. 

Ein ziemlich grosses Exemplar von den „Sunda-Inseln" mit langem, 
blassrotem, an der Basis weisslichem Schnabel und verlängerten weiss- 
silberblauen Bürzelfedern, an der Kopfplatte höchstens mit einei- Spur 
violetten Glanzes, was auf Jugendzustand schliessen lässt. Ob der Grösse 
wegen hier die Form oder Unterart rufus Wallace von Celebes, Gr. Sanghir 
und den Snla-Inseln vorliegt, muss zweifelhaft bleiben. Die Art ist weit 
verbreitet, z. ß. auch in Java, Sumatra, Borneo etc. 

11. Eurystomus calonyx Sharpe. 

Eurystomus calonyx Sharpe, Proc. Zool. Soc. 1890 p. 551. 

Cat. Birds Brit. Mus. XVII p. 38 pl. II Fig. 2. 1892. 

Ein Balg von den „Sunda-Inseln," nach Erinnerung des Steuermanns, 
Herrn Derlien, von Bulangan (Ost-Borneo), ziemlich genau mit einem 
Malakka-Balge des Brauuschweiger Museums übereinstimmend, das nur 
einen dunkleren Schnabel von brauner Grundfarbe mit wenig rötlichen 
Stellen, hauptsächhch am Unterschnabel, zeigt. Das Storm'sche Exemplar 
hat einen roten Schnabel mit dunkler Spitze des Oberschnabels, ist daher 
im Gegensatze zu dem andern, wohl als älter zu bezeichnen. Ich möchte 
hier nicht die Frage der Artberechtigung von dieser Form, die nach A. B. 
Meyer und L. W. Wiglesworth auf Celebes und den Saughirlnseln Über- 
gänge zu Orientalis zeigen soll (Journ. f. Ornith. 1894 XLII S. 242), 
sowie von Eur. laetior im Vergleich zu orientalis zu entscheiden wagen. 
Büttikofer geht aber gewiss zu weit, wenn er sogar pacificus mit diesen 
Formen nach dem Vorgange Schlegels vereinigen will (Notes Leyden 
Mus. IX 1887 p. 43). 



137 

Die Art geliört dem östlichen Asien an und überwintert nach Sharpe 
auf der rnalayischen Halbinsel und Borneo. Bis 1890 scheinen die Exem- 
plare dieser Art von Borneo immer mit als Eur. orieutalis aufgeführt zu 
sein. Es finden sich aber beide Arten dort vertreten. Sharpe führt 
allerdings nur als einziges ihm bis jetzt bekannt gewordenes Exemplar von 
calonyx aus Borneo ein solches an, das Everett auf Mt. Peoriseu er- 
beutete (Ibis 1893 p. 562). Wenn Derlien's Angabe richtig ist, würde 
hiermit ein zweites Borneo-Exemplar bekannt werden. 

12. Cymborhynchus macorhynchus (Gmel.) 

Ein Balg, nur fraglich ob aus Borneo oder Singapore, den ich schon 
oben (S. 109) besprochen und als wahrscheinlich aus Borneo stammend 
hingestellt habe. Auch der Steuermann, Herr Derlien, glaubt aus der 
Erinnerung WestrBorneo als Heimat dieses Exemplares angeben zu können. 

13. Dissemurus platurus (Vieill.) 

üicrurus platurus Vieillot, Nouv. Dict. d'Hist. Nat. IX p. 588. 1817. 
Dissemurus paradiseus Sharpe, Cat. Birds Brit. Mus. III p. 258. (partim.) 1877. 

Ein flach und weniger gut präparierter Balg mit niedriger Haube 
und sehr langen äusseren Schwanzfedern (rechts 34,4 cm lang), deren 
raketenförmiges Ende ziemlich genau mit der Abbildung Fig. 8 bei 
Sharpe (1. c.) und der gleichen Bildung bei den mir vorliegenden Bälgen 
des Braunschweiger Museums von Borneo übereinstimmt, die ich früher 
mit Salvadori als brachyphorus aufgeführt habe. Die Verlängerung der 
Stirnfedern ist ähnlich wie bei einem von Platen gesammelten Balge von 
Borneo, etwas stärker wie dies in Sharpe's Figur 7 von brachyphorus dar- 
gestellt ist, geringer dagegen als es in Figur 6 („formosus" Gab. von 
Borneo) geschehen ist. Nach den Auseinandersetzungen Büttikofer's (On 
a collection of Birds from the Western Sumatra, Notes Leyden Museum, 
IX 1887 p. 50) scheint es nötig zu sein, die Borneo-Vögel mit den 
Sumatra-Vögeln unter obigem Namen zu vereinigen, während andererseits 
eine so weitgehende Vereinigung aller Dissemurus -Formen unter dem 
Namen paradiseus, wie sie Sharpe vorgeschlagen hat, nicht zweck- 
mässig ist. 

Der vorliegende Balg soll von den „Sunda- Inseln" stammen; es 
scheint, dass dies der Vogel ist, den der Kapitän Storm in seinem oben 
(S. 129) citierten Briefe als auf der Insel Simalu erbeutet angegeben hat, 
da kein anderer aus der damaligen Zeit in Frage kommender Balg zu 
jener Beschreibung passen will. Es w-ürde dies ja bei der Verbreitung 
der Art über Sumatra, Borneo, Banka, Salanga etc. sehr gut möglich sein. 



138 



14. Copsychus saularis musicus (Raffl.) 

Gracula saularis Linne, Syst. Nat. I p. 165. 1766. 

Lanius musicus Raffles, Aves Sumatra, Transact. Linn. Soc XIII S. 307. 1822. 

Copsychus saularis Sharpe, Cat. ßirds Brit Mus. \'II p. 61. (partim). 1883. 

Ein Balg im dunklen schwarz- weissen männlichen Kleide von dem 
Malayischen Archipel. Nach dem von Sharpe für die Copsychus -Arten 
und Unterarten gegebenen Bestimmuugs- Schlüssel würde Copsychus 
musicus (Raffl.) vorliegen, da die unteren Flügeldeckfedern weiss mit 
breiter schwarzer Basis erscheinen In dieser Beziehung stimmt der Balg 
auch mit zwei früher von mir ausführlich beschriebenen Bälgen des 
Braunschweiger Museums von Malakka überein (Jahresbericht des Vereins 
f. Naturw. Braunschweig f. 1880/1 S. 159 S. A. Brauuschweig 1881 S. 53). 
Aber in der Zeichnung der äusseren ganz oder grösstenteils weissen 
Schwanzfedern weicht er ab. Es sind jederseits die drei äussersten 
Schwanzfedern abgesehen von der für gewöhnlich ganz verdeckten dunkel 
gefärbten kleinen Basalstelle an der Innenfahne ganz weiss, die vierte 
aber zeigt auf der rechten Seite in der Eudhälfte einen grossen, etwa die 
Hälfte der Federbreite und die ganze Spitze einnehmenden weissen Fleck, 
der an der vierten Schwanzfeder der linken Seite etwas schmaler und in der 
Mitte am Schafte noch durch Schwarz unterbrochen ist. Nicht genau das- 
selbe, aber ein ähnliches Färbungs- Prinzip mit noch mehr Weiss zeigt 
sich nun bei zwei männlichen und melu'eren weiblichen von Fi'eiherrn 
von Richthofen in China gesammelten Bälgen des Braunschweiger 
Museums von der typischen Form Copsychus saularis (Linn.). Es bildet 
der vorliegende Balg in dieser Beziehung gewissermassen eine Zwischen- 
stufe zwischen chinesischen und Malakka -Bälgen, wodurch es mir wahr- 
scheinlich wird, dass, wie ja auch schon Sharpe angiebt, beide Formen 
spezifisch zusammengehören uud in einander übergehen. Nur möchte ich 
Copsychus amoenus Horsf. und Moore nicht ohne weiteres auch damit 
vereinigt wissen, da diese Form mit dem dunklen Hinterleib und den 
fa.st ganz schwarzen unteren Flügeldeckfedern einen ganz anderen Habitus 
hat. Allerdings führt Sharpe (1. c. p. 65) als fragliche Hybride eine ganze 
Reihe von Exemplaren des Britischen Museums auf, die auch für die 
beiden Formen musicus und amoenus die Brücke schaffen. Sharpe giebt 
an, dass es fraglich ist, ob sich die typische Form Cop.sychus saularis 
südlich bis auf die malayische Halbinsel verbreitet, dass dagegen auf 
dieser Copsychus musicus vorkommt, um von hier aus Java, Sumatra und 
Borneo zu erreichen. Es ist mir nach diesen Darlegungen wahrscheinlich, 
dass der Storm'sche Balg von Makikka stammt. — Aug. Müller (Journ. 
f. Ornith. 1882 S. 358/60) bezeichnet die von ihm untersuchten Malakka-, 



139 

Johore- und Salanga-Vögel mit dem Namen mindanensis, was jedoch nicht 
richtig sein dürfte, da mindanensis einen vollständig schwarzen Schwanz 
haben soll Seine Angaben über die Variabilität in der Zeichnung der 
vierten Schwanzfeder sind aber sehr lehrreich. Auch Vorderman's Aus- 
einandersetzungen über die Java-Vögel, die er nach Schlegel als minda- 
nensis aufführt, sind zu vergleichen. (Nat. Tijdschr. v. Ned. ludie Bd. 42 
S. 66/9 1883). Ernst Hartert hat die oben gebrauchte ternäre Nomen- 
clatur und subspezifische Trennung der Form empfohlen (Journ. f. Ornith. 
1889 S. 349). 

15. Osmotreron vernans (Linn.) 

Columba vernans Linne, Mant. p. 526. 1771. 

Osmotreron vernans Salvador!, Cat. Birds Brit. Mus. XXI p. 60. 1893. 

Zwei Exemplare, nämlich ein leidlich gut präparierter Balg im 
männlichen Kleide von den „Sunda-Inseln," nach Erinnerung des Steuer- 
manns, Herrn Derlien, aus Banjermassin (SO-Borneo), bei welchem eine 
sehr dunkle Färbung des weinroten Vorderhalses und eine geringere Aus- 
dehnung der orangegelben Färbung der Brust bei einem dunkleren und 
fast reinem Grau des Kopfes auffält, und ein noch weniger gut er- 
haltener Balg im jugendlichen oder scheinbar weiblichen Kleide (ohne 
Schwanz) wahrscheinlich von Simalu. Abgesehen davon, dass der Schwanz, 
dessen Form und Färbung sehr charakteristisch ist, fehlt, kann doch dui'ch 
Vergleichung mit zahlreichen weiblichen Exemplaren von Celebes etc. die 
Bestimmung festgestellt werden. Auffallend ist, dass die Schnabelwurzel 
schwarz, die Schnabelspitze grau ist. Ein ganz junges Individuum kann 
hier nicht vorliegen, da die dritte Schwungfeder jederseits schon die 
charakteristische Einschnürung zeigt und die Bürzelfedern einen rostbräun- 
lichen Farbenton an der Spitze besitzen. Der Vollständigkeit wegen muss 
ich aber noch bemerken, dass die Unterseite verhältnismässig gelb ist und 
dass an der Brust ein kleiner Schein von weinroter Färbung sich zeigt, 
was vielleicht auf ein junges Männchen schliessen lässt. 

16. Carpophaga consobrina Salvad. 

Carpophaga consobrina Salvador!, Ann. Mus. Civ. Gen. (2) IV p. 558. 1887. 
Cat. Birds Brit. Mus. XXI p. 190. 1893. 

Ein verhältnismässig wenig gut präparierter Balg, wahrscheinlich von 
Simalu, nach der Erinnerung des Herrn Derlien von der Atjih-Reise mit- 
gebracht, was als Bestätigung für Simalu gelten kann. Das Gefieder ist 
am Halse, Kopfe und an der Unterseite ziemlich schmutzig, weshalb sich 
die richtige Färbung einigermassen schwer erkennen lässt. Das ist jedoch 



140 

deutlicli zu sehen, dass die im Allgemeinen an C. aenea erinnernde 
Färbung des Gefieders einige Charaktere zeigt, welclie im Vergleich zu 
aenea als für consobrina charakteristisch aufgeführt sind : die graue Farbe 
des Nackens ist von der bronze-grünen Färbung des Rückens scharf ab- 
gesetzt, Stirn- und Kinnfedern sind gleichmässig mit Kopf und Hals grau 
gefärbt und nicht heller, die unteren Schwanzdeckfedern sind einfarbig, 
viel dunkler purpur-kastanienbraun, der Schnabel ist an der Basis dunkel, 
an der Spitze perlgrau. Mit der Abbildung, die Modigliani (Viaggio a 
Nias tab. XV 1890) von dieser Art giebt, stimmt der Balg im Allgemeinen 
gut übei'ein, nur ist das Grau dunkler und der Schnabel länger; dieser 
ist selbst im Vergleiche zu C. aenea länger und dicker. Was nicht voll- 
ständig mit der Beschreibung im Catalogue Birds Brit. Mus. übereinstimmt, 
ist, dass an den untersten Stellen des grauen Halses und an der grauen 
Farbe des Leibes eine Spur weinroter Färbung sich zeigt, die bei conso- 
brina eigenthch vollständig fehlen soll, wie bei iusularis. Bei Gelegenheit 
der Original -Beschreibung erwähnt jedoch Salvadori: „collo postico imo 
et pectore vix vinaceo tinctis," was mit der Färbung des Storm'schen 
Balges übereinstimmen würde. — Die Bestimmung wird wahrscheinlich 
später noch einmal kontroliert werden müssen; ich halte es aber für 
zweckmässiger, dies Individuum vorläufig mit dem Namen derjenigen Art 
zu bezeichnen, die ihr den Charakteren und der Verbreitung nach am 
Nächsten stehen dürfte, als dasselbe entweder unter dem Namen aenea 
aufzuführen und damit vorerst weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen 
zu entziehen, oder andererseits sogar als neue Art zu beschreiben. 

Nach der Präparation und dem Inhalte des oben citierten Briefes 
des Kapitäns H. Storm ist die Herkunft von Simalu höchst wahrschein- 
lich. Dies ist aber die nächste grössere Insel nordwestlich von Nias, von 
wo Carpophaga consobrina Salvad. bisher allein bekannt ist. Die wich- 
tigsten Masse sind folgende: 

Ala 23,0; Cauda 13,3; Culmen ca. 2,4*); Rictus 3,4; Tarsus ca. 3,0 cm. 

Dieselben zeigen im Allgemeinen eine noch geringere Grösse, als 
Salvadori solche für ein männliches Individuum anführt, weshalb hier 
vielleicht ein weibliches vorliegt, das noch kleiner sein soll, als das 
Männchen. Mit den Massen jedoch, die Salvadori bei der Original-Be- 
schreibung anführt (Ala 23,4—23,0; Cauda 12,0 — 13,0; Tarsus 3,0 — 3,1 cm) 
stimmt der vorliegende Balg gut genug. 



*) Die Länge der Firste ist vielleicht nur 2,0 zu messen, wenn man annimmt, 
dass ein Teil der Stirn befieJerung durch Defekt fehlt und die Firste nicht soweit reiclit, 
als es den Anschein hat. Salvadori giebt die Länge des Schnabels auf 1,9—2,0 cm an. 



141 

17. Myristicivora bicolor (Scop.) 

Columba bicolor Scopoli, Del. E'lor. et Faun. Insubr. II p. 94 n. 97 (ex Sonnerat) 1786. 
Myristicivora bicolor Salvador!, Cat. Birds Brit. Mus. XXI p. 227. 1893. 

Ein Balg von ähnlicher Präparation, wahrscheinlich von Simalu, 
nach der Erinnerung des Herrn Derheu von der Atjih-Fahrt mitgebracht, 
vollständig mit Exemplaren des Braunschweiger Museums von Gross- 
Sanghir und Ceram übereinstimmend, welch' letztere ich früher als mela- 
nura aufgeführt habe. 

18. Columba grisea G. !R. Gray. 

Carpophaga grisea G. R. Gray, List ßirds Brit. Mus. Columbae p. 20. 1856. 
Columba grisea Salvador!, Clat. Birds Brit. Mus. XXI p. 248 Plate VII. 1893. 

Ein Balg von ähnlicher Präparation wie die erwähnte Carpophaga 
consobrina, daher mit Wahrscheinlichkeit von Simalu, nach Angabe des 
Steuermanns, Herrn Derlien, von der Atjih-Fahrt stammend, was Simalu 
als Heimat einigermassen bestätigen würde. 

Der Balg ist fast vollständig mit der Beschreibung und Abbildung 
Salvadoris (1. c.) übereinstimmend. Es fällt nur als Verschiedenheit auf, 
dass die Basalhälfte des Schwanzes und die oberen und unteren Flügel- 
deckfedern sowie die benachbarten Federn des Hinterleibes und des 
Hinterrückens nicht grau, wie der übrige helle Teil des Gefieders, sondern 
fast weiss erscheinen. Der Schnabel erscheint etwas länger, die graue 
Befiederung der Stirn geht nach vorn sehn eppen artig bis zur vordersten 
Horn-Knppe des Oberschnabels, ähnlich wie dies, allerdings mit bedeuten- 
der Verlängerung des Gefieders und Anschwellung der Schnabelbasis, bei 
Lopholaemus antarticus der Fall ist, oder auch ähnlich der Bildung bei 
Leucosarcia picata (Lath) von Australien. Die Schnabelform hat im Übrigen 
und besonders im Profil viel Ähnlichkeit mit derjenigen von Columba 
laurivora Webb. und Berth. von den canarischen Inseln und ist jedenfalls 
sehr verschieden von der Schnabelform der in der Färbung an den vor- 
liegenden Balg etwas erinnernden Myristivora-Arten. 

Diese Art gehört bis jetzt zu den grössten Seltenheiten der Museen. 
Im Britischen Museum befindet sich z. B. nur das eine Exemplar von 
dem „Indischen Archipel" ohne genauere Bezeichnung, welches als Typus 
der Art gedient hat. In anderen Museen finden sich sichere Exemplare 
von Borneo und Sumatra, welche Inseln wohl als Centrum der Ver- 
breitung aufgefasst werden können. Im Museum Heineanum wird auch 
Java als Heimat angegeben. Jedenfalls würde es nicht auffallend sein, 
wenn die Art auch auf der nahe bei Sumatra liegenden Insel Simalu 
vorkäme. Die Masse sind folgende: 



142 

Long. tot. ca. 38,0; Ala 24,0; Cauda 15,8; Culmen 1,4; Rictus 3,6; 
Tarsus ca. 2,8 cm. 

Diese Masse stimmen genügend gut mit den von Salvadori ange- 
gebenen Massen überein; der Schwanz ist nur wenige Millimeter bei dem 
Storm'scben Balge grösser. 

19. Caloenas nicobarica (Linn.) 

Columba nicobarica Linne, Syst. Nat. I p. 283 Nr. 27. 1766. 

Caloenas nicobarica Salvadori, Cat. ßirds Brit. Mus. XXI p. 615. 1893. 

Zwei Bälge in weniger guter Präparation: a ad. mit weissem Schwänze, 
wegen der geringen Grösse und der kürzeren Kragenfedern vermutlich als 
9 anzusprechen und b juv. mit grünhch-schwarzem Schwänze und ohne 
merkliche Verlängerung der Kragenfedern, beide wahrscheinlich von 
Simalu, nach der Erinnerung des Steuermanns, Herrn Derben, von der 
Atjih -Fahrt mitgebracht. Nach der weiten Verbreitung dieser Art zu- 
meist auf den kleinen Inseln des malayischen Archipels ist das Vor- 
kommen auf Simalu an und füi' sich wahrscheinlich. 

20. Gallus varius (Shaw & Nodd) 

Phasianus varius Shaw & Nodder, Viv. Nat. er Nat. Mise. X pl. 353 [textl ('24 Bände: 

1790—1813.) 
Gallus varius W. E. Ogilvie Grant, Cat. Birds Brit. Mus. XXII. p. 352. 1893. 

Zwei Bälge (a und b) von der „Java-See," im Wesentlichen im weib- 
lichen Kleide, wohl aber als junge Männchen anzusprechen. Der Sporn 
ist i^och gar nicht entwickelt, vielmehr nur durch eine grössere gewölbte 
Hornplatte angedeutet, die ca. 1 cm über der Hinterzehe liegt, wie Vorder- 
man solche für das Weibchen genau beschrieben hat (Nat. Tidschr. v. 
Ned. Indie 44 S. 232, 1885). Dabei zeigen sich an verschiedenen Stellen 
die für das männhche Kleid charakteristischen Federn, z. B. die metallisch 
grün glänzenden Federn mit dunklem Rande am Halse, Nacken und 
Vorderrücken, die glänzend goldgelb gerandeten verlängerten Federn an 
den Flügeldecken, die auf 15 cm bezw. 17,3 cm verlängerten Schwanz- 
federn u. s. w. — Der eine Balg (a) ist in diesem Gefiederwechsel schon 
etwas weiter vorgeschritten, als der andere (b). 

Die Art ist auf Java, Lombock, Flores, Kangeau und unsicherem 
Vernehmen nach auch bei Singapore, gefunden. Es ist danach wahr- 
scheinlich, dass die beiden vorliegenden Bälge von Surabaja (Java) 

stammen. 

21. Orthorhamphus magnirostris (Geofifr.) 

Oedicnemus magnirostris Geoffroy, in Vieill. Nouv. Dict. XXIII p. 231 pl. G. 39 f. 1. 1818. 

Orthorhamphus magnirostris Salvadori, Ornitologia della Papuasia etc. III p. 290. 1882. 

Ein Exemplar von den „Sunda-Inseln", von beträchtlicher Grösse. 

Die Art ist weit verbreitet, z. B. seit längerer Zeit auf Sumatra, Bangka, 



143 

Java und Celebes beobachtet. Das Vorkommen auf Borueo und Pala- 
wan ist neuerdings von Everett und Whitehead nachgewiesen. Das Stück 
zeigt in einigen Massen, z. B. denen des Schwanzes, des Schnabels und 
des Tarsus etwas bedeutendere Dimensionen, als sie von Salvadori an- 
gegeben werden. Die Masse sind folgende: 

Long. tot. ca. 57,0; Ala 26,2; Cauda 11,3; Gulmen 7,0; Rictus 8,4; 
Tarsus 9,3 cm. 

22. Ardea sumatrana Eaffl. 

Ardea sumatrana Raffles, Aves Sumatra, Transact. Linn. Soc. XIII p. 325. 1822. 
Salvadori, Ornitologia della Papuasia etc. III p. 340. 1882. 

Ein Balg von den „Sunda-Inselu" mit verlängerten Hals- und Hauben- 
federn, das Gefieder mehr aschgrau, als gewöhnlich. Die Füsse sind relativ 
gross. Die Masse sind folgende: 

Long. tot. ca. 97,0; Ala 45,0; Cauda 17,0; Culmen 16,0; Rictus 19,2; 
Tarsus 16,8 cm. 

Die Art ist weit verbreitet, von Indien bis Neu-Holland, und kommt 

z. B. auch in Malakka, Sumatra, Timor, Flores, Borneo, Palawan und 

Celebes vor. 

23. Nettopus coromandelianus (Gmel.) 

Anas cororaandeliana Gmelin, Syst. Nat. I. 2 p. 522 Nr. 90. 1788. 

Nettopus coromandelianus Salvadori, Cat. Birds Brit. Mus. XXVII p. 68. 1895. 

Ein Balg, der durch roten Farbstoff an Hals und Brust, sowie durch 
weisse Farbe am Kopfe etwas verunreinigt ist, aus dem Jahre 1895, ent- 
weder von Pontianak (Borneo) oder Singapore. Er ist zusammen mit 
einem Balge von Cymborhynchus macrochynchus eingesendet, bei welchem 
die Art der weissen Zeichnung der Schwanzfedern auf den Ursprung aus 
Borneo schliessen liess, und er soll von derselben Stelle sein. So ist denn 
auch wahrscheinhch, dass dieser Entenbalg von Pontianak stammt. Er 
stimmt fast genau mit einem von Fr. Grabowsky am Danau Bangkau bei 
Kendangan in Süd-Ost-Borueo gesammelten und als cf bezeichneten Balge 
des Braunschweiger Museums überein. Übrigens kommt die Art auch in 
Malakka vor. Nachträglich ist durch den Steuermann, Herrn Derlieu, aus 
der Erinnerung bestätigt, dass die Ente von Pontianak (West-Borneo) 
stammt. 

24. Sula leucogastra (Bodd.) 

Pelecanus ieucogaster Boddaert, Tabl. PI. Eni. p. 57 (ex PI. Eni. 973). 1783. 
Sula leucogastra Salvadori, Ornitologia della Papuasia etc. III p. 421. 1882. 

Ein Exemplar von der „Java-See," von verhältnismässig geringer 

Grösse der Flügel und des Schwanzes. Die Art ist sehr weit verbreitet 

und ist z. B. auch in Sumatra, Borneo und Malakka nachgewiesen. Das 



14 4 

vorliegende Exemplar kann, wenn es nicht auf dem Meere erbeutet ist, 
sehr wohl von der Barito- Mündung vor Banjermassin (Borneo) stammen. 
Die Masse sind folgende: Long. tot. 70,0; Ala 38,0; Cauda > 15,5; 
Culmen 9,6; Rictus 11,8; Tarsus 4,2 cm. 

25. Sterua anaestheta Scop. 

Steviia anaestheta Scopoli, Del. Faun, et Flor. Ins. I p. 92 Nr. 72 (ex Sonnerat) 1786. 
Howard Saunders, Cat. Birds Brit. Mus. XXV p. 101. 1896. 

Ein Balg a im ausgefärbten Brut -Kleide von den „Sunda- Inseln" 
und zwei Bälge b und c im noch nicht ausgefärbten jüngeren Kleide 
von der „Java-See." Letztere Stücke sind nach der Erinnerung des Steuer- 
manns, Herrn Derlien, auf der Java-See zwischen Singapore und Bulangan 
(Ost-Borneo) erbeutet. 

Der Balg a ist in der Färbung durchaus einem von Platen auf 
Gross-Sanghir gesammelten männlichen Exemplare dieser Art im Braun- 
schweiger Museum ähnlich, das ich früher ausführlich unter dem Namen 
Onychopriou anaesthetus beschrieben und als eine besonders grosse Form 
dieser Art bezeichnet habe, „die vielleicht verdient, mit einem besonderen 
Namen benannt zu werden" [Ornis IV 1888, p. 634/6). Bei dem vor- 
liegenden in der Zeichnung, Färbung und Gestalt die deutlichen Kenn- 
zeichen von St. anaestheta tragenden Balge sind Schnabel und Füsse 
zierlicher gebaut, ähnlich wie bei dem gestopften Exemplare unbekannter 
Herkunft im Braunschweiger Museum. Von den beiden noch nicht aus- 
gefärbten Storm'schen Bälgen hat b einen ähnlich zierlichen Schnabel, 
während bei c derselbe dicker und länger erscheint, gewissermassen die 
Brücke zu dem Balge von Gross-Sanghir bildend. Letztere beiden Stücke 
von der „Java -See" zeigen die weisse Färbung der Kopfplatte und der 
Zügel ähnhch, wie Howard Saunders die Färbung des M^interkleides be- 
schreibt, dabei aber an den Rücken und Flügeln die Kennzeichen des 
unausgebildeten Kleides (immature), wie es ebenda beschrieben wird. 

Die wichtigsten Masse sind: 





Long. tot. 


Ala 


Cauda 


Culmen 


Rictus 


Tarsus 


a. 


39,6 


27,3 


19,3 


4,1 


4,8 


2,2 cm 


b. 


36,0 


26,3 


14,4 


3,7 5 


4,3 


2,0 . 


c. 


37,6 


> 25,0 


15,4 


4,2 5 


5,0 


2,1 . 



(abgenutzt) 

Die Art ist weit verbreitet und z. B. in Singapore, Sumatra, Borneo, 
Java, Celebes etc. beobachtet. 

26. Sterna bergi Licht. 
Sterna bergii Lichtenstein, Verz. Doubl, p. 80. 1823. 

Howard Saunders, Cat. Birds Brit. Mus. XXV p. 101. 1896. 

Ein Balg von der „Java-See," nach der Erinnerung des Steuermanns, 



145 __ 

Herrn Derlien, zwischen Singapore und Bulangan (Ost-Borneo) erbeutet, 
fast genau übereinstimmend mit einem gestopften Exemplare des Braun- 
schweiger Museums aus Java; es zeigt die Schwungfedern an der Aussen- 
fahne von silbergrauer Färbung (ähnlich auch bei einem von Platen ge- 
sammelten Balge von Palawan) und die Färbung der dunklen Kopfplatte 
im Übergange aus dem dunkelbraun und weissgefleckten Zustande des 
Winterkleides in die tief schwarze Färbung des Brutkleides, die schon in 
einigen nachwachsenden Federn angedeutet ist. 

Die Art ist sehr weit verbreitet und z. ß. auf Sumatra, Java, Labuan, 
Celebes etc. gefunden. 

Die Masse sind folgende: 

Long tot. 42,5; Ala 30,0; Cauda 12,4; Culmen 5,8; Rictus 7,4; 

Tarsus 3,0 cm. 

21. Micranous leucocapillus (Gould) 

Anous leucocapillus Gould, Proc. Zool. See. 1845 p. 103. 

Micranous leucocapillus Howard Saunders, Cat. Birds Brit. Mus. XXV p. 146. 1896. 

Ein Exemplar von der „Java-See," August 1892, nach der Erinnerung 
des Steuermanns, Herrn Derlien, zwischen Singapore und Bulangan (Ost- 
Borneo) erbeutet, im ausgefärbten Brutkleide. Die Art ist weit verbreitet, 
und auch z. B. in Malakka, Borneo etc. beobachtet. Die Gattung Micra- 
nous hat Howard Saunders auf Grund des schlanken Schnabels und des 
Verhältnisses, dass jederseits die drittäusserste ScliAvanzfeder die längste 
ist, unterschieden (Ibis 1895, S. 276). 

Long. tot. 33,0; Ala 21,6, Cauda 10,3: Culmen 3,3; Rictus 4,15; 
Tarsus 2,0 5 cm. 

Die von Herrn Kapitän H. Storm eingesandten Vogel -Sammlungen 
bieten, wie sich aus den obigen Darlegungen ergiebt, viel für die Wissen- 
schaft Interessantes dar. Hoffentlich ist es mir möglich, demnächst über 
neue ornithologische Forschungen desselben zu berichten, bei denen dann 
im Interesse der Wissenschaft eine ganz genaue Bezeichnung der einzelnen 
gesammelten Stücke nach Ort, Zeit, Geschlecht u. s. w. erwünscht sein 
würde. 

Braunschweig, im April 1896. 



10 



Bemerkungen 

über das 

Spitz-Krokodil von Borneo, Tomistonia Schlegelii (S, Müll.) 

von Dr. Heinr. Lenz. 

Im Jahre 1890 erhielt das hiesige Nuturliistorische Museum von 
Herrn Kapitän H. Storm den Balg eines Krokodils aus dem Asaliau- 
Flusse auf Sumatra (Ostküste, etwas südöstlich von Deli), das sich als 
Tomistoma Schlegelii (S. Müll.) herau.sstellte. Später ist diese Art, 
welche bis dahin nur von Borneo bekannt war, von anderer Seite 
ebenfalls für Sumatra nachgewiesen und sogar lebend in einem kleinen 
Exemplar nach Amsterdam gebracht worden (vgl. "Weber, Zoolog. Ergeb- 
nisse einer Reise in Niederl. Ost-Indien, Bd. I, p 176). 

Das von Herrn Kapitän Storm gesandte Tier misst 2,7 m, von 
denen 0,52 m auf den Kopf kommen. Die Schnauze ist aussei'ordentlich 
schmal, in der Mitte nur 4 cm breit und erinnert ganz an Gavialis 
gangeticus (Gm.), nur, dass sie bei dieser Art verhältnismässig länger ist. 
Die Zähne sind schmächtig und sehr spitz; die obere Reihe misst 39 cm, 
die untere 32 cm Länge. Die Stiruplatte ist ganz glatt, die Parietalschilder 
klein, unregelmässig und beiderseits 7 oder 8 in je drei Reihen gestellt. 
Die Rückenplatten sind bereits sehr kräftig; die grössteu messen 6V2 cm 
Länge und 4 cn: Breite. Die aufrechten Kämme auf den äusseren 
Schwanzplatten nehmen nach hinten bedeutend an Höhe zu, vereinigen 
sich 47 cm vor dem Ende und erreichen hier ihre grösste Höhe von 
6 cm, bei SVa cm Breite. 

Weit mächtiger ist ein zweites Exemplar, welches unser Museum 
ebenfalls Herrn Kapitän Storm verdankt; es ward 1894 im Kapuak-Flusse, 
etwas oberhalb Pontianak in West-Borneo mit der Angel gefangen und 
misst 5,10 m. 

Bei einem Vei'gleich mit dem soeben beschriebenen Exemplar fällt 
am meisten die grosse Verbreiterung der Schnauze auf, so dass man zu- 
nächst auf den Gedanken kommt, eine andere Art vor sich zu haben. 



147 



Die Länge des Kopfes beträgt 83 cm, die Breite der Schnauze in der 
Mitte 13^2 cm. Die Stirnplatte ist ziemlich glatt. Die Parietalschilder 
sind ausserordentlich klein, namentlich die äusseren, so dass ihre Stellung 
in di'ei Reihen nur noch schwer erkennbar ist; die inneren sind etwas 
grösser und 10 cm von einander entfernt. Die Nuchalschilder sind sehr 
breit, die Entfernung der Kämme auf dem ersten Paar derselben beträgt 
18'/-' cm. Die Länge der grössten Rückeuschilder beträgt 11 cm, bei 
7 Vi cm Breite. Die Kämme auf der äusseren Reihe der Schwanzschilder 
nehmen bei dem zweiten Viertel an Höhe zu bis 10 cm, bei 9 cm unterer 
Breite; am 20. Ringe = 1,0 7 m vom Ende vereinigen sich die zwei 
Kämme zu einem, der etwa dieselbe Höhe behält und erst ganz gegen 
das Ende niedriger wird. 

Die hinteren Extremitäten haben eine Länge von 76 cm, die vorderen 
von 53 cm. Die Unterschenkel der hinteren Extremitäten sind am Hinter- 
rande mit einem kräftigen Hornkamm versehen, dessen giösste Schuppe 
5 cm lang und 3 cm hoch ist; Oberschenkel und Fuss sind ohne Kamm; 
ebenso ist bei den Vorderbeinen nur am Unterarm eine Andeutung eines 
Kammes bemerkbar. Die hinteren Zehen 3 und 4 sind durch eine Haut 
verbunden 



Ganze Länge des Tieres 

Länge des Kopfes von der Schnauzen- 
spitze Ijis zur Hinteriiante der Stirn- 
platte 

Grösste Breite des Kopfes .... 

Grösste Breite der Schnauze neben 
dem 9. Zahn 

Kleinste Breite der Sclinanze neben 
dem 4. Zahn 

Breite der Schnauze unter den Nasen- 
löchern 

Von der Schnauzenspitze bis zur 
vorderen Orbitalecke 

Von der vorderen Orbitalecke bis zur 
Hinterkante der Stirnplatte . . . 

Breite der Schnauze in der Gegend 
der vorderen Orbitalecke .... 

Dieselbe über die Wölbung geraessen 

Länge der Orbita 

Breite der Orbita 

Interorbitalbreite 

Grösste Höhe des Kopfes 

Länge der Zahnreihe oben . . . . 



2,70 

0,52 
0,21 

0,0 4. 'S 

0,2 7 

0,045 

0,4 2 

0,12 

0,11 

0,17 

0,05 

0,03 5 

0,026 

0,14 

0,39 



Masse in m: 
3. 



0,83 
0,43 

0,15 

0,0 8 

0,105 

0,62 

0,21 

0,24 

0,35 

0,09 

0,05 

0,055 

0,3 

0,59 



0,7 5 
0,36 

0,09 

0,00 

0,08 

0,58 

0,19 

0,18 

0,26 

0,09 

0,055 

0,045 

0,22 

0,56 



0,47. 0,1 

0,19 0,: 



0,73. 
0,39. 



0,34. 0,465. 0,52 = 



0,33. 0,47. 0,49. 



10* 



148 



16. Länge der Zahnreihe unten .... 

17. Länge des Unterkiefers 

18. Länge der Unterkiefersymphyse . . 

19. Lä,nge des Schwanzes, vom Hinter- 

rande der Hinterbeine an gemessen 



0,32 
?0,59 
?0,32 

1,28 



Masse in m: 
3. 



0,54 
?0,93 



2,63 



0,51 
0,91 
0,40 



Spalte 1. Masse des kleineren Exemplars von Asahan (Sumatra) (Mus. Nr. 188). 

2. Masse des grossen Exemplars von Pontianak (W-Borneo) (Mus. Nr. 188b). 

3. Masse eines Schädels von Pontianak (Mus. Nr. 28). 

4. Masse einiger Schädel des Leidener Museums; gütigst mitgeteilt von Herrn 

Direktor Dr. F. A. Jentink. 

Über den Fang de.s grossen Tieres aus dem Kapuak-Flusse bei 
Pontianak berichtet Herr Kapitän Storm Folgendes: 

„Wir fuhren am Himmelfahrtstage (den 11. Mai 1893) mit unserem 
Dampfer langsam den Fluss (Kapuak) hinab, als wir einen grossen Auf- 
lauf von Eingeborenen am Ufer bemerkten. Ich liess das Schiff der 
Stelle zusteuern und konnten wir nun bald den Ruf vei'nehmen: Boyer- 
bessar, d. h. grosses Krokodil. Bald sahen wir, wie ein gewaltiges Tier 
das Wasser peitschte. Das riesige Krokodil hatte die Angel*) mit einem 
toten Affen als Köder verschluckt und bemühte sich nun, wieder frei zu 
kommen; wobei die auf den Bäumen und in den Prauen sitzenden 
Malayen ihm von allen Seiten Rotangschiingen über den Kopf warfen, 
bis dasselbe gefesselt war. Alsdann ging ein Wagehals hin, schnürte 
dem Krokodil noch extra das Maul zu und band ihm die Beine auf den 
Rücken. Jetzt lösten die Leute die Baumschlingen und unter ungeheurem 
Lärm und Jauchzen, einige Übermütige setzten sicli rittlings auf den 
Rücken des Krokodils, wurde das gewaltige Tier nach dem Schiffe 
buosiert, wo es nach sechs Stunden starb." 



Fia-. 1. 



Erklärung der Abbildungen. 
Kopf des kleineren, 2,70 m langen Exemplars von Asahan 
(Sumatra) Nr. 188 von oben. 
Derselbe von der Seite. 

Kopf des grossen 5,10 m langen Exemplars von Pontianak 
(W-Borneo) Nr. 188 b von der Seite. 
Derselbe von oben. 



*) Dieselbe ist im Museum neben dem Tier ausgelegt und besteht aus einer 
scharf S-förmig gebogenen spitzen, etwa 1 cm dicken, vierkantigen Eiseustange, welche 
an einem geflochtenen Rotangstrick befestigt ist. 




(^nric<itonv6U 





Ä^e^ fJJ^Sj 




Jahresberichte. 



Bericht der Geographischen Gesellschaft über das Jahr 1894. 

In den sieben Hauptversammlungen des Jahres 1894 wurden 
folgende Vorträge gehalten: 

am 19. Januar: Dr. phil. Zillich: Auf dem Jenissei. Nach Briefen 
eines Lübeckers; 
Dr. phil. Lenz: Das Sargassomeer; 
am 23. Februar: Prof. Sartori: Muselmännisches Leben; 
am 16. März: Oberstleutnant a. D. Röhr: Mitteilungen über Neapel, 
Alexandrien und Kairo. Aus Briefen; 
Oberlehrer Dr. Schaper: Über die Hochflut am 19. Februar 1894; 
derselbe: Über die Insel Bornholm, namentlich 

über die anormalen magnetischen Erscheinungen auf derselben; 
am 20. April: B. Peters: Über die Sträflingskolonie in Französisch- 
Guyana; 

Prof. Sartori: Über Kairo als klimatischen Kurort und das 
Gesellschaftsleben daselbst; 
am 26. Oktober: Oberlehrer Dr. Schaper: Über die Störungen in der 

erdmagnetischen Station durch die elektrische Strassenbahn ; 
am 30. November: Dr. phil. Lenz: Tiersagen der nordamerikanischen 
Indianer; 

Major z. D. v. Koschitzky: Vorlegung und Erläuterung einer 
Anzahl von ethnographischen Gegenständen aus dem Bismarck- 
Archipel und Malakka, welche dem Museum für Völkerkunde an- 
gehören ; 
am 14. Dezember: Herrn. Linde: Reisebriefe aus Ostindien; 

Oberlehrer Dr. Schaper: Vorlegung und Erläuterung von 

Wolkenbildern. 

Die letzten drei Versammlungen leitete Oberlehrer Dr. Schaper, 

welcher während der längeren Erkrankung des Vorsitzenden sämtliche 

diesem obliegende Thätigkeiten freundlichst übernommen hatte. Auch iu 



150 

allen Versammlungen dieses Jahres fehlte es nicht an Schriften, Karten 
und ethnographischen Gegenständen, welche zur Ansicht vorgelegt werden 
konnten. Solche wurden der Gesellschaft auch von den Herren Senator 
Dr. Klügmann, Konsul Krohu und Konsul Michelsen in Lübeck, Kaj^itän 
Jäger in Hamburg, Dr. Rieh. Kiepert in Berlin, von Oppenheim und 
Rud. Ma}^' in Wien und Prof. H. Ave-Lallemant in San Luis (Argen- 
tinien) zum Geschenke überwiesen, wofür hier der wärmste Dank aus- 
gesprochen wird. 

Ein Schriftenaustausch ist mit folgenden Lehranstalten, Instituten 
und Gesellschaften eingeleitet worden: 

Schweizerische Naturforschende Gesellschaft in Bern, 

Naturforschende Gesellschaft in Bern, 

Universität in Chicago, 

L'Oriente in Neapel, 

Geographical-Club in Veracruz und 

Edinburg, Royal Society. 
Ausserdem hat die Gesellschaft die Mitgliedschaft des Deutsch -Oster- 
reichischen Alpenvereins erworben, wodurch aussei' der Zeitschrift des 
Vereins allen ihren Mitgliedern der freie Zutritt zu den Versammlungen 
der hiesigen Abteilung geöffnet ist. 

Die von den befreundeten Gesellschaften eingesendeten Drucksachen 
werden im Lesezimmer des Hauses der Gem. Gesellschaft ausgelegt und 
kommen dann bei den Mitgliedern des Lesezirkels in Umlauf. 

Ein Heft der Mitteilungen ist im Laufe des Jahres nicht heraus- 
gegeben; es war aber am Schlüsse des Jahres soweit vorbereitet, dass es 
im folgenden Januarmonate erscheinen konnte. Die Vei'zögerung wurde 
ausser anderen Gründen namentlich durch den reichen, eine grössere 
Anzahl von Abbildungen umfassenden Stoff herbeigeführt. Zur Her- 
stellung der letzteren bewilligte die Ges. z. Bef. gem. Thät. einen ausser- 
ordentlichen Zuschuss von JC 300. 

Zu der Errichtung eines Aussichtsislatzes auf dem höchsten Punkte 
des Lübeckischen Staatsgebietes, bei Utecht am Ostufer des Ratzeburger 
Sees, hat die Gesellschaft einen Beitrag bewilligt. Der Aussichtsplatz ist 
hergerichtet und dem Pubhkum zur Verfügung gestellt. 

Aus der Mitgliedschaft der Gesellschaft schieden durch den Tod der 
Kaufmann F. 0. A. Ehlers, sowie die Kaufleute H. Schultz und Schicke- 
danz und durch Austritt Landrichter Brodmann. Dagegen sind wieder 
eingetreten Dampf schiffskapitän Ohlsen, die Kaufleute Brüggen und Boy, 
I^'abrikant Wengenroth , Werftdirektor Brinckmaun, Amtsrichter a. D. 
Wodick, Landrichter Dr. jur. Neumann und Rentner Pfuhl. Die Gesamt- 



151 

zaiil der Mitglieder betrug am Schlüsse des Jahres 131, hatte also uro 
A-ier zugenommen. Aus dem Vorstande traten satzungsgemäss Professor 
Sartori und Oberlehrer Dr. Hausberg. Ersterer wurde wiedergewählt, für 
letzteren trat Oberlehrer Dr. Freund ein. Dieser übernahm die Schrift- 
führung und Oberlehrer Dr. Öchaper die Stellvertretung des Vorsitzenden. 

Auch im verflosseneu Jahre sind die Herrenabende an den Freitagen 
ohne wesentliche Unterbrechung abgehalten worden und haben eine leb- 
hafte Beteiligung gefunden. 

Von den Ausschüssen haben derjenige für die Herausgabe einer 
lAibeckischen Landeskunde, sowie der für Handelsgeographie und Kolonial- 
wesen eine besondere Thätigkeit nicht 7Ai üben gehabt. Dagegen wurde 
die erdmagnetische Station im verflossenen Jahre leider in ihren Arbeiten 
durch den Betrieb der elektrischen Strassenbahn gegen alle Erwartung 
derartig gestört, dass während des Tages keine Beobachtungen von Wert 
gewonnen werden konnten. Anfangs wurde versucht, den Dienst zwischen 
abends 11 Uhr und morgens 6 Uhr fortzusetzen. Die hieraus erwach- 
sende Arbeitslast erwies sich indes so gross, dass seit dem Herbste diese 
jiächtlichen Beobachtungen nur bei besonderen Veranlassungen angestellt 
wurden. Bei dieser Sachlage erschien es wünschenswert, zunächst mit 
Hilfe eigens dazu angefertigter Galvanometer an verschiedenen Punkten 
neben der Linie der Strassenbahn Untersuchungen anzustellen, um die 
Gesetze und die Tragweite des störenden Einflusses der Bahn zu er- 
kennen. Über die vorläufigen Resultate dieser Untersuchung ist der 
Geographischen Gesellschaft in der Novemberversammlung Bericht er- 
stattet worden. Im Juli wurden auf den Inseln an der Ost- und West- 
küste Schleswigs erdmagnetische Beobachtungen angestellt und damit die 
A'^ermessung dieser Provinz zu einem Abschlüsse gebracht. Im Oktober 
wurden die Angabei\ unseres Reiseinstrumentes mit denen der Instrumente 
des dänischen Observatoriums verglichen, um eiuen sicheren Anschluss 
miserer Beobachtungen mit dem dänischen Beobachtungsnetze zu ermög- 
lichen. Trotz der misslichen Lage, in welcher sich die Station befindet, 
konnte über eine eventuelle Verlegung noch kein Beschluss gefasst 
werden, weil der Sektion bisher seitens der Kanalbehörde keine amtliche 
Nachricht über die Umgestaltung der Wallanlagen, in denen sich unser 
Gebäude befindet, zugegangen ist, auch über die von der Strassenbahn 
innezuhaltende Entfernung noch kein sicheres Urteil abgegeben werdep 
konnte. Die unfreiwillige Müsse ist insofern von Vorteil, als sie die 
Möglichkeit bietet, das in den letzten Jahren auf der Lübecker Station 
und auf den Reisen angesammelte Beobachtuugsmaterial rechnerisch zu 
verarbeiten und druckfertig zu machen. 



152 

Die Vorsteherschaft des Museums für Völkerkunde berichtet, dass 
sich dasselbe erfreulich entwickelt habe und eine Vermehrung der Samm- 
lung um 314 Nummern aufweise. Dieselbe entstand teils durch Geschenke, 
teils durch planmässigen Ankauf zur Ausgestaltung einzelner Abteilungen. 
Für einen solchen Fall hat die Gesellschaft z. Bef. gem. Thätigkeit einen 
besonderen Zuschuss von Ji 500 gewährt. Der Kassenbericht wies 
eine Einnahme von JC 1341,11 und eine Ausgabe von Ji 1288,86 auf. 
Die Vorsteherschaft ist im Jahre 1894 den Satzungen der Ges. zur Bef. 
gem. Thätigkeit gemäss noch unverändert geblieben. 

Die von den hierzu von der Gesellschaft erwählten Herren H. Boy 
und H. Born geprüfte und unterschriebene Kassenrechnung schliesst mit 
einer Einnahme von Ji 1406,85 (einschliesslich eines Saldos von M- 90,17 
aus dem Jahre 1893). Die Ausgabenseite weist einen Überschuss von 
Jl 675,1^ auf, welcher wesentlich dadurch entstanden ist, dass im Jahre 
1894 kein Heft der Mitteilungen herausgegeben wurde. 



Bericht der Geographischen Gesellschaft über das Jahr 1895. 

Im Jahre 1895 ist eine gi'össere Reihe von Versammlungen gehalten 
worden, als in früheren. Es fanden ausser einer Anzahl kleinerer Mit- 
teilungen folgende Vorträge statt: 

am 18. Januar: Professor Sartori: Über Montreux und den Genfer See; 

H. Linde: Briefe aus Indien; 
am 22. Februar: Major v. Koschitzky: Über Pfeilgift; 
Herr Lindenberg: Fahrten auf dem Orinoko; 
Professor Sartori: Schilderungen von den Marquesaslnseln; 
am 15. März: Professor Sartori: Kleinere Mitteilungen, betr. Sibirien, 

die Ostsee, das Zodiakallicht, die Indianer des Gran-Chaco; 
am 5. April: Oberlehrer Dr. Schaper: Über die Ziele und Zwecke 
der Vereinigung von Freunden der Astronomie und der kosmischen 
Physik; 
Professor Sartori: Pamir, Tschitral, Kafiristan; 
Oberlehrer Dr. Freund: Vorlegung und Erläuterung von Waffen 
aus der Bohndorfschen Sammlung im Museum für Völkerkunde; 
am 10. Mai: Dr. Lenz: Der aufrechte Gang bei Tieren und Menschen 
und der neue Affenmensch von Java; 
Professor Dr. Müller: Über Erdbeben; 
am 24. Mai: Major v. Koschitzky: Nancy; 

Oberlehrer Dr. Schaper: Bericht über den deutschen Geographen- 
tag in Bremen; 



153 

am 11. JuDi: Bericht des anwesenden früheren Direktors der Stern- 
warte in Peking Dr. Fritsche aus Petersburg über seine fünf 
Reisen zwischen Petersburg und Peking; 
am 18. und 25. Oktober: Oberlehrer Dr. Bäthcke: Reise nach dem 

Orient; 
am 15. November: Professor Sartori: Die Republik San Marino; 

derselbe: Die Gauchos in Argentinien; 

am 22. November: Herr Baba Bar Ischaja aus Täbris: Armenien 

und Persien; 
am 19. Dezember: Oberlehrer Dr. Freund: Madagaskar; 

Dr. Lenz: Die Tierwelt Madaga,skars und ihre geographischen 
Beziehungen. 
Zu der Versammlung am 22. November waren die Mitglieder der 
Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Thätigkeit eingeladen, zu der 
am 11. Juni diejenigen des Herrenabends derselben. Zur Ausstellung 
gelangte eine bedeutende Zahl von Gegenständen aus dem Naturhisto- 
rischen Museum und dem Museum für Völkerkunde, ferner Karten, 
Atlanten, Reise- und Geographische Werke, sowie Photographien. Unter 
letzteren sind besonders die von Herrn Oberlehrer Dr. Bäthcke vorge- 
zeigten zu erwähnen, ferner ein von Herrn Weidmann entworfener farbiger 
Karton von mehr als 100 Typen der Bevölkerung von Ostafrika, welcher 
von demselben für die bevorstehende Kolonialausstellung in Berlin aus- 
geführt werden soll. 

An Geschenken sind eingegangen von: 

Herrn Konsul Michelsen, Argentinischem Konsul hierselbst: Nützliche 

Mitteilungen für Einwanderer in Argentinien, fünf Hefte in mehreren 

Exemplaren ; 

demselben: Message du President de la Republique. Buenos Aires 1895. 

Herrn A. P. Loren zen in Kiel: Litteraturbericht für Schleswig-Holstein, 

Hamburg und Lübeck Nr. 2 und 3; 
Herrn Professor Dr. De ecke in Greifswald seine Skizzen aus Norrland; 

demselben: Geologische Sagen und Legenden; 
Naturforscher verein in Riga: Festschrift zum 25jährigen Jubiläum; 
Herrn H. J. Sjögren: Bulletin of the Geological Institution of Upsala; 
der Deutschen Kolonialgesellschaft: Jahresbericht 1894; 
Herrn Otto Kunze in Leipzig seine Geogenetischen Beiträge. Leipzig 

1895. 
Herrn Henri Moser in Schäffhausen : Bosnien und Herzegowina; 
Herrn Dr. Pablo Krüger m Santiago (Chile): La Determinacion Astronö- 
mica de las Cordenadas Jeograficas en la Expedicion al Rio Palena. 
Santiago 1895. 



154 

Herrn "Rud. Fitzner: Observacioncs lij'ppcimetricas y meteorologicas en 

la Expedicion al rio PaleDa; 
Herrn Prof. Dr. Palmen in Helsingfors seine Travaux Geographiques en 
Finlande; 
demselben: sein Referat über den Stand der Kenntnis des Vogelfluges; 
Herrn Rud. Fitzner: Die Regentschaft Tunis (Verfassei-) ; 
Heii'n Paul Schreiber in Chemnitz: Über selbstregistrierende Regen- 
messer und Pegel; 
Herrn Elisee Reclus in Brüssel; Projet de Construction d'un Globe 

terrestre ä l'Echelle du Cent-Millieme ; 
den Geschäftsführern der Versammlung deutscher Naturforscher und 

Ärzte in Lübeck die Verhandlungen derselben; 
Herrn G. C. Hahn: Stielers Atlas, grosse Ausgabe; 
Herrn Kapitän Jäger: Grosse chinesische Ehrenflagge, demselben für die 

Rettung von Schiffbrüchigen verliehen; 
Herrn Landrichter Schmedes: Cigarette aus Rangoon, birmanische und 
chinesische Zeitungen. 

In den ersten Tagen des Jahres ist wiederum ein Doppelheft der 
Mitteilungen (7 und 8) herausgegeben. Dasselbe wurde von der Geo- 
graphischen Gesellschaft und dem Natur! listorischen Museum Herrn 
Senator Dr. Brehmer in Veranlassung seines 25jährigen Amtsjubilä'ums 
aus dankbarer Anerkennung seiner Mitwirkung bei ihren Arbeiten 
gewidmet. 

Durch den Tod wurde der Gesellschaft ein korrespondierendes Mit- 
glied, der durch seine Reisen in Ostafrika weitbekannte Herr Oskar 
Borchert entrissen; ferner Oberlehrer Dr. Timpe und die Kaufleute G. C. 
Plahn und H. Martens. Durch Austritt verlor sie die Hei-ren E. J. A. 
Lütgens, von Schirach und Hillraann Dafür traten wieder ein die Kauf- 
leute J. H. Rehtwisch, G. Gofsmann und Konsul K. Scharfl:, Assessor 
Voigtel, Kunstgärtner K. G. Hartwig und Staa.tsanwalt Dr. Lienau. 

Aus dem Vorstande schied satzungsgemäss Senator Dr. Brehmer; 
zum Nachfolger wurde Herr Major v. Koschitzky erwählt. Die Kassen- 
prüfung übernahmen die Herren Born und Boy. 

In Schriftenaustausch trat unsere Gesellschaft infolge der au sie er- 
gangenen Aufforderung mit 

dem Naturwissenschaftlichen Verein in Osnabrück, 

dem Naturhistorischen Vei-eiu in Bonu, * 

der Niederrheinischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde in Bonn 

und dem Museum in Stavanger. 



155 

Die am Freitag Abende stattfindenden Herren-Abende erfreuten sich 
wiederum eines regelmässigen und lebhaften Besuches. Von auswärtigen 
Gästen ist Herr Professor Dr. Palmen von Helsingfors zu nennen, sowie 
Herr Derlien, welcher über seinen Aufenthalt in Kaiser Wilhelms-Laud 
anziehende Mitteilungen machte. Am Freitag den 20. September fand 
sich eine Anzahl von Geographen, welche in Veranlassung der Versamm- 
lung Deutscher Naturforscher und Ärzte in Lübeck anwesend waren, auf 
eine an dieselbe gerichtete Einladung ein. 

Diese genannte Versammlung ist für unsere Gesellschaft wohl das 
wichtigste Ereignis dieses Jahres gewesen. An ihr beteiligte sich eine 
grosse Zahl unserer Mitglieder. 

Für die Sektion Erdkunde waren Professor Sartori als Einführender 
und Kommerzienrat Scharff als Schriftführer bestimmt. Von den Vor- 
trägen sind als geographische und ethnologische zu nennen: 

Über die Ostsee und ihre Entstehung. Professor Rud. Gredner-Greifswald ; 
Über das Klima Ostasiens in seinen weltwirtschaftlichen und sanitären 

Beziehungen. Wilh. Krebs-Dresden. 
Der Jakobsstab als Hauptinstrument der geographischen Ortsbestim- 
mung in früherer Zeit. Professor Günther-München. 
Die aristotelischen Beweise für die Erdkrümmung. Derselbe. 
Die Sitte des Bauopfers. Oberlehrer Sartori-Dortmund. 
Bedeutung, Umfang und Behandlungsweise der Maskenkunde. L. V. 
Frobeuius-Dres den . 
Im April fand in Bremen der Deutsche Geographentag, verbunden 
mit dem 25jährigen Jubiläum der dortigen Geographischen Gesellschaft 
statt. — Unsererseits überbrachte Oberlehrer Dr. Schaper eine Glückwunsch- 
Adresse, welche von der Bremer Gesellschaft mit einem Dankschreiben 
erwidert ist. 

Der Gesellschaft wurde der Entwurf für die neuen Satzungen der 
Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Thätigkeit zur Begutachtung 
vorgelegt. Derselbe fand keinen Widerspruch. 

Der Bericht der Vorsteherschaft des Museums für Völkerkvmde weist 
mit Befriedigung darauf hin, dass die Sammlung im Jahre 1895 wieder 
durch Geschenke und Erwerbungen erfreulich vermehrt worden ist. Be- 
sonders wichtig ist, dass sie auch im Kreise der Ethnologen sich wachsen- 
der Beachtung erfreut und bei ethnographischen Fachstudien benutzt 
worden ist. In die Vorsteherschaft trat an der Stelle des Herrn Ober- 
lehrer Dr. Plausberg Herr Konrad Weidmann ein. Der Beitrag der Ge- 
sellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Thätigkeit wurde für das Jahr 
1896 auf M 1200 erhöht. 



156 

Die Erd magnetische Station hat in einem durch den Strassenbahn- 
verkehr beschränkten Umfange ihre Beobachtungen wieder aufgenommen. 
Die Pläne für einen Neubau sind gelegentlich der Naturforscher-Versamm- 
lung mit den Fachleuten durchberaten. Die Geographische Gesellschaft 
ist veranlasst, eine Eingabe an die Kaualbaubehörde zu richten, zwecks 
Gewährung der Mittel für diesen Neubau. Da die Arbeiten am Elbe- 
Trave-Kanal demnächst bereits ihren Anfang nehmen, so ist zu hoffen, 
dass bis dahin der Sektion für die erdmagnetischen Beobachtungen ein 
Neubau für das ihr Entrissene gewährt ist. 

Die von den Revisoren geprüfte und genehmigte Kassenrechnung 
weist mit Inbegriff eines Saldos von Jl 675,12 eine Einnahme von 
M 1795,95 auf. Die Ausgabe betrug jH- 1412,42, sodass ein Saldo von 
Jt 383,53 verblieb. 



Bericht der erdmagnetischen Station für 1894. 

Die erdmagnetische Station wurde leider im verflosseneu Jahre in 
ihren Arbeiten durch den Betrieb der elektrischen Strassenbahn gegen 
alle Erwartung derartig gestört, dass während des Tages keine Beobach- 
tungen von Wert gewonnen werden konnten. 

Anfangs wurde versucht, den Dienst zwischen abends 11 Uhr und 
morgens 6 Uhr fortzusetzen; die hieraus erwachsende Arbeitslast erwies 
sich indes so gross, dass seit dem Herbste diese nächtlichen Beobach- 
tungen nur bei besonderen Veranlassungen angestellt wurden. 

Bei dieser Sachlage erschien es wünschenswert, zunächst mit Hülfe 
eigens dazu angefertigter Galvanometer an verschiedenen Punkten neben 
der Linie der Strassenbahn Untersuchungen anzustellen, um die Gesetze 
und die Tragweite des störenden Einflusses der Bahn zu erkennen. Über 
die vorläufigen Resultate dieser Untersuchung ist der geographischen 
Gesellschaft in der Novemberversammlung Bericht erstattet worden. 

Im Juli wurden auf den Inseln an der Ost- und Westküste Schles- 
wigs erdmagnetische Beobachtungen angestellt und damit die Vermessung 
dieser Provinz zu einem Abschlüsse gebracht. 

Im Oktober wurden die Angaben unseres Reiseinstrumentes in 
Kopenhagen mit denen der Instrumente des dänischen Observatoriums 
verglichen, um einen sicheren Anschluss unserer Beobachtungen in 
Schleswig mit dem dänischen Beobachtungsnetze zu ermöglichen. 

Trotz der misslichen Lage, in der sich die Station befindet, konnte 
über eine eventuelle Verlegung noch kein Beschluss gefasst werden, weil 



157 

der SektioD seitens der Kanalbehörde bisher keine amtUche Nachricht 
über die Umgestaltung der Wallanlagen, in denen sich unser Gebäude 
befindet, zugegangen ist, auch über die von der Strassenbahn innezu- 
haltende Entfernung noch kein sicheres Urteil abgegeben werden konnte. 
Die unfreiwillige Müsse ist in sofern von Vorteil, als sie die Möglich- 
keit bietet, das in den letzten Jahren auf der Lübecker Station und auf 
den Reisen angesammelte Beobachtungsmaterial rechnerisch zu verarbeiten 
und druckfertiff zu macheu. 



Bericht des Ausschusses für die erdmagnetische Station über das Jahr 1895. 



Wegen der schon im vorigen Jahresberichte erörterten Störungen 
durch die elektrische Strassenbahn sind die magnetischen Beobachtungen 
während der ersten sieben Monate des Jahres 1895 unterbheben. 

Seit September sind aber die Morgenbeobachtungen, welche allein 
durch die Strassenbahn nicht beeiuflusst werden, wieder aufgenommen, 
worden, weil die Fachleute dies gelegentlich der Naturforscher -Versamm- 
lung als wünschenswert bezeichneten. 

Die Berechnung der Beobachtungen hat erst gegeu das Ende des 
Jahres erheblich gefördert werden können, weil die Vorarbeiten für die 
Naturforscher-Versammlung die Arbeitskräfte in Anspruch nahmen. 

Demnächst werden einige Jahrgänge von Beobachtungen zur Ver- 
öffentlichung gelangen. 

Die Untersuchungen über die Einwirkung der elektrischen Strassen- 
bahn sind bearbeitet. Im Januar des Berichtsjahres sind die Resultate 
dem Königl. dänischen Observatorium auf dessen Ansuchen mitgeteilt, 
weil demselben eine gleiche Störuug drohte. 

Herr Professor L. Weber hat ferner am 11. Juni 1895 in einer 
Sitzung des elektrotechnischen Vereins zu Berhn, in der die Frage der 
Störung wissenschafthcher Institute durch elektrische Bahnen zur Dis- 
kussion stand, eine Arbeit über unsere Untersuchungen mitgeteilt. Seitens 
des genannten Vereins ist dieser Bericht in der Elektrotechnischen Zeit- 
schrift 1895 Heft 27 veröffenthcht worden. 

Gelegentlich der Naturforscher-Versammlung waren Fachleute aus 
Potsdam, .Kiel, Hamburg, Wilhelmshaven, München, Utrecht, Pola und 
Kopenhagen hier anwesend, welche auch unsere Station mehrfach be- 
suchten. Die Ziele unseres und anderer Neubaue wurden mehrfach in 
den nicht veröffentlichten Fachkonferenzen erörtert und die instrumenteile 
Ausrüstung moderner magnetischer Observatorien wurde besprochen. 



158 

Für einen Neubau uuseier Station ist vom Vorstande des Aus- 
schusses das Areal der Zentralarmendeputation an der Ratzeburger Allee 
neben Nr. 47 in Aussicht genommen Es ist auch bereits eiu Plan für 
den Neubau eines unter- und oberirdischen Observatoriums ausgearbeitet 
worden; auch sind Schritte gethan, uns von der Kanalbaubehörde einen 
Beitrag zu den Kosten der neuen Station auszuwirjjen. 

Die anliegende Jahresabrechnung weist eine Einnahme von 
M 1424,44 auf. 

Diese setzt sich zusammen aus einem Saldo von 1894 im Betrage 
von jfC 608,04, einem Beitrage der Plandelskammer von Ji 400, einem 
gleichen Beitrage aus der Stadtkasse und aus jK 16,40 Zinsen. 

Da sich die Ausgaben nur auf M 89,35 belaufen, so gehen wir in 
das neue Jahr mit einem Saldo von .M 1335,09, der für die geplante 
Anschaffung selbstregistrierender Instrumente aufgespart worden ist. 



Bericht des Museums für Völkerkunde über das Jahr 1894. 



Das Museum für Völkerkunde hat sich im Jahre 1894 in erfreu- 
licher Weise entwickelt. Der Katalog weist eine Vermehrung der Samm- 
lung um 314 Nummern nach. 

Zunächst hat die Vorsteherschaft die angenehme Pflicht zahh-eichen 
alten Freunden und neu hinzugekoumienen Gönnern für eine stattliche 
Reihe von wertvollen Geschenken, die 96 Nummern des angefügten Re- 
gisters der Neuerwerbungen füllen, den besten Dank auszusprechen. 
Durch eine Sendung für die Abteilung Vorderindien erfreute uns Herr 
Revierförster F. Claudius -Behlendorf, durch eine wertvolle Waffonsamm- 
lung aus Togo Herr J. Bloss. Herr E. Günther -Sorata sorgte wieder für 
die Abteilung Südamerika durch Zusendung bolivianischen Thongeschirrs, 
für dieselbe Abteilung sandte uns Herr Rieh. Petersen in Buenos -Aires 
durch den Vorsitzenden der Geographischen Gesellschaft, Herrn Professor 
A. Sartori, eine Sammlung aus Argentinien und B'euerland. Endlich er- 
hielten wir von Herrn Kapitän Michelsen aus Singapore sehr schöne 
malayische Waffen. Von den übrigen Geschenkgebern wurden besonders 
die Abteilungen China und Nordeuropa bedacht. 

Dann aber war die Vorsteherschaft durch die Erhöhung ihres 
Budgets, die ihr durch Beschluss der Gesellschaft zur Beförderung gemein- 
nütziger Thätigkeit gewährt worden ist, in der Lage, dem längst gehegten 
Wunsche einer planmässigen Ausgestaltung unseres Museums durch An- 
käufe näher zu treten. 



159 

So konnte zuerst eine Gelegenheit benutzt werden, die Abteilung- 
Ostindien, die sich bisher auf wenige Gegenstände in einem Schaukasten 
beschränkte, durch Ankauf so zu vermehren, dass ihr ein neu beschaifter 
Schrank im Ostsaale zugewiesen werden musste. 

Ferner wurde durch die Vermittlung des Vorstehers des Hambui'ger 
Museums, Herrn C. W. Lüders, der unsere Bestrebungen in dankenswerter 
Weise unterstützt, ein grosser Dajakenschild und eine Sammlung von 
Igorroteuwaffen aus Luzon augekauft. Endlich aber wurde der Vor- 
steherschaft auf ihre Bitte vom Vorstande der Gesellschaft zur Beförde- 
rung gemeinnütziger Tliätigkeit ein besonderer Zuschuss von .. IC 500 
bewilligt, um eine reichiialtige Sammlung aus dem ßismarckarchipel an- 
zukaufen, auf welche uns Herr Konsul Hernstein in Hamburg bei seinem 
Besuche unseres Museums aufmerksam gemacht hatte. 

Die wichtigsten Stücke dieser Sammlung und die von Herrn Kapitän 
Michelsen geschenkten malayischen Waffen legte Herr Major v. Koschitzky 
in der Sitzung der Geographischen Gesellschaft am 30. November vor. 

Die Erhaltung der Sammlung machte nur geringe Arbeit notwendig, 
da die bei der Einordnung derselben vorgenommene gründliche Revision 
und Desinfektion bis auf einen Fall, der rasch zu erledigen war, vollstän- 
dige Sicherheit gegen Motten geschaffen hat. 

Den mühevollen Katakigarbeiten hat sich auch in diesem Jahre 
Herr Major v. Koschitzky gewidmet, für die Bezettelung der Neuerwer- 
bungen hatten wir uns wieder der Unterstützung des Herrn Konservator 
G. Grupe zu erfreuen. Die Ncuorduuug des Versicherungskataloges ist 
von Dr. Freund in Angriff genommen. 

Nach den Satzungen der Gesellschaft bestand auch in diesem Jahre 
noch die Vorsteherschaft aus denselben Mitgliedern, wie im vorigen. Den 
Vorsitz und die Vertretung im Museums -Verwaltungsausschuss fülu'te 
Oberlehrer Dr. Freund. 

Der Kassenbeiicht schliesst bei einer Einnahme von J'C 1341,11 und 
einer Ausgabe von Ji 1288,86 mit einem Bestände von ,M 52,25. 



Erwerbungen und Geschenke. 

Von Herrn Kapitän Jägei': Modell eines chinesischen Damenfusses. 

Von Herrn Förster Claudius-Behlendorf : Gegenstände, welche der Missionär 
Bohn aus Banchichota Nagpore im nördlichen Ostindien mitbrachte, 
eine Götzenfigur aus Bronze, männlich, eine Götzenfigur aus Bronze, 
weiblich, eine Schnur Bronzeperlen, zwei Leuchter aus Zinn, drei 
Armreifen. 



160 

Von Herrn Johannes Blösf: Sachen aus Gross-Popo, zwei eiserne Lanzen, 
ein Bogen, ein Köcher mit Pfeilen, zwei kleine Dolchmesser, ein 
grosses Dolchmesser, ein Fetisch von Holz, eine Perlenschnur. 

Von Herrn Konsul Faber-Lübeck: Meha de Tartago. Licht aus Ricinus- 
hamoc. 

Angekauft von Frau Reimpell: Ein rundes Theebrett, ein achteckiges Thee- 
brett, ein Paar Kinderscluilie, ein Brief falzer von Bronze, vier Kelche 
von Bronze, ein weissbronze Toilettebesteck für indische Damen, im 
Ganzen nemi Gegenstände, zwei Kohleubüchsen von Metall zum 
Färben der Augealider, eine Toilettebüchse, eine Puppe (Kinderspiel- 
zeug), Modell eines fahrbaren Palemkins, Modell eines Liwah-Tempels, 
Wasserpfeifen, zwei schön geäzte Bronzefiaschen, ein Teller von Stein 
(eingelegt), zwei dunkle und eine helle Halskette von Frucht, eine 
dunkle Halskette von Holz, eine Visitenkartendose von Holz, ein 
Paar Schuhe (Modell von Alabaster), ein Paar Schuhe (Modell von 
grauem Stein), Stickereiproben indischer Missionszöglinge, indische 
Buchstaben darstellend, gestickte Tischdecke aus Leinen, gestickte 
Tischdecke aus Tuch, gemalte Tischdecke aus Leinen, Halsketten von 
Filigransilber, Ohrring, drei Nasenringe. 

Geschenk des Herrn Carl Schrader, Lübeck: Vier Stück altes japanisches 
Papiergeld. 

Geschenk der Frau Reimpell, Lübeck: Eine Diener-Mütze indischer Muha- 
medaner, ein Buch, indisch, ein Brief, indisch, Cholerarezept, indisch, 
neun Photographien, zwei photographische Lischriften. 

Geschenk der Frau Rodde, geb. Bruhns: Ein chinesischer Brief, ein chine- 
sisches Zirkus-Programm. 

Geschenk des Herrn Konsul Th. F. Harms: Leibriemen nebst Messer aus 
Wasa, Altmaurische Waffe aus Spanien. 

Geschenk des Herrn 0. Iwersen: Opiumpfeife aus China. 

Geschenk des Herrn Marine -Ober -Ingenieur Johannsen: Ein Kasten mit 
Wachsfiguren auf Holzstäbchen. 

Geschenk des Herrn Kapitän z. See Riedel: Ein Lied mit Noten (Druck) 
Hawaii. 

Geschenk des Herrn Oskar L. Tesdorpf: Eine chilenische Thonflasche. 

Geschenk des Herrn Robert Küstermann: Vier Pfeilspitzen von Stein, eine 
steinerne Pflugschar vom Stamme der Pottawatonies, ums Jahr 1790 
die Gegend des heutigen Millwaukee's im Staate Wisconsin bewohnend. 

Geschenk des Kadetten Herrn Hans v. Koschitzky: Chinesisches Brief- 
papier nebst Umschlag. 



161 

Geschenk der Frau Ludwig, New- York: Zehn photographische Stereoskop- 
Ansichten aus Texas. 

Geschenk der Frau Bispen, Lübeck: Ein Paar Kinderschuhe aus Klein- 
Russland, ein Handtuch aus Klein-Russland. 

Gesclienk des Herrn Gättens: Ein Tuch, von Kamerunmädchen genäht. 

Geschenke des Herrn Richard Petersen, Buenos-Ayres: a) aus Feuerland: 
ein Bootsmodell, eine Halskette von Muscheln, drei Halsketten von 
Vogelfusshaut, eine Feuerbüchse, ein Korb von Fasern, eine Jagd- 
tasche von Fasern; b) aus Argentinien (Chacas- Indianer): ein Feder- 
kleid, ein Federkopfputz, ein Kugellasso, Stricke von Pferdehaar, zwei 
Haarnadeln der Frauen; c) aus Bolivien: ein Bastliemd der Indianer. 

Geschenk des Fräulein Marseoff, Lübeck: Ein Paar gestickte Pantoffeln 
aus Lirüa. 

Geschenk von Herrn E. Larsen, Lübeck: Fünf alte Kupfermünzen aus 
Battak (Sumatra), ein auf ein Stück Bambusrohr geschriebener Brief 
aus Deli (Sumatra). 

Geschenke des Herrn Kapitän Michelsen vom Dampfer Teutouia, care of 
Messr. H. Jebsen & Co., Penang: Ein Blaserohr, Sumatra, drei Köcher, 
Sumatra, eine Lanze, Sumatra, ein Messer, Sumatra, ein Kries, Sumatra. 

Geschenke des Herrn Admiral Kühne: Chinesische Visitenkarte des Vize- 
Königs Li-Hung-Tschang, chinesische Visitenkarte des Admiral Kühne. 

Geschenk des Herrn C. W. Lüders, Hamburg: Indigobüchse der Fan. 

Geschenk des Herrn Tischlermeisters Hempel, Lübeck: 25 Stücke chine- 
sischen Spielzeugs. 

Geschenk des Herrn Osterkamp: Eine Opiumpfeife aus China, ein Heftcheu 
Photographien vom Suez -Kanal, eine grössere Photographie vom 
Suez-Kanal. 

Geschenk des Herrn Piehl: Ein Paar geschnitzte Fruchtkerne aus China. 

Vom Kunstgewerblichen Museum überwiesen: Ein Ring, zwei kleine 
(klotzen, eine Perle aus den Mumiengräbern. 

Geschenk des Herrn C. W. A. Bruhu : Chinesische Wasserpfeife. 



Bericht des Museums für Völkerkunde in Lübeck über das Jahr 1895. 



Auch im Jahre 1895 hat der Bestand des Museums für Völkerkunde 
zahlreiche Bereicherungen erfahren, indem es um 269 Katalognummeru 
vermehrt wurde. Es entfallen davon 158 auf Geschenke, die anderen 
auf Überweisungen, zum Teil unter Vorbehalt des Eigentumsrechts. 
Wenn einerseits die Zurücknahme der meisten Gegenstände der hübschen 

11 



162 

Dr. Roesing'schen Sammlung vou Japansachen eine empfindliche Lücke 
in die asiatische Abteilung gerissen, so sind durch manche neu hinzu- 
gekommene Gegenstände wiederum wünschenswerte Fortschritte zu vei'- 
zeichnen, so dass wir nicht anstehen, das Jahr 1895 als ein, für die Ent- 
wicklung der Sammlungen wichtiges und erfolgreiches 7A\ bezeichnen. 

Die wichtigste Erwerbung dieses Jahres besteht in der Sammlung 
ost und zentral-afrikanischer Waffen, welche der Afrikareisende Fr. Bohn- 
dorff mit Bewilligung von Ratenzahlungen an uns verkaufte. Diese 
Sammlung enthält hervorragend schöne Waffen aus dem innerafrika- 
nischen Seengebiet und der deutschen Kolonie in Ostafrika und bildet 
eine schöne Ergänzung der Borchert' sehen Sammlung, welche grösstenteils 
den ostafrikanischen Küstenländern entstammt. 

Willkommene Gaben sind uns zugeflossen von einer grossen Zahl 
gütiger Fi-eunde und Gönner; in grösserem Masse beteiligten sich an 
Schenkungen: Herr Giffhorn aus Au Cayes, Haiti, Herr Faklam aus Port 
Durban und Herr Konsul BremerMontere,y, sowie Herr P. Vorkamp-Fort 
Dauphin. Die unter dem Vorbehalt des Eigentumsrechts überwiesenen 
Waffensammlungen des letzteren Herrn erwiesen sich namentlich während 
des französisch-madagassischen Krieges als intei'essante Anziehungspunkte. 

In grösserem Masse als bisher hat unser Museum die Beachtung 
auswärtiger Fachleute gefunden; im Sommer unterzog der Direktor des 
ethnographischen Museums in Oxford, Mr. Edw. B. Tylor, dieselbe einer 
eingehenden Besichtigung. Ferner benutzte der Ethnologe, Herr Leo V. 
Frobenius unsere Südseemasken zu seinen Studien und zu einem Vor- 
trage über Maskenkunde in der Abteilung X der 67. Versammlung 
deutscher Naturforscher und Arzte. Die deutsch-nordische Ausstellung 
sowohl, w'ie auch die genannte Versammlung von Gelehrten brachten dem 
Museum manchen erfreulichen Besuch, brachten uns manchen wertvollen 
Ratschlag und auch ermutigende Anerkennung. 

In dankenswerter Weise hat die Dezember-Deliberations-Versammlung 
der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Thätigkeit dem Vorstand 
des Museums die beantragte Bewilligung einer Erhöhung des Jahres- 
budgets zugestanden. 

Während des Berichtsjahres sind mit den Erben des Herrn Oskar 
Borchert Unterhandlungen augeknüpft zwecks Ankauf der im Museum 
befindlichen ostafrikanischen Sammlung. Leider konnten die Abschlüsse 
nicht rechtzeitig geschehen und so schwebt diese Angelegenheit zur Zeit 
noch, wir haben aber begründete Aussicht, vorbehaltlich der Bewilligung 
der Mittel durch die Gesellschaft, im Spätjahr 1896 in Besitz dieser 
wünschenswerten Sammlung zu kommen. 



163 

In die Vorsteherschaft trat an Stelle des satzungsgemäss durch das 
Loos ausgeschiedenen Herrn Oberlehrer Di\ Hausberg Herr C. Weidmann 
am 29. Januar 1895 ein. 

Der Kassenbericht schliesst bei einer Einnahme von Jl€ 1055,09 
\nid einer Au.sgabe von Ji 1056 30 mit einem Fehlbetrage von jH 1,21, 
welcher aui' die Rechnung des nächsten Jahres übernommen wird. 



Neuerwerbungen. 
A. Ankäufe. 
Bohndoi'ff'sche Sammlung: Drei Speere aus Irangi, drei Speere aus Ugogo, 
sieben Speere aus Uhehe, vier Speere aus Ubena, sechs Speere aus 
Uujamwesi, fünf Speere aus Urambo, zwei Speere aus Ussukuma, 
zwei Speere aus Ussui, vier Speere aus Uganda, ein Speer aus ürundi, 
ein Speer aus Udjiji, zwei Speere aus Uvinsa, drei Speere aus Kawende, 
drei Speere aus Uguliha, zwei Speere aus Urua, vier Speere vom 
Aruwimi, fünf Speere der Manijema, vier Speere der Bassonge, zwei 
Speere aus Ukundja, ein Speer von Tunungua, eine Axt der Bassonge, 
zwei Häuptlingsstäbe aus Ussukuma, vier Keulen aus Unjamwesi, 
zwei Keulen der Manijema, vier Stühle (kiti) aus Ussukuma, ein 
Löffel aus Unjamwesi, ein Köcher der Wanderobbo, zwei Bogen aus 
Usinja, zwei Bogen aus Unjamwesi, ein Bogen aus Urambo, 48 Pfeile 
aus dem deutsch-ostafrikanischen Gebiet. 

B. Geschenke: 

Von Herrn Arnold-Lübeck: Zwei Blattstreifen mit religiösen Inschriften. 

Von Herrn Steuermann Derlieu-Lübeck: Drei Päckchen Pfeilgift aus Borneo. 

Von Herrn Linde Lübeck: Zwei Postkarten aus Hyderabad. 

Von Herrn 0. Iwersen-Lübeck: Eine Haarkette aus Schweden. 

Von Fi'äulein Nölting-Lübeck : Ein Halsband aus Tamarindenkerneu. 

Von Herrn Willy Schröder-Lübeck: Ein Paar holL Kinder-Holzschuhe. 

Von Herrn C. Weidmann-Lübeck: Ein Pfeil der Akka-Zwerge. 

Von Herrn Hempel-Amoy (Süd-Formosa): Ein Schwert, eine Beteltasche, 
eine Jacke, zwei Schürzen, eine Lanzenspitze. 

Von Herrn Pastor P. Lütge-Lübeck: Ein japanisches Bilderbuch. 

Von Herrn Konsul Faber-Lübeck: Ein Modell einer Indiauerhütte (Vene- 
zuela). 

Von Herrn Senator H. Deecke-Lübeck: Ein Paar Sandalen aus Singapore. 

Von Herrn Kapitän Michelsen-Penang: Eine Bibel der Klings von Malakka, 
vier Körbchen aus Penang. 

11'-' 



164 

Von Herrn Dr. Buchholz-Lübeck: Eine chinesische SchhimmerroUe und 
ein chinesisches Bilderbuch. 

Von Herrn Regierungs-Rat Dr. Rösing-Lübeck : Ein japanischer Fächer, 
ein Paar japanische Schuhe, ein Paar japanische Beinschienen, ein 
Löffel von der Somaliküste, eine Wärmevorrichtung mit Patrone, 
ein Bronzespiegel, eine Rechenmaschine, ein Theetöpfchen, drei 
Modelle von Musikinstrumenten. 

Von Herrn Konsul Krohn-Lübeck : Eine Streitkeule der Lidianer aus 
Rio negro. 

Von Herrn Chr. Faklam-Port Durban: Ein Gürtel aus Kupferdraht, zwei 
Pfeile vom Albertsee, zwei Speere der Kaffern, Swaziland, zwei Löffel 
und zwei Tabaklöffel, zwei Perlengürtel, zwei Perlenbänder, ein 
Messin g-Armi'eif (Natal), drei Schamschürzen. 

Von Herrn Blöfs-Togo: Zwei Patronentaschen, drei Holzgötzen, ein Hieb- 
messer mit Scheide. 

Von Herrn Konsul Bremer-Monterey: Zwei Bogen, zwei Pfeile, vier Ob- 
sidiane, ein Topf, ein Bogen, eine Pfeilspitze, elf kleine Idole, ein 
antiker Krug, sechs Steinidole, sechs Idole von Thon, ein Drache 
von Thon, ein Topf mit Figuren. 

Von Herrn P. Vorkamp-Fort Daxiphin: Ein Lendeutuch der Howa, ein 
Schultertuch der Howa, ein Paar Sandalen, ein Reisteller, eine Bambus- 
stange, zwei Rollen Tabak. 

Von Herrn LuckmannLübeck : Ein gesticktes Täschchen, ein Halsband 
mit Kreuz, zwei Armbänder, sämtlich aus Tamarinden von St. Helena. 

Von Fräulein Zernitz -Lübeck: Ein Stück Mumieuzeug aus Ägypten. 

Von Frau Derlien-Lübeck: Eine türkische Schuellwage. 

Von Herrn Giffliorn-Aux Cayes, Haiti: Sammlung von 45 Nummern Haiti- 
Sachen, teils aus, europäischen nachgebildeten, Hausstandssachen 
aus Holz und Blech, teils aus Flechtarbeiten bestehend. Hervor- 
hebenswert sind geflochtene Eselssättel mit Taschen, Körbe zum 
Fischfang, sog. Cocomocacs, Stöcke der Eingeborenen etc. 

Von Herrn Kapitän Jaeger, z. Z. Lübeck: Zwei japanische Bron9e- sog. 
Zauberspiegel. 

C. Überweisungen. 

Vom kulturhistorischen Museum-Lübeck: Eine Tscherkessenflinte. 

Von der geographischen Gesellschaft-Lübeck: Chinesische Ehreufahne, 

Heri'n Kapitän Jaeger für die Rettung Schiffbrüchiger verliehen, 

eine Cigarette der Eingeborenen aus Ranguu. 



165 

D. Überweisungen 
mit Vorbelialt des Eigentumsrechts. 
Von Herrn P. Vorkamp -Fort Dauphin, Madagaskar: Zwei Gürtel mit 
Pulverhorn, ein geschn. Fettbehälter, ein Tabakshorn, zwei Amulette, 
ein Kopfschmuck, ein Beil, ein Schild, neunzehn Speere, drei Lade- 
stöcke, sechs Holzlöffel, acht Holzlöffel mit blattf. Stiel, eine Kürbis- 
flasche, eine Tabakdose, vier Messer in Scheiden, zwei silberne 
Kopfschmuckstüeke, zwei silberne Ohrringe, zwei Kalebassen, ein 
Musikinstrument, zwei Patronengürtel, ein ovales Schild, ein ovales 
Schild, schwarz, ein Schwert ohne Scheide, zwei Schlaf matten , ein 
Wasserschöpfer, zwei Kugeln Kautschuck, zwei grosse Reislöffel, 
drei Traghölzer von Bambusrohr (verziert) und 36 verschiedene 
Speere der Howas. 



Jahresbericht des Naturhistorischen Museums für das Jahr 1894. 



Die Hoffnungen, welche die Vorsteherschaft an die zweckmässigere 
Neuaufstellung unseres Naturhistorischen Museums im jetzigen Museums- 
gebäude und an die dadurch ermöglichte grössere Zugänglichkeit desselben 
knüpfte, haben sich in befriedigender Weise erfüllt. Nicht nur, dass der 
regelmässige Besuch ein weit grösserer als in früheren Jahren war, son- 
dern auch das allgemeine Interesse an unserer Sammlung hat sich ge- 
hoben. Zahlreicher als bisher sind dem Naturhistorischen Museum von 
auswärtigen und insbesondere auch von hiesigen Freunden zum Teil sehr 
umfangreiche und nicht minder wertvolle Geschenke zugeflossen. 

Allen voran steht auch in diesem Verwaltungsjahre wiederum Herr 
Kapitän H. Storni vom Dampfer „Lübeck," dem wir sechs gi'osse Sen- 
dungen von Borneo und Singapore verdanken. Unter den ersteren muss 
hier besonders an die Orang-LTtanBälge, -Skelette und -Schädel hinge- 
wiesen werden, welche uns nicht nur in den Stand setzten, unsere bereits 
recht ansehnliche Sammlung anthropomorpher Affen durch ausgewachsene 
männliche und weibliche Exemplare des Orang-Utans zu vermehren, son- 
dern noch die Mittel an die Hand gaben durch Austausch mit anderen 
Museen wei-tvolle, uns bislang fehlende Gegenstände zu erwerben. 

Die Vorsteherschaft des Naturhistorischen Museums fühlt sich Herrn 
Kapitän H. Storm für seinen unermüdlichen Fleiss, sein Geschick und 
seine Fürsoi-ge zu bleibendem Danke verpflichtet. 

Neben dem Genannten hat ein zweiter Lübeckischer Schiffskapitän, 
Herr Micheisen vom Dampfer „Teutonia," an den Küsten Hinterindiens 



166 

in Selaugor iiiteressaute Säugetiere, Vögel, sowie mehrere Wildsehwein- 
und Büffelscliädel gesammelt. Der Steuermann desselben Schiffes, Herr 
J. Kayser, dem wir schon in früheren Jahren manchen Beitrag aus der 
Tierwelt Hinterindiens verdankten, hat auch dieses Mal seine wenige 
Müsse benutzt, in Selangor Schlangen, Eidechsen, Frösche, Skorpione und 
sonstiges Kleingetier zu sammeln und durch Übersendung desselben unser 
Museum zu bereichern. 

Aus den fernen deutschen Kolonien der Südsee, hat unser lang- 
jähriger Freund Herr H. Grösser uns eine Sendung von Fischen, Krebsen, 
Seeigeln usw. von den Marschalls Inseln gesandt und Weiteres in nahe 
Aussicht gestellt. 

Auf Sumatra sammelte Herr Ad. Trümmer Schlangen, Eidechsen. 
Frösche und zahlreiche niedere Tiere. Herr Leutnant z. S. Titus Türk 
brachte von seiner Reise nach der Südsee, den Suuda Inseln und den 
deutschen Ansiedelungen in Süd- und Westafrika Fische, Krebse und 
andere Meerestiere. 

Eine besondere Fi'eude bei'eitete uns das Eintreffen einer Sendung 
aus Madagaskar, welche Herr Herm. Vorkamp in Tamatave und Fort 
Dauphin au der Südspitze Madagaskars gesammelt hatte. Diese Sendung 
ist für uns um so wichtiger, als sie wesentlich zur Bereicherung desjenigen 
Bestandes beiträgt, den wir vor etlichen Jahren den Bemühungen des 
Herrn Karl Reuter-Nossibe verdanken. 

Vor wenigen Tagen traf endlich noch eine Sendung ein von unserem 
ältesten Freunde, dem Herrn Jakob Behrens, früher San Francisco, jetzt 
San Jose (Kalifornien). Dieselbe umfasst alles, was Herr Behrens in den 
letzten Jahren an Käfern in Kalifornien und durch Tausch aus anderen 
Teilen der Vereinigten Staaten von Nordamerika zusammengebracht hat. 

Den Käfern war eine grosse Anzahl nordamerikauischer entomo- 
logischer Broschüren und mehrere grössere Werke hinzugefügt. 

Die bislang bei uns wenig vertretene Fauna von Mexiko wurde 
durch den in unserer Stadt weilenden Herrn Konsul Beim um eine An- 
zahl Säugetiere und mehr als 100 Vogelbälge vermehrt. 

Von Herrn Tischlermeister Hempel erhielt das Museum ein schönes 
Exemplar des kleinen Paradiesvogels (Paradisea minor) und von Herrn 
Kaufmann Schön eine grössere Zahl meist hiesiger Vögel, Käfer und 
Schmetterlinge. Unter den ersteren sind eine hier geschossene Schnee- 
eule und eine kleine Rohrdommel (Ardetta minor) von besonderem Interesse. 

In Betreff der übrigen Geschenke muss auf das anhängende Ver- 
zeichnis verwiesen \verdeu. Für alle Gaben, grosse und kleine, von Ein- 
heimischen und im Auslande Weilenden, auch an dieser Stelle iiochmals 
der verbindlichste Dank! 



167 

Folgende Gelehrte uucl Fachleute hesuchteu das Museum zum Zwecke 
ihrer Studien: Professor Dr. 0. Boettger-Frankfurt a. M.; Dr. Bohls-Ham- 
burg; Dr. von Brunn Hamburg; Professor Fischer-Benzon-Kiel ; Dr. Gottsche- 
Hamburg; Professor Kraepelin-Hamburg; Major Reinbold -Itzehoe; Dr. 
Stolley-Kiel. 

Material zur Bearbeitung oder Bestimmung ward überlassen an die 
Herren: Professor W. Blasius Braunschweig; Professor Dr. 0. Boettger- 
Frankfurt a. M.; Dr. von Brunn Hamburg; Brunner von Watten wyl- Wien ; 
Professor Fischer-Benzon-Kiel; Dr. Friedrich-Lübeck; Professor Kraepelin- 
Hambuig; A. Kuwert-Wernsdorf; Dr. Lucas-Berlin; J. G. de Man-Jerseke; 
Paul Matschie-Berhn; Dr. Prahl -Rostock; Professor Th. Studer-Bern; 
Dr. Weltner-Berlin. 

Es sind darüber bis jetzt folgende Publikationen erschienen: 
Kraepehn-Haniburg: Revision der Skorpione H (Mitt. d. Hamb. Nat.-Mus. 

1894). 
Studer-Bern: Alcyonarien aus der Sammlung des Naturhistorischen Museums 

in Lübeck, gesammelt von Kapitän H. Storni; in Mitt. d. Geogr. 

Ges. und des Naturh Museums in Lübeck, H. Reihe, Heft 7 und 8, 

Seite 103—128, mit 6 Tafeln. 
V. Koschitzky-Lübeck : Die Käfer Lübecks I. Ebendas. S. 92 — 102. 
Matschie-Berhn: Neu ei-worbene Säugetiere des Naturhistorischen Museums 

in Lübeck. Ebendas. S. 129 — 134, mit Abbildung. 
Für die uns durch die Bestimmungen geleisteten Dienste sind wir 
den genannten Herren zu Dank verpflichtet. 

Mit auswärtigen Museen keimte der Tauschverkehr in ausgedehnterem 
Masse als in früheren Jahren unterhalten werden. Vom Museum in Prag 
wurde auf diese Weise eine Kollektion böhmischer Silur-Versteinerungen, 
sowie eine Anzahl Kopien seltener böhmischer Fossilien erhalten. 

Das Hamburger Museum überliess uns eine Anzahl ostafrikanischer 
Säugetiere, zahlreiche Vögel aus Guatemala und interessante Echinodermen 
aus Ost-Spitzbergen. Vom Albany Museum in Grahamstown erlangten 
wir wiederum eine Reihe südafrikanischer Vögel und Insekten. Des- 
gleichen wurde von den Natui'alienhändlern W. Schlüter in Halle und G. 
Schneider in Basel manches wertvolle Stück erworben. Neuer Verkehr 
konnte mit dem Ungarischen Nationalmuseum in Budapest angeknüpft 
werden. 

Unsere Käfersammlung erfuhr gleichfalls im Wege des Tausches 
eine bedeutende Bereicherung im Verkehr mit dem Berhner Museum für 
Naturkunde, sowie an hochnordischeu Käfern durch das Entgegenkommen 
der Herren Ullmann und Edw. EUingsen-Krageroe, 



168 

In Betreff unserer Bibliothek möchten wir hier noclimals der Schwe- 
dischen Akademie der Wissenschaft in Stockhohn unsern besonderen Dank 
ausspreclien für die Zusendung von mehr als 300 Separatabdrücken ihrer 
wertvollen Publikationen. Über die weiteren Zugäuge giebt das Ver- 
zeichnis am Schlüsse dieses Berichtes Auskunft. 

Dem hiesigen Handelsmuseum wurden die bisher im Naturhisto- 
rischeu Museum aufbewahrten Früchte und Samen übergeben, um mit 
den' doi-t bereits vorhandenen vereinigt zu werden. 

Auch das Herbarium erfuhr wiederum beträchtliche Vermehrungen, 
unter welchen hier insbesondere genannt werden mögen: 

Vier Centurien von Schletterer gesammelter Kappflanzen, Geschenk 
des Herrn Professor Schiuz-Zürich ; 300 persische und armenische Pflanzen, 
gesammelt von Bornmüller und eine beträchtliche Anzahl aussereuro- 
päischer Gräser, ein Geschenk des Herrn Dr. Klatt-Hamburg. 

Neben der Einordnung neuer Zugänge wurde eine sorgfältige Durch- 
arbeitung der Conchyliensammlung vorgenommen und für die Proso- 
branchiaten fast beendet. Einer Durchbestimmung wurden, zum Teil 
unter bereitwillig geleisteter auswärtiger Hülfe, unterzogen, die Echino- 
dermen, Skorpione, Myriapoden, sowie einzelne Gruppen der Fische und 
Krebse. 

Die Reihe der in den Museumsräumen aufgehängten Porträts solcher 
Männer, welche an der Förderung und Vermehrung der Sammlung in 
hervorragender Weise sich beteiligt haben, wurde um dasjenige unseres 
hochverdienten Kapitän Jobs. Voss vermehrt. Das vorzüglich ausgeführte 
Bild ward von dem hiesigen Photographen Herrn Jobs. Maafs nach einer 
vorhandenen kleineren Photographie hergestellt und dem Naturhistorischen 
Museum zum Geschenk gemacht. 

Besucht wurden die Sammlungen des Museums im Jahre 1894 von 
24 081 Personen, darunter 1200 zahlende. Der besuchteste Tag war der 
25. März mit 652 Personen. 

Die laufenden Ausgaben des Jahres 1894 stellten sich wie folgt: 

für Neuanschaffungen jfC 397, — 

= Utensilien und Einrichtungsstücke = 502,29 

= Ausstopfen = 645,70 

. Spiritus = 135,21 

= das Herbarium • 98,25 

= Porti und Fracht « 319,34 

- Bücher und Zeitschriften ..... 389,10 

. Gehalte und Löhne ■ - 1911,10 

Übertrag Ji 4397,99 



169 



Übertrag JC 4397,99 

für Druckkosten und Inserate .... = 124,78 

> Verschiedenes = 81,85 

J€ 4604,62 



Der entstandene Fehlbetrag von JC 215,16 ward durch Gesellschafts- 
beschluss vom 2. April 1895 in dankenswerter Weise ausgeglichen. 

Au Stelle des aus dem Vorstande ausscheidenden Herrn Kaufmann 
F. Jürgens ward Herr Augenarzt R. Jatzow erwählt. Herr Major 
von Koschitzky übernahm den Vorsitz. 



Verzeichnis der neuen Erwerbungen. 

A. Geschenke. 

Von Herrn Fischer Detleff-Schlutup : Ein Leng (Lota molva) am 16. März 
1894 in der Untertrave gefangen. Ein Goldbutt mit vorne weisser 
Oberseite; ein 34 cm langer Caranx trachurus. 

Von Herrn Konsul Th. Fr. Harms hier: Mehrere Serpenthinknollen aus 
Hainau in Schlesien. 

Von Herrn Rob. Steinhagen hier: Ein schwarzkehliges Laufhühnchen 
(Turnix nigricollis), ein weisser Reisvogel, ein Trauerzeisig (Fringilla 
tristis), Nest und Eier des weissbürzeligen Graugirlitz (Fringilla musica) 
aus Afrika, ein kleiner Zierfink. 

Vom Kadetten -V. Koschitzky: Ein Stück versteinertes Holz, am Plöner 
See gefunden. 

Von Herrn Kapt. H Storni: 

Erste Sendung aus Pontianak (West-Borneo): Neun Bälge, neun Skelette 
und zwölf Schädel vom Orang-Utan (Troglod5rtes satyrus [L.]), zwei 
Bälge vom schwarzen Gibbon (Wau-Wau) (Hylobates concolor), zwei 
Bälge vom roten Lutong (Semnopithecus rubicundus), ein Balg vom 
grauen Lutong (Semnopithecus pruinosus); ein Balg vom Makak 
(Cercocebus cynomolgus) ; drei fliegende Makis mit .Jungen (Galeo- 
pithecus volans), ein Nebelparder (Felix macrocelis), ein malayischer 
Bär (ürsus malayanus), eiiae Zibethkatze (Hemigalea derbyana) , ein 
Eichhörnchen (Sciurus prevostii), zwei Geweihe vom Muntjac (Cer- 
vulus muntjac), eine weisse Spitzratte (Gymnura alba), ein Schädel 
vom Wildschwein (Sus barbatus Müll), zehn Vogelbälge, ein gehörnter 
Frosch (Megalophys montana), zwei Igelfische und einige kleine Süss- 
wasserfische, eine Spinnenschildkröte (Pyxis arachnoides Bell) aus 
Siogapore (dort eingeschleppt aus Madagaskar). 



170 

Zweite SeMdiing aus Poiitianak (WestBorneo): Ein Linsang (Prionodon 
gracilis) mit zwei Jungen, ein fliegendes Eichhörnchen (Sciuropterus 
hoi'sfieldi), ein Paradiesfliegenschnäjjper (Terpsiphone affinis), ein Eis- 
vogel, mehrere Eidechsen, Schlaugen und Laubfrösche, eine Land- 
schildkröte (Testudo emys) aus dem bergigen Innern, vier Süsswasser- 
fische. 
Dritte Sendung aus Singapore: Sechs grosse Steinkorallen (Tridaco- 
Ijhyllia lactuca, Turbinaria peltata und mesenterina, Sj'mphyllia 
grandis, Merulina ampHata, Moijtipora monticulosa), eine kleinere 
Madrepora-Art, zwei sehr grosse Melithea ochracea und vier Juucella 
juncea. 
Vieite Sendung aus der Nähe von Singapore: Zahlreiche Meeresalgen, 
darunter namentlich viele Sargassum-Arten und Kalkalgen, zahlreiche 
Meerschwämme, darunter zwei besonders schöne fächerförmig ge- 
staltete, ausserdem mehrere Tausend kleinere Meeresschnecken, meist 
den Gattungen: Ricinula, Natica, Nerita, Neritina, Rotella angehörend, 
zehn Moostierkolonien (Eschara sp.), eine Orgelkoralle, ein Medusen- 
stern, eine grosse Seeschlange (Hydrophis striata Schlg ) 

Von Borneo: Ein fliegendes Eichhörnchen (Sciuropteris setosus), 
ein grosses Schuppentier (Manis javanica), elf Vögel, einige Käfer 
und andere Insekten, neun Marabueier, ein Ei vom Grossfusshuhn, 
ein Schildkrötenei und vier Krokodileier, ausserdem zwei junge 
Orang-Utan-Schädel. 

Von den Bali-Inseln: Eine Bambusratte (Rhizomys dekan). 

Von Hci-i-n Kapt. Johs. Evers: Ein Conglomerat aus Schweden. 

Von HeiTn Fischer Fritz Witt-Gothmund : Ein Stück Holsteiner Gestein 
vom Brothener Ufer. 

Von Herrn Fischer Peter Schröder-Niendorf a. d. Ostsee: Ein Sandkrebs 
(Hyas araneus). 

Von Herrn .1. H. Hartz hier: Ein Stück Lava vom Vesuv. 

Von Herrn Schwartzkopf jun. hier: Schnabel eines Albatrosses (Diomedea 
melanophrys) vom Kap Hörn. 

Von Heri'n Kaufmann Fr. Jürgens hier: Eine japanische Tanzmaus. 

Von Herrn Rathgeu hier: Eine Warneidechse (Vai'anus griseus) aus Tunis, 
eine Eidechse (Lacerta muralis var. tiliquerta) aus Venedig und eine 
Schlange (Coelopeltis lacertina) aus Dalmatien, 

Von Herrn Lehrer Heinr. Meyer hier: Ein Stück Braunkohle mit Schwefel- 
■ kieskrystallen. 

Von Herrn Lehrer Braune hier: Mehrere Schlangen und Eidechsen aus 
Central- Amerika. 



171 

Vou Herrn Malermeister Meyer hier: Ein auatolisclies Mövcheu. 

Von Herrn Adolph Trümmer Dell (Sumatra): 

Erste Sendung: Ein Affeuembryo, eine Maus, neun Eidechsen, 33 
Schlangen, vier Amphibien, mehrere Skorpione, Tausend füsse, ein 
Krebs, eine Cykade. 
Zweite Sendung: Zwei Schildkrötenschalen (Geomyda spinosa). 

Von HeiTU C. Engelhard hier: Kalkstein mit schönen Dendriten vom 
Geisberg im vScliwarzwald. 

Von Herren Rupp & Möller-Karlsruhe: 17 polierte Gestein si)roben aus 
Italien, Tirol, Frankreich. Belgien und Skandinavien. 

Vom Schüler Rohr-Dobbertin : Ein fossiler Schwamm aus dem Silur- 
geschiebe bei Dobbertin. 

Von Herrn Jul. Siemfsen-London: 15 Versteinerungen, meist aus dem 
Gault von Folkestone (England). 

Von Herrn Hans Burmester: Eine Anzahl Versteinerungen aus England 
und ein Schwamm von der irländischen Küste. 

Von Herrn C. Kluth-Wesloe; Vier Teichmuscheln aus dem Wesloer Moor. 

Von Herrn H. Gröfser-Jaluit (Marschall-Inseln): Eine Anzahl Fische, Krebse, 
Seeigel, Schlangensterne, einige Holothurien und Nacktschnecken. 

Von Herrn Augenarzt R. Jatzow: Schwefelkiesstufen und einzelne Krj'stalle 
aus den Sulitjelma Gruben in Norwegen. 

Vom Schüler Ido Meincke: Unterschale einer Schildkröte und ein Wespen- 
nest aus Venezuela. 

Vom Schüler Siegfried: Ein Süsswasserschwamm. 

Vom Bauamt hier: Ein Wespennest, an einer Dachpfanne festsitzend. 

Von Herrn Konsul Behn hier: 11 Säugetierbälge und 103 Vogelbälge 
aus Mexiko. 

Von Herrn Kapt. Michelsen aus Selangor (Hiuterindien): Zwei Schädel 
vom indischen Wildschwein, ein Schädel vom indischen Büffel, zwei 
fliegende Hunde, ein fliegendes Eichhörnchen, ein Moschustier, sieben 
Vögel, zwei Eidechsen und zwei Schildkrötenschalen. 

Vom Steuermann J. Kayser aus Selangoi": Eine Anzahl Eidechsen und 
Amphibien, darunter ein Nasenfrosch (Megalophrys nasuta), ferner 
Käfer, Skorpione und Spinnen. 

Von Frau Dryshaus hier: Ein Stück versteinertes Holz von Lauenburg. 

Vom Tischlermeister Hempel hier: Ein Paradiesvogel (Paradisea minor) 
aus Neuguinea. 

Von Herrn Herrn. Vorkamp-Foil Dauphin (Süd-Madagaskar): Zwei kleine 
Krokodile aus dem Manangarese-Fluss bei Tamatave, zwei Chamäleon 
und mehrere andere Eidechsen, zwei Schlangen, eine Anzahl Insekten, 



172 

Tausendfüsser und Spinnen, ein Raupengespinnst zwischen Blättern, 
Gespinnst von Seidenspinnern, zwei grosse Aineisennester mit den 
zugehörigen Tieren (Crematogaster Eminae For), mehrere verzweigte, 
röhrenförmige Kalksintergebilde von der sandigen Hochebene bei 
Fort Dauphin, vier Eier einer Reiherart 

Von Herrn Bruhn hier: ein Kugelfisch. 

Von Herrn Leutnant z. See Titus Türk: Diverse Fische und Krebse aus 
der Südsee, Celebes, Angra Pequena und Kamerun. 

Von Fräulein Fenuinger hier: 15 Mineralien aus Ungarn. 

Von Herrn Schlachthausinspektor Völlers: Trichinöses und finniges Fleisch, 
Leber mit Echinococcen. 

Von Herrn Schiffsmakler Jade hier: Granaten in Granit von Lysekil 
( Göteborg-Skargard). 

Von Herrn Johs. Fr. Meyer: Abgestreifte Haut einer sog. ßuUschlange 
(Crotalus horridus) aus Colorado. 

Von Herrn Biedenweg hier: Ein Stück Kesselstein. 

Von Herrn Bergingenieur H. A. Mueller-Hoganas (Schweden): Vier Ab- 
drücke von Farn aus dem Kohlenwerk Stabbarfs bei Hoganas. 

Von Herrn Gustav Schalkhäuser hier: Eine indische Schamadrossel 
(Copsychus macrurns). 

Von Herrn Tapezier Jürgens hier: Zwei Tauben (geschuppte Blondinetten). 

Von Herrn Niklas Stallbanm hier: Ein Stück Glimmerschiefer. 

Von Herrn Jakob Behrens in San Francisco: Zwanzig Kasten mit kali- 
fornischen Käfern. 

Von Herrn Kaufmann Dan. Heinr. Schön hier: Eine Anzahl meist hiesiger 
ausgestopfter Vögel, darunter ein Steinadler, ein Seeadler, eine beim 
Gute Lauen in den 50er Jahren geschossene Schueeeule (Strix nivea), 
eine kleine Rohrdommel (Ardetta minor), je ein Kasten mit Käfern, 
Schmetterlingen und Vogeleiern; ausserdem Reptilien und Amphibien 
in Spiritus, zwei Mappen mit Gräsern und Halbgräsern. 

B. Durch Tausch wurden erworben: 

Vom Albany Museum in Graliamstown (Kapland): 20 südafrikanische 

Vögel, neun Reptilien, diverse Spinneu, Skorpione und Myriapoden, 

Orthopteren sowie eine Anzahl Pflanzen. 
Vom Naturhistorischeu Museum in LIamburg: Füiif ostafrikanische Affen, 

ein Opossum, 51 Vogelbälge aus Guatemala und zehn Echinodermen 

von Spitzbergen. 
Von der Linnaea in Berlin: Ein Ceratodus Forsteri. 



173 

Von Herrn W. Schlüter in Halle : Ein Balg vom Augusta- Viktoria-Paradies- 
vogel (Paradisea Augusta- Victoriae) von Kaiser Wilhelmsland und ein 
sechsstrahliger Fadenhopf (Parotia sexpennis) von Neu-Guinea. ein 
Hulman (Semuopithecus entellus) aus Indien, ein Katzenmaki (Lemur 
eatta) von Madagaskar, ein Goldschopfpiuguin (Eudyptes chrysocoraa), 
ein Lungenfisch (Polj'pterus senegalensis), ein kleines Flussueunange 
(Petromyzon planeri), mehrere Mimicri-Präparate , darunter l'vallima 
philarchus von Ceylon und Lithiuus nigrocristatus von Madagaskar. 

Vom Böhmischen Museum in Prag: 150 Arten böhmischer Silurversteine- 
rungeu, 14 Abdrücke verschiedener, seltener böhmischer Versteine- 
rungen aus andern Schichten, darunter besonders schöne Fische und 
Reptilien. 

Von Herrn J. Schmidt-Görlitz bei Barnewitz: Eine grössere Zahl uns 
fehlender Histeriden. 

Von Herrn A. Ku wert- Warn sdorf bei Tharau (Ostpreussen): Eine Anzahl 
Hydrophiliden und Cleriden. 

Von Herrn Hofrat Brunner v. Wattenwyl-Wien : Diverse Orthoptei'en. 

Vom Museum für Naturkunde in Berlin: Eine Anzahl uns fehlender 
Laufkäfer. 

Von Herrn Schuldirektor Ullmann und Edw. EUingsen-Krageroe (Nor- 
wegen): Eine Anzahl Käfer aus Norwegen, Finmarken und Lappland. 

C. Angekauft wurden: 
Vom Zoologischen Garten in Hamburg: Ein japanischer Riesenmolch 

(Megalobatrachus maximus) 
Von der Linnaea in Berlin: Injektionspräparate von der Kreuzotter, dem 

Rotauge und zwei Präparate des Flusskrebses. 



Die Bibliothek wurde um folgende Werke vermehrt: 

1. Durch Geschenke: 
Von der Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm: 
, 56 Separatabdrücke in 4 " aus Bd. 11 — 25 der Handhngar und 265 
Separatabdrücke in 8 " aus Bd. 1 — 11 des Bihang und Bd. 23—50 
der Of versigt. 
Von Herrn Jakob Behrens-San Francisco: Die Käfer und Schmetterlinge 
der Novara-Expedition. 2 Bde. Erichsou, Genera et Species Staphjdi- 
norum. Ashmead, Monograph of Proctotrypidae. 
Saussure, Synopsis of American Wasps. 

— Gryllides. 
Packard, Monogr. of the Geometrid Moths. Ausserdem eine grosse 



174 

Anzahl kleinerer nordaraerikanischer Schriften entomologischen Inhalts 
sowie drei Photographien der Albatrosnistplätze auf den Lisankoi 
Inseln und den Krusensternf eisen nw. von Hawai. 
Von Herrn Photographen J. Maafs hier: Eine grosse, in Platinverfahren 
ausgeführte Photographie des verstorbenen Herrn Kapt. Jobs. Vofs. 

2. Durch Schriftenaustausch: 
Berlin, Gesellsch. naturf. Freunde: Sitzungsberichte 1893 u. 1894. 
Bonn, Naturhistorischer Verein für das Rheinland und Westphaleji: Ver- 
handlungen. Jahrg. 50. 2 und 51. 1. 
Bremen, Naturwissenschaftlicher Verein: Abhandlungen, Band XIII. 

Heft 1. 1894. 
Breslau, Schlesische Gesellschaft für vaterländische Kultur: 69 u. 70. 

Jahresbericht nebst Ergänzungsheften I u. II. Breslau 1892 u. 1893. 

71. Jahresbericht. Breslau 1894. 
Danzig, Naturforschende Gesellschaft: Schriften. Neue Folge, Band 8, 

Heft 3 u. 4. 
Danzig, Westpreussisches Provinzialmuseum : Bericht für 1894. 
Dresden, Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis'': Sitzungsberichte und 

Abhandlungen, Jahrg. 1893, Juni — Dezember 1894, Jauuar — Juni. 
Frankfurt a. M., Senckenbergische naturforschende Gesellschaft: Bericht 

für 1894. 
Frankfurt a 0., Naturwissenschaftlicher Verein für den Regierungsbezirk 

Frankfurt: Helios. 12. Jahrg. 1894. — Societatum Litterae. 8. Jahrg. 

1894. 
Greifswald, Naturwissenschaftlicher Verein für Vorpommern und Rügen: 

Mitteilungen. 26. Jahrg. 1894. 
Hamburg, Naturhistorisches Museum: Mitteilungen. Heft XL 1894. 
Hamburg, Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung: Band VIII. 

1894. 
Hannover, Naturhistorische Gesellschaft: 42. und 43. Jahresbericht für 1894. 
Kassel, Verein für Naturkunde: Bericht 39 für 1894. 
Kiel, Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig -Holstein: Schriften. 

Band X. 1893. 
Königsberg, Physikal-ökonom. Gesellschaft: Schriften. 34. Jahrg. 1893. 
Regensburg, Naturwissenschaftlicher Verein: Bei'icht IV. Heft für 1892/93. 
Wiesbaden, Nassauischer Verein für Naturkunde: Jahrbücher. Jahrg. 47. 

1894. 
Zwickau, Verein für Naturkunde: Jahresbericht für 1892 und 1893. 
Linz, Museum Fraucisco-Caroliuum: 52 Bericht. 1894. 



175 

Prag, Naturbistorischer Verein „Lotos": Jahrbuch für Naturwisscnscliafl 

Neue Folge, Band 14. 1894. 
Wien, K. K. Zoolog.-botnn. Gesellschaft: Verhandlungen, Jahrg. 1894. Bd. 44. 
Wien, K. K. Naturhistorisches Hofmuseum: Annalen. Band IX 1894. 

Jahresbericht für 1893 
Budapest, Publikationen des K. Ungar. Nationalmuseums. Vol. X\'I 1S9."5 

und XVII 1894. 
Bern, Schweizerische Naturfoi'scheude Gesellschaft: Compte rendu 1890 — 

1893. Verhandlungen 1890—1893. 73.-76. Sitzung. 
Bern, Naturforschende Gesellschaft: Mitteilungen No. 1244-1334 (1890 

—1893). 
Zürich. Naturforschende Gesellschaft: Viertel] ahrsschrift. 39. Jahrg. und 

97. Neujahrsblatt. 
x4msterdam, Koningl. Akademie von Wetenschapen: Zittingsverslagen af 

d. Naturk. Jahrg. 1893/94. 
Haarlem, Mussee Teylei-: Archives, Ser. IL Vol. IV, 2. 
Stavanger, Museum: Aarsbei'etning for 1893. 
Stockholm, Königl. Schwedische Akademie der Wissenschaften: Bihang, 

Abt. III u. IV. Vol 18 u. 19 1892—1893. 
Upsala, Geological Institution: Bulletin, Vol. I. 1892—1893. 
Tromsö Museum: Museums Aarshefter XV 1893 u. XVI 1894. 
Riga, Naturforscher-Verein: Korrespondenzblatt 37, 1894. 
Bost(m, Amer. Academj' of arts and scieuces Proceediugs N. S. Vol. 20. 

1893. 
Milvvaukee, Public Museum of the City: Twelfth Aunual Report 1893 — 94. 
New York, Academy of Sciences: Transactions Vol. XII. 1892 — 1893. 
New-York, State Museum: 45 u. 46 Annual Report. Albany 1894. 
Philadelphia, Academy of natural Scieuces Proceedings 1893, part. 2 u. 3. 

1894 part. 1. 
Washington, Smithsonian Institution: Annual Report for 1891 u. 1892. 

Bulletin 43. 46. 

Proceediugs of the U. S. Nat. Mus. Vol. 15. 1892. _ 

Report of the National Museum 1891. 

Departement of Agriculture. 

North American Fauna No. 8. 
San Jos6, Republ. de Costa Rica: Museo nacional. Anales del Institute 

fisico geogr. y del Museo nacional de Costa Rica. Tom. IV. 1891. 
Carlos Emery: Estudios sobre las Hormigas de Costa Rica. San Jose 

1894. 
Montevideo, Anales del Museo Nacional Anales I u. II. 1894. 



176 

Batavia, Kon. Natuurkundige Vereeniging in Nederlandsch Indie: Tijd- 

schrift, Deel 53. 1893. 
Sidney, Royal Society of N. S. Wales: Journal and Proceediugs Vol. XXVII. 

1893. 
Sidney, Australian Museum: Report for 1893. 

3. Angekauft wurden: 

Boulenger, Gatalogue of tlie Snakes II. London 1894. 

Simon, Historie naturelle des Araignees. 2 Bde. Fase. 11 u. III. Paris. 

1893 u. 1894. 
Mac Lachlan, Trichoptera britannica. 

Die Fortsetzungen von 
Martini und Chemnitz, Coucbylien-Kabiuet. 
Arcliiv für Naturgeschichte. 

Nacbrichtsblatt der deutschen Malakozoologischen Gesellschaft. 
Entomologische Nachrichten, herausgegeben von Karscli. 
Zoologische Jahrbücher, herausgegeben von J. W. Spengel. 
Zoologischer Anzeiger, herausgegeben von J. V. Carus. 
Bibliotheca zoologica. 
Berliner Entomologische Zeitschrift. 
Notes fr. the Leydeu Museum. 



Bericht des Naturhistorischen Museums für das Jahr 1895. 

Das verflossene Verwaltungsjahr war ein recht bewegtes. Im Mittel- 
punkte desselben stand die 67. Versammlung deutscher Naturforscher und 
Ärzte mit ihren umfangreichen Vorbereitungen, von denen ein nicht 
geringer Teil in direkter Beziehung zum Naturhistorischen Museum stand. 
Galt es doch vornehmlich diesen Teil unseres Museums der hervor- 
ragendsten Gesellschaft deutscher Gelehrter in möglichst würdiger Weise 
vorzuführen. Da musste manches Stück neu etikettiert, die Aufstellung 
verbessert, diese und jene Gruppe anders angeordnet, neue Schränke und 
Schaukästen eingefügt und alsdann alles wieder zu einem möglichst ein- 
heitlichen Ganzen vereinigt werden. 

Unsere Bemühungen wurden in hervorragender Weise durch eine 
Reihe wertvoller Geschenke unterstützt, welche uns teils neu zugingen, 
teils soweit hergerichtet waren, dass sie zur Ausstellung gelangen konnten. 

Nach dieser Seite sind wir wiederum dem langjährigen bewährten 
Freunde unseres Museums, Herrn Kapt. H. Storm zu ganz besonderem 
Danke verpflichtet. 



177 

Die Orang-Utan- und Gibbougruppe brachten unsere schon oft ge- 
nannte Sammlung authropomorpher Affen zum würdigen Abschluss. Ein 
über 5 Meter langes Riesenexemplar des Spitzkrokodils von Borneo (To- 
mistoma Schlegelii) bildete einen ganz besonderen Anziehungspunkt für 
die Besucher und erregte die ungeteilte Bewunderung der Kenner. 

Aber auch für kleinere, weniger in die Augen fallende Tiere 
haben wir Herrn Kapt. Storni zu danken; es mögen hier nur einig'e 
Kobold-Makis, ein gelbes Wiesel und ein sehr seltenes kleines Stachel- 
schwein von Borneo (Trichys lipura) genannt werden. Für vieles andere 
muss auf das dem Berichte angehängte Verzeichnis der Geschenke ver- 
wiesen werden. 

Zu unserm allerlebhaftesten Bedauern ist Herr Kapt. Storni, dem wir 
so unendlich viel für die Aufklärung der malayischen Lebewelt verdanken, 
aus seinem bisherigen Wirkungskreise geschieden. Wir geben uns der 
Hoffnung hin, dass er auch in seiner neuen Heimat sich bald unser 
wieder erinnern wird. 

Die Vorstellerschaft des Naturhistorischeu Museums glaubte den ver- 
dienten Mann nicht besser ehren zu können, als dass sie sein lebens- 
grosses Bildnis in den Sammlungs-Räumen zur Aufhängung brachte. 

Ausser dem Geuannteu waren in hervorragender Weise für die Ver- 
mehrung unserer Sammlung bemüht die Herren Herm. Vorkamp, welcher 
auch in diesem Jahre interessante Beiträge zur Fauna Süd -Madagaskars 
lieferte Herr Blöfs, von dem wir aus Kl.-Popo eine Sendung von Rep- 
tiheii, Amphibien und Fischen erhielten, welche nicht nur für unser 
Museum Neues, sondern mehrere überhaupt noch unbekannte Arten ent- 
hielt. Die Fauna Ost-Afrikas ward durch ein Geschenk des Herrn Dr. 
Berg an Insekten und Vogelbälgen bereichert, während die bisher wenig 
vertretene Schmetterlingsfauna Hinter-Indiens einen um so erwünschteren 
Zuwachs von 170 Exemplaren in 142 Arten durch den schon öfters in 
unsern Berichten genannten Herrn Kapt. Michelsen aus Selangor erhielt. 
Endlich sei noch des Herrn Dr. Bohls erwähnt, der uns einige seiner in 
Paraguay gesammelten Fische und Reptilien überliess. 

In den letzten Wochen konnte eine günstige Gelegenheit benutzt 
werden, aus den Händen des Prof. Gigiioli-Florenz eine Zahl von 42 Arten 
Tiefseefische des Mittelmeeres zu erwerben. 

Unter den hiesigen Förderern sei hier insbesondere der Herren 
Aug. Gofsmann, Konsul Hamann und Emil Possehl gedacht, welche uns 
Gegenstände der Nordischen Ausstellung oder seltene selbst erlegte Tiere 
unserer Fauna zum Geschenk machten. 

12 



178 

Die lübeckische Abteilung wurde durch eine vom Hofkonservator 
Karl Knuth in Schwerin meisterhaft gruppierte Rebhuhnfamilie bereichert. 

Das Herbarium wurde auch im verflossenen Jahre teils durch Ge- 
schenke, teils durch Vermittlung verschiedener Tausch vereine nicht un- 
wesentlich vergrössert und einzelne Familien einer erneuten Revision 
unterzogen. 

Die vom Kap der guten Hoffnung in unserm Herbarium vorhan- 
denen Orchideen und Asclepiadeen wurden von Herrn Schletterer revidiert 
und durch von ihm gesammelte Arten vermehrt. 

Herr Apotheker Friedrichsen in Hoyer prüfte die Bestimmung sämt- 
licher Rubus-Esemplare und fügte fehlende Formen hinzu. Herrn Buser 
verdankt die Sammlung 80 Arten des von ihm neu bearbeiteten Genus 
Alchemilla. Die mit Hülfe der Tauschvereine erlangten Arten stanamen 
meist aus Skandinavien, Österreich und den Balkan-Staaten. — Herr 
Major ßeinbold hatte gütigst die Bestimmung der von Herrn Storm bei 
Singapore gesammelten Algen übernommen. 

Eine wesentliche Vermehrung erfuhr wiederum die Sammlung von 
Geschieben aus der näheren und weiteren Umgebung Lübecks durch 
Herrn Dr. med. Struck. 

Durch Vermittelung des Herrn Dr. Friedrich wurde die geologische 
Sammlung bereichert 

1. durcli eine Bohrprobefolge, von einer Tiefbohrung auf dem Pferde- 
käuferfelde herrührend (Geschenk der Lübeckischen Aktien- 
bierbrauerei), 

2. durch etwa 25 Bohrprobeu aus einer bis 314 Meter Tiefe erfolgten 
Bohrung auf dem Hofe der Lychenheim'schen Brauerei in Schwartau 
(Geschenk des Herrn Lychenheim und der Hamburger Firma 
Boldt & Vogel). 

Weitere Zuwendungen, teils als Geschenke, teils im Wege des Aus- 
tausches wurden dieser Abteilung insbesondere von den Herren Dr. 
Gottsche-Hamburg, Dr. Stolley-Kiel und Siemfsen in Hoganäs (Schweden) 
zu Teil. 

Von einem dem Naturhistorischen Museum nahe stehenden Herrn 
ward demselben ein wertvolles Mikroskop der Firma R. Winckel-Göttingen 
zum Geschenk gemacht. Dem uneigennützigen Geber sei hier nochmals 
der ganz besondere Dank der Vorsteherschaft ausgesprochen. 

Die Bibliothek ward durch grössere und kleinere Geschenke der 
Herren Zahnarzt Baden-Altona, Dr. Ed. Hahn-Berlin, Prof. Paimen-Helsing- 
fors und Rentier Pfuhl hier vermehrt; ausserdem erhielt dieselbe reichen 
Zuwachs durch die auch in diesem Jahre weiter ausgedehnten Tausch- 
verbindungen. 



179 

Während der Tage der 67. Versammlung deutscher Naturforscher 
und Ärzte (16. — 21. September) war das in unmittelbarer Nähe der Ver- 
sammluugslokalitäten gelegene Museum während des ganzen Tages ge- 
öffnet und bildete einen viel gesuchten Anziehungspunkt. Für die bei 
dieser Gelegenheit herausgegebene Festschrift verfasste der Konservator 
die Abschnitte „Fauna der Umgegend Lübecks" und „Das Naturhistorische 
Museum"; dem letzteren war eine neue Abbildung der Gorillagruppe bei- 
gegeben. 

Nach auswärts ward Material zur Bearbeitung oder Bestimmung 
überlassen an die Herren Prof. Dr. W. Blasius-Braunschweig, Prof. Dr. 
Boettger-Frankfurt a. M., Dr. Fauvel-Caen (in Frankreich), Apotheker 
Friedrich seu-Hoyer, Prof. Dr. Kraepelin-Hamburg, Dr. J. G. de Mau- 
Jereseke (in Holland), Dr. StoUey-Kiel. 

Bestimumngsai'beiten wurden vom Konservator ausgeführt für das 
Hamburger Museum (die von Dr. Stuhlmann in Ost-Afrika gesammelten 
Arachniden), für das Museum in Kiel (die von Dr. Vanhoeffen in Grön- 
land gesammelten Arachniden), für Herrn Dr. A. Voeltzkow in Berlin 
(von diesem auf Madagaskar und in Ost-Afrika gesammelte Fische, Krebse 
und Spinnen). 

Mit anderen Museen ward, wie in früheren Jahren, ein reger Tausch 
unterhalten und manches wertvolle Stück erworben. 

Neben den bereits erwähnten allgemeineren Museumsarbeiten wurde 
die Neuetikettierung der Skorpione beendet, für deren Durchbestimmung 
wir Herrn Direktor Kraepelin-Hamburg hier nochmals unseru Dank aus- 
sprechen. 

Die Myriapoden wurden von dem Hülfsarbeiter, Lehrer Lange, durch- 
geai'beitet und neu katalogisiert; Lehrer Strunck beschäftigte sich vornehm- 
lich mit der Bestimmung neu eingegangener und der Etikettierung der 
von Herrn Dr. J. G. de Man bearbeiteten Crustaceen, welche Herr Kapt. 
Storm in den malayischen Gewässern sammelte. Der Konservator selbst 
vollendete die Coelenteraten (mit Ausnahme der Schwämme) und fertigte 
einen neuen Katalog derselben an. 

Die bereits im vorigen Jahre begonnene Durcharbeitung und Neu- 
ordnung der Conchylien konnte auch für die Land- und Süsswasser- 
Conchylien beendet werden. 

Besucht wurden die Sammlungen des Museums im Jahre 1895 von 
21,983 Personen, darunter 1,759 zahlende. Der besuchteste Tag war der 
1. Ostertag (14. April) mit 698 Personen. 

12* 



180 

Die laufenden Ausgaben stellten sich wie folgt: 

Für Neuanschaffungen JC 392,75 

• Utensilien und Einrichtungsstücke = 1026,46 

= Ausstopfen = 542,50 

= Spiritus = 91,92 

' das Herbarium = 109,05 

= Porti und Frachten = 261, — 

= Bücher und Zeitschriften ...» 459,16 

. Gehalte und Löhne - 2133,30 

= Druckkosten und Inserate . . . = 127,65 

= Diverses = 206,05 

Jt 5349,84. 

Von der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Thätigkeit 
wurden jW 4800. — vereinnahmt; ein Teil konnte aus dem Erlös für ver- 
kaufte Doubletten gedeckt werden, der noch verbleibende Rest von 
Ji 211,29 ward durch Gesellschaftsbeschluss vom 24. März 1896 in 
dankenswerter Weise ausgeglichen. 

An Stelle der aus dem Vorstande ausscheidenden Herren Major 
z. D. V. Koschitzky und Kaufmann C. A. Siemsfen wurden die Herren 
Privatier Chr. v. Berustorff und Kaufmann Fr. Jürgens erwählt. 

Herr Prof. Dr. Küstermann übernahm den Vorsitz. 



Verzeichnis der neuen Erwerbungen. 
A. Geschenke. 

Von Herrn Dr Biedermann-Eutin : Eine Anzahl Vögel von den Philippinen, 
sowie der Schädel eines Murmeltieres. 

Von Herrn Kapt. Storm aus Pontianak (Borneo): 18 Säugetiere, darunter 
Tarsius spectrum, Pachjau'a indica, Putorius nudipes, Gymnura alba, 
Trichys lipura, alter Balg ohne Schwanz und Fötus mit völlig er- 
haltenem Schwanz, eine Eidechse, 7 Schlangen und ein Frosch (Rha- 
cophorus leucomystax). 

Von Herrn W. Rathgen hier: Zwei Schildkröten (Chelydra serpentina und 
Cistudo Carolina), eine Zoruotter (Zamenias gemoneusis), Alpensala- 
mander (Salamandra atra), Amblystoma americaua, zwei Frösche 
(Hyla versicolor und Bufo lentiginosa), sowie Molge viridescens. 

Von Herrn Dr. Bohls-Paraguay: Mehrere Reptilien, Amphibien und Fische, 
sowie Verwandlungsreihen von Termiten. 

Von Herrn Andr. Schultz hier: Ein Wespennest. 



181 

Von Herrn Giesenberg hier: Ein Wespennest mit Larven. 

Yon Herrn Aug Gosfmann hier: Eine kleine Rohrdoniinel (Ardretta 
minuta), bei der Herrenfähre erlegt. 

Von Herrn Pinkert-Leipzig: Ein Jungfern-Kranich. 

Von Herrn Martens-Kamerim : Einige Schmetterlinge, darunter Papilio 
antimachus, Käfer und Seeigel. 

Von Herrn H. Blöfs-Kl.-Popo (West- Afrika) : Sechs Häfen mit Eidechsen, 
Schlangen, Fröschen, Tausendfüsser, Spinnen, Insekten und Krebsen. 
Ausserdem ein Junges der Schirrantilope (Antilope scripta), ein Roche 
(Tr3^gon margarita) und ein grosses Exemplar von Trachynotus 
ornatus, das Nest eines Webervogels, sowie eine schöne Kahnschnecke 
(Voluta porcina) mit Tier. 

Von Herrn Dr. E. Berg-Kilimatinde (Ost- Afrika) : 34 Vogelbälge und eine 
Anzahl Insekten. 

Von Herrn W. Meyer hier: Mehrere Racetauben. 

Von Herrn Lehrer Meyer-Reecke: Eine Taube mit fahneulosem Gefieder. 

Von Herrn Arthur J. Speyer- Altona: Eine Anzahl Spinnen aus Neu-Guinea, 
Borneo, Mexico, Paraguay und Neu-Caledonien. 

Von Herrn Herm. Vorkamp-Fort Dauphin (Madagaskar): 

Erste Sendung: Vier Häfen mit diversen Schlangen, Eidechsen, Kjrebsen, 
Spinnen, Skorpionen und zahlreichen Insekten verschiedener Ord- 
nungen, ausserdem ein Igel (Ericulus setosus) und drei Nachtaffen 
(Chirogalens milii und Lepidilemur mustelinus), sowie Früchte von 
Tanghena venifera. 
Zweite Sendung: Einige Eidechsen, Frösche, Spinnen, Skorpione, 
Tausendfüsser, sowie eine grosse Menge von Insekten verschiedener 
Ordnungen. 

A'^on Herrn Kapt. Michelsen-Selangor: Zwei Kasten mit 170 Schmetter- 
lingen in 142 Arten aus Selangor (Hinter-Indien). 

Von Herrn Kunstgärtner Paulig liier: Ein Schnurwurm aus dem Palmen- 
haus. 

Von Herrn Wache hier: Ein Binturong. 

A-'on Herrn Karl Topp hier: Mehrere Fische, Weichtiere und Krebse. 

Von Herrn Dr. E. VanlioeffenKiel: Einige seltene Coelenteraten der Kieler 
Bucht, sowie eine Anzahl Hydroidpolypen aus der Nordsee. 

Von Herrn Karl Giff horn-Haiti : Zwei Eidechsen, ein Krebs, eine kleine 
Anzahl von Insekten, einige Korallen und ein Wespennest mit Tieren. 

A'"on Herrn Enrique Wulf -Buenos Ayres: Zwei Schlangen, eine Eidechse, 
ein Hornfisch, sowie eine Anzahl Insekten. 



182 

Von Herrn Kommerzieurat Stockmaim-Helsingfors: Zehn finnische 

Vogeleier. 
Von Herrn A. Zerrenner-San Paolo (Brasihen): Ein Brüllaffe (Mycetes 

ihiscus) und einige Mineralien aus Brasilien. 
Von Herrn Leutnant z. See Türk: Eine Anzahl besonders gut konser. 

vierter Eidechsen, Fische und Krebse von West- Indien und den 

kanarischen Inseln. 
Von Herrn Paul Wulff-Deli (Sumatra): Eine Anzahl Reptilien, Amphibien, 

Käfer und Schmetterlinge von Deli. 
Von Herrn Dobbertin hier: Nester des Blutschnabelwel^er. 
Von Herrn Griesbach- Adlershorst hier: Ein Sperber. 

Herbarium. 
Von Herrn Schletterer: Orchideen und Asclepiadeen. 

Von Herren Sintonis, Bormüller und Manasadja: Kleinasiatische Pflanzen. 
Von Herrn Karo: Zwei Centurien-PIlanzen aus Dahurieu. 
Von Herrn Apotheker Friedrichsen-Hoyer (Nord-Schleswig): Eine Anzahl 

Brombeeren. 
Von Herrn Oberstabsarzt Krause: Mecklenburgische uud holsteinische 

Pflanzen. 
Von Herrn Buter: 80 Alchemilla- Arten. 
Von Herrn Raverschon: 50 Arten spanischer Pflanzen. 
Von Herrn Kapt Storm: Eine Anzahl Algen von Singapore. 
Von verschiedenen Tauschvereinen etwa Tausend Arten aus Norwegen, 

Schweden, Österreich und den Balkanstaaten. 
Von Mrs. Elda Massen: Etwa 150 nordkalifornische Pflanzen. 

Min eralogisch -paläontologische Abteilung. 
Von Herrn Konsul Hamann hier: Asbest aus Perm. 
Von Herrn Emil Possehl hier: Eisenerze aus Gellivara. 
Von Herrn Böbs-Transvaal: Goldführender Quarz. 
Von Herrn Aug. Hleuer-Veracruz (Mexico): 20 Silberstufen aus den Miueu 

von Pachuca. 
Von tierrn Landesgeologen Dr. G. Müller-Berlin: Eine Sammlung von 

Ki-eide- und Jurapetrefakten des nördhchen Harzrandes. 
Von Herrn Aug. Siemsfeu hier: Pflanzenabdrücke aus dem Rhät von 

Hoganäs in Schweden. 
Von Plerrn Kaufmann Jade hier: Granaten in Quarzit aus Göteborgs 

Skargard (Schweden). 
Von Herrn Hafse hier: Eine Anzahl von Versteinerungen aus Altendorf 

bei Essen, 



183 

Von Herrn Dr. Struck hier: Diverse Devon- und Jura Versteinerungen. 

Von den Schülern Martin und Otto Rohr-Dobbertin: Mehrere jurassische 
Kalkhnsen, Posidonienschiefer von Dobbertin in Mecklenburg. 
B. Durch Tausch erworben: 

Von Herrn Gustav Schneider-Basel: Eine Anzahl uns fehlender Reptilien, 
Ampliibien, Krebse und Spinnen. 

Von Herrn Dr. C. Gottsche-Hamburg: Versteinerungen aus der Kreide 
von Lägern dorf. 

Von Herrn Dr. Stolley-Kiel : Versteinerungen aus dem Trias von Helgo- 
land, dem Glimmerthon von Langenfelde, dem Septarienthon von 
Itzehoe, aus dem präglazialen Thon von Burg in Dithmarschen, Ver- 
steinerungen von Ipondetgoard, einige silurische Schwämme, sowie 
eine Kollektion Devon-Versteinerungen. 

0. Angekauft wurden: 
Ein Wüstenfuchs, ein Frettchen, eine Rebhuhngruppe. 

Die Bibliothek wurde um folgende Werke vermehrt: 
1. Durch Geschenke. 
Von Herrn C. Pfuhl: de Bary und Woronin: Beiträge zur Morphologie 
und Physiologie der Pilze. Frankfurt 1881. 
Nägeli, die neueren Algensysteme. Zürich 1847. 
Von der Kommission zur wissenschaftlichen Untersuchung der deutschen 
Meere in Kiel: Wissenschaftliche Meeresuntersuchungeu. Neue Folge. 
Band I. Heft 2. Kiel 1896. 
Von Herrn Zahnarzt Baden-Altona: 13 Bände der Stettiner entomologischen 
Zeitung, Jahrg. 31—34. (1870—1882). 
7 Jahrgänge der Berliner entomologischen Zeitschrift, Jahrg. 9 — 16. 

(1865—1872). 
Mitteilungen des Münchener entomologischen Vereins, Band I — V. 

(1877—1881). 
Schriften des Vereins für naturwissenschaftliche Unterhaltung in 

Hamburg, Band I — V. 
Verhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins für Hamburg- 

Altona, Neue Folge No. 1, 3, 4. 
E. V. Harold, Coleopterologische Hefte XV. 
Ghem. Encyclopedie, Coleopteres. 2 Bände. 
81 kleinere entomologische Broschüren. 
Von Herrn Prof. Palmen-Helsingfors an eigenen Publikationen: 
Über die Zugstrassen der Vögel. Leipzig 1876. 
Antwort an Herrn v. Homej'-er, bezüglich der Zugstrassen der Vögel. 
Leipzig 1882. 



184 

Zur Morphologie des Tracheensystems. Helsiugfors 1887. 

Die Expedition nach der Halbinsel Kola im Jahi-e 1887. 

Über paarige Ausführungsgänge der Geschlechtsorgane bei Insekten. 

Helsingfors 1873. 
Finnlands Foglar. Helsingfors 1873. 

Bidrag tili Kannedomen on Sibiriska Ishafskustens Fogelfauna. Stock- 
holm 1873 
Traveaux geographiques executes en Finlande. Helsiugfors 1895. 

Von Herrn Dr. E. Hahn-Lübeck: Berliner entomologische Zeitschrift, 
Bd. 32, 33, 35—38. 

2. Durch Schriftenaustausch: 

Berlin, Gesellschaft naturf. Freunde: Sitzungsberichte 1895. 

Bonn, Naturhistoriscber Verein für das Rheinland und Westphalen. Ver- 
handlungen. Jahrgang 51, 2 und 52. 

Bonn, Niederrheinische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: Sitzungs- 
berichte 1895, 1. 

Bremen, Naturwissenschaftlicher Verein: Abhandlungen, Band XHI. 
Heft 2. 1895 XIV. 1. XV. 1 und 3. 

Breslau, Schlesische Gesellschaft für vaterländische Kultur: Nichts ein- 
gegangen. 

Danzig, Naturforschende Gesellschaft: Schriften. Neue Folge. Band 9. Heft 1. 

Danzig, Westpreussisches Provinzialmuseum : Nichts eingegangen. 

Dresden, Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis": Sitzungsberichte und 
Abhandlungen Jahrg. 1894 und 1895, Januar — Juni. 

Frankfurt a. M., Senckenbergische naturforschende Gesellschaft: Bericht 
für 1895. 

Frankfurt a. 0., Naturwissenschaftlicher Verein für den Regierungsbezirk 
Frankfurt: Helios. 13. Jahrg. 1895. Societatum Littarae 9. Jahrg. 1894. 

Giessen, Oberschlesische Gesellschaft für Natur und Heilkunde: 30. Bericht 
1895. 

Greif swald. Naturwissenschaftlicher Verein für Vorpommern und Rügen: 
Mitteilungen. 27. Jahrgang. 1895. 

Halle, Leopoldina, Heft 31. 1895. Nova Acta Bd. 63, 1. 1894. 

Hamburg, Naturwissenschafthcher Verein: Abhandlungen, Band XIV, 
1896. Verhandlungen. 3. Folge. III. 1896. 

Hamburg, Naturhistorisches Museum: Mitteilungen. Heft XII. 1895. 

Hamburg, Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung: Band VIII. 1894. 

Hannover, Naturhistorische Gesellschaft: Nichts eingegangen. 

Hildesheim, Römer-Museum: Bericht für 1895. 

Kassel, Verein für Naturkunde: Bericht 40 für 1895. 



185 

Kiel, Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig-Holstein: Schriften. 

Band X 2, 1895. 
Königsberg, Physikal.-ökonomische Gesellschaft: Schriften. 35. Jahrg. 1895. 
Offenbach, Verein für Naturkunde: Bericht für 1895. 
Eegensburg, Naturwissenschaftlicher Verein: Nichts eingegangen. 
Wiesbaden, Nassauischer Verein für Naturkunde: Jahrbücher. Jahrg. 4S. 1895. 
Zwickau, Verein für Naturkunde: Jahresbericht für 1894. 
Linz, Museum Francisco- Carolinum: 53. Bericht. 1895. 
Prag, Naturhistorischer Verein „Lotes": Nichts eingegangen. 
Wien, K. K. Zoolog.-botan. Gesellschaft: Verhandlungen. Jahrg. 1895. 

Bd. 45 und 1896 Bd. 46, Heft 1 und 2. 
Wien, K. K. Naturhistorisches Hofmuseum: Annalen, Bd. X 1895, XI, 1. 1896. 

Jahresbericht für 1894 und 1895. 
Triest, Museo civico di storia naturale: Atti Ser. nove. Vol. HI. 1895. 
Budapest, Publikationen des K. Ungar. Nationalmuseums: Vol. XVni. 1895. 
Bern, Schweizerische Naturforschende Gesellschaft: Compte rendu 1894. 

Verhandlungen 1893. 1894 77. Sitzung. 
Bern, Naturforschende Gesellschaft: Mitteilungen No. 1335—1372. 1894. 
Zürich, Naturforschende Gesellschaft: Viertel] ahrsschrift. 40. Jahrgang 

und 98. Neujahrsblatt. 
Amsterdam, Koningl. Akademie van Wetenschapen: Zittings verslagen af 

d. Naturk. Jahrg. 1894/95. 
Haarlem, Musee Teyler: Archives Ser. IL Vol. IV, 1 mid V, 1. 
Stavanger, Museum: Aarsberetning for 1894. 
Bergen, Museum: Aarbog 1894/95. 
Stockholm, Königl. Schwedische Akademie der Wissenschaften: Bihang, 

Abt. HI und IV. Vol. 20. 1894. 
Upsala, Geological Institution: Nichts eingegangen. 
Tromsö, Museum: Museums Aarshefter XVI. 1894. 

Riga, Naturforscher- Verein : Korrespondenzblatt 38, 1895. Inschrift 1895. 
Helsingfors, Societas pro Fauna et Flora Fennica: Acta, Vol. VIII — X 

und XII 1890—95. Meddelanden 18—21. (1892—1895.) 
Boston, Amer. Academy of arts and sciences: Proceedings N. S. Vol. 21 

und 22. 1894/95. 
Cambridge, Museum of comparative Zoology: Annual Report f. 1894/95. 
Milwaukee, Pubhc Museum of the City: Twelfth Annual Report 1894/95. 
New York, Academy of Sciences: Transactions. Vol. XIII. 1893/94. 
New- York, State-Library: 47 Annual Report Albany 1894. 
New-York, American Museum of Natural History, Central-Park. Annual 

Report II--XV, 1871—1884 und 1884—1894. Bulletin, Vol. I— VII, 

1889—95. Memoirs Vol. I, 1—2, 1893—95. 



186 

Rochester, N. Y., Proceedings of the Academy of Science: Vol. II, Heft 3 

und 4. 1895. 
Philadelphia, Academy of natural Sciences: Proceedings 1894, part 2 und 

3. 1895, part 1—3. 
Philadelphia, Wagner free Institute of Science: Transact. Vol. III, part 3. 

1895. 
Washington, Smithsonian Institution: Annual Eeport for 1893. 

Proceedings of the U. S. Nat. Mus. Vol. 16. 1893. 

Report of the National-Museum. 1892. 

Departement of Agriculture: Bulletin No. 6 u. 8. 

North American Fauna No. 10. 
San Jose, Republ. de Costa Rica: Mus. nacional: Nichts eingegangen. 
Buenos Ayres, Museo Nacional: Nichts eingegangen. 
Montevideo, Mus. Nacional: Annales III. 1895. 
Singapore, Raffles Museum: Nichts eingegangen. 
Batavia, Kon. Natuurkundige Vereenigung in Nederlandsch Indie: Tijd- 

schrift, Deel 54. 1894. 
Sidney, Royal Society of N. S. Wales: Journal and Proceedings Vol. XXVIII. 

1894. 
Sidney, Australian Museum: Report for 1894, Records, Vol. II, No. 6 

und 7. 1896. 

3. Angekauft wurden: 
British Museum, Cataloge of the fishes. II. Ed. Vol. I. 
Zoolog. Adressbuch, Berlin 1895. 

Forbes, Handbook to the Primates. 2 Vols. Band 1894. 
Lydekker, Handbook to the Carnivora. London 1895. 
Simon, Histoire naturelle des traignees. Bd. I fasc. 4. Paris 1895. 
Verschiedene kleinere Schriften und Separat-Abdrücke. 

Die Fortsetzungen von 
Martini und Chemnitz, Conchylien-Kabinet. 
Archiv für Naturgeschichte. 

Nachrichtsblatt der deutscheu Malakozoolog. Gesellschaft. 
Entomologische Nachrichten, herausgeg. von Karsch. 
Zoolog. Jahrbücher, herausgeg. von J. W. Spengel. 
Zoolog. Anzeiger, herau.sgeg. von J. V. Carus. 
Bibliotheca zoologica. 
Berliner entomologische Zeitschrift. 
Notes from the Leyden Museum. 



VerhandlungeD der Geographischen Gesellschaft. 



LXXXVIII. Versammlung am 26. Oktober 1894. 

Vorsitzender Oberlehrer Dr. Seh aper. 

1. Eingetreten K. Pfuhl, Privatmann. Ausgetreten v. Lowtzow. 

2. Vortrag des Oberlehrers Dr. Schaper: Über die Störungen, welche 
die elektrische Strassenbahn auf die Instrumente der erdmagnetischen 
Station ausübt. Die Störungen treten jeden Tag während der ganzen 

■ Betriebszeit auf und bestehen darin, dass der in der Deklinations- 
richtung hängende Magnet ununterbrochen hin und her pendelt. Es 
übt nun zwar jeder elektrische Strom, also auch derjenige der 
Strassenbahn, eine ablenkende Kraft auf Magnete aus, allein eine 
Rechnung zeigt sofort, dass bei der bedeutenden, über 200 m be- 
tragenden Entfernung der Bahn von der Station die Abweichung 
schon unter jede nachweisbare Grösse gesunken sein muss. Die Ur- 
sache der besprochenen Störung kann daher nur die Elektrizität sein, 
die aus den Schienen in die Erde übertritt. Da ein Schutz dagegen 
bisher nicht gefunden ist, sind die Arbeitsstunden in der Station auf 
die Zeit von Mitternacht bis 6 Uhr morgens beschränkt. Unter diesen 
Umständen musste natürlich von der beschlossenen Anschaffung und 
Aufstellung registrierender Instrumente abgesehen werden. Da nun 
demnächst durch den Bau des Elbe-Trave-Kanals überhaupt die Station 
aus den bisher innegehabten Räumen weichen muss, trat die Frage 
auf, wo ein passender Platz für sie zu finden sei. Es wurden deshalb 
im Garten und in den Baracken des Krankenhauses Beobachtungen 
über die Natur und die Grösse der durch die Strassenbahn hervor- 
gerufenen Störungen angestellt. Das wesentlichste Resultat ist, dass 
bei jedem Anfahren eines Wagens eine Welle elektrischer Energie 
sich im Boden ausbreitet, dass der Wirkungskreis dieser Welle um 
so kleiner ist, je näher man sich den Enden der Bahn befindet, und 
dass ein störungsfreier Platz für die Station jedenfalls nur weit ausser- 
halb der Stadt zu finden ist, 



188 

An diesen Vortrag knüpfte sich eine lebiiafte Debatte, die haupt 
sächlich darauf hinzielte, dass trotz der grossen Schwierigkeiten die Erhal- 
tung der erdmagnetischen Station, wenn möglich mit selbstregistrierenden 
Apparaten ausgerüstet, dringend erwünscht sei und zwar nicht nur im 
Interesse der Wissenfschalt, sondern auch in dem der Ehre der Stadt 
Lübeck. Es wurde dabei hervorgehoben, dass die Ausgaben für die Er- 
haltung sich nicht so hoch stellen würden, wie mau glaube. 



LXXXIX. Versammlung am 30. November 1894. 

Vorsitzender Oberlehrer Dr. Seh aper. 

1. Dr. Lenz: Tiersageu nordamerikauischer Indianer. Sie bieten manche 
Eigentümlichkeiten, aber ausserdem überraschende Ähnlichkeiten und 
Anklänge au die den europäischen Völkern überkommenen Mythen. 
Hervorragende Rollen spielen in ihnen der Rabe, der Mink (Sumpf- 
otter), der Luchs, der Bär und der Wolf. 

2. Major v. Koschitzky legt eine Auswahl von Neuerwerbungen des 
Museums für Völkerkunde vor und knüpft an dieselben ethnogra- 
phische Erläuterungen. Beachtung finden namentlich Waffen, Beile und 
Schmucksachen aus dem Bismarek-Archipel und Waffen der Igorroten 
von den Philippinen, endlich Blasrohre von den Sunda-Inseln, ein 
Geschenk des Kapitäns Michelsen, Führers des Dampfers Teutonia. 



LXXXX. Versammlung am !4. Dezember 1894. 

Vorsitzender Oberlehrer Dr. S oh aper. 
Vorträge : 

1. Herrn. Linde: Mitteilungen aus Briefen seines Sohnes. Dieser machte 
in den Jahren 1892 und 1893 als Maler eine Studienreise durch 
Vorderindien. In buntem Wechsel, wie dem jungen Künstler, der 
nicht bloss zu sehen, sondern auch frisch und treffend zu schildern 
versteht, die Eindrücke kommen, schildert er bald das Leben und 
den Charakter der Eingeborenen Südindiens, bald das der höchsten 
englischen Beamtenwelt in Chittor, Tempelbauten in Madura, Dschungel- 
wanderungen, Gerichtsverhandlungen, den Wallfahrtsort Tripetti, das i 
Leben in Madras und am Hofe des Nizam von Hyderabad, dessen 
phantastisches Heer ihn zu einem Gemälde von grossen Dimensionen 
begeistert. 

2. Oberlehrer Dr. Schaper demonstriert Zeichnungen der Avichtigsteu 
Wolkenformen, welche von einem hiesigen jungen Künstler ausge- 
führt sind, und knüpft daran km'ze Erläuteruugeu über die Ent- 



189 

stehung und Höhe der Wolkenforinen. Infolge einer Anfrage ent- 
spinnt sich eine längere Debatte über den Wert der Wolkenbeob- 
achtung für die Wetterprognose, die zu der Anrege führte, derartige 
Beobachtungen auch hier für lokale Wetterpi'ognose zu verwerten. 



LXXXXI. Versammlung am 18. Januar 1895. 

Vorsitzender Professor Sartori. 

1. Aufgenommen ist Kaufmann F. G. F. Gofsmann. 

2. Mitteilung, dass die Geographische Gesellschaft die Mitgliedschaft des 
Deutsch-Österreichischen Alpenvereins, Sektion Lübeck, erworben hat. 
Ihre Mitglieder sind berechtigt, an seinen Versammlungen teil- 
zunehmen, doch ohne Stimmrecht. Die den Mitgliedern regelmässig 
zugehenden Publikationen werden auch der Geographischen Gesell- 
schaft geliefert. 

3. Mitteilungen über die Lübeck bevorstehende Versammlung Deutscher 
Arzte und Naturfoi'scher. Zum Einführenden der Sektion „Geographie" 
ist Professor Sartori, zum Schriftführer Kommerzienrat G. Scharff, 
zum Einführenden der Sektion „Ethnologie und Anthropologie" 
Oberlehrer Dr. Freund, znm Schriftführer Dr. Th. Hach erwählt. 

4. Zu Kassenprüfern der Kassenrechnung des Jahres 1894 werden 
H. Born und Vizekonsul H. Boy gewählt. 

5. Mitteilung, dass der Senat wiederum 400 JW für die erdmagnetische 
Station bewilligt habe. 

6. Der für die Wahl eines Vorstehers der Sammlung für Völkerkunde 
vorgelegte Wahlvorschlag wkd genehmigt. 

7. Vorträge: 

a. Professor Sartori: Über den Genfer See und Montreux, sowie 
über seinen Aufenthalt daselbst. 

b. H. Linde: Reisebriefe aus Indien (vsl. LXXXX. Versammlung). 



LXXXXil. Versammlung am 22. Februar 1895. 

Vorsitzender Professor Sartori. 

1. Mitteilung von Eingängen. (Einladung zum 6. internationalen Geo- 
graphenkongress in London — Jubiläum des Professors Cora in Turin.) 

2. Vorträge: 

a. Major v. Koschitzky: Über Pfeilgift. Der Vortragende be- 
sprach zuerst die Verbreitung desselben und seine Anwendung 
an Pfeilspitzen und bei Blasrohren im Kriege und auf der 
Jagd. Die Verwendung geschieht entweder, um zu töten oder 



190 

nur zu lähmen, oder durch den verursachten Schmerz die Tiere 
zu übermässigen Anstrengungen zu veranlassen und so desto 
leichter in die Hände der Verfolger zu bringen. Dementsprechend 
giebt es verschiedene Arten von Giften. Einige verursachen 
Stockung des Atmens, andere Herzlähmung, andere Krämpfe 
(Starrkrämpfe), noch andere Lähmungen. Es werden dem be" 
absichtigten Zwecke entsprechend verschiedene Arten auge- 
wendet; geschildert wurden vom Vortragenden die dabei her- 
vortretendeu Erscheinungen, sowie die zur Rettung der Ver- 
wundeten üblichen Mittel. Das Lübeckische Museum besitzt 
eine grosse Anzahl von solchen Giften und vergifteten Sachen; 
die letzteren verdankt es dem Steuermann Derlien von dem 
Lübeckischen Dampfer Lübeck, Kapitän Storm. 

b. Kapitän Jäger zeigt eine der Gesellschaft von ihm geschenkte 
prächtige und grosse chinesische Flagge vor, welche ihm von 
der chinesischen Regierung für die glücklicii vollzogene Rettuug 
einer grossen Zahl von Schiffbrüchigen, darunter viele Chinesen, 
verliehen worden war. 

c. Steuermann Linden berg berichtet über seine Erlebnisse bei 
den Fahrten, die er auf einem deutschen Segelschiife auf dem 
Orinoko gemacht hat. Abenteuer im Urwald, Zusammentreffen 
mit Indianern, Moskitoplagen, die Hauptstadt Ciudad Bolivar 
und das Leben dort werden in einigen hervorragenden Zügen 
beschrieben. 

d. Professor Sartori teilt nach französischen Quellen einige Schilde- 
rungen aus dem Leben der Marquesaslndianer mit. 



LXXXXIII. Versammlung am 15. März 1895. 

Vorsitzender ProfesBor Sartori. 

1. Vorlegung und Genehmigimg der ICassenrechnung für das Jahr 1894. 

2. Zum Mitgliede des Vorstandes für den ausscheidenden Senator Dr. 
Brehmer wird Major von Koschitzky gewählt. 

3. Mitteilungen des Vorsitzenden, Prof. Sartori, über: 

a. die Beobachtung des zur Zeit heU leuchtenden Zodiakallichtes, 

b. die Bodenfläche und den Salzgehalt der Ostsee, 

c. die Reise des Baron von Toll nach Nordsibirien, 

d. die Kommandeur-Inseln in der Berings-See, 

e. den Ausflug des Forschungsreisenden H. v. Bebr in den Gi'and 
Chaco. 



191 
LXXXXIV. Versammlung am 5. April 1895. 

Vorsitzender Professor Sartori. 

1. Gestorben ist Oberlehrer Dr. Timpe. 

2. Ausgetreten sind Major von Schirach und Redaktor Hillmann. 

3. Vorträge: 

a. Oberlehrer Dr. Schaper: Über die Ziele der Vereinigung von 
Freunden der Astronomie und der kosmischen Physik. Es 
handelt sich bei derselben darum, die enorme Arbeitslast, welche 
jetzt den Sternwarten obliegt und von ihnen gar nicht bewältigt 
werden kann, dadurch zu erleichtern, dass Laien, welche sich 
für die Astronomie interessieren, zur Mitarbeit herbeigezogen 
werden, indem man sie veranlasst, ihre Beobachtungen den 
Sternwarten mitzuteilen. Solche können schon mit kleinen 
Fernröhren betreffs des Mondes und des Jupiters angestellt 
werden. Es wurden viele Beispiele, die sich ausser auf die ge- 
nannten Weltkörper auch auf die veränderlichen Sterne, neu 
auftauchende Sterne, glühende Wolken, Nebensonnen, Meteore 
usw. bezogen, mitgeteilt und der Beweis geliefert, dass der 
Wissenschaft durch die Hülfe von Laien grosse Dienste er- 
wiesen werden können. 

Die Versammlung beschloss, die Anregung zur weitereu Ver- 
handlung im Auge zu behalten. 

b. Professor Sartori: Über die Pamir, Tschitral und Kafiristan. 

c. Oberlehrer Dr. Freund: Vorlegung und Erläuterung von Waffen 
aus Deutsch-Ostafrika, welche kürzlich aus der Bohndorff'schen 
Sammlung vom Museum für Völkerkunde erworben sind. 



LXXXXV. Versammlung am 10. IViai 1895. 

Vorsitzender Professor Sartori. 

1. Eingänge: 

a. Dankschreiben der Geographisclien Gesellschaft in Bremen für 
den ihr zu ihrem Jubiläum gesandten Glückwunsch. 

b. Einladung zum Geographenkongress in London. 

2. Eingetreten ist Konsul K. Scharff. 

3. Vorträge: 

a. Dr. Lenz: Über den aufrechten Gang der Menschen im Unter- 
schied von dem der Säugetiere. Unter Vorzeigung von Skeletten 
und Schädeln wurde dies am osteologischen Baue jener demon- 
striert. Der Redner ging dann auf die angeblich in Java von 



192 



einem holländischen Militärarzte entdeckten Knochenrest eines 
Affenmenschen über und wies auf die grossen Unwahrschein- 
lichkeiten hin, welche die aus den gefundenen Stücken gezogenen 
Folgerungen haben. Dennoch sei es von Wichtigkeit, die ge- 
fundenen Überreste genauer zu untersuchen, da es sich ver- 
mutlich um eine fossile Art eines grossen Gibbon handle. Es 
sei aber entschieden zu betonen, dass eine Brücke zwischen dem 
Knoclienbau des Menschen und des Affen sich in keinerlei 
Weise werde ermitteln lasssen. 

Oberlehrer Dr. Müller: Neuere Anschauungen über Erdbeben. 
Es werden verschiedene Arten der Erderschütterungen, ihre Aus- 
dehnung und ihre Verteilung auf der Erdoberfläche erörtert. 
Reich sind die Gegenden, wo sich Vulkane finden; reicher noch die 
mit neuen Gebirgen, oder mit solchen an der Meeresküste. Die 
Dauer der einzelnen Stösse ist nur kurz, die ihrer Wiederholung 
sehr verschieden. Zu den Nebenerscheinungen gehören Ge-, 
rausche, doch kommen diese nur bei sehr starken vor. Spal- 
timgen der Erdoberfläche sind gewöhnlich, Hebungen niemals, 
Senkungen sehr häufig beobachtet. Andere Nebenerscheinungen 
sind das Versiegen von Quellen oder das Entstehen von neuen. 
Als Ursachen sind nicht eine einzige, sondern mehrere anzu- 
nehmen, das Einstürzen unterirdischer Räume, vulkanische 
Thätigkeit, Explosionen durch Dampf entwicklung im Innern 
der Erdrinde (freilich von manchen Geologen beanstandet), 
endlich in den meisten Fällen der tektonische Aufbau der Erd- 
rinde. Immerhin ist die Theorie der Erdbeben noch sehr wenig 
entwickelt, so dass die Geologen gegenwärtig besonders darauf 
ausgehen, Beobachtungen zu machen und zu sammeln, zu 
welchem Zwecke verschiedene sinnreiche Instrumente erfunden 
und in Anwendung gebracht sind. Infolge dessen ist man zu 
der Ansicht gelangt, dass ihre Zahl, ihre Ausdehnung u. dgl 
viel grösser ist, als man bisher annahm. 



LXXXXVI. Versammlung am 24. Mai 1895. 

Vorsitzender Professor Sartori. 

1. Gestorben ist G. C. Hahn, Fabrikbesitzer. 

2. Eingegangen ist vom korrespondierenden Mitgliede Prof, Dr. Deecke 
in Greifswald seine Schrift: Skizzen aus Norrland. 



193 

3. Vorträge: 

a. Major von Koschitzky: Nancy. Es wurden zuerst die 
geographische Lage der Stadt und die starke Befestigung, mit 
welcher sie in der letzten Zeit umgeben ist, beschrieben, und 
hierauf die vielen schönen Bauten eingehend geschildert. Zahl- 
reiche Photographien unterstützten die Erläuterungen, welche 
durch manche interessante Mitteilungen über die dort herrschen- 
den Sitten und Gewohnheiten unterbrochen wurden und an 
welche sich auch ein Bhck auf die Umgegend und die an- 
ziehendsten Punkte derselben schloss. 

b. Oberlehrer Dr. Schaper erstattete einen Bericht über den 
letzten deutschen Geographentag in Bremen. 



LXXXXVII. Versammlung am I I. Juni 1895. 

Vorsitzender ProfeBsor Sartori. 
Dr. Fritsche aus Petersburg, Direktor a. D. der Sternwarte in 
Peking, berichtete über seine fünf Reisen zwischen Petersburg 
und Peking und seinen Aufenthalt in dieser Statlt, sowie über 
die in China herrschenden Zustände. 
Eingeladen waren die Mitglieder des Herrenabends der Gesellschaft . 
zur Beförderung gemeinnütziger Thätigkeit. 



LXXXXVIII. Versammlung am 18. Oktober 1895. 

Vorsitzender Professor Sartori. 

1. Gestorben H. Martens. 

2. Eingetreten II. Staatsanwalt Lienau. 

3. Vortrag von Oberlehrer Dr. Bäthcke über seine Reise nach dem 
Orient (mit der Riesel'schen Reisegesellschaft) unter Vorlegung zahl- 
reicher Photographieen. 

NB. Da der sehr interessante Vortrag an diesem Abende nicht be- 
endet werden konnte, geschah es am 17. Oktober im Herrenabende der 
Geographischen Gesellschaft. 



LXXXXIX. Versammlung am 15. November 1895. 

Vorsitzender Professor Sartori. 

1. Gestorben Oskar Bordiert, Afrikareisender, korrespondierendes Mitglied. 

2. Ausgetreten E. J. A. Lütgens. 

3. Als Gast anwesend Herr Baba B. Jschaja aus Täbris, Persien. 

13 



194 

4. Vorträge: 

Professor Sartori: Die Republik San Marino. 

Derselbe. Die angebliche Auffindung eines geschwänzten Menschen 

in Cambodja. 
Derselbe. Mitteilungen über die Gauchos in Argentinien aus 

Briefen eines jungen Lübeckers daselbst. 

5. Ausgestellt war ein grosser, vom Maler Weidmann hergestellter Karton 
mit mehr als 100 Typen aus Deutsch -Ostafrika, welcher für die 
Berliner Kolonialausstellung ausgeführt werden soll. 



C. Versammlung am 22. November 1895. 

Vorsitzender Professor Sartori. 
Vortrag von Baba Bar Jschaja, Privatgelehrtem aus Täbris, 
über Armenien und Persien, vornehmlich ethnographischen 
Inhalts. 
Zu dieser im Vortragssaale des Hauses der Gesellschaft zur Beför- 
derung gemeinnütziger Thätigkeit gehalteneu Versammlung waren die 
Mitglieder derselben mit ihren Damen eingeladen. Nach derselben wurde 
ein Herrenabend gehalten, an welchem der A^'ortragende als Gast teilnahm. 



Cl. Versammlung am 20. Dezember 1895. 

Vorsitzender Frofessor Sartorj. 

1. Eingetreten J. H. Rethwisch, Privatmann und K. G. Hartwig, Kunst- 
gärtner. 

2. Eingänge: 

a. Mitteilung der Geographischen Gesellschaft in Lissabon, betr. 
die Säkularfeier der Entdeckung des Seeweges nach Ostindien 
am 9. Juh 1897. 

b. Mitteilung über eine Eingabe an die Kanalbaubehörde, betr. 
eine Unterstützung zur Verlegung der erdmagnetischen Station. 

3. Ausgelegt war eine grössere Anzahl von Karten, Atlanten, geogra- 
phischen und Reise-Werken. 

4. Vorträge: 

a. Oberlehrer Dr. Freund: Madagaskar. 

b. Dr. Lenz: Die Tierwelt Madagaskars und ihre geographischen 
Beziehungen mit Demonstration einer Anzahl von Madagassischen 
Gegenständen aus dem Museum. 



195 
CIL Versammlung am 17. Januar 1896. 

Vorsitzender Professor Sartori. 

1. Ausgetreten Oberlehrer M. Eeuter. 

2. Eingetreten Assessor Voigtel, Privatmann G. C. E. Stallkueclit, Dr. 
med Karutz und Dr. med. Uter. 

3. Zu Kassenprüfern der Abrechnung für das Jahr 1895 werden H. 
Born und H. Veers erwählt. 

4 Die zur Wahl eines Vorstehers der Sammlung für Völkerkunde an 
Stelle des ausscheidenden Dr. Zillich aufgestellte Vorschlagsliste wird 
genehmigt. 

5. Mitteilungen und Beschlüsse: 

a Aiizeige, dass die Kaiser! Russische Geographische Gesellschaft 
am 2. Februar ihr öOjähriges Jubiläum begehen werde. — 
Beschlossen wurde, ihr einen Glückwunsch zu senden. 

b. Wirkl. Geh. Admiralitätsrat Prof. Dr. Neumayer wird am 
21. Juni seinen 70. Geburtstag feiern. — Beschlossen wurde, 
sich an der Herstellung einer Marmorbüste desselben durch den 
Bildliauer Schaper zu beteiligen. 

6. Vorträge: 

a. J. Gaedertz: Mitteilungen aus Briefen des Kapitän Storm, jetzt 
im Territorium Washington in den Vereinigten Staaten. 

b. Professor Sartori: Über die Armenier und über Transvaal. 
NB. Im Herrenabend am 31. Januar machte S. Cohn sehr inter- 
essante Mitteilungen übei' seine kürzlich ausgeführte Reise nach Ägypten 
unter Vorlegung zahlreicher schöner Photographien. 



cm. Versammlung am 13. März 1896. 

Vorsitzender Professor Sartori. 

1. Gestorben Schwedisch-Norwegischer Generalkonsul Äkerblom, Mitglied 
der Gesellschaft seit 1882, Kassenführer 1882—1885. 

2. Ausgetreten C. R. Th. Schhe. 

3. Eingetreten C. J. A. Pasedag. 

4 Anwesend Exe Dr. Krauel, Gesandter des Deutschen Reiches in 
Brasilien, Ehrenmitglied der Gesellschaft. 

5. Vorlegung und Genehmigung der Kassenrechnung für das Jahr 1895. 

6. Das aus der Vorsteherschaft scheidende Mitglied F. C. Sauermann 
wird wieder gewählt. 

7. Vorträge: 

a. Oberlehrer Dr. Schaper: Über neue Untersuchungen aus der 
Erdphj'sik, und zwar über erdmagnetische Probleme. Seit Gaufs 

13» 



196 

gezeigt hat, dass die Annahme eines grossen Magneten in der 
Erde nicht ausreicht, das beobachtete Verhalten der Magnet- 
nadel auf ihr zu erklären, sondern dass man als Ursache eine 
Kraftquelle, die sich über die gesamte Erde erstreckt, ansehen 
muss, ist von verschiedenen Seiten versucht, das Gesetz dieser 
Kraftquelle zu erforschen. Dies Gesetz ist sehr verwickelt und 
wird um so verwickelter, je mehr die genaueren Untersuchungen 
zeigen, dass die Richtung der Magnetnadel sich als höchst un- 
regelmässig erweist. Solche Unregelmässigkeiten sind in der 
letzten Zeit nachgewiesen worden von Fritsche in der Umgegend 
von Moskau und von Reykcoorsel in den Niederlanden. Von 
Bezold zeigt in einer neuen Abhandlung, dass die Ursachen des 
Erdmagnetismus in zwei Teile zerfallen. Eine regelmässig um 
die Erdachse verteilte Kraftquelle weist darauf hin, dass sie 
vielleicht durch die Erdrotation veranlasst ist; wie ja jeder in 
einem elektrischen Felde rotierende Körper magnetische Kraft- 
äusserungen entwickelt. Die andere, unregelmässig verteilte Kraft- 
ursache hat nach von Bezold il:ire Centreu in der Nähe von 
Australien und von Südamerika. Gleichzeitig veröffentlicht 
Dr. Schmidt in Gotha eine Untersuchung, die es als möglich 
erscheinen lässt, dass elektrische Ströme, welche rechtwinklig 
die Erdoberfläche durchsetzen, als Ursache eines Teiles der 
magnetischen Kraftäusserungeu angesehen werden müssen- 
Beide Untersuchungen weisen den magnetischen Forschungen 
neue Bahnen. 

Professor Sartori machte nach neueren portugiesischen Quellen 
Mitteilungen über das Volk der Botokuden in Brasilien. 



CIV. Versammlung am 17. Äprii 1896. 

Vorsitzender Professor Sartori. 

Vortrag des k. u. k. österreichisch-ungarischen Hauptmanns a. D. 

Julius, Ritter v. Bayer aus Wien über Polarforschung. 

Zu dieser Versammlung waren die Mitglieder der Gesellschaft zur 

Beförderung gemeinnütziger Thätigkeit mit ihren Damen eingeladen und 

es schloss sich dem Vortragenden zu Ehren ein gemeinsames Abendessen 

daran,- welches lebhafte Beteiligung fand. 



197 
CV. Versammlung am 15. Mai 1896. 

Vorsitzender Professor Sartori. 

1. Gestorben ist Konsul Grupe. 

2. Eingetreten sind Kaufmann K. N. Scl:iröcier und Arcliitekt P. W. 
Sönnichsen. 

3. Mitteilung: Vom ßürgerausschuss sind der Erdmagnetischen Station 
M 400 auf drei Jahre (1896—1899) bewiUigt. 

4. Vorträge: 

a. Oberlehrer Dr. Schaper: Über die Pläne, welche für eine 
Deutsche Expedition zur Erforschung des Südpols ins Auge 
gefasst sind, und die Aufbringung der erforderlichen Kosten. 

b. Dr. med. Karutz: Über Ohrenschmuck und Ohrendurchbohrung. 
Es wurde zuerst die fi-üher auch bei uns allgemeine Sitte, das 
Ohr zu durchbohren und einen Ring oder dergleichen einzu- 
hängen geschildert, dann die weite Verbreitung in allen Welt- 
teilen dargelegt, insoweit sie auf kulturellen Anschauungen 
beruht. Bei manchen Völkern war es ein Unterscheidungs- 
zeichen, z. B. von mannbaren Jünglingen, unverheirateten 
Mädchen usw. Besprochen wurden die Völker, die die Ohren- 
durchbohrung nicht kennen, noch gekannt haben, deren Zahl 
aber die geringere ist. Welche die Ursachen dieses Gebrauches 
gewesen sein mögen, wurde an verschiedenen Beispielen er- 
läutert, sowie diejenigen Gegenstände, welche zum Schmuck ver- 
wendet werden. Über die Zeit der Ohrendurchlöeherung und 
den Akt derselben wurden zahlreiche Mitteilungen gemacht. 
Betrachtet man die Gegenstände, welche zum Schmuck ver- 
wendet werden, so erkennt man in ihnen den Fortschritt der 
Kultur. Die Wirkung des oft sehr schweren Schmuckes auf 
das Ohr selbst, die Ausdehnung desselben, ist oft sehr gross 
und hat zu manchen märchenhaften Erzählungen Anlass ge- 
geben. Kostbaren Ohrenschmuck zeigt schon das Altertum bis 
auf die neueren Zeiten; häufig war derselbe höchst absonderlich. 
Zum Schlüsse wurden einige Beispiele angeführt von Schmuck, 
der an den Ohren ohne Durchbohrung derselben angebracht war. 



-«^ 



Mitöliederverzeictinis. 



Vorstand. 



Sartori, Aug., Professor am Katharineum, Vorsitzender. 

Sauermann, F. C, Kaufmann, Kassenführer. 

Schreiber, v., S., Rentier. 

Schaper, C. W., Dr. phil., Oberlehrer am Katharineum, Stellvertreter des 

Vorsitzenden. 
Lern, H. W. Cli., Dr. phil, Lehrer an der höheren Bürgerschule, Conservator 

des Naturhistorischen Museums. 
Freund, K. G. H, Dr. phil, Oberlehrer, Schriftführer. 
Koschitzky, v., Major z. D. 

Ehrenmitglieder. 

Neumayer, Professor, Dr. phil., Wirklicher Geh. Admiralitätsrat, Direktor der 
Seewarte in Hamburg. 

Schering, Professor, Dr. phil., Geh. Rat, Direktor der Sternwarte in Göttingen. 

Krauel, Richard, Dr. jur., Gesandter des Deutschen Reiches in Rio de Janeiro. 

Förster, Wilh., Dr., Geh. Regierungsrat, Professor, Direktor der Kgl. Stern- 
warte in Berlin. 

Korrespondierende Mitglieder. 

Pauli, Gustav, Privatmann, Berlin. 

Mechoiu, von. Major a. D., Ritter, Strassburg. 

Münzenierger, Adolf, General-Superintendent der Corallitos-Kompagnie, Coral- 

litos, Chihuahua, Mexiko. 
Wissmann, v., H., Major, Kais. Reichskommissar in Ostafrika. 
Kiepert, Rieh., Dr. phil., Redaktor des Globus, Berlin. 
Deeclce, W., Dr. phil., Ausserordentlicher Professor, Greifswald. 
Ave-LaUemant, Hermann, Professor, San Luis, Argentinien. 

Mitglieder. 

Baethcke, L. H., Dr. phil , Oberlehrer am Katharineum. 

Behn, C, Konsul 

Behncke, H. L, Kgl. Grossbrit. Vize-Konsul, Weinhändler. 

Behrens, H., Kaufmann. 

Bertling, F. H., Senator. 

Blumenthal, G. C. 0., Betriebsdirektor der Lüb.-Büch. Eisenbahngesellschaft. 

Bödeker, E. H., Hauptlehrer. 



199 

Born, Herrn., Privatmann. 

Boy, H. A. F. J., Kaufmann. 

Braüström, A. H., Kaufmann. 

Brattström, K. A., Senator. 

Brecht, E. W., Geh. Regierungsrat, Eisenbahndirektor. 

Brehmer, W., Dr. jur., Senator. 

Brelimer, A., Ingenieur. 

Brinkmann, A., Werftdirektor. 

Brockmöller, H. J. J., Kapitän. 

Brüggen, J. J., Kaufmann. 

Bück, H. Th; Kaufmann. 

Burmester, J. J., Scliiffsmakler. 

Carstens, E. H. C, Kaufmann. 

Carstens, C, Rentner. 

Colin, 8. L., Kaufmann. 

Coleman, Ch., Buchdruckereibesitzer. 

Bade, Heinr., Dr. med., prakt. Arzt. 

Deecke, J. H. A., Senator. 

Diestel, J. F. F., Vermessungs-Inspelvtor. 

Erasmi, Adolf, Kaufmann. 

Erasmi, H., Fabrikant. 

Eschenburg, B. F., Dr. phil., Professor am Katharineum. 

Eschenburg, H., Senator. 

Faber, 0., Konsul. 

Fehling, F., Dr. jur., Senator. 

Fehling, H. W., Kais. Kgl Österreich. Konsul, Kaufmann. 

Gaedertz, H., Schiffsrheder. 

Gaedertz, F. M., Schiffsmakler. 

Genzken, W. H. A., Dr. phil., Oberlehrer am Katharineum. 

G'örtz, H. A., Dr. jur., Rechtsanwalt. 

Gosfmann, F. G. F., Kaufmann. 

Haack, H. M., Kaufmann. 

Hach, Theod., Dr. jur., Bibliothekbeamter und Konservator. 

Sahn, J. H., Fabrikbesitzer. 

Hamann, J. H. W., Kaufmann, Konsul. 

Hammerich, A. J. K., Dr. med., Arzt. 

Harms, Th. F., Konsul, Weinhändler. 

Härtung, K., Kaufmann. 

Hartwig, F. H. J., Rentier. 

Hartwig, K. G., Kunstgärtner. 

Hausberg, H., Dr. phil., Oberlehrer am Katharineum. 

Heitmann, J. A., Schiifskapitän. 

Heyke, W. H., Kaufmann. 

Hoffmann, P. M., Direktor der Ernestinenschule. 

Hoppenstedt, C. A. E. L., Landgerichtspräsident. 

Jänisch, Stadtrat a. D. 

Jürgens, H. F. W., Kaufmann. 

Karutz, H. C. M. C, Dr. med., Arzt. 

Kenner, G. R, Oberinspektor der Deutschen Lebensversicherungsgesellschaft. 

Klug, H., Dr. jur., Senator. 

Koch, A. F., Hauptlehrer. 

Koch, E., Kaufmann. 



200 

Krohn, K. H. A., Konsul. 

Küstermann, F. H., Dr. phil., Professor am Katharineum. 
Lange, H., Kanfmann. 
Lienau, Kay, Dr. jur., Staatsanwalt. 
Linde, F. A. H., Privatmann. 
Liibcke, Hob., Buchhändler. 
Marty, W., Kgl. Portug. Konsul, Kaufmann. 
Merkus, J. C, Dr. jur., Privatmann. 
Mertens, K. A. E., Oberlehrer am Katharineum. 
Meyer-Tranljerg, Th. Am., Zahnarzt. 
Mollwo, L. W. H., Professor am Katharineum. 
Mühaam, 8., Apothekenbesitzer. 

Müller, F. L J., Dr. phil., Professor an der höheren Bürgerschule. 
NacMivey, J. H. F., Kapitän. 
Neumann, J. M. A., Dr. jur., Landrichter. 
Nöhring, J. H. F., Photograph. 
Ohlsen, 8. H. G., Kapitän. 
Otte, H. P. K, Bankdirektor. 

Fabst, Dr. jur., Oberbeamter des Stadt- und Landamtes, Direktor des Statisti- 
schen Bureaus. 
Pasedag, C. J. A, Rentner. 
Pauli, A. F., Dr. med., Arzt. 
Peters, B. A. A., Kaufmann. 
Pfaf, C. A; Apothekenbesitzer. 
Pfuhl, C, Privatmann. 

Pflüg, G. Th. L., Kommerzienrat, Weinhändier. 
Piersforff, Th., Schiäskapitän. 

Plessing, C. Tit., Kgl. Bayer. Konsul, Weinhändler. 
Posfehl, J. L. F., Kaufmann. 
Bahtgens, J. N. H., Druckereibesitzer. 
Pa.htgens, C, Druckereibesitzer. 
Behder, J., Kgl. Belg. Konsul, Kaufmann. 
Relider, B., Baudirektor. 
Behtivisch, J. F., Kaufmann. 

Reimann, G. A., Dr. phil., Direktor der v. Groszheim'schen Realschule. 
Beimpell. Georg, Kaufmann. 
Pittscher, A. F., Zimmermeister. 
Pose, A., Weinhändler. 
Pose, J- A., Dr. med., Arzt. 
8artori, H. F. Th., Architekt. 
Schar ff, Gust., Kommerzienrat, Weinhändler. 
Scharff, Karl, Konsul, Kaufmann. 
8childt, J. H , Maurermeister. 
Schmidt, G. J. L., Zahnarzt. 
Sclimidt, M., Buchdruckereibesitzer. 
Schneermann, C. E. J., Oberlehrer am Katharineum. 
Schorer, Th., beeidigter Gerichtschemiker. 
Schröder, K. N., Kaufmann. 
Schultz, E. J. G. A., Weinhändler. 
Schläge, F. L. K., Navigationsschuldirektor. 
Schutt, H. G. L, Schiffsmakler. 
SiemsfeUf G. A., Kaufmann, 



201 

Sonder, Ch. C. A. A.. Dr., Apotheker. 

Sönnichsen, P. W., Architekt. 

Stallknecht, 0. C. E., Privatmann. 

Steffen, J. H., Kapitän. 

StoÜerfolit, G. N., Fabrikbesitzer. 

Trautmann, v., A., Hauptmann. 

Trümmer, B. A, Hauptpastor. 

Vier, F. Ch. W., Dr. med., Arzt. 

Veers, J. H., Privatmann. 

Vermehren, J., Dr. jur., Rechtsanwalt. 

Vermehren, W., Kaufmann. 

Warncke, H., Kgl. Schwed.-Norw. Konsul, Kaufmann. 

Wattenberg, 0., Dr. med., Arzt. 

Weidmann, C, Kunstmaler. 

Wengenroth, W. Th., Fabrikant. 

Werner, G. F., Kaufmann. 

Weyrowitz, J. C, Rentier. 

Wodick, E., Amtsrichter a. D. 

Wolpmann, E. A. W., Senator. 

Zillich, J., Dr. phil., Lehrer an der v. Groszheim'schen Realschule. 



Ausschuss für Bearbeitung einer Lübeckisclien Landesl<unde. 

Senator Dr. Klug. j Oberlieamter Dr. Pahst. 

Professor Dr. Müller. Oberlehrer Dr. Genzken. 



Ausschuss für erdmagnetisclie Beobachtungen. 

Th. Schorer. 



Professor Dr. Küstermann, Vor- 
sitzender. 
Oberlehrer Dr. Schaper. 



Konsul H. W. Fehling. 
F. H. Bertling. 



Ausschuss für Handelsgeographie und Koloniaiwesen. 

Vorstand. 

C. A. Siemsfen. j 8. von Schreiber. 

Aug. Sartori, Vorsitzender. 1 S. Mühsam. 



Vorsteherschaft der Sammlung für Völkerkunde 

Oberlehrer Dr. Freund, Vorsitzender. 
Oberlehrer Dr. Hausberg. 
Major z. D. v. Koschitzky. 



Oberlehrer Schneermann. 
Reallehrer Dr. Zillich. 
J. H. Veers. 



Yerzeiclinis der Gesellschaften, Vereine, Redaktionen u. s. w. 

mit welchen die Geographische Gesellschaft in Lübeck im Schriftenaustausch steht. 

Berlin, Gesellschaft für Erdkunde. 

— Zentralverein für Handelsgeographie und Förderung deutscher Inter- 

essen im Auslande. 

— Deutsche Kolonialgeselischaft. 

— Nachtigal-Gesellschaft. 

Bonn, Naturhistorischer Verein für Rheinland und Westphalen. 

— Niederrheinische Gesellschaft. 
Bremen, Geogra.phische Gesellschaft. 

Chemnitz, Kgl. Sächsisches Meteorologisches Institut. 

Dresden, Verein fir Erdkunde. 

Elherfeld, Naturwissenschaftlicher Verein. 

Frankfurt a. M., Verein für Geographie und Statistik. 

Freiberg i. 8., Geographischer Verein. 

Giessen, Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. 

Greifsivald, Geographische Gesellschaft. 

Halle a. 8., Verein für Erdkunde. 

— Kais. Leopoldinisch-Carolinische Deutsche Akademie der Natur- 

forscher. 
Hamburg, Geographische Gesellschaft. 
Hannover, Geographische Gesellschaft. 
Jena, Geographische Gesellschaft in Thüringen. 
Kassel, Verein für Naturkunde. 
Karlsruhe, Badische Geographische Gesellschaft. 
Kiel, Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig-Holstein. 
Königsberg, Geographische Gesellschaft. 
Leipzig, Verein für Erdkunde. 

— Museum für Völkerkunde. 
Metz, Verein für Erdkunde. 
München, Gesellschaft für Erdkunde. 
Osnabrück, Naturwissenschaftlicher Verein. 
8tettin, Verein für Erdkunde. 
8tuttgart, Wtirttembergischer Verein für Handelsgeographie und Förderung 

deutscher Interessen im. Auslande. 
Zentralkommission für wissenschaftliche Landeskunde von Deutschland. 
Zwickau, Verein für Naturkunde. 
Wien, Geographische Gesellschaft. 

— K. K. Geologische Reichsanstalt. 

— K, K. Naturhistorisches Hofmuseum. 

— Verein der Geographen an der Universität Wien. 

— K. K. militär-geographisches Institut. 



203 

Lin:? a. D., Museum Francisco-Carolinum. 

Herrmannstadt, Siebenbürgischer Karpathenverein. 

Äarau, Mittelsehweizeriscbe Geographisch-Kommerzielle Gesellschaft. 

Bern, Geographische Gesellschaft. 

— Schweizerische naturforschende Gesellschaft. 

— Naturforschende Gesellschaft von Bern. 
Neuchätel, Societe Neuchäteloise de Geographie. 
Genf, Societe de Geographie. 

Leiden, Nederlandsch Aardrijskundig Genootschap. 
Stockholm, Svenska Sällskapet för Antropologi och Geografi 
Upsala, Universität. 
Bergen, Redaktion der Zeitschrift „Naturen." 

— Bergens Museum. 
Stavanger, Museum. 

8t. Petersburg, K. Russische Geographische Gesellschaft. 
Kasan, Societe des naturalistes de l'Universite. 
Helsingfors, Sällskapet för Finlands Geografi ^ 

— Geografiska Föreningen. 

— Societas pro Fauna et Flora Fennica. 

Moskau, Geographische Sektion der K. Gesellschaft von Freunden der Natur 

Wissenschaften. 
Paris, Societe de Geographie commerciale. 

— Societe de Geographie 

— Societe Academique Indo Chinoise de France. 

— Le Tour du Monde. 

Bordeaux, Societe de Geographie commerciale. 

Havre, Societe de Geographie commerciale. 

Rocliefort sur Mer, Societe de Geographie. 

Tours, Societe de Geographie. 

Manchester, Geographical Society. 

Edinhurg, Royal Geographical Society. 

Brüssel, Societe royale beige de Geographie. 

Lüttich, Societe d'Histoire et de Geographie de l'Universite de Liege. 

Pom, Specola Vaticana, 

Neapel, L'Oriente. 

Florenz, Afrikanische Gesellschaft von Italien, Sektion Florenz. 

Lissabon, Sociedade de Geographia. 

Washington, Smithsc)nian Institution. 

— American Colonisation-Society. 

San Francisco, Geographical society of California. 
Neiv-York, American Geographical Society. 
Philadelphia, Geographical Club. 
Madison, W., Historische Gesellschaft. 

— Academy of Sciences, Arts and Letters. 

Chicago, Universität. 

Santiago, Chile, Deutscher wissenschaftlicher Verein. 
San Jose, Costarica, Instituto Meteorologico Nacional. 

— Instituto Fisico-Geografico Nacional. 

San Salvador, C. A. Observatorio Meteorologico y Astronömico. 
Guatemala, Sociedad Guatemalteca de Ciencias. 
Tacubaya, Mexico, Observatorio Astronömico Nacional. 
Xalapa, Observatorio meteorologico. 



204 

Rio de Janeiro, Brasilien, Sociedade de Geographia. 
S. Paolo, Brasilien, Commissäo Geographica e Geologica. 
Buenos Aires, Argentinien, Instituto Geogräfico Argentino. 
Cordoba, Argentinien, Academia Nacional de Cieacias. 

La Plata, Argentinien, Statistische Generaldirektion für den Staat Buenos Aires. 
Lima, Peru, Sociedad Geografica. 

Batavia, Java, Bataviaasch Genootschap van Künsten en Wetenschappen. 
Brisbane, Queensland, Branch of the Royal Geographieal Society of 
Australasien. 



Verzeichnis 

der seit dem 1. Nov. 1894 eingegangenen Scliriften, Erwerbungen und Geschenl<e, 

Im Austausch. 

Vou der Gesellschaft für Erdkunde in Berlin. 

Zeitschrift Bd. 29 H. 4—6. Bd. 30 H. 1— G. Bd. 31 H. 1. 2. 

Verhandlungen Bd. 21 H. 8. 9. Bd. 22 H, 1—10. Bd. 23 H. 1—6. 

Mitteilungen aus den deutschen Schutzgebieten Bd. 8 H. 1 — 4. 

Bd. 9 H. 1. 2. 
= dem Zentralverein für Handelsgeographie in Berlin. 

Export. Jahrg. 16 Nr. 44—52. Jahrg. 17. 18 Nr. 1—38. 
= der Deutschen Kolonial-Gesellschaft in Berlin. 

Kolonialzeitung Jahrg. 1894 Nr. 12. 13. Jahrg. 1895. 1896 

Nr. 1—38. 
= Nachtigal-Gesellschaft in Berlin. 

Zeitschrift Jahrg. 7 Nr. 4/5. 
= dem Naturhistorischen Verein in Bonn a.jRh. 

Verhandlungen 52. Jahrg. I. Hälfte. 
' der Niederrheinischen Gesellschaft für Natur- und HeiUamde in Bonn. 

Sitzungsberichte 1895 Nr. 1. 
= Geographischen Gesellschaft in Bremen. 

Deutsche Geographische Blätter Bd. XVII. Heft 4. XVHI. 

H. 1—4. XIX. Heft 1. 2. 
' dem Kgl. Sächsischen Meteorologischen Institut in Chemnitg. 

Deutsches Meteorologisches Jahrbuch 11. Jahrg. 3. 12. Jahrg. 1. 2. 
Jahrg. 13. 

Verein für Erdhunde in Dresden. 

XXIV. Jahresbericht. 
Naturivissenschaftlichen Verein in Elberfeld. 

Jahresbericht 1896 H. 8. 

Verein für Geographie und Statistik in Frankfurt a.jM. 

Jahresbericht 1893 bis 1895. 

• der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde in Giessen. 

30. Bericht. 
= Geographischen Gesellschaft in Greifswald. 
Moenfahrt. 
VI. Jahresbericht. 

• dem Verein für Erdkunde in Halle a.jS. 

Mitteilungen 1894. 1895. 
= der Kais. Leopoldinisch- Carolinischen Akademie der Naturforscher in 
Halle a.lS. 
Leopoldina H. 31. 
Akta 63. 1. 
= Geographischen Gesellschaft in Hamburg. 

Mitteilungen Jahrg. 1891/2. H. II. 1896 Bd. 11. 12 nebst Karte. 
= Geographischen Gesellschaft in Jena. 
Mitteilungen Bd. XIII. XIV. 



206 

Von dem Verein für Naturkunde in Kassel. 
40. und 41. Bericht. 

Naturwissenschaftlichen Verein Jür Sclileswig-Holstein in Kiel. 
Schriften, Bd. io H. 2. — Litteratnrbericht " Nr. 3. 
= der Oeografliischen Gesellsrliaft in Königsberg. 

Gustav Hirschfeldt, Gedächtnisrede auf Hans Prutz 
= dem Verein für Erdkunde in Leipzig. 
Mitteilungen 1894. 1895. 

Wissenschaftliche Veröffentlichungen Bd. 2. 3 H. 1. 
Verein für Erdkunde in Metz. 
Jahresbericht 1894/5 
= der Geographischen Gesellschaft in München. 

Festschrift. 
■- dem Naturwissenschaftlichen Verein in Osnabrück. 
Jahresbericht 10. 1895. 

Württembergischen Verein für Handelsgeographie. 
Jahresberichte XIII. XIV. 
= der Zentralkommission für wissenschaftliche Landeskunde. 
Berichte 1893/4. 1894/5. 
Verhandlungen des 11. Geographentages 
= dem Verein für Naturkunde in Zivickau. 

Jahresbericht 1894. 1895. 
= der Geographischen Gesellschaft in Wien. 

Mitteilungen Bd. 37 H. 8—12. Bd. 38. 39 H. 1—7. 
= K. K. Geologischen Reichsanstalt in Wien. 

Verhandlungen 1894 H. 10—18. 1895, 1896 H. 1—9. 
= dem K. K. Naturhistorischen Hofmuseum in Wien. 

Annalen Bd. IX H. 3. 4. Bd. XI. 1. Bd. XII. 1—4 
K K. Militär-Geographischen Institut in Wien. 
Bd. XiV. Abt. Erdmessung Bd. 5. 6. 
Verein der Geographen an der Universität Wien. 
Berichte über das XVIII. bis XXI. Vereinsjahr. 
= Museum Francisco-Carolinum in Linz a. D. 
Berichte Nr. 53 und 54. 

Siebenbürgischen Karpathenverein in Herrmannstadt. 
Jahrbuch XV. XVI. 
= der Mittelschweizerischen Geographisch- Kommerziellen Gesellschaft in 
Äarau. 
Schweizerischer Historischer Kalender. 
= Geographischen Gesellschaft in Bern. 

Jahresberichte 1894 H. '2. 1895 H. 1. 2. 
' Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft in Bern. 

Verhandlungen 1894. 
= Naturforschenden Gesellschaft in Bern. 

Mitteilungen 1335 bis 1372. 
' Societe neuchäteloise de Geographie ä Neucha.tel. 
Bulletin I. VII. VIII. 
= = Societe de Geographie de Geneve. 

Le Globe T. VI. Bulletin 1. 2. Memoires VI. 
= Nederlandsch Äardrijkskundig Genootschnp, Amsterdam. 
Tydschrift 1894 XL 7. 8. XII. 1— (3. XIII. 1—4. 
Aa de Leden. 



207 

Von der Svenska Leden SällsJcapet för Antropologi och Qeografi, Stockholm. 

Ymer. 1894. 1895. 1896 H. 1. 2. 
= dem Miner aloqisch-Geologischen Institute der UniiKrsität Upsala. 

Heft 17—21. 
' der Redaktion der Zeitschrift „Naturen" in Bergen. 

Jahrg. 1894 Nr. 10—12. Jahrg. 1895. 1896 Nr. 1—8. 
= Bergen's Museum in Bergen. 

Aarbog 1893. 1894/5. 
= dem Museum in Stavanger. 

Aarsberetnmg 1894. 
= der K. Russischen Geographischen Gesellschaft in St. Petersburg. 

Bericht XI. 

Mitteilungen XXXI 1—5., XXXII 1. 2. 
= Societe des Naturalistes de V Universite de Kazan. 

8 Abhandhingen. 
- Societe de Geographie Finlandaise in Helsingfors. 

Fennia Bd. 11. 
-■ Geografisca Föreningen i Finland in Helsingfors. 

Vetenskapliga Meddelanden 1893 — 1896. 
= Societas pro Fauna et Flora Fennica in Helsingfors. 

Meddelanden 1891 bis 1895 inkl. 

Acta Societatis V 3. VIII. IX. X. XII. 

Herbarium I 89. II 94. 

Botanische Sitzungsberichte Jahr 1 — 4 inld. 
• Societe de Geographie commerciale de Paris. 

Bulletin XV 5. XVI 3. XVII 1—12. XVIII 1—8. 
= Societe de Geographie de Paris. 

Bulletin 1894 2—4. 1895 1—4. 1896 1. 

Comptes rendus 1894 16—19. 1895 1—16. 1896 1—14. 
= dem Herausgeber der Zeitschrift „Le Tour du monde" in Paris. 

1864 Livraison 66—73. 1865. 1866 Livr. 1—37. 
-- der Societe de Geographie commerciale de Bordeaux. 

Bulletin 1894 Nr. 20—24. 1895. 1896. Nr. 1—14. 
= Societe de Geographie commerciale du Hävre. -^ 

Bulletin Sept. 1894. 1896 1 und 2 Trim. 
= Societe de Geographie de Rochefort-sur-mer. 

Bulletin XIV. XV. XVI. XVII 1—4. 

Congres National 1891. 
= Societe de Geographie de Tours. 

Bulletin 1895 1. 2. 4. 1896. 1, 
' Geographical Society, Manchester. 

Journal Vol. IX 10—12. X. XI 1—6. 
= Royal Society in Edinburg. 

Proceedings XX. 
' Societe Royale Beige de Geographie in Brüssel. 

Bulletin XVIII 5. 6. XIX. XX 1. 2. 
' Specola Vaticana in Rom. 

Publicazioni Fase. IV. 

Cenni Necrologici. 
= L' Oriente. Revista trimestrale del Istituto Orientale in Neapel. 

Anno I. Nr. 4. 



208 

Von der Sezione Fiorentina della Societä Africana d'Italia in Florenz. 
Bulletino II. Ser. II 3—8. 
= Sociedade de Geographia in Lissabon. 
Boletim XIII 7~V2. XIV 1—12. 

Actas Vol. XIV. Statuts. 4ieme Centenaire du Depart de Vasco 
de Gama. 
> American Geographical Society in Neivijork. 

Bulletin Vol. XXVI. 4. H. 1. 2. XXVIII. XXIX 1. 
= dem Geographical Club in Philadelphia. 
Biületin 13 — 5. II 1. 
= Geographical Soc. of flie Pacific San Francisco. 
In memoriam of Th. E. Slevin. 
Deutschen Wissenschaf Hielten Verein in Santiago (CJdli). 

Verhandlung Bd. II 4. III 1/2. 
Instituto Meteorologico Nacional in San Jose (Costaricaj. 
Anales T. VI. 

Observatorio Meteorologico y Astronömico in San Salvador C. A. 
Annuario 1895. 
Annales 1895. 

Observatorio Astronömico de Tacubya, Mexico. 
Boletim 1895 T. 1—20. 22. 23. 
Observatorio Meteorologico Central in Xalapa. 
Oliservationes Meteorolögicas 1894 Sept. — Dez. 1895 Juli — Dez, 
1896 Jan. März. April. Juli. 
= der Commissao Geographica e Geologica in Sao Paulo, Brasil. 
Boletim 90 Nr. 8. 9. 
Dados climato logicas 1891. 1892. 
= dem Instituto Geogräfico Argentino in Buenos Aires. 
Boletim XV 5—12. XVI 1—12. XVII 1 — 6. 
= der Sociedad Geografica in Lima. 

Boletim Ano IV. T. N. Nr. 3. 4. Tomo V G. 
■- • Queenslandbranch of the E. Geographical Society of Australasia 
in Brisbane. 
Proceedings Vol. 9. 



Geschenke. 

Die mit einem Stern versehenen Werke sind von den Verfassern überreicht. 

*A. P. Lorenzen: 2. Litteraturbericht für Schleswig-Holstein, Hamburg und 
Lübeck 1893. Kiel 1894. Kiel 1895. 
Kapitän Jäger: Birmanische und chinesische Zeitungen. 
■■•'Prof. Dr. Deecke, Greif swald: Skizzen aus Norrland (Nordschweden). 
Festschrift zum 25jährigen Jubiläum des Naturforschervereins in Riga. 
H. J. Sjögren: Bulletin of the Geological Institution of Upsala. 
Deutsehe Kolonialgesellschaft. Jahresbericht 1894. 
'^'Otto Kuntze: Geogenetische Beiträge. Leipzig 1895. 
*E[enri Moser: Bosnien und Herzegowina, Schaffhausen. 
*Dr. Pablo Krüger: La Determinacion Astronomica de las conrdenadas Jeo- 

graficas en la Espedicion al Rio Palena. Santiago 1895. 
'■'Prof. Palmeen, Helsingfors: Travaux Geographique.s en Finlande. 

— Referat über den Stand der Kenntnis des Vogel- 

zuges. 1891. 



209 

*Rud. Fitzner: Die Regentschaft Tunis. Berlin 1895. 

*Dr. Pablo Krüger, Santiago: Observaciones hipsometricas i meteorolögicas 
en la Espedicion al rio Palena. 

*Prof. Dr. Deecke, Greif swald: Geologische Sagen und Legenden. 

*Dr. Paul Schreiber, Chemnitz: Über registrierende Regenwasser und Pegel. 

*Elisee Reclus, Brüssel: Projet de construction d'un globe terrestre k l'echelle 
du Cent-Millieme. 1895. 
Dr. med. Eschenburg: Verhandlungen der Gesellschaft Deutscher Natur- 
forscher und Ärzte in Lübeck. 1895. 

* Albert Sanchez: La Cornoide. San Salvador. 

E. Cords, Bibliothekar in La Plata. Re^ästa VII 1. 

* Neumayer, Prof. Dr.: Über Südpolarforschung. 

*Dr. Hahn, Berlin: Die Stellung Afrikas im Welthandel. 
JS. Michelsen, Konsul: Nützliche Mitteilungen für Einwanderer in Argen- 
tinien. 7 Hefte. 
— Message du President de la Republique Argentinoise. 

Buenos Aires 1895. 
Publications du Comite d'Egypte. L'Egypte et l'Europe I. IL 
G. C. Sahn: Stielers Atla.s. Grosse Ausgabe. 
*Dr. Richard Kiepert: Reisekarte des Deutschen Kamerunkomites Dr. Passarge. 
1893—94. Blatt 1—3. 



Angekauft. 



l. Herrich: Ostasien, Japan, Korea, Ostchina. Flemming, Glogau. 

— Neue Spezialkarte von Korea, Nordostchina. Flemming, Glogau. 

— Neue Spezialkarte von Eritrea, Abessinien und dem östlichen 

Sudan. Flemming, Glogau. 



Geschenke für das Museum für Völkerkunde. 

Landrichter Schmedes: Cigarrette aus Rangoon. 
Kapitän Jäger: Chinesische Ehrenflagge. 



Durch Abonnement werden erworben: 

Petermann's Mitteilungen. ,i 

Globus. 

Deutscher und Österreichischer Alpenverein. Mitteilungen. 

Hefs, Zeitschrift. 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie. 
Geographische Nachrichten. Herausgegeben von Rudolf Fitzner. 
Mouvement Geographique. 



Abgeschlossen den 18. September 1896. 



Druckerei von H. G. Hahtgens in Lübeck 



0"7.-J 



Mitteilungen 



der 



Geographischen Gesellschaft 



und des 



Naturhistorischen IVIuseums 



LÜBECK. 



Herausgegeben 



Prof. Aug. Sartori und Dr. Heinr. Lenz. 



Zweite Reihe. 

Heft 12 und 13. 



-4<^ 



Lübeck. 

Lübeke & Hartmanr 
1899. ■ 



Mitteilungen 



der 



GeograpMscIlen Gesellschaft 



und des 



Naturhistorischen Museums 



LÜBECK. 



Herausgegeben 
von 

Prof. Aug. Sartori und Dr. Heinr. Lenz. 



Zweite Reihe. 

Heft 12 und 13. 



Lübeck. 

Lübeke & Hartmar 

1899. 



Inhaltsverzeichnis. 



Carl Moll wo, Köln. Über die Beziehungen der geographischen Lage 

Lübecks und der südlichen Ostseeküsten zu deren Ent- 

wickelung in der Geschichte S. 1. 

Dr. Theod. Wetzke. Die Gellivara-Erze = 48. 

Prof. Aug. Sartori. Der Ausbruch des Vulkans Kirishima in Japan, 

15. März 1896 • 62. 

Colmar Schumann. Die Untertrave in ihren volkstümlichen 

Ortsnamen -■ 72. 

Major z D. von Koschitzky Die Käfer Lübecks -- 88. 

Otto Ranke. Land- und Süsswasser-Conchylien der Umgegend von 

Lübeck • i -■ ' ,105. 

Jahresberichte der Geographischen Gesellschaft 1896. 1897 '."'.'. ' . ' < il?. 

Erdmagnetischen Station 1896 = 120. 

des Museums für Völkerkunde 1896. 1897. . . . - 121. 

= Naturhistorischen Museums 1896. 1897 . . . = 129. 
Verhandlungen der Geographischen Gesellschaft vom Oktober 1896 

bis Januar 1899 = 148. 

Mitgliederverzeichnis , - 156. 

Verzeichnis der Gesellschaften, Vereine, Redaktionen u. s. w., mit 

welchen die Gesellschaft im Schriften austausch steht . . = 160. 

Verzeichnis der eingegangenen Schriften, Geschenke u. s w. . . . = 163. 



J^... 



über die Beziehungen der geograpMsclien Lage Lüliecks und der südlichen 
Ostseeküsten zu deren Entwickelung in der Geschichte. 



Von Carl Mollwo, Köln. 



Vorbemerkung. 

Die politische Geographie von Fr. Ratzel, das neueste und grundlegende Werk 
auf diesem Gebiet, ist im Oktober 1897 erschienen. Diese Studie ist schon im Früh- 
jahr 1895 im grossen und ganzen in der hier vorliegenden Form niedergeschrieben. 
Die Anregung dazu gab der Unterricht, den der Verfasser während seiner Studienzeit 
im geographischen Seminar Ratzeis genossen hatte. Insofern geht also diese Arbeit in 
ihren Grundgedanken teilweise auf die Anschauungen Ratzeis zurück. Die politische 
Geographie von 1897 konnte leider erst wenige Wochen vor der Drucklegung benutzt 
werden. 



Es ist noch nicht lange her, dass die Geographie eine Wissenschaft 
im heutigen Sinn geworden ist. Unter ihren Begründern feiern wir an 
erster Stelle Carl Ritter. Die Anfänge einer Morphologie der Erdober- 
fläche finden sich bei ihm zuerst wie in einem Brennpunkt gesammelt. 
Zu seineu bedeutendsten Arbeiten zählt wohl sein Aufsatz über die räum- 
lichen Anordnungen auf der Aussenseite des Erdballs und ihre Funktionen 
im Entwickelungsgang der Geschichte. Ein Moment, das ihm Anlass zu 
feinsinnigen Ausführungen gab, war die aufiällige Verbreiterung der Erd- 
teile an ihrem Nordrande, die Zusammenballung der Kontinente auf der 
nördlichen Halbkugel. Dabei machte er die Beobachtung, dass sich Rand- 
und Binnenmeere ebenfalls nur auf der Nordhemisphäre fänden, dass sie es 
wären, welche die grossen Landmassen zwar nicht zersprengten, aber auf- 
lockerten und vor den verderblichen nivellierenden Einflüssen der ge- 
schlossenen Kontinente bewahrten. An solche Ausführungen Ritters knüpfte 
Kapp *) an, als er auf die geschichtliche Bedeutung solcher geographischer 
Gegebenheiten hinwies. Mit seiner Scheidung der Kultureutwickelung in 



*) E. Kapp. Vergleichende allgemeine Erdkunde in wissenschaftlicher Darstellung. 
2. Aufl. 



Perioden potamischer, thalassischer und ozeanischer Kultur ist er den 
Fingerzeigen Ritters gefolgt, indem er noch eindringender als jeuer auf 
die Abhängigkeit der geschichtlichen Entwickelung von ihrem Schauplatz 
hinwies. Das Wasser in seinen verschiedenen Erscheinungsformen ist 
Kapp das verursachende Element jeder geschichtlichen Bewegung. Ihm 
scheint nichts lohnender, als die Beziehungen aufzudecken, die zwischen 
der jedesmahgen Erscheinungsform des Wassers und der Geschichte der 
anstossenden Länder und Völkei'massen obwalten. Wie fruchtbar eine 
solche Betrachtungsweise für die Geschichte ist, zeigt kaum ein Werk 
besser als die griechische Geschichte von Ernst Curtius. 

Schon Kapp und noch manche andere haben aus diesen Beobachtungen 
Anlass genommen, auf die Ähnlichkeit der Entwickelung in den verschie- 
denen Rand- und Binnenmeeren, auf die geographische Ähnlichkeit des 
Mittelmeers und der Ostsee hinzuweisen.*) Es wird sich bei genauerer 
Betrachtung ergeben, dass die geographischen Bedingungen in diesen beiden 
Becken zwar ähnlich sind, aber auch so viele AbAveichungen aufweisen, 
dass man die unendlich verschiedene historische Entwickelung der beiden 
Becken ebenso sehr aus geographischen wie aus historischen Gründen zu 
erklären genötigt sein wird.**) 

Die durchgehende Ähnlichkeit zwischen Ostsee und Mittelmeer 
liegt fast ausschliesslich in der Eigenschaft beider als Binnenmeere. Beide 
sind Meerbusen, die den atlantischen Ozean weit in den grossen Kontinent 
Asien, Afrika, Europa hinein fortsetzen. Zusammengenommen lösen sie 
Europa als Halbinsel von diesem Kontinent los. In dieser Meerlage 
Europas liegt der Grund, warum es in seiner Entwickelung der alten 
Welt so vorangeeilt ist; kein Stück derselben ist allen Einflüssen des 
Meeres, klimatischen wie kommerziellen, so ausgesetzt gewesen. 



*) D. Schäfer, die Hansestädte n. König Waldemar p. 35. „In dem Verkelirsleben 
des letzten Jahrtausends nimmt die Ostsee ihre Stelle neben, nicht unter dem Mittel- 
meer ein." cf. dazu Ratzel, pol. Geogr. p. 593. 

**) Wenn man an das grosse Problem einer lübischen Haudelsgeschichte heran- 
geht, wird man nicht umhin können, auch solchen Gedanken Raum zu geben; weit 
mehr noch, wenn die Aufgabe sich dahin erweitert, dass die gesamten hansischen und 
überhaupt auswärtigen Beziehungen Lübecks in den Vordergrund der Betrachtung 
gestellt werden. Und das wird, wenn anders eine handelsgeschichtliche Darstellung 
den gesamten Stoff, den ihr Lübeck für die Erkenntnis der hansischen Entwickelung, 
die hansische Geschichte für die richtige Auffassung spezifisch lübischer Erscheinungen 
bietet, richtig ausnützen will, geschehen müssen. 

Erst die Erkenntnis der geogi'aphischen Bedingungen, unter denen Lübeck und 
die hansischen Küsten stehen, kann dazu führen, das Maass, das dem Anteil der 
Menschen am geschichtlichen Leben hier gebührt, abzuschätzen, und auf der andern 
Seite dem Walten der Natur das ihre zuzuteilen, 



Die Funktionen beider Meere sind die gleichen für Europa. Aber 
in wie verschiedenem Grade liaben sie diese erfüllen können. Mare medi- 
terraneum haben, die Alten das Mittelmeer genannt und damit seine Haupt- 
eigenachaft für ihren Kulturkreis augegeben. Inmitten der ganzen damals 
bekannten Welt gelegen war es das Meer, das diese Welt mit einander 
verband zu einer zwar langsam, aber unaufhaltsam vorschreitenden Kultur- 
gemeinschaft, die nie vollständig wieder verloren gehen kann.*) Seine 
Ufer treten nirgends weit auseinander; kurze Fahrten, unterbrochen durch 
Aufenthalte auf zahlreichen eingestreuten Inseln, günstige regelmässige Winde 
beförderten die Schifffahrt nach allen Richtungen. Die Hauptaxe des Meeres 
geht von Osten nach Westen. Nur wenige Breitengrade trennten den süd- 
lichen Rand vom nördlichen, Klimaunterschiede durch Breitenlage sind 
nur in geringem Masse, vorhanden. Dieselben Kulturgewächse, die am 
Nordrand gedeihen, kommen auch au der Südküste fort. Keine Bucht des 
Mittelmeeres erstreckt sich soweit nach Norden, dass die Nachteile einer 
Eisbedeckung in Betracht kommen könnten. 

Wie anders liegt das alles bei dem Ostseebecken. Ein Gegensatz 
reiht sich an den andern.**) Wie klein erscheint die Ostsee mit ihren 
6963 Quadratmeilen gegen die 45000 des Mittelmeers.***) Der reichen 
Küstenentwickelung des Mittelmeeres mit den lebhaft gegliederten grossen 
Halbinseln entspricht zwar manches in der Gestaltung des Ostseebeckens, 
immer aber ein in weit kleineren Verhältnissen. Während die Längsaxe 
des südlichen Meeres west-östliche Richtung zeigt, zieht die Hauptaxe der 
Ostsee von Norden nach Süden, f) Die Ostsee reicht mit ihrem südlichsten 
Busen an der Oder- und Travemündung bis an den 54. Grad; ihre nörd- 
lichste Grenze ist die Torneamündung unter 66 Grad. Sie hat demnach 
eine Längenausdehnung von 180 Meilen, während die grösste Breite von 
der jütländischen Küste bis zum kurischen Haff nicht über 90 und die 
Durchschnittsbreite etwa 36 Meilen betragen mag. Die Ostsee beginnt im 
Süden an Ländern, welche als Kornkammern gelten können, welche reiche 



*) cf. Baldamus in Ztschr. f. Gymnasialwesen, Bd. 45. NF. 25. 1891. p. 324. 
**) Ratzel gellt sogar so weit, den Vergleich der Ostsee mit dem Mittelmeer auf- 
zugeben und das Schwarze Meer heranzuziehen. Er sagt: (Polit. Geographie 1897 p. 594.) 
„In ihrer beschränkten Lage als letzte, östlichste, sackartig geschlossene Ausbuchtung 
des atlantischen Ozeans ist die Ostsee eher mit dem Schwarzen Meer als dem ganzen 
Mittelmeer zu vergleichen. Sie liegt wie Jenes an der Schwelle Osteuropas." Über die 
kulturliche Bedeutung beider Becken cf. ibid. p. 593: „Während die Staaten sich be- 
fehdeten, haben Mittelmeer und Ostsee vermittelnd und verbindend als eine grosse, 
still wirkende Naturmacht eingegriffen. Zuletzt wurden die Völker an ihren Gestaden 
einander immer ähnlicher, und unaufhaltsam wird das fortschreiten." 
***) Ackermann p. 7. 
f) Das Mittelalter war darüber allerdings anderer Ansicht, cf. weiter unten. 

1* 



Obsternten erzeugen, welche das Wachstum von Laubhölzern vorzüglich 
begünstigen, und berührt im Noirden Gegenden, wo kein Hafer und kein 
Roggen mehr gedeiht, wo die Haselnuss nicht mehr fortkommt, wo Linden 
und Eichen verschwinden und selbst die Birke verkümmert. Daher zeigt 
das Ostseegebiet einen ziemlich grellen Unterschied von Norden und 
Süden. (Kapp.) Diese Differenz zeigt sich nicht nur in geographischer 
Beziehung oder den physikalischen Verhältnissen, sondern ebenso sehr in 
der verschiedenen Entwickelung von Süden und Norden im Gang der 
Geschichte und ist bis heute im Handelsverkehr wirksam. 

Das ganze Becken der Ostsee zerfällt in 3 Hauptteile, einen west. 
heben, westlich der Linie Ystad-Arkona, nach Nordwesten bis zur Linie 
Marstrand-Skagen reichend, einen nördlichen, der durch die unter 60 Grad 
gelegene Gruppe der Älands-Inseln abgeschnitten wird, und den grössten, 
mittleren Teil mit den Einbuchtungen der Odermündung, der Danziger 
und der Königsberger^Bucht, des Eigaischen und Finnischen Meerbusens.*) 

Jeder einzelne Teil ist weiter durch eingestreute Inseln, die bei dem 
westlichen Teil sogar die Physiognomie des Meeres vollständig ändern, 
feiner gegliedert. Scharen kleiner Liseln folgen dem Zuge der felsigen 
Kü.sten des Bottnischen Busens vom 58. Grad an. 

Für die geschichthche Entwickelung des ganzen Ostseebeckens kommen 
eigentlich nur der westliche und der mittlere Teil in Betracht.**) Der uörd- 
hche ist erst sehr spät den Seefahrern bekannt geworden; er ist wenig 
aufgesucht, da die Produkte des Landes einen Handel wenig lohnend er- 
scheinen liessen; politische Bedeutung hat er erst erhalten, als das asiatische 
Russland an diesem Punkte das Meer erreichte;***) handelspolitisch datiert 
seine Bedeutung von den Anfängen der Eisengewinnung in grösserem 
Massstabe seit den 70er Jahren dieses Jahrhunderts. Es wird so nicht 
nötig sein, die in Schären aufgelösten Steilküsten des Bottnischen und 
Finnischen Busens einer Betrachtung zu unterziehen. Sie stehen im Gegen- 
satz zu den Küsten des mittleren und westhchen Beckens. Schweden hat, 
trotzdem es eine Küstenentwickelung wie wenige Staaten besitzt, noch heute 
keine Panzerflotte; seine Marine besteht nur aus kleinen Schiffen, die auch 
für die Küstenverteidigung genügen. Vom 56. Grad an schützen die 



*) Ackermann teilt nach der Barre von 20 m (p. 7 u. 20) anders. Als Teilimgs- 

linie zwischen einem östhchen und einem westlichen Teil nimmt er die Linie Junga- 

Hoved, Ulfshaie a./Moen, Grönsund, Gjedser-Odde-Darsser Ort. 6724 DM. : 239 DM-. 

**) Aus diesem Grunde musste auch von- der Teilung Ackermanns abgesehen 

werden. 

•'■ ») cf. 0. Ritter, über räuml. Anordnungen etc. 1850. p. 235 der Einleitung zur 

allg. vergleichenden Geographie. 



Schären das Land, an den Süd- und Westküsten die Beschaffenheit der 
Ränder als Flachküsten. An einigen Stellen erheben sich zwar die Küsten- 
ränder zu beträchtlichen Höhen über den Meeresspiegel, es zeigt sich aber 
doch, dass die Küste trotzdem weit hinaus ins Meer reicht, sich flach 
gegen die Meerestiefe absenkt. 

Ein ganz vorzügliches Beispiel ist die schwedische Sundküste. Kohl'") 
führt aus, die beiden Küsten des Sundes seien sehr verschieden. „Jene 
(d. h. die schwedische) ist zwischen dem Vorgebirge von Kullen im Norden 
und dem von Falsterbo im Süden sehr geradlinig und obgleich meist 
hoch und schrofü, doch längs des Meeresrandes seicht und mit vielen 
kleineu Riffen und mancherlei anderen Seegefahreu besetzt."**) 

Eine ähnliche Erscheinung wie bei der schwedischen Marine finden 
wir bei der Flotte Deutschlands. Lange Zeit hiess es, wir brauchten keine 
Flotte, weil unsere Küsten sich selbst schützten. Sie seien so flach, dass 
Kriegsschiffe, besonders bei den heutigen Dimensionen derselben, überhaupt 
nicht an sie herankommen könnten. Leider ist das nur zum Teil wahr. 
Am meisten könnte man es von der Dünenküste Hinterpommerns be- 
haupten."***) 

Zwei Typen der Küste bedürfen noch besonders der Hervorhebung, die 
Föhrden Holsteins und der in Haffe und Nehrungen aufgelöste Küsten- 
saum Preussens. 

Eingeschnitten in den Geestrückeu, der als Fortsetzung des uralisch- 
baltischen Zuges das Rückgrat der jütischen Halbinsel bildet und den 
ihn am Ostrand begrenzenden Geschiebethon finden wir eine Reihe von 
Föhrden von Aalborg bis Neustadt, f) 

Die Gestalt dieser Föhrden ist trotz vieler geringfügiger Abweichungen 
äusserst gleichartig. Ganz regelmässig mit parallelen Ufern in das Innere 
eindringenden Buchten ohne Einschnürungen finden sich gar nicht; die 



*) J. G. Kohl, die geographische Lage der Hauptstädte Europas. Leipzig 1874, 
p. 332. 

**) Vielleicht die beste Anschauung von Ostseeflachküsten gewähren die bei 
D. Schäfer, das Buch des lübischen Vogts auf Schonen, abgedruckten Pläne von 
Falsterbo und Skanör. 

***) cf. P. Lehmann, das Küstengebiet Hinterpommerns 1884 und derselbe, Pommerns 
Küste von der Dievenow bis zum Darss. Breslau 1878. An dieser Küste findet sich 
z. B. in der Entwickelung von 256 km das Verhältnis von Wasser-Küste zu Lehm-, 
Thon- oder Kreide-Küsten zu Dünen-Küste wie 2 : 15 : 25. 

f) cf. Hahn, die Städte der norddeutschen Tiefebene in Forschungen zur deut- 
schen Landes- und Volkskunde I. 1886. p. 157 ff. und Jansen, die Bedingtheit des 
Verkehrs und der Ansiedelungen der Menschen durch die Gestaltung der Erdoberfläche, 
nachgewiesen an der cimbrischen Halbinsel. Kiel 1861 p. 87 ff. 



6 

Regel ist, dass an irgend einer Stelle die Ufer stark zusammentreten, um 
nach kurzer Zeit abermals zu divergieren. Ja, es ist im Laufe der Eut- 
wickelung häufig der Fall eingetreten, dass vollständige Abschnürungen 
früherer Meeresbuchten sich hinter noch bestehenden Föhrden bildeten. 
Ich erinnere nur an das Beispiel des Gruber Sees hinter Neustadt, des 
kleinen Kiels in Kiel, des Windeby Noer hinter Eckernförde, des Lin. 
dauer Noer bei Schleswig, des Haderslebener Damms. Den Föhrden stehen 
die Buchten von Rostock und Wismar, sowie der Dassower See sehr nahe, 
wenn man sie auch schwerlich als eigentliche Föhrden bezeichnen würde. 
In leichtem Bogen zieht sich die Südküste der Ostsee mit einer 
leisen Wendung nach Ostnordost bis Tilsit hin, um dort scharf nach 
Norden umzubiegen. Ein Blick auf die Karte lässt die schöne Gliederung 
in eine Reihe von Buchten erkennen. Widerstandsfähigere Schichten 
haben die ausgleichende Wirksamkeit des erodierenden Küstenstroms mo- 
difiziert, und eine Reihe von Vorsprüngen hervortreten lassen, die als 
Grenzpuukte grösserer Busen gelten können. Der Reihe nach sind es die 
grossen Buchten von Lübeck, von Stettin, Danzig und Tilsit durch Rest 
punkte von einander geschieden. Gemeinsam ist dieser ganzen Küsten- 
strecke der Charakter als Flachküste. Erst in bedeutendem Abstände vom 
Lande zeigen sich bemerkenswertere Tiefen. 

Nirgends finden sich grössere Tiefen als 323 m.*) Die tiefste 
Depression zeigt der Boden des Meerbusens zwischen Utö und Gotska- 
Sandö. Eine allgemeine Durchschnittstiefe ist nicht anzugeben, da heute 
noch nicht genügend zahlreiche und systematisch ausgeführte Messungen 
vorliegen. Man nimmt etwa 45 m an.**) 

Lebhafte Strömungen sind nur an der deutschen Ostseeküste und 
den Verbindungsstrassen des Ostseebeckens mit der Nordsee und dem 
Ozean zu verzeichnen.***) 

Ein hervorstechendes Merkmal der Ostsee ist das fast vollständige 
Fehlen von Fluterscheinungen. Durch die Bodenschwellen, die die unter- 
seeische Verbindung zwischen Jütland und Schweden herstellen, und das 
Fehlen einer offenen Verbindung der Ostsee und Nordsee kommt der 
Flutstrom in so bedeutend abgeschwächtem Masse in das Ostseebecken, 
dass seine Wirkungen besonders an der deutschen und russischen Küste 
fast unmerklich und schwer messbar sind, f) 



*) cf. Ackermann p. 25. 
**) Für die damit zusammenhängende Frage der Hebung und Senkung der Ostsee- 
küsten, cf. Peschel, Probleme p. 153, 154. 

***) cf. 0. Krümmel, Handbuch der Ozeanographie Bd. 11. 1887. 464. J. G. Kohl, 
die geogr. Lage der Hauptstädte etc. 1874. p, 332 und Ackermann, p. 133, 142. 
t) cf. Ackermann p. 142, 147. 



Es finden sich aber in der Ostsee Aufstauungen von Wassermengeu, 
die an Grösse der Wirkungen den Fluterscheinungen des Ozeans kaum 
nachstehen. Durch das Vorhandensein weitgeöffneter Bucliten, deren Ufer 
sich schliesslich im spitzen Winkel vereinigen, verbunden mit dem zeit- 
weiligen Vorherrschen gewisser Winde kommen in diesen Buchten, ja 
sogar in den Küstenflüssen, die in diese münden, Aufstauungen vor, die 
zwar selten mächtig und verheerend sind, aber doch durch Erzeugung von 
Inundationsgebieten und Hochwassergefahren auf die Anlage von Städten 
bestimmend eingewirkt haben. Schwankungen des Wasserstandes finden 
sich besonders im westlichen Teil des Beckens häufig, und auch relativ 
am bedeutendsten, so in der Kieler Föhrde, der Lübecker und der Wismarer 
Bucht. An diesen 3 Stellen sind z. B. bei der Sturmflut von 1872, No- 
vember 13, Wasserstände von über 3 m bis 3,17 m, in Heiligenhafen ein 
solcher von 2,9 m beobachtet worden.*) 

Aber auch die bedeutendsten häufiger vorkommenden Stauungen 
haben wir in diesem Teil der Ostsee zu suchen, in Schleimünde, Kiel 
und im Fehmarnsund. Starke, andauernd auflandige Winde sind die ge- 
wöhnliche Ursache dieser Erscheinung, die an Flachküsten für die Orts- 
ansiedelung von grosser Bedeutung werden können. Die Strecken, die 
so häufigen, unregelmässig wiederkehrenden Überflutungen ausgesetzt sind, 
können nie als tauglich für Niederlassungen gelten, ja solche Umstände 
können wohl alle sonstige Gunst einer Lage illusorisch machen. 

In die Ostsee ergiesst sich eine grosse Reihe von zum Teil sehr be- 
deutenden Flüssen. Eine ihrer Hauptwirkuugen, verbunden mit der Ab- 
geschlossenheit dieses Beckens liegt in der allmählich fortgeschrittenen 
Versüssung der Ostsee, die wieder bei der ßreitenlage dieses Meeres die 
Möglichkeit leichten Gefrierens herbeiführt. 

Es ist dies eine von den Erscheinungen, die zur Betrachtung der- 
jenigen Faktoren führen, von denen vornehmlich die Entwickelung der 
Geschichte im Ostseebecken abhängig geworden ist. Es lassen sich hier 
mehrere Grundsätze aufstellen. Der Boden bedingt die Geschichte in ge- 
wissen Grenzen immer. Die Richtung, in der er es thun kann, wird durch 
den Menschen und die Kraft und Geschicklichkeit, mit der er die natür- 
lichen Gegebenheiten auszunützen versteht, modifiziert. Nur kurz zu be- 
handeln sind hier diejenigen Naturgegebenheiten, die der Mensch nicht 



*) Der Wasserstand der Trave von 7,5 5 m am 24 Dez. 1890 (Lüb. Blätter 1890 
p. 563) -war gleich der Höhe der Sturmflut von 1883, Dez. 4.-5. und blieb hinter der 
vom 13. Nov. 1872 nur um 1,12 m zurück, 



zu verändern vermag, — ■ z. B. das häufige Vorhandensein einer Eisdecke. 
Regelmässig am wichtigsten sind diejenigen Naturbedingungen, die dem 
Trieb des Menschen sich zu erhalten und zu einer höheren Lebenshaltung 
zu gelangen, dienstbar gemacht werden können. Demgemäss werden die 
geographischen Bedingungen, die man vom Standpunkt der Entwickelung 
in der Geschichte in den verschiedeneu Zeitaltern und Kulturepochen als 
förderlich anzusprechen hat, verschieden sein. Was in den Zeiten vor 
der Erfindung der Schilf fahrt, reinsten Jäger- und Nomadenlebens, dem 
Menschen in diesen Gebieten von höchstem Vorteil gewesen ist, wird nach 
der Erfindung der Schifffahrt an Nützlichkeit hinter die natürlichen Ge- 
gebenheiten zurücktreten, die dem Wasser als solchem innewohnen. 
Während weiter in den ersten Zeiten primitiver Schifffahrt Eisbedeckung, 
absolut hindernde Strömungen, gefährliche Winde, unnahbare Küsten 
dem Menschen als unüberwindbare Thatsaehen entgegentreten, wird sich 
im Laufe der Zeiten die Bedeutung aller dieser Faktoren abschwächen, 
je nachdem der Mensch lernt, durch gesteigerte Technik die teil- 
weise noch widerstrebende Natur seinen Zwecken dienstbar zu machen. 
Dann werden feinere Unterschiede in den Strömungs- und Tiefenver- 
hältnissen der Häfen in erster Linie den Ausschlag geben in der Frage, 
welche Gegend einer Küste möglich,st bedeutende und zahlreiche 
natürliche Vorteile mit denen vereint, die der menschliche Fleiss und 
Scharfsinn dem einen oder andern Punkt abzuringen gewusst hat. Das 
Ideal einer historischen Betrachtung auf geographischer Grundlage würde 
demnach wohl darin zu finden sein, bei der Beurteilung des Ganzen der 
historischen Entwickelung immer von der Betrachtung des Verhältnisses 
auszugehen, in dem in einem gegebenen Zeitpunkt der Vorteil oder Nach- 
teil der natürlichen Lage einer Gegend zu den Werken des Menschen 
steht; wie weit der Mensch in jeder Periode sich die Natur unterworfen 
hat, wie weit er ihr unterworfen geblieben ist. Ein höherer Wert würde 
diesen Betrachtungen dann noch zuzuweisen sein, wenn es auch hier ge- 
länge, aus der Entwickelung des Kampfes dieser beiden Kräfte einen 
Massstab für das in Zukunft Erreichbare und Unerreichbare zu entnehmen. 
Kehren wir jetzt zu der ersten dieser Fragen zurück, der Frage der Eis- 
bedeckung des Ostseegebiets, einer absoluten Gegebenheit. 

Die süd-nördliche Erstreckung vom 54. — 66. Grad, bis zum nördlichen 
Polarkreis ergiebt allein schon die Beschränkungen, die der Schifffahrt 
auf diesem Meere durch die Eisbedeckung erwachsen. Drei Mal ist im 
Verlauf unserer Überlieferung (1323/24, 1459 und 1709)*) sogar der extreme 



*) Lappenberg, Hamburgische Chroniken p. 235 fi. und 396. 



9 

Fall eingetreten, dass die ganze Ostsee vollständig zugefroren war, so dass 
eine lang andauernde lebhafte Verbindung zwischen den preussischen, 
dänischen und schwedischen Küsten entstand.*) Häufiger sind die Belte 
und der Sund überfroren gewesen.**) 

Ja es kommt sogar Grundeisbildung in der Ostsee vor.***) In 
jedem Jahr tritt, verschieden nach der Breitenlage der einzelneu Häfen, 
ja sogar auch nach der Verschiedenheit ihrer Längenlage, eine mehr oder 
minder lang andauernde Eisbedeckung der Schifffahrt hinderlich entgegen. 
Es ist interessant, sich durch eine Zusammenstellung der Eistage in den 
verscliiedenen baltischen Häfen ein Bild von der Bevorzugung der west- 
lichen und südlichen Küsten zu machen, f) 

Weiter ist die Anzahl der Eistage zweifellos geringer bei Flussmün- 
dungsstädten und offenen Rheden, da das bewegte Wasser der Flüsse oder 
der Wellenschlag der offenen See die Wasserfläche langsamer gefrieren 
lässt, als das, ja nur schwach salzige Wasser der in Buchten ruhenden 
Ostsee, ein sehr zu schätzender Vorteil der Städte, die für ihre Häfen 
Flusslage besitzen und nicht auf Eheden angewiesen sind. Im allgemeinen 
haben allerdings Häfen mit offenen Rheden, die den Einwirkungen des 
Wellenschlages und der Meeresströmungen völlig frei ausgesetzt sind, auch 
vor diesen noch A'^orzüge bei der Frage der Eisbedeckung. Diese werden 
aber reichlich durch die Nachteile, die sich gerade auf ihnen während 
der Sommermonate geltend macheu, aufgewogen. 

Auch den Winden gebührt in dieser kurzen Betrachtung eine Stelle. 
Schon Kohl ff) machte auf die im Gebiete des Sundes durchaus vor- 
waltenden Westwinde aufmerksam. Im Zusammenwirken mit der That- 
sache, dass das Fahrwasser des Sundes nord- südlich verläuft, hat diese 
Erscheinung den für die Schifffahrt äusserst günstigen Erfolg, dass der 



*) Kapp, p. 405. 
**) cf. Ackermann, p. 271, 272 (1269, 1292, 1333, 1349, 1399, 1402, 1408, 1423, 
1545, 1658, 1670). Für 1670 cf. Hansische Geschichtsblätter 1879 p. 98, 99. Dort sind 
mit starken Vereisungen noch die lahre 1664/65, 1680, 1683 genannt. 
***) Ackermann, p. 259, 260. 

t) Tabelle von Ackermann, p. 261. 

Danach hat : Tage mit Eisdecke : Tage ohne Eisdecke : 

Lübeck 32 338 

Greifswald (Bodden) . 58 307 

Nenfahrwasser ... 81 284 

Riga ...... 126 239 

Narwa 137 228 

Petersburg .... 147 218 

Torneä 233 132 

ff) J. G. Kohl, die geogr. Lage der Hauptstädte Europas. Leipzig 1874, p. 332. 



10 

Seemann diese Westwinde sowolil zur Durchfalirt in nord -südlicher wie 
in süd-nördliclier Richtung verwenden kann. Ausfülirheli hat Ackermann 
darüber gehandelt.*) Im allgemeinen herrschen Südwest- und Westwinde, 
für die südliche Ostseeküste, also ablandige Winde durchaus vor, besonders 
tritt dies im Sommer hervor.**) Innerhalb der westlichen Ostsee sind 
die Südwestwinde die vorherrschenden, an der Südküste der inneren Ostsee 
dagegen die reinen Westwinde. Für Lübeck modifiziert sich die Sachlage 
folgendermassen. Fast das ganze Jahr hindurch herrscht der Westwind 
vor. Im Januar ist nächst dem W der SW häufig. Während der West 
im Februar noch der häufigste Wind bleibt, tritt der NW mit dem SW in 
Konkurrenz und im März tritt zu diesen beiden noch der "NO hinzu. Im 
April geht SW wie W zurück und neben NO und NW wird häufiger. 
Vom Mai wird diese Entwickelung rückgängig. büsst zunächst an 
Vorkommen ein, dann im Juni NO zu Gunsten des NW. Gleichzeitig wird 
W häufiger. Im Juh wird unbedeutend; NW und nächst dem W auch 
SW treten hervor. Im August spielt schon wieder W die Hauptrolle, 
NW verliert, SW gewinnt Im September bis Dezember nimmt diese 
Entwickelung der westhchen und südlichen Winde ihren Fortgang und 
erreicht im Januar ihre grösste Ausbildung.***) 

Vielleicht am wesentlichsten für die Gestaltung des geschichtlichen 
Lebens im Ostseebecken ist die Gestaltung seiner Küste im Einzelnen 
gewesen. Die verhältnismässig reiche Gliederung des Küstenrandes durch 
teils scharf eingeschnittene, teils trompetenförmig erweiterte Flussmün- 
dungen, die Haff- und Lagunenbildung an einzelnen Teilen der Küste und 
besonders die Verteilung der Halbinseln und Inseln entlang der Küste 
und selten völlig getrennt von ihr hat verschiedene Möglichkeiten der 
Ansiedlung und Nutzbarmachung für den kriegerischen und friedhchen 
Verkehr geschaffen, die wie Hahnf) in seinem Schlusswort ausspricht mit 
grossem Verständnis, wenn auch vielleicht instinktivem benutzt sind. 

Eine ganze Reihe von Küstenflüssen und zwei grössere Stromsysteme 
ergiessen sich in die Ostsee. Beschränken wir uns liier auf den südlichen Teil, 
so tritt zuerst die Mecklenburger Bucht mit der in ihren westlichen Teil 
die Lübecker Bucht eingebetteten Travemündung hervor. Das Münduugs- 
becken der Trave nimmt die südwestliche Ecke der Ostsee ein, wo diese 
mehr als an einer anderen Stelle, sich trichterartig gegen das Flussgebiet 



*) 1. c. p. 169 ff. 
**) cf. 1. c. Tabelle p. 172. 
***) cf. Schaper, Klimatisches in: die Freie und Hansestadt Lübeck. Lübeck 
1890, p. 61. 

f) Hahn, in Forschungen z. d. L. u. VK. Bd. 1. 



11 

der Elbe uncl das westliche und südwestliche Deutschland hin aus- 
dehnt.*) Es ist darum eines der wichtigsten Eingangs- und Ausgangs- 
thore des Ostseeverkehrs. In diesem Winkel der lübischen Bucht trifft 
nicht nur die Hauptrichtungslinie der Ostsee den Zug des uralisch-balti- 
schen Landrückens senkrecht, sondern es findet auch in letzterem im 
Hintergrunde der Bucht eine allgemeine Senkung statt, welche sich fast 
über das ganze Niederschlagsgebiet der Trave und über die benachbarten 
Teile des Elbegebietes erstreckt. Die Trave hat in ihrem Mündungsbecken 
nicht ihren natürlichen Lauf, nicht ihre alte Sohle bewahren können. 
Sie ist schon seit der Mitte des 16. Jahrhunderts regelmässig ausgebaggert 
und durch die erste Stromregulierung von 1850—54 in ihrem Unterlaufe 
soweit abgekürzt, dass die Wasserentfernung von Lübeck bis Travemünde 
jetzt nur noch 23 km beträgt. Dadurch ist die Bedeutung Travemündes 
um ein Beträchtliches gesunken. Heute können fast alle heutigen Ostsee- 
dampfer die Stadt selbst erreichen und scheuen die Travefahrt nicht. 
Man hat dem Fahrwasser bisher schon eine Tiefe von 5,3 m im Minimum 
gegeben; angestrebt wird eine solche von 6 m.""*) Von Gothmund an 
beginnt, sie ihr ganzes Flussthal auszufüllen und sich föhrdeiiartig zu er- 
weitern; hier lagen die alten Kriegshäfen Lübecks, da die Orlogs- 
schiffe doch schon zu grossen Tiefgang besassen, um an die Stadt 
herankommen zu können.***) Die Gunst der Lage dieses Punktes, 
das von der Elbe bei Geesthacht nur 52 km entfernt ist, hat denn auch, 
besonders in Verbindung mit der oben erwähnten bedeutenden Senkung 
des Landrückens gerade in dieser Richtung früh zum Plan einer Kanal- 
verbindung mit der Elbe geführt. Von der Elbe bei Lauenburg tritt die 
Delvenau bis an die kurze Scheiteistrecke bei Mölln heran, die Stecknitz 
füllt von hier au die Senkung bis Lübeck aus, worauf dann die Trave 
das letzte Bindeglied in der Kette zwischen Nord- und Ostsee Avird. Schon 
in der Mitte des 14. Jahrhunderts ist dieser Plan ausgeführt.!) 

In der heutigen Form ist die Verbindung erst in den Jahren 1391 
bis 1398 hergestellt, ff) 1895 ist dann der Ausbau des modernen An- 
sprüchen an den Durchgangsverkehr entsprechenden neuen Elb -Trave- 
kanals auf derselben Route in Angrifl: genommen, ff f) 



*) Müller, Lage, Grenze und Grösse in : die freie und Hansestadt Lübeck. 
1890, p. 5 u. a. a. O. 

**) Segelhandbuch III., p. 49. 
***) Topogr. V. Lübeck, Müller, p. 14. 

f) Schäfer, die Hansestädte u. König Waldemar, p. 193, 201. Dagegen Brehmer 
in d. Mitteil. d. Vereins f. Lüb. Geschichte u. Altertumskunde I. Heft 4, 1883 p. 56 — 60. 
tt) cf. L. U. B. IV. 519, 1390. 
ttt) In den Jahren 1779 — 1789 Hess Hannover, welches damals Lauenburg besass, 



12 

Zu erwähnen ist hier noch ein Projekt, das allerdings seiner Anlage 
nach eigentlich in die Besprechung der Verhältnisse gehört, die dazu ge- 
führt haben, den internationalen Handel von der Ostsee abzulenken, dem 
Ostseehandel wenigstens Teile seiner Bedeutung zu nehmen. Von Ham- 
burg her tritt der Travesenke am nächsten das Gebiet der Alster. Das 
Alsterbassiu war der älteste Hafen Hamburgs, nicht die Elbe. Als Ham- 
burg kurz nach dein ersten Aufblühen der ozeanischen Seeschifffahrt 
durch einen für den atlantischen Handel gegenüber Lübeck stark begün- 
stigte westliche Lage Lübeck zu überflügeln drohte, entstand in den 20er 
Jahren des 16. Jahrhunderts das Projekt, die Alster durch die Beste mit 
der Trave zu verbinden. 1530 ist dieser Kanal fertig gestellt. Es zeigte 
sich aber bald, dass das Mittel nicht genügte, um Lübeck Hamburg kon- 
kurrenzfähig zu erhalten. Schon seit 1546 ist dieser zweite Kanal nicht 
mehr benutzt. *) 

Die Mündung der Trave in die Lübecker Bucht ist eine für mittel- 
alterliche Verhältnisse ausgezeichnete, indem das etwa 2,3 Seemeilen lange 
Steinriff nach Westen und Nordwesten hin einen Schutz gegen Dünung 
darstellte; gerade dieses ist aber den heutigen Ansprüchen an Fahswasser- 
tiefen äusserst hinderlich. Die Rhede von Travemünde ist eine der besten 
des ganzen Ostseegebietes.**) Sie hat 12 — 17 m Wasseitiefe. Das Seegat 
von Travemünde ist 152 m breit, die Fahrrinne 105 m. „Ausserhalb der 
Molen liegt eine Barre vor der Mündung, über die durch Baggerung eine 
Rinne von 90 m Breite und 6,3 m Tiefe offen gehalten wird. Durch 
Stürme aus NO kann die Tiefe im Seegat bis zu 0,5 m (?) vermindert 
werden, für die Wiederherstellung derselben bis auf 6,3 m wird in solchen 
Fällen so schnell als möglich gesorgt." Der Hafen ist etwa eine Seemeile 
lang und 100 — 125 m breit. Die Tiefe wechselt von 5,7 — 8,4 m. 

Das nächste wichtige Mündungsgebiet ist das der Warnow.***) An 



durch den Obersten Hogreve einen Verbesserungs-Plan ausarbeiten, der aber nur zum ge- 
ringen Teil, von 1799 — 1803 durch die Vertiefung der 8 km langen Scheitelstrecke zur 
Ausführung gelangte. Später richtete die französische Regierung von 1811 — 1812 ihre 
besondere Aufmerksamkeit auf diese Verbindung der Ostsee mit der Elbe. Der Stecknitz- 
kanal wurde zum Schlussglied einer grossen Wasserverbindung der Seine mit der 
Ostsee bestimmt. Die gesamte Verbindung sollte den Namen Canal de la Seine a la 
Baltique erhalten. (Franck, der Elbe-Trave-Kanal, Lübeck 1886, p. 5.) cf. Behrens, 
Topographie v. Lübeck, 2. Aufl. I, p. 38, 39 und Topographie des Stecknitzkanals 1818. 
Neuerdings Wohlwill in der Zeitschr. f. lüb. Gesch. u. Altertumsk. 1895 p. 290 ff. 
Die Projekte zur Verbesserung des Stecknitzkanals und die französischen Annexionen vom 
Dezember 1810. 

*) Müller, 1. c. p. 27. 
**) Segelhandbuch für die Ostsee HI. p. 45. 2. Aufl. 
***) Hahn, 1. c. p. 156. 



13 

der linken Seite ihrer Mündung liegt der Vorhafen Rostocks, Warnemüude. 
Die Stadt besitzt eine relativ gute Rhede von etwa 10 m Tiefe.*) Die 
Wassertiefe auf der Barre vor der Warnowmünduug beträgt 4,2 5 — 5 m. 
Der Hafen hat 2,2 — 5 m Tiefe. Den Hauptverkehr hatte in älterer und 
neuerer Zeit Rostock. Es ist mit Warnemüude durch den Lauf der 
Warnow verbunden. Diese hat augenblicklich 4 m Tiefe, hatte früher 
bedeutend weniger und soll künftig 4,7 5 m Tiefe erhalten. Der eigentliche 
Rostocker Hafen hat heute 3 — 4,5 m Tiefe. 

Noch früher als Lübeck hat Rostock es versucht, sich trotz der un- 
günstigen Wasserverhältnisse der Warnow seine Verbindung mit dem Meer 
zu erhalten und zu verbessern. Im Jahre 1288 erbot sich ein Rostocker 
Bürger, Rotger Hörn, die Warnow von Rostock bis Warnemünde auf eine 
Tiefe von 6 Ellen = 3,7 m zu bringen. Ob das Projekt zur Ausführung 
gekommen ist, erfahren wir nicht, höchst wahrscheinhch ist es.**) 

Das Hinterland Rostocks ist ein sehr kleines, besonders dadurch, 
weil es bisher keine Wasserverbindung mit der Elbe wie Lübeck besitzt. 

Der nächste Flusslauf von einiger Bedeutung ist der Rick, an dem 
Wiek und Greifswald gelegen sind. Die Wassertiefe wechselt von 3,9 m 
im Wieker bis 3 m im Greifswalder Hafen. Greifswald hat heute seine 
einstige Bedeutung als Ostseehafen völlig verloren. Es vermittelt nur 
noch den Verkehr mit dem östlichen Teil von Rügen.***) 

Den zweitgrössten Mündungstrichter der Ostsee besitzt die Oder. Er 
liegt im Hintergrund der pommerschen Bucht. Am innersten Punkt finden 
wh die grösste Stadt des Unterlaufs und Mündungsgebietes, Stettin. f) 
Seine Entfernung von der See, A^on der es besonders noch durch das Haff 
geschieden ist, ist sehr beträchtlich (68,5 km.) ff) 

In älterer Zeit kam der eigentliche Stettiner Hafen, der heute 5,5 m 
bis 6 m Tiefe besitzt, so gut wie gar nicht in Betracht. Die direkt an 
der Küste liegenden Städte zogen den Verkehr völlig an sich. Erst die 
Oderreguüerung und die wachsende Bedeutung Stettins als preussische 
Stadt haben den Handel nach Stettin selbst gelenkt. Früher waren 
Wollin imd Cammin an der Dievenow mit 0,5 m Wassertiefe die Oder- 
häfen. Beide kommen heute nicht mehr in Betracht. Auch der 2. Oderarm, 
die Peene, mit 2,5 m geringster Wassertiefe, — Wolgast hat allerdings 5 m 
Hafentiefe, — hat heute nur noch für den Lokalverkehr Bedeutung. Die 



*) Segelhandbuch III. p. 66. 
**) Schäfer, Hansestädte u. K. W. p. 199. 
***) Hahn, p. 155. 

t) Hahn, p. 152. 
tt) Segelhandbuch HI. p. 200. 



14 

eigentliche Odermüudung ist heute die Swine mit 5,7 m geringster Fahr- 
wassertiefe. Swiuemünde ist der Hafen, den diese Stelle hervorgebracht 
hat. Hahn sagt darüber ungemein treffend (pag. 153) : „Je weiter eine 
auf Seeverkehr angewiesene Stadt (wie Stettin) vom offenen Meer entfernt 
und je schwieriger der Wasserweg dorthin ist, desto grössere selbstständige 
Bedeutung wird der Vorhafen für sich in Anspruch nehmen können," 
So ist ai:ich Swinemünde, der eigentliche Vorhafen Stettins an der Swine, 
lebhaft emporgeblüht, allerdings nicht lediglich durch die Gunst seiner 
Lage, sondern voi-nehmlich durch die unablässige Thätigkeit der preussischeu 
Regierung.*) Swinemünde hat eine vorzügliche Rhede mit 10 m Wasser- 
tiefe und einen Hafen von bedeutender Grösse und Ausstattung, mit 7 bis 
19 m Wassertiefe.*"') 

Colbergermünde ist der nächste bedeutendste Hafenplatz der Küste. 
Ausser seiner Rhede von 12 m Tiefe hat er einen Hafen von 3,5 — 5 m 
Wassertiefe.***) Er wird gebildet durch die Mündung der Colbergermünde 
mit Colberg verbindenden Persaute, die vor den meisten Küstenfiüssen der 
Ostseeküste den grossen Vorzug hat, sehr spät und sogar selten, immer 
aber nur auf ganz kurze Zeit, zuzufrieren. 

Ausser Rügenwalde, Stolpmünde, Leba, Putzig und Heia, die nie von 
besonderer Bedeutung für die historische Entwickelung dieser Gegenden 
gewesen sind, hat keine nennenswerte Ansiedelung einen Platz gefunden 
bis wir in der Danziger Bucht eintreten. Die Weichselmündung mit dem 
ihr vorgelegenen Frischen Haff hat eine Reihe von Städten entstehen 
lassen, die bedeutend waren und bleiben müssen. Ein weites Hinterland 
dehnt sich hinter diesen Städten aus, wird ihnen durch die Weichsel er- 
schlossen. Danzig ist die wichtigste dieser Städte. Ebenso wie Stettin 
ist auch Danzig durch ein relativ langes (95 Seemeilen = 9,5 km) Fahr- 
wasser von der See geschieden. In der Differenz zwischen der Weichsel- 
fahrt und der bedeutend längeren Oderfahrt wird man den Grund für 
die geringere Bedeutung Neufahrwassers gegenüber Swinemünde zu suchen 
haben. Danzig bietet auf der ganzen Weichselstrecke bis Danzig Hafeu- 
anlagen, die Wassertiefen wechseln sehr stark, von 2,8 — 7,9 m.f) Wichtig 
ist der Vorhafen Weichselmünde wegen den starken Befestigungen, die 
den Eingang ins Weichselgebiet decken. Der Hafen von Neufahrwasser, 
Danzigs Vorhafen für Haudelszwecke, hat eine Rhede von 9 — 11 m Wasser- 



*) cf. P. Lehmann, Pommerns Küste von der Dievenow bis zum Darss. Breslau 
1878, p. 22, 23. 

**) Segelhandbuch III. 194. 
***) Segelhandbuch III, p. 227, 228. 
t) Segelhandbuch III. 271. 



15 

tiefe. Diese ist von den Hafenanlageu der Weichselfahrt durch eine Barre 
abgetrennt, die durch eine Baggerriuue von 7,5 m Tiefe gekreuzt wird. 
Kurz hinter Danzig wendet sich die Küste in leiser, allmählich stärker 
werdender Biegung nach Norden; es sind also gemäss der Begrenzung 
des Themas nur noch die übrigen Häfen des Frischen Haffes, Königsberg- 
Pillau, Elbing und Braunsberg zu erwähnen. 

In der EiD fahrt in das Frische Haff, an seiner Nord sei te, liegt Pillau 
an der Stelle, wo die Strömung regelmässig eine Wassertiefe von 6,6 m 
Tiefe in der Einfahrt offen hält. An das Seegat*) schliesst sich nach 
dem Haff zu das Seetief mit 7 ra Tiefe au; es öffnet sich frei nach der 
See und dem Haff ohne Barren. Das Fahrwasser von Pillau durch Haff 
und Pregel bis Königsberg hat 23,8 Seemeilen Länge = (44 km) und 
4 — 5,5 m geringste Tiefen.**) Der Pregel selbst, an dem Königsberg liegt, 
erschliesst der Stadt allerdings nur ein kleines Hinterland, ein Nachteil, 
der aber durch die Grenzlage der Stadt und ihre Landverbindungen nach 
Westen und Osten gemildert wird. Elbing und Braunsberg stehen weit 
hinter Königsberg in der Gunst der Lage zurück. Nur Schiffe von 3 m 
Tiefgang können Elbing erreichen, Braunsberg bietet sogar nur für solche 
von höchstens 2,3 m die Möglichkeit der Annäherung. 

Nur im weiteren Sinne könnte man das Kurische Haff mit Memel 
und Tilsit der Südküste der Ostsee zurechnen. Ein Gemeinsames tritt bei 
der Betrachtung der Häfen der südlichen Ostseeküsten, — und auf diese wird 
sich eine Darstellung, die die geographischen Grundlagen der historischen 
Entwickelung und ihre Ausnützung im Laufe der Geschichte auseinander 
setzen will, billig beschränken können, — deutlich hervor. Diese Häfen 
bilden einen Typus der Hafenanlagen, der den Flachküsten eigentümlich ist. 
Die Städte liegen, dem ursprünglichen Schutzbedürfnis folgend, entweder 
im Hintergrunde tief in das Land einschneidender Buchten oder, und das 
ist das gewöhnlichste, an der Stelle des Unterlaufs kleiner Küstenflüsse, 
die noch von Seeschiffen des frühen Mittelalters zu erreichen waren. Fast 
alle Häfen, die im Mittelalter Bedeutung gewonnen haben, besitzen, wie die 
obige Zusammenstellung zeigt, selbst für massige Ansprüche unserer Zeit 
keine genügenden Tiefen. Kunst hat früher oder später hier die Mängel der 
Natur ausgleichen müssen. Es würde demnach übertrieben sein, wenn 
man die Gründe für die historische Differenzierung in der Entwickelung 
der einzelnen Küstenstrecken für die ersten Perioden aus dem eben behan- 
delten geographischen Detail nehmen wollte. Zweifellos liegen aber in ihm 



*) Segelhandbuch lU. 280. 
*) Segelhandbuch III. 288. 



16 

viele Ursachen für die verschiedenartige Entwickehmg der einzelnen Städte 
in späterer Zeit, als durch kunstmässige Behandlung der natürlichen Gunst 
oder Ungunst der Lage der Mensch immer mehr gelernt hatte, die Natur 
seinen Zwecken dienstbar zu machen. Es zeigt sich auch hier, dass geogra- 
phische Gegebenlieiten zwar den Einschlag zum Gewebe der künftigen 
Entwickelung geben, dass aber der schliessliche Erfolg, das Bild, wie es 
sich uns heute darstellt, seine charakteristischen Züge von Menschenhand 
erhalten hat. So ist der politische Wert einer Ortslage nicht konstant. 
Denn er ist nicht allein durch die geographischen Gegebenheiten bedingt, 
sondern hängt auch von andern Einflüssen ab. Das zeigt klar das 
Schwanken in der Bedeutung, das Handelsstädte wie Lübeck, Brügge, 
Antwerpen, Lissabon, Sevilla und Venedig erlebt haben. 

Von der grössten Bedeutung für das Verständnis des Ostseegebiets 
ist die Thatsache der Inselbesetzung dieses Meeresteils.*) Mit Ausnahme 
von Bornholm und Gothlaud handelt es sich um eine Reihe von Küsten- 
inseln, teilweise sogar solchen, die nicht eigentlich dem Meere, sondern 
Flussmündungen angehören. Die Landbrücke zwischen der jütischen 
Halbinsel und Skandinavien bildet die Reihe der dänischen Inseln mit 
Alsen. Die Ausmündung der Ostsee ins atlantische Meer wird durch das 
mit seinen parallelen Ufern einer Strommündung ähnelnde Kattegat ge- 
bildet. In seinem südlichen Teil hegen die dänischen Inseln. Drei Ausgänge 
hat sich zwischen ihnen das Meer offen gehalten, den Sund und die beiden 
Belte. Man kann, ohne der lokalen Bedeutung des kleinen Belts zu nahe 
zu treten, von zwei Hauptstrassen sprechen, die die Gliederung dieser Insel- 
gTuppe wesentlich bedingen, Belt und Sund. Bei weitem überragt der 
Sund den Belt an Bedeutung als Strasse des Verkehrs (cf. oben.) Der 
Belt scheidet die dänischen Inseln in zwei Gruppen, die sich an die Haupt- 
inseln Seeland und Fünen anschliessen. Am engsten verbunden mit See- 
land sind Amager und Saltholm, die Sundinseln. Zwischen beiden hin- 
durch, am nächsten der dänischen Seite, geht das Fahrwasser des südlichen 
Sundes. Auf Amager selbst greift noch Kopenhagen über. Zur see- 
ländischen Gruppe gehören ferner Falster und Moen. Mit der Ost- 
spitze Moens greift Dänemark am weitesten nach Osten in der Richtung 

*) Eatzel, Pol. Geographie p. 578, 579. Der politische Wert der Inseln ist nicht 
nach dem Eaum zu schätzen. Wichtiger als der Raum der Inseln ist ihre Lage zu 
ihrem Lande oder zu Nachbarländern. ... In dem engen Eaum der Ostsee liegen die 
deutschen Inseln alle sehr wichtigen Punkten gegenüber. Alsen, Fehmarn und Rügen 
haben das Gemeinsame, dass sie vor Halbinseln liegen wie abgelöste Trümmer. . . . 
Auf dem Wege über Rügen hat Schweden in Deutschland eingegriffen und Pommern 
erworben und über Fünen führt der AVeg von den dänischen Inseln nach Süd-Holstein. 
Die Unterwerfung Alsens hat andererseits die Losreissung Schleswig-Holsteins von 
Dänemark besiegelt. 



17 

auf Bornholm aus; mit dem Südeude Falsters uäliert sieh das Inselreich 
seinem liontinentalen Nachbar Deutschland in Gjedser-Odde auf wenige 
Stunden Entfernung; Seeland schlägt die Brücke über das Südende des 
Fahrwassers des Belt nach Fehmaru, der hier nördlichsten Küsteninsel 
Holsteins. 

Um Fünen gruppieren sich die kleinen Inseln Laugeland, Arö, Alseu 
und Barsö. Alsen hat Preussen in blutigem Ringen erworben, es ist der 
erste Schritt auf der dänischen Inselbrücke. 

Lang legt sich Fünen an die deutsche Küste und greift noch über 
diese an festländisch dänisches Gebiet hinüber, bis es bei Fridericia fast 
den Küstensaum des Festlandes berührt, das Fahrwasser auf kurze Strecken 
fast den Charakter eines Flusses annehmen lässt. 

Den Mittelpunkt ' des dänischen Archipels hat immer Seeland gebildet. 
Nicht allein wegen seiner die andern Inseln überragenden Grösse — Fünen 
kommt ihm beinahe gleich — sondern wegen seiner besonders bevor- 
zugten Lage und der dadurch bedingten verhältnismässig stärkeren Bevöl- 
kerung. Staaten, deren Gebiet sich aus kontinentalem Areal und Inseln 
zusammensetzt, zeigen gewöhnlich eine verhältnismässig stärkere Bevöl- 
kerung auf dem insularen Teil. So fallen z. B. heute 57 % der Bevölkerung 
Dänemarks auf seine Inseln, trotzdem der Raum derselben nur 36,12 % 
der Gesamtfläche des Reichs ausmacht. Bei der seemässigen Milde des 
Klimas ist der Flachboden, der auf allen Inseln mit Ausnahme Moens 
weit überwiegt, grösstenteils als Feld, Wiese und Weide benutzt; schöne 
Buchenwälder liefern reiche Erträge. Einen Vorteil hat aber Seeland, 
besonders seine Ostküste, vor allen voraus, die Lage am Sunde. Schon 
früh ist die Beherrschung des Sundes der Angelpunkt der dänischen 
PolitiK: gewesen, er ist es immer geblieben und noch heute, wo Deutsch- 
land den Versuch wagt, Dänemark durch die Schaffung des Nord-Ostsee- 
kanals aus dieser Stellung zu verdrängen, strebt Dänemark in zeitgemässerer 
Weise als durch eventuelle Sperrung des Sundes durch die Anlage eines 
Freihafens und möglichste Erweiterung von Handel und Schifffahrt den 
Schlag, der seiner Sundstellung zugefügt werden soll, zu parieren, (cf. unten.) 
Bodenbeschaffenheit und Lage der dänischen Länder bedingen, dass Acker- 
bau, Schifffahrt und Rhederei die natürliche Grundlage der Existenz der 
Bevölkerung bilden. 

Der dänischen Monarchie wird heute noch Bornholm zugerechnet. 
Zwischen Sandhamar, der Südostspitze Schwedens, und Arkona, etwas 
nach Osten verschoben, erhebt sich diese Feiseninsel. Aus Graniten ist sie 
aufgebaut. Ursprünglich war sie wegen ihrer Lage, besonders weil die 
Rhede von Rönne Schutz vor den Nordostseestürmeu bot, eine Station der 

2 



18 

Fahrt der Däuen und Deutschen nach Osten. Mit den Fortschritten der 
Navigation schwand dieser Beruf iBehr und mehr. Heute hat Bornhohn 
nicht Adel Bedeutung.*) 

Eine Eeihe von Küsteninsehi, die grösstenteils zweifellos durch Sen- 
kung der Küste entstanden sind, zieht sich an der deutschen Küste hin. 
Auf Alsen, Fünen teilweise parallel, ist schon oben hingewiesen. Die 
nächste bedeutende Insel ist Fehmarn. Sie war früher eine waldige Insel, 
jetzt ist sie völlig kahl, aber ungemein bedeutend durch die hohe Blüte 
von Ackerbau und Viehzucht. Von der weit vorspringenden wagrischen 
Halbinsel ist sie durch den Fehmarnsund, ein gefährliches Fahrwasser, 
getrennt. Mit ihr zusammen wird sie früher die eine der beiden südlichen 
Halbinseln der Ostsee gebildet haben, wie Vorpommern mit Darss, Ziugst 
und Rügen die zweite. Die grösste und schönste deutsche Insel ist Rügen. 
Von ihr werden durch den von Nordwest eindringenden Jasmunder Bodden 
zwei nur durch eine schmale Landzunge mit einander verbundene Halb- 
inseln abgetrennt, die Halbinsel Wittow mit Arkoua und Jasmund mit 
den Kreidefelsen der Stubbenkammer. 

Nicht mehr als wahre Meerinselu aufzufassen sind die der Mündung 
der Oder vorgelagerten und das Oder-Haff abschliessenden Inseln Usedom 
und Wollin. Sie gehören eigenthch noch völlig dem Festlande und 
Stromgebiet der Oder au. Durch die Swine sind sie von einander, durch 
Peene und Divenow von der Haffküste losgelöst. 

Es erübrigt noch, einen Blick auf Oesel und Gothland zu werfen. 
Das an der schwedischen Küste lang hingestreckte Oesel hat niemals die 
selbstständige Bedeutung gehabt, wie das mitten in der Ostsee fast im 
Winkel der West-Ost- und Nord-Süd- Axen der Ostsee gelegene Gothland. 

Von allen" Küsten gleich nahe und fern ist es Gothland lange ge- 
lungen, den Mittelpunkt eines internationalen Verkehrs zu bilden, eine 
lange unangreifbare Stütze fand es in seiner insularen Stellung. Sie ge- 
währte den in jener Zeit unentbehrlichen Schutz vor räuberischen An- 
griffen, sie bot einen willkommenen Rastplatz auf der langen Meerfahrt 
von Westen nach Osten.**) 

Im ersten Teil dieser Bemerkungen ist darauf hingewiesen, dass von 
rein geographischem Staudpunkt aus neben einer Reihe von Verschieden- 
heiten, die ihren Grund in erster Linie in der Erstreckuug des Ostsee- 
beckens hauptsächlich von Norden nach Süden haben, sich eine Anzahl 

*) Ratzel, p. 577. Bornholms Lage zwischen Karlskrona und Rügen hat viel von 
ihrer Bedeutung für die Beherrschung der Verbindungen zwischen Schweden und Dane- 
mark mit dem politischen Zurücktreten Dänemarks und Schwedens und damit über- 
haupt an Wert verloren. 

**) cf. H. R. IV. 43ö. § 6. 15. 1398. Febr. 22. 



19 

von Thatsachen finden, die eine Zusammenfassung des Lebens in diesem 
Gebiet ermögliclit haben. Neben den einigenden Momenten haben sich 
aber auch Verschiedenheiten ergeben, hauptsächhch die Eigenschaft der 
Ostsee als Binnenmeer hat es bewirkt, dass man gezwungen ist, die Lebens- 
erscheinungen dieses Beckens als in sich geschlossen anzusehen. Bei der 
historischen Betrachtung wird sich herausstellen, dass die Elemente, die 
rein geographische Verschiedenheiten darstellen, auch historische Ab- 
weichungen gezeitigt haben, wie die verbindenden Elemente in der physi- 
kalischen Beschaffenheit auch im Leben der anwohnenden Völker die 
Ursache zu Vereinigungen und Gleichheiten der Entwickelung gewesen sind. 

Das ganze Ostseebeckeu ist im ethnographischen Sinne ein Boden 
alter Kultur. Wir kennen in unserer Überlieferung keine Periode, in der 
wir nicht irgend einen Grad von Kultur an seinen Gestaden nachweisen 
können. Von den Einflüssen der Kultur, die wir uns gewöhnt haben, als 
die massgebende zu bezeichnen, der griechisch-römisch-germanischen, ist 
dieses Gebiet erst spät berührt. Nur mit deren Einflüssen hat aber unsere 
historische Betrachtung zu thuu. In diesem, dem historischen Sinn, ist 
das Ostseebecken ein Kolonialgebiet, ein Gebiet, auf dem eine ältere höhere 
Kultur in lebhafter Invasion auf eine noch zur selben Zeit bestehende, 
im Sinne dieser älteren Kultur unreife, getroffen ist und sie teils vernichtet, 
teils mit überraschender Schnelligkeit, die nicht aus Momenten der inneren 
Bewegung erfolgte, umgebildet hat. Auf diesem gewaltsamen Wege ist die 
Kultur des Ostseebeckens im Mittelalter, etwa seit dem 12. Jahrhundert, 
eine gleichartige geworden. Das Meer hat die angrenzenden Teile zu 
einem geschlossenen Kulturganzen geeinigt. 

Eine weitere LTrsache der Einheit der Kultur des Ostseebeckens ist 
die ethnographische Zusammengehörigkeit der Stämme, die die Küsten 
derselben bewohnen.*) Man kaim im grossen und ganzen wohl sagen, 
dass es allein Germanen siud, Nord-Germanen (Skandinavier und Dänen) 
und Süd-Germanen (Deutsche) die der Bewohnerschaft der Küsten ihren 
Charakter aufgeprägt haben. Besonders kulturlich aktiv sind im Ostsee- 
becken nur die Germanen gewesen. Von den Finnen und den erst spät 
in das Licht der Geschichte eintretenden Russen ist das nicht zu behaupten. 
Sie sind den Segnungen deutscher Kultur des Mittelalters, ja noch der 



*) E. Kapp, vergleichende Erdkunde p. 409. „Schon bald von Beginn des Mittel- 
alters an erscheint die Ostsee als eine die Völker gemeinsamer Abstammung vereini- 
gende physische Macht, und hat dieselbe fast durch alle Zeiten hindurch bewahrt." 
„Sie hinderte die Zerstreuung einer stammverwandten Bevölkerung, indem von ihr, als 
einem grossen geschlossenen Meerbusen, bindende und vermittelnde Wirkungen aus- 
gingen." p. 410. 

2* 



20 

Neuzeit teilhaftig geworden, ohne aus ihrer Passivität herauszugehen. 
Sie liaben sich rein rezeptiv verhalten, bis erst in unserem Jahrhundert 
mit dem Auftreten des Panslavismus ein aktives Vorgehen Russlands auch 
in kultureller Beziehung zu verzeichnen ist, dem das 18. Jahrhundert die 
politische Grundlage erworben hatte. 

An dieser Stelle wird es nötig sein, auf die Momente hinzuweisen, 
die Verschiedenheiten der Entwickeluug in diesem Gebiet bewirkt haben. 
Die klimatischen Unterschiede zwischen Süd- und Nordküste, die engere 
Verbindung der südlichen mit dem Lande der älteren und reicheren 
Kultur, mit West-Deutschland, haben es bewirkt, dass zuerst der Süden des 
Beckens kolonisiert worden ist, ja dass er weit eher bekannt wurde, als der 
unwirtliche Norden. So ist es gekommen, dass bei einer Betrachtung, die 
nicht mit grossen Zeiträumen, sondern kleineren, historisch fassbaren 
rechnet, es sich herausstellt, dass der Süden im Einzelnen in demselben Ver- 
hältnis zum Norden steht, wie das ganze Gebiet zum Westen Deutschlands. 
Der nördliche Teil des Ostseebeckens ist vom südlichen kolonisiert, ja 
teilweise erst entdeckt worden. 

Es ist interessant, sich diese Tliatsache durch eine Betrachtung der alten Karten- 
bilder der Ostsee und einiger uns erhaltenen Notizen über die Beschaffenheit der an- 
grenzenden Küsten klar zu machen. Wir besitzen eine Reihe alter Weltkarten, auf 
denen man das allmähliche Einrücken des Ostseegebietes in die bekannte Welt ver- 
folgen kann.*) 

In der ältesten Zeit herrscht grosse Unklarheit über die Beschaffen- 
heit des Nordens von Europa. Bei Dinaiarch**) streckt sich die jütische 
Halbinsel als Zunge nach Norden. Von Schweden ist ein vager südlicher 
Umriss vorhanden, nach Norden zu verschwimmt aller Kontur. Die däni- 
schen Inseln fehlen. Namen sind unbekannt. Nicht viel besser ist es bei 
Eratosthenes und Hipparch.***) Den Wissensstand des Ptolemaeusf) 
giebt im ganzen die erste, nicht antike Karte, die wir besitzen, eine 
angelsächsische des 10. Jahrhunderts, wieder, ff) Es ist die sogenannte 
Struttsche Karte. Sie hat die dänischen Inseln; die jütische Halbinsel 
selbst ist weit massiver gezeichnet als früher; Schweden, das ver- 
sehentlich Island genannt ist, hat eine Nordküste erhalten, ist aber als 



*) Material liegt vor im sogen. Miltenberger Fragment, ediert von M. Toeppen 
in Hans. Gesch. -Blätter IV., 1880/81 „über einige alte Kartenbilder der Ostsee" und 
besonders im Atlas dressi§ pour 1' histoire de la g^ographie et des d^couvertes göogra- 
phiques depuis les temps les plus reculös jusqu'ä noB jours par M. Vivien de Saint 
Martin. Paris Hachette 1874. 
**) PI. II und IV. 
***) PI. II, V und VI. 

t) PI. n, VII. 
tt) PI- VI, IL 



21 

Insel gezeichnet. Die Ostsee öffnet sich demgemäss gegen das nördhche 
Eismeer; die östlichen und nördhchen Ostseeküsteu sind noch völlig un- 
bekannt. Einen ganz bedeutenden Fortschritt in der Kenntnis dieser 
Gegenden zeigt die Schilderung Adams von Bremen in seiner Kirchen- 
geschichte des Erzbistums Bremen.*) 

Adam kennt die Eider, die Schlei, die nördhche Erstreckung Jütlands 
bis zum Ottensund. Er giebt die Entfernung von diesem bis nach Schles- 
wig auf 5 — 7 Tagereisen an. Er kennt Schleswig, Ripen und Aarhus als 
bedeutende Handelsstädte, unterscheidet sogar zwischen den verschiedenen 
Handelsgebieten dieser drei Emporien, indem er Schleswig den Handel 
mit den Slavengebieten der südlichen Ostseeküste (Slavavia) und Schweden, 
Samland und dem anschliessenden Überlandhandel nach Griechenland, 
(p. 368), Eipen den Handel mit Friesland, West- Sachsen und England, 
Aarhus den mit Seeland, Fünen, Schonen und Norwegen zuweist. Er 
kennt Helgoland, (Farriam Insulam, quae in ostio fluminis Albiae longo 
recessu latet, in oceano primum repperisse . . . ut Heiligland dicatur: 
Hanc in vita sancti Willebrordi Forsetisland appellari discimus, quae sita 
est in confinio Danorum et Fresonum.) Odense auf Fünen ist üim als 
Bischofssitz bekannt. Seeland liege östlich von Fünen, etwa gleich weit 
von Odense und Aarhus. Sie sei die grösste der dänischen Inseln. Die 
Hauptstadt sei Roeschild. Lund liegt an der Küste von Schonen, die 
kürzeste Überfahrt nach Schonen liege bei Helsingborg. Schonen wird 
folgendermassen beschrieben: Sconia est pars ultima Daniae, fere insula, 
undique enim cincta est mari, praeter unum terrae brachium, c[uod 
ab Oriente continens Sueoniam distermiant a Dania. Die Ostsee nennt Adam 
sinus Balticus oder mare Barbarum oder Scythicum, sie erstrecke sich von 
Westen nach Osten. Die Nordsee ist ihm Oeeanus Britanniens oder occi- 
dentalis. Er giebt an, man könne von ihr weiter fahren nach Ostrogard 
in Russland (Adam, lib. II, 15 — 20.) An Flüssen Nord-Deutschlands führt 
Adam die Peene an, bis zu der die Slaven sitzen sollen, von der Oder 
östlich wohnen Pommern. An sie schliesst bis zur Grenze Russlands das 
Polenreich an. Die östliche Ostseeküste sei das Land der Winuler, die zu 
Russland gerechnet würden. An der nördlichen Ostseeküste wohnen 
Suedi, die Lage dieser Küste vermutet er als westöstlich. Sechzehn Inseln sind 
Adam bekannt, Vensyssel, Morsoe, Tisted, Samsoe, Fünen, Seeland, Sprö- 
goe, Bornholm, Moen, Imbra (?), Falster, Laland, Langland. Kurland und 
Esthland werden als Inseln unter schwedischer Herrschaft bezeichnet. 



*) Adami gesta Hammaburg. eccles. Pontific. ed. Lappenberg. Mg. SS. VII 
p. 367 ff. lib. V. Descriptio insularum aquilonis. cf. Wattenbach II, 72 — 74. 



22 

Weiter kennt er Fehinarn, Rügen und Samland. Von dem Innern 
Schwedens und Norwegens kennt er nur Birka und Drontheim. 

Das Weltbild des Edrisi von 1154*) zeigt uns eine geringe Zunahme 
an Kenntnis gegenüber der Struttschen Karte. Auch hier ist, "soviel sich 
aus der ungenügenden Reproduktion ersehen lässt, Dänemark und Skan- 
dinavien in eine Reihe von Inseln zerlegt, die der Ostsee zu ungehinderter 
Verbindung mit dem Eismeer verhelfen. Geblieben ist auch die über- 
triebene Dehnung der westöstlichen Axe der Ostsee gegenüber ihrer nord- 
südlichen Hauptaxe. 

Von grösserem Interesse ist eine Segelanweisung des 13. Jahr- 
hunderts.**) 

Interessant ist, dass die uavigatio nicht den Irrtum der Karten teilt, 
dass die Küste Schwedens von Falsterbo bis Stockholm westöstlich verlaufe. 
Sie sagt vielmehr ganz richtig: notandum, quod processus de utlengi 
versus arnholm magis habet se ad aqui lonem quam ad orientem. 

Weitere Fortschritte bringt die Karte des Marino Sanuto von 1320.***) 
Hier taucht zuerst die Gewissheit auf, dass die Ostsee ein Binnenmeer sei. 
Von besonderem Interesse ist die hier vertretene Auffassung, dass die 
Hauptaxe der Ostsee die nord-südliche sei. Sanuto hat das sogar übertrieben. 

In dieser Beziehung bedeutet die folgende kartographische Darstellung 
in der katalonischen Weltkarte von 1875 t) einen Rückschritt. 

Im grossen und ganzen ist allerdings die Zeichnung des Ostseebeijkens 
richtiger als früher. 



*) Peschel, Gesch. d. Erdkunde, p. 144. 
**; Navigatio es Dania per mare Balthicum ad Estoniam (circa 1270) bei Lange- 
bek Scriptores rerum Danicarum V. p. 622 ff. Leider giebt es keine moderne Ausgabe 
der kleinen Schrift, und mir ist es unmöglich, alle Einzelheiten zu erklären. Die Ent- 
fernungen sind nach ükaesio =: Uggesoe (Langebek: =; Seemeilen) angegeben, z. B. 
von Utlengi, einer kleinen Insel an der Küste von Blekingen in der Gegend von 
Kristianstad bis Calmar 10 Seemeilen (de Utlengi usque Calmarne X ukaesio.) — Schon 
in dieser Zeit finden wir nicht allein Küstenschifftalirt, sondern es wurde auch die 
Fahrt aufs hohe Meer nicht gescheut, z. B. E Arnholm trans mare aland usque lyne- 

betae multe jacent insule fyghelde nomine et notandum, quod de arnholm 

usque lynaebetae itur medio inter orientem et aquilonem et si prosper est ventus ab 
occid.ente, potest veliücari directa linea de arnholm usque bangethe (Hangö in Finn- 
land) et de bangethe que finnice dicitur cumiupo usque lowicsud II ... . praeterea 
notandum est, quod si placet, potest velificari de bangethe usque hothensholm (Odens- 
holm) cum vento aquilonie versus australem plagam et orientalem. 

***) PL VI u. 3. cf. auch die Ausgabe LeIeAvels bei Peschel, Geschichte der Erd- 
kunde, p. 210. 

t) Mapamondi vol Dir aytant con ymage del Mone de les Eegions que son sus 
la terra e de diversas maneras de gens que an ela habitan. ed. L. Kraatz Berlin (Um- 
druck). Sie stammt aus Mallorca. 



23 

Die Nordküste Deutschlands, welche doch in Wirklichkeit im ganzen 
unter demselben Parallel verläuft, ist von dem Catalanen in der Mitte in 
auffallender Weise gebrochen, so dass der eine Teil derselben, der Ost- 
küste Dänemarks gegenüber, in der Riclitung nach Nord-Nord-Osten, i'ast 
nach Norden emporsteigt, und nur die andere Hälfte in der wirklichen 
Richtung ostwärts sich hinzieht. Dänemark ist verhältnismässig gross und 
mit stumpfer Nordküste gezeichnet. Die Südküsten von Norwegen und 
Schweden sind sehr lang von Westen nach Osten hingedehnt, und liegen 
in ihrem westhchen Teile ganz nahe an der Nordküste Schottlands, in 
ihrem mittleren Teil ebenso nahe an der, Nordküste Dänemarks, endhch 
in ihrem östlichen Teil, etwa bei Bornholm, ebenso nahe vu der Nordküste 
Deutschlands, wo diese gebrochen ist. Die Hauptinseln Dänemarks liegen 
nicht östlich, sondern nördlich vom dänischen Festlande. Der östliche 
Teil der Ostsee, welcher mit dem westlichen nur durch einen schmalen 
Meeresarm bei Bornholm zusammenhängt, ist im Norden nicht geschlossen 
gezeichnet, da auf der Westseite nur ein massiger Teil der nach Norden 
aufsteigenden Küste Schwedens, im Osten ein ebenso massiger der russi- 
schen von der Karte noch eingefasst ist; selbst die Nordspitze der Insel 
Gothland hat auf der Karte keine Berücksichtiguug gefunden.*) Auf 
dieser Zeichnung findet sich zuerst eine Anzahl von Namen, die in der 
Geschichte schon dieser Zeit von Bedeutung geworden waren : Berge (Bregis), 
Marstrand (Mastranto), Skanör (Scanor), Dasia, Wiborg (Vibor), Ripen 
(Ripis), Wismar (Vismarse), Rostock (Roystock), Greifswald (Grisvaldis), 
Colberg, Stettin (Stetin), Heia (Alech), Danzig (Godanse), Prutenia, Liv- 
land (Litefanie Paganis), Rivalia, Riga, Seeland (Salendia), Fünen (Finonia), 
Langland, Rügen (Ruya), Vsby, Oesel (Oxilia). Die Ostsee selbst ist als 
mar de Laman}''a, der östliche Teil als mar de Gotilandia bezeichnet **) 

In etwa die gleiche Zeit wie die katalonische Weltkarte, gehört das 
sogenannte Seebuch ***) Es enthält Segelanweisungen, die die Ostseeküsten 



*) Toeppen, Hans. Geschbl. 1880/81, IV. über einige alte Kartenbilder der Ostsee. 
**) A questa mar es appellada Mar de Lamanya o mar de Gotlaudia e de Sasia, 
e sapiats, que a questa mar es congelada VI meses de l'ayn axi fort, que hom post 
avar per esta mar ab carres de bous da quel temporal per la fredor de la tramontana. 
— Die Cistercienser haben die Ostsee als stagnum bezeichnet, cf. Hans. Geschbl. 1884 
p. 42 u. 8. 1886 p. 159. Meckl. IIB. IX. 6564. Korner chronica novella 1364. Feit 
Glossar z. Hans. ÜB. IH. p. 574. 

***) Das Seebuch von Karl Koppmann mit einer nautischen Einleitung von Arthur 
Breusing, mit Glossar von Chr. Walther. Bremen 1876. 1. Bd. der niederdeutschen 
Denkmäler, cf. besonders XII, 1 — 50 p. XXIX — XXXII, und pag. 51 — 56. Es ist in 
der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstanden. Die beiden niederdeutschen 
Kezensionen stammen aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. 



24 

bis zum finnischen Meerbusen nördlich, die ganze Südküste und die des 
Kattegats bis Marstraud umfassen. Im allgemeinen zeigt sie nicht viel 
bedeutendere Kenntnisse als die navigatio des 13. Jahrhunderts. Wichtig 
ist nur, dass das Seebuch Wisby und Gothland, das die navigatio noch 
als Zentralpuukt des Ostseehandels behandelt hatte, nur noch nebenher 
erwähnt. Wisby hatte eben im 14. Jahrhundert seine beherrschende 
Stellung schon verloren. 

Im engen Zusammenhang mit der katalonischen Weltkarte steht das 
aus ihr abgeleitete Miltenberger Fragment.*) Die Ostsee zerfällt auch hier 
durch die Verengung bei Bornholm in ein westliches nur teilweise dar- 
gestelltes, und ein östliches vollständig gezeichnetes Bassin; die Nordküste 
Deutschlands ist auch hier in der Gegend von Bornholm gebrochen. 
Gothland ist auffällig verzeichnet und mit äusserst zackigem Küstenumriss 
versehen. Die Hauptaxe des östlichen Ostseebeckens verläuft wie 
früher von West nach Ost. Ausser den schon auf der katalonischen Karte 
vorhandenen Namen tritt hier zuerst die neue Kolonie Lübecks, Elbing 
auf. Lübeck selbst fehlt auch auf dem Miltenberger Fragment noch. 
An Stelle des Litefanie Paganis finden wir Raitlanda Paganorum ver- 
schrieben aus Curlanda paganorum und Retzinia Paganorum = Lituania 
Paganorum. Riga und Reval waren 1375 noch in falscher, im Fragment 
sind sie in richtiger Reihenfolge eingetragen. Lund und Stockholm kommen 
in ihm zuerst vor. 

Interessante Erweiterungen des Wissens über die Gestalt der Ostsee 
zeigt die Karte des Claudius Clavius von 1427.**) Sie zeigt deutlich wie 
mit der fortschreitenden Kolon isierung des europäischen Nordens die Be- 
kanntschaft mit diesen Örtlichkeiten auch im Süden wächst. Da andere 
Mittel fehlen, wird es gestattet sein, die uns so überlieferte mangelhafte 
Kunde auch als Zeichen für die Kulturfortschritte ira Norden zu benutzen. 
Clavius braucht zuerst den Namen Beltes für die neben Seeland und 
Fünen hinführenden Meeresstrasseu. An neuen Namen bringt Clavius 
Slesuig, Tunsberg, Halandi, Helsingborg, Ystedh. Bei ihm ist die Ostsee 
nach Norden soweit abgeschlossen, dass sie nur noch durch einen schmalen 
Wasserzug mit dem Schweden nördlich begrenzenden Meer (mare quietum) 
in Verbindung steht. Erst in der Ptolemaeusausgabe von 1482 ist die 
vollständige Abtrennung von Ostsee und Eismeer vollzogen; 1482 tritt zuerst 
die Unterscheidung des finnischen vom bottnischen Meerbusen auf.***) 



*) Toeppen 1. c. 

*) Nordalb. Studien I. Waitz, pag. 175—190. 

*) jMappaniondi di Fra Mauro 1459, Venezia ed. Kiepert 1879. 



25 

Wenige Fortschritte zeigt die Karte des Andrea Bianco von 1436 
in unseren Gegenden. Wichtiger ist die Kunde, die uns die Karte der 
Frau Mauro aus Venedig von 1459 erschliesst. Skandinavien ist hier 
eine grosse Halbinsel geworden, der nördliche Teil der Ostsee ist fast 
völlig richtig orientiert, der südwestliche zieht sich noch immer zu weit 
in dieser Eichtung ins Land hinein. Jütland ist hier wieder zur Insel 
geworden, die dänischen Inseln sind in grosser Zahl verzeichnet und liegen 
zerstreut im ganzen Kattegat und Skagerrack. Seeland und Füneu (Solant 
und Feni) sind weit nach Nordwest verschoben. Hier zuerst tritt der 
Name Lobego für Lübeck auf. 

Einen auffallenden Rückschritt bezeichnet die Karte des Juan de la 
Cosa von 1500. Sie ist offenbar mit ganz ungenügender Kenntnis des 
europäischen Nordens gearbeitet, sie enthält keinen einzigen richtigen 
Namen. 

Überhaupt nimmt im Zeitalter der Entdeckungen die Kenntnis dieser 
Gegenden ganz bedeutend bei den Südeuropäern ab. Das zeigen höchst 
auffällig die Karten des Hernan Colon von 1527, die ungefähr auf dem 
Standpunkt des Sanuto von 1320 steht. Auf der Höhe steht erst wieder 
der Atlas des Ortelius von 1537. 

Zweierlei ergiebt sich aus dieser Darlegung mit voller Sicher- 
heit. Äusserst langsam sind die einzelnen Teile des Ostseebeckens in das 
Licht der Geschichte eingetreten. Nur ganz allmählich verbreitet sich 
die Kenntnis seiner Umrisse. Zwar sind uns unsere Nachrichten über 
den Fortgang dieser Kolonisation nur aus zweiter Hand, von Leuten über- 
mittelt, die dem Gang der Dinge fern standen, von Itahenern und Spaniern. 
Sehr viel unklarer werden aber sie, als die besten Seefahrer des frühen 
Mittelalters, nicht über die Beschaffenheit dieser Gebiete gewesen sein, als 
die Anwohner, wenn auch zuzugeben ist, dass diese Gebiete, trotzdem 
sich im Ostseebeckeu seit 1200 ein lebhafter Verkehr entwickelt hatte, 
abgeschlossen von der politischen Entwickelung der Dinge im übrigen 
Deutschland und in Südeuropa, der Weltbühne jener Zeit, gewesen sind.*) 

Nachdem die natürliche Beschaffenheit der südlichen Ostseeküsteu, 
soweit sie von der See bedingt sind, und somit der eine grosse Komplex 
der natürlichen Gegebenheiten für die geschichtliche Entwickelung dieser 
Gebiete, dargelegt und darauf hingewiesen ist, wie sich die überragende 
Bedeutung der südlichen Teile schon durch die Kartenbilder zeigen lässt, 
ist darzulegen, welchen Anteil die einzelnen verschiedenen KüsteugHeder 
an der Entwickelung genommen haben. Weiter ist dabei hervorzuheben, 



*) cf. Lamprecht, Deutsche Geschichte IV, p. 123, 125. 



26 

wie bedeutend das Hinterland der einzelnen Seestädte oder Küstenstrecke 
hier eingewirkt hat, wie der politische Wert einer Lage, wie z. B. 
der Lübecks, nicht auf Lübecks Lage zum Meer allein beruht, sondern 
sich aus den Beziehungen der Stadt zu See und Hinterland zusammen- 
setzt. — In fast allen Fällen kommt in unserem Gebiet noch ein Moment 
für die historische Entwickelung in Betracht, ein rein geschichtliches,*) 
der Vorsprung, den jede Städtebildung auf jungfräulichem Boden gegen- 
über der langsameren Entwickelung des platten Landes hat. Das ist eine 
Thatsache, die sich allerdings später verwischt, aber ihren deutlichen 
Ausdruck in der schnelleren Entwickelung der städtischen Verhältnisse in 
Politik und Kultur, und ihrer Loslösung von den Verhältnissen des Hinter- 
landes findet. In einer Richtung ist allerdings auch diese Thatsache 
geographisch zu betrachten, nämhch insofern, als die Städte, wenn auch 
nicht ohne Territorium, so doch fast ohne räumliche Flächenausdehuung 
existieren, als ihre politische Macht nicht von dem Raum, mit dem sie 
direkt verwachsen, begrenzt ist. Ratzel**) sagt darüber: „Die grösste 
Verdichtung politischer Kräfte Avird in den Städten erreicht; in ihnen ist 
der Raum aus der Reihe der politischen Hemmangen geradezu aus- 
gestrichen." 

Es ist oben schon darauf hingewiesen, dass die natürlichen Einflüsse 
und diejenigen, die aus der Wirksamkeit des Menschen fliessen, zu einander 
in einem Verhältnis stelm, das in jedem Fall zu untersuchen ist. Beide 
Gruppen von Einflüssen dokumentieren sich, der Zeit, der Richtung, dem 
Grad nach, verschieden. Fortwährend treten im Verlauf der Geschichte 
neue Faktoren auf, die die Entwickelung im Einzelnen modifizieren; sie 
lassen sich in den Schwankungen, welche die Richtungslinie der Ent- 
wickelung zeigt, regelmässig im einzelnen nachweisen. So entsteht durch 
die historischen Einflüsse ein lebhaftes Bild, in dem die Ursachen der 
Erscheinungen grösstenteils klar liegen. Anders verhält es sich bei dem 
Aufsuchen des geographischen Ursachen. Sie sind dem Boden immanent. 
Sie waren von Anfang an da, ändern sich für die historische Betrachtung 
äusserst selten und zeigen ihre Wirkungen nicht plötzlich, wie neu auf- 
tauchende historische Faktoi'en, sondern allmähhch, gewöhnlich erst dann, 
wenn der Mensch sich die Natur an einer neuen Stelle oder in neuer 
Richtung unterwirft, oder nach mehr oder weniger hartnäckigem Kampf 
gezwungen wird, dem Kampf mit ihr zu entsagen. Es liegt darin der 
Grund, weswegen wir eigentlich nur an Wendepunkten der Entwickelung 
das Walten geographischer Mächte deutlich zeigen können. Nichtsdesto- 



*) cf. Lamprecht, Deutsche Geschichte IV, p. 124. 
*) Pol. Geogr. p. 372. 



27 

weniger ist ihr Einfluss höchst bedeutend, ja für die allgemeine Richtung 
der EutwickeluDg massgebend. Ohne das Vorhandensein der Ostsee als 
Binnenmeer Nord -Europas wäre die ganze geschichtliche Entwickeluug 
dieser Gebiete undenkbar, das Wie im Einzelnen ist aber nicht durch diese 
Thatsache allein bedingt, sondern zu gutem Teil auch durch das Thun 
und Lassen der Menschen, angeregt durch andere Motive, wie Religion, 
Freiheit u. a. m. Kurz, die geographischen Einflüsse spielen ihre Rolle 
gewisserniassen im Hintergrund, sie sind vorhanden, wenn sie auch nicht 
immer in die Erscheinung treten. 

Für die Kulturentwickelung im Ostseebecken lassen sich im Ganzen 
etwa drei Perioden unterscheiden, je nach dem Faktor, von dem die Ent- 
wickeluug am stärksten beeinflusst war. Das Charakteristikum der ersten 
Periode ist das Zusammenfliessen der Kultur an einem Punkt, in Goth- 
land. Was an Elementen höhereu Lebens überhaupt vorhanden war, 
strömte hier zusammen. Die zweite Periode ist die der Hansa. Seitdena 
der Ostseehandel sich von Gothland emanzipiert, seitdem die Herrschaft 
über die Ostsee de facto auf die Hansa übergegangen ist, gehn von ihr, 
besonders den Städten des südlichen Ostseerandes, alle Anregungen zum 
Fortschritt aus. Die dritte Periode lässt sich dadurch aussondern, dass in 
ihr nicht mehr ein einzelnes Gebiet, nicht mehr die Hansa, diese politische 
Einheit ohne Territoruni trotz der Grösse ihrer Glieder, sondern die Hinter- 
länder der Ostseeküsten, Brandenburg, Dänemark, Schweden, Russland 
und in neuerer Zeit Deutschland die bestimmenden Faktoren in der Ge- 
schichte des Ostseebeckens werden. Die Einheit des Gebietes besteht in 
dieser Zeit wohl noch im geographischen Sinne, nicht mehr im kulturellen 
und historisch-politischen. Es sei gestattet, kurz das Wichtigste aus diesen 
Perioden zu -besprechen. Es wird das den Zusammenhang historischer 
Entwickelungen mit ihrer geograishischen Basis deutlich zeigen. Dabei 
wird hervorzuheben sein, an welchen Punkten diese Grundlage zum Durch- 
bruch gelangt oder wo nur geographische Elemente in den Verlauf der 
Geschichte eingreifen. 

Für den ganzen rechtselbischen Teil der norddeutschen Tiefebene 
und für Westrussland bildet die 0.stsee mit den in sie mündenden Flüssen 
und Strömen heute ausser einem Binnenhandelsgebiet das natürliche Aus- 
gangsthor in den Ozean. Vor dem Entstehen ozeanischer Schifffahrt hatte 
sie nur die erste Aufgabe, sie war das Becken, in dem der ganze Handel 
dieser Gegenden sich sammeln niusste, aber dieser war bis zu der Zeit ein 
weit grösserer Teil des Gesamthandels von Europa, als nach der Entdeckung 
der neuen Welt. 

Im 12. Jahrhundert zuerst ist das Ostseebecken von der Woge der 



28 

aiitik-germanischeu Kultur erreicht worden. Von demselben Augenblick 
an gewinnt die Ostsee ihren spezifischen Charakter als Bindeglied zwischen 
dem Westen und Osten, dem Süden und Norden Europas. Bis zum 
12. Jahrhundert waren slavische Stämme im Besitz der südlichen Ostsee- 
küsten. Sie hatten sich wie ein Keil zwischen die Nord- und Südgermanen 
eingeschoben. Die Aufgabe des 12. Jahrhunderts war für Deutschland 
die Kolonisation dieser Gegenden, um dem deutschen Volkstum des Mutter- 
landes den Spielraum zu verschaffen, den die in der Heimat überschüssigen 
Kräfte gebrauchten. Am Südwestwinkel der Ostsee setzte die Bewegung 
ein. Mit der Eroberung Wagriens durch die Schauenburger, der Grün- 
dung der ersten deutschen Kolonie Lübeck in der Nähe des slavischen 
Alt-Lübecks setzten die Deutschen zum ersten Mal ihren Fuss an die 
Ostsee, sie hatten fortan freie Bahn, auf der sie weiterschreiten konnten, 
das Meer. Mit diesem Moment änderte sich das äussere Bild der Koloni- 
sation. Während sich im Lande ein Ring von Kolonien an den anderen 
schloss, in grossen Massen sich eine Reihe von Dörfern der andern vor- 
lagerte, gehen von Lübeck strahle aförmig die Einflüsse aus, die die Ostsee 
allmählich zu einem deutschen Meer gemacht haben. Mächtig blühte die 
Stadt auf, schnell folgte ein Eii'olg dem andern; 1143 ist Lübeck von 
Adolf II. von Sehauenburg gegründet, 1158 wurde es herzoglich sächsische 
Stadt, 1188 wurde es selbstständig, 1225 befreite es sich von der dänischen 
Invasion, 1226 ist es reichsfreie Stadt geworden. Die Einflüsse, die von 
Lübeck auf die baltischen Küsten ausgingen, zeigt nichts deutlicher, als 
der Zug seines Handels.*) Schon um die Mitte des 13. Jahrhunderts hatte 
es Dänemark, Schweden, Norwegen, Mecklenburg, Pommern, Preussen und 
Livland in seinen Bannkreis gezogen. Aber diesem Einfluten west- und 
südeuropäischer Kultur in den Norden war eine eigenständige Entwickelung 
im Ostseebecken vorhergegangen. Sie hatte die Grundlage gewährt, auf 
der die neue Invasion den Boden weiterbauen konnte. In Zeiten, wo die 
Kultur sich noch fortwährend vor verheerenden Angriffen schützen muss, 
wo der kommende Tag in Frage stellt, was der vergangene geschaffen 
hat, sind der natürliche Boden für die Ent-o'ickelung der Inseln. Keine 
tellurische Form bietet neben der Möglichkeit leichter Verteidigung soviel 
Gelegenheit zum Emporarbeiten zu höheren Daseinsformen für den Menschen 
als Inseln. In der Nabelgegend des Ostseebeckens liegt Gothland. Auf 
ihr haben wir das erste Centrum der Gesittung und des Verkehrs in der 
Ostsee zu suchen. Früh bewirkte die günstige Lage Gothlands zu allen 
benachbarten Küsten, dass sich auf ihr, gleichsam neutralem Boden die 



*) cf. Meine Arbeit über die ältesten Lüb. Zollrollen III, Illa. 



29 

sonst in Kampf gegen einander befindlichen Bewolmer der angrenzenden 
Küsten zum Austausch ilirer Produkte fanden. Diese Stellung hat Goth- 
land bewahrt von Alters her bis zum Eindringen der deutschen Kultur 
in das Ostseebecken.*) Im 12. Jahrhundert hat sich auch hier der Ein- 
fluss deutschen Wesens geltend gemacht. Schon in den 60er Jahren dieses 
Jahrhunderts hat sich hier eine deutsche Gemeinde, vornehmlich west- 
fälischen Ursprungs — wie das die Baureste, westfälischer Kunst angehörig, 
und Spuren westfähscher Rechtsbildung zeigen, — gebildet. Hier zuerst 
ist die für das Leben der nächsten Jah}'hunderte in diesen Gebieten charak- 
teristische Verschmelzung nordgermanischer, slavisch er und südgermanischer 
(deutscher) Bildungen eingetreten. Dass das deutsche Element schon hier, 
wo es zuerst auftrat, sich als das mächtigste zeigte, dass es sich die 
übrigen assimiUerte, bis es zur vollen Beherrschung durchdrang, hat der 
Geschichte der nächsten Zeit seinen Stempel aufgedrückt. 

Es ist vorhin erwähnt, dass Lübeck die Ausfallpforte deutschen 
Wesens für das Ostseegebiet gewesen ist. Über Lübeck hinaus reichen 
die Fäden, die deutsches Volkstum und deutsche Gesittung mit dem Norden 
verknüpft haben bis nach Westfalen und an den Rhein und nach Norden 
bis Nowgorod. Lübeck hatte eine zentrale Lage zwischen den Gebieten, 
die für die Kolonisation des Ostens gebend und nehmend in Betracht 
kommen konnten. Das hat seine Stellung -anfangs begründet, das hat 
diese Stellung zu einer unverlierbaren gemacht, bis die Wirkungen der 
deutschen Kolonisation des Ostens abfluteten, einer Stagnation Platz 
machten. „Handelsstädte, und als solche muss Lübeck immer betrachtet 
werden, erhalten eben ihre Bedeutung nicht allein durch den Unter- 
nehmungsgeist ihrer Bürger, sondern mehr noch durch ihre geogra- 
phische Lage.'" 

Die erste Etappe Lübecks in seinem Siegeslauf zur Beherrschung der 
Ostsee war Wisby auf Gothland. Von Gothland ging es auf den alten 
Handelsstrassen nach der Dünamüadung, durch die Newa-Mündung, den 
Ladoga See bis Nowgorod. Langsamer als die Überschwemmung dieser 
Gegenden mit deutschen Einflüssen gelang die Erringung der Herrschaft 
für die Deutschen. Livland und Estland gehörten Dänemark, wenn sie 
auch nur in loserer Abhängigkeit von dem fernen Inselreich standen. 
Allerdings — das muss besonders betont werden — waren Dänemark, 
Schweden und Norwegen damals durchaus deutsch, was Kultur und Sprache 
angeht. Bis in das 16. Jahrhundert hinein haben die nordischen Könige 
ihre Staatsurkunden in deutscher Sprache abfassen lassen. Deutsche 



*) Höhlbaum in Han.s. Geschbl. 1871, p. 24 fi. 



30 

Städte wurden uuu die Stützpunkte der deutschen Kolonisation, Centren 
des Verkehrs und der poHtischeu Macht. Riga entstand fast an der Mün- 
dung der Düna, die die aus dem Innern Eusslands kommenden Wasser- 
und Laudstrassen mit der Küste verbindet. Riga eröffnete und sicherte 
den Weg nach Smolensk und Polozk, das Wolgagebiet beherrschte handels- 
politisch der Petershof in Nowgorod Je mehr Lübeck und mit ihm die 
Hansestädte an der deutsch-baltischen Küste und im fernen Osten immei' 
grössere Teile des Ostseehandels an sich rissen, um so mehr musste die 
lübische Führung in der Einung des deutschen Kaufmanns in Wisby in 
den Vordergrund treten, bis die Zeit kam, da Lübeck selbst an die Stelle 
der fernen Inselkolonie treten konnte, allerdings mit Hülfe der andern 
Seestädte der südlichen Ostseeküste, aber als prima inter pares. Am Schluss 
des 13. Jahrhunderts ist dies Ziel erreicht. Ihm stellten sich eine Reihe 
von Gegnern entgegen. Es ist ein natürliches Bedürfnis aller Staaten, au 
die See zu gelangen, eine Grenze zu haben, die mit dem Vorteil leichter 
Verteidigung in Kriegszeiten die Vorzüge verbindet, die der Umstand ge- 
währen muss, in Friedenszeiten an ihr keinen konkurrierenden Nachbar zu 
sehen. Damals zuerst erstarkten im kolonialen Deutschland die Territorial- 
gewalten. Holstein, Pommern, Mecklenburg, Brandenburg drängten an 
die See, Dänemark musste dem aufblühenden Lübeck seine beherrschende 
Stellung neiden. Seit die Ostsee von allen Seiten von Staaten umgeben 
war, die eine selbstständige Stellung im politischen Sinn einzunehmen 
vermochten, hat der Kampf um das dominium maris baltici nicht geruht, 
bald ist er friedlich, bald in kriegerischen Versuchen in die Erscheinung 
getreten. 

Im Rostocker Land- und Seefriedeu vom 14. Mai 1283 fand die 
Herrschaft Lübecks wenigstens über die südlichen Ostseeküsten den ersten 
deutlichen Ausdruck, sie bedeutete politisch zugleich die bewusste Loslösung 
der Küsten von ihren Hinterländern. Die Städte, die Hansa wollte Herrin 
der See sein; das Handelsmonopol auf der Ostsee war das lockende Ziel. 
Der enge Zusammenhalt, den die Städte, die sich im Rostocker Bunde 
geeinigt hatten, in handelspolitischen Dingen allen andern gegenüber 
zeigten, verhalf ihnen zu einer Stellung von unberechenbarer Tragweite.*) 
Die Viamen und Friesen wurden von dem Handel in der Ostsee, die 
Gothländer von dem in der Nordsee abgehalten, das Monopol, beide See- 
fahrten betreiben zu dürfen, besonders aber der schonensche Handel**) fiel 



*) Eatzel, pol. Geogr. p. 413. Je lockerer die politische Form eines Staates, um 
so straffer fasst er deu Verkehr zusammen. Vor allem weisen die Bundesstaaten ihrer 
Zentralgewalt die Verkehrspolitik zu. 

**) Harry Denicke, die Hansestädte, Dänemark und Norwegen von 1369 — 1376 p. 85. 



31 

der entstehenden Hansa, den Städten der südlichen Ostseeküste, an ihrer 
Spitze Lübeck zu. Fortau vermittelte nur noch die Hansa zwischen Osten 
und Westen Ihren Ausdruck gegenüber der älteren Periode fand diese 
neue Machtkonstellation in der Verlegung des Oberhofs des gemeinen 
Kaufmanns über Nowgorod von Wisby nach Lübeck. Lübeck war damit 
(1293) unbedingt der Vorort der deutschen Städte im Ostseebecken. Eng 
stand es mit den mecklenburgischen und vorpommerschen Städten zusammen, 
um ihrem Bunde die Herrschaft zu sichern. Derjenigen Stadt, die ver- 
möge ihrer zentralen Lage zum alten Deutschland und zu den Quellen 
des Reichtums der Kolonialstädte, dem Osten und Norden, vor allen be- 
günstigt war, musste die Hauptbeute des Sieges, die Vorortschaft im Bunde 
und der Hauptteil des Handels zufallen. Die Hansa war mit dem Schluss 
des Jahrhunderts Herrin der Ostsee und Lübeck drückte ihr den Stempel 
seines Geistes auf. 

Es soll hier nicht dargestellt werden, wie die Hansa in ihrer Weiter- 
entwickelung diese Herrschaft ausgeübt, wie sie im Kampf gegen die auf- 
strebenden politischen Mächte, Dänemark, Holstein, Norwegen und Schweden 
auf Grund der in ihr in hervorragenderem Masse vorhandenen materiellen 
Mittel eine politische Stellung aufrecht erhalten hat,*) die weit über der 
ihrer Gegner stand, trotzdem ihr kein geschlossenes Gebiet, mau möchte 
sagen, ein natürlicher Standort, fehlte.**) Hingewiesen werden muss aber 
auf die Stellung einzelner hervorragender Glieder der Hansa, die, wenn 
man von dem Gewicht der Masse, die natürlich in jeder politischen und 
kommerziellen Vereinigung schwer ins Gewicht fällt, und in der Hansa 
durch die grosse Anzahl kleiner und kleinster Angehöriger des Bundes 
repräsentiert wird, absieht, in hervon-agender Weise den Charakter der 
Hansa und ihre Entwickeluug bestimmt haben. Es ist schon oben gezeigt, 
dass man während des Verlaufs der hansischen Geschichte im Ostsee- 
becken, — bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts kann man von einer solchen 
nur sprechen, — wohl berechtigt ist, die Städte der Küste von ihren 
natürlichen Hinterländern zu trennen. Die historische Entwickeluug dieser 
Städte beruht auf anderen Voraussetzungen wie die des Hinterlandes, wie 
die des Bodens, dem sie selbst angehören. Man könnte sie als Treibhaus- 
produkte bezeichnen. Während es völlig klar ist, dass heute Städte nur 



*) Ratzel, p. 420, 421. Je notwendiger der Güteraustausch wird, desto abhängiger 
werden die Staaten vom Verkehr. Verlsehrsnotwendigl^eiten liegen daher auf dem 
Grunde sehr eigentümlicher Organisationsverhältnisse der Staaten Die Ver- 
legung eines Verliehrsweges wird nun eine grosse jjolitisch geographische Thatsache. 

**) Dieser Punkt ist weiter unten zu behandeln. Er hat zur Auflösung der Hansa 
geführt. 



32 

dann gedeihen können, an Grösse und Macht Fortschritte zu machen ver- 
mögen, wenn sie ein grosses und reiches Hinterland ausnützen, entweder 
Centrum eines solchen oder Ausgangspforte für dieses sind, demgemäss 
nicht allein die Neigung haben, sondern geradezu in der Zwangslage sind, 
sich durch Erschliessung aller nur irgend möglicher Kommunikationswege 
den Absatz der aus dem Hinterlande stammenden inländischen und der 
für dieses bestimmten ausländischen Waren zu sichern, liegt die Sache für 
die hansischen Städte im allgemeinen anders. Allerdings zeigt sich in 
der Entwickelung der einzelnen Städte, mit einander verglichen, ein be- 
deutender Unterschied, der sich im Verlauf der Jahrhunderte immer mehr 
verschärft, zwischen denen, die von vornherein über ein grosses und 
reiches, sich zu ihnen natürlich öffnendes oder künstlich erschlossenes 
Hinterland verfügten und solchen, denen nur ein kleines oder unbedeutendes 
geöffnet war, aber es ist das erst eine Entwickelung späterer Zeiten. 

Für die Zeit der Hansa spielt die Frage, wie eine Stadt sich zu 
ihrem Hinterland verhält, eine untergeordnete Rolle. Es hängt das mit 
der Thatsache zusammen, dass erst in Zeiten höherer Kultur der Mensch 
im Stande ist, die Gegebenheiten der Natur völlig auszunutzen, die Vor- 
teile zu heben, die Nachteile mehr und mehr zu miterdrücken, während 
für frühere Zeiten politische Machtverteilung, Ungunst der Verhältnisse 
in sozialer oder materieller Beziehung, wichtiger sind. 

Die Hansestädte wären niemals zu so bedeutender materieller und 
politischer Blüte gelangt, wenn sie, wie eben dieselben Städte heute auf 
ihr direktes Hinterland, auf die kommerzielle Ausnutzung ihres eigenen 
Bodens beschränkt gewesen wären.*) Ihre Macht beruhte nicht auf ihrem 
Einfluss in der Heimat, sondern auf ihren auswärtigen Beziehungen, wie 
ja auch jetzt feststeht, dass der Hansabund nicht etwa auf einem Bund 
der Städte in der Heimat beruht, sondern dass vielmehr in dem Zusammen- 
schluss der einzelnen Bürger der Städte im Auslände sein Ursprung zu 
suchen ist. Der innerste Grund dieses Verhältnisses liegt in dem Zustand 
des Verkehrs jener Zeit, die Abwandlrmg dieses Zustaudes, der Verfall 
der Hansa in der Veränderung der Verkehrsmöglichkeiten. Eine das 
"Wesen der Hansa und überhaupt mittelalterlicher Kultur richtig dar- 
stellende Geschichte muss noch weit mehr als dies heute geschieht, auf 
diese wirtschaftlich-geographische Grundlage der Entwickelung Rücksicht 
nehmen. Es sei gestattet, in grossen Zügen dies anzudeuten. 



*) Ratzel, p. 367. Die deutschen Städte haben weder vor noch nachher eine so 
allseitige Bedeutung im Leben der Nation besessen, wie im 14. Jahrhundert. Die 
italienischen waren vorausgegangen; hier wie dort traten die Städte zurück, sobald die 
Entwickelung, welche sie gross gemacht hatte, territorial wurde, d. h. über weitere 
Gebiete und auf das Land sich ausbreitete. 



33 

Die ursprünglichen Handels- und Verkehrsbeziehuugen sind immer 
rein lokaler Art. In einem beschränkten Gebiet wird sich bei zunehmender 
Arbeitsteilung immer das Bedürfnis des Handels zeigen. Er bleibt aber lokal 
gebunden, weil die Nachbargebiete terrae incognitae, Barbareuländer sind. 
Ist dieses Gebiet A, gewöhnlich auf Grund besonderer natürlicher Begün- 
stigungen soweit gelangt, dass es Nachbargebiete, wie B und C an Kultur- 
höhe überragt, so wird sich bei dem allem menschlichen Handeln, soweit 
es auf Selbsterhaltung und eigenen materiellen Fortschritt sich richtet, 
innewohnenden Egoismus bald die Zeit einstellen, wo Kaufleute es vorteil- 
haft finden, mit Gegenständen, die im eigenen Gebiete in überreichlicher 
Menge produziert werden, in den Nachbargebieten aber nicht, ins Ausland 
zu ziehen. Der Kaufmann geht mit seinen Waren in die Barbarenländer, 
er selbst handelt dort Landesprodukte, grösstenteils solche, die ohne be- 
deutende Arbeit der dortigen Bewohner gewonnen werden können, in seiner 
Heimat aber fehlen, ein, und bringt sie in eigener Person zurück, um sie 
in der Heimat selbst zu verkaufen. Es würde ihm nichts nützen, draussen 
einen Andern zu bestellen, der die gefährliche Reise für ihn machte, da 
er ihn nicht erreichen kann bei der Unmöglichkeit schnellen und sicheren 
Verkehrs. Auf diesem Standpunkt steht die Handelsentwickelung des 
Ostseebeckens bis zur Gründung Lübecks, bis zur Kolonisation der süd- 
lichen und südöstlichen Ostseeküsten durch die Deutschen. 

Mit der Niederlassung der Deutschen im Lande der Slawen beginnt 
die zweite Periode des Handels. 

Sobald dieser Punkt erreicht ist, geht nicht mehr der westfälische 
oder rheinische Kaufmann über die See nach Schweden, Norwegen oder 
Russland um dort die Produkte des damals noch weit waldreicheren 
Nordens einzuhandeln, um sie im Innern Deutschlands abzusetzen, es 
schiebt sich eine Mittelsperson ein, der lübische, bald der hansische Kauf- 
mann. Die Warenzüge des inneren Deutschlands gehen nun nicht mehr 
im Besitze eines und desselben Händlers bis in den Norden Europas, 
sondern wechseln in den Hansestädten ihren Besitzer. Bald erwarben 
die Hansestädte das Monopol dieses Zwischenhandels. Sie schliessen die 
Vlamen und Friesen vom Handel im Ostseegebiet aus, den Russen und 
Schweden verwehren sie den Handel im Westen. Aber noch bleibt für 
den hansischen Kaufmann die Notwendigkeit, die Waren, die er im fernen 
Norden einhandelte und in seiner Stadt nicht verkaufen kann, selbst in 
den entlegenen Westen zu führen, um dort auf anderem Markt bei gerin- 
gerer Konkurrenz sein Glück zu versuchen. Nur selten kann er die eine 
oder andere Reise machen. An schneller Erledigung seiner Gescliäfte 
hindert ihn die UnzulängHchkeit und Unsicherheit der Verkehrsmittel. 

3 



34 

Das ist der Zustand des Ostseehandels etwa bis zum Ausgang des 13. Jahr- 
hunderts. Wasserstrassen sind in dieser Zeit die wichtigsten Verkehrswege. 
Diese Mängel erheischten Abhülfe. Faktoreien treten auf, es bilden sich die 
Anfänge des Kommissionshandels und Handelsgesellschaften. Wir treten 
in die Blütezeit der Hansa.*) In solchen Formen bewegte sich der han- 
sische Handel von den Küsten des atlantischen Ozeans, von Brügge und 
London, nach Lübeck, Greifswald und Riga. Nur die Küsten werden 
aber stark von diesem Strom des Verkehrs getroffen. Der Hauptteil der 
Waren des Westens, besonders Flanderns und Englands, konnte eben nicht 
etwa von den Hansestädten an ihr direktes Hinterland verhandelt werden, 
denn dieses konnte sie weder mit Waren, noch mit Geld bezahlen; er 
ging nach Norden und Osten, wo ein Austausch gegen die Naturprodukte 
der nördlichen und östlichen Ostseeküsten, die gewisse Waldprodukte 
damals fast allein für die gesamte derzeit bekannte Welt lieferten, möglich 
war, wo riesige Verdienste den wagenden Kaufmann locken konnten. Auf 
solche Weise verdiente der hansische Kaufmann durch seinen Zwischenhandel 
schnell und viel, das platte Land, zu dem nach unserer heutigen Auffassung 
die Städte gehörten, hatte wenig Nutzen, oft sogar Schaden von dieser Art 
des Warenumsatzes. Ein Beweis dafür ist die allmählich fortschreitende 
Verschuldung des ländlichen Grundbesitzes in Nord-Deutschland gerade 
während der Blüteperiode der Hansa an städtische Kapitalisten. Diese 
Art des Handelsbetriebes hat in unseren Gegenden bis in das 16. ja 
17. Jahrhundert gewährt.**) 

Die Erlösung von diesem volkswirtschaftlich höchst beklagenswerten 
Zustand hat erst die im Verlauf des 16. Jahrhunderts beginnende Kon- 
solidation der fürstlichen Territorien in Deutschland und die materielle 
und politische Emanzipation der nordischen Staaten, besonders Englands, 
Dänemarks und Skandinaviens von der hausischen Bevormundung gebracht. 
Diese Wendung der Entwickelung musste eintreten, da die Hansa nie über 
ein geschlossenes Territorium verfügt hat. Sie konnte, als Staaten mit räum- 
lich bedeutender Grundlage ihr Konkurrenz machten, ja zum Teil kriegerisch 
entgegentraten, nicht mehr auf ihrer bisherigen Grundlage weiterwirt- 
schaften.***) 



*) cf. H. Denicke, die Hansestädte, Dänemark und Norwegen, p. 49. 
**) Gegenwart 1853. VIII. p. 609. ,,Die grosse historische Bedeutung Lübecks 

war mit dem Verfall des Hansabundes im 16. Jahrhundert zu Ende Lübecks 

Handel war seitdem ein blühendes Fortvegetieren auf einem unverwüstlichen Boden." 
***) Ratzel, Pol. üeogr. p. 177. Der weite Horizont des Meeres hatte die Hanse- 
städte zusammengehalten. Der Zerfall machte dann die natürlichen Bedingtheiten der 
einzelnen Städte gleichsam frei, besonders die Beziehungen zum Hinterland kamen zur 
Geltung. Da stieg Rostock über Lübeck empor. 



35 

Der Bund löste sich aui, die eiuzelueu Städte traten mehr oder 
weniger, früher oder später mit Ausnalime Lübecks in das Unterthanen- 
verhältnis zu den Staaten ihres Hinterlandes zurück, aus dem sie nur 
durch die für sie selbst allerdings fruchtbare Differenzierung der Ent> 
Wickelung von Stadt und Land in den ersten Jahrhunderten ihres Be- 
stehens herausgetreten waren. Von nun an beginnt das Vorwiegen der 
in sich geschlossenen und durch Verkehrswege innerlich gut verbundenen 
und ausnutzbaren Raum- und Machtkomplexe der Territorien.*) Von 
dieser Zeit an treten auch die geographischen Bedingungen, die sich in 
der Lage der einzelnen Städte selbst finden, wieder in den Vordergrund. 

Deutlich hat sich das besonders bei Rostock gezeigt. Trotz seiner im Vergleich 
zum benachbarten Lübeck ungünstigeren Lage erreichte seine Rhederei in dieser Periode 
eine solche Blüte, dass sie die Lübecks noch 1851 um das Doppelte überragte, nur 
weil Rostock von nun an ein Hinterland besass, Lübeck nicht. Die Zahl der lübecker 
Schiffe betrug 1851 etwa 80, die Rostocks über 150. 

Lübeck, Stralsund und Greifswald, Danzig, Königsberg und Riga 
sind mit den Fortschritten der Hansa, mit dem Wachstum eines Bundes, 
der ausschliesslich auf der Gemeinsamkeit der materiellen Interessen dieser 
Reihe von Städten beruhte, gewachsen. Sie alle verfallen mit dem Verfall 
der Hansa; sie gehn zurück, als die Zeit kam, in der die materiellen 
Erfolge der Hansa im Auslande abnahmen. Der volkswirtschaftliche 
Niedergang Deutschlands im 17. Jahrhundert beraubte dann unsere Ostsee- 
häfen der letzten Kraft, die alten wichtigen Stellungen im Norden zu be- 
haupten. Sie besassen fast alle durch ihre Ortslage nur sehr beschränkte 
Bedingungen für einen kommerziellen Wohlstand (siehe die Bemerkungen 
über die Hafenverhältnisse), und hatten nur in der Entwickelung ihres 
Zwischenhandels, in der Vermittelung zwischen dem Norden und den 
westlichen Ländern eine Quelle reichen Gewinnes gefunden. Sie sanken, 
weil ihnen grösstenteils die Beziehung zu einem grösseren Hinterland 
fehlte, auf ihre natürliche Stellung als Häfen von provinzieller und lokaler 
Bedeutung herab.**) 

Auch Danzig und Riga sind zurückgegangen, selbst Lübeck vermochte 
nicht mehr vorzuschreiten. Und doch haben diese drei Städte eine Be- 
sonderheit vor den übrigen Gliedern der Hansa voraus, sie können Aus- 
fuhrorte reicher und ausgedehnter Hinterländer sein. Dieses Moment 



*) Fr. Ratzel, pol. Geogr. p. 358. „Von den von Natur beschränkten Gebieten 
(z. ß. Stadtstaaten) geht die Führung auf die Staaten grösseren Raumes, langsameren 
aber nachhaltigeren Fortschritts in dem Masse über, als deren grössere Hülfsquellen 
sich entwickeln. 

**) cf. F. Siewert, der deutsche Handel nach den nordischen Reichen. Halber- 
stadt 1892, p. 4. 

3* 



36 

hatte nicht so stark zur Geltung kommen können, als die Verkehrsein- 
richtungen selbst noch mangelhaft waren; mit den Fortschritten der 
materiellen Kultur in ihren Hinterländern wuchsen auch sie wieder, aller- 
dings in verschiedenem Masse, ja es haben sich ihnen noch weitere 
Städte hinzugesellt, die trotz ähnlicher geographischer Bedingungen zur 
Zeit der Hansa unbedeutend geblieben waren, Stettin, Kiel und Petersburg. 

Während man in der ersten Periode von einer Kultureutwickehmg 
des Ostseebeckens, die sich um einen Mittelpunkt, Wisby, gruppierte, hatte 
sprechen können, während in der hansischen Periode die Eutwickelung 
sich eng an die Küsten gebunden hielt, wie sie auch von ihnen allein 
befruchtet wurde, geht sie in der dritten Periode von den Hinterländern 
aus und influiert auf die Küsten der Ostsee. 

Zur selben Zeit trat dann noch eine neue politische und wirtschaft- 
liche Macht in die Erscheinung, Russland fasste Fuss an der Ostsee, Polen 
hatte seine Hand schon auf Danzig gelegt und sich so den Weg zum 
Meere geöffnet. Die Slawen traten von neuem an die Küsten des Meeres. 
Es beginnt nun der moderne Streit um das dominium maris baltici, das 
offenbar alle Uferstaaten erstrebt haben und erstreben. Ein grosser Unter- 
schied zwischen den Mittelmeeren, Binnenmeeren und dem Ozean liegt in 
der Verschiedenheit ihrer Räume. Man konnte daran denken, die sämt- 
lichen Küsten des Mittelmeeres, des Pontus oder der Ostsee in einer Hand 
politisch zu vereinigen. Utopisch wäre es, solche Gedanken auf die Küsten 
eines Ozeans anzuwenden.*) In demselben Masse wie die Meere sich 
verkleinern, steigt der Wert ihrer Küsten, weil um so leichter von den 
Küsten aus das engere Meer unter Einfluss zu nehmen ist. 

Es liegt aber noch ein weiterer Anlass vor, der das Leben in diesem 
Gebiet von Grund aus umgestaltet hat. Um diese Zeit machten sich die 
Einwirkungen auch im Ostseegebiet geltend, die mit der Entdeckung 
Amerikas und des Seewegs na.ch Ostindien, kurz mit den Anfängen 
ozeanischer Seeschifffahrt und atlantischen Handels zusammenhängen. Bis 
zur Mitte des 16. Jahrhunderts war die Ostsee für Nordeuropa das gewesen, 
was das Mittelmeer seit dem Beginn unserer heutigen Kulturperiode für 
Südeuropa bedeutet hatte, das Meer, die Seestrasse, auf der sich alle 
Nationen des Nordens fanden, zu Zeiten allerdings von der Hansa okku- 
piert und im Sinne der Grundlage eines Transportmonopols ausgenützt. 
Es war die Zeit, als die Flagge der Hansestädte überall wehte. Als aber 
ihre Herrschaft zuerst in der Fremde gebrochen war, als die Quellen des 
enghschen und russischen Handels versiegten, schwand mit ihnen auch 



«■) cf. Ratzel, pol. Geogr. p. 599, 592. 



37 

das Handelsmonopol auf der Ostsee dahin; sie nahm an Bedeutung ab, 
als der ozeanische Handel ganz andere Erfolge zeitigte, als der bisherige 
baltische. Gerade die Lage der östlichen Hansestädte, die für die früheren 
Verhältnisse, den Vermittlerdienst zwischen Westen und Norden und Osten, 
so günstig gewesen war, brachte ihnen jetzt den Nachteil, dass sie an 
dem neu entstehenden atlantischen Handelsverkehr weniger leicht Teil 
nehmen konnten als die westlichen Schwestern, die sie in der vorigen 
Periode in den Schatten gestellt hatten.*) 

Nur durch die langen Umwege, Belt oder Suud und Kattegat, 
Skagerak, immerhin gefährliche Fahrwasser, durch die der Seefahrt noch 
beschwerlichere Nordsee und den englischen Kanal hätten die Ostseestädte 
an dem Handel, der seit der Mitte des 16. Jahrhunderts in rascher Steige- 
rung an den Westküsten Europas aufblühte, partizipieren können. Die 
Ungunst ihrer Lage, die ja immerhin nur eine relative war, wurde durch 
die geringe Beweglichkeit der damaligen Verkehrsbeziehungen und des 
kaufmännischen Kapitals zu einer absolut jedeu Erfolg hindernden. Die 
Hansestädte des Ostseebeckens sind in den nächsten 300 Jahren so gut 
wie ausgeschlossen vom atlantischen Handel; sie blieben es, bis die Vor- 
züge, die bei veränderter Technik der Schifffahrt ihnen die allmählich 
steigende wirtschaftliche Bedeutung ihres Hinterlandes gab, es er- 
laubten, dass auch die Ostseestädte sich in diesem Jahrhundert wieder am 
Welthandel beteiligten. Ein Hauptverdienst ist da der Anlage von Eisen- 
bahnen im Innern Deutschlands zuzuschreiben. Die Hamburg-Lübecker 
Bahn hat Lübeck zum Ostseehafen Hamburgs gemacht. 

Heute liegt es wieder au der grossen Welthandelsstrasse, die England, 
ja Amerika mit dem tiefsten Innern Russlands und Asiens verbindet, 
deren letztes Glied zur LTmfassuug der Erde die neue sibirische Pacific- 
bahn darstellt.**) 



*) Das Loblied auf Lübeck, auf die Bedeutung seiner Stellung, das in diesen 
Tagen entstand, war mehr ein Lob vergangener Zeiten als ein Bild der augenblicklichen 
Zustände, Hans. Geschbl. 1879, VII. a. a. 1506 ed. W. Mantels. 

Och Lubeke, du bist so schone ein plan, 

So mostu lange in eren stau 

Tusschen den heren rykel 

Dar gaen de vrighen ströme tho. 

Wor vynt men dyn ghelyke ? 
**) cf. DuUo, Gebiet, Geschichte und Charakter etc. 1888, p. 140. Fr. Batzel, 
pol. Geogr. p. 421, 422. ,,Eine der Triebkräfte, die dauernd in aller uns bekannten 
Geschichte wirkt, ist das Streben der Verlegung des Handels vom Land auf das Meer, 

wo die freisten und billigsten Strassen sind Die Entwickelung der Eisenbahnen 

hat nun eine neue Aera der Verlegung grosser tiandelswege auf das Land hervorgerufen, 
die ihren politisch wichtigsten Ausdruck in grossen kontinentalen Querbahnen findet, 



38 

In diesen Dingen liegen einerseits die Ursachen für die seit der 
Mitte des 16. Jahrhunderts eingetretene Überflügelung Lübecks durch 
Hamburg, andererseits für das seit 30 Jahren deutUch wahrnehmbare 
Wachsen Lübecks und seiner Schwesterstädte an der Ostsee. 

Ein treffendes Beispiel dafür, dass man sich in Lübeck schon kurze Zeit nacli 
Beginn des Emporblühens atlantischen Handels über die wachsende Bedeutung desselben 
und seine Gefahren für den lübischen klar war, liefert die Geschichte des zweiten Elbe- 
Travekanals, über -den oben berichtet wurde. Weil es der damaligen Technik, vielleicht 
auch dem vorhandenen Kapital unmöglich war, einen Kanal zu schaffen, der den da- 
maligen Seeschiffen die Möglichkeit geboten hätte, mit Übergehung Hamburgs den 
direkten Weg über Lübeck in das Ostseebecken einzuschlagen, und am Widerstand 
Hamburgs ist der Plan gescheitert, der Kanal bald verfallen. Erst der heutigen Technik 
ist die Durchführung dieses Projektes mit dem Bau des Nord-Ostseekanals gelungen, 
allerdings an einer für Lübeck weit ungünstigeren Stelle. 

Greifen wir nunmehr zurück auf die Entwickelung, die sich aus den 
Einwirkungen der Hinterländer auf die südlichen Ostseeküsten ergiebt. 
Sie treten zum ersten Mal an der Stelle hervor, an der sich zuerst eine 
Macht konsolidierte, die im Besitz der Küsten und des zugehörigen Hinter- 
landes in sich eine geschlossene politische Kraft darstellte, im Norden der 
Ostsee. *) 

Die kalmarische Union von 1397 war das politische Vorspiel zu der 
grossen Einigung der nordgermanischen Staaten, in der Schweden, beson- 
ders durch seine Massenwirkung in diesem Bunde mit Dänemark und 
Norwegen von der Mitte des 16. Jahrhunderts an, seit der Regierung des 
Hauses Wasa, dominierte. Auch Dänemark zog seinen Vorteil aus dieser 
Konsolidierung gegenüber der verfallenden Hansa. Kohl sagt**) ganz 
richtig: „Nach dem Verfall des grossen deutschen Städtebundes bemäch- 
tigten sich die Dänen wieder mehr der Vorteile ihrer Lage und griffen 
dann, als Deutschlands Macht im 30jährigen Krieg tief herabsank, von 
Kopenhagen aus auch wieder, von verschiedenen Umständen begünstigt, 
mit ihrer politischen Herrschaft weit in Deutschland hinein, bis zur Elbe 
und Weser hinab, bis nach Oldenburg und Lauenburg hin." Schweden 
war die Macht, die das dominium maris baltici, das den altersschwachen 



durch die die übermässig grossen Umwege zur See abgeschnitten werden." Es ist hier 
darauf hinzuweisen, dass Bernhard Cotta schon im Jahre 1853 diese Entwickelung 
vorausgeahnt hat. cf. B. Cotta, Deutschlands Boden, sein geologischer Bau und dessen 
Einwirkungen auf das Leben der Menschen. IL p. 52. Leipzig, Brockhaus 1853. 

*) Die überragende Bedeutung der südlichen Ostseeküsten, die ja in erster Linie 
auf dem Gebiet der Kultureinflüsse zu suchen ist, wird dadurch nicht berührt. Sie 
tritt daher in den ersten Jahrhunderten mehr hervor als später, da sich schon eine 
gewisse Nivellierung des Kulturstandes herausgebildet hat. 
**) p. 343. 



39 

Händen der Hansa langsam aber unaufhaltsam entglitten war, wenigstens 
in beschränktem Sinn erwarb. Ein retardierendes Moment ist in dieser 
Entwickelung nur einmal eingetreten; es zeigt deutlich die Notwendigkeit 
des Überganges der politischen Macht auf die Territorien, weil sich fortan 
nur in ihnen die für eine gedeihliche Entwickelung notwendige politische 
und wirtschaftliche Zusammenfassung der Kräfte findet. Es war der Auf- 
schwung des deutschen Ordens zu einer Macht ersten Ranges in baltischen 
Dingen. Nach dem Abschluss der Kalmarer Union hatte der Ordensstaat, 
der sich seit einem halben Jahrhundert guten Friedens im Innern erfreut 
hatte, und während dieser Zeit, allerdings nicht in genügend fester Weise, 
die Herrschaft im eigenen Haas, sogar über die ihm angehörigen Hanse- 
städte errungen hatte, gegen die Union eingegriffen. 1398 eroberte er 
Gothland und Wisby, 1346 war schon Esthland bis Reval in seine Hände 
gekommen. Aber schon 1407 musste er Gothland preisgeben, wenige 
Jahre später, 1410, stand er im eignen Land am Rande des Untergangs. 
1466 erreichte Polen im ersten Thorner Frieden die Ostsee. Der Orden 
ist dann von Polen erdrückt worden. So machte dieser Versuch, von 
deutscher Seite aus eine Herrschaft über die Küsten der Ostsee zu be- 
gründen, nur Episode. 

Seit dem Frieden von Brömsebro (1645), in dem Schweden Oesel 
und Gothland, dem westfälischen Frieden, in dem es Vorpommern mit 
Stettin, Rügen, Usedom und Wollin, dazu Wismar erworben hat, ist es 
die erste Macht des Nordens; die selbstständige Bedeutung der Ostsee- 
küsten, wie sie die hansische Periode gekannt hatte, war damit endgültig 
auch äusserlich abgeschlossen, nachdem schon ein Jahrhundert unfrucht- 
barer Stagnation auf ihnen gelastet hatte. Die Hansa gab, als sie vom 
Meer verdrängt wurde, nicht allein dieses Preis, sondern mit der Herr- 
schaft über das Meer auch die im eigenen Hause, an den heimischen 
Küsten. Aber gerade dieses Eindringen nichtdeutscher Mächte in den 
ungefügen und schon damals nur noch lose zusammenhängenden Bau des 
alten Reichs erregte lebhafte Opposition, da es mit den Erweiterungs- 
bedürfnissen eines Reichsgliedes, Brandenburgs, zusammentraf. Branden- 
burg war ein reiner Binnenstaat, völlig von der See abgeschlossen. Schon 
im 13. Jahrhundert hatte es den Versuch gemacht, seine Hand auf Stral- 
sund zu legen, um den Zugang zur See zu gewinnen. Seitdem es unter 
dem grossen Kurfürsten zu einer selbstständigen politischen Macht zu er- 
wachsen begann, seitdem es das alte Ordensland, aber ohne seinen natür- 
lichen Hafen, Danzig, sich angegliedert hatte, musste es lebhafter als je 
zu Schweden in Gegnerschaft treten, das ihm den Weg an die Küste, be- 
sonders an die Odermündung, die damalige Lebensader des brandenbur- 



40 

gischeu Staates versperrte.*) Dass dies der braudenburgischen Regierimg 
deutlich war, zeigt besonders der Bau des Spree und Oder verbindenden 
Friedrich-Wilhelm-Kanals, der Berlin direkt mit der Ostsee in Verbindung 
setzen sollte. 1720 aber erst hat Brandenburg im Stockholmer Frieden 
Stettin, Vorpommern bis an die Peeue und Usedom und Wollin endgültig 
erwerben können. Damit war der Aufschwung Stettins besiegelt. Hinter 
sich hatte es nun die Rumpfprovinzen des entstehenden preussischen 
Staates, Pommern, Posen, Schlesien, Sachsen und Brandenburg. Unauf- 
haltsam ist Stettin von dieser Zeit an zur ersten Handelsstadt der preussischen 
Monarchie, zur bedeutendsten Ostseestadt Deutschlands herangewachsen. 
Das Hinterland, das ilim bisher nur stossweise, unzulänglich seine Kräfte 
dargeboten hatte, hat ihm fortan offen gestanden, früher und reichlicher 
als allen andern Städten. Mit diesem Vordringen Preussens an die See 
Hand in Hand ging die Zurückwerfung Schwedens aus seiner die Ostsee 
beherrschenden Position durch Russland. Im Frieden von Nystadt (1721) 
gingen Livland, Esthland, Ingermanland, Karelen, Oesel und Dago an 
Russland verloren. 

Mit der Regierung Peters des Grossen war Russland im Kampf gegen 
Schweden auf den Plan getreten, um sich am Wettstreit um die Herr- 
schaft der Ostsee zu beteiligen Petersburg ist die Stelle, wo es den 
Schlüssel zum Meer, den es für die Nutzbarmachung seiner weiten Gebiete 
für den europäischen, den Welthandel brauchte, gefunden hat. Da wo 
der finnische Busen sich am weitesten in die Niederungen des westlichen 
Russland eindrängt, wo Wasserwege zur Düna, Dwina und Wolga ihren 
Ausgang ins Meer nehmen müssen, hat Peter der Grosse Petersburg ge- 
gründet. Es ist eine Gründung von so bewusster Kühnheit, — die lokale 
Lage ist für die Entstehung einer Stadt an dieser Stelle äusserst ungünstig 
wegen der versumpften Niederungen, die sich an der Newa entlang 
ziehen, — dass man berechtigt ist, Peter einen völlig klaren Blick für 
handelspolitische Vorzüge zuzusprechen. Petersburg hat denn auch alle 
Ploffnungen, die man auf die Entwickelung dieser neuen russischen Haupt- 
stadt setzen konnte, vollauf erfüllt. Seine Mission, Russland westeuropäi- 
scher Kultur auf dem Wege zu erschliessen, der bei dem Vorhandensein 
der polnischen Adelsanarchie damals allein möglich war, dem Wasserwege, 
hat es glänzend durchgeführt. 

Seit der Konsolidierung des russischen Staates an der Ostsee, dem 
Zurückdrängen der nordischen Mächte von der schon errungenen Herr- 
schaft und dem Erstarken der südlichen Küsten der Ostsee unter Preussens 



*) cf. Haus. Geschichtsblätter 1890/91, p. 57. Ulmann, die baltische Politik des 
'rossen Kurfürsten um die Sterbestunde der Hansa. 



41 

Führung ist das Gleichgewicht im Ostseebecken hergestellt gewesen. Keiner 
Macht ist es fortan gelungen, die Ostsee zu einem mare clausum zu 
machen, wie es wohl oft im Sinne Schwedens oder Dänemarks gelegen 
hat, wie es die Hansa in den Zeiten ihrer grössten Macht thatsächlich 
durchgeführt hat, dazu noch ohne den Besitz einer territorialen Grund- 
lage, nur auf Grund ihrer materiellen Überlegenheit gegenüber allen Kon- 
kurrenten durch faktische Schliessung des Sundes und der Belte durch 
ihre Flotten. Allerdings ist die Einrichtung des Sundzolles bis in unsere 
Tage ein finanzielles liülfsmittel Dänemarks geblieben, doch hat er niemals 
im Sinne einer Handelssperre von Dänemark atisgenutzt werden können. *) 

Mit den Friedensschlüssen, die dem Ringen des nordischen Krieges 
folgten, war die politische Stellung der Ostseeküsten, besonders der süd- 
lichen für mehr als ein Jahrhundert festgelegt. Die Städte waren mit 
Ausnahme Lübecks alle in den Vei'band grösserer Hinterländer eingetreten, 
sie gingen in politischer Beziehung in Rücksicht auf autonome Verfassung 
und grösstenteils auch in materieller Beziehung allmählich zurück. Die 
Städte bedurften dieser Rückbildung hypertrophischer Zustände, wie sie 
sich auf dem Kolonialboden des früheren Mittelalters hatten ausbilden 
können, um als nützliche dienende Glieder einem grösseren Organismus 
einverleibt zu werden. Die Erfolge sind nicht ausgeblieben. Stettin ist 
das beste Beispiel.**) 

In unsern Tagen folgten, nachdem die materiellen Kräfte des Hinter- 
landes durch die politische Einigung Deutschlands 1871 für Ziele ver- 
wendbar geworden sind, die nur unter der zielbewussten Leitung einer 
guten Handelspolitik in einem grossen Staatswesen zu erreichen sind, 
Danzig und Königsberg. Beide sind in lebhaftem Aufschwung begriffen, 
der nur durch den letzten russisch-deutschen Zollkrieg wesentlich aber 
wohl nur zeitweilig gehemmt worden ist. Stettin ist ausschliesslich das 
Produkt des wirtschaftlichen Aufschwunges Preussens. Die industrielle 
Erstarkung Schlesiens, die erhöhte Betriebsamkeit der landwirtschaftlichen 
Gewerbe Norddeutschlands, die bedeutende Bevölkerungszunahme in 
Schlesien, Brandenburg, Posen und Pommern und die damit zusammen- 
hängende Erhöhung der Konsumtion dieser Provinzen, endlich auch das 
intensive Anwachsen des grössten Verkehrszentrums der norddeutschen 
Tiefebene, Berlins, — ■ das sind die fliessenden Quellen der kommerziellen 



*) Über die Einführung des Sundzolles vergl. Hans. Geschbl. 1875. D. Schäfer, 
Zur Frage nach d. E. d. Sz. Sie ist etwa um 1425 — 1429 anzusetzen; die wendischen 
Städte Ltibeck, Hamburg, Lüneburg, Wismar, Eostock und Stralsund waren nach dem 
Wordingborger Vertrag von 1435 zollfrei. Die Aufhebung erfolgte 1857. 
**) cf. Fr. Siewert, Gegenwart 32 und 39 vom 24. September 1887. 



42 

Kraft Stettins geworden. Die übrigen Ostseehäfen sind abgesehen von 
Lübeck für das grosse Ostseegeschäft Deutschlands nur von geringerer 
Bedeutung. Flensburg und Kiel besitzen nur das handelspolitisch mit 
Ausnahme Altenas, das aber nach Westen gravitiert, wenig bedeutende 
Holstein und Schleswig, Rostock und Wismar Mecklenburg als Hinterland. 
Alle diese Städte leiden unter dem Fehlen eines bedeutenden, produktions- 
und konsumtionsfähigen Hinterlandes und noch mehr an dem Mangel 
ausreichenden Verkehrszusammenhanges mit den grossen Zentren des 
Binnenhandels. Dem ganzen heutigen Seehaudel und -Verkehr ist ein 
stark konzentrischer Zug eigen, und was jene Städte Mecklenburgs früher 
an Einfluss über ihr räumlich nicht geringes Umland besassen, ist heute 
von den benachbarten grösseren, mit ungleich vollkommeneren Transport- 
möghchkeiten zu Wasser und zu Lande ausgestatteten Städten, — Lübeck 
und Stettin — aufgesogen worden.*) Dabei hat Lübeck sich bisher noch 
den Löwenanteil zu bewahren gewusst uud macht Stettin die lebhafteste 
Konkurrenz. Es liegt das teils in der wohl vorhandenen Neigung des 
Mecklenburgers, sich dem Holsteiner und Hanseaten eher anzuschliessen 
als dem Pommer, besonders aber in der Thatsache begründet, dass Lübeck 
schon 1851 eine Bahnverbindung mit Mecklenburg besass, Stettin erst 
1867 eine solche baute. Nirgends aber ist es schwerer, einmal verlorene 
Verbindungen wieder anzuknüpfen als gerade im Handel.**) 

Im Aufschwung begriffen sind weiter Lübeck uud Kiel. Bei der 
Erörterung der geographischen und historischen Stellung dieser beiden 
Städte springt eine auffälhge Beobachtung in die Augen, dass nämlich 
ganz ähnliche Momente im Leben der Völker regelmässig auch ähnliche 
Entschlüsse, ähnliche Versuche anregen. Als Lübeck in raschem Sieges- 
lauf seine, die Hansa und die Ostsee beherrschende Stellung nach dem 
Ende der grossen Dänenkriege der 60er Jahre des 14. Jahrhmiderts erreicht 
hatte, nachdem es auf einem Punkt innerer politischer Sättigung angelangt 
war, machte es sich daran, diese Situation durch Erweiterung seiner natür- 
lichen Verkehrswege zu befestigen. Am Ende des 14. Jahrhunderts 
baute es seinen Elbe-Travekanal, der ihm das oberelbische Verkehrsgebiet 
erschloss. 

Wir stehn heute auf dem Standpunkt, dass wir -annehmen, das 
deutsche Reich sei politisch konsolidiert. Dass die materielle Entwickelung 
Deutschlands in den letzten 30 Jahren ganz hervorragende Fortschritte 
gemacht hat, ist eine unanfechtbare Thatsache. Deutschland befindet sich 
heute etwa in der Lage, in der sich Lübeck nach der damaligen Erreichung 

*) cf. Siewert, Gegenwart 32 Nr. 39. September 24. 
**) cf. Dullo, Gebiet, Geschichte und Charakter etc. 1888, p. 129. 



43 

seiner politischen Ziele befand. Derselbe Wunsch wie damals tritt auch 
heute hervor: die natürlichen Verbindungen, die für den erweiterten 
Verkehr, der die regelmässige Folge politischer Ruhezeiten ist, nicht mehr 
genügend zu sein oder wenigstens die Möglichkeit der Erweiterung zu 
bieten scheinen, durch künstliche zu vermehren. Das ganze Plandelsleben 
Nord-Deutschlands, ja der ganzen Norddeutschen Tiefebene steht augen- 
blicklich unter dem Bann eines Gedankens, der Verbindung der nord- 
deutschen Ströme untereinander durch Wasserstrassen, der Verbindung 
von Nord- und Ostsee durch den Bruusbüttel-Holtenauer Kanal, die Er- 
weiterung des alten Eiderkanals.*) 

Es sind das Ideen von so weittragender Bedeutung, sie schliessen 
so grosse Entwickelungsmögiichkeiten ein, dass man heute wohl die Not- 
wendigkeit und den Erfolg dieser Projekte beweisen und abschätzen, nicht 
aber die Summe ihrer Folgen berechnen kann. Die beiden Projekte er- 
gänzen einander, nicht so, dass das eine ohne das andere unausführbar 
wäre; für einen Punkt aber, Lübeck, stehen sie in so untrennbarem Zu- 
sammenhang, dass nach dem Bau des Nord-Ostseekanals der Bau eines 
modernen Verkehrsbedürfnissen entsprechenden Elbe-Travekauals eine 
Lebensfi-age geworden ist. Das führt auf die geographische Lage Kiels 
und Lübecks für Deutschland, zu einander und für jede der beiden Städte 
einzeln genommen. Kiel hat erst seit der Zeit grosse Bedeutung gewonnen, 
seit der es an Preussen angegliedert ist, seit 1864. So lange Schleswig- 
Holstein dänisch war, krankte Kiel an denselben Missständen, die auch 
dem Handel Königsbergs immer Fesseln anlegen, seiner Lage in nächster 
Nähe zweier Zollgrenzen, ohne die Vorteile eines Freihafens zu besitzen. 
Seit der Einverleibung der Herzogtümer gewann die Lage Kiels an den 
grossen Strassen Paris-Stockholm-Petersburg und London-Köln-Petersburg 
und deren Kreuzung mit der Route Konstantinopel-Berlin-London an 
Bedeutung. **) 

Seine Wahl zum deutschen Kriegshafen lenkte den Strom der Ein- 
wanderung in hervorragendem Masse dieser Stadt zu. Kiel teilt mit 
Lübeck, seiner bedeutendsten Nebenbuhlerin, die Lage im südwestlichsten 
Winkel der Ostsee, künstliche Beförderungen, die die Zugehörigkeit zu 



*) cf. Beseke, der Nord-Ostseekanal. Kiel und Leipzig 1893. für den älteren 
Eiderkanal cf. Woltmanu, Beiträge zur Baukunst schiffbarer Kanäle III. Beschreibung 
des Schleswig-HolBtein-Kanals p. 337 ff. Göttingen 1802. 

**) cf. Jansen, die Bedingtheit des Verkehrs und der Ansiedlungen des Menschen 
durch die Gestaltung der Erdoberfläche, nachgewiesen insonderheit an der cimbrischen 
Halbinsel. Kiel 1861 und Jansen, Poleographie der cimbrischen Halbinsel in For- 
schungen zur Landes- und Volkskunde 1886. Heft 8. 



44 

Preussen Kiel gebracht hat, hat es Lübeck an Einwohnerzahl überflügeln 
lassen. Hinzu kommt noch die unermessliche Bedeutung, die Kiel als 
Ausgangsbafen am neuen Nord-Ostseekanal gewinnen kann in Gegnerschaft 
zu Hamburg, das zu weit elbaufwärts liegt, um ebenso viele Vorteile aus 
dem Kanal ziehen zu können wie Kiel.*) 

Wenn die Fortschritte, die Kiel bisher gemacht hat, schon ganz 
hervorragend sind, so werden sie gering erscheinen gegenüber denen, die 
bei richtiger Benutzung seiner ausserordentlich günstigen Lage seiner 
noch warten. 

Anders liegt die Sache bei Lübeck. Durch die Auflösung der Hansa 
verlor es die politische Macht; mit deren Verlust verfiel auch der lübische 
Handel, da er sich ebenso sehr an politische als geographische Bedin- 
gungen geknüpft hatte. So fristete Lübeck sein Dasein durch Jahrhunderte; 
kaum der Schatten alten Glanzes Avohnte noch in seinen ehrwürdigen 
Mauern. Von der allmählich eintretenden Befestigung der politischen 
Macht in seinen Hinterländern hatte es nur Nachteil, der kaum ausge- 
glichen wurde durch die allmählich sich hebende Konsumtionskraft seines 
Umlandes. Die Gunst seiner Lage und die Tradition wies aber Lübeck 
im Verhältnis zu Kiel immer noch den bedeutenderen Anteil am deutschen 
Ostseehandel zu. Es erscheint nicht überflüssig, an diese besondere Rolle 
Lübecks zu erinnern. Im ganzen 17. und 18. Jahrhundert, als der deutsche 
Gemeingeist tief gesunken war und der alte merkantile Besitzstand im 
Norden langsam an England und die Niederlande verloren ging, da hatte 
der deutsche Handel nach Norden eigentlich seinen einzigen Halt an der 
Trave.**) Politische und kommerzielle Macht sind eben untrennbar, und 
jedem Volk droht Gefahr, das sich dem Meer entfremdet.***) 



*) Schon früher sind ähnliche Projekte der Verbindung von Nord- und Ostsee 
aufgetaucht, cf, Jansen 1861, p. 100 und Anm. 1. Dort sind genannt: Bckernförde- 
Husum, Kiel - Tönning, Neustadt - Brunsbüttel, Travemünde - Brunsbüttel. Jansen hat 
prophezeit, dass die Bedeutung Lübecks und Hamburgs welken würde, wenn ein solcher 
Kanal gebaut würde, cf. Sartori, Kiel und der Nord-Ostseekanal. Andere Projekte 
waren das von Michael in der Zeitschrift für sohleswig-holstein-lauenburgische Geschichte 
Bd. 19, p. 201 fi. mitgeteilte, das Projekt eines Nord-Ostseekanals im Jahre 1748, und 
das von der Lübecker Nord-Ostseekanalkommission 1865 ausgearbeitete, das die Trace 
St. iVTargarethen-Travemünde ins Auge fasste. Denkschrift über den St. Margarethen- 
Travemünder Nord-Ostseekanal mit 3 Karten. Dittmer, Lübeck 1866. 
**) cf. Siewert, der deutsche Handel etc., p. 4, 1892. 
***) cf. Schrader, die Deutschen und das Meer. Verlag des allgemeinen Sprach- 
vereins 1896. „Auch in unserem deutschen Volk ist mit dem politischen Frühling, den 
ihm seine Wiedergeburt gebracht hat, eine solche Sehnsucht nach dem Meere erwacht, 
das seine Küsten umrauscht und mit einer Eeichsflotte .... ist es in den Wettbewerb 
um das Element eingetreten, dem, wie man sagt, kein grosses Volk auf die Dauer 
ungestraft sich entfremdet." 



45- 

Seit zwei Jahrzehnteu haben schon einsichtige Männer auf die Not- 
wendigkeit liingewieseu, den alten noch bestehenden Elbe-Travekanal aus- 
zubauen und den modernen Verkehrsbedürfnissen anzupassen. Es liat 
erst des Baues des Nord-Ostseekanals bedurft, der Kiel zu einem Nordsee- 
hafen, Hamburg zum grössten und kapitalkräftigsten Ostseehafen gemacht, 
Kopenhagen aus seiner beheri'schenden Stellung am Sund verdrängt hat, 
um den Bau des neuen Elbe-Travekauals, dieses für Lübeck wichtigsten 
Gliedes im System der deutschen Mittellandkanäle, durchzusetzen. Nichts 
drückt die Notwendigkeit dieses Entschlusses so schroff aus, wie die Moti- 
vierung, mit der die preussische Regierung beim Landtag die Subvention 
dieses Kanals empfahl. Es hiess damals, mau schulde l^übeck für die 
enorme Schädigung, die es durch den Bau des Nord-Ostseekanals erleide, 
zu der es ja auch durch Steuern und Zölle habe beitragen müssen, eine 
Entschädigung, die es Lübeck wenigstens ermögliche, lebensfähig zu bleiben. 
Bis jetzt glaubt man an die Zukunft Lübecks, da es sich bisher wenig- 
stens einzelne Handelszweige, wie den skandinavischen Speditionshandel, 
zu erhalten gewusst hat. Lübeck ist aber im Laufe des letzten Jahr- 
hunderts trotz der Fortschritte, die es gemacht hat, durch die immer 
wachsende Bedeutung Hamburgs zu einem Platz zweiten Ranges herab- 
gedrückt, es ist abhängig von Hamburg geworden.*) Um dem zu begegnen, 
ist es nötig, aus dem hamburgischen Hinterland möglichst einen Teil aus- 
zusondern und wenigstens, was den Ostseehandel anbetrifft, zu einem 
spezifisch lübischen zu macheu. Das kann sicher eine Ivanalverbindung 
der Ostsee mit der Elbe oberhalb Hamburgs erreichen.**) 

Der Kanal wird in erster Linie den bei'eits bestehenden Verkehr 
Lübecks und Lauenburgs an sich ziehen, mit der Lübeck-Büchener Bahn 
konkurrieren, weiter aber den jetzt schon lebhaften Transitverkehr Lübecks 
nach und vom Norden um ein ganz Beträchtliches steigern. Ein weiteres 
Moment ist die Aufnahme des Verkehrs mit Massengütern, besonders den 
schwedischen Erzen, die erst dui'ch die Einführung der billigen Kanal- 
fracht Lübeck ermöglicht werden kann. Hinzu kommt aber noch der 



*) cf. Dullo, Gebiet, Geschichte und Charakter des Seehandels der grössten deut- 
schen Ostseeplätze seit der Mitte dieses Jahrhunderts. Jena 1888 in staatswissen- 
schaftliche Studien von L.Elster, Bd. 2, Heft 3, p. 125. ,,So ist Lübeck der Speditions- 
vorort Hamburgs für alle überseeischen Waren." 

**) cf. Dullo, Gebiet, Geschichte und Charakter etc. 1888, p. 141. „So ist die 
Stadt unter den grossen deutschen Ostseehäfen die kleinste, ihr Handel am wenigsten 
umfangreich, dafür aber relativ der wertvollste von allen, was seine Exportartikel 
wenigstens betrifft, und mit einer Energie, einem Verständnis für die zeitgemässen 
Forderungen des Verkehrs betrieben, die diesen kleinsten Platz den grössten würdig an 
die Seite stellt." 



46 

Zuwachs an Verkehr, der durch die Erschliessung einer neuen Strasse 
sich im mittleren und unteren Elbegebiet bilden wird.*) 

Zweifellos wird Lübeck fortan Stettin in sciiarfer Weise Konkurrenz 
bieten. Nach einer Mitteilung der neuen Stettiner Zeitung hat am 
19. März 1885 die Stettiner Kaufmannschaft auf eine Anfrage des Kgl. 
Oberpräsidenten über die Bedeutung des Elbe-Travekanals geantwortet, 
dass zur Zeit ein sehr erheblicher Transitverkehr über Stettin zwischen 
dem Gebiet der mittleren Elbe einerseits, Skandinavien und Russland 
andererseits bestehe, und dass nach Herstellung des Elbe-Travekanals 
ohne Zweifel der grösste Teil dieses Verkehrs den Weg über Lübeck 
nehmen würde.**) 

Natürlich sind die Gegenbestrebungen, die im Ausland gegen diese 
neuen deutschen Projekte wirken sollen. Es galt für Deutschland einer- 
seits alle Kräfte der Küste und des Binnenlandes durch möglichste Ver- 
vollkommnung seiner inneren Wasserwege zu sammeln, sie der Küste zur 
Regelung der Ein und Ausfuhr zuzuführen, andererseits dem Ostseehandel 
einen möglichst kurzen Weg zum Ozean, zur Welthaudelsstrasse zu eröffnen. 
Am meisten muss darunter Kopenhagen leiden. Es hat die grössten Anstren- 
gungen gemacht, um wenigstens die materiellen Vorteile aufrecht zu er- 
halten, die es aus seiner Lage an der wichtigsten natürlichen Einfahrt in 
die Ostsee besass, wenn es schon durch den Nord-Ostseekanal Deutschland 
gegenüber seiner wichtigsten politischen Drohstellung am Sunde verlustig 
gegangen ist. Am 9. November 1894 ist der neue Freihafen in Kopen- 
hagen eröffnet, der durch thunlichste Erleichterung des Verkehrs wenig- 
stens den Teil des Handels, der eine Erhöhung der Spesen, wie sie der 
Verkehr im Nord-Ostseekanal immer mit sich bringen wird, nicht ertragen 
kann, Kopenhagen erhalten soll.***) 

Wir stehen mit der EröiJnung der neuen Kanäle im Ostseegebiet 
und dem zu erwartenden Bau des Mittellandkanalsystems vor dem Beginn 
einer neuen Epoche für das Ostseebecken. Kapp hat auf den allmählichen 
Übergang von thalassischer Kultur — und als solche kann im grossen 
und ganzen, wenn man in erster Linie Handel und Verkehr in Betracht 
zieht, noch heute die des Ostseebeckens bezeichnet werden, — zu ozeanischer 
hingewiesen. Die Entwickelung im Ostseegebiet bestätigt seine Anschauung. 



*) cf. Franck, a. a. 0. p. 19. Fr. Siewert, Export 1886, März 30. VIII. und 13, 
p. 185, 186, 201, 202. 

**) Über die Frachtverliältnisse und die Waren, die der Kanal befördern soll, 
cf. Lübeckische Blätter 1888, p. 239 und 241. Im übrigen cf. Lohmeyer, Bericht über 
die projectirte Correction des Steckenitzcanals. Lübeck 1878. 
***) Das Projekt ist schon früher aufgetaucht, z. B. 1848. 



47 

Das Streben geht auch hier unbedingt nach immer weiterer und reich- 
hcherer Erschhessung und Nutzbarmachung ozeanischen Verkehrs und 
ozeanischer Kulturelemeute für das Ostseebecken. Ob sich daran eine 
Verschiebung des pohtischen Schwergewichts zu Gunsten der nördlichen, 
südlichen oder östlichen Küsten anschliessen wird, muss die Zeit lehren. 
Dass fürs erste noch die südlichen Küsten durch Lage und historische 
Stellung bevorzugt sind, ist klar. Dass aber eine solche Verschiebung 
innerhalb des Bereichs der Möglichkeit liegt, kann nicht wohl bezweifelt 
werden. Da wird es Sache der Tüchtigkeit sein, alten Rang und alte 
Ansprüche, die in der Natur so begründet sind, aufrecht zu erhalten. 



Die Gellivara-Erze. 

Von Dr. Theod. Wetzke, Lübeck. 

JJie Fahrzeit von Berlin nach Rom beträgt 40 Stunden, von Rom 
nach Neapel 6, von Lübeck nach Berlin 4 Stunden. Alles in allem kann 
man von Lübeck nach Neapel in 52 Stunden gelangen. In 52 Stunden 
von der feuchtkalten Ostsee zum ausonischen Meer. Sticht man die Strecke 
Lübeck-Neapel auf der Karte mit dem Zirkel ab und schlägt, Lübeck als 
Mittelpunkt beibehaltend, in nordnordöstlicher Richtung, so trifft man auf 
einen Punkt in der Nähe der Grenze von Schweden und Finnland. Dort 
etwa liegt die kleine schwedische Hafenstadt Luleä. Um zu ihr zu ge- 
langen bedarf es eines weit grösseren Zeitaufwandes. Man kann den Weg 
auf mehrfache Weise zurücklegen. Entweder direkt von Lübeck, Danzig 
oder Stettin aus mit dem Dampfer. Aber von diesen Städten gehen keine 
Touren- oder Personenschiffe nach so hohem Norden, man müsste denn 
Gelegenheit haben, ein Erzschiff benutzen zu können; immerhin wird sich 
die Reise selbst nicht unter 84 — 90 Stunden ausführen lassen. Oder man 
wählt den Weg über Stockholm und braucht dann von Lübeck bis 
Stockholm allein 42 Stunden. In Stockholm bleibt es dem freien Belieben 
überlassen, ob man Luleä zur See oder auf dem Landwege erreichen will. 
Der Seeweg von Stockholm nimmt glatt 3 Tage in Anspruch. Es ver- 
kehren zur Sommerszeit in regelmässigen Zwischenzeiten von Stockholm 
aus abgehend Dampfer bis Haparanda, welche die kleinen Häfen Gefle, 
Söderhamn, Hundiksvall, Sundsvall, Hernösand, Umeä, Piteä, Luleä an- 
laufen. Aber auch eine Eisenbahn führt von Stockholm direkt nach Luleä 
und zwar über Upsala, Änge, Aennais, Boden. Die Eisenbahnfahrt dauert 
volle 3 Tage, da die Schweden auf dieser nördlichen Strecke in der Nacht 
nicht fahren. Die Fahrt bis Änge und etwas darüber hinaus soll reich 
sein an landschaftlichen Scenerieu, besonders die Partie über den Anger- 
mannself; von Angaelf wird die Landschaft öde und trist; Nadelholzwald, 
von Felsen durchsetzt, und sumpfige Moore ist alles, was sich dem Auge 
des Reisenden bietet. 



49 

Luleä selbst ist eine kleine Stadt, die trotz ihrer hohen Lage im 
Bilde, wie in der Wirklichkeit der Reize nicht entbehrt. Wer sich ihr 
zu Wasser naht, hat kurz vor der Einfahrt in den eigentlichen 
Hafen eine grosse Anzahl kleiner Inseln zu passieren, die cykladenartig 
im Meere zerstreut liegen, und zuletzt eine schmale kanalartige Wasser- 
strasse, den Tjufholmsund. Dann sieht er die Stadt auf einer Halb- 
insel liegen. Luleä liegt zwischen dem 65. und 66. Grad nördlicher 
Breite, also noch unterhalb des Polarkreises. Es zählt ca. 7000 Einwohner, 
Schweden und Finnen, erstere an Zahl überwiegend. Siedelnde Lappen 
giebt es in Luleä nicht. Die Lappen ziehen sich nur in der Winterzeit 
näher an die Stadt heran und verkaufen die Produkte ihrer Renntierzucht, 
Fleisch und Felle, um Lebens- und Genussmittel, unter letzteren besonders 
Kaffee und Zucker, einzukaufen. Nur Alkohol ist in allen seinen Er- 
scheinungsformen durch Regierungsverordnung als Handelsartikel mit den 
Lappen verboten und nur etwa in der Form als Medikament, Hoffmanns- 
tropfen oder Kölner Wasser vermag hin und wieder ein listiger Finne die 
Wachsamkeit der Behörde zu täuschen. Übrigens sollen die Lappen es 
verstehen, sich aus Renntiermilch unter Zuhülfenahme des Fliegenpilzes 
ein berauschendes Getränk zu bereiten. Der Handel mit den Lappen ist 
in Luleä wenigstens durchaus kein Tauschhandel, sondern geschieht stets 
gegen bar. Wie ich berichtet bin, thut der auch den schweifenden 
Lappen Unrecht, der sie für arm und verkommen hält. Trotz der geringen 
Produktivkraft ihrer Distrikte, trotz der langen, trostlosen Winternächte 
wissen sie ihrem Boden durch die Erträgnisse ihrer Viehzucht und Jagd, 
Produkte in solcher Menge abzugewinnen, dass nicht nur ihr und ihrer 
Familien Unterhalt gedeckt, sondern über das Bedürfnis hinaus produziert 
wird. Unter den schweifenden Lappen sollen reiche Leute gar so selten 
nicht sein, besitzen doch manche unter ihnen Herden von 4000 und 
mehr Stück Renntieren. 

Nach Mitteilungen von dem Geschäftspersonal der Firma Possehl in 
Lübeck, welche die Gellivara-Erze ausbeutet, besteht die Hauptbeschäftigung 
der Bevölkerung von Luleä, wie in einer Hafenstadt, natürlich im Handel, 
besonders mit Holz, welches die nahen Wälder in reichlicher Menge liefern. 
Die Elfe- (Flüsse) dienen als Transportwege und das auf ihnen gefiösste 
Holz wird dann in den verschiedenen Sägemühlen der Stadt zurecht ge- 
schnitten. Als Holzarbeiter und im Hafen findet der ärmere Teil Beschäf- 
tigung, unter den HandM'erkern nimmt die Gerberei den ersten Platz ein. 
An landwirtschaftlichen Betrieb wird man kaum erinnert; auf einigen 
kleinen Fleckchen Feldes vor der Stadt fristet Hafer im Sommer ein 
kümmerliches Dasein, und oft mag es den Ackerbauern von Luleä mit 

i 



50 

ihrer Ernte so gehen, wie denen der schlesischen Berge und des Erz- 
gebirges. Der mit Mühe und Fleiss bestellte Acker bringt die Pflanzung 
nicht zur Reife. Auch die Viehzucht ist in Luleä gering. Kühe werden 
nur soviel gehalten, als zur Erzeugung der Bedarfsmilch notwendig er- 
scheint. Der Pferdeschlag ähnelt dem russischen, klein, aber ausdauernd, 
harthufig und stark in der Fessel. Die Pferde dienen fast ausschliesslich 
zum Ziehen und bringen besonders das Wasser aus dem Lule-Elf nach 
der Stadt, da eine Wasserleitung nicht vorhanden ist. Häuser sind durch- 
weg aus Holz gebaut, mit einer aus Feldsteinen gemauerten Grundlage. 
Balken werden übereinander gefügt, die Fugen dicht mit Moos verstopft. 
Die Balkenschicht wird mit Brettern überkleidet und diese mit Ölfarbe 
bestrichen oder mit Dachpappe übernagelt. Man schlägt wohl auch in 
die Balken in horizontaler Richtung kleine Holzpflöcke, um einer Cement- 
schicht Halt zu geben. Dann gewinnt das Haus das Ansehn eines steinernen. 
Man übernagelt auch wohl die Balken mit Eisenblech und überstreicht 
dieses wieder mit der bekannten, sehr haltbaren und wetterfesten schwe- 
dischen i'oteu Farbe; die Fensterrahmen aber streicht man weiss an. 
Zur Bedachung der Häuser wird ausschliesslich Pappe verwendet. Die in 
der geschilderten Weise hergestellten Gebäude sind freilich feuergefährlich, 
aber sie halten ausserordenthch warm, und das ist für jene Gegenden wohl 
zureichender Grund, bei dieser Bauart zu bleiben, abgesehen von der 
Billigkeit des Rohmaterials und der Baukosten. Durch die Abwechslung 
in der Bemaluug der Häuser erhält dann die ganze Stadt jenes farbenfrohe 
Ansehen, das, einen wirksamen Gegensatz zur Eintönigkeit der Umgebung 
bildend, den Städten des nördlichen Schwedens eigen ist. Die Strassen 
der Stadt .sind ungepflastert, die Haui^tstrasse chaussiert, mit Klinkerstein- 
trottoirs an den Seiten. Einen Vorzug besitzt die Stadt vor vielen tausenden 
gleicher Grösse, auch in Deutschland; sie bewerkstelligt ihre Beleuchtung 
durchweg mit elektrischen Bogenlampen und benutzt nicht, wie man denken 
sollte, die reichlich zur Verfügung stehende Wasserkraft als Kraftquelle, 
sondern die Dampfmaschine, obgleich die Kohlen aus England herüber 
gebracht werden müssen. Ich kann mir recht wohl denken, was diese 
Beleuchtungsart für eine Stadt bedeutet, die Monde hindurch in kümmer- 
licher Nacht liegt. Der Sommer bringt reges Leben in die Stadt. Nicht 
nur ist der Handelsverkehi-, den die nördlich gelegenen Bergwerke be- 
dingen, ein lebhafter, sondern auch Touristen finden sich zahlreich ein, 
Südschweden, Deutsche und die globetrottenden Engländer. Für deren 
Unterkunft ist gesorgt. Wer zu längerem Aufenthalt eintrifft, benutzt das 
als Logierhaus eingerichtete Hotel Wibell oder eine Privatpension. Nur 
ein Hotel ist vorhanden mit alleiniger Konzession des Ausschankes geistiger 



51 

Getränke, Punsch, Wein, Bier und Branntwein. Um diesen Mangel an 
Erfrischungsgelegenheiten einigermassen wett zu machen, benutzen Fremde 
wie Einheimische reichlich diejenige, welche ihnen in den vorzüglichen 
Restaurationen der anlegenden Postdampfer geboten ist. Die Sprache ist 
ausschliesslich schwedisch ; mit Englisch soll man allenfalls durchkommen 
können; deutsch wird nur von wenigen Personen gesprochen. Luleä gegen- 
über, dui'ch einen breiten Meeresarm getrennt, liegt gleichfalls auf einer 
Halbinsel als ein besonderer Stadtteil die schwarze Stadt, bewohnt von 
den Hafenarbeitern und ihren Namen tragend von den ungeheuren Erz- 
halden, die hier, aus dem Innern kommend, zu Zeiten aufgestapelt werden 
bis zur Verfrachtung. Hier befinden sich auch die sinnreichen Ladeein- 
richtungen, die ein rasches Befrachten der Dampfer ermöglichen. In ihrer 
kühnen Konstruktion erinnern sie an die Wunder des amerikanischen 
Brückenbaus. Durch Elevatoren gehoben, fährt der Erzzug auf der Lan- 
dungsbrücke auf. Die Erzwaggons sind so eingerichtet, dass sie sich nach 
unten mit Klappen öffnen, so dass das Erz direkt von den Waggons 
durch Rinnen in die Schiffe geleitet werden kann. Der Hafen, nur durch 
zwei schmale Wassersti'assen mit dem offenen Meere in Verbindung stehend, 
ist tief genug, um den grössten Seeschiffen den Zugang zu gestatten. 
Diese Tiefe ist jedoch keine natürliche, sondern hat künsthch mit einem 
Kostenaufwand von 600000 Kronen hergestellt werden müssen. Die Schiff- 
fahrt geht hier etwa Mitte Mai oder Anfang Juni auf und etwa Anfang 
November verlässt der letzte Dampfer den Hafen. Aber auch dann herrscht 
weder in der Stadt noch im Hafengebiet das Schweigen des Todes, wie 
wohl sonst in hochnordischen Städten und wie es uns Paul Nordau so 
ausführhch für Island schildert. Trotz der langen Wiuteruäclite, trotz 
Schneesturm und Kälte hält der Verkehr mit dem südlichen Schweden 
durch die Bahn an; von Gellivara heran donnern die Erzzüge und fleissig 
wird beim Scheine der ßogeiilampen gearbeitet, um die geförderten Erze in 
langen Haufen aufzuspeichern und für rasche Verladung im Sommer 
bereitzustellen. 

Wie schon mehrfach angedeutet, führt von Luleä eine Bahn nach 
dem nördlicher gelegenen, 210 Kilometer entfernten Gellivara. Zum 
Zurücklegen der genannten Strecke bedarf der Zug einer Zeitdauer von 
etwa 8 Stunden, fährt also sehr langsam. Gellivara im Krikkjokkgebirge 
liegt am Fusse des Dundret, eines 793 m hohen Berges, 67,6 Grad nörd- 
licher Breite. Die Stadt hat dasselbe freundhche Ansehen, dieselbe Bauart 
der Häuser wie Luleä, nur dass sich diese nicht in Strassenzüge ordnen, 
sondern verstreut durch einander stehen. Die Einwohnerzahl beträgt ca. 
2000 Seelen und verteilt sich auf Schweden und Finnen. Auch zwei 

4* 



52 

Lappenfamilien haben sich dauernd in der Stadt niedergelassen. Über- 
haupt tritt der lappländische Charakter mehr hervor. Die Stadt hat einen 
Lappmarkt, zu welchem die schweifenden Lappen zum Verkauf ihrer 
Produkte und Einkauf ihrer Bedürfnisse aus weiter Ferne heranziehen. 
Auch die Winterzeit veranlasst einen grösseren Zuzug der Landbevöl- 
kerung zur Stadt oder in die Nähe derselben. Der Sommer aber sieht 
auch andere Gäste hier. Die nach Luleä kommenden Touristen versäumen 
es selten, den bequemen Abstecher nach Gellivara zu machen. Besonders 
zur Zeit der Sonnenwende wird der Dundret eifrig besucht, um von seinem 
Gipfel aus die Mitteruacbtsonne zu sehen. Früher besuchte man zu 
gleichem Zwecke von Haparanda aus den Avasaksaberg, der aber infolge 
mangelnder Balinen viel schwerer und unter Aufwand viel grösserer An- 
strengung zu erreichen ist, als der Dundret. Aber auch sonst mag es 
sich wohl verlohnen, im Krikkjokkgebirge zu schweifen, das in seiner Welt- 
abgeschiedenheit, in seiner starrenden Ode den Charakter des Grossartigen 
trägt, der den nordischen Landschaften eignet. 

Was ich über die topographischen Verhältnisse der in Rede stehenden 
Gegend habe in Erfahrung bringen können, entlehne ich grossenteils 
Mitteilungen des schwedischen Staatsgeologen Dr. Friedr. Svenonius. Der 
Schwede ist entzückt von der wilden Naturschönheit gei-ade dieses Teiles 
seines Vaterlandes. Er bezeichnet die Gegend als nordische Schweiz, als 
Paradies des Nordens. Die ganze Landschaft trägt den Charakter eines 
Hochlandes, aus dem sich eine ganze Anzahl Gipfel bis zur stattlichen 
Höhe von 1800 m und darüber erheben, zwischen ihnen tief eingeschnittene 
Thäler mit spaltenreichen, weit ausgedehnten Eisfeldern und wild hiu- 
schäumenden Wassern. Im Hochgebirge bilden die bewaldeten Strecken 
nur sehr schmale Streifen, die den Thaleinschnitten folgen und sich je 
nach der Art der Bävime mehr oder minder nahe an die Schneegrenze 
heranziehen. Für die letztere kann natürlich keine allgemeine gültige 
Zahl gegeben werden, sie schwankt je nach der Gunst der Lage zwischen 
880 und 1400 m und steigt schnell, je weiter sie nach Osten rückt. Die 
Mitteltemperaturen giebt mein Gewährsmann für die kälteren Wintermonate 
Dezember bis Februar auf minus 12 bis 14 Grad Celsius an, für die Monate 
des Hochsommers auf plus 11 bis 14 Grad an. Das hindert natürlich 
nicht, dass zu Zeiten das Thermometer im Winter auf minus 40 Grad und 
darunter fallen, im Sommer auf plus 40 Grad und darüber steigen kann. 
Das Jahresmittel liegt m der Nähe des Nullpunktes. Von den Nadel- 
bäumen sind Tannen und Kiefern genannt, von Laubbäumen Birke, Eber- 
esche, Traubenkirsche und Weidenarten. Die übrige Vegetation schildert 
Svenonius als ausserordentlich üppig und spricht von lieblichen Blumen- 



53 

gärten voll Geranien, Aconitum, Echinospermen, Nelken u. s. w. von selten 
geschauter Grösse und Farbenpracht. Das Letztere will ich ihm wohl 
glauben, habe ich doch heute noch meine Überraschung über die satten 
Kolorite der Gentianeu und Rhododendron nicht vergessen, die ich auf 
den hochgelegenen Matten des Dachsteingebirges antraf. 

Über die Fauna habe ich nicht -^ael erfahren können. Die Mücken- 
plage ist im Sommer entsetzlich. 

An jagdbaren Tieren wurden Elche, wilde Renntiere, weisse Hasen 
und Füchse, niedere Raubsäugetiere, Reb-, Hasel- und Schneehühner 
genannt. 

Etwa eine halbe Stunde nördlich von Gellivara erhebt sich im 
Kvikkjokkgebirge der Erzberg Malmberget, ein langgestreckter Bergrücken, 
der sich in drei Erhebungen gliedert, Tiugvalls-Kule, Kungsryggen, je 
etwa 550 m hoch und der Välkomman, etwa 650 m hoch. Obgleich das 
Erz an vielen Stellen zu Tage tritt, erhebt es sich doch nicht, wie gefabelt 
worden ist, in stahlblauen Massen weithin strahlend in die Luft, sondern 
der ganze Erzberg ist fast bis oben hinauf mit Tannen und Kiefern be- 
waldet, unter denen Rasen und Moos den Felsen bedecken. Aber es bedarf 
nur eines leichten Abschürfens, um das Erz bloszulegeu. 

Nach Mitteilungen des Herrn Tiemann, Hüttenwerksdirektor in Dort- 
mund, welche derselbe 1894 in der Dezemberversammlung des Bezirks- 
Vereins deutscher Ingenieure für Westfalen über die Erzablagerungen in 
Schweden und Norwegen nach eigener Anschauung gemacht hat, schwankt 
die Mächtigkeit der Erzlager zwischen 30 und 200 m ; vielfach ist dieselbe 
noch unbekannt. Das Einfallen wechselt von 55 bis 80 Grad und ist ein 
südliches. Die ganze Länge des Erzvorkommens, in seinen Biegungen ge- 
messen, beträgt etwa 10 Kilometer, die Breite der erzführenden Gebirgs- 
partie wird zu 5 Kilometei- angenommen. Das Erz kommt zum Teil in 
sehr langen Linsen vor, welche den Charakter von Erzgängen annehmen, 
es finden sich auch kurze und schmale Erzlinsen in grösserer Anzahl. 
Durch Bohrungen ist das Erzvorkommen von den Berggipfeln bis zu einer 
Tiefe von 80 m unter der Thalsohle festgestellt, die Bohrkerne aus einem 
Bohrloch zeigen in der Tiefe unter der Thalsohle dieselbe Zusammen- 
setzung, wie über derselben. Die Eisenerze treten im Malmberge in drei 
Zügen auf; der erste und Hauptzug von 10 Kilometer Länge; in den 
Krümmungen gemessen, folgt dem Kamm des Höhenzuges, der zweite 
weit kürzere, tritt in der halben Höhe desselben auf und der dritte, kürzeste 
von etwa ein Kilometer Länge findet sich nahe am Fusse. Das Streichen 
der drei Parallelzüge ist von NW nach SO, der zweite und dritte Zug 
bestehen aus verschiedeneu Erzlinsen bis zu 60 Meter Mächtigkeit; die 



54 

mittlere Mächtigkeit beträgt etwa 45 Meter. Überdenkt man nochmals 
die für die Mächtigkeit und Ausdehnung der Erzlager bis jetzt bekannten 
Zahlen, so muss man ob der Grösse dieser Erzlager staunen; es ist nicht 
zu viel gesagt, wenn behauptet worden ist, dass diese Erzlager genügen, 
um den Eisenbedarf der Erde auf Jahrzehnte, ja Jahrhunderte zu decken. 
Das Erz im Malmberg tritt in einem granitähnlichen Gestein auf, nach 
der Annahme Porphyr und Hälleflintgneis; dieser Porphyrgneis wird im 
NW durch ein mächtiges Granitmassiv begrenzt, im S und SW durch 
grauen und rothen Gneis. 

In mineralogischer Hinsicht sind die Gellivara-Erze durchweg Magnet- 
eisenerze, also Eisenoxydosidul. Die Erze sind mehr oder minder rein, 
ihr Eisengehalt schwankt zwischen 60 und 70 Prozent, der für die Eisen- 
industrie wichtigste zweite Bestandteil, der in der Form von Apatit vor- 
handene Phosphor variiert zwischen einigen Plundertsteln bis etwas über 
zwei Prozent. Aus technischen Gründen hat man eine Einteilung der 
Erze in fünf Klassen A — E beliebt, die nach dem .steigenden Phosphor- 
gehalt klassifiziert sind. Klasse A hat 67 — 69 % Eisen und bis 0,0 5 % Phos- 
phor, B 67-68 % Eisen und 0,06—0,10 % Phosphor, C 65—68 % Eisen 
und 0,3—0,7 % Phosphor, D 62—66 % Eisen und 0,8—1,30 % Phosphor, 
E 60 — 62 % Eisen und 1,5 und darüber Prozent Phosphor. Diese Klassen 
sind natürlich in den Gruben nicht streng geschieden; z. B. werden 
aus der Kung Oscargrube sowohl B- als 0-, als auch D-Erze gefördert; 
immerhin aber liegen die Erze in grosser Gleichmässigkeit der Zusammen- 
setzung in dichten Massen beieinander, ein Umstand, der für die Betriebs- 
technik ausserordentlich wertvoll ist. Die die Klassenunterschiede bedin- 
genden, begleitenden Mineralien finden sich in den Erzen der A-Klasse 
ganz fein verteilt, so dass sie dem unbewaffneten Auge nicht sichtbar 
sind; in den letzten Klassen treten sie als makroskopische Einsprengungen, 
Nester, Streifen und Schichten auf. Stets vorhanden ist Apatit, meist von 
spargelgrüner oder gelblicher Farbe, ferner kommen vor Hornblende, 
Glimmer, Feldspath und Quarz. 

Das Auffinden dieser mächtigen Erzlager ist nicht etwa einem gün- 
stigen Zufall der jüngsten Zeit zu verdanken, sondern ihr Vorkommen ist 
nachweislich seit etwa 200 Jahren bekannt. Der schwedischen Regierung 
kann man nachsagen, dass sie die Bedeutung des Erzvorkommens für ihr 
Land recht wohl erkannte. Wiederholt sandte sie wissenschaftliche 
Expeditionen in das Gebiet zur Erfoi'schung desselben und ermunterte 
und unterstützte Unternehmer durch Verleihumg von Gerechtsamen, ja 
sogar durch Geldmittel. Aber wie im Märchen die Hand verdorrt, die 
sich vorzeitig nach den Schätzen der Tiefe ausstreckt, so verunglückten 



55 

auch hier die immer und immer wieder unternommenen Versuche zu 
gewinnbringendem Abbau. Noch heute erinnern die Namen einiger Gruben 
an frühere Unternel^mer. Ein Lieutenant Tingvall richtete um 1735 zwei 
Hammerhütten und einen Hochofen ein. Gegen Ende des vorigen Jahr- 
liunderts kamen die Erzfelder iu den Besitz des Barons Hermelin. Der 
muss ein sehr energischer und umsichtiger Herr gewesen sein. Er baute 
Wege, zog Ansiedler ins Land, betrieb Hochöfen und Hammerwerke. 
Aber auch er scheiterte an der Ungunst der Transport- Verhältnisse und 
Lage. Der Renntierschlitten ist und bleibt ein unvollkommenes Beför- 
derungsmittel für schwere Masseugüter. Alle Versuche kamen nicht über 
den Anfang hinaus, die Erzfelder gingen von Hand zu Hand. Es musste 
die Zeit der Eisenbahnen, die Zeit einer grossartig entwickelten Technik, 
die Zeit der Aktiengesellschaft mit ihrer Massierung ungeheuerlicher, 
mobiler Kapitalien kommen. Mitte der 60er Jahre bildete sich eine 
englisch-schwedische Gesellschaft. Diese wollte deu Luleä-Elf kanalisieren 
und so die Erze ans Meer schaffen. Die Regierung gewährte eine Unter- 
stützung von einer Million Kronen, das Geld wurde verbraucht, nichts 
Ordentliches zu Stande gebracht. Anfang der 80er Jahi'e übernahm eine 
englische Gesellschaft die Felder „the new Gellivara Comjjany limited." 
Sie setzte sich mit der Svedish and Norvegian Railway Company in Ver- 
bindung und diese baute bis 1887 die Eisenbahn von Luleä bis GeUivara. 
Eine weitere Gesellschaft, the Anglo-Scandinavian Steamship Company, 
übernahm den Export der Erze und schliesshch sollte die Magnetic Iron 
Mounting smeltiug Company zu Wolta on Tyne die Erze verschmelzen. 
Aber auch dies grossartig angelegte Unternehmen ging in die Brüche. 
Das zuerst erblasene Roheisen war zu reich an Phosphor, desshalb musste 
die Verarbeitung der Erze in Wolta aufgegeben werden. Die Bergwerks- 
gesellschaft konnte für ihi'e Erze keine Käufer finden und ausserdem er- 
wies sich die Bahn als schlecht gebaut. Die Eisenbahogesellschaft hatte 
aber wieder kein Geld mehr, die Bahn in Ordnung zu bringen, und so 
wurden die mit so vielen Hoffnungen gegründeten Gesellschaften aufgelöst. 
Nunmehr übernahm die Regierung die Eisenbahn und verlieh die Gruben 
an eine schwedische Gesellschaft, die sich im Jahre 1891 als Actiebolaget 
Gellivara Malmfailt in Stockholm konstituierte. Welche Entwickelungsstufe 
die Erzwerke unter dieser neuen Gesellschaft gewonnen haben, erhellt aus 
den unten angeführten Zahlen. 

Gegenwärtig wird auf acht Gruben gearbeitet, Hertigen, Frederike, 
Välkoman, Johan, Josefina, Upland, TingvallskuUe und Kung Oscar. Alle 
diese Gruben sind Tagebau, d. h. sie werden nach Art unserer Steinbrüche 



56 

abgebaut, nur die Hermelingrube ist Tiefbau und ausserdem hat man einen 
Schacht auf Frederike getrieben. Sämtliche Gruben liegen höher, als die 
Bahnstation Malmberget und sind mit dieser durch Schienenstrang ver- 
bunden. Der Transport der Erze nach der Bahn erfolgt mittels eines 
sogenannten Bremmsberges, d. h. einer Vorrichtung, dass die beladene Lowry 
durch eigene Schwere zu Thale rollt, während die ausgelöste lebendige Kraft 
benutzt wird, eine leere Lowry von der Bahnstation bis zur Grube empor- 
zuziehen. Auf der Station Malmberget werden die Erze in die Transport- 
waggons nach Luleä umgeladen. Die Waggons wieder sind so stark kon- 
struiert, dass sie das 2V2fache der sonst üblichen Last, also 25 tons tregen. 
Ein solcher Erzzug repräsentiert ein gehöriges Gewicht und stellt an den 
Unterbau der Strecke entsprechende Anforderungen. Die Bohrarbeit in 
den Brüchen wird mittels langer einmännischer Bohrer ausgeführt, die 
Bohrlöcher werden in der Stärke von 15 — 25 mm Durchmesser etwa 
oVa — 4 m tief in das Gestein gebohrt, mit Dynamit geladen und mit 
elektrischer Zündung abgeschossen Die Leistung eines Mannes pro Schicht 
beträgt etwa 10 tons Erz. Im Sommer werden 800 Mann, im Winter 
600 Mann beschäftigt. Trotz Tagebau ist weder in der kalten, noch in 
der warmen Jahreszeit die Arbeit ohne Beschwer; im Sommer belästigen 
LIitze, die bis zu 40 Grad ansteigen kann, und Moskitoschwärme, im 
Winter sind die kurzen Tage, Kälte und Schuee dem Betriebe hiuderhch. 
Die Kälte beträgt mitunter 50 Grad Celsius, bei 40 Gi-ad wird noch in 
den Gruben bei elektrischem Lichte gearbeitet, da von 10 Grad Kälte an 
die Luft meist absolut ruhig zu sein pflegt. Der Arbeitsverdienst der 
Leute beträgt pro Schicht für die Bohrer 4,50 — 5,65 Mark; für die Trans- 
porteure 3,40 — 4,00 Mark. Die Arbeiter rekrutieren aus Schweden und 
Finnen, letztere an Zahl überwiegend. Lappen sind unter den Gruben- 
arbeitern nicht; der Lappe eignet sich nicht für solche schwere Arbeit. 
Die in den Gruben beschäftigten Leute haben sich in Blockhäusern auf 
dem Malmberge selbst augesiedelt, auch der Betriebsingenieur der Werke 
hat sich unter ihnen eine stattliche Villa gebaut. 

Gellivara-Erze werden in Schweden selbst nur in verschwindenden 
Mengen verarbeitet, die Hauptmasse der geförderten Erze wird nach 
Deutschland, Österreich, England, Frankreich und Belgien exportiert. Schon 
in den früheren Jahren sind geringe Erzmengen, wie wir ja gesehen haben, 
nach dem Auslande gebracht worden und schlesische Hütten haben schon 
Anfang der 80er Jahre schwedische Erze, darunter auch Gelhvara-Erze 
bezogen. Rechtes Leben ist aber in das Geschäft erst gekommen, seit 
der Zeit, als die Actiebolaget Gesellschaft Malmfailt den Betrieb über- 
nommen hat. 



57 

Im Jahre 1892 wurden im ganzen 120000 tons exportiert, der Export 
ist gestiegen, so dass er 1896 620000 tons betrug. 

Deutschland ist einer der Hauptabnehmer dieser Erze erst geworden, 
als die hiesige Firma L. Possehl & Co. die alleinige Vertretung der schwe- 
dischen Gesellschaft für ganz Deutschland und Österreich übernahm. Die 
genannte Firma engagierte sich 1894 nur für Ostdeutschland und führte 
im ersten Jahre ca. 95000 tons Gellivara-Erze nach Schlesien und Öster- 
reich ein. 1895 erstreckte sich dann ihr Wirkungsbereich über ganz 
Deutschland und Österreich und nunmehr kam Verwendung der Gellivara- 
Erze immer mehr in Aufnahme. 1895 wurden 290000 tons importiert 
und ausserdem mit den grossen Lagern geräumt, die in den vorangegan- 
genen Jahren in Westfalen und Rheinland von der Gesellschaft aufge-- 
speichert worden waren. 1896 betrug der Import ca. 442000 tons m:id 
für 1897 ist bereits eine Einfuhr von ca. 700000 tons gesichert. Solche 
Zahlen sind leicht ausgesprochen, aber nicht so leicht in ihrer Grösse be- 
griffen. Um die Erzmenge für 1896 nach Deutschland zu schaffen, sind 
nicht weniger als 168 Dampferladungen von 2000 — 5000 tons nötig ge- 
wesen. Wollte man die 1896 importierten 442000 tons auf der Eisenbahn 
verfrachten, so würden 44200 Waggons ä 10000 kg notwendig sein. Da 
nun die Länge einer Lowry pp. 6,5 m von Puffer zu Puffer gemessen 
beträgt, rechnet sich die Erzmengo auf einem fortlaufenden Zuge verladen 
vorgestellt auf 287 km, d. i. eine Strecke von Hamburg bis beinahe Berlin 
(296 km). Die in Luleä mit Gellivara-Erze beladenen Dampfer laufen für 
Ostdeutschland auf Siettin und Neufahrwasser. Die für Westdeutschland 
bestimmten Erze gehen nach Rotterdam und Amsterdam, um von dort 
rheinaufwärts an ihren Bestimmungsort zu gelangen. Es ist ewig schade, 
dass dieser riesige von einer Lübecker Firma bewerkstelligte Import solcher 
Massen nicht über unsere Stadt geleitet werden kann. Welchen Aufschwung 
würde Lübeck nehmen, welch lebhaftes verkehrsreiches Bild würde unser 
Hafen zur Sommerszeit bieten, wenn jene stolzen Ozeandampfer in unseren 
Wassern über Sommer ihre bunten Wimpel breiten würden. Wie mir 
gelegentlich vom Chef der Firma Possehl angedeutet wurde, wird es 
möglich sein, nach dem Fertigstellen des Elbe-Trave-Kanals wenigstens das 
Erz für einige Hütten Thüringens, des Harzes und Böhmens in Lübeck 
anlaufen zu lassen. Auch die geplante Einführung von Staffeltarifen für 
Erze auf den deutscheu Eisenbahnen dürfte für einige Hütten den Erz- 
import über Lübeck gestatten. Wenigstens eine Aussicht, ein Ersatz 
für die Einbusse, die unsere Stadt notwendigerweise durch den Nordostsee- 
Kanal erleiden muss. Achten wir aber auch das Stück kaufmännischer 
Arbeit nicht gering, das in der Einführung und Verteilung solch' gewal- 



58 

tiger Massen liegt. Wer selbst in industrielleii Betrieben thätig gewesen 
ist, weiss was es heisst, ein neues Robmaterial in dieselben einzuführen. 
Arbeiter, Werkmeister, Betriebsbeamte industrieller Anlagen sind im all- 
gemeinen solchen Neuerungen nicht geneigt, ändern und stören sie doch 
die gewohnte Arbeitsweise und erfoi'dern erhöhte Auhnerksamkeit und 
Beobachtung. Das Trägheitsmoment ist nun einmal ein schwerwiegendes 
Imponderabile nicht nur auf physischem, sondern auch auf intellektuellem 
Gebiet. Seine Überwindung setzt geduldige, unermüdliche Arbeit voraus. 
Diese in den letzten Jahi-en erfolgte Einführung und Verteilung der 
Gellivara-Erze erscheint mir aber auch als ein treffliches Beispiel für die 
direkte Produktivität der rein distributiven Thätigkeit des Kaufmanns. 

Noch aber bleibt die Frage zu beantworten, was die deutschen Eisen- 
hütten veranlasst, Erze aus weiter Ferne heranzuholen, da doch unser 
Vaterland nicht gerade arm an Eisenerzlagern genannt werden kann. Den 
ostdeutschen Hütten standen die österreichischen Spateisensteine zu Gebote, 
den rheinischen und westfälischen Werken die Brauneisensteine des west- 
lichen Deutschlands. Und grosse, grosse Erzlager kamen hinzu, als durch 
die politischen Ereignisse des 70er Jahres Lothringen an Deutschland kam, 
Luxemburg im Zollverbande verbheb. Besonders in der lusembu.rger und 
lothiingischen Minette war ein geschätztes Material gewonnen, da seine 
Gewinnung eine wenig kostspielige ist, sein Kalkgehalt an Zuschlägen 
Ersparungen zulässt. Werden doch die lothringischen Eisenlager allein 
auf 35000 ha mit 2 Milliarden Tonnen Minette Inhalt geschätzt. Die 
Antwort auf die zuvor gestellte Frage, warum Deutschland fremde Eisen- 
erze beziehen müsse, lässt sich kurzer Hand nicht geben. Deutschland 
hat seine Eisenindustrie auf eine hohe Stufe der Eutwickelung gebracht 
und nimmt unter den Eisen produzierenden Ländern einen hervorragenden 
Platz ein. Es produzierte 1895 an Thomaaroheisen ca. 2900000 tons, 
d. i. 50,1 % der Gesamtproduktion, au Bessemer Roheisen ca. 450000 tons, 
d. i. 7,7 % der Gesamtproduktion in Höhe von ca. öVs Millionen tons. 
1896 war die Produktion Deutschlands noch bedeutend gesteigert. Zur 
Erzeugung solcher Massen von Roheisen würden die deutschen Erzlager 
wohl auf längere Zeit vorhalten, doch aber verbietet sich der alleinige Ver- 
brauch für die deutschen Hütten aus verschiedenen Gründen. Einmal 
lässt sich aus Minette oder deutschen Eisenerzen allein kein gutes Roh 
eisen erblasen aus gleich näher auszuführenden Ursachen. Die deutschen 
Eisenerze sind arm, d. h. ihr Eisengehalt ist ein geringer, er liegt zwischen 
35 — 45 %^ dann aber sind sie sehr phosphorreich, ihr Phosphorgehalt 
schwankt zwischen V^ — '/* %■ Dieser Phosphorreichtum gestattet wohl 



59 

noch die Verwendung zur Herstellung von Thomasroheisen, nicht aber 
für Bessemer Roheisen und andere Roheisen Spezialitäten. 

Der durchgängig hohe, 60 — 70 % enthaltene Eisengehalt der schwe- 
dischen Erze hat auch den weiteren Vorteil, dass sich mit der gleichen 
Menge Coke und Zuschlag eine grössere Eisenmetallmenge ausbringen 
lässt; es werden also durch teilweise Verwendung schwedischer Erze Er- 
sparungen an Coke gemacht. Weiter ergiebt ein mit schwedischen Erzen 
beschickter Hochofen wegen des grösseren Eisengehaltes derselben ein 
grösseres Ausbringen an Roheisen, als ein mit den ärmeren Minetteerzen 
beschickter Hochofen, was für die Gestehungskost des Roheisens von ganz 
erheblichen Einfluss ist. Weiter liegt ein grosser Teil der rheinischen und 
westfälischen Hütten in einer Entfernung von den deutsch-lothringischen 
Erzgruben, dass der Bezug dieser Erze durch die Höhe der Eisenbahn- 
fracht bedeutend erschwert wird. Ja ständen den Hütten biüige Wasser- 
frachten (Moselkanal-Zabern) zur Verfügung, so läge die Sache anders. 
So aber gestaltet sich der Bezug der schwedischen Erze noch vorteilhaft. 
Auch können die schwedischen Erze einen grösseren Frachtsatz eben 
wieder ihres höheren Eisengehaltes wegen ertragen. Für die Darstellung 
des Bessemer Roheisens, des Giessereiroheisen, des Martinroheisen und 
anderer Spezialitäten muss von vornherein ein phosphorreines oder phos- 
phorarmes Rohmaterial zur Verwendung kommen und deshalb ist für 
diese Eisensorten die deutsche Eisenindustrie auf den Bezug phosphor- 
reiner oder phosphorarmer Erze angewiesen. Da sich solche in Deutsch- 
land in ausreichender Quantität und Qualität nicht finden, müssen sie 
vom Ausland — Spanien oder Schweden — eingeführt werden. Vor den 
spanischen Erzen, deren Einfuhr bislang noch die der schwedischen an 
Menge etwas übersteigt, haben die schwedischen wieder den Vorzug des 
höheren Eisengehaltes. Während die spanischen Eisenerze nicht über 
55 % Eisen hinauskommen, erreichen die schwedischen phosphorarmen 
Erze einen Prozentgehalt von 68 — 70. Die Frage, ob schwedische oder 
spanische Erze zu beziehen seien, ist für die produzierende Hütte ein reines 
Rechnungsexempel, welche der beiden sich im Bezug wohlfeiler stellen. 
Und die spanischen Erze sind nicht die einzigen, welche auf dem Markte 
mit den Gellivara-Erzen konkurrieren. Einen gefährlicheren Gegner noch 
haben die Gellivara-Erze in ihrem eignen Vaterland in den Grängesberger 
Erzlagern, die südlicher in Schweden — der Hafen ist Oxelösund, etwa 
60 Grad n. B. — gelegen, den Vorteil kürzerer Seefahrt, billigerer Fracht 
haben. 

Alle diese Verhältnisse sind natürlich der Gellivara Malmfält i'echt 
wohl bekannt und sie weiss auch recht gut, dass sie den spanischen 



60 

und Grängesberger Erzen gegenüber insofern im Nachteil ist, als diese 
fast das ganze Jahr hindurch direkt bezogen werden können, während der 
Import der Gellivara - Erze sich auf die fünf Sommermonate beschränkt. 
Deshalb beabsichtigt die Gesellschaft auch die Bahn von Gellivara aus 
nordwestwärts weiter zu führen bis an die Küste von Norwegen, bis 
Ofoten-Fjord, den kleinen Hafen Victoriahavn, der aber, am Ausläufer 
des Golfstromes gelegen, das ganze Jahr hindurch offen bleibt. Hierüber 
sprach ich gelegenthch mit einem der Herren von der Gellivara-Gesellschaft 
und äusserte mein Bedenken, ob diese Bahn im Wintei- des Schneefalls 
wegen betriebsfähig bleiben würde. Er schien sehr beruhigt darüber. 
Wenn bei uns, in so hohem Norden, sagte er, Schnee gefallen ist, so liegt 
er fest und ruhig, weht und treibt nicht. Das was au Schneetreiben im 
Anfang des Winters vorkommt, ist in seinen Wirkungen leicht durch 
Holztunnel zu paralysieren. Vielleicht erinnern Sie sich bei dieser Gelegen- 
heit einer kurzen Notiz im Globus (LXXI Nr. 5), die Palleske über die 
Bahn brachte. Die Strecke ist bereits traciert und führt durch Gegenden, 
die Mineralschätze in Hülle und Fülle bergen. Westlich von Gellivara 
liegen die Ruotevarer Erzlager, noch unangetastet, aber in ihrer Aus- 
dehnung, wie schon jetzt konstatiert, noch mächtiger sind als die Gellivara- 
Erzlagei', nördlich davon in Svappavara sind gleichfalls unermessliche 
Erzlager gefunden, Blei und Silbererzlager bei Kerkevara und Lilpakjakko. 
So stehen wir denn erst am Anfange der Ausbeutung des Mineralreichtums 
im nördlichen Schweden und sein Einfluss, seine Bedeutung auf die 
Montanindustrie Europas wird sich mit den verbesserten Verkehrsmitteln 
der Neuzeit von Jahr zu Jahr steigern. Steinkohle und Eisen sind die 
Nerven des heutigen Industrielebens. Von der Steinkohle wissen wir, dass 
ihr Vorrat noch auf Jahrhundeiie reicht. Ein Blick auf die Eisenlager 
Nordschwedens allein genügt, um uns die Sicherheit zu geben, dass auch 
für Eisen auf absehbare Zeit gesorgt ist. Weder an Steinkohle noch an 
Eisen wird es imsern sj^ätesten Nachkommen fehlen und mit diesen beiden 
Stoffen halten sie die Mittel in den Händen, die Kultur und den Fort- 
schritt an sich zu fesseln und zu behaupten. 

Ich bin zu Ende, noch aber habe ich mich der Dankespflicht zu 
entledigen, für all die Unterstützung, die mir beim Zusammentragen des 
Materials für diesen Vortrag und bei der Ausarbeitung desselben zu teil 
geworden ist. 

In erster Linie muss ich meinen Dank der Firma L. Possehl & Co. 
hier aussprechen. Sie ist es gewesen, die mir in liberalster Weise die in 
ihrem Besitz befindliche einschlägige Litteratur, die Daten über Export 
und Import, die Muster und Abbildungen zur Verfügung gestellt hat. 



61 

Meiu Dank gebührt aber auch den Herren Thilo und Peters von der 
genannten Firma, die meine wiederholten NacMragen mit nicht ermüdender 
Geduld beantwortet haben. 

Im Rahmen eines Vortrages hat es immer seine Schwierigkeit, an 
Ort und Stelle die betreifeuden Quellenangaben zu machen und deshalb 
erwähne ich nochmals die hauptsächlichsten derselben: 

1. Vortrag des Herrn Direktor Tiemanii in Dortmund: Die grossen 
Eisenablagerungen in Schweden und Norwegen. Stahl und Eisen Nr. 5 
des 15. Jahrgangs. 

2. über Silber- und Eisenerze in Norbotteu-Säus von Dr. Friedr. 
Svenonius. 



Der Ausbruch des Vulkans Kirishima in Japan, 15. März 1896. 

Von D. Lievre, 

Unterkomraissar der Marine. 

(Soc. de Geographie comroerciale du Hävre. Bulletin 1896, N). 
Übersetzt von Aug. Sartori. 

W ähreud meines Aufenthaltes in Japan im verflossenen Märzmonate 
war ich Zeuge eines jener plötzUclien und gänzlich unerwarteten vulkani- 
schen Ausbrüche, welche sich in der letzten Zeit mehrfach gezeigt haben. 
Auf dem Gipfel des Kirishima, auf der Insel Kiushiu, wurde ich durch 
eine so unerwartete Eruption überrascht, dass mir die Flucht unmöglich 
war. Gegen meinen Willen habe ich am Rande des Kraters diesem 
einzigen und schrecklichen Schauspiele beiwohnen müssen. 

Unter allen Inseln, aus welchen Japan besteht, ist Kiushiu, etwas 
grösser als Sizilien und etwas kleiner als Bayern, eine von denjenigen, 
auf welchen sich die plutonische Macht mit der grössten Stärke offenbart 
hat. Man kann sagen, dass sie ein Erzeugnis ihrer Vulkane sei. Auf 
einer Linie von 300 Kilometern von Norden nach Süden reiht sich ein 
Vulkan an den andern, einige in voller Thätigkeit, mehrere ausgestorben 
oder mindestens eingeschlafen. 
Es sind: 
der Tsurumi yama, nur Schwefeldünste ausstossend; 
der Atso San, den ich im Juni 1895 bestiegen habe; er besitzt 
sowohl den schönsten Krater Japans in voller Thätigkeit, als 
auch den ausgedehntesten der ganzen Erde, denn er hat einen 
Umfang von beinahe 90 km. Sein letzter Ausbruch fand 
1884 statt; 
der Kirishima; 
der Mi Taka auf der Insel Sakura. Er stösst Schwefeldünste aus; 

sein letzter Ausbruch geschah 1828; 
der Kaimon dakaam Eingange der Bai von Kagoshima (ist er- 
loschen). 



63 

Seitwärts von dieser Zentralkette liegen: 

der Onseu, er hatte 1792 einen Ausbruch und stösst seitdem 
Schwefeldünste aus; 

der Taka daka, seit mehreren Jahrhunderten erloschen. 
Hinzu kommt eine Menge kleinerer Vulkane. 

Die Hauptmasse des Vulkans Kirishima bildet einen Teil des 
Gerüstes der Insel Kiushiu. Sie ist ihr höchster Punkt und schliesst sich 
an die lange vulkanische Kette an, welche durch Japan hindurch das 
ganze Stille Meer mit einem furchtbaren Feuergürtel umgiebt. 

Obgleich er jetzt nur einen Krater besitzt, ist er doch zu einer noch 
ziemlich neuen Zeit einer der mäclitigsteu feuerspeienden Centren des 
Landes gewesen. Auf einer Strecke von kaum 20 Kilometern öffnen sich 
in einer Reihe von Nordost nach Südwest die fünf Kraterseeen des 
Shiratori San, der Nishi Kirishima oder Karakuni Midaka mit 
seinen beiden Kratern, dem auf dem Gipfel und dem See Onami, der 
Shimo Oitaka (Oataka) und der Higshi Kirishima oder Takachio 
(Takaschiho). 

Wenn man diese Kette aus der Ferne betrachtet, so gewährt sie mit 
ihrem Fusse von fiostern Wäldern, aus welchen die spitzen Piks des 
Takaschiho und des Karakunimi samt dem verwüsteten Dome des Shimo 
Oitaka sicli emporstrecken, einen sehr grossartigen Anblick. Der Nishi 
Kirishima ist mit seinen 1839 ni der höchste Punkt des Massivs, da der 
Higashi Kirishima nur 1681 m hat. Aber dieser, ein vorgeschobener 
Posten, den das Gebirge nach Süden aufgestellt hat, verdankt seiner mehr 
isolierten Lage und den schweren Rauchwolken, in welche er sich kleidet, 
eine viel grossartigere Majestät. 

Auf seinem Gipfel stieg vor beinahe 2700 Jahren der Gott Isanagi 
Isanami, Enkel der Sonne und Grossvater des Jimmu Tenno, des ersten 
Mikado, vom Himmel herab, um die japanesische Nation zu gründen. 
Sein Schwert, das himmlische Schwert, ist noch in dem Berge verschlossen. 

Diese Berge, vielleicht die grossartigsten, welche es auf Kiushiu giebt, 
sind den Reisenden fast unbekannt; sie werden ohne Zweifel durch ihr 
ernstes Aussehen und ihre Entfernung von jeder grossen Verkehrsstrasse 
abgeschreckt. 

Am 13. März 1896 verliess ich Nagasaki auf dem Keishinmaru, 
einem jener einzigen Dampfer, welche ohne die geringste Rücksicht auf 
Bequemlichkeit Reisende und Waren an den Küsten von Kiushiu beför- 
dern. Keine Kabine, nur eine einfache Kammer für alle im hintern 
Teile, in welcher sich Besatzung und Passagiere auf Matten ausstrecken. 
Aber eine Nacht verfliesst schnell. Am andern Morgen rundeten wir den 



64 

Kaimon daka, eines der mächtigsten vulkanischen Profile von Japan, 
und wenige Stunden später landete ich in Kagoschima. 

Meine Absicht war, nordwärts zu gehen, den thätigen Krater des 
Kirishima zu sehen und die erloschenen Vulkane zu besuchen, die ihn 
umgeben. Nach Beendigung meiner Bergbesteigungen wollte ich nach 
Hotoyoshi gehen, und an den Stromfällen des Kumagana abwärts über 
den Onsen nach Nagasaki zurückkehren. 

Kagoshima bietet den Augen kein so entzückendes Bild, wie Naga- 
saki dar. Die Stadt ist allerdings von grünen Hügeln umgeben, aber, 
versteckt hinter ihren schwarzen Hafendämmen, erdrückt von dem gewal- 
tigen Sakura jima, der sich mitten auf der Reede erhebt, kommt sie kaum 
zu Gesicht, wie verloren auf der weiten Ebene, die sie rings umgiebt. 

Gegenwärtig Hauptort der Präfektur Kagoshima ist sie eine der 
wichtigsten Städte des südlichen Japans geworden. Ihre Baumwollen- 
spinnereien, Cigaretten- und besonders Fayence -Fabriken machen sie zu 
einem der bedeutendsten Industrieplatze von Kiushiu. 

Verlässt man die Stadt, so erblickt man sofort das entfernte Ziel 
meiner Wanderung, den Kirishima. Er bläst langsam dicke Dampf wölken 
zum Himmel. Bis zum Abend verlor ich ihn nicht aus den Augen. 

Obgleich die Ufer der Bai sehr bevölkert sind, fehlt es doch sehr an 
Dörfern. Kaschiki, der Hauptort der Unterpräfektur gleiches Namens 
mit 10000 und Kokubu an der Mündung des Shin-Kawa mit 17000 Ein- 
wohnern sind die einzigen bevölkerten Orte von einiger Wichtigkeit. 

Von Hamanoischi, dem Punkte, wo mau der Reede den Rücken 
kehrt, bis Matsunaga durchquert man eine weite, dem Meer abgewonnene 
Ebene, welche jetzt zum Reisbau dient. Landgüter und Dörfer folgen 
fast ununterbrochen auf einander an den Ufern des Flusses, welcher sich 
mitten durch die Felder nach dem Meere schlängelt. 

Aber in Matsunaga stösst man unmittelbar auf das Gebirge, welches 
sich wie eine unersteigbare Mauer über die Ebene erhebt. Man muss klettern. 
Ein Pfad führt schlangenförmig über die Schutthaufen, während an andern 
Stellen die Felsen über tiefe Schluchten hinüberhängeu. Auf der Hoch- 
ebene giebt es keine Dörfer mehr, kaum hier und dort eine einzelne Hütte, 
welche sich im Grün versteckt. Eine alte Fichtenallee, zerrissen vom 
Wind, halb vom Feuer zerstört, bietet quer durch die weite Einöde einen 
imposanten Blick auf den Kirishama. Aber der richtige Weg verlässt sie. 
Einige Kilometer über die Höhe weiter senkt er sich plötzlich nach Okubo 
im Thale von Shinkawa, welches er weiter unten verlassen hatte, und das 
der rauchende Vulkan in der^Ferne auf das Grossartigste krönt. Wiederum 
kreuzt man den Fluss. Noch einige Male hinauf und wieder hinunter 



65 

und man befindet sich am Fusse einer halbzerstörten, von Kryptomerien 
umgebenen Treppe, auf deren Höhe ein Portikus stellt, aus rotem Holze. 
Dieser Torii ist der Eingang zum Dorfe Kirishima. 

Es wird Nacht; ich kehre in der ersten Herberge, Yoshimatsu, ein. 
Das Dorf besteht nur aus einer kleineu Zahl von Häusern, welche sich 
um einen Shinto-Tempel gruppieren. 

Hier verlässt mich mein bisheriger Führer und kehrt nach Hama- 
noichi zurück. Der Wirt des Gasthofes, in welchem ich ein Unterkommen 
fand, Sakomoto Magoso, ist bereit, an seine Stelle zu treten. 

Da das Programm für den folgenden Tag sehr stark war, machten 
wir uns an diesem, dem 15. März, schon vor Sonnenaufgang auf den Weg. 

Wir Hessen den Tempel links Hegen und benutzten quer durch den 
Wald die neue Strasse von Hamanoischi nach Miyazaki, weiche sich um 
die Hälfte des Massivs herumschlängelt. Nach einer Stunde können wir 
wieder den Vulkan sehen, was im Dorfe nicht möglich war, weil er durch 
einen Vorsprung des Gebirges und einen dicken Wald verdeckt war. Der 
Krater öffnet sich nicht auf dem Gipfel, sondern ein wenig weiter nach 
unten im Südwesten. Von den Dämpfen am vorigen Tage keine Spur 
mehr. Ein dünner Schleier von weissem Dampfe, so zart wie der eines 
Kamins steigt au der Seite eines Felsblockes auf dem höchsten Punkte 
des Grates auf, aber an der Ausseuseite. Dann, je näher ich komme, 
bemerke ich einen leichten roten Dampf, welcher aus dem Krater aufsteigt, 
ein fast unbemerkbarer Schleier, den die Brise sofort am Himmel zerstreut. 
Aber kein Geräusch lässt sich hören. Schweigen umhüllt das Gebirge. 
Wir sind auf der Grenze der Vegetation; der Vulkan ist von einer Todes- 
zone umgeben. Keine Pflanze grünt an seinen Seiten, kein Vogel, kein 
Insekt unterbricht mit seinem Fluge die ängstHche Stille des Himmels. 
Ist dieses Schweigen, ist sie eine Erinnerung an seinen letzten Ausbruch, 
bei welchem japanische Touristen in einer Flut kochenden Wassers um- 
kamen, welches er verräterisch über sie ergoss? Ist es der Anblick der 
furchtbaren eingestürzten Felsabhänge, auf denen das Auge nicht eine 
freundliche Farbe erblickt, noch der Fuss eine Stelle, wo er sicher stehen 
kann? Ich weiss mich nicht auszudrücken, aber die Erinnerung an diesen 
ersten Anblick des Kirishima verursacht mir noch einen eisigen Schauer, 
obgleich ich kein Neuling im Besuche von Vulkanen bin. 

Kein Weg führt zum Krater. Nachdem ich mich mit meinem 
Führer beraten habe, entscheide ich mich dahin, ihn im Westen zu er- 
steigen. Hier ist die Höhe am geringsten und der Wind treibt die Dämpfe 
nach der andern Seite. Ich wählte einen Rücken zwischen zwei Schluchten, 
wo der Abhang mir minder steil schien, und der Aufstieg begann. Diese 

5 



66 

Schluchten sind im Anfange etwa 50 m breit, aber vereinigen sich beim 
Gipfel. Sie sind nicht tief, doch nach den ersten Schritten bemerkte ich, 
dass es klüger wäre, sich davon fern zu halten; jeden Augenblick, ohne 
eine bemerkbare Ursaclie, löst sich an ihren Rändern ein Stein und rollt 
still bis auf den Grund. Ich habe mich seitdem gefragt, ob diese geheimnis- 
vollen Einstürze nicht von uubemerkbaren Schwankungen des Berges her- 
rührten, zu schwach, um vom Fusse bemerkt zu werden ungeachtet der 
angesti'cngten Aufmerksamkeit, M'elche ich darauf verwandte. Auf der 
Mitte des Weges verliess ich meinen Führer, welcher, in seine Gebete ver- 
sunken, zu laugsam marschierte, und setzte meinen Aufstieg schneller fort. 

Der Boden, auf welchem ich gehe, ist ein harter und glatter Tuff, 
aus Asche und erstarrter Lava bestehend. Einige Schritte vom Gipfel 
wird der Abhang plötzlich so steil, dass ich micli frage, ob es nicht klüger 
wäre, umzukehren, denn ich bin nicht sicher, ob ich zurückkomme, Aber 
ich bin so nahe beim Gipfel, dass ich trotz allem mich entschliesse, 
meinen Weg fortzusetzen. Ein einfacher Grat von liarter Asche, höchstens 
vier oder fünf Meter breit, trennte mich vom Krater, welcher sich jenseits 
senkrecht öffnete, 

Bis dahin hatte ich nichts gesehen, nichts gefühlt, nichts gehört. 
Nicht ein Ton dringt aus der Erde, nicht ein Beben erschüttert den Berg 
Da der Abhang sehr sleil ist, krieche ich, das Gesicht fest auf dem Boden. 
Ich erreiche den Band des Kraters, ich berühre ihn. Plötzlich lässt sich 
ein schrecklicher Donner hören. Der Lärm ist so gross, erfüllt die Luft 
dermassen, dass ich, ganz nahe dabei, keine Richtung erkennen kann, 
woher er rührt. Meine erste Bewegung ist, mich nach meinem Führer 
umzuwenden, der ziemlich weit hinter mir zurückgeblieben war. Ich sehe 
ihn, wie er, die Arme in der Luft, mit aller Schnelligkeit seiner Beine 
davon läuft. Dann blicke ich nach dem Krater. Eine dicke Säule von 
weissem Dampf, Rauch uud grauer Asche steigt zum Himmel empor, ge- 
furcht von glühenden Felsblöcken, beleuchtet von roten Flammen, welche 
ihn wie Blitze umzüugeln. In einem Augenblick berechne ich den äussersten 
Punkt, wo dieser Regen von Auswürflingen herabstürzen muss; 10 Minuten, 
vielleicht mehr, braucht man, um in Sicherheit zu sein, und in einigen 
Sekunden wird der Boden mit Steinen und feurigen Schlacken bedeckt 
werden. Flucht ist unnütz. Der Tod sicher. Ich sehe nach der Uhr; 
es ist 8 LThr 35 Minuten; in eiuer Minute ist alles vorbei. Die Säule 
steigt, erhebt sich über mehr als einen Kilometer, krümmt sich, nimmt 
die Gestalt einer grossartigen Garbe an und auf allen Seiten ertönte ein 
Flinten feuer, so gewaltig, dass es selbst das Brüllen des Vulkans übertönt. 
Es kommt von den weissgiühenden Felsblöcken, welche in der Luft platzen. 



67 

Die Garbe neigt sich und fällt; es ist ein schrecklich schöner Augenblick. 
Ich befinde mich in der Mitte einer Feuerkugel; der Himmel und die Erde 
verschwinden, und ich habe nichts vor den Augen, über und unter mir, 
als einen ungeheuren roten Schleier, welcher sich wie das Bouquet eines 
unerschöpflichen Feuerwerkes entfaltet. Er rollt sich auf, wendet sich, 
platzt, fällt und ich empfinde einen Schlag auf den Kopf. Ich wende 
mich um und lege mich flach auf der Erde nieder, das Gesicht gegen 
den Boden, die rechte Seite nach dem Krater. In dieser Lage bleibe ich 
unbeweglich. Wozu sich rühren? Hier oder doi't, stehend oder liegend, 
es ist ja einerlei. Ein Hagel von Steinen fällt auf meinen Rücken und 
trifft ihn, wie eine Tracht Stockschläge; ein Regen von Körnern aus 
zusammengeballter Asche, so gross wie Nüsse, hält mich widerstandslos 
am Boden, wie festgenagelt. Um mich her fallen glühende Blöcke, welche 
tiefe Löcher in den Boden schlagen und mich mit ihren Trümmern 
bedecken. 

Einige von diesen ungeheuei'n Projektilen wurden nach dem Aus- 
bruche gemessen, und was nach dem Zerspringen noch übrig blieb, betrug 
nicht weniger als 200 cbm. 

Aber ich sollte nicht durch Steinigung umkommen; mir stand noch 
die Verbrennung bevor. Der Krater fing an, einen Strom von feuriger 
Asche, Steinen und glühenden Felsen auszuspeien In einigen Sekunden 
ist der Strom über mir. Ich lege meine Hand auf die Augen, um sie zu 
schützen und zu versuchen, mit geringeren Schmerzen zu sterben. Der 
Feuerstrom erreicht meinen Körper, ich atme nur noch brennende Dünste 
ein; die Felsen häu.fen sich an meiner rechten Seite und drücken .sie 
langsam zusammen, ich ersticke. — Plötzlich fliegt der ganze Haufen, 
ohne Zweifel durcli den Stoss eines grösseren Felsen, auseinander, springt 
auf und prallt zurück, Splitter schlagen auf meine Fersen und meine 
linke Seite, welche schwer verletzt werden, ich finde mich stehend, ich 
weiss nicht wie. Da der Tod mich verschont hat, versuche ich zu fliehen. 
Ich lasse meinen brennenden Hut neben meinem Regenschirm zurück, 
raffe meine Uhr, welche an meinem Nacken in einem Klumpen Blutes 
klebt, auf und fange an herabzusteigen, langsam, schwerfällig, unter einem 
Platzregen von Steinen, mitten im Rauche, der mich blind macht, von 
Asche und Felsstücken, welche wie Kaskaden an den Seiten des Berges 
herunterpurzeln und mir zwischen die Beine rollen. Als ich an den Platz 
komme, wo ich meinen Führer zuletzt erblickt habe, rufe ich dreimal laut, 
aber ich höre meine eigene Stimme nicht, und wenn sein Körper vor 
meinen Füssen gelegen hätte, so würde ich ihn in diesem Strome von 
Asche und Trümmern, der mir bis an die Hälfte des Beines reicht, nicht 

5» 



sehen. Ich steige weiter hinab, aber wohin soll ich mich wenden. Am 
Morgen schlenderte ich gleichgültig dahin und in diesem Augenblicke bin 
ich so abgemattet, dass ich nicht einmal weiss, ob ich auf dem kürzesten 
Wege das Dorf erreichen werde. Und noch dazu: Wo ist das Dorf? Ehe 
ich mich in das Unbekannte stürze, bleibe ich einige Augenblicke stehen, 
um schnell einige Merkmale des Weges zu suchen, und setze dann 
mechanisch meinen Marsch fort. Noch einige Schritte, und ich bin ausser- 
halb der gefahrvollen Zone. — Da vernehme ich hinter mir einen zweiten 
furchtbaren Donnerschlag, als wenn der Berg sich in einer zweiten Sint- 
flut umwälzte. Ein neuer Ausbruch erfolgt. Die Felsen des ersten sind 
noch nicht gefallen und schon bersten die der zweiten über meinem Kopfe. 
Ein letzter Schritt, ein Abschiedsbhck auf den Vulkan, und ich bin in 
Sicherheit. 

Ich trete in die Region der Kräuter und Gebüsche ein, die üiii um- 
giebt Sie steht ganz in Feuer. Die Hitze erstickt mich und die Flammen 
kriechen an meinen Kleidern wie Fackeln empor, als wenn der Berg einen 
letzten Versuch machte, mich zu packen. Ich steige in einem Chaos von 
zusammengebrochenen Felsen, durchkreuzt von tiefen Schluchten, hinab, 
gelange endlich an den Rand des grossen Waldes, den das Feuer noch 
nicht augeschnitten hat, und finde einen undeutlichen, kaum betretenen 
Fusspfad. Ich folge ihm und verbinde meine Wunden möglichst mit 
meinem Taschentuche. Ich komme über einige mehr betretene Pfade, 
aber ich schliesse die Augen, um sie nicht zu sehen. Wenn ich mich 
geirrt habe, wenn ich mich verlaufe, ist es mein Tod, denn kein Mensch 
wird mich in dem Winkel dieses verlassenen Forstes suchen, wo ich zu- 
sammengestürzt sein werde. Jeder Schritt, den ich thue, scheint mir der 
letzte zu sein, den ich thun kann. Im äussersten Momente trete ich 
hinaus auf eine Lichtung, welche eine Gruppe von Kryptomerien umgiebt. 
Dort ist der Tempel von Kirishima. Ein Vorübergehender bemerkt mich 
und hilft mir die bröckeliche Treppe, welche zum Dorfe führt, herabsteigen, 
während sein Sohn, ein Kind, seinen Gürtel zerreisst und das Blut stillt, 
welches aus meinen Wunden strömt. Im ersten Hause sinke ich erschöpft 
auf das Tatami. Ich habe acht Kilometer in zwei Stunden gemacht. 

Mein Führer ist noch nicht angekommen. Einige Dorfbewohner 
machen sich auf, um ihm Hülfe zu bringen, wenn er noch am Leben ist. 
Die Nachrichten, welche sie am Abend bringen, lassen mir keinen Zweifel 
an seinem traurigen Schicksale. Sie haben ihn aus der Ferne bemerkt, 
am Abhänge des Berges ausgestreckt, aber sie waren bei der Wut des 
Ausbruches nicht imstande, ihm zu helfen. Erst am zweiten Tage darauf 
konnten einige kühne Männer während einer kurzen Ruhepause es wagen. 



69 

seinen Leichnam zu suchen. Der vom Rumpfe getrennte Kopf lag sechs 
Meter vorwärts. Gewiss überraschte ihn der Tod auf der Fkicht, ohne 
dass er Zeit gehabt hätte, es zu bemerken und zu leiden. Seine halb 
geschmolzene Uhr lag an seiner Seite. 

Anderthalb Stunden nach meiner Ankunft im Dorfe kam der Arzt 
von Okubo, wohin man geschickt hatte, in aller Eile an, befreite mich 
durch Schnitte mit der Scheere von meinen verbrannten Kleidern, welche 
am Körper klebten, und machte den ersten Verband. Am Abend erschien 
ein zweiter Arzt, der von Kokubu, und unterstützte seinen Kollegen. 

Der Telegraph hatte kaum mein Unglück gemeldet, als die Gouverneure 
der benachbarten Provinzen Kagoshima und Miyazaki, auf der Stelle ihre 
Polizei-Inspektoren (Keibu) und die Beamten (Junsa) der benachbarten 
Orter sandten. So hatte ich vom ersten Augenblicke an die angemessenste 
Pflege der Arzte, und ein ganzes Heer von Wärtern und Krankenpflegern, 
die einsichtig und pflichtgetreu waren. Ich will gar nicht von den vielen 
Beweisen der Teilnahme seitens der Vertreter der Behörden, als auch 
aller Beamten, der Priester des Shintoitischen Tempels, der ganzen Bevöl- 
kerung reden. 

Am 18. März wurde ich, als mein Befinden sich ein wenig gebessert 
■hatte, in das Krankenhaus von Kagoshima gebracht, wo ich am Abend 
des 19. ankam. Das Schütteln der Sänfte (kago) machten diese Reise zu 
einer wahren Tortur. 

Das Krankenhaus zu Kagoshima war der Hafen, wo ich in langer 
Ruhe die Anstrengungen und Qualen der vergangeneu Tage vergessen 
sollte. Ich hatte nichts weiter zu thun, als inmitten der Sorgfalt meiner 
Arzte, der Aufmerksamkeit meiner Wärter, der zarten Fürsorge seitens 
der Geistlichen der auswärtigen Nationen, deren Hingabe ja die ganze 
Welt kennt, zum Leben zurückzukehren. 



Dieser Ausbruch des Kirishima scheint mir nur eine örtHche Kund- 
gebung von der allmählich wieder auflebenden Thätigkeit des Vulkanismus 
zu sein. Seit vielen Jahren konnte der Vulkan als erloschen betrachtet 
werden, als er im Juh 1891 für eine kurze Zeit seine lange Unthätigkeit 
unterbrach. Im Oktober 1895 schleuderte ein plötzlicher Ausbruch den 
innern See und ungeheure Felsstücke in die Luft. Etwa fünfzehn japanische 
Touristen wurden, wie sclion gesagt, bei der Besteigung überrascht und 
kamen im kochenden Wasser und dem Aschenregen um. Dieser zweite 
Ausbruch währte etwa einen Monat, worauf der Vulkan wieder in seine 
frühere Ruhe zurückfiel. Aber es war nur ein bewaffneter Friede, denn 



70 

das Wasser hörte im Grunde seines Kraters nicht auf zu kochen. Dies 
Wasser musste noch am Ahende vor dem Ausbruche, von welchem ich 
Zeuge war, vorhanden sein. Das bewiesen die dicken, weissen Wolken, 
welche aus dem Berge aufstiegen. Es verschwand offenbar in der Nacht, 
denn am Morgen waren die Dämpfe vöUig zerstreut und wurden durch 
einen leichten, kaum sichtbaren Rauch ersetzt. Vielleicht war es der Ein- 
bruch des Flüssigen in die geschmolzenen Stoffe des Innern, gefolgt von 
einigen Einstürzen, welchen die Explosion am 15. März bestimmt Nicht 
eine Minute konnte man sie voraussehen. 

Der Ausbruch fand bei ruhigem und klaren Wetter statt; der Himmel 
war wolkenlos und es gelang nicht, seine Heiterkeit zu stören; es gab 
weder Sturm, noch Regen, noch Wind. 

Dem, was man annehmen könnte entgegen habe ich im Mittelpunkte 
der Thätigkeit, in der ich mich ja befand, keine Bodenerschütterung, weder 
vor noch während der Explosionen gefühlt. Einige Tage nachher waren 
in Miyazaki, im Osten, die Erderschütterungen so heftig, dass sie fast 
Übelkeiten erregten, während man im Westen, nach Kagoshima hin, 
keine spürte. 

Diesmal hat der Krater kein Wasser ausgeworfen. Er hat nur Asche, 
Lapilli, alte Lavastücke, die von den Wänden des Kamins losgerissen 
waren, und Steine ausgespieen, von einfachen Sandkörnern bis zu Felsen 
von mehr als 200 Kubikmetern. Diese glühenden Blöcke, schwer, kom- 
pakt und von einem hellen Gelb, wurden, als sie entzündet waren, bis zu 
einer Höhe von mehr als einem Kilometer geschleudert. Sie platzten 
teils in der Luft, teils auf dem Boden, wo sie tiefe Löcher rissen. 

In den glühenden Dämpfen, welche ich einatmen musste, habe ich 
keinen sauren, wohl aber einen starken und unangenehmen, dem des 
Feuersteins, wenn mau mit Stahl darauf schlägt, ähnlichen Geruch bemerkt. 
Allerdings hatte vom ersten Augenbhcke an mein Geruch sowie seine 
Empfindlichkeit vei'loren, weil die Schlenuhäute verbrannten. 

Der Ausbruch bestand aus zwei langen Eruptionen, welche sich ohne 
Unterbrechung folgten und hat im ganzen 15 Tage gewährt. Ich schätze, 
dass ich auf dem Auswurfkegel 15 Minuten geblieben bin, in welcher Zeit ^ 
ich den ersten Ausbruch erlebte und den zweiten auftreten sah. 

Die Lava, deren Glanz mit raschen Blitzen die Lavawolke eiieuchtete, 
war augenscheinlich sehr dick und schwerflüssig, wie die Heftigkeit der 
Ausbrüche bestätigt. Sie hat bis an den Rand des Kraters steigen müssen, 
da der Schaum der Asche und der Felsen, welcher während einiger Minuten 
überspülte, mich unter einem Strom von Trümmern begrub. Glücklicher- 



71 

weise für mich hörte sie auf zu steigen, denn ich befand mich auf dem 
niedrigsten Punkte des Grates, und dort würde sie ohne Frage über- 
geflossen sein. Der Ausbruch am 15. März hat den Krater voll rauchender 
Asche gelassen. 

Wenn es nicht einem braven Manne, entschlossenen Führer und 
ausgezeichneten Familienvater das Leben gekostet hätte, würde ich heute, 
da meine Wunden vernarbt sind, nicht bedauern, dabei gewesen zu sein, 
nicht nur, weil es mir gewährt war, ein Beispiel von der Stärke der 
gewaltigsten Naturmacht zu erleben, sondern auch, weil es mich eine 
Tagend mehr bei einem der liebenswürdigsten Völker der Erde kennen 
gelehrt hat. 



Die üntertrave in ihren Yoll(stüniIiclien Ortsnamen. 

(Mit Karte.) 

Von Oolmar Schumann. 

Als volkstümliche Ortsnamen der Üntertrave haben diejenigen 
Bezeichnungen der Ufer und des Flussbettes zu gelten, die, auf den Karten 
nur zum kleinsten Teile angegeben, im Munde unserer Bevölkerung, vor- 
zugsweise der Fischer und Schiffer, fast ausschliesslich in niederdeutscher 
Form sich erhalten haben. Sie stammen meist aus alter Zeit und sind 
daher nicht alle mehr gleich verständlich oder zutreffend, teils weil der 
Wortlaut verändert oder der Ausdruck ans der gewöhnlichen Sprache 
verschwunden ist, teils weil man den Anlass der Benennung vergessen 
oder gar das Aussehen des Ortes sich gewandelt hat. Einem bestimmten 
Grunde verdanken sie sämtlich ihr Dasein, und soweit es nicht Scherz- 
namen sind, die eigentlich bloss für ihre Schöpfer und deren Zeitgenossen 
Wert und Bedeutung haben, liefern sie uns ein Bild der jetzigen oder 
eijistigen Ortsbesohaffenheit. Wenngleich ihre Zahl durch verschiedene 
Umstände abgenommen hat, besonders durch die wiederholte Gradlegung 
und Verkürzung des Travelaufes, die Veränderung des Wasserstandes und 
das Schwinden des Fischreichtums, welches auch die aufwühlenden Dampfer 
verschulden, so ist sie doch noch recht gross, hauptsächlich unterhalb 
Schlutups. Von der Herrenfähre an abwärts wird mit Waden oder Zug- 
netzen gefischt, die vielen Buchten schaffen eine reichere Gliederung der 
Ufer, und so haben die Fischer eine grosse Menge von Zügen, nieder- 
deutsch Togen — Einzahl Töög, mittelniederdeutsch toge, wie toch, 
Fischzug, Zugstelle — mit unterscheidenden Namen versehen, und 
zwar nach Merkmalen, die zumeist das Ufer bot in Gestalt, Boden, Be- 
stand und Besiedelung. Zwischen der Herrenfähre und Schlutup befinden 
sich nur wenige Züge, sie fehlen gänzlich in dem schmaleren Gewässer 
aufwärts, wo nur Streich- und Stangennetze vom fliessenden Kahne aus 
zur Anwendung kommen. Daher sind auch hier die Benennungen seltener, 
zumal in der Nähe der Stadt, wo die Rohrflächen geringer werden. Vor 



73 

AlirLübeck sind fast nur die üblichen Koppeluamen im Gebrauche, z. B. 
Krumm Wusch und die beiden Ossenkoppeln bi Ollen-Lübeck. 
Auf dem rechten Ufer dienen Ballastkuul, Nöötbusch, Glashütt und 
Treidelhütt zum Anhalt. Die Flusskarten weisen ausserdem eine Wein- 
brücke auf da, wo heute die Brücke von der Teerhofsinsel zur -Bahn 
führt. Über diese habe ich nichts erfahren können. Im allgemeinen 
sagen die Fischer zu der ganzen graden Travenstrecke unterhalb der 
Krummen Wiese Unneru Krüüz, weil sie, nach ihrer Erklärung, an der 
Ecke nicht graad daal seilen (segeln) können, sondern krüzen müssen. 
Von dort an bis zur Stadt hiess es sonst nur Branden Goren (Garten), 
Nöltings Goren u. s. w. Bei Fehlings Goren endete der Treidelstieg, 
und danach galt diese Stelle als Stiigenn. 

Ich beginne meine Aufzählung bei Alt-Lübeck und zerlege, zur 
besseren Übersicht, die ganze Uferstrecke in drei Teile: von da bis 
Schlutup, von Schlutup bis Stülper Huuk, von hier bis Travemünde. 
Ein vierter Abschnitt bringt die Namen des Wasserlaufes und der Strom- 
pfähle, ein fünfter einige aus der Travemünder Bucht. Meinem Zwecke 
entsprechend gebe ich überall, auch auf der beifolgenden Karte, die 
niederdeutschen Ausdrücke. Sie stehen freilich nicht mit geometrischer 
Genauigkeit an ihrer Stelle, doch die Buchten und Vorsprünge schaffen 
wenigstens für die einzelnen Gruppen völlige Gewissheit, und innerhalb 
dieser ist die richtige Reihenfolge mir mehrfach verbürgt worden. Die 
Trave selbst ist dargestellt, wie sie vor den letzten Durchstechungeu von 
1882 war. Die Schreibart der Namen ist möglichst einfach: im Texte ist 
Vokallänge vor End- oder Doppelkonsonanten durch Verdoppelung aus- 
gedrückt, auf der Karte durch das Längezeicheu. Z meint den scharfen 
S-Laut. Die volkstümlichen und niederdeutschen Wörter sind fett gedruckt, 
die Erklärungen in Schrägschrift. Mnd. bedeutet mittelniederdeutsch, die 
übrigen Kürzungen sind verständlich bis auf LKN; damit verweise ich des 
öfteren auf meine im Jahresberichte des Katharineums 1892 und 1893 
veröffentlichte Abhandlung: Die Flur- oder Koppelnamen des Lübecker 
Staatsgebietes, wozu die folgende Arbeit in sprachlicher Hinsicht als Er- 
gänzung dienen mag. 

I. Von Alt-Lübeck bis Schlutup. 

Links. 
Palkenkroog, Walkenkrug, Wiese, benannt nach einem Wirtshause dieses 

Namens, im Wiesenbuche 1409 — 72 Valkenkrogli. LKN. u. Kroch. 
Deenschenborg, Dänischburg, Gut, bei welchem 1323 die Dänen lagerten. 
(joosöwer, Oänseufer. 



74 

Kalenöwer, bei dem buschfreien Ufer. 

Adams Höörn, Adavis Ecke, Landzunge. 

Swaaiilials, SchivcmenJuds-ähnliche Halbinsel. 

Bi'ook, Bruch, Rohrwerdei', das ganze mit Schilf bewachsene Uferwasser 
bis zur Ruskuul. Die Stelle hinter dem Schwauhals heisst Achterbrook, 
dessen Rohrufer den Pcei'iliaJl siill Warder, zur Herrenfähre gehörig. 

Rceiil, Riemen, Name mehrerer Rohrstreifen, die jetzt zum grössten Teile 
versehwunden sind dui'cli die Verlegung des Fahrwassers. Zwischen 
dem Bültelsten (obersten) und dem Neddelskn (untersten) Reem -ging 
eine Fahrrinne namens Moordciisteeg, die einem mit Moordeil, Einsätzen, 
versehenen Fangkorbe ähnelte. Am Lande 

Kaarkstiig, Kirchsteig der Gothmunder nach Ratekau. 

Middelhöpen, mehrere kleine Rohrinseln mitten zwischen Reem und Wend- 
hoop. Hoop, liöpeil, bedeutet eine Stelle, wo viel zusammen wächst. 
S. LKN. 

Weildhoop (Wenulioop) und Krillgwarder, eine grosse, halbmondartig ge- 
krümmte Rohrinsel, die durch eine Durchfahrt in zwei Teile zerfällt 
mit den obigen gleichbedeutenden Namen: ringförmige, gewundene 
Werder. Jene Fahrrinne heisst Basenlok, und zwar Lang Basenlok 
zum Unterschiede von einer unterhalb befindlichen Ausbuchtung 
namens Rund Basenlok. Basen wohl s. v. a. Wasen, feuchter, schlam- 
miger Boden am Ufer. 

Ruskmil, Rnscllkuul, Binsenkuhle. Unter Kuhle verstehen die Fischer ge- 
wöhnlich eine tiefe Stelle im Wasser. Deren alter Name Dode Man ist in 
Gothmund noch nicht vergessen. Nach der ältesten Fischerrolle (vor 
1399) begann hier die Fischberechtigung der Schlutuper: de stede de 
gebeten ys to deme doden manne baven Symetze. 

Siims, Dorf Siems, 1307 Gimezen, slavisch. 

Herrenfeer, s. u. 

De Avelünsen, Lütt und Groot Aveluns, kleiner nnd grosser Avelund, zwei 
bekannte Buchten, getrennt durch den Überrest des alten Bollwerks, 
das die Fahrbahn nördlich begrenzte, dat Lütt Bolwark. Den Namen 
Avelnnd habe ich LKN als Entstellung aus Ämelungs (Wisch) erklärt, 
die niederdeutsche Form bestärkt mich darin, das dänische Lnnd, 
Wald, mag mitspielen. Der grosse Avelund gilt als einstiger Orlogs- 
hafen von Lübeck, Trümmer von drei Kriegsschiffen ruhen auf seinem 
Grunde. Daher bezeichnen ihn die Fischer auch als l)i Wraken, das 
kleine Bollwerk als Wrakenbolwark, den vordersten Pfahl als Wrakenpaal 

Ellernoort, irrig Helleroort, die östliche Spilze des grossen Avelunds. Mnd. 
ort, äusserster Funkt, Spitze, Ecke, häufige Benennung vorspringender 
Uferteile. 



75 

Mölenwiiseli. Wiese, durch welche der Kücknitzer Mühlbach abfliesst. 
Ankeroort, Landzunge an der Bucht bei Herrenwik, in der die Stecknitz- 
fahrer, früher die Sandböter, bei Unwetter ankern, s. u. 

Rechts. 

(jl'oteil Hoop, grosse Rohrfläche bei der Israelsdoi-fer Landebi-ücke. 

Wiillkeller, Buchtgegenüber Dänischburg, Scherzname einer fiselu-eiclien Stelle. 

Sliurreeill s. v. a Suurbrookreem, längliche Landzunge. 

Suurbrook, Sanerbruch, Name der grossen Sumpfbucht vor Gothinuud, die 
saures Futter liefert (Sprachlich könnte es auch gleich Slldei'brook sein, 
zumal die Bucht südlich vom Brook liegt.) 

Gootmun, Fischerdorf Gotlimund, früher Fiscliertoden bi Godemaniie (Gode- 
mannes liase) — s u. — , also ursprünghch Buden, in denen die 
Lübecker Fischer ihre Gerätschaften bewahrten. Die Gothmunder 
gehören noch heute zur Jakobi-Gemeinde. S. u. Takeuhaal. 

Sülwerbarg. Silberberg, das hohe Ufer zwisclien Gothmund und der Herren- 
fähre. Hier soll der Fischfang einst sehr silberhrmgend gewesen sein. 

Moor, Moor, die sumpfige Ausbuchtung der Trave am Fusse des Sülwerbargs. 

Praaiulöteil, Lose beim Pram, der Fähre, nennen die Gothmunder die von 
ihnen bisher gepachtete und in Lose verteilte Rohrfiäche im Moore, 
mnd. lot, Los. 

Godemaiishuus, jetzt meist Herrenfeer, Herrenfähre. s. Wehrmaun, die 
älteren Lübeckischen Zunftrollen, S. 478: baven der vere, dar dat het 
des gaden mannes hus. Der gute Mann war der Fährm&Mn im 
Dienste der Lübeckischen Rats/ierren. *Sein Haus lag bis 1850, wo 
die Halbinsel durchstochen und die Fahrbahn dorthin verlegt wurde, 
auf dem linken Ufer, wie es auf alten Bildern und Karten zu sehen 
ist. Das Bollwerk, welches sich von der Halbinsel eine Strecke ost- 
wärts hinzieht und die Fahrstrasse östlich begrenzt, heisst einfach 
dat Bolwark. Seinem unteren Ende gegenüber am Ufer 

Stauoort, Landspitze, bis wohin das Stau reicht, dei- zwischen Ufer und 
Bollwerk eingeschlossene Teil der Trave, wo sich das Wasser bei 
nördlichen Winden aufstawi. Auf einer Fischereikarte von 1601 ist 
hier eine Hütte unter dem Namen Stowbode dargestellt, vielleicht 
eine Fischerbude vom Pachthofe Lauerhof. 

Greew Eek, Vorsprung ungefähr, wo die Landstrasse nach Schlutup an die 
Trave stösst, Grenze der auf das Stau folgenden Ausbuchtung des 
Ufers. Der Name könnte von mnd. greve, dürres Reisich, herrühren 
oder von greve, Qraf, Vorsteher jeder Art, hier etwa Pächter von 
Lauerhof, welches sich früher bis dorthin erstreckte. 



76 

Kööngsfeargsoort, Ausläufer des Kööngsl)arg, Köömsbarg, Königsberges bei 

Lauerhof, bei Deecke, Lübecliische Ortsnamen aus dem vorigen Jalir- 

hundert, Kongsbei'g. 
Kowiiscll, Kuhwiese, das hohe Ufer vor Schlutup. 
Mai'ieilliof und Koorsliof, zwei „Züge," die nach Gehöften benannt sein 

sollen, welche dort in älterer Zeit lagen. 
Groot Bunt», grosse Buhne, vorspringende Uferbefestigung von Stein- und 

Holzwerk. 
Ualeroort, Landspitze der Schlutuper Halbinsel gegenüber Ankerort, jetzt 

durch die sogen. Travenkorrektiou abgeschnitten und in eine kleine 

Insel verwandelt. Über den Namen s. u. 

II. Von Schlutup bis Stülper Huuk. 

Links. 

Kl'ellenbargS ßuellt, jetzige Benennung der Wik oder Bucht, an der das 
Fischerdorf Herenwük, Herrenwiik liegt. Dieses, 1230 als Heringwic, 
1262 als Harilicwic ei'scheinende, Dorf hat samt der Bucht seinen 
Namen von dem Umstände, dass der Hering bis hierher auf^värts 
zieht. Krellenberg hiess der filihere Fährmann im Orte. Auf der 
erwähnten Karte von 1601 sind hier zwei lübische Kriegsschiffe ab- 
gebildet. Dies stimmt mit der Behauptung alter Fischer überein, bei 
Schlutup sei der Maiiofwarliaweii, der Kriegshafen, gewesen. 

Tweeteers, eine Einbuchtung der Wik beim Aokeroort, durch deren Rohr- 
bestaud eine enge Fahrbahn zum Lande geht. Mnd. twete, Tiuiete, 
enger Gang, eigentlich Kerbe, Spalt, der etwas ziueiteüt. S. u. Eerskaar. 
Tweeteersoort, kleine Landspitze darin. 

Swiiiitöög, Stelle der Wik, wo das Wasser sehr ,, murrig," schlammig ist 
und die Netze recht schmutzig werden. 

Wenzelswiisch, Wenzels Wiese. 

Rngeiioort, bei der durch Winde rauhen Ecke, bildet die Grenze von Krellen- 
bergs Bucht; anderer Name Heidenkiiuloort. 

Heideilkuul, innerster Winkel der flachen, an die Dummersdorfer Heide 
stossendeir Bucht zwischen Rugenoort und Dummersoort. 

Musselkl'ÜÜn : Krüiin ist an der Untertrave mehrfach Bezeichnung einer von 
Buschwerk umgebenen und geschützten Uferstelle, wo die Fischer 
gern zu rasten pflegen; mnd. kl'Ulie, Tonsar, Olatze, lateinisch Corona, 
Kranz. Dort befindet sich eine Muscheihsink, daher der Name. 

Bredensteen, lange Uferstrecke, wo vordem ein breiter, grosser Stein gelegen 
haben wird, wie auf manchen Koppeln, die danach benannt sind. 



77 

Hogentögen, Züge am hohen Ufer. 

Sandknnl, Kiesgrube bei Dummersdorf. 

(jegeii Dammersoort, Stelle dicht vor 

Dnnimersoort, s v. a. Dummersdorfoort, Vorsprung der Dummersdorfer 
Feldmark. 

Aclitep Dummersoort, Stelle dicht hinter dem vorigen. 

Dniumei'Sbeek, Müudung des Dummersdorfer Baches, von den Gothmundern 
wegen der Schaf wasche Seil aap wascll gettiuft. 

Kräüli, grosse Buschstrecke, zerfällt in Lütt und Groot Steenkrüüii. Der 
Gruud ist steinig. 

Spliitaf, kleine Landspitze, die immerfort absplittert, s. am Schlüsse Spalter. 

Ketelkrüün, AresseZförmige Stelle. 

Beektöög. Zug an einem kleinen Bache. 

Murmelkunl s. v. a. Mergelkuhle, der Kies ist dort stark mit Mergel ver- 
mischt. 

Nien Glrawen, am neuen Graben. 

Deefstiig, Diebsteig, auf dem die Schlutuper, einer Lästerrede zufolge, den 
Dummersdorfer Bullen gestohlen haben sollen, indem sie ihm Fischer- 
stiefel an die Vorderfüsse zogen. 

Kort Sclioor, Stelle des Dummersdorfer Schoors oder Steilufers, wo das 
Fahrwasser ziemlich dicht an dieses herantritt. 

Meeschenhaken, etwas gekrümmte Uferlinie mit einem Haken, d. h. einer 
nach innen gebogenen Stelle. Meesclien deute ich im Vergleiche mit 
Namen wie Meeschendilk, Meeschensee, als Meisen, womit dann entweder 
Sumpfmeisen oder auch andere Vögel ähnlicher Art gemeint sein 
können. Vgl. u. Flücheroort und den Ausdruck Reetmöösch für Rohr- 
sperling. 

Ballastkuul, Kiesgrube am fi-üheren Treidelbarg, der noch als Koppelname 
besteht. Von hier bis zur Herreufähre mussten einst die Dummers- 
dorfer die Schiffe aufwärts ziehn oder treideln. Daran erinnert noch 
der dort stehende Treidelpaal. 

Seelk, Zeelk, — vgl. Seelkkoppel in der Nähe — , von den Stecknitzfahrem 
und auf den Karten Silk genannte Bucht am Stülper Huuk. gleich- 
namig mit dem Teiche vor dem Hirtenberge. Mnd. sele, Niederung, 
Wiese; also wäre Seelk s. v. a. seleke, kleine Niederung. 

Heerbarg s. v. a. Hegerberg, Hirtenberg, die einstmals befestigte Anhöhe 
auf der Halbinsel. Ali ihrem Fusse kennen die Fischer: 

Seelkeroort, S2}itze am Selk. 

Hoimigkual, Tiefe an der kleinen Heide, wo die Bienen schaffen. 

Stülperoortskrüiui, Buschstelle, dicht vor der Spitze des folgenden. 



78 

Stiilper Huuk oder Stolper Oort, die bekannte grosse, hervorragende Ecke 
— mnd link, liok, Winkel, — M'elche das Stülp (s. u ) abschliesst. 

Rechts. 
Bei Haieroort beginnt die 

Slnckuper Wiik, die Bucht von Schlutup, auf der Karte von 1601 noch 
Sclillicknper Wik geschrieben, das letzte schriftHche Zeugnis für die 
ursprüngliche Namensfoi'm dieses Fischerdorfes. In LKN. habe ich 
Slukup, Slucop, und den älteren Namen Vretnp — in dem Werke 
„Die freie und Hansestadt Lübeck," Lübeck 1890, S. 315 irrig Veecup 
geschrieben — durch die saudige Bodenbeschaffenheit erklärt; sie 
finden sich auch anderswo. In der Bucht viele Züge. 

Takeiiliaal s. v a. Takelhaal, neben Haieroort ein Abhang, au dem vormals 
Buden zur Aufbewahrung des Takels, des Fischereigerätes, gestanden 
haben werden, die erste Spur des späteren Fischerdorfes. Haal, Haale, 
ein noch dunkles Wort, kommt in Nordwest-Deutschland mehrfach 
vor. Ich vermute, dass es nicht Niederung, sondern Abhang bedeutet. 
Vgl. altnord. hall', Felsen, Abhang, gotisch hailas, Fels, eigentlich: 
das Emporgetriebene. Dem entspricht der Name des Dorfes Haal oder 
Haale im Eidergebiete, welches auf einer Höhe mitten in der Niederung 
liegt. Dann ist Haleroort nicht, wie die Fischer deuten, die Spitze, 
wo man mit Haal öwer den Herrenwiker Fergen ruft, sondern die Spitze 
des Hügels oder Hanges, auf dem Schlutup liegt. S. auch u. Ekenhaal. 

Bodenooi't, Vorsprung dicht bei Takenhaal, auf welchem die berufenen Ver- 
sammlungen der Fischer stattfinden; mnd. bode, bot, Vorladung, ge- 
botene Zusammenkunft. 

Lailgenbascll, beim — jetzt verschwundenen — Ufergebüsche. 

Depentöög, tiefer Zug. 

Staalken, Bohr- oder Schilfstelle. Staal oder Steel ist der Unterstock der 
Sumpfpflanzen, staalken die Verkleinerung davon. 

Kösterbarg, Höhe, wo der Küster, 

Preestei'barg, Höhe, wo der Pfarrer wohnt. 

Kütergaiig, Schlachtergang, zum Wasser führende Gasse. 

Möleiibarg, Mühlberg, aach Gogeii barg, wo nach dem Vogel — Ooge, 
Papagoye — geschossen wurde, (?) und Godeiibarg. S LKN. u. berg. 

Möölbeek, Mühlbach, Abfluss des grossen Mühlteiches. 

Holttöög, Holzzug, am Forste. 

(regen de Sclieed, Stelle dicht an der mecklenburgischen Grenzsc/ieitZe. 

Stakenbai'g, Höhe mit Stangen zum Trocknen der Netze. 

Groot Beek, Mündung eines Baches. 



79 

Zanken, schmale Landstrecke längs des hohen Ufers, wo sich die Fischer 
um den Platz streiten und zanken. So die Volksdeutung. Etwa 
s. V. a. Sandken, kleiner Stranäf 

Lütt Beck, kleinerer Bach. 

Kabelbarg, grössere Anhöhe mit einem Kabel, Losteil, Schlag Holz. 

Gegen Gröön. am grünen Ufer. 

Kabeloort s,v.a Kabelbargsoort, Ende der Schlutuper Bucht und Anfang von 

Laner Hell, Lane Hell, Hölle, Bucht mit abfallendem Ufer nahe dem 
Dorfe Lauen; mnd. helle, Halde, abschüssiger Boden. S. LKN: über 
die Volkssage. 

Kabelliaken, Krümmung :nn Kabeloort. Anderer Name Mewenliaken. Davor 
das Mewenref, Möu-enrif. 

Hensoort, kleiner Vorspmug, Ende der Hell. 

Ekenhaal, Eichenabhang, s. o. Takenhaal. 

To'n Grawen, am Graben. 

Selniersoort s. v. a. Seimsdorf er Ort. 

Selaierswiik, Wik beim Orte Seimsdorf, mit einer Muschelbank namens 
Selmersbarg. Nach dem umgebenden Forstorte Hohe Meile heisst 
die Bucht auch Groot Holtwiik. 

Selraersliaken, Einbiegung des Selmersoort. 

Selnierswüsch, Wiese beim vorigen. Dabei 

Poggenkuul, Froschkuhle. 

Blök, Block, übhche Bezeichnung höherer Landstücke, die rings von nie- 
drigeren umfasst werden. 

Reetoort, Schilfecke, in der Mitte der Bucht. 

Sandflei. sandiger Abhang mit einem Lits, schmalen Fahnueg: Fiel wohl 
gleich mnd. vlacll, vlage, Strecke Landes. 

Arendsbarg, Berg eines Arend. 

Bai'genoort, Ende des vorigen; dort bergen sich die Fischer bei östlichen 
Winden unter dem Holze. Auf den Karten Gl'OSS Glebeibei'g genannt. 
(Bargenoort geht wohl eher auf die Bargen, Musclielbänke, die vormals 
viel häufiger waren.) 

Snikwiik, Schneckenbucht, wegen der Muschelbänke so genannt; die Goth- 
munder sagen Snitwük. Anderer Name Lütt Holtwük. 

Snikwiiker Haken, Haken bei Bargenoort. 

Snikwiik öwern Barg, die Stelle der Bucht, wo die Netze über eine Muschel- 
bank gezogen werden müssen. 

Zegenstiig, Ziegensteig, steiler Abhang. 

Geldkuul. Geldkuhle, mag eine ähnhche Bedeutung haben wie oben Sülwer- 
barg. Die Fischer wissen, dass hier im Forste einen Schatz liege. 



80 

Ein Mutiger hatte einmal bereits eine schwere Kiste gehoben, als ihm 
ein: Help God! entfuhr und sie wieder in die Tiefe sank. 

Klap, eine Art von Schlucht mit steilen Wänden, in der ein Lits (s. Sand- 
flei) aufwärts führt, Nd. Klapp, Bett, eigentlich Wandbett, Alkoven, 
durch eine Klappe verschliessbar. 

Gel)elsl)arg, auf den Karten Kleiner Giebelsberg, Grenze der Snikwiik. 

Daniieiitöög, Tannemug am Forste. 

Berends Töög, Zug eines Fischers Berend. 

Schobers Haken, kleine krumme Spitze. Schober wohl Personenname. 

Bnschstiig oder tregen Barg, Stelle dicht vor dem nächsten. 

Tescliower Oort, weit vorgestreckte Landspitze. Anfang der 

Teschower Wiik beim Dorfe Teschow; davor eine Muschelbank. 

Teschower Haken, Krümmung des Oorts. 

Tescliower Böken, Teschauer Buchen. 

WassentÖÖg, mag ähnlicher Beschaffenheit gewesen sein wie oben Swiintöög; 
s. o. Wendhoop. 

Teschower Kaansted', Kahmtelle der Teschower Fischer. 

Kuiiltöög, Zug an tiefer Stelle gegenüber von Stülper Huuk. 

Daambeen, eine lange gerade Strecke. Ob der Name wörtlich zu verstehen ? 
Vielleicht ursprünglich Dannbijöm? S. o. Daunentöög. 

Teschower Steenoort, Ecke am Dassower See, unterschieden vom Holsten- 
Steenoort auf dem linken Ufer. Nach dem Spitzen Steen, der vor ihm 
im Wasser liegt, heisst es auch Spitzen Steenoort. Den Gothmundern 
ist die ganze vorige Stelle bis zum Steenoort Meckelnborger Steenoort. 

III, Von Stülper Huuk tis Travemünde. 

Links. 
Stülper Haken, Einbuchtung dicht hinter der Huukspitze. 
Stülper Book, Buchen am Stülper Huuk. 
Gegen Apen, an der Selk, wo die Durchsicht offen ist. 
Holsten Steenoort, längeres gekrümmtes Buschufer; nach Deecke a, a. 0. die 

ganze Strecke vom Stülper Huuk bis Reddels Wiik, nach den Fischern 

nur die uächstgenannten 7 Stellen umfassend. Überall Steingrund. 
Lütt Krüün. 
Lütt Steenoort. 
Groot Krüün. 
De Gruft, ein ähnlicher Ort wie oben Klap, auch mit einem Lits; Name 

gleich hochdeutsch Gruft, welches nebst Grotte durch mittellatein. 

grupta aus griech. krypte, verdeckter Gang, entstanden ist. 



81 

Grroot Steenoort. 

Achtern Oort oder Hinnern Oort, hinten" der äussersten Biegung des Ufers. 

Sögentöög. Die Söög, Sau, ist ein grosser Steinblock im Wasser. 

Eerskaar, Kerbe im hohen Ufer; s. Tweeteers. 

Dat graad Ower, lange gerade Strecke bis 

Rendswiik — auf den Karten ßeddelswük — oder Elilei'swiik, flache 

Bucht, die die Namen anwohnender Landleute trägt. Darin die tiefe 

Stelle Enal. 
Jiirgenswiisch, Wiese beim Siechenhause zu St. Jürgen. 
Hogentöög, Zug am hohen Ufer. 
Reudswiikoort, Ecke der Bucht, in Travemünde Plüggeroort, Flücheroort 

geheissen, angeblich von den grossen Scharen der Wasservögel, die 

dort früher hausten. 
Scherenswiik, Siecheubucht, am Siechenhause; vor der Bucht viele Scheren 

oder Riffe. 
Soodtöög, Zug an der Viehtränke, dem Sood. 
Jumfernlok, Fahrrinne im Schilfwuchs vor der Fähre. 
Steernoort, Stelle beim Travemünder Zollhause, dessen Dach ehedem mit einem 

Sterne versehen war. Weil hier der Standort der Schiffsarbeiter ist, 

so heisst sie auch Löwenbörse und von den üblichen Aufschneidereien 

Lögenoort. 
Trammünn, Tremmiinn, Travemünde, alte Form Travenemunde. 

Rechts. 
1. Dassower See. 
Zanloort, nördliche Ecke des Teschower Steinorts. 
Zaul, Saul, im Zanl, etwas gebogene Uferst recke. Name dunkel. 
Butkunl, Tiefe mit steilen Räudern; mnd. bnt, ahgestumpft u. ähnl. 
Kraul, im Kraal, flache Ausbuchtung. Das Wort erscheint öfters als 

Bezeichnung krummer Landstücke, mnd. kronwel, Kreuel, Gabel mit 

hakenförmigen Spitzen. Vgl. krull, kroll, kraus u. a. m. 
Deepenoort, Tiefe an der Ecke. 
Grlauscll, Bucht mit einem Namen, über dessen Sinn ich nur unsichere 

Vermutungen hege. 
Feerkrüün, Buschuier, wo einst eine Fähre gewesen sein soll. 
Reetoort, grösstes Vorgebirge des Dassower Sees. 
To'n Eschen, alter Eschenbestand. Daneben 
Hestertöög, Zug hei jungen Bäumen, besonders Buchen, aber auch anderen. 

Davor die Insel Bookhorst oder Bookwarder, die einzige Horst, ivüste 

Buschstelle im Wasser, in der Untertrave. 

6 



82 

Jaabsbeek, Jaahs Bach, Kleine Niederung. 

Siiickenfeld, deutet auf Muschelbänke. 

Stei'Iiholt, Gehölz vom Gute Sterley. 

Zameiiz, Dorf Zarnewenz, slavisch. 

Schaarpenoort, windige Krümmung. 

Sleiss Haaw', Sleuss' Hafen. 

Röbeek, kleiner Bach. Zu Rö, Bude, Jagdhund? 

David siin Koppel. David ein Bauer iu Zarnewenz. 

Jürg'eiiswük, Bucht beim St. /wr^ren-Krankeuhaus von Dassow. 

Kaai'ktöög, Kirchenzug, bei der Kapelle des Krankenhauses. 

Maarwiik, Bucht, in der sich viele Made, Modde, Schlamm, befindet. Darin 
ein Strang, der sich noch in zwei Inseln aus dem Wasser hebt: 
Maarwiikwarder, bei Deecke und auf der Karte von 1601 Madewik- 
warder, und Gooswarder, Gänseinsel, bei Deecke Grosenwarder, auf 
der Karte (jOSewarder. Neben beiden noch eine ganz kleine Insel 
Lütt Warder. 

Slengwiisch, stark gewundene Uferstrecke; mnd. sIengen, winden. 

Sleiigwiisclioort, langer Ausläufer der vorigen. 

Swaaiibeek, Dorf Schwanbek. 

Dassow, Städtchen an der hier mündenden Stepenitz, frülier Dai'tzowe, 
slavisch. 

Snieedbeek, Bach hei der Schmiedef 

Dassower Krüün. 

Rugenoort, scharfe Ecke gegenüber Sleugwiischoort. Fast in der Mitte 
zwischen diesen beiden Krügwarder oder Graswarder oder Gtraskrüg- 
wai'der, kleine Insel, bekannt durch den zwischen Lübeck und 
Mecklenburg so lange spielenden Graskrieg, wie das Volk den Streit 
um die Oberhoheit über den Dassower See nennt. 

Marien steen, ein grosser Stein im Wasser. 

Wiiclieltöög, Zug bei Weidenbmimen. 

(rroot Geel und Lütt Geel, zwei Uferstellen mit gelbem Lehme. 

Beenkendörper Wiik, Bucht bei Benekendorf. Darin zwei, auch von Deecke 
und auf der Karte von 1601 verzeichnete, lange Rohrinsehi: Beenken- 
dörper Warder und Middelwarder. In die Mitte des Sees hinein ziehen 
sich hier zwei Bänke: Lütt Steert und Groot Steert. Steert, Schwanz, 
beliebte Bezeichnung von Landstreifen. 

Holkbööin, Stelle am Ende der Wik, benannt nach einer Gruppe hohler 
Bäume. Holken, aushöhlen, Holke, Höhlung. 

Beeil keiKlörper Oort, Ende der Bucht. 

Lütt und Groot Sadelkrüün, zwei buchtige Uferstellen, die von weitem 
wie Sättel aussehen. 



83 

Borggrawen, Abfluss eines Borms, Quellteiches. Wohl Scherzname. 

Leemoort, lehmhaltige Ecke. 

Snakenbeek, Schlangenwiese. 

Achtern Grasoorl, Stelle dicht am folgenden. 

(irasoort, dem Zauloort schräg gegenüber. Anfang der Pötnitzer Wik. 

2. Pötnitzer Wik und Priwall. 

Krögerstück, Krögers Äckerstückf S. u. Kroog. 

Groot und Lütt Sadelsteen oder Saalsteen, zwei sattelförmige Steine im 
Wasser, auf denen aber auch der Saal, Seehund, sich zu ruhen pflegt 

Lang KoppeL 

Possbeek, Fuchsbach. 

Volksdörper Mööl, Volksdorfer Windmühle. 

Soodtöög, Zug bei der Viehtränke. 

Brunns trrünn, niedriges Wiesenland eines Bruhns. 

Melkerbeek, zum Viehmelken geeignete Wiese. 

Gegen Kroog, Stelle vor dem alten Tegelkroog, Wirtschaft Ziegelkrug. 

Stakentöög, Zug in der Nähe einstiger Stangen? 

Timnihöörn, Timms Ecke.. 

Pöötnitz, Gut Pötenitz. 

WacLgrawen, Grenzgrawen, Zollhaus, alte Grenze des Priwalls gegen 
Mecklenburg, Anfang der Halbinsel. Auf der Karte von 1601 sind 
lübeckische und mecklenburgische Schanzwerke neben einander dar- 
gestellt. 

Dwas gegen, Quer gegenüber, wenn man vom vorigen Orte hergefahren 
kömmt. 

Güteroort, Ecke, w^o sich die Regenpfeifer häufig aufhalten, welche die 
Fischer Güter oder Fleiter nennen. S. Doornkaat-Koolman, ostfries. 
Wörterb. u. gut. Vgl. Flücheroort. 

Gegen de Pool, vorm Pfuhl, Sumpfstelle. 

Steentögen, Züge auf steinigem Grunde, darunter Groot Steentöög und 
Neddelsten Töög, unterster Zug. 

Slangenbarg, Schlangenberg. Vgl. Snakenbeek. 

Slangenbargskräün, Buschufer. 

Lüttenoort, kleine Ecke vor der westlichen Biegung des Priwalls. 

Gegen Solte, bei der ehemaligen Solteri, Heringssalzerei. 

Priwaller Grasoort, bei den Travemündern auch Grasbült, Grasbusch, Süd- 
westecke des Priwalls. Die Namen gehen auf den üppigen Graswuchs, 
der sich sonst noch weiter hinein in die Wik erstreckte und dieser 
Stelle die Benennung Botterboden, Buttertonne, zugezogen hat; mnd. 

6* 



84 

l)oden, Bottich. Hier liegt Trönnelhöörn, der Winkel, den das Zu- 
sammenstossen des Priwalls und des ?Vön«e?schors bildet. 

Tröimelschoor, von den Gothmundem meist Trönnelref, Bundriff, geheissen, 
eine Sand- und Steinbank, die vom Eingange der Travemünder Fahr- 
rinne bis zum Teschower Steinort läuft und die Pötnitzer Wik von 
dem Fahrwasser trennt. Der Name rührt entweder davon her, dass 
sie von den Wellen so rund und glatt gespült ist — mnd. trent, nmd, 
treiidelen, kugeln — oder, wie die Fischer sagen, daher, dass sie 
infolge dessen Ähnlichkeit mit einer Kegelbahn besitzt. Der südliche 
Teil, der durch eine Durchfahrt ungefähr vor der Mitte der Pötnitzer 
Wik von dem Hauptstück getrennt ist, heisst Dregcstrang, frucht- 
barer Streifen, nach seinem üppigen Pflanzenwuchs; niederd. drege, 
ausgiebig, besonders an Nahrungstoffen. D.-K. ostfries. Wörterb. Auf 
manchen Karten steht beim Trönnelschor der Name Träger- oder 
Trägenstieg. Das ist gewiss nichts als Entstellung des unverstandenen 
Dregestrang. 

Feerl)rftgg, vor der Anlegestelle der Travemünder Fähre. 

Fuleiioort, Ecke vor dem Süderbollwerk, wo das Wasser früher durch 
viele grosse Steine sehr unrein war. Der Name Priwal ist slavisch 
und bedeutet Brustwehr am Wasser; älteste Form Priwolk 1226. 
S. LKN. 

IV. Das Fahrwasser. 

Tnun oder Kattegat, der, früher schmalere, Zugang zum Moore zwischen 
Sülwerbarg und Wendhoop. Tuun, Zaun, bezeichnet alles Eingezäunte, 
nicht nur die Einzäunung selbst. Kattegat, Katzenloch, Katerstieg. 

Breedling, 1230 Breiding, in der ältesten Fischerrolle Brej^dyugh, die 
breite Stelle der Trave zwischen der Herrenfähre und Schlutup, welche 
durch den Bau der Landstrasse 1830 schon verengert ist Auf den 
neueren Karten steht der Name sonderbarer Weise am Bollwerk ent- 
lang, gleich als ob er von Brett herkäme, und danach wird S. 14 
„der Freien- und Hansestadt Lübeck" irrig behauptet, das Stau werde 
in seinem oberen Teile durch den Bretling von der Flussbahn ge- 
trennt (s 0. Stauoort.) Denselben Namen trägt bekanntlich die breite 
Warnow vor ihrer Mündung. Davon stammt in Lübeck mid Rostock 
Breedling als Benennung der Behörde, die im vorigen Jahrhundert 
— bei Berghaus, Sprachschatz der Sassen, fälschlich noch jetzt — die 
Stromaufsicht führte. 

In de Kelen, in der Kehle, die Verengerung des Breedlings bis zum 
Haieroort. 



86 

Solttraaw, Salztrave, das Wasser von Schlutup bis Stülper Huuk- Früher 
war die Trave oberhalb Schlutup nicht brakig. Auf alten Karten 
In de Reken genannt S. u. 

Stülp, die stülp- oder topfdeckeliöi-mige Verengerung des breiten Gewässers 
unterhalb des Stülper Huuks. 

Hals, älterer Name des Einganges zum Dassower See. Jetzt sagen die 
Fischer meist ViJr'n See. 

Rinn, die Fahrrinne zwischen Traveurüude und dem Priwall und weiter 
hinaus. Die Seite vorm Süderbollwerk heisst Denenrei, Dänenrliede, 
weil hier die dänischen Schiffe lagen; die andere vorm Norderboll- 
werk Heckel, wahrscheinlich von den Schanzpfählen der alten Be- 
festigung am „Müggenbusch." S. Karte von 1601. Vgl. holländ. 
liekken, Lattenverschlag. 

Dat Rewiir, die ganze Flussbahn von Lübeck bis Travemünde oder 
genauer zwischen Stadthafen und Seehafen. Das holländische revier, 
französ. riviere, Fluss- und Ufergehiei, wovon auch das hochdeutsche 
Fremdwort Revier, das also eigentlich nur Flussgegend bedeutet. Die 
Fischer haben statt dessen den Ausdruck PriherrenstroOM, d. i. die 
Strommitte, aus der nach beiden Ufern zu jeder frei fischen, „Strom- 
tögen" machen darf. Die alten Rollen sagen dafür der stad A^'ilieit 
der Trave und Kogi^endeep, Tiefe, Fahrrinne für Seeschiffe, in Goth- 
mund zu Poggendeep, Froschtiefe, geworden.*) Die Flussbahn ist 
von der Herrenfähre bis Travemünde mit zwei Reihen von Strom- 
pfählen bezeichnet. Ihre Gesamtnamen Rik, Reken, Paalrak bedeuten 
alle Reihe von Pfählen und gehen auf Eine Wurzel zurück. (Vgl. 
Skagerrak, Felsriffe bei Kap Skagen.) Die wichtigeren haben ihre 
bestimmten Benennungen; manche davon sind dunkel. 

Blootwaterpaal oder Halerpaal s. v. a. Haleroortspaal. 

Rugeiioortspaal am Rauhen Ort, 

Mewenpaal, Mövenpfahl, bei Kabeloort. 

Dummerspaal, s. v. a. Dummeroortspaal. 

Treidelpaal, s. o. Ballastkuul in der Salztrave. 



*) Wie diese Tiefe künstlich geschafien und erhalten wurde, davon legen Stellen 
im Kämmereibuche und in den Hanserezessen Zeugnis ab. So heisst es in letzteren 
unter dem 23. Juli 1466: Oeck weret waer, dat se hedden kortes hier bevoeren van 
der stad ghemeynem guede den pampoiesz to depende, daer de geladenen scliepe 
myt swarer last oeck anders nicht over vleten unde schepen mochten, gebettert 
hedden. (Hanserezesse Abt. II [v. d. Kopp] Bd. V). Pampoeisz ist das holländische 
Wort Pampliuis, Pamplms, Pampns^ Sandbank, Untiefe. Solcher Pampus versperrte ver- 
mutlich den Breedhng. Unsere Fischer verstehen unter Pamphuus, Pampus nur den 
Puinpesel, Rohrkolben, Typha. Die Grundbedeutung ist noch nicht festgestellt. 



86 

Dreeaiigelpaal, Triangelpfahl bei Stülper Huuk. Er hatte als Kennzeichen 

oben ein Dreieck. 
Tröniielpaal zwischen Trönnelschoor und Dregestrang, also s. v. a, Trönnel- 

schoorpaal. Der andere Name Oberster Pfahl bezeiclmet ihn als 

Beginn des Travemünder Pfahlraks 
Flederpaal, nach dem Ivendorfer Plederbarg, Höhe mit schwarzem Flieder. 

Ein Riff an seinem Fusse heisst ebenfalls Fiederbarg. 
Dodenpaal, Totenpfahl. Dort soll einst die aufgefundene Leiche des 

Rönnauer Müllers festgebunden sein 
Reiiwerspaal, Reimers Pfahlf Die letzten drei Pfähle stehen vor dem 

graden Ower. 
Kuulpaal, Pfahl an der Untiefe der Rendswiik. 
Heckpaal, nach einem Heck oder Zaunthoref 
Buclltpaal, am Priwaller Grasort, wo die Siechenhucht sich öffnet. 
Hootpaal, Hutpfalll, einst mit einem Hute als Abzeichen. 
Ollen Kaiser, alter Kaiser, als erster Pfahl so bezeichnet. 

V. Ortsnamen in der Travemünder Bucht. 

Plate, Platte, die Sandbank vor der Travemündung, durch welche die 

Rinne führt. 
Kunkel oder Achter Süderbolwark, die Bucht nördlich am Priwall, 

zunächst beim Bollwerk. 
Wendsiid, Wennsiid, Wendenseite, die mecklenburgische Küste. 
Scheed, Scheide, die Spitze der Wendsiid, von Travemünde aus gesehen. 
Schul!, Hängendes Schoor, das, meist überflutete, Vorland der Steilküste, 

Schoor. Schüll, schnll, Scholle, Erdreich. 
Zwick, Spitze des Vorlands, dreieckiges Stück, vgl. Zwickel. Älterer Name 

Meding. 
Rateschoor, s. v. a. Ratekauschoor, der Strich des Vorlands, über welchen 

hinweg von bestimmter Seestelle aus der Kirchturm des Dorfes 

Ratekau in einer Waldlichtung zu sehen ist. 
Dat Steenref, das lange Steinriff, welches sich schräge vor die Bucht lagert. 
Dreiden, der Teil der Bucht, welcher zwischen Steinriff, Ufer und einer 

Linie von der Steinrifftonne bis zur Spitztonne liegt. Der Name 

hängt zusammen mit dreien, drehen, drei, Drehung; weil das Wasser 

dort so schöölt, Wellen schlägt, müssen die Fischer den Kahn beim 

Arbeiten drehen. 
Spalier, das hohe, leicht abspaltende Ufer, welches auch Falluni heisst, s. o. 

Spliitaf; mnd. spalden, spalten. 



87 

üpp'n Togen, auf den Zügen, nennen die Fischer die Stelle der Bucht 
vor der Flussmündimg, weil dort zwei Heringszüge sind: de koi't 
Töög und dahinter de hoog Töög. 

Scliarpeiibusch, Dode Man, Katentöög sind drei Züge vor Niendorf, wo 
die Schlutuper Breetlinge fangen. 



Ausser den aufgeführten Bezeichnungen gebrauchen die Fischer 
unter sich, meist scherzweise, noch einige andere, z B. Langen sün Brügg 
für einen Holzsteg, Vadder Knappen , sün Stauw für eine freie Stelle im 
Schilfe, Vadder Witten sün Köök für den grossen Sadelsteen, auf welchem 
ein Gothmunder sich Kuffee zu kochen pflegte. Da sie keine allgemeinere 
Geltung und Wichtigkeit besitzeu, habe ich sie nicht mit aufgenommen. 
Die übrigen noch bekannten habe ich mich bemüht möglichst vollständig zu 
erkunden und aufzuzeichnen, ehe sie allmählich der Vergessenheit anheim- 
fallen, und ich glaube, dies ist mir nahezu ganz gelungen. Der weitaus 
grösste Teil sämtlicher Namen ist mir aus Schlutup und Gothmund zu- 
gegangen Die Travemünder durften früher nicht in der Trave fischen 
und wissen aus diesem Grunde damit weniger Bescheid. Doch auch bei 
Urnen habe ich wie überall die bereitwilligste Teilnahme an meinen 
Forschungen gefunden. Allen freundlichen Helfern in Stadt und Land 
sage ich zum Schlüsse meinen aufiichtigen Dank. 



Die Käfer Lübecks. 

Von Major z. D. v. Koschitzky. 



3. Liste. 

Fortsetzung von Heft 7 und S, pag. 92—102 und Heft 10 uud 11, pag. 81- 



XXXVIl. Scarabaeiden. 

Caecobius Schreberi Li. Nicht häufig, bei Wesloe. M. H. 8. ^ 
Copris lunaris L. M. H 8. 
Onthophagus vacca L. Selir selten. M. 
coenobita Herbst. M. IT. 8. 
fracticornis Preyss. M. H. 8. 
nuchicornis L. M. H. 8. 
Aphodius erraticus L. M. H. 8. 

subterraneus L. M. 

fossor L. M. S. 8. 

var. sylvaticns Alir. M. H. 8. 

haemorrhoidahs L. M. 

scybalarius F. M. 8. 

foetens F. Nicht häufig, bei Wesloe. M. H. 8. 

fimetarius L. M. H. 8. 

ater Deg. M. H. 8. 
■■ granarius L. M. H. 8. 

rufus Moll. M. H. 8 

niger Panz, M. 

plagiatus L. Unter Seetang bei Travemünde. M. 

inquinatus F. M. H. 8. 

nitidulus F. M. 

porcus F. Selten, aber an verschiedenen Stellen. 

scrofa F. Sehr selten, bei Wesloe. M. 

pusillus Herbst. M. H. 8. 



') M. = Mecklenburg, E. =■ Holstein, S. =: Schleswig. 
* Vom Verfasser nicht selbst gefunden. 



Aphodius merdarius F. M. H. S. 

prodromus Brahm. M. H. S. 

rufipes L. M. H. 8. 

luridus Payk. M. H. S. 
?* -- obliteratus Panz. H. 

Plagiogonus rhododactylus Marsh. 8. 

Oxyomus sylvestris Scop. M. H. 8. 

Rhyssemus germanus L. In der Sandkuhle vor dem Burgthor, nicht selten. 

Odoutaeus armiger Scop. Bei Travemünde gefunden, sehr selten. M. 

* Psammobius vulneratus Sturm. M. H. 8. 

* = sulcicollis 111. M. H. 8. 

Geotrupes Thyphoeus L. Sehr selten bei Lübeck, nur auf hoher Haide. 
Bei Ratzeburg schon häufiger. M. H. 
stercorarius L. M. H. 8. 
spiniger Marsh. M. H. 8. 
sylvaticus Panz. M. R. 8. 
vernalis L. M. H. 8. 
Trox sabulosus L. M. H. 8. 

scaber L Selten, im Genist eines hohlen Baumes im Lauerholz 
gefunden. M. B. 8. 
Hoplia graminicola F. M. 
Sericea holosericea Scop. MR. 

brunnea L. M. R. 8. 
Rhizotrogus solstitialis L. M. R. 8. 

* Melolontha hyppocastaui F. Selten. M. R. 8. 

vulgaris F. M. R. 8. 
var. ruficollis Muls. M. R. 8. 
- albida Redtb. M. R. 8. 
?* Anisoplia villosa Goeze. ? Mindestens höchst selten. 
Phylloperta horticola L. M. R. 8. 
Anomala aenea Deg. M. R. 8. 

oblonga Er. Bestimmt nach Seydlitz. Grosse Seltenheit. 
Von mir einmal bei Genin gefunden. 
Oryctes nasicornis L. Früher häufig, jetzt selten. M. 

* Cetonia marmorata F. M. 

floricola Herbst. WI. R. 8. 

var. metallica F. M. 

am-ata L. M. R. 8. 
Osmoderma eremita Scop. M. 
Gnorimus nobilis L. M. 

* Trichius fasciatus L. Sehr selten. M. 



90 

XXXVIII. ßuprestiden. 

Anthaxia quadripnuctata L. M. H. S. 

Agrilus pannonicus Piller. Hiei- gar nicht so selten. M. 

viridis L. M. H. 8. 

elongatus Herbst. 

angustulus 111. M. H S. 

laticornis 111. Selten. M. 

olivicolor Kiesw. Selten. S. 
Ti'aehys minuta L. M. H. 8. 

trogiodytes Gyll. Einmal bei Brandenbaum gefunden. 

XXXIX. Euciiemideu 

fehlen wahrscheinlich hier. 

XL. Elaterideii. 

Lacou murinus L. M. H. 8. 
Elater sanguineus L. M. H. 8. 
einnabarinus Esch. M. 
sanguinolentus Schrank, 
praeustus- F. M. H. 8. 
pomorum Herbst, M. H. 8. 
crocatus Lac. 8. 
balteatus L. M. 
elongatulus F. 
Cryptohypnus riparius F. Nicht häufig. M. H 8. 

pulchellus L. Am Seestrande. M. H. 8- 
Gardiophorus ruficoUis L. Selten. M. 
nigerrimus Er. 
= musculus Er. 

asellus Er. M. 
cinereus Herbst. M. H. 8. 
equiseti Herbst. M. H. 8. 
Melanotus rufipes Herbst. M. H. 8. 

castanipes Payk. M. H. 8. 
Limonius pilosus Leske. M. H. 8. 
aeruginosus Ol. M. H. 8. 
minutus L. M. H. 8. 
parvulus Panz. M. 
Athous porrectus Thoms {= niger L.) M. H. 8. 
haemorrhoidalis F. M. H. 8- 



91 

Athous vittatus F. M. H. S. 

analis Muls. M. H. 8. 
Coiymbetes pectinicornis L. M. H. S. 

sjaelandicus Müll. M. H. 8. 
tessellatus L. M. H. 8. 
Diacanthus impressus F. M. 

aeneus L. M. R. 8. 
var. germanus L. M. H. 8. 
cruciatus L. Nicht häufig. M. H. 
bipustulatus L. Selten. H. 8. 
cinctus Paj^k. M. H. 8. 
Ludius feiTUgineus L. Nur die Reste eines einzigen todten Stückes in 
einem hohlen Baumast im Lauerholz gefunden. WI. H. 
Agriotes aterrimus L. M. H 8. 
sputatoi- L. M H. 8. 
Hneatus L. Nicht häufig. M. H. 
obscurus L. M. H. 8. 
pilosus Panz. M. 
Dolopius marginatus L. M. H. 8. 
Sericus bruuneus L. M. H. 
Adrastus limbatus F. H. 

pallens F. M. H. 8. 
Denticollis linearis L. M. E. 8. 

XLI. Dascilliden. 

Dascillus cervinus L. Nicht häufig. M. H. 8. 
Helodes minutus L. Selten. M. H. 8. 

marginatus F. M. 
Microcara testacea L. M. H. 8. 
Cyphon palustris Thoms. H. 

nitidulus Thoms. M. H. 8. 

coarctatus Payk. M. H. 8. 

padi L. M. H. 8 

variabilis Thunb. M. H. 8. 
Scyrtes hemisphaericus L. M. H. 8. 

orbicularis Panz. Vielleicht missdeutet! Nur 1 Siück. H. 
(Bei Hamburg in grösserer Zahl gefunden.) 

XLII. Canthariden. 

Lampyris noctiluca L. M. H. 8. 
Podabrus alpinus. H. 8. 



92 

Cantharis violacea Payk. Selten, 1 mal gefunden. M. H. 8. 
fusca L. M. H. S. 
rustica Fall. WL H. 
obscura L. M. 
pulicaria F. 

nigricans Müll. Selten. M. H. S. 
pellucida F. M. H. S. 
livida L. M. H. S. 
var. rufipes Herbst. S. 
' ■ rufa L. U. R. 8. 

var. litui-ata Fall. WI. H. 8. 
fulvicollis F. M. H. 8. 

thoracica Ol. Selten, im Lauerholz. M. H. 8. 
flavilabris Fall. Selten. M. H. 8. 

oralis Germ, Sehr selten, bei Travemünde. H. 8. häufig, 
discoidea Ahr. 
= paludosa Fall. H. 8. 
Rhagonyeha pilosa Payk. M. 

fulva Scop. M. H. 8 
elougata Fall. 3i. 
testacea L. M. H. S. 
atra L. 
Silis ruficollis F. Bei Herrenfähre nicht selten. M. E. 
Malthinus biguttulus Payk. M. 

punctatus Fourcr. M. H. 8. 
fasciatus Ol. M. H. 8. 



Malthodes minimus L. Jf. H. 8. 

marginatus Latr. M. H. 8. 



Von dieser Gattung giebt es 

hier wohl noch mehr nicht 

beobachtete Arten. 



Malachius bipustulatus L. M. H. 8. 
aeneus L. M. JE. 8. 
marginellus F. Sehr selten. M. H. 8. 
Anthocomus equestris F. M. 

fasciatus L. M. H. 8. 
Axinotarsus pulicarius F. M. H. 8. 

marginalis Lap. Sehr selten. Nur ein Stück im Lauer- 
holz gefunden. M. 
Ebaeus praeoccupatus Gemm. Nicht häufig. 
Charopus flavipes Payk. M. H. 8. 
Dasytes coeruleus Deg. M. H. 8. 



93 

Dasytes plumbeus Müll. M. H. S. 

fusculus 111. Selten. 

subaeneus Schönh. M. 
Dolichosoma lineare E.ossi. Selten, bei Schwartau. M. H. 
Haplocnemus impressus Marsh. Nor ein Stück bei Genin unter Eichen- 
rinde gefunden. 
Phloeophilus Edwardsi Steph- Sehr selten, bei Wesloe. H. 8. 

XLllI. Cleriden. 

Opilo molhs L. M. H. 8. 

domesticus Sturm. In Travemünde gefunden. M. H. 8. 
Cleroides formicarius L. M. H. 
Clerus apiarius L. Sehr selten. M. 
Corynetes coeruleus Deg. M. H. 8. 
Necrobia violacea L. M. H. 

rufipes Deg. Nicht so häufig, öfter eingeschleppt. H. 
Elateroides dermestoides L. Männchen bisher nicht gefunden. M. 
Lymexylon navale L. Lauerholz. 

XLIV. Bnichiden. 

Niptus griseofuscus Deg. H. 8. 

Bruchus sexpunctatus Panz. Nur ein Stück im Lauerholz. M. 

rufipes F. M. H. 8. 

latro F. M. H. 8. 

für L. M. H. 8. 

XLV. ByrrMdeu. 

Dryophilus pusillus Gyll. 3£ H. 8. 

Priobium castaneum F. In den Wesloer Tannen. M. H. 8. 

Anobium pertinax L. M. H. 

domesticum Fourcr. M. H. 8. 

fulvicorue Stuim. M. H. 8. 

rufipes F. ilf. 

paniceum L. M. H. 8. 
Oligomerus brunneus Ol. Zweifelhaft. Soll einmal an einer Weide 

gefunden sein. 
Xestobium rufovillosum Deg. M. H. 8. 
Ernobius abietis F. M. H. 8. 

mollis L. M. H. 8 
Hedobia imperiahs L. M. H. 8. 



94 

Ptilinus pectinicornis L. M. H. 8. 
Xyletinus pectinatus F. 

Dorcatoma serra Panz. Nicht häufig, au Eichenlaub gefunden. 
Anitys rubens Hoffm. Selten, jedoch dann in grossen Kolonien; in 
zwei faulen Eichenstämmen, Lauerholz. 
Es giebt hier noch mehr nicht sicher festgestellte Arten dieser Familie. 

Bostrycliiden. 

L3'ctus unipunctatus Herbst. M. H. S. 

XLVl. Oisiden. 

Cis boleti Scop. M. H. 8. 

-- micans F. M. H. 

-- hispidus Payk. M. H. 8 

-. bidentatus Ol M. H. 

■■ nitidus Herbst. K. 

• castaneus Meli. H. 

■■ festivus Panz. M. 
Rhopalodontus fronticoruis Panz. M. H. 8 

perforatus Gjdl 
Ennearthron affine Gyll. M. H. 8. 
Oetotemuus mandibularis Gyll. M. 
glabriculus Gyll. H. 8. 

XLVII. Teiiebriouiden, 

Blaps mortisaga L. Selten. M. R. 

similis Latr. Selten. M. H. 8. 

mucrouata Latr. 
Crypticus quisquilius L. M. H. 

Heliopates gibbus F. Selten im Dünensande des Priwall. M. 
Opatrum sabulosum L. 31. H. 8. 
Microzoum tibiale F. M. 
Bolitophagus reticulatus L. 

Heledoma agaricola Herbst. Geniuer Eichen. M. H 
Diaperis boleti L. Sehr selten. 3£. 

Platydema dytiscoides Rossi. Sehr selten, im Lauerholz. 31. H. 8. 
Tribolium ferriigineum F. M. 
Corticeus fasciatus F. Sehr selten, im Lauerholz. 

cimeterius Herbst. 31. 
Alphitobius diaperiuus Panz. Selten. 31. 



95 

* Alphitobius mauritanicus F. H. 
Tenebrio molitor L. M. H. S. 

* Nalassus striatus Fourcr. M. 

XLVIII. AUeculiden. 

Allecula morio F. Selten. M. H. 

Pseudocistela luperus Herbst. Nicht häufig, an Sträuchern. M. H. 
murina L. M. H. 

* = rufipes F. Selten. M: 
Eryx ater F. M. H. 

Mycetochares linearis 111. M. H. S. Überall sehr selten. 

XLIX. Lai^i'iiden. 

Lagria hirta L. M. H. S. 

L. Melandrijiden. 

Tetratoma fungorum F. Selten. H. 

ancora F. Selten; unter Erlenrinde im Schellbruch M. H. 
Eustrophus dermestoides F. Bei Genin, an Eichenpilzen. 
Hallomenus binotatus Queus. Selten. M. H. 
Abdera flexuosa Payk. Sehr selten. M. 
Melandrya caraboides L. M. H. 8. 

fiavicornis Duft. Nur ein Stück im Schellbruch gefunden. 
Grosse Seltenheit. 
Conopalprus testaceus Ol. Zwei Stück Q aus Aststücken gezüchtet. M. H. S. 

LI. Pediliden 

fehlen. 

Lll. Äntliiciden. 

Notoxus mouoceros L. Sehr häufig. M. H S. 
Anthicus floralis L. M. H. 

* ■■ ater Panz. M. 

flavipes Panz. Am Travemünder Strand. M. H. 
sellatus Pauz. Ebenda, Priwall, aber sehr selten. M. H. 

Llll. Pyrochroiden. 

Pyrochroa coccinea L. M. H. S. 

purpurata Müll. Selten im Binnenlande. H. S. 
' pectinicornis L, Nicht häufig. M. H. 



96 

LIV. Mordelliden. 

Tomoxia biguttata Gyll. M. H. S. 
Mordella fasciata F. M. H. S. 
aculeata L, M. H. 8. 
bisiguata Redtb. Zweifelhaft. 
Mordellistena abdominalis F. M. H. 
brunnea F. M. H. 
lateralis Ol. M. H. 
pumila Gyll. M. H. 8. 
ÄDaspis Geoffroyi Müll. Sehr selten. Zwei Stück gefunden. M. H. 8. 
frontalis L. M. H. 8. 
flava L. M. H. 8 
var. thoracica L. M. H. 8. 

LV. Meloiden. 

Meloe proscarabäus L. Nicht häufig. M. H. 8. 

violaceus Marsh. 31. R. 8. 

variegatus Donov. M. 

scabriusculus Brndt. Einmal gefunden. 

brevicollis Panz. M. 
Lytta vesicatoria L. Ist von einem Schüler im Schellbruch gefunden 
worden. Wohl sehr selten. M. 

LVI. Oedemeriden. 

Nacerdes melanura L. Von mir immer nur in der Stadt gefunden. 

M. H. 8 
Ischnomera coerulea L. Selten, Lauerholz. M. H. 8. 
Oedemera femorata Scop. M. 

virescens L. M. H. 8. 

lurida Marsh. M. H. 8. 
Chrysanthia viridis Schmidt. Nicht häufig. H. 

LVII. Pytliiden. 

Lissodema 4 pustulatum Marsh. Sehr selten. 31. H. 
Salpingus castaneus Panz. 31. H. 

foveolatus Ljuugh. M. H. 
Rhinosimus ruficollis L. 31. H. 8. 

planirostris F. 31. H. 8. 

LVlIl. Curculioiiiden. 

Otiorrhynchus raucus F. 31. H. 8. 

singularis L. 31. H. 8. 



97 



Otiorrhynchus sulcatus F. M. H. S. 
ligustici L. M. H. 8. 
ovatus L. M. R. 8. 
Phyllobius giaucus Scop. M. H. 8. 

urticae Deg. In mehreren Spielarten. M. R. 8. 

argentatus L. M. R. 8. 

maculicornis Germ. M. R. 8. 

oblongns L. M. H. 8. 

piri L. M. R. 8. 

pomonae Ol. M. R. 8. 

viridiaeris Laich. M. 

viridicollis F. Sehr selten. M. 
Polydrusus tereticollis Deg. ili" R. 8. 

fasciatus Müll. 

flavipes Deg. M. 

cerviuus L. 31. R. 8. 

mollis Ström. M. R. 8. 

sericeus Schall. M. R. 
Sciaphilus muricatus F. M. R. 8. 
Platytarsus setulosus Boh. R. 

echiuatus Bonsd. 8. 
Barypithes araneiformis Schrnk. 
Strophosomus coryli F. M. R. 8. 

obesus Marsh. M. R. 8. 
faber Herbst. M. R. 
Eusomus Ovulum 111. 

Brachyderes iucanus L. Höchst selten. M. 
Sitona griseus F. M. R. 

flavescens Marsh. M. R. 8. 

- tibialis Herbst. M. R. 8. 
lineellus Bonsd. M. 

Waterhousei Walt. Nur ein Stück gefunden. 

crinitus Ol. M. R. 8. 

regensteiuensis Herbst. M. R. 

puncticollis Steph. Selten, Travemünde. M. R. 8. 

lineatus L. M. R. 8. 

var. geniculatus Fährs. 

sulcifrons Thunby. M. R. 8. 

- hispidulus F. M. R. 8. 
■■ var. tibiellus Gyll. 



98 

Sitoua hnmeralis Steph. M. H. S. 
Trachyphloeus bifoveolatus Bed. 

scabriusculus L. M. H. S. 
alternans Gyll. M. 
Liophloens tessellatus Bonsd. M. H. 8. 
Barynotus murinus Bonsd. M. H. S. 
Dactylorrhinus plagiatus Schall. S. 
Chlorophanus viridis L. M. H. 
pollinosus F. H. 
Tanymecus palliatus F. Bei Moisling an Diesteln, nicht häufig. M. H. 
Tropiphorus obtusus Bonsd. H. 8. 
Gronops lunatus F. M. 
liypera punctata F. M. H. 8. 

i'asciculata Herbst. Sehr selten. M. H. 
arundinis Payk. M. R. 
rumicis L. M. H. 8. 
meles F. Sehr selten M. H. 8. 
polygoni F. M. H. 8. 
elongata Payk. M. 
suspiciosa Herbst. M. R. 8. 
variabilis Herbst. 8. 
murina F. M. R. 8. 
plantaginis Deg. M. H. 8. 
nigrirostris F. M. R. 8. 
Limobius dissimilis Herbst. Ziemlich selten. M. 
Cleonus affinis Schrank. M. R. 8. 
turbatus Fährs. M. R. 
sulcirostris L. Bei Wesloe. M. R. 8. 
Lixus paraplecticus L. M. R. 

iridis Ol. Von Herrn Schädel ein Stück gefunden. M. 
■ = cylindricus Herbst. Selten. M. R. 
Lepyrus capucinus Schall. Selten. M. 
Hylobius abietis L. M. R. 8. 
Pissodes pini L. Nicht häufig. M. R. 
notatus F. Selten. M. 
piniphilus Herbst. Selten. R. 
Grypidius equiseti F. M. R. 8. 
Erirrhinus scirpi F. M. H. 8. 

acridulus L. M. H. 8. 
f festucae Herbst. Nicht häufig. M. R. 



99 

Erirrhinus nereis Payk. M. M. S. 

scirrhosus Gyll. Selten. 
Dorytomus vorax F. M. R. 8. 

macropus Redtb. M. R. 

tremulae Payk. M. H. S. 
? ■- costirostris Gyll. 

* • suratus Gyll. M. 

punctator Herbst. R. 
tortrix L. M. R. 8. 
dorsalis L. M. R. 

* ' -. affinis Payk. R. 8. 

* = majalis Payk. Soll hier, wenn auch sehr selteu, vor- 

kommen M. 8. ■ • 

Brachon}rx: pineti Payk. M. 
Anoplus plantaris Naezen. ilf. R. 8. 
Tanysphja-us lemnae F. Höchst selten. M. R. 8. 
Bagons collignensis Herbst. Nur ein Stück gefunden. 

* = binodulus Herbst. 

* Hj'dronomus alismatis Marsh, Höchst selten. 5^. 
Ciyptorrhynchus lapathi L. M. H. 8. 

'' Acalles turbatus Boh. var. parvulus Boh. M. 8. 

* Magdalis phlegmatica Herbst. M. R. 

duplicata Germ. M. R. 8. 

cerasi L. M. R. 8. ' ' 

* = aterrima F. M. R. 

? = asphaltina Boh. Ein Stück, 

barbicornis Latr. M. 
pruui L. M. 
?* Balaninus elephas Gyll. Soll hier gefunden sein, 
giandium Marsh. M. R. 8. 
nucum L. M. R. 8. 
tessellatus Fror. Selten. Nur ein Stück gefunden. M. 

* - villosus F. Sehr selten. M. R. 8. 
Balanobius crus F. M. R. 8. 

brassicae F. M. R. 8. 
pyrrhoceras Marsh. M. R. 8. 
Anthonomus varians Payk. M. R. 

rubi Herbst M. R. 8. 

ulmi Deg. Nicht häufig. 31. R. 

pomorum L. M. R. 8. 



100 

Anthonomus rectirostris L. M. H. 8. 
EUeschus scanicus Payk. 

bipuuctatus L. M. 
Tychius quinquepunctatus L. Selten, bei Wesloe. S. 
venustus F. M. E. 8. 
meliloti Steph. Ziemlich selten, 
tomeutosus Herbst. M. H. 8. 
pieirostris F. M. H. 8. 
Sibinia viscariae L. Selten, bei Wesloe. M. 
Mecinus piraster Herbst. M. H. 8. 

Gymnetrotn pascuorum Gyll. Auf Gräsern bei Streckuitz. M. H. 8. 
beccabungae L. M. H. 
veronicae Germ. M. H. 8. 
labile Herbst. M. H. 8. 
linariae Panz. M. H. 8. 
tetrum F. An Linaria. M. R. 
noctis Herbst. M. 
Miarus carapanulae L. M. H. 8. 
Ciouus scrophulariae L. M. H. 8. 
tuberculosus Scop. M. H. 8. 

sirailis Müll. Bei ßrandenbaum an Verbascam. M. 
hortulanus Marsh. Sehr selten. M. 
Stereonj'chus fraxiui Deg. M. H. 8. 
Platylaemus solani F. M. H. 8. 

Nanophyes lythri F. Im Lauerholz an Teichen. M. H. 8. 
Orchestes quercus L. M. H. 8. 
rufus Ol. M. H. 8 
iUcis F. Nicht häufig. M. H. 8. 
fagi L. M. H. 8. 
testaceus Müll. M. H. 8. 
var. pubescens Stev. 
popuK F. M. H. 8 
avellanae Donor. M. H. 8. 
decoratus Germ. M. 
rufitarsis Germ. M. H. 
Salicis L. M. H. 8. 
Stigma Germ. M. H. 8. 
Rhamphus flavicornis Clairv. H. 8. 
Stenocarus cardui Herbst. Sehr selten. 
Coeliodes quercus F. M. H. 8. 



101 

Coeliodes ruber Marsh. M. K S. 

erythroleucus Gmel. M. H. S. 
rubicundus Payk. M. H. S. 
Cnemogeuus epilobii Payk. M. H. 
Ciclnorrhinus quadrimaculatus L. M. 
Rhytidosomus giobulus Herbst. M. H. 8. 
Ehinoncus castor F. M. H. S. 

bruehoides Herbst M. H. 8. 
inconspectus Herbst. M. H. 8. 
pericarpins L. M. H. 8. 
perpeiidicularis Reich. S. 8. 
Litodaetykis leucogaster Marsh. Selten, Travemünde. M. H. S. 
Phytobius caualiculatus Fäbrs. Am Ostseestrande bei Travemünde 
unter Tang und Seegras. M. 
Waltoui Boh. Ebenda. Selten, 
comari Herbst. M. 
quadrituberculatus F. M. H. 8. 
quadrinodosus Gyll. M. H. 8. 
Amalus scortillum Herbst. M. H. 8. 
Orobitis cyaneus L. 8. 
Ceuthorrhynchidius troglodytes F. M. H. 8. 

quercicola Payk. M. H. 8. 
floralis Payk. M. H. 8. 
Ceuthorrhynchus querciti Gyll. M. 

syrites Germ. M. H. 8. 
assimilis Payk. M. H. 8. 
cochleariae Gyll.. M. H. 8. 
nanus Gyll. M. 

ericae Gyll. Auf Halden. M. H. 
geographicus Goez. Selten. 

abbreviatulus F. Selten, auf der Roddenkoppel ge- 
funden. M. H. 
cruciger Herbst. 31. 
litura F. M. H. 8 

asperifoliarum Gyll. Nicht häufig. M. H. 8. 
chrysanthemi Gyll. M. H. 8. 
melanostictus Marsh. M. H. 8. 
quadridens Panz. Selten. M. H. 8. 
punctiger Sahlbg. M. JS. 
deuticu latus Schnk. M. 



102 



?* Ceuthorrhynchus biguttatus Boh. 

pollinarius Forst. H. 8. 
• pleurostigma Marsh. H. 8. 

sulcicollis Payk. M. H. 8. 
hirtulus Germ. S. 
chalibaeus Germ. M. H. 8. 
erysimi F. M. 
contractus Marsh. M. H. 8. 
Phoophagus sisymbrii F. M. H. 8. 
Baris artemisiae Herbst. M. H. 

- T-album L. M H. 8. 
Calandra granaria L. M. H. 8. 

oryzae L. Eingeschleppt an Reis. M. H. 

* CossoDus linearis F. M. H. 

* Rhyncolus ater L. 

LIX. Apioniden. 

Apiou pomonae F. M. H. 8. 
craccae L. M. H. 8. 
subulatum lürb. M. H. 8. 

* = penetrans Germ. 

onopordi Kirb. M. H. 8. 
? ' confluens Kirb. M. 

vicinum Kirb. M. H. 8. 
atomarium Kirb. M. 

* - Hookeri lürb. M. 

- fuscirostre F. M. H. 8. 

astragali Herbst (= genistae Kirb.) M. 
urticarinm Herbst. M. E. 8. 
aeneum F. Bei der Herrenfähre. M. H. 8. 
-. radiolus Kirb. M. E. 8. 
saeculare Gozis. M. H. 8. 
senicuhim Kirb. M. E. 8. 

- viciae Payk. M. E. 8. 

* = varipes Germ. M. E. 8. 

apricans Herbst. E. 8. 

* ■■ ononidis Gyll. M. E. 8. 

* = assimile Kirb. M. E. 8. 
: trifolü L. M. E. 8. 

-. flavipes F. M. E. 8. 



103 

Apion nigritarse Kirb. Bei Schwartau auf den Wiesen. M. H. 8- 
ebeuinum Kirb. H. S. 
punctigerum Thunb. H. S. 
virens Herbst. M. H. S. 
ervi Kirb. M. H. 8. 
ononis Kirb. M. H. 8. 
minimum Herbst. M. H. 8. 
aethiops Herbst. R. 8. 
meliloti Kirb. 
columbinum Germ, 
vorax Herbst. M. H. 8. 
pavidum Germ, 
miniatum Germ. H. 8. 
frumentarium L. M. H. 8. 

rubens Steph. Sandkuhle vor dem Burgthor. 31. R. 8. 
sedi Germ. M. 
violaceum Kirb. M. R. 8. 
aterrimum L. M. H. 8. 
affine Kirb. H. 
- humile Germ. M. R. 8. 

LX. Rliyncliltiden. 

Rhj'nchites Bacchus L. M. (Von mir bei Wismar gefunden.) 

aequatus L. M. R. 8. 

alhariae Payk. M. R. 8. 

germanicu.s Herbst. M. R. 8. 

aeneovirens Marsh. M. 

pausillus Germ. M. 

cupreus L. Nicht häufig, Schellbruch. M. R. 8. 

plauirostris F. M. H. 8. 

pubescens F. In einzelnen Jahren häufig. M. R. 

betulae L. M. R. 8. 
Rhinomacer alni Müll. M. R. 8. 

populi L. Ziemlich selten. M. R. 

LXI. Attelabiden. 

Attelabus eurculionides L M. R. 8. 
Apoderus coryli L. M. R. 8. 



104 

LXII. Nemonygiden. 

Cimberis attelaboides F. Selten, drei Stück an verschiedenen Wald- 
stellen an Kiefern gefunden. M. H. 

LXIII. Anthribideii. 

Tropideres albirostris Herbst. M. 

Macrocephalus albinus L. Mehrmals im Schellbruch von Schülern 

gefunden. Selten. M. 
Anthribus varius F. Bei Genin gefunden. Selten. M. H. S. 

LXIV. MylaMdeu. 

Spermophagus cardui Boh. 
Mylabris cisti F. 

pisorum L. In Erbsenlagern. H. 

seminarius L. Nicht sehr häufig. M. H. 

villosus F. Selten. M. 



Land- und Siisswasser-Conchylien der Umgegend von Lübeck. 

Von Otto Ranke. 

-Uie Kenntnis der Conchylien unseres lübischen Gebietes hat sich 
seit dem Verzeichnis der „Mollusken der Umgegend Lübecks und der 
Travemünder Bucht" von dem Hauptlehrer Herrn 0. Arnold (erschienen 
1882 im Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklen- 
burg, Heft XXXVI, p. 1 — 16) durch manchen interessanten Fund er 
weitert, so dass die Anzahl unserer Land- und Süsswasser-Couchylien jetzt 
102 Arten und 15 Varietäten beträgt. Auch sind dem Sammeln insofern 
weitere Grenzen gezogen worden, als ausser dem engsten Umkreise unserer 
Stadt auch die weitere Umgebung eine Durchsicht erfuhr. Als Grenzen 
des behandelten Gebietes gelten Mölln und Gleschendorf, Reinfeld und 
Travemünde. 

Leider konnten in den letzten Jahren die Untersuchungen des zu 
unserem Gebiete gehörigen Teiles der Ostsee nicht fortgesetzt werden, so 
dass ich für die Kenntnis der Mollusken der Travemünder Bucht auf die 
Angaben des erwähnten Verzeichnisses verweisen muss. 

Unterstützt wurde ich bei meiner Arbeit ganz besonders durch den 
Mittelschullehrer D. Geyer in Backnang, der in freundlichster Weise 
kritische Formen der hiesigen Sammlung einer Durchsicht und Bestimmung 
unterzogen hat, und dessen vortrefflich übersichtigem Werke über die 
deutschen Land- und Süsswasser-Molluskeu ich eine bedeutende Anregung 
verdanke. 

Ebenfalls bin ich zu Danke verpflichtet den Herren C. Arnold und 
Dr. H. Lenz, welche mir das von ersterem gesammelte Material unseres 
Museums zu freier Verfügung stellten, den Herren A. Roeper und 
Dr. C. Klüss, deren Sammlungen ich habe durchsehen dürfen, sowie 
meinem Bruder Friedrich für seine thatkräftige Mitarbeit. 



106 

Das Zeichen (A.) hinter eioein Fundorte bedeutet, dass Herr Arnold, 
die Buchstaben (Fr.), dass mein Bruder Finder der betreffenden Art ge- 
wesen ist; an einem Orte mit dem Zeichen ! hat der Verfasser sie selbst 
beobachtet. Arten und Varietäten, welche im Arnold'schen Verzeichnis 
noch nicht enthalten waren, sind mit einem f versehen. 

Für die Anordnung und Bestimmung diente mir Clessins deutsche 
Exkursions Mollusken-Fauna in der Auflage von 1884 zum Muster. 

Lübeck, im Januar 1898. 

Otto Ranke. 



I. Gasteropoda. 

A. Stylommatophora. 

Fam. Vitrinidae. 

Gen. Limax Müll. 

1. L. laevis Müll: Von Dr. Klüss auf den Wiesen gegenüber der 
Lachswehr gesammelt (mündl. Mitteilg.); in einem Exemplare am 
Ufer des Wennsees bei Scharbeutz unter faulem Holze gefunden (Fr.). 

2. L. agrestis L.: Gemeinste Art der Gärten; auch in den Wäldern 
der näheren und weiteren Umgebung nicht selten. 

3. L. maximus L.: In den Varietäten 

a. cinereo-niger Wolf: Häufig; meist tiefschwarz, selten 
graulich oder weiss. 

b. cinereus List.: In verschiedenen Stadtgärten in Menge (A.) ! ; 
in wenigen Exemplaren auch auf den Wallanlagen gefunden 
(A., Fr.). 

4. L. variegatus Drap.: In einigen Kellern der inneren Stadt (A.). 

5. L. arborum Bouche-Cantr.: In den Wäldern nicht selten, bei 
nassem Wetter an den Buchen mehrere Meter hoch aufsteigend. 

Gen. Vitrina Drap. 

6. V. pellucida Müll.: An Landstrassen und in hebten Gebüschen 
unter faulem Holz und in feuchtem Moose durchs ganze Gebiet ver- 
breitet, meist in nur wenigen Exemplaren. 

Gen. Hyalina Ferussac. 

7. H. cellaria Müll.: Die am besten entwickelten Gehäuse (von meist 
trüber, weisslicher Farbe) finden sich in den Kellern und Gärten der 



107 

Stadt; doch ist diese Art auch an feuchten, dunklen Stellen der 
Wälder (mit oft gelblich durchsichtigen Gehäusen) nicht selten. 

Die von A. für mutmasslich H. Draparnaldii Beck, bestimmten 
Stücke sind von Geyer als zu cellaria gehörig bezeichnet worden. 

8. H. nitens Mich.: Seltener als folgende. Beobachtet bei Steinrade 
(A.), vor dem Mühlenthore (A.), bei Israelsdorf (Klüss), im Schwartauer 
Holze (A.), am Mühlteiche in Klein -Timmendorf (Fr.) und in den 
Wäldern am Timmendorfer Strande !. 

9. H nitidula Drap.: In den Wäldern an feuchten Stellen recht häufig. 
1 10. H. pura Alder: Von A. nicht angegeben. Bisher beobachtet in 

den Wäldern von Schwartau !, Waldhusen !, Timmendorf ! und 
Scharbeutz !. 

t var. viridula Menke: Mit der Hauptform in der Timmen- 
dorfer Kammer ! 

11. H. radiatula Gray: In allen Wäldern unter Laub und im Moose, 
oft mit voriger zusammen. 

t var. petronella Charp.: Liebt dunklere, feuchtere Stellen 
als die Art. Beobachtet im Lauerholze (ein Exemplar, von 
A. mit crystallina gesammelt), Riesebusch !, Timmendorfer 
Wohld ! und besonders zahlreich in einem Eileuwäldchen 
an der Aalbeck bei Niendorf a./O. (Fr.). 

12. H. crystallina Müll.: An denselben Stellen wie die vorige Art, oft 
mit ihr zusammen. 

13. H. fulva Müll.: In allen Wäldern der näheren und weiteren Um- 
gebung unter Laub und Rindenstückchen.*) 

Gen. Zonitoides Lehm. 

14. Z. nitida Müll: Im ganzen Gebiete nicht selten, stets am Wasser. 

Farn. Arionidae. 

Gen. Arion Fer. 

15. A. empiricorum Fer.: Überall. 

16. A. subfuscus Drap.: Recht häufig, manchmal ohne die dunklen 
Längsbindeu. 

17. Bourguignati Mab.: Sehr häufig in Wäldern und Gärten. Hierher 
gehört Arnolds Arion hortensis F6v. von Torfwiesen bei Schwartau. 
Echter A. hortensis ist mir nicht vorgekommen. 



*) Diese Art, ebenso wie Patula pyginaea, Helix aculeata und lamellata, sowie 
Pupa Bubstriata fängt man am besten, wenn man grössere Rindenstücke an laub- 
reichen Stellen des Waldbodens so niederlegt, dass ihre Innenseite den moderigen 
Blättern zugekehrt ist. 



108 

Fam. Patulidae. 

Gen. Patula Held. 

18. P. rotundata Müll.: In den Wäldern überall, meist au trockenen 
Stellen. 

19. P. pygmaea Drap.: Wie Hyal. fulva, oft mit ihr zusammen; meistens 
in nur wenigen Exemplaren gefunden. 

Fam. Helicidae. 

Gen. Helix L. 

20. H. aculeata Müll.: Im Schellbruch (Fr.; dort schon 1870 von 
W. Leche ein Exemplar gefunden), im wilden Riesebusch bei Schwar- 
tau ! und in der Scharbeutzer Heide !; besonders zahlreich in den 
Wäldern am Timmendorfer Strande ! und bei Nüsse !. 

t21. H. lamellata .leffr.: Bisher beobachtet am Schmalsee bei Mölln !, 
im wilden Riesebusch ! und in den Timmeudorfer Wäldern !. An 
allen drei Stellen sehr gesellig; bei Schwartau und Timmendorf, wo 
sie mit der vorigen Art zusammen lebt, ist sie bedeutend zahlreicher 
als diese. 

22. H. pulchella Müll.: Überall, meist an trockenen Stehen. 

23. H. costata Müll.: Wie vorige, oft mit ihr zusammen und dann 
meistens weniger zahlreich. 

24. H. bidens Chemu.: An feuchten Stellen in den Wäldern und auf 
Wiesen. 

25. H. rubigiuosa Ziegl.: Am Eisenbahndamme (Roeper), am Treidel- 
stieg (A.) und im Garten der Gewerbeschule (A.) in wenigen Exem- 
plaren, welche Herrn Geyer vorgelegen haben, gefunden und von A. 
für Hei. Serie ea Drap, bestimmt worden. H. sericea kommt, 
ebenso wie die var. liberta West., in unserem Gebiete nicht vor. 

26. H. hispida L.: Gemein und ziemlich veränderlich. Von Varietäten 
wurden beobachtet: 

t var. concinna Jeffr,: Mit der Hauptform zusammen nicht 
selten, gern an besonders feuchten, dunklen Stellen. 

var. septentrionalis Cless.: In gut ausgeprägten Exemplaren 
auf den Wällen (A., Fr.) ! gefunden. Diese Varietät wurde 
von A. für H. liberta West, gehalten; sie ist mit der 
Hauptform durch Übergänge verbunden (A. s. „Mittelformen 
zwischen H. hispida L. und hispida Jeffr."). Auch ein 
von W. Leche am Stadtgraben früher gesammeltes und für 
H. liberta bestimmtes Exemplar unserer Sammlung gehört 
zum Formenkreise der var. septentrionalis Cless. 



109 . 

27. H. strigella Drap.: Au zwei nicht näher bezeichneten Orten bei 
Lübeck in wenigen Exemplaren gefunden (Milde, Hans Arnold); 
neuerdings in der Kammer am Timmendorfer Strande zahlreich ge- 
sammelt (Fr.) !. 

28. H. fruticum Müll: Auf den Wällen und in den Wäldern nicht 
selten. 

29. H. incarnata Müll: An feuchten Stellen in Wäldern und Gebüschen 
ziemlich häutig. 

30. H. arbustorum L.: In der nähereu Umgebung der Stadt (von der 
Herrenfähre bis Moisling) recht häufig; sonst beobachtet: im wilden 
Riesebusch bei Schwartau (Fr ), in Niendorf a./O. !, am Westufer des 
Hemmelsdorfer Sees ! und bei Nüsse !. 

f. Thomasia Moq. Tand, (graugelber Untergrund mit weissen 
Flecken): Auf dem Walle unter der Art nicht selten (A.) !. 

31. H. hortensis Müll.: Häufig, doch nicht so gemein wie folgende. 
Sie scheint bei uns wenig zu Bändervariationen zu neigen; es wurden 
deren 3 beobachtet. Albine Gehäuse sammelte C. Klüss auf der 
Roddenkoppel und icli in der Timmendorfer Kammer. 

f var. fusco-labiata KregL: Bei Pansdorf !. 

32. H. nemoralis L. : Unsere gemeinste Landschnecke. Von ihr wurden 
19 verschiedene Bändervariationen gefunden. 

33. H. pomatia L.: Diese Schnecke scheint in früherer Zeit in der 
näheren Umgebung unserer Stadt nicht selten gewesen zu sein, wofür 
das Vorkommen alter Gehäuse unter dem Rasen der Bastion 
Schwansort spricht (Exemplare, bei der Anlage des Elbe-Trave-Kanals 
gefunden, von Herrn Dr. Friedrich mitgeteilt). Nahe der Stadt ist 
sie in wenigen Exemplaren lebend beobachtet worden auf der Rodden- 
koppel (A.), dem Burgfelde (A ), in Gärten vor dem Hüxterthore 
(A.) und Mühlenthore (Gymnasiast Thessmann). Ausserdem bei 
Hamberge (A.), Reinfeld (Lehrer Rohweder, mündl. Mitteilg.); sehr 
zahlreich im Travemüuder Kurgarteu (Leche, A.) !. Ferner bei 
Ratzeburg am Bahnhof (Roeper), nicht selten bei Mölln (Dr. Friedrich), 
Ritzerau (Wilde) und Nüsse !. Jenseits der Nordgrenze unseres Ge- 
bietes, in Holstein, ist Hei. pomatia sehr häufig !. 

Fam. Pupinae, 

Gen. Buliminus Ehrenbg. 

34. B. obscurus Müll: Zahlreich am Timmendorfer Strande an sumpfigen 
Stellen der Wälder !; ausserdem beobachtet in der Scharbeutzer 



. 110 

Heide !, im Riesebusch bei Schwartau (Roeper, A.), auf dem Walle 
von Lübeck (A.), am Rande eines kleinen Teiches bei Steiurade (A.) 
und am Ufer des Ratzeburger Sees bei Farchau (A.). 

Gen. Cochlicopa Risso. 

35. C. lubrica Müll: Häufig. 

Gen. Caecilianella Bourg. 

36. C. acicula Müll.: Tu toten Gehäusen gefunden auf dem Walle 
(Leche, A., Thessmann) ! und auf der Roddenkoppel (A.). 

Gen. Pupa Drap. 

37. P. rauscorum L-: An Land.strassen und in trockenen Gärten nicht 
selten. Die Form ohne Zahn (var. edentula Slavik) ist bei uns 
häufiger als die typische. 

f 38. P. edentula Drap.: Diese von A. übersehene Art scheint überall 
häufig zu sein, wo Eschen stehen, an deren glatter Rinde sie über 
2 Meter hoch aufsteigt Bisher beobachtet in Eschen brüchen bei 
Timmendorf, Scharbeutz, am Westufer des Hemmelsdorfer Sees, im 
wilden Riesebusch (dort auch unter moderigen Blättern), im Schell- 
bruch, im Gehölz bei Ratzeburg (ein unausgewachsenes, unbestimmtes 
Gehäuse in der Sammlung A Roepers) und am Rande des Schmal- 
sees bei Mölln. 

Im wilden Riesebusch fand ich ein (leider nicht ausgewachsenes) 
links gewundenes Exemplar dieser Art. 

39. P. antivertigo Drap.: Nicht selten, immer in der Nähe des Wassers, 
6 — 10 zähnig. 

40. P. pygmaea Drap.: Beobachtet im Lauerholze (A.), unter Steinen 
am Eisenbalmdamm (Klüss), im Geuiste der Trave (A., Roeper) und 
am Timmendorfer Strande !. Mit 4 Zähnen (var. quadridens 
West): Im Travengeniste (Klüss; bei A. unter P. Shuttleworthiana 
Charp.). 

t41. P. substriata Jeffr.: Liebt dieselben Bedingungen wie Plyal. fu Iva 
und Pat. pygmaea. Von mir bisher gefunden in den Wäldern von 
Timniendorf und Scharbeutz, im wilden Riesebusch und im Lauerholze. 

42. P. alpestris Aid, (= Shuttleworthiana Gharp.): Bei Roggen- 
horst (A.) und in Kleiu-Timmendorf (Fr.) !. Exemplare von beiden 
Fundorten sind von Geyer geprüft worden. 

43. P. pusilla Müll.: Recht häufig am Timmendorfer Strande unter 
Weidenrinde (mit 6 bis 8 Zähnen) !; in der näheren Umgebung 
Lübecks von A , Wilde und Klüss beobachtet. 



111 

44. P. angustier Jeffr.: Im Travengeniste (A., Roeper, Klüss), am 
Timmendorfer Strand im Walde und in einem Garten !. 

Gen. Balea Brid. 

45. B. perversa L.: Scheint nicht selten zu sein; beobachtet: auf dem 
alten Schulhofe des Katharineums (Roeper), dem Loreuzkirchhofe (A.), 
bei Marly (Klüss, Wilde), Roggenhorst (hier vom jetzigen Bürger- 
meister Herrn Dr. Brehmer zuerst für unser Gebiet konstatiert), 
Herrenburg (Roeper), Steinrade (A.) und Klein-Timmendorf !. 

Gen Clausula Drap. 

46. Gl. laminata Mont: In den Timmendorfer Wäldern neben Hei. 
nemoralis die häufigste Schnecke, viele Meter hoch au den Buchen 
aufsteigend ! ; ausserdem bei Scharbeutz !, im Riesebusch bei Schwartau 
(Klüss, Roeper) !, am Ratzeburger See bei Farchau (A.) und auf dem 
Wege zur Beck (Klüss). 

47. Gl. biplicata Mont.: Auf den Wällen in grosser Menge (A ) !; 
ausserdem an Steinen beim Einsegel (Roeper), auf der Roddenkoppel 
(Klüss) und am Ratzeburger See (Roeper) gefunden. 

48. Gl. dubia Drap.; Bisher nur in der Form 

speciosa Schm. (von Glessin bestimmt) bei Steinrade (A.) 
beobachtet; was A. als typische dubia angiebt, ist Gl. pu- 
mila Ziegl, eine Bestimmung, welche Geyer bestätigt hat. 

49. Gl. bidentata Ström (^ nigricans Pult): In der näheren und 
weiteren Umgebung der Stadt nicht selten. 

f var. septentrionalis Schm. ist bisher nur bei Mölln am 

Rande des Schmalsees gefunden worden !. 
Was sich unter dem Namen dieser Form in unserem Museum 
von Padelügge (leg. A.) befindet, ist typische bidentata. 

50. Gl. pumila Ziegl., 

var. sejuncta Schm.: In Erlen- und Eschenbrüchen nicht 
selten (meist mit Pupa edentula Drap, zusammen); bisher 
beobachtet bei Steinrade (A.), der Herrenfähre (Fr.), im wilden 
Riesebusch bei Schwartau !, den Timmendorfer (Klüss) ! und 
Scharbeutzer Wäldern !. Die typische Form (mit verbundener 
Gber- und Spirallamelle) ist nicht gefunden worden. 

Fam. Süccinidae. 

Gen. Succinea Drap. 

51. S. putris L.: Überall. 

52. S. Pfeifferi Rossm,: Nicht selten, doch weniger häufig als vorige. 

53. S. oblonga Drap.: Meist an trockenen Grten nicht selten, aber in 
geringer Anzahl, 



112 
B. Basonimatophora. 

Fam. Auriculidae. 

Gen. Carychium Müll. 

54. C. minimum Müll.: Überall an recht feuchten, moderigen Stellen. 

Fam. Limnaeidae. 

Gen. Limnaea Lam. 

55. L. stagnalis L.: Sehr häufig. Exemplare von mehr als 60 mm 
Länge sind besonders in den grösseren Seen zu finden. 

56. L. auricularia L.: Überall in unseren fliessenden und stehenden 
Gewässern, besonders schön ausgebildet in den grösseren Seen. 

Von einigen Fundorten (besonders Möllner Seen !, Herrenburger 
Torfmoor (Roeper) und Overdieker See !j neigt die Form des Gehäuses 
zu L. ampla Hartm. hin. Das Vorkommen echter L. ampla ist 
bei uns noch nicht konstatiert. 

57. L. ovata Drap.: Noch häufiger als vorige; die Länge des Gehäuses 
übersteigt nicht selten 20 mm (grösstes Exemplar 27 mm). 

■j" var. patula Dac: Stücke, welche mit Clessins Fig. 239 

übereinstimmen, habe ich hin und wieder gefunden. 
f var. baltica L.: An Phryganeeuhülsen auf dem Priwall (A.). 

58. L. peregra Müll.: Im Riesebusch (A.), im Lauerholz (Roeper), in 
Gräben beim Rangierbahnhof (A.) und am Eisenbahndamm vor dem 
Mühlenthor(A.) gefunden; an letztererStelle jetzt noch in grosser Menge !. 

59. L. palustris Müll.: Sehr häufig. An Varietäten wurden beobachtet: 

var. corvus Gmel.: Nicht selten in Tümpeln mit moorigem 
Grunde: Lauerholz (A., Fr.), Riesebusch (A.), Brothen (A.), 
Schürsdorfer Moor !, sowie in den grösseren Seen: Lüttauer 
See bei Mölln !, Ratzeburger See !, Hemraelsdorfer ! und 
grosser Pönitzer See !. In einem Exemplare auch in der 
Trare (Fr.). Die von A. als subvar. curta Cless. bestimmten 
Exemplare sind nach Geyer unausgewachsene Stücke von 
palustris. 

var. turricula Held: In der Trave bei Genin (A.) und einem 
Graben beim wilden Riesebusch !. Die von A. im Schell- 
bruch gesammelten Exemplare gehören zur typischen Form. 

var. fusca C. Pfeiff.: In der Trave beim Schellbruch (A.) 
und im Teufelssumpf am Timmendorfer Strande !. 

60. L. glabra Müll.: In einem Moorgraben bei Blankensee (Fr.), am 
Schönböckener Wege (Heinr. Jensen), beim Schellbruch (Wilde, A.), 
im Lauerholze (Fr.), bei Israelsdorf (Klüss) und in Herrenburg (Roeper). 



113 

61. L. truncatula Müll.: Bei Sarau (A.), in der näheren Umgebung- 
Lübecks an verschiedenen Stellen (A.), bei Genin (A.), im wilden 
Riesebusch (Fr.), im liemmelsdorfer See ! und in Wiesengräben bei 
Haffkrug !. 

t var. oblonga Put: Bei Sarau (A.), Genin (A.) und im 
Teufelssumpf am Timmendorfer Strande !. 

Gen. Amphipeplea Nils. 

62. A. glutinosa Müll: Im Mühleubache bei Herrenburg (Roeper), in 
der Trave (Klüss), der Schwartau !, im Overdieker See ! und sehr 
zahlreich in Torfgräben des Schürsdorfer Moores (Fr.) !; dort zwei 
Exemplare von 19 und 20 mm Länge. 

Gen. Physa Drap. 

63. Ph. fontinalis L.: lu fiiessendem und stehendem Wasser häufig 
Gehäuse von 12 mm Länge sind bei Sarau (A.; von ihm für var. 
bulla Müll, gehalten, von Geyer als typische fontinalis anerkannt) 
und bei der Clever Landwehr (Fr.) gefunden. 

Gen. Aplexa Flemming. 

64. A. hypnorum L. : Nicht selten in Gräben und Teichen, doch weniger 
häufig als vorige. Besonders zahlreich in einem Teiche bei Stein- 
rade (A). 

Gen. Planorbis Guett. 

65. PI. corneus L. : Gemein. 

66. PL marginatus Drap.: Überall. 

Die für var. submarginata Jan in Porro bestimmten Stücke 
des Museums (leg. A. in einem Garten vor dem Holstenthore) sind 
nach Geyer unentwickelte Exemplare von typischem PI. mar-, 
ginatus Drap. 

67. PI. carinatus Müll.: In der Wakenitz (A.), dem Krähenteich (Fr.), 
der Trave (A.) !, dem Stadtgraben (A ), der Schwartau !, einem Mühl- 
teiche bei Klein-Timmendorf (Fr.) und im Wennsee bei Scharbeutz !. 

68. PL vortex L,: An pflanzenreichen Stellen in Wiesengräben und 
fiiessendem Wasser. 

69. PL rotundatus Poir.: In der Trave (Fr.), der Wakenitz (A.), in 
Gräben im Lauerholz (Fr.) und im ' Schellbruch (A.), sowie in Wald- 
tümpeln im Riesebusch (Fr.) und Timmendorfer Wohld !. 

70. PL contortus L.: Überall häufig. 

71. PL albus Müll.: In der Trave (A.), dem Krähenteiche (Fr.), der 
Schwartau (A.) und in verschiedenen Gräben (besonders in Torfmooren): 



114 

Blankensee !, Schützenhof (A ), Treidelstieg (A.), Wesloer Moor (Klüss), 
Waldhusen !, am Pönitzer See !. 

72. PI. glaber Jeffr.: In einem Graben auf dem Schützenhofe (A.); 
Bestimmung von Geyer bestätigt. 

73. PL crista L.: Im Overdieker See !, im Stadtgraben (Leche), im 
Blankensee !, in einem Teiche in Steini-ade (A.) und besonders zahl- 
reich in einem Teiche an der Strasse von dort nach Krempelsdorf (A.). 

74. PI. complanatus L.: Im Stadtgraben (A.), Mühlenteich (A ) und 
Krähenteich (Roeper). 

75. PL Clessini WesterL: Von A. im Stadtgraben und in der Trave 
bei der Lachswehr gefunden; Bestimmung von beiden Fundorten- 
durch Geyer bestätigt. 

76. PL nitidus MülL: Häufig. 

Gen Ancylus Geoffr. 

77. A. fluviatilis Müll.: In der Trave au Blättern vou Nymphaea 
(Klüss) und an Flossholz (Roeper). 

78. A. lacustris L.: Überall häufig. 

0. Chiastoneura. 

Fam. Cyclostomaceae. 

Gen. Acme Hartm. 

f 79. A. polita Hartm.: In der Kammer am Timmendorfer Strande 
und im wilden Riesebusch bei Schwartau ! zwischen abgestorbenen 
Blättern auf Quellboden. 

Fam. Valvatidae. 

Gen. Valvata Müll. 

80. V. piscinalis MülL: Häufig. 

Die von A. für V. depressa C. Pfeiff. bestimmten Exemplare 
aus der Trave und Stecknitz (leg. A., Roeper, Klüss) sind Gehäuse 
von junger piscinalis. 

81. V. antiqua Sowerby: Im Krähenteich (Roeper), bei Sarau (A.) 
und in einem Gehölze bei Niendorf a./O. (A.). Bestimmung von 
Geyer bestätigt. 

82. V. cristata MülL: In der näheren und weiteren Umgebung Lübecks 
nicht selten. 

Fam. Paludinidae. 

Gen. Vivipara Lam. 

83. V. Vera v. Frauenf.: Überall. Ein besonders grosses Exemplar 
aus dem Krähenteiche ist 45 mm hoch, 32 mm breit (Fr.). 



115 

84. V. fasciata Müll.: Wie vorige Grösstes Exemplar aus dem Tremser 
Teich 51 mm hoch und 32 mm breit (A.). 

Gen. Bythinia Gray. 

85. B. tentaculata L.; Häufig. Grösstes Exemplar (Krähenteieh, leg. Fr.) 
16 mm lang. 

86. B. veutricosa Gray: Wie vorige. 

Gen. Neritina Lam. 

87. N. fluviatilis L.: Häufig. 

var. baltica Nilss.: Im Brackwasser (A., Fr.). 

11. ßivalvae. 

Fam. Fnioniilae. 

Gen. Anodonta Cnv. 

88. A. mutabilis Cless : Überall iu stehenden und fliessenden Gewässern 
am häufigsten ist die var. cellensis Schrot., deren Schnabel nur 
meistens bedeutend schwächer ausgeprägt ist als bei Clessins Fig. 356. 

Grösste Exemplare: Stücke aus Herreuburg (Roeper) 152 mm, 
eine zerbrochene Schale aus Röunau (A.) 193 mm. 

89. A. complanata Ziegl.: In der Trave (A., zwei Stücke, welche recht 
gut mit einigen Exemplaren unseres Museums aus der Elbe [leg. 
Hoppe] übereinstimmen) und im Ratzeburger See !. 

Ein Stück aus dem Tremser Teich (in A. s. Sammlung, von 
ihm als wahrscheinlich complanata bestimmt) gehört wohl zu 
mutabilis Cless. 

Gen. TJnio Philipps. 

90. U. pictorum L.: In der Trave, der Wakenitz und mehreren Seen 
der Umgegend. 

91. U. tirmidus Phil.: Wie vorige. 

f92. U. batavus Lam.: Bisher nur aus der Stecknitz bei Krummesse 
(leg. Hans Arnold 1884) bekannt. 

Fam. Cycladidae, 

Gen Sphaerium Scop. 

93. Sph. rivicolum Leach: In der Trave und Wakenitz von A. gefunden. 

94. Sph. corueum L : Überall. 

95. Sph. Draparnaldii Cless.: Am Eisenbahndamme (A.). Clessin 
hat die Bestimpiung als wahrscheinlich bestätigt. 

8* 



116 

Gen. Calycnlina Cless. 

96. C. lacustris Müll.; Id der näheren Umgebung der Stadt nicht eben 
selten; sonst nicht beobachtet. 

Gen. Pisidium C. Pfeiff. *) 

97. P. amnicum Müll: In den Gewässern der nächsten Umgebung 
ziemlich zahlreich, sonst nicht gefunden. 

f 98. P. henslowianum Shepp.: In der Trave (Klüss). 

1 99. P. fossarinum Cless.: An Phryganeenhülseu bei Sarau (A., für 
P. obtusale Pfeiff. bestimmt), in einer Quelle am Timmeudorfer 
Strande ! und in der Medebek im Schellbruch (Fr.). 

100. P. obtusale Pfeiff.: Im Stadtgraben am Mühlenthorwalle (Ä., unter 
Sphaer. corneum L.) und in einem Tümpel im Schellbruch (A.). 

101. P. nitidum Jen.: Scheint bei uns recht häufig zu sein; bis jetzt 
beobachtet in Gräben am .Jerusalemsberg und bei Niendorf a./O. 
(A., unter Sphaerium corneum L.), bei Sarau (A.), im wilden 
Riesebusch bei Schwartau !, in einem Teiche am Westufer des 
Hemmelsdorfer Sees ! und sehr zahlreich in Waldtümpeln der Schar 
beutzer Heide !. Diese Spezies, von der Glessin noch 1884 sagte, 
dass sie aus Deutschland nur in der var. lacustris Gl. von den 
grossen bayerischen Seen der Voralpen bekannt sei, ist im nördlichen 
Europa weit verbreitet. Sie wurde an verschiedenen Punkten Nord- 
deutschlands, in England, Schweden und Norwegen, in Esthland, 
Finnland und Russland beobachtet (Glessin, briefl. Mitteilg.). 

Gen. Dreissena Ben. 

102. Dr. polymorpha Pall.: In der Trave (Klüss), dem Ratzeburger 
See (A.) !, in den Seen bei Mölln ! und im Pönitzer See. 

*) Die Pisidien unserer Sammlung haben Herrn Clessin vorgelegen, dem ich für 
seine Bemühung an dieser Stelle meinen besten Dank sage. 

Das von mir in der weiteren Umgebung Lübecks ziemlich zahlreich gesammelte 
Material ist leider beim Verschicken verloren gegangen, so dass unsere Pisidienfauna 
als noch nicht genügend bekannt zu betrachten ist. 



Jahresberichte. 



Bericht der Geographischen Gesellschaft über das Jahr 1896. 

-T olgende Vorträge sind im Jahre 1896 gehalten: 
am 17. Januar durch Herrn Gaedertz: Briefe des Kapitän Storm aus 
dem Territorium Washington; 

Professor Sartori: Armenien und die Armenier; 
am 15. März Oberlehrer Dr. Schaper: Neue Untersuchungen aus der 
Erdphysik, besonders über erdmagnetische Probleme; 

Professor Sartori: Der Fluss Docje und die Botokuden; 
am 17. April Schiffslieutenant von Payer: Über Polarforschuugen. 
Dieser Vortrag wurde in Gemeinsamkeit mit der hiesigen Sektion 
des Deutsch-Österreichischen Alpen Vereins veranstaltet; 
am 15. Mai Oberlehrer Dr. Schaper: Pläne für die Erforschung des 
Südpols. 

Dr. med. Karutz: Ohrenschmuck und Ohrendurchbohrung; 
am 29. Oktober Oberlehrer Dr. Schaper: Über Nordlichter; 

Professor Sartori: Der Sachsenwald; 
am 27. November Professor Dr. Detmer aus Jena: Über Bahia und 

seine Reisen in der Provinz gleichen Namens; 
am 18. Dezember Navigationsschuldirektor Schulze: Über Meeres- 
strömungen, besonders in der Ostsee; 

Dr. Lenz: Über den Einfluss derselben auf die Tierwelt. 
In der Versammlung am 15. März war S. Ex. der Gesandte Dr. Krauel 
anwesend. Zu den Vorträgen der Herren Schiffslieutenant Payer und 
Professor Dr. Detmer waren die Mitglieder der Gesellschaft zur Beförderung 
gemeinnütziger Thätigkeit mit ihren Damen eingeladen. An beide Vor- 
träge schloss sich ein Abendessen zu Ehren der Redner. 

Neben diesen durch die Vorlegung von Landkarten, Photographien 
und naturhistorischen Gegenständen bereicherten Vorträgen dürfen ver- 
schiedene anziehende Mitteilungen erwähnt werden, welche an den jeden 
Freitag stattfindenden Herrenabenden gemacht wurden. Besonders hervor- 



118 

zuheben ist die Ausstellung zahlreicher grosser Photographien, welche Herr 
S. Cohn bei seineu fesselnden Berichten über seine Reise nach Syrien, 
Palästina und Ägypten zur Anschauung brachte, sowie eine grosse Samm- 
lung von Photographien aus Madagaskar. 

Folgende Schriften sind als Geschenke eingegangen: 
von den Herren: 

Lorenzen in Kiel: Literaturbericht 3 und 4; 
Konsul Michelsen hierselbst: Argentinien, Provinz Catamarca; 
E. Cords, Bibliothekar des Museums in La Plata: Revista VII, 1; 
Admiralitätsrat Dr. Neumayer in Hamburg: Über Südpolar- 
forschung ; 

Dr. Ed. Hahn in Berlin: Die Stellung Afrikas im Welthandel; 

Henry Pensa in Paris: Les Russes et les Anglais en Afghanistan ; 

Professor Dr. Paul Krüger in Valparaiso: Über die Ausführung 

einer topographischen Aufnahme in Chile, und die barometrische 

Höhenmessung des Pueblo-Thales in Süd-Chile; 

Cook in London: Programm seiner internationalen Reisebillets 
nach Ägypten. 

Unsererseits wurden veröffentlicht als Heft 9 das fünfte Heft der 
Beobachtungen der Erdmagnetischen Station und Mitteilungen der Geogra- 
phischen Gesellschaft und des Naturhistorischen Museums Heft 10 und 11. 
Durch den Tod verlor die Gesellschaft die Herren Konsul Grupe, 
dem wir manchen interessanten Vortrag verdanken, und Konsul Pasedag, 
durch Wegzug die Herren Voigtel und Werftdirektor Brinckmann, durch 
Austritt die Herren Oberlehrer Reuter, Schlie, Hauptmann von Trautmann 
und Konsul Harms. 

Es traten ein die Herren Dr. med. Uter, Konsul Hamann, A. H. 
Brattström, G. Reimpell, P. M. Gaedertz, E. Koch, Assessor Voigtel, 
Dr. med. Karutz, Stallknecht, der schon erwähnte, uns bald wieder ent- 
rissene Konsul Pasedag, Architekt Sönnichsen, K. N. Schröder und Freiherr 
von Haxthausen. Von ihnen sind, wie bemerkt, einige nur kurze Zeit 
unsere Mitglieder gewesen. Die Gesamtzahl beträgt gegenwärtig 137. 

Zu Ehrenmitgliedern wurden S. Ex. Dr. Klügmann, Gesandter der 
Hansestädte in Berlin, und Frithjof Nansen, Professor auf Godthab bei 
Lysaker in Norwegen, zum korrespondierenden Mitgliede Professor Dr. Paul 
Krüger in Santiago (Chile) ernannt. 

Ein Schriftenaustausch wurde mit der Universität Upsala verabredet. 
An der Feier des 70. Geburtstages unseres Ehrenmitgliedes, Admiralitäts- 
i'ates Dr. Neumayer hat sich die Gesellschaft durch ihi'e Mitwirkung bei 
der Herstellung seiner Marmorbüste und einen Glückwunsch beteiligt. 



119 

Aus dem Vorstande trat Herr F. C. Sauermann ordnungsgemäss 
aus, wurde aber wieder gewählt. 

Die von den Revisoren Konsul Krohn und Professor Dr. Eschenburg 
geprüfte Kassenrechnung schhesst mit einer Einnahme von M 1629,70, 
wovon M 383,53 dem Saldo des Jahres 1895 angehören. Die Ausgaben 
betrugen Jt- 1854,10, so dass ein Fehlbetrag von Ji 224,40 entstand. 
Die Unkosten bei den Vorträgen der Herren von Payer und Professor 
Dr. Detmer, sowie die unerwartete Höhe der Druckkosten für das neueste 
Heft der Mitteilungeu waren die Ursachen des Unterschusses, welcher auf 
die Rechnung des Jahres 1897 übernommen werden muss. 



Bericht der Geographischen Gesellschaft über das Jahr 1897. 



Im Jahre 1897 fanden in sechs Versammlungen folgende Vorträge 
statt: 

am 22. Januar von Professor Sartori: Über Bangkok; 

Bürgermeister Dr. Brehmer: Mitteilungen über den Fang von 
Elefanten ; 
am 26. Februar Oberlehrer Dr. Freund: Die kleinsten Staaten der Erde; 
Derselbe: Die Änderung der Temperatur in historischen Zeiten; 
Professor Sartori: Eine Vulkanbesteigung; 
am 9. April Dr. Wetzke: Über Gellivara-Erze; 

Professor Sartori: Die Gründung von Wadjo (Malaischer Roman); 
am 14. Mai Oberlehrer Schneermann: Nordformosa; 

Dr. Lenz: Die Auster; 
am 12. November Dr. med. Karutz: Ein Gang durch die ethnogra- 
phischen Sammlungen in Bordeaux, Paris und Bremen und seine 
Lehren für unser Völkermuseum; 

Oberlehrer Dr. Schaper: Das meteorologisch-magnetische Obser- 
vatorium in Potsdam; 
am 17. Dezember Dr. med. Pauli: Reise nach Moskau, Petersburg 
und Finland. 

Auch in den an jedem Freitag abgehaltenen und lebhaft besuchten 
Herrenabenden kamen wiederholt Mitteilungen, wie in den Hauptversamm- 
lungen, Karten, Illustrationen und Pläne zur Vorlegung. 

Als Mitgheder wurden die Herren H. J. Paul, J. H. Heitmann, 
R. H. A. Gösch, J. Ch G. Boye, Kaufleute, Gh. W. N. A. Schmedes, Land- 
richter, Werner, Tierarzt, und Dr. med. R. E. W. Nöhring aufgenommen. 
Durch den Tod verloren wir die Mitglieder A. H. A. Rittscher, Zimmermeister, 
und das Ehrenmitglied Professor Schering in Göttingen. Zur Bestattung 



120 

des letzteren wurde ein Kranz abgesendet. Durch Austritt schied aus 

Herr J. H. Schildt, durch Wegzug Herr Pfuhl. Die Gesellschaft zählt 

jetzt 5 Ehrenmitglieder, 9 korrespondierende und 127 wirkliche Mitglieder. 

An Geschenken sind folgende Schriften eingegangen von den Herren: 

Professor Dr. Supau in Gotha; Unkekannte Polargebiete, mit 

Karte ; 

Professor Dr. Deecke in Greifswald: Über die sizilianischen 
Schlammvulkane ; 

Professor Dr. Günther in Leipzig: Hylokinesien; 
Professor Dr. Richard Brandstetter in Luzern: Die Gründung 
von Wadjö; 

A-'on der Commission directive du Recensement de la Repu- 
blique Argentine: Second Recensement 1896: 

Konsul Michelsen in Lübeck: Message du Presedant de la 
Republique Argentine; 

Paul Krüger in Santiago: Chile, seine und Dr. P. Stanges Er- 
forschung der Flüsse Reuhihue und Italafu in Westpatagonien. 
Als Revisoren der vorjährigen Rechnung sind die Herren Professor 
Dr. Eschenburg und Konsul Krohn thätig gewesen. Bei ihrem satzuugs- 
mässigen Ausscheiden aus dem Vorstande wurden die Herren v. Schreiber 
und Dr. Lenz wiedergewählt. Als korrespondierendes Mitglied gewann 
die Gesellschaft Herrn Dr. Plahn in Berlin zum Austausch der Publi- 
kationen den Missionsverein „Afrika" in Magdeburg und den wissenschaft- 
lichen Verein „Isis" in Bautzen. 

Aus den Mitteln des Kolonialausschusses wurden jfC 300 und aus 
der Kasse des Herrenabends jfC 20 für die Erbauung eines Dampfers auf 
dem Tanganjika-See beigesteuert und dem hiesigen Kolonialverein über- 
wiesen. 

Die Abrechnung des Jahres 1897 ist von den Revisoren, Herren 
Konsul Schulz und Max Schmidt, geprüft und richtig befunden. 



Bericht der Sektion für erdmagnetische Beobachtungen über das Jahr 1896. 



Der Sektion standen dieselben Unterstützungen wie im Vorjahre zur 
Verfügung, nämlich seitens des Staates wie der Handelskammer je Jl- 400. 
Während der ersten neun Monate ist die tägliche Morgenbeobachtuug, wie 
das im vorigen Jahresberichte motiviert wurde, angestellt. Ausser den 
hierzu gehörigen absoluten Bestimmungen im eisenfreien Hause sind dann 
noch einige Beobachtungen in der Umgebung Lübecks gemacht worden. 



121 

Mit dem 30. September mussten alle Beobachtungen infolge der Ar- 
beiten am Elbe -Trave- Kanal eingestellt werden. Das eisenfreie Haus 
wurde Mitte November auf Anordnung der Kanalbaubehörde geräumt. 
Die Instrumente sind einstweilen im Gartenhause der Gesellschaft zur 
Beförderung gemeinnütziger Thätigkeit untergebracht. 

Unter dem 4. November 1896 beantwortete die Kanalbaubehörde 
das ihr am 2. Dezember 1895 übermittelte Gesuch um Gewährung einer 
angemesseneu Summe für einen Neubau der Station ablehnend. 

Über die seitdem unternommenen Schritte, für die dem Kanalbau 
zum Opfer fallenden Stationsräume Ersatz zu schaffen, kann erst der 
nächste Jahresbericht weiteres mitteilen, da die diesbezüglichen Verhand- 
lungen noch im vollen Gange sind. 

Unsere Ausgaben bestanden in folgenden Posten: 

1. Instandhaltung, bezw. Ersatz der Instrumente jft 20,45 

2. Neuanschaffungen ■- — , — 

3. Beleuchtung 8, — 

4. Remuneration für Hülfsbeobachter .... -- 106, — 

5. Beobachtungen in Lübecks Umgebung . . = 8,30 

6. Umzugskosten und Sonstiges = 35,52 

JC 178,27 
Zur Verfügung stajid am 1. Januar 1897 ein 

Kasseusaldo von .M 1991,43 



Jahresbericht des Museums für Völkerkunde über das Jahr 1896. 



Wie im vorigen, so sind auch in diesem Jahre unserer Sammlung 
verschiedene wünschenswerte Bereicherungen zugeführt worden. In erster 
Linie ist der nunmehr zustande gekommene Ankauf der Boi'chert'schen 
Sammlung zu erwähnen. Durch das anerkennenswerte Entgegenkommen 
der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Thätigkeit, die uns die 
Summe von JC 1300 angewiesen hat, wurden wir befähigt, jene Samm- 
lung zu kaufen, und sind dadurch in die angenehme Lage gebracht, unsere 
ostafrikanischen Sammlungen in einer Weise zu vervollständigen, wie es 
nur wenige Museen Deutschlands können. In 236 Nummern enthält die 
Sammlung an 400 verschiedene Gegenstände, welche demnächst einer 
genaueren Bestimmung und Katalogisierung unterworfen werden sollen. 
Gelegenthch dieser Arbeiten soll zugleich die Anlage eines Doubletten- 
Kataloges über die ganze ethnographische Sammlung in Angriff genommen 
werden. Neben der Borchert'sehcn Sammlung verdient besonders noch 



122 

eine Sammlung von China-, Japan- und Philippinen-Gegenständen Beachtung, 
die wir aus dem Grupe'schen Nachlass erworben haben. Eine schöne 
Vervollständigung erfuhr die Abteilung Neuguinea, indem wir von hervor- 
ragenden Sachen 34 Stück sehr billig ankaufen konnten. 

An freundlich überwiesenen Geschenken fiel uns manches wünschens- 
werte Stück zu, so bereicherte Herr Dr. Plehn-Kamerun unsere west- 
afrikanische Sammlung um 37 Stück, von denen einige sehr wichtig sind; 
Herr Dr H. Lüders erfreute uns durch Überweisung einer grösseren An- 
zahl indischer . Gegenstände, teils profanen, teils kulturellen Zwecken 
dienend. Der durch viele frühere Gaben bekannte Freund unseres Museums, 
Herr Günther-Sorata, sandte auch in diesem Jahre aus Bolivien mehrere 
interessante Indianersachen. Herr Vorkamp-Madagaskar vergrösserte seine 
Sammlung um 26 Nummern, und ausser den genannten Gebern und 
Gönnern sind noch eine ganze Zahl anderer Freunde des Museums thätig 
gewesen, an seiner Ausdehnung mitzuarbeiten. Die Vorsteherschaft sagt 
an dieser Stelle ihnen allen wiederholten Dank und bittet um ferneres 
Wohlwollen. 

In der Vorsteherschaft des Museums für Völkerkunde traten während 
des Berichtsjahres verschiedene Veränderungen ein. Nachdem Herr Ober- 
lehrer Dr. Zillich satzungsgemäss ausgetreten war, erbat Herr Major z. D. von 
Koschitzky von der Verwaltung des Museums seine Entlassung, die ihm 
unter Anerkennung seiner vielfachen Verdienste bewilhgt wurde. Gleich- 
zeitig traten aus dem Vorstande der derzeitige Vorsitzende Herr Ober- 
lehrer Dr. Freund und Herr Oberlehrer Schneermann. Die Geschäfte 
wurden bis zu den am 10. November erfolgenden Neuwahlen durch die 
übrigen drei Vorsteher geleitet. Es traten durch die Wahl folgende Herreh 
ein: Herr Konsul Carlos Behn, Herr Professor August Sartori und Herr 
Navigationsschuldirektor Dr. Friedrich Schulze. 

Der Kassenbericht schliesst ab mit M 2542,65 in Einnahmen und 
Ausgaben (einschliesslich eines Übertrages von J'C 38,85 auf das Rechnungs- 
jahr 1897.) 

Die Sammlungen vermehrten sich durch Ankäufe, Geschenke und 
Überweisungen unter Vorbehalt des Eigentumsrechtes in folgender Weise. 

I. Ankäufe: 
Borchert'sche Sammlung ostafrikanischer Waffen und Gebrauchsgegenstände, 

Schmuck, Hausgeräte etc. 
Grupe'sche Sammlung von Gegenständen ans China, Japan und den 

Philippinen. 
Pöhl'sche Sammlung von Neuguineasachen, Waffen, Kleidungsstücken, 

Schmuck etc. 



123 

An kleineren Einkäufen sind zu verzeichnen: 

Von Herrn Lüders-Hamburg: Sechs antike peruanische Krüge. 

Von Herrn Thiess-Kamerun : Ein HäuptUngsstuhl. 

Von Herrn Alwert-Lübeck: Vier Halsschmuckketten aus Muscheln. 

Von Herrn W. Kersten-Lübeck : Eine Keule, ein Bumerang, ein Fischspeer, 
ein Korb und eine Muschelkette aus der Südsee. 
n. Geschenke: 

Von Herrn Kadett MauvePlön: Ein geschnitzter Fruchtkern (China). 

Vom Schüler Siegfried-Lübeck: Ein chinesisches Kartenspiel. 

Von Herrn Regierungsarzt Dr. A. Plehn-Kamerun: Ein Rasselstock vom 
Kameruuberg, ein Tanzschrauck, acht Speere, zwei Fetische, eine Holz- 
schüssel mit Löffel, ein Karawanenhorn, drei Gomba (Musikinstrument), 
eine Nilpferdpeitsche, ein paar gestickte Pantoffeln, zehn hölzerne 
Armringe, ein Glasperlen-Armring von E^amerun, ein altes Musik- 
instrument, ein Frauentanzschrnuck aus Yaunde, ein Köcher mit zwölf 
Giftpfeilen der Bakoko, zwei Pfeifenköpfe der Bali. 

Von Herrn Kapt. Storm-Borueo: Ein Blasrohr der Dyaks von Borneo, ein 
Köcher mit Giftpfeilen nebst Giftgefäss. 

Von Herrn Th. Tessmann-Lübeck : Ein Yerba-Mate Gefäss mit Bambilla 
(Saugröhrchen) aus Brasilien. 

Von Herrn H. Dreyer-Lübeck: Ein Armband aus Tamarindenkeruen, west- 
indisch. 

Von Herrn Kadett Freiherr von ScheelePlön: Ein Bronceschälchen aus 
Ostafrika (indische Arbeit). 

Von Herrn Dr. H. Lüders-Lübeck: Fünf thönerne und hölzerne Püppchen, 
sechs Döschen, eine liegende Hundefigur aus Thon, ein Elefant 
(Schnitzwerk aus Ebenholz), eine Vase, drei Körbchen, drei Schreib- 
federn, eine Broncevase aus Moradabat, eine Bronceschale aus Benares 
eine Statuette von Benares, Brahnmstatuette, ein Ceremonientöpfchen 
(Mangala-Chänr), ein Handschrifteudeckel und zum Beschreiben zuge- 
schnittene Palmblattstreifen, sog. Olas, ein schärpeuartiges Kleidungs- 
stück. 

Von Herrn Arthur Stülcken -Birmingham: Zwei aus Fruchtkernen ge- 
schnittene Vorstecknadeln (Insekten darstellend), ein hoher breitkräm- 
piger Filzhut aus Brasilien. 

Von Herrn Luckmann- Lübeck: Ein paar messingene Steigbügel unbe- 
stimmter Herkunft. 

Von Herren Gebrüder Behrens-Lübeck: Ein chinesischer Theegötze, aus 
AVurzeln und Stämmen der Theepflanze, teils roh, teils geschnitzt, 
zusammengestellte Figurengruppe. 



124 

Von Herrn Kadett von Laffert-Plön: Eine Glasperlenschnur, Armband eines 

Duallamädchens. 
Von Herrn Kadett Graf vod Baudissin-Plön : Zierliches Scbnitzwerk: Chinese 

mit indischem Ochsen pflügend darstellend. 
Von Frau Hugo Zünkel Witwe-Lübeck: Eine chinesische Feldflasche. 
Von Herrn Jatzow-Lübeck: Eine Naeverskruke, bemalte Holzschachtel ans 

Norwegen. 
Von Herrn J. Kayser- Yokohama : Ein Kasten aus Bambusstöcken, japanische 

Schmetterlinge enthaltend. 
A-^on Herrn Dr. Lenz-Lübeck: Ein Kochtopf mit Quirl zum Kochen der 

Chokolade, eine Pfanne zum Rösten der Frijoles (roten Bohnen) aus 

Mexiko. 

HL Überweisung 

unter Vorbehalt des Eigentumsrechtes: 

Von Herrn Vorkamp-Fort Dauphin (Madagaskar): 26 verschiedene Spiesse 

der Howas. 



Bericht des Museums für Völkerkunde über das Jahr 1897. 



Das verflossene Jahr ist als ein für die Entwickelung unseres Museums 
sehr günstiges zu bezeichnen, dasselbe wurde nicht nur durch umfang- 
reiche und wertvolle Geschenke bereichert, sondern auch die verschiedenen 
Ankäufe, welche gemacht wurden, sind in jeder Hinsicht äusserst vorteilhaft 
gewesen. Die Gesamtzahl der Neuerwerbungen beträgt in 279 Katalog- 
nummern 448 einzelne Gegenstände. Von ganz besonderem Umfang und 
Wert sind die Geschenke der Frau Konsul Pasedag, des Herrn Dr. Lüders, 
des Herrn Stabsarzt Dr. Berg und des Heri'n Gustav Pauli. Den Genannten 
sowohl, wie den im nachfolgenden Verzeichnis aufgeführten freund- 
lichen Gebern sei auch an dieser Stelle der wärmste Dank ausgesprochen. 
Besondere Erwähnung und Dank verdient auch die Opferwilligkeit der 
Herren Dr. Karutz und Konsul C. Behn; ersterer unternahm eine Reise 
ins Land der Basken, um bei jenem interessanten Kulturvolke Ethno- 
graphisches für uns zu sammeln, und letzterer unterstützte unsere mittel- 
amerikanische Sammlung durch die leihweise Ausstellung einer Serie von 
Porträtbüsten historisch berühmter mexikanischer Staatsmänner und Feld- 
herren. 

Mit besonderer Freude darf die Vorsteherschaft der Tage gedenken, 
in denen die 28. deutsche Anthropologen-Versammlung hier stattfand, 
denn nach den LT^teilen namhafter Autoritäten erfreut sich unser Museum 
einer grossen Zahl ausserordentlich seltener und wertvoller Stücke; ebenso 



125 

fand die Anordnung und Aufstellung des Museums die allseitige Aner- 
kennung. Als ein weiterer Vorteil dürfte auch der Umstand angesehen 
werden, dass durch die von Herrn Dr. Karutz bearbeitete, das Völker- 
museum betreffende Abteilung der den deutschen Anthropologen und 
Festteilnehmern gewidmeten Festschrift unsere Sammlung in weiteren 
Kreisen bekannt geworden ist. 

Die ausserordentlich starke Vermehrung unserer Sammlung drängt 
immer mehr die Frage auf, ob es der Vorsteherschaft möglich sein werde, 
hinsichtlich einheitlicher Durchführung der Aufstellung, gewissenhafter 
Erhaltung, regelmässiger Buchung, Bestimmung und Katalogisierung, sowie 
der wissenschaftlichen Verwertung alle im Interesse des Museums liegenden 
Bedingungen zu erfüllen. Die Vorsteherschaft hat diese Frage als eine 
dringende erkennen müssen und hat daher die nötigen Schritte gethan, 
um die Anstellung eines Konservators der Sammlung zu befürworten und 
in die Wege zu leiten. 

Die A'^orsteherschaft des Museums für Völkerkunde beistand im Berichts- 
jahre aus den Herren: 

Veers, Joh. Heinr., Privatmann, Vorsitzender. 

Weidmann, Konrad, Maler. 

Karutz, Heinr. Ludw. Matth. Rieh., Dr. med. 

Behn, Carlos, Konsul. 

Sartori, Aug. Heinr. Andr , Professor. 

Schulze, Franz Louis Karl, Dr. phil, Direktor der Navigations- 
schule. 
Am 20. Oktober 1897 übernahm turnusmässig an Stelle des Herrn 
J. H. Veers Herr C. Weidmann den Vorsitz. 

Die Neu-Erwerbungen des Jahres 1897 stellen sich, in Geschenke, 
Tauschobjekte, Überweisungen unter Vorbehalt des Eigentumsrechts und 
Ankäufe geordnet, wie folgt zusammen:- 

I. Geschenke: 
Von Frau Konsul Pasedag-Lübeck: Zehn Hefte mit gemalten Blumen, 
Früchten etc. aus Java, drei Stücke Schildpatt aus der Südsee, eine 
japanische Angelruthe, ein japanisches Bilderbuch, ein japanischer 
Quirl, ein chinesisches Rasiermesser, ein Armband aus Pfirsichkern 
(Amoy), ein chinesisches Boot aus Pfirsichkern, ein Becher aus Baum- 
farrenholz (Formosa), ein chinesisches Schulbuch, ein chinesisches 
Riechkissen, ein chinesisches Armband aus Fruchtkernen, eine chinesi- 
sche Kette aus Fruchtkernen, zwei cMnesische Visitenkarten, ein chi- 
nesisches Kash, ein Becher aus Hainan, ein chinesischer Kompass, 
vier Muschelangelhaken aus der Südsee, ein Modell von Japan-Schuhen, 



126 

eine Cigarrentasche aus Manilla, eine Tabakstasche aus Japan, ein 
japanisches Handtuch, eine Mütze aus Persien, zwei chinesische 
Schiffsbilder, ein chinesisches Geschichtenbuch, zwei gemalte Tafeln 
roit Fischen, eine gemalte Tafel mit chinesischen Volkstypen, eine 
gemalte Tafel mit chinesischen Soldaten, eine gemalte Tafel mit 
chinesischen Schiffen, eine Schlafdecke aus Formosa, achtzehn Photo- 
graphien aus China, zwölf Photographien aus Manilla, Formosa, Japan, 
Siam, fünf Photographien aus Japan, ein Satz Specksteingefässe, ein 
chinesisches Schloss, ein chinesischer Spiegel, ein indisches Körbchen, 
eine Flöte aus Japan, verscliiedene Papierproben, ein Riechkisseu, 
Malerpinsel. 

Von Herrn Th. Sartori-Lübeck: Ein finnisches Bauernmesser in Leder- 
besteck mit kunstvoller Arbeit. 

Von Herrn C. Spalkhaver-Lübeck: Zwei mit Perlen bestickte Zeaggürtel, 
angeblich aus Amei'ika stammend. 

Von Herrn Dr. phil. Lüders-Oxford : Ein paar gestickte Schuhe (westliches 
Indien), ein paar gestickte Schuhe (westhches Indien), ein paar Leder- 
Sandalen (westliches Indien), eine bemalte Holzvase (Kaschmir), eine 
Statuette aus Alabaster (Hanumat darstellend) (Indien), eine Bambus- 
röhre, durchlöchert, um Zeichnungen mittelst Sand etc. durch rollende 
Bewegung auf den Fussbodeu zu malen (Madras), eine Bambusflöte 
aus Bombay, eine Bambusflöte, Pillagovi (Indien), ein Palmblattkorb 
(Madras), ein Palmblattkorb, gefärbt, (Madras), sechs Zeugpuppen 
(Indien), eine Strohrolle zum Aufsetzen irdener Töpfe (Bengalen), eine 
Rattanrolle zum Aufsetzen irdener Töpfe (Madras), ein Kästchen mit 
getr. Reis, beim Opferdienst gebräuchlich (Bengalen), zwei Opferkörb- 
chen aus Rattan (Bengalen), zwei Holzpflöcke mit bunten Rosetten, 
Ohrschmuck (Centralindien), ein Rosenkranz aus Beeren (Benares), 
ein Rosenkranz aus Holz der' heil. Tulsi-Pflanze (Benares), ein Seifen- 
stein, der Griffel der indischen Schule, zwölf Palmblätter mit Schrift- 
zeichen, zum Schulgebrauch, eine Matte, auf denen die Schüler sitzen, 
Halmgeflecht der Gyperus tegeta, ein Bündel beschnittener Palmblätter 
mit Schutzdeckeln, zum Beschreiben, ein Packet Arseuikpapier für 
Dokumente (Bengalen), ein Packet blaues Schreibpapier, ein Packet 
farbiges feines Papier zur Drachenfabrikation, ein Packet Satgong- 
papier (Bengalen), drei Packete Papier aus Pflanzenstengeln (Bengalen), 
ein Packet Papier Muräd S ai (Bengalen), ein Packet Papier Khatölä 
(Bengalen), ein Packet Papier, enthaltend sechs Sorten Schreibpapier 
(Nagpur), fünf Tafeln mit Bildern auf Glimmer, schöne Bemalung aus 
Kultur und Religion (Südiudieu), ein Satz von 17 feinen, ineinander 



127 

passenden, lackierten Holzdöschen (Indien), zwölf Armbänder aus ver- 
ziertem farbigen Glas (Bengalen), ein Götzeualtar, Holzschnitzerei mit 
vielen Figuren, Darstellung des Himmels, Avalokites' vava's genannt 
(Japan), zehn Armbänder aus schwarzem Glas (Bombay), sechs Arm- 
bänder aus grünem Glas (Bombay), acht Armbänder aus lackiertem 
Glas (Bengalen), neun Armbänder aus lackiertem Glas (Rajputana), 
vier Kupfermünzen vom Congostaat, eine Schachtel Congreve'scher 
Streichhölzer (England), zwei Becher aus Kuhhorn (Oxfordshire, Eng- 
land), zwei Polizeiknüppel aus Holz (England). 

Von Herrn Hauptzollamtsassistent Quistorff Lübeck: Zwei Banderillas, mit 
bunten Papierstreifeu geschmückte Holzstöcke, bei Stiergefechten ge- 
bräuchlich (Spanien). 

Von Frl. M. Stiehl-Lübeck: Ein paar finnische Bauernschuhe. 

Von Plerrn Professor Stiehl-Lübeck: Ein paar finnische Schlittschuhe. 

Von Herrn Dr. med. Binders Erben-Lübeck: Ein Dolchmesser (Westafrika), 
eine Lanze (z. Zt. unbestimmter Herkunft), ein Blasrohr mit sechs 
Pfeilen (Borneo). 

Von Herrn August Lerchen-East London, Kapland: Zwei Halsschmucke 
mit Perlenstickerei (Kaffernland), ein Halsschmuck aus „Hiobsthränen" 
(Kafferuland), eine Tabakpfeife aus Holz (Kaffernland), eine Kale- 
basse mit Perlenverzierung (Kaffernland). 

Von Frau Revierförster Hoffmann-Lübeck: Eine Stickerei aus Lima (Peru). 

Von Herrn Stabsarzt Dr. Berg-Posen: Drei Stossspeere der Wahehe, Deutsch- 
Ostafrika, sieben Wurfspeere der Wahehe, Deutsch-Ostafrika, zwei Speere 
der Waturu, Deutsch-Ostafrika, vier Speere der Wanjamwezi, Deutsch- 
Ostafrika, zwei Speere der Wasagara, Deutsch-Ostafrika, ein Speer 
der Wasukuma, Deutsch-Ostafrika, zwei Elefantenspeere der Usandani, 
Deutsch-Ostafrika, ein Schild der Wahehe, Deutsch-Ostafrika, ein Schild 
der Wagogo, Deutsch-Ostafrika, ein Schild der Wasangi, Deutsch- 
Ostafrika, zwei Schilde der M^sai, Deutsch-Ostafrika, ein Schild der 
Wataturu, Deutsch-Ostafrika, drei Streitkeulen der Wataturu, Deutsch- 
Ostafrika, ein Bogen der Wataturu, Deutsch-Ostafrika, Bogen (klein) 
der Wagogo, Deutsch-Ostafrika, ein Stock der Wahehe, Deutsch-Ost- 
afrika, ein Stock der Waziba, Deutsch-Ostafrika, zwei Stöcke aus Nil- 
pferdhaut (Kiboko), Deutsch-Ostafrika, ein Stück rohe Nilpferdhaut, 
Deutsch-Ostafrika, zweiMusikinstrumente (Kinanda's), Deutsch-Ostafrika, 
zwei Ebenholzstöcke aus Lindi, Deutsch-Ostafrika, eine Keule der Zulu, 
Deutsch -Ostafrika, ein Schwert der Massai, Deutsch - Ostafrika, ein 
Köcher mit 34 Pfeilen der Wasandani, Deutseh-Ostafrika, ein Köcher 
mit 20 Pfeilen der südlichen Massai, Deutsch-Ostafrika, zwei Plolzpfeile 



128 

der Nyangai, Deutsch-Ostafrika, zwei silberne Armbäuder der Suaheli- 
frauen, Deutsch-Ostafi-ika, ein Saugröhrchen zum Trinken der Pombe 
(vom Victoriasee), Deutsch-Ostafrika, zwei Holzfiguren, rohe Schnitzerei 
(vom Küstenlande), Deutsch-Ostafrika, zwei Speere der Wagogo. 

Von Herrn Gustav Pauli-Berlin: Eine Tasche aus Candia, eine Tasche 
aus Marokko, eine Tasche aus Bolivia, ein Leibgurt aus Slavonien, 
ein Tabaksbeutel aus Ungarn, ein Tabaksbeutel aus Constantinopel, 
ein Schurz aus Assuan, Oberägj^pten, ein Kopfband aus Guatemala, 
zwei Leibgurte aus Guatemala, sechs verschiedene Tücher aus Gua- 
temala, ein Tuch aus Birma, ein Peitschenstiel aus Peru, eine Peitsche 
aus Jamaica, eine Peitsche aus Java, zwei Leibgurte aus Bolivia, ein 
paar Handschuhe aus Persien, ein Stück Zeug aus Bitlis (Turkestan), 
ein Stück Zeug von der Tagulanda-Insel, eine Matte von der Samoa- 
Insel Manono, eine Matte von der Java-Insel Barean, ein Schwanz 
des Yak (Hoheitszeichen), Insel Labore. 

Von Herrn Professor Aug. Sartori-Lübeck: Eine chinesische Speisenkarte, 
ein ägyptischer Brief. 

Von Herrn Steuermann Peters-Lübeck : Zwei Trommeln aus bemaltem und 
gebranntem Thon, Marokko. 

Von Frau Kapitän Lorenz-Lübeck: Ein Holzspeer (wahrscheinlich Neu- 
Pommern, Südsee). 

Von Herrn Lissauer-Lübeck: Ein paar türkische Pantoffeln. 

II. Tauschobjekte: 

Vom Völkermuseum in Hamburg gegen zwei Tanzstöcke von den Marschall- 
Inseln: Ein Zahn-Meissel der Indianer von Paraguay, zwei geflochtene 
korbähnliche flache Ringe von den Kei-Inseln, eine Tanzrassel von 
den Kei-Inseln, ein Frauenkleid (Palmbastgeflecht) der Bakongo 
(Centralafrika). 

III. Überweisungen 
unter Vorbehalt des Eigentumsrechts: 

Von Herrn Konsul Carlos Behn-Lübeck: Die in Thon modellierten Büsten 
des Kaisers Maximilian von Mexiko, der mexikanischen Generale 
Miramon, Mexia, der Präsidenten und Minister Corona, Escobedo, 
Lerdo de Tajada, Galvan, Portirio Diaz, Hidalgo, Delgado und Cleve- 
land. Ein Modell eines vollständigen mexikanischen Sattel- und Zaum- 
zeuges, feine Lederarbeit mit Silberbeschlag, nebst Hutmodell des 
Reiters, ein Modell des berühmten Aztekenkalenders. 

IV. Ankäufe: 
Von Herrn C. A. Pohl-Hamburg: Ein Balafo, Musikinstrument der Fulbe, 
ein Musikinstrument (westafrikauisch), ein Kauoemodell von den 



129 

Matty-Inselu, drei Keulen von den Matty-Inseln, eine Axt aus Schild- 
krötenschale von den Matty-Inseln, ein Fischspeer von den Matty- 
Inselo, zwei Speere von den Matty-Inseln, eine Holzschüssel von den 
Matty-Inseln, zwei Paddel-Ruder von den Matty-Inseln, sieben Speere 
von Matty und der Insel Nusa, zwei indische Streitäxte, eine indische 
Paradeaxt (hammerartig), ein indischer Dolch (tauschiert), ein indischer 
Dolch (Khuttar), ein indisches Schwert (ciseliert), ein indisches Schwert 
(ciseliert, sichelförmig gekrümmt), ein indisches Schwert mit gebogener 
Klinge, ein indisches Schwert mit geflammter Klinge und tauschiert, 
ein indisches Musikinstrument: Guitarre. 

Von Herrn Thies Lübeck: Ein Haussaschwert. 

Durch Herrn Dr. med. Karutz-Lübeck erworben: Eine Sammlung baskischer 
Gegenstände: Eine gezähnte Sichel, drei Barette, ein Leibgurt, zwei 
Garnwickler, zwei Flöten, ein Hörn mit Pinsel, ein Wurfkorb, ein 
Musikinstrument, ein Ball, zwei Knarren, ein Modell vom Wagen, 
ein Modell vom Schlitten, eine Lampe, ein Topf mit Tragring, ein 
Quirl, ein Stock aus St. Jean Pied de Port (Basses pyrenees), zwei 
Layas, ein geschnitztes Brett zum Umwickeln von Wachslichten, ein 
Holzkasten zum Umwickeln von Wachslichten, ein Spinnrocken mit 
zwei Spindeln, ein paar Schuhe, ein Tuch und ein Strick, ein paar 
Schuhe aus Manilahanf, ein Tuch, eine geschnitzte Truhenwand, ein 
Tuch zum Halten der Haarfrisur bei Frauen aus Bayonne, ein Paar 
Holzschuhe, ein Hut für Pferde, eine Tabakpfeife. 



Jahresbericht des Naturhistorischen Museums über das Jahr 1896. 

Das letzte Verwaltungsjahr nahm einen ungewöhnlich ruhigen Ver- 
lauf. Die Zuwendungen von auswärts erreichten an Zahl und Umfang 
nicht diejenigen des Vorjahres. Herr Kapt. H. Storm, unser eifrigster 
Sammler, hatte seinen Aufenthalt geäudert, Herr J. Bloss in Kl. Popo war 
leider dem Klima zum Opfer gefallen, auch unter den übrigen Herren 
waren manche durch pei'sönliche Umstände verhindert gewesen, in gleicher 
Weise wie früher unseres Museums zu gedenken. Dafür waren in anderen 
Gegenden neue Freunde erstanden. Herr Konsul Herm. Grösser sandte 
eine Anzahl Tiere der Marschalls-Inseln ; Herr Ernesto Günther in Sorata 
(Bolivien) hatte wiederum in rastlosem Eifer eine grosse Sammlung, die 
mannigfachsten Gruppen der Tierwelt umfassend, zusammengestellt; ins- 
besondere Schmetterlinge, Geradflügler und Schlangen. Auch die interessante 
Fischfauna des Titicaca-Sees war durch mehrere Arten vertreten. Das 
Naturhistorische Museum ist Herrn Ernesto Günther für die, bei dieser 

9 



130 

wertvollen Sendung wiederum bewiesene Umsicht zu ganz besonderem 
Danke verpflichtet. Herr Steuermann Kayser, von dem das Museum 
bereits mehrfach Sendungen aus Hinterindien erhielt, benutzte seine 
Fahrten an den chinesischen und japanischen Küsten, um uns mit einer 
hübschen und sorgfältig präparierten Sammlung dortiger Schmetterlinge 
zu erfreuen. Eine weitere Sendung aus Japan, Glas- und andere dortige 
Schwämme umfassend, ging dem Museum von Herrn Paul Schramm in 
Yokohama zu. Von Herrn Julius Eisleben in Mozambique erhielten wir 
mehrere kleine Sendungen Meeresalgen, sowie eine Anzahl von Eidechsen 
und Insekten. Herr Stabsarzt Dr. Berg erfreute uns durch selbst gesam- 
melte Tiere der deutschen Schutzgebiete in Ost- Afrika und ergänzte dadurch 
seine fi'üheren Sendungen. Herr Privatier Spalkhaver hierselbst überwies 
dem Museum seine umfangreiche Sammlung von Mineralien und ver- 
steinerten Hölzern. Die Sammlung enthält manch schönes Stück und hat 
ausserdem besonderen Wert dadurch, dass sie aus älterer Zeit und zum 
Teil von jetzt nicht mehr vorhandenen Fundstellen stammt. 

Diesen, sowie allen übrigen Schenkgebern auch an dieser Stelle noch- 
mals ein herzlicher Dank! 

Im Austausch mit auswärtigen Sammlern und Museen konnte manches 
uns Fehlende erworben werden. So erhielten wir durch Vermitteluug des 
Herrn Prof. W. Leche in Stockholm zahlreiche Crustaceen, Echiuodermen 
und andere wirbellose Meerestiere von Spitzbergen und Schwedens West- 
küste; von Herrn Prof. A. Fritsch in Prag eine Reihe von Versteinerangen 
aus den verschiedenen Schichten Böhmens; von Herrn Prof. Schmidt- 
Hagen (Westfalen) einige interessante Versteinerungen des dortigen Devon. 

In Folge eines besonderen Abkommens zwischen der Gesellschaft 
zur Beförderung gemeinnütziger Thätigkeit und dem hiesigen zoologischen 
Garten des Herrn Wache wurde dem Museum bereits eine Anzahl inter- 
essanter Tiere, darunter mehrere Affen aus Ostafrika, ein Stachelschwein 
und anderes mehr abgeliefert. 

Eine, teils vom Hohen Senat, teils von der Gesellschaft zur Beför- 
derung gemeinnütziger Thätigkeit gewährte besondere Unterstützung setzte 
das Naturhistorische Museum in den Stand, sich an einer von mehreren 
Museen der deutschen Küstenländer unternommenen Fischereiausstellung 
auf der Gewerbeausstellung in Berlin 1896 gleichfalls in entsprechender 
Weise beteiligen zu können. 

Das Herbarium wurde durch den Ankauf des vom Mediziualrat 
Dr. Griewauk in Bützow Wnterlassenen sehr umfangreichen und gut er- 
haltenen Herbarium europaeum vermehrt. Die durch private Unterstützung- 
möglich gemachte Erwerbung ist um so wertvoller, als die in der genannten 



131 

Pflanzensammlung enthaltenen Exemplare zum grössten Teil von Fund- 
orten stammen, welche bislang in unserer Pflanzensammlung nicht ver- 
treten waren. 

Auch im verflossenen Jahre ward das Herbarium mehrfach von aus- 
wärtigen Botanikern zu ihren Studien benutzt, teils hier von ihnen ein- 
gesehen. Insbesondere geschah dies von den Herren Prof. Dr. Schinz- 
Zürich, Prof. Buchenau-Bremen, Major z. D. Th. Reinbold-Itzehoe, R Schlech- 
terer-Berlin und Apotheker Friderichsen in Hoyer. Der letztere hatte die 
Freundlichkeit, die sämtlichen, zwölf Packete umfassenden Arten der 
Gattung Rubus einer erneuten Revision zu unterziehen. Dem Herbarium 
in Kew wurden auf Ersuchen für seine Neubearbeitung der Flora des 
Caplandes die Gräser, Gyperaceeu und Restiaceen zur Benutzung überlassen. 
Unser langjähriges, korrespondierendes Mitglied Dr. F. Klatt in Ham- 
burg, dem das Herbarium für eine Reihe von ihm ausgeführter Bestim- 
mungen von Compositen zu hohem Dank verpflichtet ist, und der noch 
vor kurzem solche aus der Südsee bearbeitet hatte, ward uns durch den 
Tod entrissen. Wir empfinden diese Lücke in den Förderern unserer 
Sammlungen schmerzhch Die Vorsteherschaft wird dem Entschlafenen 
stets ein ehrendes Andenken bewahren. 

Die Sammlung von Geschieben aus der näheren und weiteren Um- 
gebung Lübecks ward auch im verflossenen Jahre wiederum von Herrn 
Dr. med. Struck aufs Eifrigste vermehrt und in einigen neuen Schaukästen 
zur Anschauung gebracht. 

Der Verkehr mit auswärtigen Museen und einzelneu Gelehrten ward 
in reger Weise unterhalten. 

Aus der zoologischen Abteilung wurde Material zu Studienzwecken 
übersandt an die Museen in Berlin, Hamburg und Wien, sowie an die 
Herren Prof. Dr. Wilh. Blasius-Braunschweig und Dr. J. G. de Mau-Jerseke. 

An Publikationen sind darüber erschienen: 
W. Blasius: Vögel von Pontianak (West-Borneo), gesammelt von Kapt. 

Storm, in: „Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft und des 

Naturhistorischen Museums in Lübeck." II. Reihe. Heft 10 und 11. 

S. 90—145. 
v. Koschitzky: Die Käfer Lübecks. IL Ebendaselbst. S. 80—89. 
H. Lenz: Einige Bemerkmigen über das Spitzkrokodil von Borneo mit 

1 Tafel. Ebendaselbst. S. 146—148. 
J. G. de Man: Die von Kapt. Storm gesammelten Grustaceen. Teil I — V 

in Zoolog. Jahrb. Bd. IX. 
R. Schlechterer: Die Dregesehen Asclepiadaceen im Ernst Meyer'schen 

Herbarium des Lübecker Museums im Botan. Centralblatt 1897. 

9* 



132 

Für die unserm Museum durch diese Veröffeutlichungen geleisteten 
Dienste sind wir den genannten Herren zu besonderem Danke verpflichtet. 
Über die umfangreichen, meist durcli Austauscli mit auswärtigen 
Instituten, gelehrten Gesellschaften und Vereinen erworbenen Zugänge 
unserer Museumsbibliothek giebt das angehängte Verzeichnis Auskunft; 
hier möge der Dank für das bewiesene Entgegenkommen Platz finden. 

Neben der Einordnung der neuen Zugänge ward die weitere Durch- 
bestimmung der Conchyliensammlung fortgesetzt; die Pteropoden und Cirri- 
pedien wurden einer Revision und Neuordnung unterzogen. Bei der Be- 
stimmung der Schwämme erfreute sich das Museum der in freundlichster 
Weise geleisteten, sachkundigen Hülfe des Herrn Dr. Weltner-Berliu. Eine 
völHg veränderte Aufstellung der Schwämme unter Zuhülfenahme eines 
neuen Schraukes ermöglichte es, die interessanten Wachstumsverhältnisse 
der s. g. Neptunsbecher (Poterion Neptuni) in anschaulicher Weise zur 
Darstellung zu bringen. Für die, namentlich durch die umfangreichen 
Sendungen der Herren Günther und Kapt. Storm stark vermehrte Samm- 
lung der Reptilien und Amphibien musste gleichfalls ein weiterer Schrank 
hinzugefügt werden. 

Die Fischsammlung erfuhr durch die von Herrn Augenarzt Jatzow 
eifrig fortgesetzten Bestimmungen der Wessel'schen Sammlung, sowie durch 
die von Herrn Dr. Voeltzkow von den ostafrikanisciaen Gewässern gesandten 
Meer- und Süsswasserfische eine bedeutende Bereicherung. 

Der Konservator, durch die ürm nach dem Tode des Herrn Konsul 
Grupe mit dem 1. April übertragenen Geschäfte der allgemeinen Museums- 
verwaltung vielfach in Anspruch genommen, musste von grösseren Spezial- 
arbeiten absehen und sich auf die Konservierung, die Eiureihung und 
Bestimmungen der für die verschiedenen Gruppen eingegangenen Tiere be- 
schränken. Unterstützt wurde derselbe auch im verflossenen Jahre von 
den Lehrern Herren J, Westphal, K. Strunck und bis Anfang November 
W. Lange; an die Stelle des letzteren ist Herr Lehrer B. Dühring getreten. 
Besucht wurde das Museum im Jahre 1896 von 22 934 Personen. 
Der besuchteste Tag war der zweite Pfingsttag mit 710 Personen. 
Die laufenden Ausgaben stellten sich wie folgt: 

für Neuanschaffungen ,M 419,50 

- Schränke und Einrichtungen . . = 1131,49 

= Ausstopfen = 203,75 

= Spiritus = 88,95 

= das Herbarium = 135,12 

= Porti und Frachten = 201,61 

= Bücher und Zeitschriften .... = 440,40 



133 

für Gehalte und Löhne M 2110,35 

= Druckkosten = 19,12 

. Diverses 151,40 

M- 4901,69 

Beitrag der Gesellschaft zur Beförderung- 
gemeinnütziger Thätigkeit . . . JK' 4800, — 

Für Doubletten, Zinsen etc ■- 86,71 

Fehlbetrag = 14,98 

Der kleine Fehlbetrag von JH' 14,98 ward auf das Jahr 1897 über- 
nommen 

An Stelle des aus dem Vorstande ausscheidenden Herrn Prof. Dr. 
Küstermann wurde Herr Major v. Koschitzky erwählt. Herr Privatier 
H. Hasse übernahm den Vorsitz. 



Verzeichnis der neuen Erwerbungen. 

A. Geschenke. 
Zoologische Abteilung. 

Von Herrn Konsul Herm. Grösser-Hamburg: Eine Anzahl Fische, mehrere 
Dintenfische, Krebse und Haarsterne von Jaluit (Marschalls-Inseln). 

Von Herrn W. Meyer hier: Ein rotgesprenkelter Blondinettentäuber, ein 
Seh warzschildmövchen . 

Von Herrn Ernesto Günther-Sorata (Bolivien) : Zwei kleine Affenbälge, ein 
Fuchs, Kopf eines Zwerghirsches, ein Stachelschwein, mehrere Schlangen- 
häute, drei Eidechsen, elf Schlangen und zahlreiche Insekten, Spinnen, 
Tausendfüsser u. s. w. in Spiritus. 135 Schmetterlinge in 63 Arten. 
Sechs Fische in 4 Arten (Trichomycterus rivulatus 0. V., Orestias 
cuvieri C. V., pentlandii G. V. und jussiei C. V.) aus dem Titicacasee. 

Von Herrn Steuermann Kayser: Vier Kasten mit chinesischen und japani- 
schen Schmetterlingen. 

Von Herrn Julius Eisleben-Mozambic[ue : Drei Eidechsen (Agama mossam- 
bica), ein Chamäleon, einige Skorpionen, Tausendfüsser und zahlreiche 
Insekten, besonders Käfer und Geradflügler, ausserdem zwei Skorpione 
von Beira. 

Von Herrn F. Peckelhoff hier: Nest eines Zaunkönigs. 

Von den Schlutuper Fischern Wilh. und Hinr. Voss und Hans Willwater 
eine nordische Meeräsche (Mugli-chelo), mit der grossen Bretlingswade 
in der Niendorfer Wiek gefangen. 



134 

Vom Fischer Herrn W. H. Detlev-Schlutup: Zwei kleine Dornhaie aus der 
Niendorfer Wiek. 

Von Plerru P. Derhen-Schlutup: Ein Pärchen vom weissen Säger (Mergus 
albelhis). 

Von N. N. aus Hamburg: Ein Albatros und eine Sturmschwalbe. (Fund- 
ort unbekannt.) 

Von Herrn Paul Schramm-Yokohama: Drei Glasschwämme (Hyalonema 
Siboldi) und zwei Hornschwämme (Spinosella sp.) aus Japan. 

Von Herrn Buchhalter Schmidt-Schlutup : Ein Ohrensteissfuss (Podiceps 
auritus). 

Von Herrn Stabsarzt Dr. Berg-Ostafrika: Zwei Fledermäuse: (Hipposideros 
cafEer, Sund; Epomophorus comptus, Allen) juv. 12 Vogelbälge, 
12 Schlangen, 6 Eidechsen: Pachydactylus bibronii, Smith; Chamaeleon 
dilepis, Leach; Zonurus cordylus, L; Geocalamus modestus Gthr. 
100 Käfer, 25 Insekten anderweitiger Ordnungen, diverse Spinnen, 
3 Tausendfüsser, 7 Skorpionen. 

Von Herrn Steuermann Rust hier: Ein fliegender Hund (Pterojaus con- 
spicillatus, Gould) aus Tasmanien. 

Von Frau Ed. Tegtmeyer: Eine gelbe Fächerkoralle und eine rote Horn- 
koialle aus West-Indien. 

Von Herrn Aug. Westphal-Bahia: Drei grosse Kalkkorallen (Millepora 
alcicornis), eine Hornkoralle, eine Eidechse, \'ier Frösche, zwei Fische, 
drei Süsswassergarneelen und eine grosse Heuschrecke. 

Von Herrn Jobs. Klempau hier: Ein Stieghtz. 

Von Herrn Roh. Steinhagen hier: Zwei Wellensittiche. 

Vom zoologischen Garten hier: Ein brasilianischer Storch (Ciconia maguari), 
eine rotgrüne Meerkatze (Cercopithecus rufoviridis) aus Ost-Afrika, 
ein grosser Brahmaputrahahn, zwei Viscacha (Lagostomus tridactylus), 
ein Stachelschwein (Hystrix cristata), ein Musang (Paradoxurus leu- 
comystax) von Borneo (Kapt. Storni), ein Känguruh und ein Kakadu 
(Oacatua sulphurea Gm.). 

Herbaiium. 
Von Herrn Jul. Eisleben: Zwei Packete Meeresalgen von Mozambique. 

Mineralogisch-paläontologische Abteilung. 

Von Hei'rn Prof. Buchenau-Bremen : Ein Stück Itakolumit. 

Von Herrn Konsul L. Ehrtmann-Noworossiisk (Süd-Russland): Ein Mam- 

muthbackenzahn. 
Von Herrn Revierförster Claudius-Behlendorf : Zwei Brauneisensteiuknollen. 



135 

Von Herrn Spalckhaver hier: Eine grosse Sammlung von Mineralien, Ver- 
steinerungen, angeschliffenen Marmorplatten von Blankenburg am 
Harz und fossile Hölzer von Coburg. 

Von Herrn Jul. Siemssen-London: Mehrere Versteinerungen von Folkestoue. 

Von Frl. Ada Asschenfeldt: Zwei Stufen Chalcedon (roh und geschliffen) 
aus Argentinien. 

Von Herrn G. Werner hier: Ein Stück fossiles Holz vom Kyffliäuser. 

B. Durch Tausch erworben: 
Von Herrn Prof. Fritsch-Prag: Eine grosse Anzahl Versteinerungen aus 

verschiedenen Schichten Böhmens. 
Von Herrn Prof. Schmidt-Hagen (Westfalen): Diverse Versteinerungen, 

namentlich aus dem dortigen Devon. 
Von Herrn Prof. Leche-Stockholm: Eine grosse Anzahl Echinodermen, 

Crustaceen und Spongien von Spitzbergen, den norwegischen und 

schwedischen Küsten. 
Von Herrn Prof. Andreae-Hildesheim: Eine Faraglioni-Eidechse von Capri. 

C. Angekauft wurden: 
Das grosse von dem verstorbenen Medizinalrat Di-, Griewank in ßützow 
hinterlassene Herbarium europaeum. 



Die Bibliothek wurde um folgende Werke vermehrt: 

1. Durch Geschenke: 
Von der Kommission zur wissenschaftlichen Untersuchung der deutschen 
Meere in Kiel: Wissenschaftliche Meeresuntersuchungen. Neue Folge, 
Band I. Heft 1. Abt. 1. Kiel 1896. 

2. Durch Schriftenaustausch: 

Berlin, Gesellschaft naturforschender Freunde: Nichts eingegangen. 

Bonn, Naturhistorischer Verein für das Rheinland und Westfalen: Ver- 
handlungen. Jahrgang 52,2 und 53,1. 

Bonn, Niederrheinische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: Sitzungs- 
berichte 1895,2. 1896,1. 

Bremen, Naturwissenschaf thcher Verein: Abhandlungen, Band XIV, 2. 

Breslau, Schlesische Gesellschaft für vaterländische Kultur: Jahresberichte 
von 1894 — 1896. 73. Jahresbericht mit Ergänzungsheft. 

Danzig, Naturforschende Gesellschaft: Nichts eingegangen. 

Danzig, Westpreussisches Provinzialmuseum : Bericht 1895. 

Dresden, Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis": Sitzungsberichte und 



136 

Abhandlungen, Jahrgänge 1894 und 1895, JuH bis Dezember. 1896, 

Januar bis Juni. 
Frankfurt a./M., Senckenbergische naturforsch ende Gesellschaft: Nichts ein- 
gegangen . 
Frankfurt a/0., Naturwissenschaftlicher Verein für den Regierungsbezirk 

Frankfurt: Helios. 14. Jahrg. 1897. Societatum Litterae. 10. Jahrg. 

1897, 
Giessen, Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: 31, Bericht 

1896. 
Greifswald, Naturwissenschaftlicher Verein für Vorpommern und Rügen : 

Mitteilungen, 28. Jahrg. 1896. 
Halle, Leopoldina: Nichts eingegangen, 
Hamburg, Naturwissenschaftlicher Verein: Abhandlungen, Band XIV, 1896. 

Verhandlungen, 3. Folge IV, 1897. 
Hamburg, Naturhistorisches Museum: Mitteilungen, Heft XIII, 1896. 
Hamburg, Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung: Nichts ein- 
gegangen, 
Hildesheim, Römer-Museum: Mitteilungen Nr. 6, 1896. Nr. 8, 1897. 
Kassel, Verein für Naturkunde: Bericht 41 für 1896. 
Kiel, Naturwisseuschafthcher Verein für Schleswig -Holstein: Schriften, 

Band XI, 1. 
Königsberg, Physikal.-ökonom. Gesellschaft: Schriften, 36. Jahrgang 1896. 
Offenbach, Verein für Naturkunde: Nichts eingegangen, 
Osnabrück, Naturwissenschaftlicher Verein: 11. Jahresbericht 1896. 
Regeusburg, Naturwissenschaftlicher Verein: Berichte, V. Heft für 1894 

und 1895. 
Wiesbaden, Nassauischer Verein für Naturkunde: Jahrbücher, Jahrg. 49, 

1896 und Jahrg. 50, 1897. 
Zwickau, Verein für Naturkunde: Jahresbericht für 1895, 
Wien, K. K. Zoolog.-botau. Gesellschaft: Nichts eingegangen. 
Wien, K. K. Naturhistorisches Hofmuseum: Annalen, Band XI, 3 bis 4 

1896. 
Triest, Museo civico di storia naturale: Nichts eingegangen. 
Budapest, Publikationen des K. Ungar, Nationalmuseums. Vol. XVIII, 

3—4, 1896, XIX. 1—4, 1897. 
Bern, Naturforschende Gesellschaft: Nichts eingegangen. 
Zürich, Naturforschende Gesellschaft: Vierteljahrsschrift, 41. und 42. Jahrg. 

99. Neujahrsblatt. 
Amsterdam, Koningl. Akademie von Wetenschapen: Zittingsverslagen af 

d. Naturk, Jahrg. 1896. 



137 

Haarlem, Musee Teyler: Archives, Ser. II. Vol. V, 2. 

Stavanger, Museum. Aarsberetning for 1895. 

Bergen, Museum: Aarbog 1896. 

Stockholm, Königl. Schwedische Akademie der Wissenschaften: Bihang, 

Abt. III und IV. Vol. 21, 1896. 
Upsala, Geological Institution: von der königl. Universitäts- Bibliothek: 

Zoologiska Studier; Festschrift für Wilh. Lilljeborg 1896. 
Tromsö, Museum: Nichts eingegangen. 
Riga, Naturf orscher- Verein : Korresjaondenzblatt 39, 1896. 
Helsingfors, Societas pro Fauna et Flora fennica: Acta, Vol. XI, 1895. 

Vol. 12 und 13, 1896. Meddelanden 22, 1896. 
Boston. Amer. Academy of arts and sciences: Proceedings N. S. A'^ol. 23 

und 24, 1896. 
Cambridge, Museum of comparative Zoology: Nichts eingegangen. 
Milwaukee, Pubhc Museum of the City: 14. Aunual Report 1895/96. 
New-York, Academy of Sciences: Nichts eingegangen. 
New-York, State Library: Nichts eingegangen. 
New-York, American Museum of Natural History. Central-Park : Anuual 

Report XXVII, 1895, Buhetin, Vol. VIII, 1896. 
Rochester, N. Y. Proceedings of the Academy of Science, Vol. III, Heft 1. 

1896. 
Philadelphia, Academy of natural Sciences: Proceedings 1896, part 1 — 2. 
Philadelphia, Wagner free Institute of Science: Transactions Vol. IV, 1896. 
Washington, Smithsoniau In.stitution: Annual Report for 1894. 

Proceedings of the U. S. Nat. Mus. Vol 17, 1894. 18, 1895. 

Report of the National-Musenm 1893. 

Departement ot Agriculture: Bulletin Nr. 11 und 12. 

Bendire: Life histories of N. Amer. birds. M'^ashg. 1895. 

Goöde and Beau: Oceanic Ichtyology. 2 Vols. Washg. 1895, 
San Jose, Republica de Costa Rica, Museo nacional: Estudos sobra las 

Hormigas de Costa Rica por Carlos Emery. San Jose 1894. 
Tusts College, Mass. ü. S. A, Studies Nr. IV. Sept. 1895. 
Buenos Aires, Museo nacional: Tom IV. 1895. 
Montevideo, Anales del Museo Nacional: Anales IV, V und VII, 1896. 

VI, 1897. 
Santiago, Deutscher wissenschaftlicher Verein: 11. Jahresbericht 1896. 
Batavia, Kon. Naturkundige Vereenigung in Nederlandsch Indie: Tijdschrift, 

Deel 55, 1895. 
Sidney, Royal Society of N. S Wales: Journal and Proceedings Vol. XXIX. 

1895. 



138 

Sidney, Australian Museum: Records Vol. IIT, Nr. 1, 1897. Memoir III, 

Nr. 1 und 2, 1897. 

3. Angekauft wurden: 
Kirb}', Handbook of the order Lepidoptera A'^ol. I — IV. London 1894 — 96. 

Zoological Kecord, Vol. XXXII for 1895. London 1897. 
Verschiedene kleine Schriften und Separatabdrücke, insbesondere über 

Crustaceen und Araclmideu. 

Die Fortsetzungen von: 
Martini und Chemnitz, Conchylien-Cabinet. 
Archiv für Naturgeschichte. 

Nachrichtsblatt der deutschen Malakozoologischen Gesellschaft. 
Eutomologische Nachrichten, herausgegeben von Karsch. 
Zoologische Jahrbücher, herausgegeben von .1. W. Spengel. 
Zoologischer Anzeiger, herausgegeben von .J. V. Carus. 
Bibliotheca zoologica. 
Berliner Entomologische Zeitschrift. 
Notes fr. the Leyden Museum. 



Jahresbericht des Naturhistorischen Museums für das Jahr 1897. 

Im verflossenen Verwaltungsjahre konnte die Hauptthätigkeit auf 
die Durcharbeitung und weitere Ausgestaltung einzelner Museumsabteilungen 
verwandt werden, da die Zusendungen auswärtiger Freunde und Sammler 
nicht in so reichem Masse erfolgten, wie dies in früheren -Jahren bisweilen 
der Fall gewesen war. Der Grund hierfür liegt zum Teil darin, dass 
mehrere unserer eifrigsten Sammler ihren Aufenthaltsort geändert und im 
neuen wenig Gelegenheit fanden, oder sich dort noch nicht so eingelebt 
hatten, dass sie unseres Museums in gewohnter Weise gedenken konnten. 
Auch der Tod hat eine empfindliche Lücke in den Kreis unserer Museums- 
freunde gerissen. Der langjährige Freund und eifrigste Förderer unserer 
Sammlungen, seit vielen Jahren unser korrespondierendes Mitglied, Herr 
Jakob Behrens in San Jose-Californien, ist im Alter von 73 Jahren aus 
dem Leben geschieden. Seit einer langen Reihe von Jahren fern unserer 
Vaterstadt, knüpften ihn dennoch bis zum letzten AugenbHcke die innigsten 
geistigen Bande an dieselbe. Noch mit unserem hochverdienten Milde befreun- 
det und von ihm für die Insektenwelt interessiert, hat ihn seine Liebe zu dieser 
auch in der Ferne nicht verlassen ; umgeben von so vielen neuen Formen er- 
wachte sie vielmehr stärker und stärker. Die Beschäftigung mit den Insekten, 
insbesondere mit Käfern und Schmetterlingen, war seine Freude und Er- 



139 

holung. Mit allen namhaften nordamerikauischen Entomologen in Ver- 
bindung und stetem Austausch, gewann seine Sammlung nicht nur bald 
bedeutenden Umfang, sondern erlangte auch durch die von den ersten 
Autoritäten gemachten Bestimmungen, sowie durch die zahlreichen ihr 
einverleibten Originalexemplare und Typen einen hohen wissenschaftlichen 
Wert. Mit schwerem Herzen trennte sich Behrens bereits bei Lebzeiten 
von seiner Schöpfung und machte sie unserm Naturhistorischen Museum 
zum Geschenke Hier wusste er sie nicht nur gut geboi-gen, sondern auch 
nach ihrem Werte geschätzt. Das war seiu Wunsch und die Gewissheit 
der Erfüllung diente ihm zur Beruhigung; wir aber haben die Verpflich- 
tung, den Schatz zu hüten und wissenschaftlich weiter zu verwerten. 

Ferner erhielt die lusekteusammlung dieses Mal seitens des Museums 
für Naturkunde in Berlin reichlicher ausgefallene Zuwendungen aus den 
deutschen Schutzgebieten. Da es den Zwecken unserer Sammlung am meisten 
dienen konnte, solche Gegenden, wie Ost- und insbesondere Westafrika, 
welche bereits gut vertreten waren, noch weiter zu vervollständigen, so 
sind wir Herrn Geh. Rat Professor Dr. Moebius zu besonderem Dank ver- 
pflichtet, dass er unsern nach dieser Richtung hin kundgegebenen Wünschen 
nach Möglichkeit Rechnung zu tragen versuchte. 

Auch unsere einheimische Käfersammlung erfuhr eine wichtige Be- 
reicherung dadurch, dass Frau Dr. F. Nölting die Sammlung ihres ver- 
storbenen Mannes, des . laugjährigen Freundes Mildes, unserm Museum 
zum Geschenk machte. In der erwähnten Sammlung sind manche in der 
Umgegend Lübecks nicht mehr anzutreffende Arten vertreten, andere 
stammen von jetzt verschwundenen Fundorten. Endlich sei erwähnt, dass 
Herr Kunstgärtner Hartwig uns eine nicht unbedeutende Sammlung exo- 
tischer und einheimischer Schmetterlinge überwies, unter denen besonders 
die farbenprächtigen indischen Arten von besonderem Werte sind. Auch 
durch Tausch konnte die Schmetterlingssammluug vermehrt werden. Eine 
Anzahl interessanter oder seltener südamerikanischer Arten erlangten wir 
auf diesem Wege von Herrn G. Weymer in Elberfeld. 

Herr Kaufmann Tegtmeyer hier erfreute uns durch Schwämme, Con- 
chylien und andere Meerestiere aus den tunesischen Gewässern, während 
Herr v. Minden höchst interessant- und eigentümlich geformte Bade- 
schwämme des adriatischen Meeres zum Geschenk machte. 

Herr Steuermann Stolterfoht brachte uns von Zanzibar den zoologisch 
hochinteressanten Schädel eines Dujong (Halicore dujong) mit. Durch 
Herrn Lieutenant zur See Titus Türk erhielt das Museum eiuen grossen 
Heringshai (Lamua cornubica) aus der Nordsee. 



140 

Die durch Fürsorge früher dort weilender Lübecker im Museum 
bereits gut vertretene Fauna Madagaskars ward durch die Herren Herrn. 
Vorkamp und Gerb. Reuter um weitere Exemplare bereichert Unter den 
gesandten Tieren befand sich auch ein zweites Exemplar des merkwürdigen 
Fingertiers (Chiromys madagascariensis), gut in Spiritus konserviert. 

Die aus dem hiesigen Zoologischen Garten dem Museum erwachsenen 
Zuwendungen hörten leider mit dem Eingehen des Gartens auf. 

Eine ganz besondere Beachtung verdient in diesem Jahre unser 
Herbar. Abgesehen von einzelnen kleineren Ergänzungen erfuhr dasselbe 
eine hervorragende Bereicherung durch ein 1000 Arten umfassendes, von 
japanischen Gelehrten herausgegebenes Herbar dortiger Pflanzen. Dasselbe 
ward dem Museum von dem in Yokohama weilenden Kaufmann Job. 
Georg Gust. Eschenburg zum Geschenk gemacht. Wir möchten diese 
Gelegenheit nicht unbenutzt lassen, dem hochherzigen Geber hier noch- 
mals unsern Dank auszusprechen. 

Die bisher wenig vertretene Flora West-Afrikas erfuhr eine Bereiche- 
rung durch die Erwerbung mehrerer Centurien von Zenker im Hinterlande 
von Kamerun gesammelter Pflanzen. 

Unser Herbar, das zur Zeit etwa 35 000 Arten Phanerogamen und 
9000 Arten Crj'ptogamen umfasst, ist besonders reich an südafrikanischen 
Pflanzen und enthält bekanntlich auch das früher im Besitze des Prof. 
E. Meyer, Königsberg, befindliche Herbar mit den von Drege, Eckion und 
Zeyher gesammelten Cappflanzen. Diesetwegen ward unser Herbar bereits 
wiederholt von auswärtigen Botanikern, welche sich mit der Bearbeitung 
der Flora des Caplandes beschäftigten, benutzt. In diesem Jahr entlieh 
zu demselben Zwecke das Herbarium des Kew-Garden in England und 
das botanische Museum in Berlin mehrfach einzelne Familienfascikel, um 
sie für ihre Publikationen zu benutzen. Zu demselben Zwecke wurden 
eine Anzahl Meeresalgen Herrn Major v. Reinhold überlassen, auch nahm 
der genannte Algeuforscher wiederholt in unsei'm Museum Einsicht in 
unser Algenherbar. 

Herrn Apotheker Friderichsen in Hoyer (Nord-Schleswig), dem Spe- 
zialisten für die so schwierige Gruppe der Brombeeren, wurden auf sein 
Ersuchen die sämtlichen Brombeeren unsers Herbars (12 Fascikel) für 
seine Studien leihweise überlassen. 

Herr Dr. Friedrich vervollständigte das Herbarium Lübeckischer 
Pflanzen durch eine Anzahl seltener oder neuer Arten und Varietäten. 

Herr Kapitän G. A. Pohl in Hamburg machte dem Herbar ein 
Geschenk von 62 Arten Farne, welche seinerzeit von Frau Amalie Dietrich 
in Australien gesammelt waren. 



141 

Die zahlreichen auch in diesem Jahre uns wiederum zugegangenen 
kleinereu Geschenke finden sich in dem angehängten '^''erzeichnis auf- 
geführt. 

Allen denen, Einheimischen und Fremden, welche die Bestrebungen 
des Museums bereitwillig unterstützt haben, sagen wir auch an dieser 
Stelle nochmals unsern verbindlichsten Dank. 

Für die Deutsche Anthropologische Gesellschaft, welche in der ersten 
Augustwoche des vergangenen Jahres hier ihre Jahresversammlung abhielt, 
bildeten die anthropoiden Affen einen besonderen Anziehungspunkt und 
wurden dieselben von einzelnen Gelehrten zu wiederholten Malen nach 
verschiedenen Seiten hin einer gründlichen Untersuchung und Betrachtung 
unterzogen. 

Der Konservator hatte den auf diese Affengruppe bezüglichen Teil 
der vom Museum gemeinsam herausgegebenen Festschrift verfasst. 

Die von Herrn Kapitän Storm an den Küsten von Atjeh, Borneo, 
Celebes, Malakka und in der Javasee mit unendlichem Fleiss gesammelten 
Crustaceen wurden von dem, besten Kenner derselben in jenen Meeres- 
teilen, Herrn Dr. J. G. de Man in Jerseke (Niederland), bearbeitet. Die 
darüber in den Zoologischen Jahrbüchern veröffentlichten Pubükationen 
sind jetzt vollständig erschienen und umfassen 185 Arten, von denen 24 mit 
5 Gattungen für die Wissenschaft neu sind; dieselben sind auf den bei- 
gegebenen 14 Tafeln abgebildet. In den Belegstücken zu diesen Publi- 
kationen besitzt unser Museum einen bedeutenden wissenschaftlichen Schatz 
und möchten wir nicht unterlassen, Herrn Dr. J. G. de Man auch hier 
unsern aufrichtigen Dank auszusprechen für die grosse Mühe, welcher er 
sich durch die Bearbeitung der Sammlung unterzogen hat. 

Verbindungen mit auswärtigen Gelehrten wurden weiter gepflegt und 
Gelegenheiten benutzt neue anzuknüpfen; ebenso war der Austausch mit 
wissenschaftlichen Anstalten, Vereinen und Gesellschaften ein reger; die 
Erfolge dieser Verbindungen liegen teilweise in dem angehängten Ver- 
zeichnis der eingegangenen Schriften vor. Die bis dahin vorhandenen 
Bücher und Drucksachen wurden einer Sichtung unterzogen, diejenigen 
mit vorwiegend mathematischem, physikalischem und meteorologischem 
Inhalt an die Stadtbibliothek abgegeben, die übrigen, beschreibend natur- 
wissenschaftlichen Inhalts aber gebunden, katalogisiert und geordnet auf- 
gestellt. 

Die bereits in den Vorjahren begonnene Durcharbeitung der Gon- 
chylien ward von den Herren Arnold und Prof. Dr. Küstermann fortgesetzt 
und fast vollendet. Die Cephalopoden wurden ebenfalls einer Revision 
unterzogen und neu katalogisiert. Auf Grund des vom British Museum 



142 

neu herausgegebenen, jetzt vollständig vorliegenden Catalogue of Snakes 
ward eine gänzlich neue Etikettieruug der Schlangen vorgenommen. 

Die noch vorhandenen ßestbestände unbestimmter Fische, sowie die 
neuen Eingänge konnten sämtlich bestimmt und eingeordnet werden, 

Von hiesigen Plschen wurden in der Lübeckischen Abteilung Ent- 
wickluugsreihen des Dorsches und der Plattfische aufgestellt und zugleich 
die verschiedenen Nährtiere, die Köder und Fangmethodeu zur Anschauung 
gebracht. Eine bessere Aufstellung der hiesigen Süsswasserfische konnte 
in Angriff genommen werden. Beabsichtigte weitere Ausgestaltungen der 
Lübeckischen Abteilung mussten aus Mangel an Material, Geld und Ar 
beitskräftein leider im verflossenen Jahr noch unterbleiben. 

Dagegen war es möglich, in der allgemeinen Abteilung eine passende 
Auswahl durchscheinender oder völlig durchsichtiger Meerestiere in flachen 
Schränken, welche unmittelbar vor den Fenstern angebracht sind, in zweck- 
mässiger und belehrender Weise aufzustellen. 

Ebenso ward der Versuch gemacht, durch ausgehängte farbige Tafeln 
die Kenntnis der für den Obst- und Gartenbau besonders schädlichen oder 
nützlichen Tiere zu erleichtern. 

Die Schausammlung der Versteinerungen erfuhr vornehmlich in den 
Gruppen: Devon, Perm, Jura und Kreide Erweiterungen und Ergänzungen. 
Ein allgemeines Interesse dürfte der Abguss des im Berliner Museum im 
Original vorhandenen Urvogels (Archaeopteryx Simensii) beanspruchen; 
auch die Geschiebesammlung aus hiesiger Gegend, vom Brothener Ufer 
und dem Boltenhagener Strande konnte durch manches interessante Stück 
bereichert werden. 

Die, hiesigen Tiefbohrungen entuommenen Bohrproben wurden um 
weitere drei vermehrt, welche von der Firma Charlotte Erasmi, dem 
städtischen Elektrizitätswerk und Herrn Strack-Travemünde freundlichst 
überlassen wurden. 

Besucht wurde das Museum im Jahre 1897 von 22 437 Personen, 
der besuchteste Tag war der zweite Pfingsttag mit 715 Personen. Die 
Durchschnittszahl des Sonntagsbesuches betrug 264. 

Die laufenden Ausgaben stellten sich wie folgt: 

1. Neuanschaffungen J€ 526,40 

2. Einrichtungskosten = 1014,16 

3. Ausstopfen 218,70 

4. Spiritus = 54,70 

5. Herbar = 69,40 

6. Fracht und Porti • 196,67 

7. Bücher, Zeitschriften, Buchbinder . -■ 673,70 



143 

8. Hülfeleistungen M 615,50 

9. Druckkosten -■ 234,52 

10. Diverses = 65,59 

11. Konservator = 1500, — 

JC 5169,34 

Fehlbetrag von 1896 ■- 14,98 

Jl 5184,24 

Denselben stehen au Einnahmen gegenüber: 
Beitrag der Gesellschaft zur Beförderung 

gemeinnütziger Thätigkeit . . . JC 5000, — 

Für Doubletten, Zinsen etc = 78,48 

JC 5078,48 

Der demnach sicli ergebende Fehlbetrag von jH.' 105,84 ward auf 
das Jahr 1898 hin übergenommen. 

An Stelle der aus dem Vorstande ausgeschiedenen Herren Chr. von 
Bernstorff und Privatier H. Hasse wurden die Herren Kaufmann C. A. 
Siemssen und Dr. med. M. Linde erwählt. Der Vorsitz übernahm Herr 
Dr. med. Struck. 



Verzeichnis der neuen Erwerbungen. 

A. Geschenke. 
Zoologische Abteilung. 

Von Herrn Herm. Vorkamp, Madagaskar: Ein Aye-Aye, ein Fossa, ein 
Ichneumon. 

Von Herrn Gerh. Reuter, Nossibe: Vier Glashäfen, enthaltend: Sieben 
Schlangen, sechs Eidechsen, ein Wels, ca. 30 Käfer, einige Gerad- 
flügler und andere Insekten, vier Raupen, diverse Tausendfüsser, zwei 
Kugelasseln, sieben Skorpione, diverse Spinnen und zwei Einsiedler- 
krebse. 

Vom Museum für Naturkunde, Berlin : Aus den deutschen Schutzgebieten 
146 Arten Käfer, 158 Arten Schmetterlinge, einige Reptilien, Fische, 
Krebse, Arachniden und Myriapoden. 

Von Herrn Kunstgärtner Gust. Hartwig: Elf Kasten mit Schmetterlingen. 

Von Herrn Maschinisten Stolterfoht: Schädel eines Dujong (Halicore 
dujong) von Zanzibar. 

Aus dem Nachlasse des Herrn Dr. Binder: Mehrere einheimische Reptilien, 
Versteinerungen und Mineralien der Umgegend und des Harzes, 
Missgeburten von Kälbern, Schafen und Enten, ein Bärenscbädel. 



144 

Von Herrn Kaufmann Ed. Tegtmej^er, hier: Mehrere Muscheln, Schwämme 

und Hornkorallen von Tunis. 
Von Herrn Tlr. Teschau, Deli (Sumatra) : Eine Anzahl Käfer, Gradflügler 

und einige Tausendfüsser. 
Von Herrn Lieutenant z. See Titus Türk: Ein grosser Heringshai (Lamna 

cornubica Gm.) aus der Nordsee. 
Von Herrn Dillner, Schlutup : Ein Brachvogel (Numenius arcuatus) und 

eine grosse Rohrdommel (Botaurus stellaris). 
Von Herrn Chr. Brandt, hier: Ein Hornissennest. 
Von Herrn Gust. Bück: Ein Schlangenkopf fisch (Ophiocephalus punctatus) 

Ostindien, (aus dem Aquarium.) 
Von Frau Dr. Nölting: 42 Kasten mit Käfern und einige entomologische 

Bücher. 
Von Herrn v. Minden: Fünf Badeschwämme aus der Adria von besonders 

interessanter Form. 
Von Herrn Th. Bück: Eine Schlange (Oxyrhopusimmaculatus) aus Caraccas 

(Südamerika). 
Von Herrn Höltke: Eine Boa (Python sebae) aus Kamerun. 
Von Herrn Dr. med. Struck: Mehrere Nester einheimischer Vögel, ein 

Hermelin, eine Seeschwalbe (Sterna angiica). 
Von Herrn Senator Herm. Eschenburg: Eier vom Auerhuhn und Birkhuhn. 
Von Herrn Fischer Jobs. Vollert: Ein Uferläufer (Actitis hypoleucos), an 

der Wakenitz geschossen. 
Von Hei-rn Th. Engelhard, hier: Eine Ringelnatter. 
Von Herrn Becker, Capstadt: Drei Nester mit Gelegen dortiger Vögel. 

Herbarium. 
Von Herrn Job. Georg Gust. Eschenburg, Yokohama: Ein Herbarium von 

1000 Arten japanischer Pflanzen. 
Von Herrn Oberlehrer Dr. Friedrich, hier: Eine Anzahl kritischer Pflanzen 

der Lübecker Flora. 

Mineralogisch-paläontologische Abteilung. 
Von Herrn Oberlehrer Schneermann, hier: Diatomeeuerde von Osterohde 

bei Eschede. 
Von Herrn Colliguon, hier: Bruchstück vom Unterkiefer eines Maimnuth 

aus Mexiko. 
Von Herrn Franz Stüve, hier: Eine Eisenniere. 

Von Herrn S. Cohn, hier: Zwölf verschiedene Thonsorten aus Boruholm. 
Von Herrn Rittei-gutsbesitzer Herm. Eckhoff auf Gr. Lüblow (Pommern) : Zwei 

Haifischzähne, ein Orthoceras, ein Belemnit aus dem blauen Thonmergel. 
Von Herrn Dr. Sonder, Oldesloe: Fischabdruck aus Berhn. 



145 

B. Durch Tausch erworben: 
Von Herrn G. Weymer, Elberfeld: Eine Anzahl südamerikanischer und 

indischer Schmetterhnge, mehrere Libellen aus Ostafrika. 
Von Herrn Prof. A. Fritsch, Prag: Eine Anzahl Steinkohlenpflanzen aus 

Böhmen. 

C. Angekauft wurden: 
Von Herrn C. Pohl, Hamburg: Eine Kollektion Vögel von der Insel 

Kalawang (Malay. Arch.) 
Von Herrn Dr. Ki-antz, Bonn: Ein Gypsabdruck vom Urvogel (Archaeop- 

terj^x Siemensii) aus Solenhofen. 
Von Herrn Dr. Verhoeff, Bonn: 39 Arten deutscher Myriapoden. 
Vom Botanischen Museum, Berhn: 200 Pflanzen, gesammelt von Zenker 

im Hinterlande von Kamerun. 



Die Bibliothek wurde durch folgende Werke vermehrt: 

1. Durch Geschenke: 
Von Herrn Dr. Ed. Hahn, hier: Berl. Entomol. Zeitschrift. 1887, 1894 
bis 1896. Sitzungsberichte d. Ges. naturforsch. Freunde in Berlin. 
Jahrg. 1888 — 1897. Correspondenzblatt der deutschen Anthropol. 
Gesellschaft. Jahrgang 1892—1897. 

2. Durch Schriftenaustausch: 

Berlin, Gesellschaft naturforschender Freunde: Sitzungsberichte. Jahrgang 
1896 bis 1897. 

Bonn, Naturhistorischer Verein für das Rheinland und Westfalen: Ver- 
handlungen. Jahrg. 53,2 und 54,1. 

Bonn, Niederrheinische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: Sitzungs- 
berichte 1896,2 und 1897,1. 

Bremen, Naturwissenschaftlicher Verein: Nichts eingegangen. 

Breslau, Schlesische Gesellschaft für vaterländische Kultur: 74. Jahresbericht 
mit Ergänzungshett 5. 

Dauzig, Naturforschende Gesellschaft, Schriften, N. F. Bd. 9. Heft 2. 1897. 

Dresden, Naturwissenschaftliche Gesellschaft „Isis": Sitzungsbericht und 
Abhandl. Jahrgang 1896, Juli bis Dezember. 1897, Januar bis Dezember. 

Frankfurt a./M., Senckenbergische naturforschende Gesellschaft; Bericht 
1897. 

Frankfurt a./O., Naturwissenschaftlicher Verein für den Regierungs-Bezirk 
Frankfurt: Helios. 15. Jahrg. 1898. Societatum Litterae. Jahrgang 
11,7—12,4 1898. 

10 



i 



146 

Greifs wald, Naturwissenschaftlicher Verein für Vorpommern und Rügen: 

Mitteilungen, 1.— 22. Jahrgang 1,S69— 1891. 
Hamburg, Naturhistorisches Museum: Mitteilungen, Heft XIV, 1897. 
Hamburg, Verein für naturw. Unterhaltung: Verhandl. Bd. IX. 1896. 
Hannover, Naturhist. Gesellschaft: Festschrift zrn- Feier des 100jährigen 

Bestehens (Geschichte und 44. — 47. Jaliresbericht) 1897. W. Brandes, 

Flora der Provinz Hannover, 1897. Provinzial- Museum: Kat. der 

Vogelsammlung der Prov. Hannovei', Kat. der syst. Vogelsammlung, 

Kat. der Säugetiere. 
Kassel, Verein für Naturkunde: Bericht 42, 1897. 

Königsberg, Physikal.-ökouom. Gesellschaft: Schriften, 38. Jahrg. 1897. 
Wien, K. K. Zoolog.-botan. Gesellschaft: Verhandlungen Bd. 4 7. 
Wien, K. K. Naturhist. Hofmuseum: Annalen Bd XH. 1 — 4. 
Triest, Museo civico di stoiia naturale: Flora di Trieste del Marchesetti 1897. 
Linz, Museum Francisco-Caroliuum. 55. Bd 1897. Bibl.-Kat 1897. 
Budapest, Publikationen des K. Ungar. Nationalmuseums: Vol. XX, 4. 

XXI, 1—2. 
Basel, Naturforschende Gesellschaft: Verhandl. Bd. XII, Heft 1. 1898. 
Zürich, Naturforschende Gesellschaft: Vierteljahrsschrift, Jahrg. 42 und 43, 

Heft 1. 
Genf, Societe Helvetique des Sciences naturelles: Compte rendu 1895,96 

Actes, 78. Sitzung. 79. Jahresversammlung 1896. 
Amsterdam, Koningl. Akademie von Wetenschapen: Zittiugsverslagen af 

d. Naturk. Deel V. Jahrg. 1897. 
Haarlem, Musee Teyler: Archives, Ser. IL Vol. V, 3 und 4, Vol. VI, 1. 
Edinburgh, Royal Society, Proceedings Vol. XXI. 
Stockholm, Königl. Schwed. Akademie d. Wissenschaften: Bihang, Abt. III 

und IV. Vol. 22, 1897. 
Upsala, Geoiogical Institution: von d. k. Univ.BibL; 27 div. Schriften und 

Jahresberichte. Bulletin Vol. III. P. L Nr, 5. P. IL Nr. 6. 
Tromsoe, Museum: Aarshefter 18. Aarsberetning, 1894. 
Riga, Naturforscher-Verein: Korrespondenzblatt 40. 
Boston, Amer. Academy of arts and sciences: Vol. XXXIL, 5 — 17, Vol 

XXXIIL, 1—12. 
Cambridge, Museum of comparative Zoology: Annual Report 1895,96; 

1896,97; Bulletin Vol. XXXI, 6 und 7; XXXII, 1—6; XXXIII, 4; 

xxxvni, 5. 

New- York, State Library: 48 Annual Report. 

Ncw-York, American Museum of Natural History. Central-Park: Annual 
Report XXVIII, 1896, Bulletin, Vol. IX, 1897. 



147 

Philadelphia, Academy of Datural Sciences: Proceedings 1896, 3. 1897, 1 — 3. 
Philadelphia, Waguer free Institute of Science: Transaction Vol. V, 1898. 
Washington, Smithsonian Institution: Report of the National-Museum 1894. 

Departement of Agricuiture: Yearbook 1897. 
Chicago, Academy of sciences. 39. Annual Report 1896. Bulletin Nr. 1. 

The Liehen flora. 
Buenos Aires, Museo national: Tom V. 1896/97. Memoria 1894 bis 1896. 
Montevideo, Anales del Museo Nacional: Anales VIII, 1898. 
Batavia, Kon. Naturkundige Vereeniguug in Nederlandsch ludie: Tijd- 

schrift, Deel 56, 1897. 58, 1898. 
Singapore, Dr. R. Hanitsch-Raffles Museum: Annual Report 1897. 
Sidney, Austrahan Museum: Records Vol. III, 2,3 1897. Meraoir III, 3— 6, 

1897. Report 1896. 
Sidney, Royal Society of N. S. W^ales: Journal and Proceedings Vol. XXX 

1896. 
Brisbane, Queensland Museum, Annals Nr. 4. 1897. 

3. Angekauft wurden: 
Kirby, Handbook of the order Lepidoptera Vol. V. London 1897. 
Delage A. Herouard: Zoologie concröte. Tom. I et IL Paris 1896 et 1897. 
Simon: Histoire naturelle des Araignees. Tom. IL Paris 1897. 
Fleischmann: Lehrbuch der Zoologie. Wiesbaden 1898. 
Eckstein: Forsthche Zoologie. 

Ritzema — Bos: Tierische Schädlinge und Nützlinge. Berlin 1891. 
Kiesewetter und Reibisch: Der Naturaliensammler. 
Martin: Taxidermie, 2. Auflage 1897. 
Verschiedene kleinere Schriften, insbesondere über Crustaceen undArachuiden. 

Die Fortsetzung von: 
Martini und Chemnitz, Conchylien-Cabinet. 
Nachrichtsblatt der deutschen Malakozoologischen Gesellschaft. 
Entomologische Nachrichten. 
Zoologische Jahrbücher. 
Zoologischer Anzeiger. 
Zoologisches Centralblatt. 
Bibliotheca zoologica. 
Berliner Entomologische Zeitschrift. 
Stettiner Entomologische Zeitung. 
Notes fr. the Leyden Museum. 



10* 



Verhandlungen der Geographischen Gesellschaft. 



CVI. Versammlung am 30. Oktober 1896. 

Vorsitzender Professor Sartori. 

1. Auf Antrag der Vorsteherschaft werden die Herreu Ausserordentlicher 
Gesandter und bevoUraächtigter Minister Dr. Klügmann in Berlin 
und Professor Frithjof Nansen in Godthab bei Lysaker (Norwegen) 
zu Ehrenmitgliedern der Gesellschaft ernannt. 

2. Einer an die Gesellschaft vom Verein für Lübeckische Geschichte 
und Altertumskunde ergangenen Aufforderung zur Beteiligung an der 
Bildung eines Ortsausschusses für die Anthropologenversammlung im 
August 1897 wird zugestimmt. 



CVII. Versammlung am 13. November 1896. 

Vorsitzender Professor Sartori. 

1. Aufgenommen ist Herr v. Haxthausen, Rittmeister z. D. 

2. Ausgetreten wegen Wegzuges sind die Herren Assessor Voigtel und 
Hauptmann von Trautmann. 

3. Dr. Paul Krüger, Professor der Topographie an der Universität 
St. Jago (Chile) wird zum korrespondierenden Mitgliede ernannt. 

4. An dem Ortsausschuss für den in Lübeck abzuhaltenden Anthropologen- 
kongress wei'den als Vertreter der Geographischen Gesellschaft die 
Herren Prof. Sartori, v. Sclireiber und Dr. Karutz sich beteiligen. 

5. Eingegangen ist u. a. eine Einladung zur Beteiligung an der Er- 
innerungsfeier für die Entdeckung des Seeweges nach Indien in 
Lissabon. 

6. Oberlehrer Dr. Schaper: Über Nordlichter. Von einem Hinweis auf 
die gemachten Beobachtungen ausgehend bespricht der Redner zuerst 
die Edlundsche Theorie, die Experimente von Edlund uud Hoppe, 



149 

dann die Theorie, welche die Nordhchter als Wirkungen Elektrischer 
Potential - Differenzen zwischen der Erdoberfläche undjden oberen 
Luftschichten betrachtet, schildert und begründet endlich die Paulsens- 
sche Theorie, welche das Polarlicht als Fluorescenzerscheinung ansieht, 
bei der die elektrischen Erscheinungen sekundär auftreten. 
Sodann spricht der Vorsitzende, Prof. Sartori, über den Sachsenwald. 



CVIII. Versammlung am 18. Dezember 1896. 

Vorsitzender Professor Sartori. 

1. Der Vorsitzende zeigt an, dass 

a. Konsul Pasedag gestorben und 

b. Werftdirektor Brinckmann wegen Wegzuges ausgeschieden 
sind, und 

c. Minister Dr. Klügmann in Berlin für seine Ernennung zum 
Ehrenmitgliede seinen Dank abgestattet habe. 

d. Desgleichen Herr Frithjof Nansen. 

2. Schreiben des Senates, nach welchem der Gesellschaft ein solches der 
Geographischen Gesellschaft in Lissabon zugestellt wird. Dieselbe 
erbittet geographische Daten über Lübeck. — Der Senat soll ersucht 
werden, angemessene Schriften und Werke, namentlich ein Exemplar 
der neuen Bearbeitung der Lübeckischen Topographie, zur Verfügung 
zu stellen 

3. Einladung zum Geographentage in Jena Ostern 1897. 

4. Navigationsschuldü'ektor Dr. Schulze: Über die Strömungen in der 
westlichen Ostsee. 

5. Dr. Lenz: Einfluss der Strömungen auf die Verbreitung der Tiere 
in der Ostsee. 



CIX. Versammlung am 22. Januar 1897. 

Vorsitzender Professor Sartori. 

1. Aufgenommen sind die Herren J. H. Paul und J. H. Heitmanu. 

2. Zu Revisoren der Jahresrechnung werden die Herren Professor Dr. 
Eschenburg und Konsul Krohn erwählt. 

3. Professor Aug. Sartori sprach über Bangkok , und legte eine grosse 
Zahl vortrefflicher Photographien dieser Stadt vor. Hieran schlössen 
sich Mitteilungen der Herren Bürgermeister Dr. Brehmer und Haupt- 
pastor Trümmer, (namentlich über Elefanten-Jagden) und Gaedertz sr. an. 



150 
CX. Versammlung am 26. Februar 1897. 

V^orsitzender Professor Sartori. 

1. Ausgetreten ist Herr Maurermeister Schildt. 

2. Für deu Tanganjika-Dampfer werden vom Kolonialausschusse und 
aus weiteren Beiträgen J€ 320 bewilligt. 

3. Eingegangen ist eine Aufforderung der Exposition internationale de 
Bruxelles zur Ausstellung von geologischen und geographischen Gegen- 
ständen, Modellen u. dgl. 

4. Oberlehrer Dr. Freund: Die kleinsten Staaten. 

ö. Derselbe. Die Änderung der Temperatur in historischen Zeiten. 
6. Professor Aug. Sartori: Eine Vulkanbesteigung. 



CXI. Versammlung am 9. April 1897. 

Vorsitzender Professor Sartori. 

1. Aufgenommen ist Herr R. H. A. Gösch, Kaufmann. 

2. Eingegangen sind: 

a. Aufforderung der Kamerun-Hinterland Gesellschaft zur Zeich- 
nung von Aktien und zur Teilnahme an ihren Bestrebungen. 

Da die Geographische Gesellschaft eine rein wissenschaftliche 
Vereinigung ist, wird die Aufforderung an den hiesigen Kolonial- 
verein überwiesen. 

b. Einladung zur Teilnahme an dem in der Osterwoche stattfin- 
denden Deutschen Geographentage. 

c. Einladung der Geographischen Sektion der Versammlung der 
deutschen Naturforscher und Ärzte in Brauuschweig (20. bis 
25. September 1897). 

3. Dr. Wetzke: Über Gellivara-Erze. 

4. Oberlehrer Dr. Freund: Über das Programm der bevorstehenden Ver- 
sammlung der Deutschen anthropologischen Gesellschaft. 

5. Professor Sartori: Über Kreta. 

6. Derselbe. Die Gründung von Wadjö. Ein malaiischer Roman. 



CXII. Versammlung am 14. Mai 1897. 

Vorsitzender Professor Sartori. 

1. Aufgenommen ist Landrichter Chr. N. W. A. Schmedes. 

2. Eingegangen sind die Einladungen zu dem am 2. bis 5. August dieses 
Jahres in Lübeck stattfindenden deutschen Anthropologen-Kongress, 
sowie zum Internationalen Kongress in Brüssel. 

3. Vortrag des Herrn Oberlehrer Schneermann über Nordformosa. 

4. Vortrag des Herrn Dr. Lenz über die Auster. 



151 
CXIII. Versammlung am 12. November 1897. 

Vorsitzender Professor Sartori. 

1. Aus der Gesellschaft ausgeschiedeii ist wegen Wegzuges Herr K. Pfuhl. 

2. Aufgenommen sind die Herren J. Ch. G. Boye, Kaufmann, und 
J. Werner, Tierarzt. 

3. Durch den Tod hinweggenommen sind Herr Zimmermeister Rittscher 
und unser Ehrenmitglied, Herr Professor Dr. Schering in Göttingen 
Zu seiner Bestattung wurde ein Trauerkranz dahin abgesendet. 

4. Von Herrn Dr. Krüger in Santiago, Chile, ist der Dank für seine 
Ernennung zum korrespondierenden Mitgliede unserer Gesellschaft 
eingegangen. 

5. Vortrag des Herrn Dr. med. Karutz über die von ihm in Augen- 
schein genommenen ethnographischen Sammlungen in Bordeaux, 
Paris und Bremen, und die Lehren, welche sich für ihn daraus 
über die, unter unserer Aufsicht stehende Ethnographische Sammlung 
im Museumsgebäude ergeben hätten- — Die an diesen Vortrag sich 
anschliessende Besprechung führte zu der Ansicht, dass die Anstellung 
eines eigenen Konservators bei der erwähnten Sammlung in hohem 
Grade zu wünschen sei. 

6. Vortrag des Herrn Oberlehrer Dr. Schaper: Über das neue meteoro- 
logisch-magnetische Observatorium in Potsdam. 



CXIV. Versammlung am 17. Dezember 1897. 

Vorsitzender Professor öartori. 

1. Vorgelegt wurde eine Mitteilung und Aufforderung der Geographischen 
Gesellschaft in Berlin zur Beteiligung am VII. Internationalen Geo- 
graphen-Kongress, und Benenuung eines Vertreters unserer Gesellschaft 
in dem Komitee, welches die vorbereitenden Geschäfte zu über- 
nehmen hat. 

2. Vortrag des Herrn Dr. med. Pauli über seine kürzlich gemachte 
Reise nach Moskau, Petersburg und Finland. 



CXV. Versammlung am 14. Januar 1898. 

Vorsitzender Professor Sartori. 
Auf Antrag des Vorstandes wird Herr Dr. phil. Ed. Hahn in Berlin 
zum korrespondierenden Mitgliede ernannt und mit der Vertretung 
unserer Gesellschaft beim VII. internationalen Geographentage beauf- 
tragt. 



152 

Ausgeschieden ist Herr Arcliitekt Schildt. 

Eingetreten ist Dr. med. R. Nöhring, praktischer Arzt. 

Als Gast anwesend ist der Nordpolfahrer, Herr Kapitän Bade. 

2. Vortrag des Herrn Oberlehrer Schneermann über die Wilden in 
Nordformosa, Anschlüsse an früher gemachte Mitteilungen. 

3. Dr. phil. Ed. Hahn spricht über die neuesten Entdeckungen zur 
ältesten Urgeschichte Egyptens. 

4. Vortrag des Herrn Meyer-Tranbjerg über eine Reise in Kleinasien. 



CXVI. Versammlung am 18. Februar 1898. 

V'orsitzender Professor Sartori. 

1. Ausser anderen geschäftlichen Mitteilungen wird angezeigt, dass ein 
Glückwunsch an die Geographische Gesellschaft in Halle zu ihrem 
25] ährigen Jubiläum abgegangen ist. 

Aufgenommen ist Oberlehrer Heberle. 

2. Vortrag des Herrn Gaedertz sr.: Geographische Betrachtungen in 
Hinsicht auf die geographische Lage Lübecks. — (Diese Abhandlung 
ist durch den Druck vervielfältigt worden). 

3. Mitteilungen des Oberlehrers Dr. Seh aper über das Brockenobser- 
vatorium. Derselbe wird beauftragt, der Geographischen Gesellschaft 
in Hamburg die Glückwünsche unserer Gesellschaft zuihi-em 25jährigeu 
Bestehen persönlich zu überbringen. 



CXVII. Versammlung am II. März 1898. 

Vorsitzender Oberlehrer Dr. Schaper. 
Professor Dr. Deecke in Greifswald hält einen Vortrag über den 
Kaukasus. 



CXVIII. Versammlung am I. April 1898. 

Vorsitzender Professor Sartori. 
Eingänge : 

a. Dankschreiben der Geographischen Gesellschaft in Halle für 
den ihr übersandten Glückwunsch zu ihrem 25jährigen Bestehen. 

b. Einladung zur Naturforscherversammlung in Düsseldorf. 

c. Von einem Freunde der Wissenschaft in Hamburg ist ein 
Beitrag von j1€ 600 für die Weiterführung unserer, von Ober- 
lehrer Dr. Schaper geleiteten Erdmagnetischen Station angeboten 
worden Dieselbe ist in ihrem Bestehen durch die in der Nähe 



153 

entstandenen Strassenbahnlinien bedroht und muss verlegt werden 
wenn sich ein passender Platz findet. 

Bemerkung. Leider hat dies nicht gelingen wollen und 
die Station hat ihre Arbeiten vorläufig ganz aufgeben müssen. 

2. Vortrag des Gymnasial-Oberlehrers Heberle über die Battas (Battaks) 
nach Berichten von Fräulein Buchholz unter Vorlegung und Er- 
läuterung von zahlreichen Photographien. 

3. Dr. Lenz spricht über die San- Jose-Schildlaus unter Vorlegung von 
Exemplaren. 

CXIX. Versammlung am 10. Juni 1898. 

Vorsitzeniier Professor Sartori. 

1. Aufgenommen ist Th. Lange, Privatmann. 

2. Satzungsgemäss scheidet Oberlelu'er Dr. Schaper aus dem Vorstande, 
wird aber einstimmig wieder gewählt. 

3. Aufgenommen wird Dr. Mollwo, Sekretär der Handelskammer. 

4. Oberlehrer Schneermann hält einen Vortrag über die Falklandinseln. 

5. Oberlehrer Dr. Schaper macht Mitteilungen über die Alpen (Dolo- 
miten) nach eigenen Anschauungen. 



CXX. Versammlung am 25. November 1898. 

Vorsitzender Professor Sartori. 
Oberlehrer Dr. Schaper verlässt Lübeck, um einer Berufung als 
Direktor des Realgymnasiums in Meiningen zu folgen. Zum Nach- 
folger im Vorstande wird Gymnasial-Oberlehrer Schneermann erwählt. 
Au.fgenommen ist Kaufmann Kohrs. 

B. Peters macht Mitteilungen über Tibet nach den Mitteilungen des 
Amerikaners Rockhill, welcher den Versuch machte, von China aus 
in Tibet einzudringen, aber umkehren musste, ehe er Lassa erreicht 
hatte, ferner über die Schwaben im Kaukasus und über New- Yorker 
Zustände. Professor Aug. Sartori machte dazu einige Bemerkungen 
über Indische Philosophie und Navigationsschul- Direktor Dr. Schulze 
berichtete über seine jüngst nach New-York gemachte Reise und 
besonders über die Niagara-Fälle. 



CXXi. Versammlung am 20. Januar 1899. 

Vorsitzender Professor Sartori. 

1. Ausgetreten ist Plerr Mühsam. 

2. Aufgenommen wurden Kaufmann Adolf Messtorfi und Rechtsanwalt 
K. F. Weyrowitz. 



154 

3. Wegen seiner grossen Verdienste um die Geographische Gesellschaft 
wird Herr Direktor Dr. Schaper in Meiningen zu ihrem Ehrenmitgiiede 
ernannt. 

4. Herr Prof. Dr. Deecke in Greifswald, korrespondierendes Mitglied der 
Geographischen Gesellschaft, hat ein Exemplar seines grossen Werkes 
, Italien" als Geschenk überreicht. 

5. Der Vorsitzende macht Mitteilungen über Leuchtfeuer. Nach dem 
berühmten Pharus in Alexandrien soll das erste bei Livorno errichtet 
sein. Die Hansa errichtete schon zwischen 1212 und 1220 ein solches 
bei Ealsterbo, dann folgte Travemünde 1246. 

6. Vortrag von Dr. Lenz über lebende und ausgestorbene Laufvögel.*) 
Redner wies zunächst auf den Gegensatz zwischen Laufvögeln und 
allen übrigen Vögeln hinsichtlich ihres Körperbaues und ihrer Be- 
fiederung hin, wobei die letztere als Dunenkleid geschildert wurde. 
Als Aufenthaltsort seien nur grosse Ebeneu denkbar; wo solche 
nicht vorhanden seien, wäre frühes Aussterben oder Ausgerottetwerden 
unvermeidlich. Als Beispiele wurden die Riesenvögel Neuseelands 
und Madagaskars und die Dronte von Mauritius angeführt und 
Teile oder Nachbildungen dieser Vögel vorgezeigt. Als dem Aus- 
sterben nahe werden Kiwi oder Schnepfenstrauss und Kasuar bezeichnet; 
ihnen schloss sich das Emu Neu -Hollands, der Pampasstrauss Süd- 
amerikas und der afrikanische Strauss an. Den Schluss des Vor- 
trages bildete der Hinweis auf die Rentabilität einer Straussenzucht 
in Deutsch- Ostafrika. 

7. Dr. med. Karutz wies in seinem Vortrage über die Spanischen Stier- 
kämpfe auf die verschiedene Beurteilung und die abweichenden Dar- 
stellungen der Stiergefechte hin, die eine Besprechung von Seiten 
eines Augenzeugen immer noch interessant genug erscheinen lassen. 
Die verschiedenen Ansichten, welche über den Ursprung der Stier- 
kämpfe herrschten, werden erwähnt und darauf ein kurzer Abriss 
ihrer Geschichte gegeben, die bis in das elfte Jahrhundert zurück- 
reicht. Bis in das achtzehnte waren es sportartig betriebene Ritter- 
spiele, seitdem gewerbmässig aufgeführte Schauspiele für den Mata- 
dorenkünstler. 18.30 sollte eine tauromachische Hochschule gegründet 
werden. Heute kann man dreierlei Arten der Stiergefechte unter- 
scheiden, das portugiesische, die Corilladen (?) und die eigentHche 
Corrida. Bei der ersten werden die Stiere, deren Hörner gedeckt sind 



®) Einem in der Gesellschaft ausgesprochenen Wunsche zufolge werden die 
Redner ersucht werden, eine Inhaltsangabe ihrer Vorträge für die „Mitteilungen" ein- 
zureichen. 



155 

und den Pferden nicht gefährlich werden können, niclit getötet, sondern 
nur zu blinder Wut gereizt. Die Novillas sind das Liebhabertheater, die 
Dilettantenbühne unter den Stiergefechten, denn der Stier wird durch 
eine Ochsenheerde wieder aus der Arena herausgeführt. Die heutige 
Corrida ist nichts als ein nationales Fest der Spanier, ja sie hat sich 
schon den Süden Frankreichs erobert. Die Stiergefechte in Bayonne 
unterscheiden sich in Nichts von denjenigen jenseits der ßidassoa. 
Der Vortragende beschreibt dann eingehend den Verlauf einer Corrida, 
deren erster, die Picas, derjenige Teil ist, welcher das Odium auf das 
Gefecht geworfen hat Vieles an ihnen wird von Fremden übertrieben, 
oder missverstanden, ein verrohender Einfluss auf den Volkscharakter 
darf nicht zugestanden werden. Das Publikum ist viel zu sehr mit dem 
Fortgange des Kampfes, mit den Leistungen der Teilnehmer beschäftigt, 
um sich in raffinierter Grausamkeit an den Leiden der Pferde zu 
weiden. Auch sieht man in ihrem Opfer nur das Mittel, den Stier 
zu ermüden und für den Espada gefahrloser zu machen. Dabei soll 
dieser Teil des Schauspiels keineswegs entschuldigt, das Peinliche 
seines Anblicks nicht verheimlicht werden. Im Übrigen bietet aber das 
Stiergefecht eine Fülle interessanter, feiner und anregender Details, 
die seinen Besuch auch für den Fremden lohnen, und die durchaus 
nicht nur Empfindungen des Ekels und der Abscheu in ihm erwecken, 
wie von sehr vielen Reiseschriftstellern behauptet sind. 



Mitölieder-Yerzeichnis. 



Vorstand. 

Sartori, Aug., Professor am Katharineum, Vorsitzender. 

Schneermann, Karl Konrad Joseph, Oberlehrer am Katharineum, Stellvertreter 
des Vorsitzenden. 

Saiiermann, F. C, Kaufmann, Kassenführer. 

Schreiber, v., S., Rentier. 

Lenz, H. W. Ch., Dr. phil., Lehrer an der Realschule, Konservator des Natur- 
historischen Museums. 

Freund, K. G. H, Dr. phil, Olaerlehrer, Schriftführer. 

Koschitzky, v., Major z, D. 

Ehrenmitglieder. 

Neumayer, Professor, Dr. phil., Wirklicher Geh. Admiralitätsrat, Direktor der 

Seewarte in Hamburg. 
Krauel, Richard, Dr. jur.. .Gesandter des Deutschen Reichs a. D. in Freiburg 

im Breisgau. 
Förster, Wilh., Dr. phil., Geh. Regierungsrat, Professor, Direktor der Kgl. 

Sternwarte in Berlin. 
Nansen, Frithjof, Godhab bei Lysaker, Norwegen. 
Dr. Klügmann, Ausserordenthcher Gesandter und bevollmächtigter Minister 

der Hansestädte, Berlin. 

Korrespondierende iVlitgiieder. 

Pauli, Gustav, Privatmann, Berlin. 

Mechoiv, von. Major a. D., Ritter, Strassburg. 

Münzenberger, Adolf, General-Superintendent der Gorallitos-Kompagnie, Coral- 

litos, Chihuahua, Mexiko. 
Wissmann, v., H., Major. 

Kiepert, Eich-, Dr. phil., Redaktor des Globus, Berlin. 
Deecke, Wilhelm, Dr. phil., Ausserordentlicher Professor an der Universität 

Greifswald. 
Ave-Lallemant, Hermann, Professor an der Universität San Luis, Argentinien. 
Krüger, Paul, Dr. phil., Professor an der Universität Santiago, Chile. 
Hahn, Eduard, Dr. phil., Berlin. 

Hiesige IVütglieder. 

Baethcke, Ludivig Hermann, Dr. phil,, seit 1882. 
Beim, Carlos, seit 1891. 
Behncke, Heinrich Leo, seit 1882. 
Behrens, Heinrich, seit 1882. 



157 



Bertling, Heinrich Friedrich, Senator. 

BödeJcer, Ediiard Heinrich, seit 1892. 

Born, Hermann, seit 1880. 

Boy, Hermann August Friedrich Josef, seit 1893. 

Boye, Johannes Christian Gottfried, seit 1897. 

Brattström, Karl Alfred, Senator, seit 1892. 

Brecht, Ernst Walter, seit 1882. 

Brehmer, Wilhelm, Dr. jur., Senator. 

Brehmer, August, seit 1882. 

BrockmöUer, Heinrich Johann Julius, seit 1892. 

Brüggen. Heinrich Joachim, seit 1894. 

Buch, Heinrich Theodor, seit 1882. 

Burmester, Johannes Jakob, seit 1883. 

Carstens, Ernst Heinrich Karl, seit 1883. 

Carstens, Casimir, seit 1893. 

Cohn, Salomon Lazarus, seit 1892. 

Coleman, Charles, seit 1887. 

Bade, Heinrich, Dr. med., seit 1889. 

DeecJce, Johannes Herm.ann Adolf, Senator, seit 1884. 

Diestel, Johannes Franz Paul, seit 1885. 

Erasmi, Adolf, seit 1882. 

Erasmi, Heinrich Christian Theodor, seit 1887. 

Eschenburg, Bernhard Friedrich, Dr. phil, seit 1882. 

Eschenburg, Johann Hermann, Senator, seit 1891. 

Faber, Otto Ludwig, seit 1888. 

Fehling. Emil Ferdinand, Dr. jur., Senator, seit 1884. 

Fehling, Hermann Wilhelm, seit 1882. 

Freund, Karl Gottfried Heinrich, Dr. phil., seit 1885. 

Gaedertz, Paul Maximilian, seit 1896. 

Gaedertz, Heinrich, seit 1882. 

Gagzoiv. Richard, Dr. med. 

Geise, Otto Karl Gustav, Dr. phil., Senatssekretär, seit 1899. 

Genzken, Wilhelm Hermann August, Dr. phil, seit 1883. 

Görtz, Heinrich Adolf, Dr. jmv, seit 1883. 

Gösch, Heinrich Rudolf, seit 1897. 

Haack, Heinrich Matthias, seit 1892. 

Hach, Arnold Heinrich Theodor, Dr. jur., seit 1889. 

Hahn, Julius Hermann, seit 1892. 

Hamann, Johann Heinrich Wilhelm, seit 1896. 

Hammerich, Adolf Johann Karl, Dr. med., seit 1882. 

Härtung, Karl, seit 1884. 

Hartwig, Karl Gustav, seit 1895. • 

Hartwig, Friedrich Heinrich Johannes, seit 1885. 

Hausberg, Heinrich, Dr. phil., seit 1883. 

Haxthausen, v., Otto, seit 1896. 

Heberle, Karl Wilhelm Otto, seit 1898. 

Heitmann, Johannes Adolf, seit 1883. 

Heitmann, Joachim Heinrich, seit 1897. 

Heyke, Wilhelm Heinrich, seit 1882. 

Ho ff mann, Paul Moritz, seit 1882. 

Hoppenstedt, Karl Ernst August Ludwig, seit 1891. 

Jänisch, Edmund, seit 1885. 



158 

Karutz, Heinrich Ludwig Matthias Richard, Dr. med., seit 1896. 

Kermer, Gustav Bodo, seit 1883. 

Klug, Heinrich, Dr. jnr., Bürgermeister, seit 1882. 

Kocli, Adolf Ferdinand, seit 1891. 

Kohrs, Wilhelm, seit 1898. 

Koschitzlcy, von, Max Friedrich Franz Edgar Bogislav, seit 1889. 

Krohn, Karl Heinrich August, seit 1882. 

Küstermann, Friedrich Hermann, Dr phiL, seit 1882. 

Lange, Hermann, seit 1882 

Lenz, Heinrich Christian Wilhelm, Dr. pliil., seit 1882. 

Linau, Kay, Dr. jur., seit 1895. 

Linde, Friedrich August Hermann, seit 1882. 

Lilbcke, Robert, seit 1887. 

Marty, Wilhelm, seit 1884. 

Merkus, Johann Kaspar Wilhelm, Dr. jur., seit 1892. 

Mertens, Christian Adolf Eduard, seit 1883. 

Mestorff, Peter Johann Adolf, Kaufmann, seit 1899. 

Meyer-Tranbjerg, Theodor Amandas, seit 1891. 

Mollwo, Ludiuig Wilhelm Heinrich, seit 1882. 

Mollivo, Karl, Dr. phil., seit 1898. 

Mueller, Friedrich Emil, Dr. med., seit 1899. 

Müller, Ernst Ludwig Julius, Dr. ptiil, seit 1882. 

Nachtivey, Heinrich Johannes Friedrich, seit 1892. 

Neumann, Johann Martin Andreas, Dr. jur,, seit 1894. 

Noering, Alfred Georg, Dr med., seit 1899. 

Nöhring, Johannes Heinrich Franz, seit 1885. 

Nöhring, Richard, Dr. med, seit 1897. 

Ohlsen, Simon Heinrich Gottfried, seit 1884. 

Otte, Hermann Peter Karl, seit 1883. 

Pabst, Gustav, Dr. jur., seit 1882. 

Paul, Hermann Julius, seit 1897. 

Pauli, Anton Philipp, Dr. med., seit 1883. 

Peters, -Berthold Adolf August, seit 1893. 

Pf äff, Karl August, seit 1890. 

Pflüg, Georg Theodor Ludwig, seit 1882. 

Pierstor ff, Theodor, seit 1883. 

Plessing, Karl Tlieodor, seit 1886. 

Possehl, Johann Ludwig Emil, seit 1883. 

Rahtgens, Johann Nikolaus Hinrich, seit 1882. 

Rahtgens, Karl Gottfried Lucian, seit 1892. 

Rehder, James, seit 1884. 

Rehder, Peter, seit 1885. 

Rehtivisch, Julius Friedrich, seit 1895. 

Reimann, Gustav Adolf, Dr. phiL, seit 1882. 

Reimpell, Georg, Kaufmann, seit 1896. 

Rose, Adolf, seit 1885. 

Rose, Johann Adolf, Dr. med., seit 1882. 

Sack, Theodor Karl Gustav, Dr. phil, seit 1899. 

Sartori, August Heinrich Andreas, seit 1882. 

Sartori, Heinrich Friedrich Theodor, seit 1882. 

Sauermann, Friedrich Karl, seit 1886. 

Scharff, Heinrich Gustav, seit 1887. 



159 



Schar ff, Karl, seit 1895. 

Schmedes, Chrifttian Nicolais Wilhelm Adolf, seit 1897, 

Schmidt, Oustav Ludwig Julius, seit 1883. 

Schmidt, Max, seit 1885. 

Schneermann, Karl Konrad Joseph, seit 1890. 

Schorer, Theodor, seit 1883. 

Schreiber, von, Sigismitnd, seit 1883. 

Schröder, Karl Nikolaus, seit 1896. 

Schultz, Heinrich Josef Georg August, seit 1883. 

Schulze, Franz Louis Karl, Dr. phil., seit 1886. 

Schutt, Heinrich Gotthard Ludivig, seit 1883. 

Siemssen, Christian August, seit 1883. 

Sönnichsen, Peter Wilhelm, seit 1886. 

Steffen, Jacob Hinrich, seit 1893. 

Stolterfoht, Gottlieb Nikolaus, seit 1887. 

Trummer, Ludwig Adolf, seit 1893. 

üter, Friedrich Cliristian Wilhelm, Dr med, seit 1896. 

Veers, Johann Heinrich, seit 1890. 

Vermehren, Julius, Dr. jur., seit 1885. 

Warncke, Hermann, seit 1884. 

Wattenberg, Oskar, Dr. med., seit 1892. 

Weidmann, Konrad, seit 1892. 

Wengenroth, Wilhelm Theodor, seit 1893. 

Werner, Gustav Ferdinand, seit 1882. 

Werner, Johannes Karl, seit 1897. 

Weyrowitz, Karl Johann, seit 1885. 

Weyroivitz, Karl, Rechtsanwalt, seit 1899. 

Wodick, Edmund, seit 1893. 

Wolpmann, Emil August Wilhelm, Senator, seit 1893. 

Zillich, Johannes, Dr. phil, seit 1884. 



YerzeicliDis der Gesellscliaften, Vereint!, Redaktionen, 

mit denen die Geograpiiische Gesellschaft in Lübeck im Sciiriftenaustausch steht. 



Afrika, Monatsschrift des Evangelischen Afrika-Vereins. 
Bautzen, Naturwissenschaftliche Gesellschaft Isis. 
Berlin, Gesellschaft für Erdkunde. 

— Zentralverein für Handelsgeographie und Förderung deutscher Inter- 

essen im Auslande. 

— Deutsche Kolonialgesellschaft. 

Bonn, Naturhistorischer Verein für Rheinland und Westfalen. 

— Niederrheinische Gesellschaft. 
Bremen, Geographische Gesellschaft. 

Chemnitz, Kgl Sächsisches Meteorologisches Institut. 

Dresden, Verein für Erdkunde. 

Elberfeld, Naturwissenschaftlicher Verein. 

Frankfurt a. M., Verein für Geographie und Statistik. 

Freiberg i. S , Geographischer A-^erein. 

Giessen, Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. 

Greifswald, Geographische Gesellschaft. 

Halle a. S., Verein für Erdkunde. 

— Kaiserlich Leopoldinisch- Carolinische Deutsche Akademie der 

Naturforscher. 
Hamburg, Geographische Gesellschaft. 
Hannover, Geographische Gesellschaft. 
Jena, Geographische Gesellschaft in Thüringen. 
Kassel, Verein für Naturkunde. 
Karlsruhe, Badische Geographische Gesellschaft. 
Kiel, Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig-Holstein. 
Königsberg, Geographische Gesellschaft. 
Leipzig, Verein für Erdkunde. 

— Museum für Völkerkunde. 
Metz, Verein für Erdkunde. 
München, Gesellschaft für Erdkunde. 
Osnabrück, Naturwissenschaftlicher Verein. 

Stettin, Verein zur Förderung überseeischer Handelsbeziehungen. 
Stuttgart, Württembergischer Verein für Handelsgeographie und Förderung 

deutscher Interessen im Auslande. 
Zentralkommission für wissenschaftliche Landeskunde von Deutschland. 



161 

Zwickau, Verein für Natm-kunde. 
Wien, Geographische Gesellschaft. 

— K. K. Geologische Reichsanstalt. 

— K. K. Naturhistorisches Hofmuseum. 

— Verein der Geographen an der Universität Wien. 

— K. K. Militärgeographisches Institut. 
Linz a. D., Museum Franeisco-Karohnum. 
Herrmannstadt, Siebenhürger-Karpathen verein. 

Äaraxi, Mittelschweizerische Geographisch-Kommerzielle Gesellschaft. 
Bern, Geographische Gesellschaft. 

— Schweizerische Naturforschende Gesellschaft. 

— Naturforschende Gesellschaft von Bern. 
Neuchätel, Societe Neuchateloise de Geographie. 
Oenf, Societe de Geographie. 

Leiden, Nederlandsch Aardrijskundig Genootschap. 
Stockholm, Svenska Sällskapet för Antropologi och Geografi. 

— Svensca Turist vorenigung. 

Upsala, Universität. 
Bergen, Redaktion der Zeitschrift „Naturen." 

— Bergens Museum. 
Stavanger, Museum. 

8t. Petersburg, K. Russische Geographische Gesellschaft. 
Kasan, Societe des naturalistes de l'Universite. 
Helsingfors, Sällskapet för Finlands Geografi. 

— Geografi ska Föreningen. 

— Societas pro Fauna et Flora Fennica. 

Moskau, Geographische Sektion der K. Gesellschaft von Freunden der Natur- 
wissenschaften. 
Paris, Societe de Geographie commerciale. 

— Societe de Geographie. 

— Societe Academique Indo-Chinoise de France. 

— Le Tour du Monde. 

— Revue Geographique Internationale. 
Bordeaux, Societe de Geographie commerciale. 
Havre, Societe de Geographie commerciale. 
Pochefort sur Mer, Societe de Geographie. 
Tours, Societe de Geographie 

Manchester, Geographical Society. 
Edinhurg, Roj^al Geographical Society. 
Brüssel, Societe royale beige de Geographie. 

— Neue Universität. 
Lüttich, Societe d'Histoke et de Geographie de l'Universite de Liege. 
Pom, Specola Vaticana. 
Neapel, L'Oriente. 

Florenz, Afrikanische Gesellschaft von Italien, Sektion Florenz. 
Lissabon, Sociedade de Geographia. 
Washington, Smithsonian Institution. 

— American Colonisation Society. 

Sctn Francisco, Geographical Society of California. 
New-York, American Geographical Society. 

— Journal of School Geography. 
Philadelphia, Geographical Club. 

11 



162 

Madison, Wisconsin, Historische Gesellschaft. 

— Aeademy of Sciences, Arts and Letters. 
Chicago, Universität. 

Santiago. Chile, Deutscher wissenschaftlicher Verein. 
San Jose, Costarica, Institute Meteorologico Nacional. 

— Instituto Fisico-Geografico Nacional. 

San Salvador, C. A. Observatorio Meteorologico y Astronömico. 

Guatemala, Sociedad Guatemalteca de Ciencias. 

Tacnbaya, Mexico, Observatorio Astronömico Nacional. 

XalajKi, Observatorio Meteorologico. 

Rio de Janeiro, Brasilien, Sociedade de Geographia. 

San Paolo, Brasilien, Commissäo Geographica e Geologica. 

Buenos Aires, Instituto Geogräfico Argentino. 

Cordoba, Argentinien, Academia Nacional de Ciencias. 

La Plata, Argentinien, Statistische Nationaldirektion für den Staat Buenos 

Aires. 
Lima, Peru, Sociedad Geografica. 
Brisbane, Queensland, Brauch of the Royal Geographical Society of Australia. 



Yerzeiclmis der eingegangenen Schriften, Gescheniie u. s. w. 



Schriften. 

Prof. Dr. Supan in Gotlia: Über unbeliannte Polargebiete. 

Prof. Dr. Deecke in Greifswald; Über sizilianiselie Schlammvnlliane. 

Bibliothek der Länderkunde. Dritter und \'ierter Band. Italien. — Von Prof. 

Dr. W. Deecke. 
Dr. Paul Krüger, Valparaiso. Reisepläne zur Erforschung von Westpatagonien. 
Blumenthal, Eisenbahn Betriebsdirektor a. D.: Verschiedene ältere Karten ^-on 

Europa und Deutschland. 



Durch Abonnement werden erworben: 

Petermann's Mitteilungen 

Globus. 

Deutscher und Österreichischer Alpenverein. Mitteilungen. 

Hefs Zeitschrift. 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie. 
Mouvement Geographique. 
Zeitschrift für Binnenschiffahrt. 



Abgeschlossen den IG. März 1899. 



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Druckerei von H. G. Eahtgens in Lübeck. 



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Mitteilungen 



der 



Geographischen Gesellschaft 



und des 



Naturhistorischen Museums 



ft 



LÜBECK. 



Heransgegol.)cn 

Redaktions- Ausseh US s. 



Zweite Reihe. 

Heft 14. 



Lübeck, 

Lübeke cS: Nöhrini 

1900. 



Mitteilungen 



der 



GeograpMsclien Gesellschaft 



und des 



Naturhistorischen l^useums 



LÜBECK. 



Herausgegeben 
vom 

Redaktions-Ausschuss. 



Zweite Reihe. 

Heft 14. 



Lübeck. 

Lübeke & Nöhi 
1900. 



Inhaltsverzeichnis. 



Otto Ranke. Die Brombeeren der Umgegend von Lübeck . . . S. 1. 

Dr. P. Friedrich. Nachträge zur Flora von Lübeck = 29. 

Derselbe. Litteratur zur Landes- und Volkskunde des Lübeckischen 

Staatsgebietes. 3. Bericht (für die Jahre 1893—1900) . = 39. 

Dr. Karutz. Aus dem Lande der Basken = 65. 

Major z. D. von Koschitzky. Die Käfer Lübecks «83. 

Jahresberichte der Geograiohischen Gesellschaft 1898. 1899 ... = 92. 

des Naturhistorischen Museums 1898. 1899 ... =95. 

des Museums für Völkerkunde 1898. 1899 . . . = 112. 

Verhandlungen der Geographischen Gesellschaft vom März 1899 bis 

Mai 1900 = 129. 

Mitgliederverzeichnis = 160. 

Verzeichnis der Gesellschaften, Vereine, Redaktionen, mit denen die 
Geographische Gesellschaft in Lübeck im Schriftenaus- 
tausch steht = 164. 

Verzeichnis der als Geschenke eingegangenen Schriften u. s. w. . . = 167. 



— loei— 



Die Brombeeren der Umgegend von Lübeck. 

Von Otto Ranke, stud. med. 



Unter den sogenannten plastischen Arten, d. li. solchen, welche durch 
Einfluss der klimatischen und Bodenverhältnisse funktionelle Veränderungen 
erleiden, sind die Brombeeren ganz besonders zu nennen. Der Unterschied 
der Sonnenpflanzen — mit kurzen, kompakten Gliedern, sehmaleren, oft 
gefalteten odei' lederartigen Blättern mit stärker filziger, grauer oder weisser 
Unterseite, mit stärker entwickelten Dornen und Drüsen, dunkler gefärbten 
Griffeln (bei R rhombifolius, chloroscarj'thros, pallidus, nemorosus u. a.) — 
von den Schattenpflanzen — mit gestreckten Gliedern, oft nur vereinzelten 
Stacheln, grossen, flachen, schlaffen, unterseits grünen, oft ganz kahlen 
Blättern, der schwächeren und spärlicheren Trichombildung an beiden 
Achsen und den lebhafter gefärbten Blüten (besonders auffallend bei R. 
macrophyllus, Sprengelii und chloroscarythros) — und die den oben 
angeführten oft sehr ähnlichen Unterschiede, welche durch feuchten oder 
trockenen Standort hervorgerufen werden, sind bei den meisten Arten sehr 
ausgesprochen. Dieses Moment, mehr aber noch der Umstand, dass die 
oft nahe mit einander verwandten Arten zur Bildung von Hybriden neigen, 
welche im Laufe der Zeit zum Teil — durch Rückkreuzung? — zu 
samenbeständigen Arten werden, ja, dass Rubus caesius sogar nach neuerer 
Anschauung durch eine hervorragend liederliche Aufführung eine ganze 
ursprünglich hybride Gruppe von Brombeeren (die Corylifolier) erzeugt 
hat: diese Umstände haben die Brombeeren von jeher als „schlechte Arten" 
charakterisiert und bei den Botanikern, welche nichts Höheres, als die von 
ihnen der Natur beigelegte Gesetzmässigkeit kannten, in argen Verruf 
gebracht. So ist es erklärlich, dass erst unser Jahrhundert in seiner Neigung 
zur Spezialistik die Rubusarten genauer erforscht hat. 

Das Studium der europäischen Brombeeren, das im Laufe der Jahr- 
zehnte neben vielem Verdrehten manches Interessante zutage gefördert 
hat, geht aus von der Frage nach dem Artbegriff; ihr verdankt das erste, 
grundlegende Werk auf diesem Gebiete, verdanken die „Rubi Germanici" 

1 



von A. Weibe uDd Ch. G. Nees von Esenbeck ibre Entstehung. Die Rubi 
Germanici wurden in einer Zeit herausgegeben (1822 — 1827), wo die 
Theorie der ontogenetiscben Metamorphose der Pflanze, von C. Fr. Wolf in 
seiner „Theoria generationis" zuerst aufgestellt (1759) und von Goethe 
phantastisch ausgebaut und weitereu Kreisen mitgeteilt (1790), die ganze 
wissenschaftliche Welt in Erstaunen und Freude versetzte. Zugleich aber 
regte sich schon — wenn auch noch unausgesprochen — der Gedanke 
an eine üebertragung dieser Theorie auf das Gebiet der Phylogenese: der 
feste Linnesche Artbegrifl' kam ins Schwanken. Auf den varietätenbildenden 
Einfiuss, welchen besonders Klima und Bodenbeschaffenheit auf die Pflanze 
ausübten, hatten Sprengel und Wildenow, auch Nees von Esenbeck selber 
hingewiesen. 

Wenn auch dieser Gedanke in seinem und Weihes Werke nicht 
hervortritt, so waren die Rubi germanici doch ein schlagender Beweis 
dafür, dass die bisherige Artenbezeichnung bei weitem nicht ausreichte; 
um genauere Kenntnisse zu erlangen, wurde der Weg der Spezialistik 
betreten, auf dem gerade die spätere Theorie der Entstehung der Arten 
manchen Anhaltspunkt fand. So ist in den Rubi germanici die Linnesche 
Kenntnis von 3 holzigen Brombeerarten (incl. R. Idaeus) auf 47 erweitert, 
von denen 40 von den Verfassern selbst, die übrigen von Borkhausen 
(tomentosus), Köhler (villicaulis und Reichenbacliii) und Waldstein und 
Kitaibel (hirtus) benannt sind. 

Ausser Weihe, welcher in der Flora Siles. von Wimmer und Grabowski 
(1829) und dem Compend. Fl. Belg. von Lejeune und Courtois (1831) 
weitere neue Arten beschrieb, würdigten in der Folgezeit besonders 
Kaltenbach (Gegend von Aachen, 1845), Betcke (Mecklenburg, 1847), 
Metsch (Thüringen, 1856), P. J. Müller und Wirtgen (Rheingebiet, 1858 bis 
1869), sowie Marsson (Pommern, 1869) die Brombeeren eng begrenzter 
deutscher Gebiete genaueren Studiums. 

Durch ihre Arbeiten, ganz besonders durch P. J. Müllers arten- 
schaffenden Eifer, war die Zahl der Rubusspecies der Legion genähert, 
die Synonymik völlig verwirrt; das Verdienst hier Klarheit geschaffen 
zu haben, gebührt dem unermüdlichen Batologen Dr. W. 0. Focke, dessen 
„Synopsis Ruborum Germaniae" 1877 erschien. Unterstützt durch Männer 
wie Köhler, Wirtgen, Bayer, Banning, Braun, Maass, Progel u. a. konnte 
er die Brombeeren ganz Deutschlands — mit Ausnahme weniger süddeutscher 
Gebiete — bearbeiten. Ihn trieb zu diesem Studium der bestimmte 
Gedanke, das Wesen der „Species" aus dem Formengewirre der Brombeeren 
zu erkennen, wozu ihm Darwins um diese Zeit erscheinende „Entstehung 
der Arten" neuen Ansporn gab. (Vgl. Sj^n. pg. 5). 



Seiue Auffassung der deutschen Brombeeren ist im wesentlichen 
heute noch die allgemeine. Er stellte 9 Grundtypen auf, an welche sich 
ein grosser Teil der übrigen Formen ohne Schwierigkeit als Neben- oder 
Mittelt3'pen anreihen lässt; die übrigen bezeichnete er als Blendarten (solche, 
die aus ursprünglichen Kreuzungen als samenbeständig hervorgegangen 
sind) und primäre Bastarde.') So beschreibt er in der Synopsis 75 Arten 
(72 des Subgenus Eubatus), denen eine grosse Menge von Unterarten, ver- 
mutlichen und sicher erkannten Bastarden hinzugefügt ist. 

Durch lebhaften Verkehr mit englischen, französischen, dänischen, 
auch östreichischen Batologen wurde es ihm in späteren Jahren möglich, 
die Brombeeren verschiedener Länder vergleichend zu überschauen und 
so, ausser über die Verbreitung der einzelnen Arten (1893), auch über die 
zweckmässigste Beurteilung und Einteilung der ganzen Geschlechter 
(Einteilung in „Phratrien" und „Genen", 1894) neue Kenntnisse zu erwerben. 

Eine genauere Erforschung der von Dr. Focke noch weniger berück- 
sichtigten, bei grösstenteils hybrider — oft schwer zu deutender — 
Abstammung schwierigsten Gruppe der Corylifoher blieb nordischen 
Batologen vorbehalten; der Schwede Lindeberg, die Dänen Pi'of. Lange 
und G. Jensen, besonders K. Friderichsen und O. Gelert arbeiteten auf 
diesem Gebiete. Von den beiden zuletzt-genannten wurden eine Beschreibung 
der Brombeeren Dänemarks und Schleswigs mit besonderer Berück- 
sichtigung der Coryhfolier und die „Rubi exsiccati Daniae et Slesvigiae" 
herausgegeben. 

Nachdem durch diese und einige kleinere Arbeiten derselben Verfasser 
iu die wirre Schar der Corylifolier Ordnung gebracht war, konnte von 
Friderichsen die Synonymik durchgearbeitet und eine zusammenfassende 
Übersicht einzelner Corylifoliergruppen — in der Art von Fockes Schrift 
über Rubus Menkei — vorgenommen werden (1897). 



') In hybrider Erklärung fast aller heutigen Brombeeren aus wenigen, teilweise 
idealen — ausgestorbenen — Arten hatte sich 0. Kuntze vor Erscheinen der Synopsis 
versucht („Reform deutscher Brombeeren"). Erstaunliches leistet auf diesem Gebiete 
Dr. Utsch („Hybride des genus Rubus", 1895), dessen Bestimmungen — leider! — in 
dem „Herbarium europaeum" von Dr. C. Baenitz in Exsiccaten verteilt werden. So 
findet sich in dieser Sammlung z. B. der R. plicatus W. N. unter nicht weniger als 
6 Bezeichnungen : 

No. 9088: R. (villicaulis X macrophyllus) x plicatus; 

No. 9089: R. villicaulis x plicatus; 

No. 9510: R. caesius x (plicatus x macrophyllus); 

Äo. 9519: R. (candicans X macrophyllus) x plicatus; 

No. 9554: R. plicatus x macrophyllus; 

No. 9578: R. Sprengelii X villicaulis, f. viridis Utsch 1 

1* 



Inzwischen hatte auch ein deutscher Batologe den Corylifohern sein 
Interesse zugewendet. Ein Jahr nach dem Erscheinen der „Danmarks og 
Slesvigs Rubi" veröffentUchte Dr. E. H. L. Krause, welcher vorher schon 
die Brombeeren kleinerer Gebiete bearbeitet (Rubi Rostochieuses 1880, 
Rubi Beroliuenses 1885) und mehrere neue Corylifolier-Species aufgestellt 
hatte, in den Berichten der deutschen botanischen Gesellschaft (Bd. VI) 
seine Mitteilungen „Über die Rubi Corylifolii." 

Hier sucht er der Abstammung der einzelnen Corylifolier, welche er 
in den Rubi Berolinenses noch für „Mittelglieder zwischen den sommer- 
und wintergrünen Arten" gehalten hatte, auf die Spur zu kommen und 
sie durch den Namen der Stammart (R. caesius wird als aller Mutter 
aufgefasst) mit vorgesetztem semi- (resp. hemi-) zu bezeichnen. 

Zwei Jahre später bearbeitete er die Rubi in Dr. P. Prahls kritischer 
Flora von Schleswig-Holstein etc. Hier sind die 11 an eben genannter 
Stelle angeführten hybriden Gruppen bereits auf 20 angewachsen; zugleich 
wird auch hier zuerst darauf aufmerksam gemacht, dass wohl ein Teil 
derselben von R. Idaeus abstamme, eine Meinung, die in den „Bastarden 
des Rubus Idaeus" (1891) genauer begründet und weiter ausgeführt wird. 

In späteren Jahren wurden von ihm auch die übrigen Brombeeren 
als wahrscheinhch hybrid angesehen.. Nachdem er in der „Synopsis 
prodromalis specierum Ruborum moriferorum europaearum et boreali- 
americanarum" (1893) ausser R. caesius 10 deutsche Stammarten aufgestellt 
hatte, suchte er die ganze Zahl der Brombeerspecies auf Bastarde dieser 
Arten zurückzuführen. 

Wie diese, von den verschiedensten Männern vorgenommenen, zu- 
sammenfassenden Arbeiten spezielle Forschungen auf enger beschränktem 
Gebiete voraussetzten, so ist auch eine höhere zu gewinnende Kenntnis 
nur auf Grund von Specialarbeiten möglich; denn wenn sich überhaupt 
ii'gendwo die allmähliche Entstehung einer solchen plastischen Art, wie 
die Brombeeren es sind, beobachten lässt, so ist §s in einem eng begrenzten 
Bezirke möglich, in welchem nicht nur auf die leicht erkennbaren und 
konstanten Arten, sondern auch auf die verschiedenen — besser oder 
weniger deuthch ausgeprägten — Formen und Varietäten Rücksicht 
genommen werden kann. 

In diesem Gedanken machte ich mich an die Untersuchung der 
Brombeeren unseres lübeckischen Florengebietes, als dessen Grenzen ich 
— im Anschlüsse an Dr. Friedrichs „Flora der Umgegend von Lübeck" — 
Mölln und Gleschendorf, Reinfeld und Dassow ansehe. 

Ueber die Rubusflora dieses Gebietes finden sich schon einige 
zerstreute Nachrichten. In Betckes „Monograplrischer Beschreibung der 



Brombeersträucher Mecklenburgs" (Meckl. Arch., Heft 4, 1850) sind 
erwähnt : 

R. suberectus, fruticosus (= plicatus), discolor (= villicaulis f. 
thyi'santhoides), radula, glandulosus (= Bellardii), corjdifohus (== maximus), 
dumetorum, f. pilosus u. f. tomeutosus (zu R. nemorosus und ciliatus), 
caesius var. parvifolius, palustris, Pseudo-caesius und Pseudo Idaeus. 

Dr. H. Lenz nennt in seiner 1869 im Meckl. Arch. erschienenen 
Übersicht der lübeckischen Flora (einem Nachtrag zu Hackers Flora von 
Lübeck, 1844): 

R. fruticosus (= thyrsoideus), Sprengelii, discolor (= villicaulis, besd. 
f. thjTsanthoides), thyrsiflorus (= pyramidalis, stark drüsige Form), 
glandulosus (= Bellardii), plicatus, caesius, Idaeus, saxatilis, und (in einer 
Anmerkung) radula, nemorosus, Schlechtendalii. ^) 

In Fockes Synopsis werden von Lübeck genannt: 

R. gratus und macrophylus. 
Krause giebt in den Rubi Rostochienses ausser den von Betcke 
genannten Ai'ten an: 

R. sulcatus, candicans, obotriticus (unten bei R. *atrocaulis), 
marchicus, pyramidalis und rudis; 
in den Rubi Berolinenses: 

R. marchicus und nemorosus; 
in Prahls kritischer Flora von Schleswig-Holstein etc.: 

R. Ernesti Bolli, sulcatus, nitidus, septimus, Sprengelii, Hansenii 

(= hypomalacus), thyrsanthus, danicus, macrophyllus, radula f. 

viadricus, pallidus, rudis, pyramidalis, vestitus, Bellardii, liemithyr- 

soideus, nemorosus, confusus, caesius f. echiuatus und herbaceus ; 

in den Mitteilungen der philomathischen Gesellschaft in Elsass- 

Lothriugen („Die elsässischen Brombeeren", 1897): 

R. bremou (NNo. 20, 23 und 24 seiner Sammlung) und H. 

aestivalis (No. 220). 

Friderichsen und Gelert erwähnen in der botanischen Zeitschrift von 

Kopenhagen (Bd. XVH, Heft 3, 1889 und Heft 4, 1890) den R. commixtus; 

Friderichsen in seinen „Beiträgen zur Kenntnis der Rubi Corylif olii" : 

R. polycarpus, fasciculatus und ciliatus, var. roseus; 
0. Gelert in den „Batologischen Notizen" im botan. Centralblatt 
(Bd. XXVL 1889): 

R. fissus, cimbricus, Fioniae, gothicus, Wahlbergii f. umbrosus, 
ciliatus und commixtus mit der Form glandulosus. 

') Unter dieser Bezeichnung findet sich keine Pflanze in unserem Herbar; sollte 
Eubus gratus ( Waldliusen) gemeint sein? 



6 

Endlich sind die lübeckischen Brombeeren in Dr. Friedrichs Flora, 
der Umgegend von Lübeck von mir — nach grossenteils falschen oder (in 
hybrider Deutung) gewagten Bestimmungen — aufgezählt. Näheres 
darüber findet sich im Folgenden bei den einzelnen Arten. 

Die Zahl der bei Lübeck beobachteten Brombeeren beläuft sich nach 
dem hier erwähnten Material und meinen eigenen fünfjährigen Unter- 
suchungen auf 4.5; davon sind 11 Corylifolier, welche sich im allgemeinen 
an die Knicks halten. Über die Häufigkeit der wälderbewohnenden Arten 
können, nach dem Bestände einzelner Wälder, folgende Bemerkungen 
gemacht werden: 

In den Wäldern am Lüttauer See bei Mölln wurden beobachtet: 
Idaeus, suberectus, plicatus, sulcatus, villicaulis, *insularisf, rhom- 
bifolius macrophyllus, Sprengelii, atrichantherus, rudis, chloros- 
carjrthrosf, pyramidalis, Bellardii, caesius; 
im „Hevenbruch'' bei Nüsse: 

saxatilis, Idaeus (mit der Form chlorocarpus), *insularisf, Sprengelii, 
conothyrsus, hypomalacus, leucostachysf, radula, rudis, pallidus, 
Bellardii, caesius; 
in der „Graskoppel" bei Reinfeld (zum Teil nach schriftl. Mitteilg. 
des Heri'n C. Rohweder): 

saxatilis, Idaeus, suberectus, plicatus, sulcatus, -'-insularis, macro- 
phyllusf, silvaticus|, Sprengelii, radula (mit f. mollisf), rudis, 
pallidus*, Loehri, vestitus, pyramidalis, Bellardii, caesius; 
im „Kannenbruch" bei Krummesse: 

Idaeus, plicatus, Arrhenii, Sprengelii, atrichantherus, radula, pyra- 
midalis, Bellardii, caesius; 
im Lauerholze: 

saxatilis, Idaeus, suberectus, fissusf, plicatus, sulcatus, Maassiif, 
thyrsoideus, villicaulis, Sprengelii, Arrheniif, cimbricusf, leuco- 
stachj^sf, radula, rudis, pallidus, Bellardii, caesius; 
in den Schwartauer Wäldern: 

saxatiUs, Idaeus, fissus, plicatus, thyrsoideus, *atrocaulisf . Sprengelii 
hypomalacus, leucostachysf, radula, rudis, pallidus, Bellardii, caesius ; 
im „Beutz" bei Waldhusen: 

Idaeus, suberectus, sulcatusf, *insularis, *atrocaulisf, hypomalacus, 
radula (mit f. moUis), pallidus; 



Das Zeichen f bedeutet, dass die Art in dem betreffenden Walde nur ver- 
einzelt beobachtet wurde. 



im Timmendorfer „Wohld": 

Idaeus, suberectus, plicatus, sulcatusf, *atrocaulis, Sprengelii, 

hypomalacus, leucostachys, radula, rudis, pallidus, Bellardii, caesius; 
in der „Neukoppel" bei Haffkrug: 

Idaeus, plicatus, thyrsoideus, hypomalacus, leucostachysf, radula, 

pallidus, Bellardii, caesius; 
in der „Scharbeutzer Heide": 

Idaeus, suberectus, plicatus, Sprengelii, hypomalacus, vestitus, 

pyramidalis, radula, rudis, pallidus, Bellardii, caesius; 
im Spechser Holz bei Ahrensböck (Erichsen, mdl. Mitteilg.) ausser 
den gewöhnlichen Arten: 

*atrocaulis, hypomalacus, atrichantherus, pallidus, chloroscarythros. 



Bei meiner Arbeit unterstützten mich durch Mitteilung von Stand- 
orten und Zusendung von Essiccaten die Herren Dr. P. Friedrich, Rektor 
C. Rohweder in Plön (früher Zarpen bei Reinfeld) und F. Erichsen in 
Hamburg (sammelte im Sommer 1898 bei Ahrensbök und Gleschendorf) ; 
das reiche Rubusmaterial des lübeckischen Museums wurde mir durch 
die Freundlichkeit des Herrn Senator Dr. Brehmer und Prof. Dr. H. Lenz, 
Conservators des naturhistorischen Museums, erschlossen; ihnen allen sei 
hier herzlich gedankt. 

Ganz besonderen Dank schulde ich den Herren K. Friderichsen in 
Hoyer, welcher iii freundhchster Weise unser Material durchsah, mir über 
kritische Formen Aufschluss gab und Vergleichsmaterial zusandte, und 
Oberstabsarzt Dr. E. H. L. Krause in Saarlouis für die Bestimmung 
mancher Arten und Nachrichten über unsere Rubusflora. 

In der Anordnung und Benennung der Arten bin ich, soweit es ging, 
Dr. W. 0. Fockes Bearbeitung der Brombeeren in der „Flora der nord- 
westdeutschen Tiefebene" von Dr. F. Buchenau (1894) gefolgt; für die 
CoryHfolier nahm ich mir die „Danmarks og Slesvigs Rubi" von 
K. Friderichsen und 0. Gelert zum Muster. 

Erklärung der Abkürzungen: 

Br. : Sen. Dr. Brehmer, 
Er.: F. Erichsen, 

F.-B.: Professor von Fischer-Benzon, 

Fl. L. : Flora der Umgegend von Lübeck von Dr. P. Friedrich, 
im Programm des Katharineums zu Lübeck, 1895, 

Fr.: Dr. P. Friedrich, Oberlehrer am Katharineum zu Lübeck, 
Frid. : K. Friderichsen, 
Gel.: 0. Gelert, 



Griew.: C. Griewauk, ehemals Pastor in Dassow, 

H. : Hacker, 

Hb. Kr.: Herbarium des Herrn Dr. E. H. L. Krause^), 

Kr,: Dr. E. H. L. Krause, 

Pr. FL: Dr. P. Prahls kritische Flora der Provinz Schleswig- 
Holstein etc., 

Rohw.: C. Rohweder, 

Willebr.: Willebrand, ehemals Pastor in Kladow. (Mecklenburg). 

Von Standorten mit dem Zeichen ! haben dem Verfasser Exem- 
plare vorgelegen ; an Standorten mit ! ! hat er selbst die betreffende 
Pflanze beobachtet. 

Die Nummern, welche zur näheren Bezeichnung einzelner 
Exemplare von häufigen Brombeeren — deren Staudorte im allge- 
gemeinen nicht angegeben sind — sich finden, beziehen sich auf 
das vom Verfasser angelegte Herbarium Ruborum Lubecensium, 
welches im Herbar unseres naturhistorischen Museums aufbewahrt wird. 

Mit einem * vor dem Namen endlich sind solche Arten gekenn- 
zeichnet, welche sich einer Haupt- oder Oollectivspecies unterordnen 
lassen; so z.B. R. *insularis und *atrocauhs unter villicaulis,* Loehri 
unter pallidus, die Corylifolier unter R. milliformis K. Fr. und 
0. Gel. u. a. 



Zur Bestimmung und Vergleichung benutzte Litteratur. 



Dr. A. Weihe und Dr. Gh. G. Nees von Esenbeck: RubiGermanici 1822. 
Dr. E. F. Betcke: Monographische Beschreibung der Brombeersträucher 

Mecklenburgs. Mecklenburger Archiv, Jahrgang 1847. 
Dr. Th. Fr. Marsson: Bearbeitung der Brombeeren in der Flora von 

Neu-Vorpommern, 1869. 
Dr. W. 0. Focke: Synopsis Ruborum Germaniae, 1877. 

Vorläufige Mitteilungen über die Verbreitung einiger Brombeeren 
im westl. Europa. Abhandlungen d. nat. Ver. zu Bremen, Bd. XH, 3. 1893. 



'■) Die mir von Herrn Dr. Krause gütigst mitgeteilten Summern seines Herbars 
habe ich angegeben, weil sich bei der -wechselnden Begrenzung der Arten und Formen 
nur durch das Zitieren bestimmter Exemplare eine klare Synonymik erreichen lässt. 
Seine Bestimmungen, die zwar zum Teil nur provisorisch sind, da er die Formen noch 
nicht alle genau untersucht hat, sowie die Bestimmungen O. Gelerts, an welchen einige 
unserer Brombeeren von ihm gesandt wurden, habe ich bei den Kummern mitgeteilt. 



9 

Über Rubus Menkei und verwandte Formen, ibid XIII, 1, 1894; 
Bearbeitung der Brombeeren in Prof. Dr. Fr. Bucbenavis Flora d. 

nordwestdeutsch. Tiefebene, 1894; 
Über R. melanolasius und andere Unterarten des R. Idaeus. Abhdlg. 

d. nat. Ver. zu Bremen, XIII, 3, 1896. 
Dr. E. H. L. Krause: Rubi Rostochienses. Mecklenburger Archiv, 1880; 
Rubi Berolinenses. Verhandl. d. bot. Ver. der Prov. Brandenburg. 

Jahrg. 26., 1885 (geschr. 1882); 
Die Rubi suberecti des mittleren Norddeutschland. Berichte d. deutsch. 

bot. Gesellsch. Bd. IV, 1886; 
Über die Rubi coryhfolii. ibid. Bd. VI, 1888; 
Bearbeitung der Brombeeren in Dr. P. Prahls kritischer Flora der 

Prov. Schleswig-Holstein etc. Teil 1 und 2, 1889 und 1890; 
Bastarde des Rubus Idaeus. Abhdlg. d. nat. Ver. zu Bremen, XII, 1, 1891. 
Synopsis prodromalis specierum Ruborum moriferorum europaearum 

et boreali-americanarum i. d. botan. Jahrbüchern von Engler, 

Bd. XVI, Heft 4/5, Beiblatt No. 39, 1893. 
Die elsässischen Brombeeren. Mitteilg. der philomathischen Gesellsch. 

in Elsass-Lothringeu, V, 2, 1897. 
Die Brombeeren der Provinz Westpreussen. Schriften der natur- 

forschd. Gesellsch. in Dauzig, IX, 3, 1898. 
K. Friderichsen und 0. Gelert: Danmarks og Slesvigs Rubi. Botan. 
Tidsskrift, Kjobenhavn, XVI, 1 und 2, 1887; 
Les Rubus de Danmark et de Slesvig. ibid., Heft 4, 1888; 
Om Rubus commixtus og n?erstaaeude Former, ibid. XVII, 3. 1889; 
Rubus *commixtus, nova subspecies. ibid., Heft 4, 1890; 
K. Friderichsen: Über Rubus Schummelii Weihe, eine weitverbreitete Art. 

Bot. Centralblatt, Bd. LXVI, 1896; 
Beiträge zur Kenntnis der Rubi Gorylifolii. ibid. Bd. LXXI, 1897; 
Die Nomenklatur des Rubus thyrsoideus ibid. Bd. LXXVII, 1899. 
0. Gelert: Batologische Notizen im botanisch. Centralblatt, Bd. XXVI, 1889; 
Brombeeren aus der Provinz Sachsen. Verhandlungen des botan. 
Vereins der Provinz Brandenburg. 38. Jahrg. 1896. 



Verzeichnis der Brombeeren Lübecks. 

A. Subgeuus Cylactis Foeke. 

1. R. saxatilis L. An schattigen Stellen der Wälder, meist auf 
Quellboden oder in Erlenbrüchen: Pirschbachwiesen bei Mölln (Fr.!), 
Hevenbruch bei Nüsse! !, Farchau (Fr.!), Graskoppel bei Reinfeld 



10 

(Rohw. scbriftl. Mitteilung), Scliellbruch (Dr. Ave 1820!), Lauerholz 
(H.!), Paddelügger Holz (H.!), Kuhbruch bei Schwartau (Fr.!) Riese- 
busch (H.!)!!, Waldhusen (H. 1). 

B. Subgenus Idaeobatus Pocke. 

2. R. Idaeus L. In der typischen Form überall im Innern und am 
Rande der Wälder, besonders zahlreich an Waldblössen und unter 
Nadelholz; je nach dem Standorte (ob sonnig oder schattig) ist die 
Blattunterfläche stärker oder schwächer filzig. An Abänderungen 
wurden beobachtet: 

Schlitzblättrige Formen: Bei Pogeez (Fr.!), im Riesebusch bei 

Schwartau (Fr.!), am Timmendorfer Strande!!. 
Die Form mit gelben Früchten (f. chlococarpus E. H. L. 
Krause in Prahls Flora): Am Drüsensee bei Mölln (Thran, 
mdl. Mitteilg.) und in einem Walde' bei Nüsse (Fr. Fast. 
Härder, mdl. Mitteilg.); beide Funde bedürfen der Bestätigung; 
f. maritimus Arrh.: auf Dünensand am Timmendorfer Strande!!. 
Unsere Pflanze weicht von der Beschreibung Arrhens (in der 
Monogr. R. S.) und der Auffassung Fockes (Abhandig. d. nat. 
Ver. zu Bremen, XHI, 3) etwas ab, doch stellt Friderichsen 
sie zu Arrhens R. *maritimus. Die selten über 50 cm hohen, 
nie „blühreifen" Schösslinge sind mit zartem, aber dichtem 
Filz und gedrängten Nadelstacheln von 2 mm Länge bekleidet; 
Schösslingsblätter klein, lederig, stark gefaltet, meist dreizählig, 
seltener durch Lappung des Endblättchens angedeutet fünf- 
zählig; Seitenblättchen breiteiförmig, Endblättchen am Grunde 
tief herzförmig, meist nur kurz zugespitzt. Blätter des Bluten- 
standes meist ungeteilt, rundlich. Staubblätter nach dem 
Verblühen nicht auf die Grifliel neigend („in stylos incum- 
bentes" Arrhen); Früchtchen filzig, schwach gerillt. 

C. Subgenus Eiibatus Pocke. 

I. Series Suberecti. 

.3. R. suberectus Anderss. An sonnigen Waldwegen etc. nicht selten 

(Griew.l, Br.!, Koeppel nach Kr., scbriftl. Mitteilg.,^) Fr.!, Rohw.,!!); 

Zweige mit rinnigen Blattstielen, gestielten Seitenblättchen, faltigen 

Blättchen der Blütenzweige (var. sextus E. H. L. Krause) kann 



') Öchlagbrügger Holz. Hb. Kr. iS^o. 317: E. aestivalis X Idaeus = hy. suberectus 
sensu latiore. 



11 

man — besonders auf sonnigen Stelleu — nicht selten an Exemplaren 
der typischen Form beobachten.^) 

4. R. fissus Lindl. Weniger häufig als voriger, manchmal mit ihm 
zusammen. Beobachtet: Blaukensee!!, Lauerholz (Fr.!)!!, nahe dem 
Eutiner Bahnhofe von Schwartau (Fr. !, ! ! — von Kr. anfangs für 
seinen R. Ernesti Bolli gehalten; später stellte er die Exemplare 
selbst zu fissus — ), Waldhuseu (Gel. 89, Fr.!)!!.^) 

Hierher gehört wahrscheinlich auch R. Ernesti Bolli in 
Prahls Krit. Fl. II, pg. 51 von Süsel, leg. E. H L. Krause, s) 

5. R. plicatus W. N. An Knicks und Waldrändern, besonders auch 
auf moorigem Boden häufig. (H.!, Griew.i, Br. !, Koeppel nach Kr., 
schriftl. Mitteilg.^), Fr.!, Rohw.)!! 

Stark rispige Formen, bei denen die äusseren Blättchen der 
Schösslingsblätter oft sehr deutlich gestielt sind, wurden im Spätr 
Sommer nicht selten beobachtet; besonders auffälhge derartige Exem- 
plare aus der Grünauer Heide!!, von Paddelüggeü, und dem Rande 
des Timmendorfer Wohldesü. Eine Pflanze, die mit diesen Merkmaleu 
noch einzelne Haare auf dem Schössling vereinigte, sammelte ich 
auf Moorboden am Timmendorfer Strande.^) 

Mehr oder weniger schlitzblättrige Formen (f. dissectus Lge.): 
am Rande des Lüttauer Sees bei Mölln!!, am Fuchsberg im Lauer- 
holz (Lenz!) und an Feldwegen bei Schönböcken und Schürsdorf ! !. 

6. R. *opacus F., am besten wohl als Form (kaum Bastard!) zu 
plicatus zu stellen, sammelte ich im Gehölze hinter Paddelügge 
(Frid. vid.). 

XR. septimus E. H. L. Krause (nach dem Autor*^) Bastard 
zwischen suberectus und plicatus): Lütjenhofer Buchenkoppel bei 



') No. 8 (St. Georgsberg bei Eatzeburg, leg. Fr.) ist im Hb. Ki-. No. 319: E. 
aestivalis x Idaeus; 
No. 9 (Paddelügge,!!): Hb. Kr. No. 318: E. hybridus suberectus sensu stricto; 
No. 11 (Forstort Schwerin, leg. Br.) Hb. Kr. No. 196: E. aestivalis. 
^ No. 1 (Waldhusen, leg. Fr.): Hb. Kr. No. 627: E. hy. fissus; 
No. 5 (Schwartau, leg. Fr.): Hb. Kr. No. 220: E. aestivalis; 
No. 6 (Schwartau,! !): Hb. &. No. 242: E. hy. fissus. 
') Hb. Kr. No. 230: E. hy. fissus (nach Gelert plicatus f. dissectus). 
*) Mannhagener Zuschlag bei Mölln. Hb. Kr. No. 194: E. aestivalis. 
*) E. plicatus f. No. 1 (zwischen Buntekuh und Paddelügge,!!): Hb. Kr. No. 201: 
E. aestivalis; 
E. plicatus f. No. 2 (Eand des Timmendorfer Wolildes, ! !) : Hb. Ki-. No. 200: 

E. aestivalis; 
E. plicatus f. No. 3 (Schwartau, Kaltenhofer Strasse, leg. Fr.): Hb. Ki\ 
No. 199: E. aestivalis; 
^) Berichte der deutschen bot. Gesellsch. FV, pg. 81; Prahls Fl. pg. 51. 



12 

Dassow (Griew. nach Kr. in Pr. FL); hierher stellte Dr. Krause eine 
von typischem R. plicatus durch kurzgestielte Seitenblättchen und 
ein wenig schwächere Stacheln nur kaum abweichende Form, welche 
unter der Art am Kaltenhofer Wege bei Schwartau steht (leg. Fr.!).^) 
Letztere wurde von Friderichsen für eine Form des R. plicatus erklärt. 
K Ernesti Bolli E. H. L. Krause. Bisher nur bei Schlag- 
brügge (Ratzeburg) gefunden (Koppel nach Kr.).^) Das dortige Exem- 
plar ist ein „peraestivalis x semivestitus", wahrsclieinlich plicatus 
X rhombifolius (Kr. schriftl. Mitteilung). 

7. R. sulcatus Vest. Hält sich — mehr als R. pHcatus — an die 
Nähe der Wälder. Durchs ganze Gebiet nicht selten (Griew.!, H. !, 
Er.! Koeppel nach Kr. schriftl. Mitteilg.^), Rohw. nach schriftl. 
Mitteilg., Fr.!)!!*) Stark rispige Herbstzweige (f. serotinus Lindebg.) 
sind auch bei R. sulcatus nicht eben selten. 

8. R. nitidus W. N. ^) Von Herrn Sen. Dr. Brehmer im Lauerholz 
hinter Karlshof gesammelt (!) und von Dr. Focke als R. nitidus 
bestätigt. Der Standort konnte später nicht wieder aufgefmiden werden. 

n. Series Rhamnifolii. 

9. R. vulgaris W. N. ist bisher nur in einer schmalblättrigen 
Form bei Waldhusen an mehreren Stellen beobachtet worden 
(Griew. 53!, Fr.!)!!«) 

R. rhamnifolius W. N. bei uns nur in der 
10. subsp. Maassii F.') In einer zarten Schattenform am Rande 
des Lauerholzes bei Karlshof!!; kräftige, den Typus gut charakteri- 
sierende Pflanzen im Rittbrook nahe dem Forsthause! !.^) 



'■) Im Hb. Eub. Lubec. R. plicatus f. No. 3. 

^) Zitiert in den Rub. Rost., Nachtrag als „R. plicatus mit etwas behaartem 
Schössling", in Krauses Rubi suberecti des mittl. Norddeutschi. pg. 81 und 
in Prahls krit. Fl. pg. 51 als E. Ernesti Bolli. 

ä) Carlower Holz. Hb. Kr. No. 202: R. aestivalis. 

■*) No. 4 (Schwartauer Gehölz, leg. Br.); Hb. Kr. No. 198: E. aestivalis; eine -wahr- 
scheinlich durch Caesiussaft vermischte, dem R. sulcatus sehr nahe- 
stehende Form wurde in der Israelsdorf er Baumschule (Br. 1877 — Hb. 
Blr. No. 195 : R. aestivalis) gefunden. 

^) Zitiert von C. T. Timm in den Ber. d. deutsch, bot. Ges. Bd. JY, 1886, 
pag. CLXVII als neu für Schleswig-Holstein und in Prahls Fl., pag. 51. 

«) Fl. L. pg. 18: R. sulcatus x villicaulis; Hb. Kr. No. 731 (leg. Fr.) R. cf. 
hy. Ernesti Bolli. 

') Fl. L. pg. 18: E. plicatus X villicaulis. 

8) No. 1 (Karlshof): Hb. Kr. No. 553: R. cf. hy. mucronatus. 
No. 2 (Eittbrook): Hb. Kr. No. 551: R. cf. hy. mucronatus. 



13 

in. Series Candicantes. 

11. R. thyrsoideus Wimin. (R. ardueuneD,sis Lib.') An vielen 
Stellen, doch nirgends häufig: im Ziegelholz (Fr. !)!!^) und an der 
Stecknitz (Fr.!) bei Mölln, Pfaffenmühle (Fr.!)') und Bäk 
(C. T. Timm)*) bei Ratzeburg, Pogeez (Fr.!); in näherer Umgebung 
Lübecks in den Sandbergstanneu !! ^) und beim Forsthause 
Rittbrook ! ! ; ^) ausserdem bei Schwartau am Eutiner Bahnhof,') 
Zarnewentz und Schwanbeck^) bei Dassow (Griew. 1850 und 53") 
und in der Neukoppel bei Haffkrug!!^") 

Bei unseren Exemplaren passen die wenig kantigen Schösslinge 
auf R. *candicans, doch wurzeln sie, soweit ich beobachtet habe, 
nicht (mit Ausnahme der Pflanzen bei Schwartau). Die Blätter sind 
meist recht breit, kommen aber auch schmal, wie bei *candicans, vor. 
Der Blutenstand ist an demselben Orte (besonders auffallend bei 
Mölln und im Rittbrook) bald lang und schmal (*candicans), bald 
kurz und breit (*thyrsanthus und *Grabowskii)^^). Die Farbe der 
Blütenblätter findet sich in Abstufungen vom schönsten Rosa 
(Haffkrug, im Schatten) bis zu fast völligem Weiss (sonnenständige 
Exemplare bei Mölln). Die Fruchtknoten haben bald vereinzelte 
Haare (*Grabowskii,) bald sind sie kahl. 

Ich möchte daher — zum mindestens für unser Gebiet! — 
von einer Trennung des R thyrsoideus in *candicans und *thyrsanthus 
(und -^Grabowskü), wie es noch in Friedrichs Fl. v. Lüb. durchge- 
führt ist, absehen. 

IV. Series Villicaules. 

12. R. villicaulis Kohl. Typisch ausgebildeter villicaulis scheint bei 
uns selten zu sein ; er wurde beobachtet am Walkmüllerholz bei Mölln 
(Fr. !)^^), im Lauerbolz bei Israelsdorf (Griew. 52!)!! und auf 
Lehmboden bei Bargerbrück (Fr.!). 

^) Vgl. K. Friderichsen : Die Nomenclatur des E. thyrsoideus. 

") Hb. Kr. No. 804 1 . , , ,,, , , .. ' , ^ 

J^ „, _- „ „■,■•( zwisclien riy. tTi-abowskii und liv. Lanaei. 

ä) Hb. Kr. No. 811 J ^ ~ o 

■*) Zitiert in den Berichten der deutsch, bot. Ges. Bd. VI, 1888, pag. CX als R. 
thyrsanthus F. 

") Hb. Kr. NNo. 522 und 52.3 ] 

^ Hb. Kr. No. 521 z^svischen hy. Grabowskii und hy. Langei. 

') Hb. Kr. No. 626 J 

^) In einer Schattenform mit unterseits grünlichen Blättern. 

") Zitiert Hub. Rost. pg. 191 (als *candicans), Pr. Fl. pg. 64 (als ■■■thyrsanthus). 
") Hb. Kr. No. 520: R. hy. Langei. 
") „An R. *insularis Aresch. erinnernd" (vgl. Frid. u. Gel.: Danmarks og 

Slesvigs Rubi. pg. 63). 
'^) Hb. Kr. No. 68: R. bremonis villicaulis. 



14 

var. thyi'santhoides E. H. L Krause (= R discolor Betcke 
nee Weihe). Wesloer Tannen (Br.!) und bei Dassow an mehreren 
Stellen (Willebr. u. Griew.!).i) 

n. var. argyriophyllus. Schösslinge kantig, gefurcht (an 
sonnigem Standort rotbraun), kräftig bewehrt mit teilweise rückwärts 
gekrümmten Stacheln, mit ziemlich zahlreichen, kurzen Haaren und 
vereinzelten gelben Sitzdrüsen bekleidet. Sehösslingsblätter fussförmig 
— fünfzählig, unregelmässig gezähnt, unterseits grau („graufilzig"!) — bis 
silberweissfilzig. Endblättchen am Grunde herzförmig, an sonnigen 
Stellen rundlich mit kurzer, aufgesetzter Spitze; im Schatten breit- 
eiförmig, in eine kurze Spitze verschmälert. Infloreszenzen nach dem 
Standorte verschieden : auf moorigem Boden zusammengesetzt, traubig 
endigend; in Knicks oft sehr entwickelt, unten durchblättert, manch- 
mal über V2 Meter lang. Blütenstandsachse rotbraun, dicht behaart, 
mit ziemlich kräftigen, aus breiter Basis rückwärtsgeki-ümmten 
Stacheln bewehrt; Blütenstielchen mit zahlreichen gelben Nadel- 
stacheln besetzt. Kelch graufilzig, nach der Blüte locker zurück- 
geschlagen; Blütenblätter hellrosa, im Schatten rosenrot. Staubgefässe 
die Griffel überragend; Fruchtknoten mit einzelnen Haaren oder 
kahl. Früchte gut entwickelt, glänzend schwarz. 

Diese Form ist in unserem Gebiete beobachtet in Knicks bei 
Einhaus (Fr. !^)!! und sehr zahlreich in den Hecken von dort nach 
Harmsdorf und zum Behlendorfer Forst!!; in der Grönauer Heide 
auf Moorboden!!; in Hecken beim Klingenberg am grossen Pönitzer 
See!! und zwischen der Scharbeutzer Heide und den Schürsdorfer 
Abbauen!!; auf moorigem Boden („Haff wiesen") und in einer Hecke 
bei Haffkrug!!^) 

Eine Schattenform, die man fast für einen Aestivalen (oder 
Rhamnifolier) halten möchte, mit kahlem, grünem Schössling, sehr 
vereinzelten Stacheln, grossen, schlaffen, unterseits fast grünen 
Blättern und recht schwacher Infloreszenz mit schön rosenroten 
Blüten sammelte ich am Rande des Behlendorfer Forstes. 

Diese auffallende Pflanze, welche weiter verbreitet zu sein 
scheint (Frid., schriftl. Mitteilg.), hielt ich anfangs mit Herrn 
Friderichsen für den echten R. argenteus W. N., der bisher in einer 



'■) Zitiert von Betcke pg. 103; Hb. Kr. No. 796: R. cf. hy. Langei, f. thyrsan- 

thoides in Pralils Flora. 
^) Hb. Kr. No. 803: E. cf. hy. Langei; in Fl. L. pg. 19 unter dieser Bezeichnung. 
^) Hb. Kr. jSfo. 72: E. cf. aestiva,lis x vestitus. Nach der Nomenclatur in Pr. 

PI. E. villicaulis *insularis; als solcher in PL L. pg. 19. 



15 

der Beschreibung und Abbildung in den R Germ. (pg. 45, Tab. XIX) 
völlig entsprechenden Form noch nicht wieder aufgefunden ist. 
R. argenteus W. N. scheint (nach Beschreibung und Abbildung, 
sowie nach Originalexemplaren Weihes im lüb. Herbar) ein ausge- 
zeichuetes Glied einer ganzen Reihe von Brombeeren zu sein, welche 
etwa in der Mitte zwischen den Serien der Aestivales (besonders 
nitidus) und ViUicaules stehen, zu denen (nach Frid., schriftl. 
Mitteilg.) wohl auch R. *Selmeri Lindebg. und R. villicaulis var. 
rotundifolius G. Br. gehöz'en. Auffallend ist bei unserer varietas 
argyriophylla die Ähnlichkeit kräftiger Exemplare mit R. *atrocaulis 
P. J. Müll, so dass man sich veranlasst sehen könnte, sie für eine 
Form desselben zu halten ; doch sind die Unterschiede (besonders 
die grossen, runden Blätter, die weissfilzige Unterfläche, die stellen- 
weise fast traubig verkürzten Infloreszenzen) wieder so bedeutend, 
dass ich sie lieber zu villicaulis stelle, von dem ich den R. *atrocaulis 
nur für eine Subspecies ansehe. 

Häufiger als der typische R. villicaulis sind verhältnismässig 
stark behaarte und reichdrüsige Formen, welche zwischen ilim und 
dem folgenden etwa die Mitte halten, und zwar 

weissblütig: bei Ratzeburg (Koeppel nach Kr.)^), Pansdorfü, 
Luschendorf !!^) und am Rande des Timmendorfer Wohlds!!^); 

rotblühend ■^): bei den Schiesständen an der Untertrave ! !, in 
Hecken zwischen Gotmund und Israelsdorf ! ! und auf Moorboden 
am Timmendorfer Strande!!^). 

R. *insularis Aresch. Am Südrande des Lüttauer Sees bei Mölln!!, 
in einer Hecke bei Nüsse ! !, am Rande des Behlendorfer Forstes 
nach Albsfelde zu ! !, in einer Hecke nahe bei Zarpen ! ! und in 
Niendorf bei Zarpen (Rohw. !); ausserdem im Schwartauer Gehölz 
(Br. !)^), im „Beutz" zwischen Waldhusen und Ratekau!! und bei 
Alirensböck an mehreren Stellen (Er., mdl. Mitteilg.). 

var. mutatus 0. Gel. Eine mit Herrn Gelerts Diagnose in 
den „Brombeeren aus der Provinz Sachsen" i'echt gut übereinstimmende 



') Zitiert in Pr. Fl. pg. 66 unter E. villicaulis f. Selmeri Lindebg. 

'■') Hb. Kr. 2^0.71: E. tf. aestivalis x vestitus ; Fl. L. pg. 19: Eine der i. marchicus 

Kr. verwandte Mittelform zwischen R. villicaulis und vestitus. 
*) Hb. Kr. No. 70: E. cf. aestivalis x vestitus; nach der Nomenclatur in Pr. Fl. 

und in der Fl. L. pg. 19: E. -sdllicaulis f. Selmeri. 
*) Fl. L. : E. rhombifolius auf Autorität Dr. Fockes. 
^) Hb. Kr. No. 625 : E. semi- (aestivalis x bremon). 
^ Hb. Kr. No. 69: R. cf. aestivalis X vestitus. 



16 

Stranchgruppe dieser wohlausgeprägten Pflanze findet sich am Timmen- 
dorf er Strande auf f euclitem Sandboden ! ! ^) 

14. R. *atrocaulis P. J. Müll. (= R. villicaulis f. rectangulatus G. 
Maass, R. Langei G. Jens). Häufig (F.-B.!, Fr.J, Rohw.!, Er.!)!! 

Eine Form mit sehr kräftigen Stacheln und dicht behaarten 
Achsen wurde beobachtet im Rittbrook bei Wesloe unter der 
typischen Form!! und im Holze bei Waldhusen (Griew. 53!).^) 

15. R. rhombifolius Whe Diese prächtige Pflanze wurde bisher nur 
bei Mölln beobachtet: am Hegesee (Fr.!, Er.)!!, Schmalsee (Fr.!)!! 
und Lüttauer See (Fr. !) ! ! 

16. R. gratus F. Von Dr. Focke') ohne nähere Bezeichnung von 
Lübeck angegeben; ausserdem bei Waldhusen an mehreren Stellen 
(Griew. 53!,*) Fr. !,»)!! Gleschendorf (Er.) und Ahrensböck (Er.) 
beobachtet. 

17. R. danicus F. Von Zarnewentz bei Dassow (Griew. nach Kr.)^) 
angegeben; mir ist diese Brombeere nicht vorgekommen. 

18. R. macrophyllus W. N. „In der Gegend von Lübeck" (Focke),') 
am Schmalsee bei Mölln mit R. rhombifolius Whe. (Fr. !) ! ! und am 
Rande der Graskoppel bei Reinfeld ! ! 

19. R. silvaticus W. N. Am Rande der Graskoppel bei Reinfeld 
(Rohw.), Niendorf bei Zarpen (Rohw.!) und bei Ahrensböck an 
mehreren Stellen (Er.!). 

Rubus laciniatus Willd. tn Lauerholz unter Kiefern nahe 
einer jungen Baumpflanzung angesiedelt, wahrscheinlich mit Baum- 
samen . eingeschleppt (Fr.!). 

V. Series Spreugeliani. 

20. R. Sprengelii Whe. Recht häufig in Knicks und auf Waldblössen, 
oft in grosser Menge, durch seine Blütenfarbe eine unserer schönsten 
Brombeeren (Willebr,«) Griew. 52!, «) HA,^") Br.!, Rohw., Fr.!'')!!. 



>) Hb. Kr. No. 623: E. cf. hy. macrothyrsus ; in Fl. L. pg. 19: Eine der f. 
marchicus Kr. sich nähernde Form. 

*) Wahrseheinlicli i.st dies der Ru).). Rost. pg. 193 angeführte E. *obotriticus 
E. H. L. Krause. 

') Syn. Eub. Germ. pg. 215. 
^) Unter R, vulgaris W. N. 

^) Hb. Kr. No. 519: E. hy. Langei (leg. Fr. am Wege nach Sereez). 

^) Zitiert in Pr. Fl. pg. 68. 

') Syn. pg. 217; zitiert in Pr. Fl. pg. 69. 

') Zitiert von Betcke pg. 138 u. Eub. Eost. pg. 197 (leg. AVillebr. b. Israelsdorf.) 

^) No. o (leg. Griew. im Lauerholz): Hb. Kr. No. 834: cf. E. hy. Sprengehi. 
'") Zitiert in Pr. Fl. pg. 58. 
") No. 7 (leg. Fr. bei der Waldhalle von Mölln): Hb. Kr. No, 700: cf. hy. Sprengelii. 



17 

'21. R. Arrhenii Lge. Bisher beobachtet im Niendorfer Holz (Holstein, 
leg. C. T. Timm), ') im Lauerholz (am Rand des „Lustholzes") ! !, im 
Kannenbruch bei Krummesse!! und im Gehölz liinter Paddelügge!!.^) 

VI Serie s Adenophori. 

22. R. conothyrsus F. Zahlreich und in schön entwickelten Exemplaren 
auf dem Hohen Koberg (im kleineu Hevenbruch, unter Buchen) bei 
Nüsse und in einer Hecke von da nach dem Dorfe Koberg!!; in 
einer weniger gut entwickelten Kolonie auf Moorboden in der 
Grönauer Heide!!. 

23. R. cimbricus F. An mehreren Stellen in der Grönauer Heide!!, 
ausserdem im Lauerholze (0. Gel.) beobachtet. Eine wahrscheinlich 
zu R. cimbricus gehörige Schattenform, ebenfalls im Lauerholz (52!) 
gesammelt, fand sich in G. Griewanks Herbar unter R. Sprengelii 
mit der Bemerkung : „Nach Betckes Dafürhalten eine grössere Form 
von R. Sprengehi Whe. et N. Ich zweifle!" 

24. R. Schummelii Whe., nur in der 

var. hj'-pomalacus F. (als Art). Auf humusreichem Buchen- 
und Nadelwaldboden, auch in Knicks am Rande der Wälder. Im 
südlichen Gebiet beobachtet bei Mölln an mehreren Stellen (Fr. !) 
und bei Nüsse! !; im nördlichen häufig: Schwartau (Fr. !^)) !!*), Pariner 
Berg,°) im „Beutz" bei Ratekau!!, im „Spann" am Hemmelsdorfer 
See!!, Timraendorfer Wohld ! !, Neukoppel bei Haff krug ! !, Wäldchen 
am Wennsee bei Scharbeutz! !, Scharbeutzer Heide!!, Gleschendorf 
(F.-B.s), Er.) und Ahrensbök (Er., mdl. Mitteilg.). 

Der R. *hypomalacus F. findet sich bei uns meistens in der 
f. Hansenii E. H. L. Kr. (als Art)'); die 1 velutinus W. N. 
(unter R. macropliylhis), die sich nur durch längere Staubgefässe 
und weniger zahlreiche Drüsen unterscheiden lässt, sammelte ich am 
Rande der Scharbeutzer Heide ! !. 



^) xlngegeben i. d. Bericht, der deutsch, bot. Ges. 1882, Ber. d. Kommiss. für die 
Flora von Deutschland, Abschn. VII. (Schlesw.-Holst.). 

^) Hb. Kr. No. 706: R. hy. Arrhenii. 

') Hb. Kl-. NNo. 641, 774 und 781: R. hy. semi Hansenii. 

*) Hb. Kl'. jSINo. 735 und 754: zwischen R. Iiy. gratus u. hy. Hansenii. 

^) Hb. Kr. No. 414: R. caesius x ve.stitus. 

'^ Zitiert in Pr. Fl. pg. 60 unter R. Hansenii Krause; im Hb. Kr. NNo. 779 
und 783: R. hy. paene Hansenii [R. paene — (vestitus x aestivalis)] und R. hy. 
Hansenii. 

') Als solche in Fl. L. pg. 18, 

2 



18 

25. R. mucrouatus Blox, bisher nur in der 

f. atrichantherus E. H. L. "Krause (als Art). Am Ost- 
rande des Lüttauer Sees bei Mölln!!, bei Zarpen an mehreren 
Stelleu (Rohw.) !!, im Kannen bruch bei Krummesse!!, an der Laud- 
strasse zwischen Schönböcken und Paddelüggeü und im Spechser 
Holz bei Ahrensböck (Er.!). 

Eine schwache Schattenform mit meist dreizähligen Blättern 
-„ am Schössling und spärlichen Stieldrüsen: in der Wüstenei bei Zarpen!! 
und im Gehölz hinter Paddelüggeü.') 

Eine auffallende Form mit sehr verschiedenartigen Stacheln 
am Schössling und zahlreichen, teilweise sehr langen Drüsen an 
beiden Achsen sammelte Dr. Friedrich am Blöcken bei Mölln unter 
Nadelholz auf sehr humusreichem Boden (!!).*) Da typischer 
R. *atrichautherus Kr. in der Nähe (am Lüttauer See) wächst, 
möchte ich diese Pflanze für eine durch Bodenverhältnisse bedingte 
Form desselben halten. 

Eine interessante, an R. infestus Whe. in mancher Beziehung 
erinnernde Pflanze (Schössling kräftig bestachelt mit zahlreichen, 
verschieden grossen Stachelhöckern; Blätter eingeschnitten gezähnt, 
in der Form an die des R. cimbricus F. erinnernd, doch am Grunde 
weniger tief herzförmig und kürzer gespitzt; Blütenstaudsachse mit 
kräftigen Stachelhöckern und spärlichen, rückwärtsgekrümmten, breit- 
basigen Stacheln; Blütenblätter weiss mit schwachem Anflug von 
rosa, auffallend schmal; Staubgefässe die Griffel beträchtlich über- 
ragend; Früchte mittelmässig entwickelt) sammelte ich unter 
R. vestitus und villicaulis in einer Schlucht am Overdiek bei Gross 
Timmendorf. Die Möglichkeit, dass es ein Bastard des R. vestitus 
ist (vielleicht mit R. caesius oder einem Corylifolier nach der 
Meinung Friderichsens), ist nicht ausgeschlossen. 

Einen Rubus „perbremon x Bellardii sc. pallidus x vestitus" 
(nach 0. Gelert R. flensburgensis K. Fr.) giebt Dr. Krause vom 
Kleinfelder Zuschlag bei Schönberg (leg. C. Koeppel) an.^) 



') Hb. Kr. NNo. 752 und 624: R. semi- (aestivalis x bremon). 

^) Fl. L. pg. 19: „Ein Bastard von R. Bellardii mit einer der hochwüchsigen 
Hiemalesarten , dem R. atrichantherus Kr. sehr nahe stehend;" Hb. Kr. NNo. 643, 
644, 786: cf. R. hy. mucronatus. 

ä) Unter R. flensburgensis Lge. in Pr. Fl. pg. 85; Hb. Kr. No. 610. 



19 

Vn. Series Vestiti. 
26. R. vestitus W. N. Durchs ganze Gebiet, mit Ausnahme der Strecke 
von Lübeck bis Katzeburg, verbreitet, doch nicht überall häufig. 
Es lassen sich unterscheiden: 

var. a leucostachj's Schleich. In nächster Umgebung der 
Stadt selten: bei der Treidelhütte (Nolte 20),i) Rittbrookü, Rand des 
Schellbruchs!!, an der Ostseeküste vom Timmendorfer Strand^) bis 
Haffkrug (und weiter nach Holstein hinein) sehr häufig, charakte- 
ristisch für die dortigen Knicks. Von dort geht R. *leucostachys 
ziemlich weit ins Binnenland: Gross Timmendorf!!, Kuhlsee bei 
Schürsdorfü, Ahrensböck (Er.), Horsdorf ! ! , ^) Parinü, Schwartau!!; 
ausserdem in Hecken bei Gross Steinrade!!, bei Zarpeu (Rohw., Fr.!) 
und vereinzelt bei Nüsse! !. 

f. viridis Lge. (zarte Schattenform, Unterseite der Blätter 
grün): am Rande der Scharbeutzer Heide!!, in einer Schlucht bei 
Kattenhöhleu ! !, Sarau bei Ahrensböck (Er.). 

Eine Form mit „scharf gesägten , oberseits kahlen Blättchen; 
Schössling mit zahlreichen, kurzen Stieldrüsen": bei Zarpen (Rohw. 
nach Kr.);*) Hr. Rohweder schreibt darüber: „Eine besondere Form 
soll ich nach Kr. gesammelt haben; mir ist davon nichts bekannt." 

var. ^ chloroscarythros E. H. L. Krause. Zahlreich im süd- 
lichsten Teile des Gebietes: Kleinfeld - Schönberg und Schlagbrügge 
(leg. Koeppel nach Kr.)^) und bei Ahrensböck (Er.); ausserdem (ver- 
einzelt) beobachtet in den Brunsmarker Tannen bei Mölln!!, bei 
Zarpen (Rohw., mdl. IMitteilg.), in einer Hecke bei Schürsdorfü,^) in 
einer Schlucht am Overdiekü, in Knicks bei Scharbeutzü und 
Sierksdorf (Frl. P. Kirchner!). 

An sonnigem Orte verlieren die Blüten von R. * chloroscarythros 
oft ihre leuchtende Farbe (vgl. Einleitg.) ; ein solches Exemplar wurde 
in Fr.s Fl. L. pg. 19 als „Mittelform zwischen R. leucostachys und 
chloroscarythros" aufgeführt. 



') Zitiert in Pr. Fl. pg. 74. 

^) NNo. 9 und 10 als „rotgrifflige Form" in Fl. L. pg. 19 angegeben; No. 9 ist 
im Hb. Kr. No. 23: E. vestitus. 

') No. 8, nicht ganz normaler Herbsttrieb mit unterseits angedrückt weissfilzigen 
Blättern. Diese Pflanze nannte Dr. Focke nach wenig instruktivem Material R. Linde- 
bergii P. J. Müll, (als solcher in Fl. L. pg. 19); Hb. Kr. No. 751: E. semivestitus. 

"j Zitiert in Pr. Fl. pg. 74. 

°) Zitiert in Eub. Eost., Nachtrag; In Pr. Fl. pg. 74; Hb. Kr. NNo. 21 und 22. 

») Hb. Kr. No. 24. 

2« 



20 

27. R. pyramidalis Kaltenb. Nicht selten; aus dem südlichen Teile 
des Gebietes liegen keine Beobachtungen vor (Griew. nach Kr.,') 
H.!, Br.!, Rohw., Fr.!)!!.^) Eine 

f. umbrosa mit fast kahlen Turionen; Blätter gross, dünn, oft 
dreizählig, unterseits schwach behaart, grünlich; Blütenstand lang, 
durchblättert, mit nur sehr vereinzelten Stieldrüsen: In einer Hecke 
zwischen Pansdorf und Gross Timmendorf mit tj'pischem pyramidalis 
zusammen!!. 

Eine vielleicht nur zufällige (? hybride) Form mit verhältniss- 
mässig kräftigen Stacheln und zahlreichen, langen Stieldrüsen im 
Blütenstande („R. radula, f. ad R. Rothii^) accedens" nach Focke) 
sammelte Sen Dr. Brehmer in den Wessloer Tannen.*) 

Eine wahrscheinlich hybride Pflanze aus der Gruppe der Vestiti, 
welche nach Friderichsen am nächsten mit R. Menkei *hirsutus 
verwandt ist, sammelte Fr. am Südrande des Lüttauer Sees bei 
Mölln(!!); leider sind die Bedingungen zu einer kräftigen Entwicklung 
der wenigen Sträucher so ungünstig, dass sieh über Abstammung 
oder Identität nichts Genaues sagen lässt. 

VIII. Series Radulae. 

28. R. radula Whe. Im ganzen Gebiete sehr häufig (Griew.,'') F.-B.!, 
Fr.!,'') Rohw.!, Er., Koeppel nach Kr.')!!). 

Einen blühenden Schösslingstrieb sammelte Kr. bei Trave- 
münde (Gneversdorf). ^) 

Von der typischen Form weichen durch rundliche, schwach- 
bewehrte Schösshnge, schmale Blätter und verkürzte Infloreszenz 
die Pflanzen von Waldhusen (bei der Haltestelle, leg. Fr.!), Ratze- 
burg (Pfaffenmühle, Fr.!) und Klein Gronau (nahe dem Seekruge, 



') E. Rost. pg. 198, Pr. Fl. pg. 74. 

''■) No. 3 (Schwartau, Waldrand unterhalb Emanuelsruhe ! !) : Hb. Kr. No. 736: 
cf. R. pyramidalis; No. 9 (Militärscliiesstände an der Untertrave ! !) : Fl. L. pg. 19: R. 
pyramidalis („Annäherung an E. rhombifolius"), Hb. Kr. No. 737 : „steht zwischen pjrra- 
midalis und silvaticus"; No. 10 (in einer Hecke bei Scharbeutz I !) : Fl. L. pg. 19: R. 
pyi-amidalis („Annäherung an R. rudis"), Hb. Kr. No. 750: R. semivestitus ; No. 11 
(Rand der Scharbeutzer Heide!!): Hb. Kr. No. 755: R. pervestitus x semibellardii. 

') Fl. L. pg. 19: E. pyramidalis („Annäherung an E. radula"). 

*) R. thyrsiflorus f. exsecatus Br. in sched. ; thyrsiflorus Lenz in seiner „ÜIjcv- 
sicht der lübeckischen Flora." 

•*) Zitiert von Betcke pg. 110, R. Rost. pg. 199. 

'') No. 3 (Schwartau): Hb. Kr. No. 817: E. hy. radula. 

') Hb. ICi-. No. 816: E. hy. radula. 

^) Hb. Kl-. No. 820: E. hy. radula j)rimo asi üorens. 



21 

Fr.!)!! ab. Eine ziemlich extreme Form dieser Richtung sammelte 
Fr. bei Schwartau (Waldhütte!). 

f. m Ollis Gel. (= viadricus E. H. L. Kr.)') ist nicht selten; 
schon von Kr. von Lübeck ohne genauere Bezeichnung angegeben.^) 
Es lassen sich zwei Typen dieser Varietät unterscheiden: 

«. Schattenform mit sehr breiten, gekerbten, unterseits grünen 
Blättern, Achsen wenig bestachelt, mit zerstreuten Haaren und 
Drüsen; Blütenstand sehr verkürzt; Blütenstielchen dünn, teilweise 
wagerecht abstehend, mit sehr schwachen Stacheln; Staubgefässe 
verhältnismässig kurz. So häufiger: Dassow (Griew. 49!),^) Timmen- 
dorf er Strand, am Rande der Kammer!!, im „Spann" am Hemmeis- 
dorfer See!!, an der Eutiner Bahn zwischen Schwartau und Pansdorf !!, 
im „Bentz" zwischen Waldhusen und Ratekau!!, bei Zarpen (Rohw.!) 
und am waldigen Ufer des Ratzeburger Sees hei Einbaus!!. 

ß. Blätter fein und scharf gesägt, unterseits angedrückt filzig; 
Achsen lang und dicht behaart (Drüsen sehr viel kürzer als die 
Haare); Blütenstand lang und schmal, durchblättert. Diese Form 
ist manchmal mit typischem radula durch Übergänge vei'bunden; be- 
sonders ausgeprägt ist sie gefunden bei Waldhusen!!, in der Grünauer 
Heide!! und bei Ratzeburg (Pfaffenmühle, leg. Fr.!). 

An diesen Typus schliesst sich eine sehr extreme, dem 
R. echinatus Lindl. ähnliche Form an,*) die vielleicht hybriden 
Ursprungs ist (Früchte meist fehlschlagend). Sie hat sehr dicht 
behaarte , reichlich mit Drüssen und Stachelhöckern versehene 
Turionen ; die Stacheln sind schmal und nicht ganz gleichartig. 
Schösslingsblätter sehr lang gestielt; Blättchen breit, unterseits kurz- 
haarig und angedrückt graufilzig, mittlere Seitenblättchen auffallend 
eckig. Infloreszenzen manchmal über 1 m lang, durchblättert, mit 
ziemlich starken, geraden Stacheln bewehrt; Blütenästchen 5 — Tblütig, 
mit feinen, gelben Stacheln besetzt, Terminalblüte sehr kurz gestielt; 
Blütenblätter breiter als bei radula; Staubgefässe wenig länger als 
Griffel. Diese Form fand ich in mehreren Exemplaren am Timmen- 
dorf er Strande in einer Hecke ^) und sehr zahlreich in Knicks bei 
Waldhusen; an letzterer Stelle ist sie nicht immer genau von 
*mollis ß zu trennen. 



') Als solcher in Fl. L. pg. 19. 

■^ Pr. Fl. pg. 70. 

') Hb. Kl. No. 815: E. hy. radula. 

■•) Fl. L. pg. 19: R. radula f. viadricus Kr. 

') Hb. Kr. No. 810: R. cf. hy. radula. 



22 

29. R rudis W. N. Im ganzen Gebiet nicht selten, an lichten Wald- 
plätzen oft in grosser Menge (Br.!,^) Focke,^) F.-B.!, Fr.!, Roh w.,') Er.)!!^) 

Entgegen Fockes Syn. pg. 326 („Stachelhöckerchen stets sehr 
kurz, mehr fühlbar als sichtbar") sind die Stachelhöcker nicht selten 
recht derb und deutlich ins Auge fallend , besonders bei No. 1 
(Mölln, Scharberg, leg. Fr.) und No. 6 (Schwartauer Au, leg. Br.).*) 
Bei einer 

forma aprica findet sich das in besonders auffallendem Masse: 
Die Achsen der Turionen und Infloreszenzen sind von Stachelhöckern 
und kleinen Stacheln sehr rauh, Schösslinge kurzgliedrig, stark ver- 
zweigt, Schösslingsblätter unterseits von kurzen Striegelhaaren gelblich 
grau; ßlütenstandsachse deutlich kantig.^) So beobachtet am Timmen- 
dorfer Strand, Rand des Wohldes!!^) und im „Spann" am Hemmels- 
dorfer See!!. 

Einen „cf. hybridus rudis, vergens ad pallidum" giebt Kr.') aus 
dem Mannhagener Zuschlag bei Mölln an (leg. G Koeppel).^) 

30. R. pallidus W. N. Wie voriger, oft an denselben Orten (Fr.!, 
Rohw.,^) Er.)!!. Am besten ist der typische pallidus mit seinen 
dunkelroten Griffeln und den zahlreichen Stacheln in der massig 
entwickelten, oft korallenrot gefärbten Rispe an sonnigen Standorten 
vertreten: No. 1 (Rittbrook, leg. Fr.!), No. 5 (Eutiner Bahnhof bei 
Schwartau, leg. Fr.!),^") No. 8 (Graskoppel bei Reinfeld!!), am Rande 
des Timmendorf er Wohldesü und im Wahlsdorf er Holz bei Ahreus- 
böck (Er.). Gewöhnhch aber fallen diese auffallendsten Merkmale 
weg (Griffel gelblich, bräunlich oder hellrot); doch ist er im ganzen 
formenbeständig und stets leicht zu erkennen. 

An besonders auffallenden Formen wurden beobachtet: ein 
blühender Schösslingstrieb am Kuckucksberge bei Mölln (Fr.! — 
No. 6); f. laciniatus: am Rande des Timmendorfer Wohldesü; 



Pr. Fl. pg. 72. 

'') Rub. Kost. pg. 199 und Pr. Fl. pg. 72. 

ä) No. 10a (Schwartau, Eutiner Bahnhof, leg. Fr.): Hb. Kr. No. 821: hy. rudis; 
No. 10b (von demselben Standort, Material von einer etwas kümmerlichen Pflanze): 
Hb. Kr. No. 818: zwischen hy. rudis und hy. pallidus, in Fl. L. als „merkwürdige 
Mittelform zwischen rudis und pallidus" angeführt; No. 13 (Ziegelholz bei Mölln, 
leg. Fr.): Hb. Kr. No. 812: hy. rudis. 

^) Pr. Fl. pg. 72. 

"•) Vgl. E. Bellardii f. Griewankorum E. IL L. Krause in Prahls Fl. pg. 80! 

«) Hb. Kr. No. 613: zwischen hy. rudis und No. 647 (slie. R. pallidus f.!). 

') Hb. Kr. No. 822. 

^) Pr. Fl. pg. 72 unter R. rudis — vgl. oben No. 10 b!. 

") Pr. Fl. pg. 71. 

") Hb. Kr. No. 679: R. hy. pallidus. 



23 

eine Pflanze mit weniger zalilreichen, viel kräftigeren Staclieln 
als bei typischem pallidus, allmählich lang, nicht schief zugespitztem 
Eudblättchen und etwas längereu Staubgef ässen : zahlreich an der 
Landstrasse zwischen Niendorf und Hävenü (No. 9); 

eine forma umbrosa mit breiterem Eudblättchen, verhältnis- 
mässig kräftigen Stachelu und rein grünen Griffeln: in einer bewal- 
deten Schlucht der Kammer bei Kattenhöhlen!!;') 

eine sonderbare souuenständige Form, die der oben an- 
geführten forma api'ica des R rudis analog ist: Schössling 
verhältnismässig dicht bestachelt, Blätter lunzlig, lederartig, In- 
floreszenzen sehr dicht mit gelben Nadelstachelu und verschieden 
langen Stieldrüseu (einige doppelt so lang, als der Durch- 
messer des Blütenstielchens) versehen; Griffel dunkelrot. In einem 
einzigen Exemplare am Rande des Timmendorf er Wohldes (ganz 
nahe dem apriken rudis)!!. Für eine zufällige Varietät, als welche 
ich die Pflanze anfangs ansah, möchte ich sie nicht halten, da sie 
fünf Sommer hindurch sich ganz gleich geblieben ist; gegen hybride 
Abstammung (Meinung Dr. Fockes, dem Zweige zugesandt wurden) 
sprechen die durchaus normal entwickelten Früchte. Vielmehr glaube 
ich au einen Einfluss des Bodens und des exponierten Standes, ob- 
wohl typischer pallidus — und typischer rudis — unter scheinbar 
ganz gleichen Bedingungen sich in nächster Nähe finden.^) 

Rubus *Loehri (Wirtg.) Frid. in sched. (als subsp. von 
pallidus).') 

Eine Pflanze, welche ich mit Frid. zu dieser Art stellen möchte, 
ist gesammelt worden in Blankensee am Rande des Moors (Fr.)!! 
und sehr zahlreich unter den Kiefern am Hünengrab!!, in einem 
Knick zwischen Gronau und dem Seekrug (Fr.)!, in der Gras- 
koppel bei Reinfeld als vorherrschende Art!! und im Walde hinter 
Paddelügge!!.*) 

Diese Pflanze unterscheidet sich von R. pallidus recht auf- 
fallend durch sparsamere, kräftigere, gleichgrosse Turionenstacheln, 
langgestielte, breite Eudblättchen; der Blutenstand ist bei kräftigen 
Exemplaren reichblütig, nach oben deutlich verjüngt mit fast recht- 



') Hb. Kr. No. 827: of. hy. pallidus x hy. gratus. 

■■') Hb. Kr. No. 647: R. hy. semipallidus; 0. Gelert nannte dasselbe Exemplar 
1895 E. Schleicheri Whe. 

') Fl. L. R. pallidus f. Simonisianus E. H. L. Kr. 

■*) Hb. Kr. No. 611: R. ci. pallidus, cimbricug ähnelnd; von Gel. 1895 als 
R. Koehleri W. N. bezeichnet. 



24 

winklig absteheoden unteren Blütenästen, welche von dichtem Haar- 
filz und etwas längeren Stieldrüsen zottig sind; die Staubgefässe 
überragen die stets gelblich - grünen Griffel; der Kelch ist an der 
Blüte abstehend, liegt der wohlentwickelten Frucht locker an. 

Unsere Pflanze steht dem R. *Loehri f. leptopetalus Frid. 
in sched. (prius R. pallidus var. fusciformis K. Fr.) ziemlich 
nahe; dieser unterscheidet sich durch schmalere Eudblättchen, einen 
breiteren, nach oben gleich bleibenden Blutenstand mit kürzerem 
Haarfilz und sehr schmale, kleine, „an R. Bellardii erinnernde" 
Blmnenblätter. Die Frage, wie nahe unsere Pflanze dem typischen 
R. Loehri Wirtgens steht, wage ich noch nicht zu entscheiden, da 
die Exemplare unseres städtischen Herbars (von Coblenz, leg. Wirtgen) 
eine genaue Vergieichung nicht zulassen; jedenfalls sind auch sie 
dem R. pallidus viel näher verwandt als dem R. rudis (vgl. Fockes 
Syn. pg. 328!). 

IX. Series Glandulosi. 
32. R. Bellardii W. N. Im ganzen Gebiet an schattigen Stellen der 
Buchenwälder nicht selten, gern auf quelligem Boden; selten unter 
Kiefern (Waldhalle bei Mölln, sehr zahlreich Fr.,!!) (Willebr.,i) H.!, 
Br.!, Lenz!, Rohw., Fr.!)!!. R. Bellardii ist die formenbeständigste 
unserer Brombeeren. Die Blätter sind meistens Steilig; fussförmig 
özählige wurden an ganz normalen Pflanzen beobachtet im Timmen- 
dorf er Wohld ! ! , ^) in der Scharbeutzer Heide ! ! ') und in der Neu- 
koppel bei Haffkrug!!. Blühende Schösslingstriebe sind nicht selten; 
eine besonders üppige derartige Pflanze, bei welcher der unterste 
Blütenast zu einer eigenen, schmalen Infloreszenz sich entwickelt, 
sammelte ich im Timmendorfer Wohld. '^) 

Eine sublaciniate Form wurde beobachtet in einem Eicheu- 
wäldchen bei Pansdorfü. Die 

f. Griewankorum E. H. L. Krause (= ß feros Marss.) ist 
eine sonuenständige Form mit schwachkantigem Schössling, kräf- 
tigeren Stacheln und oft sehr langer, durchbläfcterter Infloreszenz, 
welche besonders zur Bildung özäbliger Blätter neigt. Sie wurde 
beobachtet in der Neukoppel bei Haffkrug ! ! und am Kuckucksberge 



>) Zitiert Betcke pg. 125; R. Rost. pg. 201. 

^) Hb. Rub. Lub. No. 13, mit allen Übergängen des dreiteiligen Blattes zum 
fünfzähligen. 

') Hb. Bub. Lub. No. 12. 
*) Hb. Eub. Lub. No. 11. 



25 

bei Mölln (Fi\ !) Ob diese kräftigeren Exemplare wirklich von 
Bellardii als Form unterscliieden werden dürfen, ist mir zweifelhaft; 
an dem Platze in der Neukoppel, wo ich 1894 die f. Griewankorum 
gesammelt hatte, fand ich in den folgenden Jahren nur typischen 
Bellardii ! 

X. S e r i e s C o r 3^ i f o 1 i i. 

33. R. *slesvicensis Lge. In einer Varietät mit kahlen Schösslingen 
sehr zahlreich in Hecken bei Scharbeutz !!. 

34. R. *polycarpus G. Braun. ^) In der 

f. ruber Foeke sehr zahlreich bei Schwartau an der Eutmer 
Bahn (Fr.!)!!,^) in der Neukoppel bei Plaffkrugü.ä) 

f. spinosissimus P. J. Müll, (unter R. corylifolius Sm.). 
Auf sehr humusreichem Boden nahe der Neukoppel!!, wahrscheinlich 
eine standörtliche Abänderung (beeinflusst durch Sonne und Boden) 
der vorigen Pflanze. 

Eine sehr stark- und langdrüsige, verschiedenstachelige Pflanze, 
welche dem R. *hystricopsis K. Fr. in seh ed. nahesteht, vielleicht 
eine Form desselben, sammelte ich zahlreich in einer Hecke bei 
Fresenholt (nahe Kattenhöhlen an der Timmendorf er Kammer).*) 

35. R. '-'commixtus Fr. u. Gel. (= R. *fasciculatus P. J. Müll, 
erw.).^) Wohl nicht selten.'') Schwartau (Fr.!),') Gothmund (Fr.!) 
und am rechten Traveufer bei der Herrenfähre (0. Gel.) ; ^) nach 
Gel. gehören hierher auch zwei Pflanzen von Schönberg-Zarnewentz 
(leg. C. Koeppel).») 



') In Friderichsens „Beiträgen zur Kenntnis der Corylifolier" unter E. *oreogeton 
F. erw., dort von Lübeck angegeben (pg. 14). 

") Fl. L. pg. 18: eine Brombeere, welche wahrscheinlich aus einer Kreuzung 
zwischen R. Hansenii und Bellardii hervorgegangen ist; Hb. Kr. NNo. 402 und 403: 
R. hy. Berolinensis Kr. 

') Fl. L. pg. 19: ein vermutlicher E. Bellardii x caesius; Hb. Kr. No. 404: R. 
hy. Berolinensis Kr. R. *Berolinensis Kr. und R. *polj'carpus G. Br. nach 0. Gel. 
(Brombeeren aus d. Prov. Sachsen) Synonyma ; vgl. auch K. Friderichsens „Bei- 
träge" pg. 141 

*) Fl. L. pg. 19: E. pallidus X caesius (Jensenii Lge.); Hb. Kr. Ko. 824: 
R. caesius x cf. radula. 

'^) She. Frid. „Beiträge" pg. 19. 

") Von Lübeck zitiert von Frid. ibid. pg. 24. 

') Fl. L. pg. 19: E. radula x caesius; Hb. Kr. No. 392 : R. caesius x semibremon. 
Dieser Pflanze soll No. 393 sehr ähnlich sein (Ki., schriftl. Mitteilg. : R. percaesius x 
semibremon, Gneversdorf bei Travemünde, leg. Kr.). Wahrscheinlich gehört auch sie 
zu R. *commixtus F. G. (?var. ambifarius P. J. M.). 

') Die Beobachtungen von 0. Gel. sind mitgeteilt im Bot. Centralbl. 1889, 
Bd. 26, S. 2. 

^) Hb. Kr. NNo. 808 und 832: R. caesius x semibremon. 



26 

f. glaiidalosus Fr. Gel. Am Traveufer bei der Herren- 
fähre (Gel). 

var. ambifarius P. J. Müll, (als Art). Harmsdorf bei 
Ratzeburg!!, Pansdorfü, Hemmeisdorf !!, in Hecken zwischen Trave- 
münde und Niendorf zahlreich!!, am Timmendorfer Strande!! und 
am Wieschendorfer Wege bei Dassow (Griew. 49 sub nom. R. dume- 
torum W. N. var. glabratus Whe.!). 

36. R. *Fioniae Frid. Im Lauerholz (Gel). 

37. R. *centiformis K. Fr. In zwei verschiedenen, nicht genau zu 
fixierenden Formen bei Stockeisdorf (Fr.!) und am Timmendorfer 
Strande!!. 

38. R. *acuminatus Lind. {= R. *gothicus F. G.).') Häufig bei 
Mölln (Fr.!)^) und am Timmendorfer Strande!!; sonst am Mönkhofer 
Wege (Fr.!) und im Lauerholze (Gel.) beobachtet. 

An Formen wurden unterschieden: 

f. Sidforssii Gel (wahrscheinlich ein caesius x thyrsoideus). 
In einer Hecke zwischen Schönböcken und Paddelüggeü. Ziemlich 
ähnlich ist ein R. thyrsoideus x caesius, den Fr. unter den Eltern 
am Ziegelholz') und am Blöcken bei Mölln sammelte. 

f. decipiens F. G. Am Rande des Timmendorfer Wohldesü. 

39. R. *Wahlbergii Arrh. Bei Dassow (Griew. sub nom. R. dume- 
torum W. N. ß silvestris!*) und Koeppel)") und in einer Hecke bei 
Fresenholtü 

f. umbrosus F. G. Im Lauerholz (Gel.) 

f. pi'aecox K. Fr. Einen R. Wahlbergii, der (nach Frid.) wahr- 
scheinlich zu dieser Form gehört, sammelte ich au einem Feldwege 
bei Paddelügge. 

40. R. *nemorosus Hayne. In typischer Form sehr verbreitet in der 
weiteren Umgebung vom Timmendorfer Strande!! (Wohld, Overdiek, 
Fresenholt, Scharbeutzer Heide etc.); ausserdem bei Dassow (Griew.),®) 
Ratzeburg (Koeppel nach Kr.)') und Mölln (Waldrand bei der Burg 
Paetzke, leg. Fr,!)^) beobachtet. 



') Als solcher in der Fl. L. pg. 19. 

'') Hb. Kr. No. 412: E. cf. bremon x caesius (Schmalsee, leg. Fr.). 
') Hb. Kr. No. 825. 

■*) In Betckes Monogr. unter R. dumetorum ; Hb. Kr. No. 448 : R. cf. 
bremon x caesius. 

^) In Prahls Krit. Fl. unter R. hemithyrsoideus. 

^ In Betckes Monogr. unter E. dumetorum; R. Rost. pg. 207. 

') Fr. Fl. pg. 84. 

^ Hb. Kr. No. 411; E. hy. nemorosus. 



27 

Eine heterakanthe, sonst aber typische Form sauimelte Fr. am 
Mönkhofer Wege(!). 

Durch Reichdrüsigkeit abweichende Formen, die vielleicht 
Hybride mit dem Kreise des R. *oreogcton F. (polycarpus Br.) 
sind, findet mau nicht selten; auffallende Exemplare derart bei 
Scharbeutz an der Lahdstrasse 1! und im Spechserholze bei Ahrens- 
böck (Er.!). 

41. R. *ciliatus Lindebg. Im Lauerholze (Gel.). Häufiger in der 

var. roseus F. G. (= R. Fischii E H. L. Krause) ') Bei 
Blankenseeü, zwischen Rosenhagen und Pötuitz am Strande der 
Ostsee (Griew.!), bei Mönkhof (Br.i), SteinradeÜ, in einem Knick 
zwischen Pansdorf und Luscheudorf !!, bei Ahrensböck (Er.) und 
verschiedenthch am Timmeudorfer Strande!!. 

var. grandis Neum. (= R. *tiichotantherus K Fr. in 
sched.). Eine nach Frid. wohl hierher gehörige Pflanze sammelte 
ich in einer Hecke bei Scharbeutz. 

Nahe verwandt mit R. *ciliatus var. roseus F. G. ist ein ver- 
mutlicher R. Sprengelii x caesius,-) den ich bei Blaukensee^) 
und in einem Knick bei Buntekuh sammelte. 

42. R. *Warmingii G. Jens. In typischer Form bisher nur bei Alirens- 
böck (Er., mdl. JVIitteilg.) beobachtet; in der 

f. glaber F. G. anscheinend nicht selten: Pansdorf!!, am 
Timmeudorfer Strande ! ! , in einer Hecke am Kuirkerkruge nahe 
dem Pönitzer See (Er.)!!, häufig bei Ahrensböck (Er., mündl. 
Mitteilg.). 

43. R. *maximus Marss.*) Am Bache hinter der Lütgenhofer Wind- 
mühle bei Dassow (Willebr., Griew.!). Nach Friderichsen ist diese 
Pflanze — zum mindesten das Material unseres Herbars — sicher 
echter R. maximus Marss. 

Pflanzen, welche . sich von R, caesius L. durch kantige Schöss- 
linge, özählige, unterseits stärker behaarte Schössliugsblätter, stärker 



') Als solcher in Friderichsens „Beiträgen" von Lübeck und Ratzeburg angefülirt. 
'0 Als solcher in Fl. L. pg. 18. 

') Hb. Kr. No. 447: E. caesius x (aestivalis x semibremon). 
"*) Als R. corylifolius in Betckes Monogr. pg. 114 — 117; R. confusus E. H. L. 
Krause in R. Eost. pg. 202; als solcher in Prahls Fl. pg. 86. 



28 

zusammengesetzte iDfloreszeuzen etc. unterscheiden, ohne dass sie 
doch zu einem Formenkreise der Coryhfolier gestellt werden können,.') 
sind nicht eben selten (Griew., Fr.!)!!. 

44. R. caesius L. Sehr häufig und recht veränderhch. Die ver- 
schiedenen aufgestellten Varietäten ^) sind meistens durch den 
Standort bedingte Abänderungen ; teilweise gehören sie zu R. semi- 
caesius. 

45. R. caesius x Idaeus. Nicht selten. Bei Mölln an verschiedenen 
Stellen (Fr.!), Mönkhofü, Lauerholz!!, Dassow (Griew.), ^) Paddelügge ! !, 
Schwartau (Fr.!), Timmendorfer Strand!! etc. 



'■) E. semicaesiiis E. H. L. Kr. in Pr. Fl. pg. 86. 
•■=) She. Pr. Fl. pg. 87. 

') R. Pseudo - caesius und Pseudo - Idaeus in Betckes Monogr. pg. 143 ; 
R. Rost. pg. 212. 



29 



Nachträge zur Flora von Lübeck. 

Von Dr. P. Friedrich. 



feeit dem Erscheinen meiner Flora *) ist die Kenntnis unserer 
heimischen Pflanzenwelt durch den Nachweis sowohl bisher übersehener 
Abarten und Formen, als auch neuer Standorte von eingewanderten und 
eingeschleppten Pflanzen nicht unbeträchtlich erweitert worden. Das 
folgende Verzeichnis enthält ausser diesen Funden die Standorte einer 
Anzahl älterer Pflanzen aus dem Griewankscheu Herbar, das seit einigen 
Jahren dem lübeckischen Museum einverleibt ist. Die Brombeeren, die 
in den letzten Jahren genauer als in den meisten übrigen Lokalfloren 
untersucht worden sind, haben von selten des stud. med. 0. Ranke in 
diesem Hefte eine besondere Bearbeitung erfahren. 

Von den meisten Pflanzenfunden sind Belegexemplare dem Pierbarium 
lubecense des Museums einverleibt. Die Zahl der Standortskarten ist 
entsprechend den neueren Funden vermehrt worden. Von Standorten 
mit ! haben dem Verfasser Exemplare vorgelegen, an Standorten mit !! 
hat er selbst die betreffende Pflanze beobachtet. 

Ranunculaceen. 

Thalictrum flexuosum. An Knicken nahe dem Steinrader Wege bei 
Krempelsdorf (Brehmer 52, Haecker 56 !). Die hier seit Jahrzehnten 
vergeblich gesuchte Pflanze konnte in diesem Jahre wieder nach- 
gewiesen werden ! !. 

Pulsatilla pratensis. Kiefernwald zwischen Wesloe und Brandenbaum 
(Wentorf 1895), auf Flugsand südlich von Herrenburg 98 !!. — Mit 
Sommerblüte bei Travemünde (Krause 84). 

Anemone nemorosa X ranunculoides. Teufelssumpf bei Timmendorf 
mit Viola epipsila (Ranke 98) !. 



*) Flora der Umgegend von Lübeck. Lübeck. Verlag von Lübcke & Hartmann. 
1895. 47 S. 4". 



30 

Berberidaceen. 

Berberis vulgaris. Zahlreiche grosse Sträucher im Kiefernwald zwischen 
Wesloe und Brandeubaum, besonders im Forstort Hammer ! !. 

Nympliaeaceeii. 

Nymphaea alba, mit blassroten Blumenblättern. Bruch bei Nädlershorst 
(Brehmer 95) !. 

Violaceen. 

Viola Riviniaua X i'lavicornis. Vossberg bei Mölln 98 ! !. 

Silenaceeii. 

Tunica prolifera. Heidberg bei Mölln 95 !!. 

Cucubalus baccifer. Landungsbrücke der Sommerfähre am Priwall bei 

Ti'avemünde (Dr. Sonder-Oldesloe 96). 
Viscaria vulgaris. Fredeburg nahe der Buchener Bahn massenhaft 

(95, 96) !!, Einhaus 95 !!, Gothmund 96 I!, Insel Buchwerder 

(Haecker) !. 
Silene dichotoma. Auf einem'^Felde bei Zarpeu (Ranke 96) !. 
S. nutans Riesebusch bei Schwartau 95 ! !. 

Melandryum album X rubrum. An der Strasse bei Talkau 96 !!. 
Lychnis flos cuculi. Weissblühend. Trems (Thomsen 96) !. 

Hypericaceen. 

Hypericum montanum. Farchau und Waldesruh 95 ! !. 
H. hirsutum. Zwisclieu Pohnsdorf und^Rensefeld (Strunck 93) !, Knick 
bei Lokfeld 98 ! !. 

Papilioiiaceen. 

Ulex europaeus. Massenhaft nahe der Strasse bei Niendorf südlich von 
Mölln 96 ! !. Angepflanzt in der Scharbeutzer Heide (Rauke 96) !. 

Sarothamnus scoparius. Prächtige, übermannshohe Sträucher in der 
Grandkuhle beim Forsthaus Ritzerau 98 ! 1. 

Medicago sativa X falcata. Travemünde, auf Dünensand, wohl an- 
gesät 96 !!, Strasse bei Brandeubaum (Strunck 96) !. 

Trifolium fragiferum. Travewiesen (salzig) oberhalb Oldesloe 98 ! !. 

Vicia silvatica. Im Bartelsbusch bei Berkenthin zahlreich 95 !!, Unter- 
trave bei Dummersdorf (Griewank 50) !. 

Lathyrus sativus. Zahlreich als Unkraut zwischen Erb.sen auf dem 
Altmöllner Berg 96 ! ! und dem Kukuksberg bei Mölln 98 ! I. 

L. veruus. Riesebusch bei Schwartau nahe der Eisenbahn, zahlreich auf 
unterem Geschiebemergel 99 !!, Riesebusch-Gehege (Ranke 95). 



31 

Rosaceen. 

GeuQ] urbauum X rivale. Häufig im KaDneubruch bei Cronsforde 
(J. Schmidt 94). 

Potentilla intermedia. Um Lübeck noch alle Jahre beobachtet. 
Mölln 96 !!. 

Sanguisorba minor. Die vor 40 Jahren am Eisenbahndamm bei Einhaus 
mit Esparsette angesäten Pflanzen gehören nach Prof. Haussknecht 
(briefl. Mitteil.) zu S. muricata. 

Agrimonia odorata. Weder in der Haeckerschen Flora (1844) nocli in 
dem Verzeichnis von Lenz (1869) augegeben, aber um Lübeck nicht 
selten und stellenweise zahlreich. Gi'. Sarau 95 ! !, Culpin 95 ! !, 
Kaltenhofer Weg bei Schwartau 96 !!. Lauerholz 96 !!. Im Griewank- 
schen Herbar befindet sich ein von Gr. 1852 im Lauerholz gesam- 
meltes und richtig bestimmtes Exemplar. 

Pomaceen. 

Pirus Malus. Nicht selten in Laubwäldern, besonders um Reinfeld ! !. 
Baum mit 40 cm dickem Stamm im Schellbruch (Elle). 

Crataegus monogyna f. splendens. Mit zur Hälfte roten Blumen- 
blättern: Knicke zwischen Curau und Schwinkenrade 1900 !!, Foi'stort 
Hammer bei Brandenbaum (Elle 1900 !). 

Onagraceen. 

Circaea alpina. Strecknitzer Gehölz (Haecker) !. 

C. lutetiana X alpina. Forst Reinfeld westlich Heidkamp (Ranke und 

Rohweder 96) !. 

Saxifragaceen. 
Saxifraga granulata. Mit winzigen, wenig entwickelten Blumenblättern. 

Zwischen Waldesruh und Ratzeburg 95 ! !. 

Umbelliferen. 

Archangelica littoralis, gehört zu den von der Elbe eingewanderten 
Stromthalpflanzen. Sie konnte im Möllner See und bei der Hahnen- 
burger Schleuse, an der Stecknitz bei Berkenthin und Moishng nach- 
gewiesen werden 94, 96 ! ! und ist höchst wahrscheinlich durch das 
ganze Delvenau-Stecknitzthal verbreitet. An der Trave steigt sie 
über Oldesloe aufwärts bis zur Nütschauer Mühle ! !. 

Peucedanum Oreoseliuum. An der Strasse zwischen Hollenbek und 
Berkenthin 98 !! und bei Kählstorf an der Stecknitz 99 !!, Schwartau: 
an der Strasse nach Pansdorf, zahlreich (Ranke 95). 

Anthriscus vulgaris. Pierrenburg (J. Schmidt 95). 



32 

Araliaceen. 

Hedera Helix. Blühend an einer Koj^fweide bei Gneversdorf 98 ! !, an 
Kiefern im Forst Schwinkeurade 1900 ! !. 

Caprifoliaceen. 

Lonicera Periclymenum. Mit vergrünten Blüten: Erster Fischerbuden 

(Tessmaun 96) !. 
Linnaea borealis. Bei Lübeck verschwunden. Forstort Greven bei 

Gudow (Apotheker Greuel 97) !. 

Valerianaceen. 

Valerianella dentata f. dasycarpa. Brotheuer Ufer bei Travemünde 
mit Linaria Elatine 95 ! !. 

Compositeii. 

Petasites officinalis. Siechenhaus bei Dassow (Griewank 45) !. 
Aster novi Belgii. An der Stecknitz bei Klein Berkenthiu 98 ! !. 
Inula salicina. Reinfeld (Sonder 95). 
Rudbeckia laciniata. An der Stecknitz bei der Berkenthiuer Schleuse 

95 !!, hier schon von Klatt (64) beobachtet. Durch den neuen 

Scbleusenbau ist dieses Vorkommen wahrscheinlich zerstört. 
Galinsoga parviflora. Bahnhof Ratzebui-g 95 ! !. 
Chrysanthemum suaveolens. Um Lübeck an den Eisenbahnen weit 

verbreitet. Mölln !!. Auf Feldern bei Krempelsdorf 1900 !!. 
Senecio viscosus. Schwanebek bei Dassow (Griewank 49) !, ältester 

Nachweis bei Lübeck. Haltestelle Berkenthin 98 !!. 
S. erucaefolius. Auf dem Priwall am Nordrand des Kiefernwaldes 98 !!. 
Carduus nutans. Zahlreich bei Brandenbaum 99 ! !. 
Cirsium acaule x, oleraceum. Ein Exemplar an einem Wege bei 

Rensefeld 98 ! !. 

Rhodoraceen. 
Ledum palustre. Bei Wesloe am Landgraben wieder gefunden durch 

Förster Kluth 97 !. Einzige Pflanze im lübeckischen Staatsgebiet. 

Hypopityaceen. 

Pirola chlorantha. Vier Exemplare im Kiefernwald zwischen Branden- 
baum und Wesloe (J. Schmidt 95). 

P. minor. Riesebusch ! !, Lauerholz an mehreren Stellen ! !. 

P. secunda. An der Schlutuper Chaussee (Travetanuen Nolte 21, 
Haecker 63 !, Junge 89 !) noch zahlreich 99 !!, stellenweise zahl- 
reich auch im Kiefernwald zwischen Wesloe und Brandenbaum 
82—99 !!. 

Ghimophila umbellata. Wesloer Kiefern (Strunck 94) !. 



33 

Grentianaceen. 

Sweertia perennis. Der einzige lübeckisclie Staudort, auf dem Torfmoor 

bei Curau, ist nocli erhalten (Fräul. Riedel 98) !. 
Erythraea pulchella. Schlagsdorf (Apotheker Greuel). 

Borragineen. 

Cj'uoglossum officiuale. Zahlreich unter Kiefern bei Sparkulils Fabrik!! 
und auf der Theerhofinsel seit vielen Jahren ! !. 

Solanaceen. 

Hyoscyamus niger. Priwall, bei der Sommerfähre zahlreich 96 !!. 

Scrophnlariaceen. 

Verbascum Thapsus x nigrum. Insel Buchwerder (Griewank 

26./6. 50) !. 
Linaria vulgaris. Mit Pelorienblüten zahlreich von Junge (94 ! !) bei 

Strecknitz beobachtet. 
L. Elatine. Auf den Feldern (Mergelboden) bei Nütschau verbreitet 98 !!. 
Digitalis purpurea. Im Lanerholz östlich von der Kaisereiche, zahl- 
reich ! !. 
Veronica polita. In und um Lübeck auf Gartenland verbreitet!!, Felder 

bei Travemünde 96 ! !. 
V. opaca. Beim Schlachthause 96 !! und bei der Travemünder Ziegelei 

mit voriger 96 !!. 
Euphrasia. Nach R. von Wettstein (Monographie der Gattung 

Euphrasia. Mit 14 Tafeln und 4 Karten. Leipzig 1896, 4») giebt 

es in der lübeckischen Flora folgende drei Arten: 
E. stricta Host (nemorosa auct.). Unsere häufigste Art (Wettstein 

a. a. 0. S. 103). 
E. gracilis Fries, auf Heideboden und trocknem Sand, z. B. Mölln ! !, 

Waldhusen und Rugenberg !! (Wettst. a. a. 0. S. 146). 
E. curta Fries (canescens Prahl), auf lehmigem, feuchten Boden (Priwall!!) 

und Mergelboden, z. B. Sereetz, Gr. Sarau, Holstendorf, Campow, 

Alt- Möllner Berg ! !. 
E. curta Fries f. glabrescens Wettst. Wiesen bei Genin !! (Wettst. 

a. a. 0. S. 131). 

Eine grössere Anzahl unserer Funde haben Wettsteiu vorgelegen. 

LaMaten. 

Mentha nemorosa. Möllner See 96 !!. 

M. nemorosa X atjuatica. Ratzeburger See bei Campow 95 !!. 



34 

Origanum vulgare. Ao buschigen Uferabhängen an der Trave aufwärts 
bis Lokfeld bei Reinfeld 98 ! !. 

Galeopsis pubescens. 1845 in Lübeck eingeschleppt, jetzt verbreitet 
bis Offendorf 95 !!, K^reuzkamp 99 !! und Travemünde 99 ! !. In 
der Nähe der Waldhalle bei Schwartau sehr zahlreich unter Fichten 
zusammen mit G. Tetrahit. Mischformen zwischen beiden wurden 
hier bisher nicht gefunden. 

Ajuga geueveusis. Wanderpflanze auf der Linie Lauenburg — Lübeck — 
Travemünde, meist auf Sandboden. Neue Standorte: Mölln, Bahnhofs- 
anlagen 96 !!, an der Strasse von Gretenberge bis Anker 98 ! !, 
Wakenitzthal westlich von Nädlershorst 98 ! ! , Holzlagerplätze von 
der Struckfähre bis zu den Vorwerker Wiesen 98 ! !. 

Primnlaceen. 

Anagallis coerulea. Domhof in Ratzeburg, eingeschleppt (Bornitz 95) !. 
Primula officinalis. Dermin 95 !!, Treidelstieg nöi'dlich Ballastkuhl 

(Hoffm. 95), Grellberg bei Pansdorf mit Peucedanum Oreoselinum 

(Ranke 96) !. 
P. elatior f. sileniflora Schmidt. Israelsdorfer Holz (Brehmer 99) !. 
Samolus Valerandi. Auf Salzwiesen an der Trave von Oldesloe bis 

zur Nütschauer Mühle 98 ! !. 

Eupliorbiaceen. 

Tithymalus Gyparissias. Bei Lübeck zuerst 1886 beobachtet. Neue 
Standorte: Brandenbaum (Strunck 97) !, Wesloe (Kochen 97) !, Bahnhof 
Waldhusen (v. Grossheim 95) !. 

T. exiguus. Auf einem Felde zwischen Gronau und Blankensee 
(J. Schmidt 95). 

Ulmaceen. 

Ulmus montaua. Eine grosse alte Ulme, die nach der Ansicht des 
Forstmeisters Eilers nicht angepflanzt ist, steht im Bartelsbusch 
nahe Gr. Disnack; die zahlreichen jüngeren Ulmen in der Nähe 
sind durch Selbstaussaat entstanden. Mehrere mittelhohe Bäume im 
Braken bei Schattin, nicht angepflanzt. 

Cnpuliferen. 

Fagus silvatica. Mit gelbgefleckten Blättern: ein kleiner Baum in der 
Schlucht bei Pogeez 94 ! !. Blutbuchen entstehen hie und da durch 
Selbstaussaat der gewöhnlichen Art, z. B. mehrere Exemplare im 
Farchauer liolz, davon eins im Garten des Forstmeisters Eilers 
in Farchau. 



35 

Salicaceen. 

Salix Caprea X cinerea. Kuhbruch bei Schwartau, männhcli 95 ! !. 

S. Caprea X aurita, Waldrand am hohen Buchberg bei Gr. Disnack 96 ! !. 

S. aurita X cinerea. Mit androgynen Kätzchen: Kuhbruch bei 
Schwartau 95, 96 ! !. 

Mei-kwürdige Vergrünungen und Verholzungen (Kätzchen bis 
3 dtn lang und stark verzweigt) konnte ich seit 15 Jahren au 
einigen Kopfweiden (S. alba männlich, S. alba X fragilis weiblich) 
an den Rethteichwieseu bei Gotzels Garten beobachten. 

Populus alba. Zahlreich verwildert im Kupfermühlenthal bei Ratze- 
burg, in einem Knick beim Forsthaus Waldhusen und im Trave- 
münder Kurpark. 

Juncagiiiaceen. 

Triglochiu maritima. Travewiesen aufwärts bis zur Stecknitzmündungü. 

Najadaceen. 

Potamogetou alpinus var. rivularis Sonder. In der Bäk bei Mechow 
(Buchenau 96) !. 

P. acutifolius. In einem Moor zwischen Gashagen und Dissau 
(J. Schmidt 92). 

Orcliidaceen. 

Goodj'era repens. Die vom Förster Japp 1894 bei Brunsmark auf- 
gefundene Orchidee wächst in einem ca 78 Jahre alten Fichten- und 
Kiefernwalde, der a,uf einer ehemaligen Schafweide angelegt worden 
ist.*) Sie ist also nicht Restpflanze aus der Kiefernzeit, sondern 
eingeschleppt. 

Spiranthes autumnalis. Die vom Lehrer Wienke bei Campow 1892 
entdeckte Pflanze (95 ! !) wächst unter einem reinen Bestände von alten 
Weissbucheu zusammen mit Euphrasia curta und Gentiana campestris. 
Alle Bemühungen, diese seltene Orchidee an anderen ähnlichen 
Stellen in unserer Flora aufzufinden, waren bisher erfolglos. 

Liparis Loeselii. Curauer Moor (J. Schmidt). 

Malaxis paludosa. Im" Moor bei Buchholz am Ratzeburger See 
(Greuel 94). 

Liliaceen. 

Gagea minima. Apotheker Volk hat die Pflanze früher auf dem 
Exercierplatz bei Ratzeburg gefunden. Hier ist sie durch Anlegung 
von Schützengräben und Wallaufschüttungen vernichtet. 

Allium vineale. Wilhelmshöh 96 ! !, Gothmund 96 !!. 



*j J. Schmidt in den Schriften des naturwiss. Vereins für Schleswig -Holstein. 
Bd. XI, Heft 1, S. 90. 

3* 



36 

Cyperaceeii. 

Cyperus fuscus. Herrenfähre (Griewank 52) !. 

Cladium Mariscus. Moor zwischen Oveudorf und Warnsdorf 
(viriewank 51) !. 

Scirpus uniglumis. Priwall (Herb. Lub.) !. 

S. setaceus. Alt-MöUner Berg 96 !!, Braudenbaum (Brehmer) !. 

S. compressus. Am Karpfenteich bei Crummesserhof (Brehmer 71) !. 

Carex digitata. Kupfermühlenthal bei Ratzeburg mit Melica nutans96!!. 

C extensa. Die von C. Griewank auf dem Poetnitzer Moor (49) ! und 
den Teschower Wiesen (51) ! gesammelten und als G. extensa be- 
zeichneten Exemplare gehören zu C. flava. 

Gramineen. 

Paiiicum sanguinale. Unkraut im Gai'ten der Domapotheke zu 
Ratzeburg 95 !!. 

Setaria glauca. Bahnhof Reinfeld (Sonder 93). 

Authoxantbum odoratum var. villosum. Bei Siems und der Herren- 
fähre sehr verbreitet (Plaussknecht) ! !. 

Calamagrostis lauceolata f. canescens. Schmalsee 96 ! !. 

C. epigeios f. glauca. Am Ufer des Schmal- und Lüttauer Sees bei 
Mölln verbreitet ! !. 

C. lanceolata X arundinacea (Hartmanniana). Schmalsee bei Mölln 
mit den Eltern. Bei einem Besuche der Fundstelle mit Herrn 
Dr. Prahl am 11. /8. 95 konnten drei Formen des Bastardes fest- 
gestellt werden: 



1. sublanceolata 

2. Mittelform 

3. subarundinacea 



Die Granne beginnt 



in ^li Höhe des Rückens 

in der Mitte = 

unter 



Länge der Haare 



= Spelze 
= ^k Spelze 
== Vs Spelze 



Koeleria glauca. Unter Kiefern südlich von Falkeuhusen in wenigen 

Exemplaren (J. Schmidt 95). 
Catabrosa aquatica. Am Landgraben bei Wesloe (Haecker) !. 
Dactylis glomerata. Ahrchen in Laubsprosse answachsend (vivipara). 

Alt-Fresenburg bei Oldesloe 98 ! !. 
Festuca ai-undinacea. An der Stecknitz bei Mölln sehr verbreitet 96 !!. 

Sie wird auch im übrigen Stecknitzthal noch zu finden sein und 

gehört wahrscheinlich zu den von der Elbe her eingewanderten 

Stromthalpflanzen. 
Lolium multiflorum. Bei Dassow an Chausseegräbeu (Griewank 47) !. 



37 

Coniferen. 

Juniperus communis. Ein kümmerlicher Straucli auf dem Waldhusener 
Moor, das einzige noch, erhaltene wildwachsende Exemplar im lübecker 
Staatsgebiete, verdient besondere Schonung. 
Pinus silvestris. Im Gegensatz zu E. H. L. Krause, der als Westgrenze 
der Kiefer im Mittelalter die Linie Rostock — Geesthacht — Göhrde 
annahm,*) suchte ich auf Grund von Urkunden und Funden von 
Holzresten aus früheren Jahrhunderten nachzuweisen, dass die Kiefer 
während des Mittelalters auch weiter westlich, um Lübeck und im 
östlichen Holstein, wenn auch nur in kleineren Beständen oder 
vereinzelt vorkam.**) Dieser Ansicht ist Krause später ebenfalls 
beigetreten.***) 

Bei der Dürftigkeit der Quellen über das Vorkommen der Kiefer 
in früheren Zeiten beansprucht jede Erwähnung dieses Baumes in 
älteren Schriften ein gewisses Interesse. Es sollen daher folgende 
Stellen mitgeteilt werden. 

In dem 1721 in Plamburg erschienenen Buche: Rhodisches 
Antiquitäten Cabinet oder Accurate Beschreibung und Verzeichniss 
verschiedener Antiquitäten, welche von dem weyland Hoch -Ehr- 
würdigen Herrn Chi'. Detlev Rhoden, Inspectore und Praeposito auf 
der Insul Femern .... in denen Grab -Hügeln der Alten allhie in 
Hollstein gefunden worden .... heisst es auf S. 6: Xu. XI: zwey 
grofse Messer | und zwar | wie aus allem erhellet | Opfermesser | sind 
.... in dem grofsen Tumulo bey dem Dorffe Colin | unter ^aelen 
Ossibus I jedoch ohne ürna | etwa 3 Fufs tieff | anno 1701 vor- 
gefunden. Bey diesen Messern befand sich auch ein Stücklein 
Führen -Holtz | welches an der einen Seiten schwarz | an der 
anderen aber weiss gewesen. 

Dagegen heisst es in dem mir von Herrn Oberforstmeister Eilers 
in Farchau mitgeteilten Forstbereitungsprotokolle vom Monat Sep- 
tember 1744, Amt Ratzeburg: »Wie denn auch insonderheit mit 
darauf zu sehen se3^ dass, weilen es in denen Ämtern des Herzog- 
thums Lauenburg an Tanneu-IIoltz fehle, ob nicht an Ort und 
Enden in denen Amts-Forsten, wo sich der Forstgrund dazu geschicket, 
gute Tannenkämpe angelegt und besamt werden können.« 

*) Englers bot. Jahrb. XI, 8. 123 ff. uud XIH, 8. 46 ff. — Petermanns Mitteilungen 
1889 S. 114 u. 115 nebst Karte. 

**) P. Friedrich, Flora der Umgegend von Lübeck. 1895, S. 7 ff. — Beiträge 
zur Lübeckischen Flora S. 300 in der Festschrift zur 67. Versammlung deutscher. 
Naturforscher und Ärzte. 1895. 

**'') Floristische Notizen V, S. 3 im botan. Centralblatt Bd. 75, 1898. 



38 

Fureuholt wird im Rechnungsbuche der St. Katharinenlvirche 
zu Lübeck vom Jalire 1561 erwähnt. *) Brehmer legte in der 
Versammlung des technischen Vereins Spähne von eichenen uud 
föhrenen Pfählen vor, die bei Abgrabung der Bastion Scheune 
aufgefunden waren.**) Auch bei den letztjährigen Kanalarbeiten 
konnten unter der Bastion Schwansort neben vorherrschenden Eichen- 
bohlen Stücke von Kiefernholz nachgewiesen werden. 

Filices. 

Botrychium Lunaria. Oberbüssau und Gr. Gronau (J. Schmidt 93). 

Polystichum cristatura. Waldhusen 96 !!, Gr. Parin 99 ! !. 

Cystopteris fragilis. An Waldwegen bei Israelsdorf 96 !!, Wilhelms- 
quelle bei Schwartau (Ranke 95) !, an Knicken bei Gr. Parin nicht 
selten 97, 99 ! !. 

Asplenium Trichomanes. An der durch Nolte nachgewieseneu Fund- 
stelle in St. Georgsberg, zwischen Buchenwurzeln hinter dem Amts- 
richtergarten, vor einigen Jahren durch Apotheker Greuel wieder 
aufgefunden. An einem Knick am Nordrand der Beutz bei 
Offendorf 99 !!. 

Asplenium Ruta muraria. Die Pflanze breitet sich an den Bauten 
des Eatzeburger Domhofs, meist feuchten Spalten folgend, immer 
mehr aus. 



*) Mittheil, des Ver. für Lüb. Gesch. u. Alterthumsk. 1898, Heft 8, S. 131. 
*) Sitzungsprotokolle des techn. Vereins. Lübeck 1872, S. 38. 



39 



Litteratur zur Landes- und Volkskunde des Lübeckisclien Staatsgebietes. 

o. Bericht (für die Jahre 1893—1900). 
Zusammeiiiiestellt von Dr. P. Friedrich. 



1d den sieben Jahi-en seit dem Erscheinen des letzten Litteratur- 
verzeichnisses (Mitteihmgen 2. Reihe, Heft 5 u. 6, Lübeck 1893) sind 
Arbeiten über die Landes- und Volkskunde unseres kleinen Staatsgebietes 
in grosser Zahl erschienen. Vier Ereignisse sind es, welche die grösste 
Zahl der ans Lübeck hervorgegangenen wissenschaftlichen Arbeiten ver- 
anlasst haben: die Versammlung deutscher Naturfoi'scher und Ärzte (1895), 
die Versammlung der deutschen anthropologischen Gesellschaft (1897), 
das 100jährige Jubiläum des Museums (1900) und der Bau des Elbe- 
Trave- Kanals. 

I. Landesvermessung und Karten. 

Landes-Triangulation. PolarCoordinaten, geographische Positionen und 
Höhen sämtlicher vom Bureau der Landes-Triangulation bestimmten 
trigonometrischen Punkte. LIerausgegeben von der trigonometrischen 
Abteilung der Landesaufnahme. Berlin, Mittler & Sohn. 4". 

1. Theil. Provinz Schleswig -Holstein, grosshei'z. Oldenburg. 
Fürstenthum Lübeck, freie und Hansestadt Lübeck. Mit 14 Beilagen 
(404 S.) 1878. 
Diestel. Kilometerzeiger für das Gebiet der freien und Hansestadt 
Lübeck. Lübeck, Januar 1887. Druck von Max Schixiidt. 8 Seiten. 4". 
Dem Verzeichni,s liegen die Messtiscliblätter der K. Preuss. Landes- 
aufnahme zu Grunde. 

Liebenow, W. Special-Karte der Grossherzogthümer Mecklenburg-Schwerin 
und -Strelitz, freien Städte Hambuj'g und Lübeck, nebst den an- 
grenzenden Landesteilen als besonderer Abdruck aus der Karte von 
Mittel Europa. 1 : 300 000, 70x90 cm. Hannover, W. Oppermann, 
1892. Lith. Ji 3,50. Politisch koloriert. JC 4,—. 



40 

Weimarer Hand- und Reisekarten aller Länder der Erde. 30. Aufl. Weimar, 
geograph. Institut, 1897. No. 17. Preuss. Provinz Schleswig-Holstein 
mit Lauenburg und den freien Hansestädten Hamburg und Lübeck. 
Rev. von C. Riemer. 1 : 445 000, 61,5x50 cm. Jt 1,—. 
Plan des Lauerholzes nebst Umgebung. Bearbeitet im Katasteramte 
zu Lübeck auf Grund der Gemarkungskarten sowie unter Benutzung 
der Forstkarten und Messtischblätter. Lübeck, Hermbei'gsche Druckerei. 
Deeember 1894. 1:10 000. .^^ 0,60. 

Sauber ausgeführte Karte mit verschiedenen Farbendrucken für Wege, 
Wald, Wiesen, Wasser und Ortschaften. Die Darstellung des Wegenetzes im 
Lauerholz ist veraltet. 

Karte des Israelsdorf er Revieres. Entworfen, gezeichnet und für 
den Druck bearbeitet im Katasteramt auf Grund der Gemarkungs- 
karten, sowie unter Benutzung der berichtigten Forstkarten. Mass- 
stab 1 : 15 000. Herausgeg. von der Forstverwaltung im Mai 1899. 
Hermbergsche Steindruckerei, Lübeck. Verlag von R. Quitzow. 
8». M 1,20. 

Die in Oktav gefaltete, sauber ausgeführte Karte ist als eine Neuauflage 
der vorigen zu betrachten. Sie ist die erste Karte, welche das Wegenetz 
richtig darstellt. Die Kadel- und Laubholzbestände, sowie die Moore sind 
durch besondere Farbentöne bezeichnet. Der neue Avelund durchstich und 
die Sclilutuper Bahn sind bereits eingezeichnet. 

II. Allgemeine landeskundliche Werke über das ganze Gebiet. 

Staatshandbuch der freien und Hansestadt Lübeck auf die Jahre 1893 
—99. Lübeck. Druck von Gebr. Borchers. 1893—99. 80. 

Lübeck. Festschrift, den Theilnehmern der 67. Versammlung deutscher 
Naturforscher und Arzte gewidmet von dem ärztlichen Verein und 
dem naturwissenschaftlichen Verein zu Lübeck. Mit 27 Tafeln. 
Lübeck 1895. Druck von H. G. Rahtgens. 348 Seiten. 8". 
Inhalt : 1) Führer durch Lübeck. 

2) Überblick über die Geschichte Lübecks, von Dr. C. Wehrmann. 

3) Lübecks Gesundheitswesen, von Dr. Eiedel. 

4) Beiträge zur Geologie Lübecks, von Dr. P. Friedrich. 

5) Klimatisches über Lübeck, von Dr. Schaper. 

6) Meteorologisches über Lübeck, von demselben. 

7) Beiträge zur Lübeckischen Flora, von Dr. P. Friedrich. 

8) Fauna der Umgegend Lübecks, von Dr. H. Lenz. 

9) Das naturhistorische Museum in Lübeck, von demselben. 

Die einzelnen Ataschnitte werden unter den entsprechenden Rubriken besproclieii. 

Jahr- und Auskunftsbuch der freien und Hansestadt Lübeck, der Kgl. 

Preuss. Provinz Schleswig - Holstein und des Fürstenthums Lübeck. 

1894/95. Lübeck, Edm. Schmersahl. XI, 376, 22 S., 9 Tafeln. 

Gr. 8". Jl 4,—. 



41 

VIII. Die freie und Hansestadt Lübeck. S. 277—348. Mit 
einem Stadtplan. 

Das Buch soll als Nachschlagebucli Auskunft über alle staatlichen und 
städtischen Einrichtungen erteilen. Teil VIII zerfällt in 12 Abschnitte: Frei- 
staat Lübeck, Finanzwesen, Handel und Verkehr, Gewerbe, Industrie und 
Landwirtschaft, Bauordnung, Kirchen- und Schulwesen, Justiz-, Polizei-, 
Bevölkerungs- und Verkehrswesen, lübisches Eecht ; als Anhang Kunst- 
und Wissenschaften u. s. w. und — kaum glaublich — unter freie und 
Hansestadt Lübeck in etwa zwei Spalten das Fürstentum Lübeck. 

Lübeck. — H. A Daniel, Handbuch der Geographie, bearb. von B.Volz. 
6. Aufl., Band 3 Leipzig 1895. 8 °. 

Lübeck. 1) Freie und Hausestadt. 2) Die Stadt. — Brockhaus' Kon- 
versationslexikon. 14. Aufl., Bd. 11. 1894. 8. 323—326. Mit Plan 
der Stadt und Strassenverzeichnis. Band 17, Supplement. 1897. 
S. 729. 8". 

Lübeck. — Meyers Konversationslexikon. 5. Aufl., Band 11. 1896. 
S. 534—538. Mit Plan (1 : 20 000) und Karte des nördlichen 
Landgebietes (1 : 250 000). Band 19, Jahressupplement 1898—99. 
S. 639. 8». 

Lettau, H. Kleine Heimatskunden von Deutschland. No. 8: Provinz 
Schleswig - Holstein und die freien Städte Hamburg und Lübeck. 
Leipzig 1898. E. Peter. 8 Seiten, mit einer färb. Karte, ^/l 0,15. 

III, Natur. 
L Geologisches. 

Friedrich, P. Beiträge zur Geologie Lübecks. Mit 2 Tafeln. — Lübeck. 
Festschrift, den Theilnehmern der 67. Versammlung deutscher Natur- 
forscher und Ärzte gewidmet. 1895. S. 229—246. 8". 

Inhalt : Verzeichnis der Sedimentärgeschiebe aus dem unteren 
Geschiebemergel des Brothener Ufers, der geologische Bau der Stadt, die 
Lokalmoräne von Ivendorf, 4 Tiefbohrungen (die 1894 — 95 in der Brauerei 
von Lychenheim in Schwartau ausgefülirte drang bei einer Tiefe von 316 m 
bis in den Grünsandstein der oberen Ki-eide hinab und lieferte Wasser mit 
3,5 % Salzgehalt. — Mitgeteilt auch in den Lüb. Blättern 1895 S. 285). 

Friedrich, P. Über den geologischen Bau unseres Landes und die 
technische Verwertung unserer Bodenschätze. Vortrag im lüb. 
Industrieverein. Lübeck 1897. 5 S. Fol. Abdruck in den Vater- 
städtischen Blättern. Lübeck. Jg. 1897, No. 28 — 31; z. T. in der 
Thouindustrie-Zeitung, Jg. 21, No. 85. 1897. 

Zu den technisch wichtigen Ablagerungen gehören die steinfreien 
Diluvialthone, die Schreibkreide des Klützer Winkels, der Gyps von Segeberg 
und die zu erhoffenden Kalisalze. 



42 

Friedrich, P. Geologisclie Aufschlüsse vor dem Burgthore. Mit einer 
Tafel. Lüb. Blätter 1897, No. 24, S. 295—96. 4«. 

Die Bodenprofile, welche beim Bau des Elbe -Trave- Kanals freigelegt 
wurden, widerlegen die nocli immer verbreitete Annahme einer früheren Ein- 
mündung der Wakenitz in die Trave vor dem Burgthore. 
Keilhack, K. — Thal- und Seebildung im Gebiet des Baltischen Höhen- 
rückens. Mit einer Tafel. — Verhandlungen der Gesellschaft für 
Erdkunde zu Berlin. Bd. XXVI, No. 2 und 3. Berlin 1899. 
S. 129—139 8". 

K. sucht in seinem Vortrage u. a. nachzuweisen, dass beim Zurück- 
weichen des Inlandeises am Schlüsse der Eiszeit ein Arm der Urweiclisel 
durch das heutige untere Oderthal in den Stettiner Stausee (Meereshöhe 
20 — 25 m), von hier durch das Thal der Trebel über Eibnitz in den Stausee 
der Lübecker Bucht mit 15 m Meereshöhe floss. »In dieser Höhe aber liegt 
ein neuer Wasserpass, der den Abfluss dieses vierten, westlichsten Stausees 
nach Süden hin wieder in das alte Elbe-Thal hinein vermittelte. Der Abfluss 
erfolgte durch das Thal, welches heute von der Stecknitz durchflössen und 
von dem im Bau begriffenen Elbe -Trave -Kanal in zweckmässiger Weise 
benutzt wird.« Diese Annahme K.'s müssen wir aus mehrfachen Gründen 
als falsch bezeichnen. Die höchste Stelle des Stecicnitz-Travethales liegt nicht 
15 m, sondern 20 m hoch. 
Lepsius, Richard. Geologische Karte des deutschen Reichs, auf Grund 
der unter C. Vogels Redaktion in Justus Perthes' Geograph. Anstalt 
ausgeführten Karte in 27 Blättern in 1 : 500 000. Gotha, Justus 
Perthes. 1894—97. Sect. 7: Hamburg. 

Die Darstellung des Itibeckisohen Diluviums ist trotz wiederholter 
Veröffentlichungen meinerseits falsch. Die mit brauner Earbe (b') wie auf 
der Meynschen Karte als Alt -Diluvium bezeichneten Ablagerungen bilden 
als Abschmelzprodukt des letzten Gletschers die jüngste Ablagerung unseres 
Diluviums. 

2. Gewässer. 

Ergebnisse der Beobachtungsstationen an der deutschen Küste über die 
physikalischen Eigenschaften der Ostsee und Nordsee und die 
Fischerei. Veröffentlicht von der Ministerial-Kommission zur Unter- 
suchung der deutschen Meere in Kiel. 1873 — 93. Berlin 1874 
—94. Quer 4". 

Über den Inhalt vergl. das 2. Litteraturverzeichnis S. 68. Seit dem 
Jahre 1894 ist die Veröffentlichung der »Ergebnisse« eingestellt, da bei den 
Zusammenstellungen der Mittelwerte in den physikalischen Beobachtungen 
(spec. Gewicht und Temperatur des Wassers u. s. w.) sich bereits seit mehreren 
Jahren keine erheblichen Änderungen ergeben hatten. Die Beobachtungen 
werden an denjenigen Stationen fortgesetzt, die teils wegen der Fischerei 
Bedeutvmg haben, teils über die charakteristischen Unterschiede des westlichen 
und des östlichen Teiles der Ostsee Aufschluss geben. 
Karsten, G. Die physikalischen Beobachtungen an den Stationen. Über 
die bisherigen Ergebnisse und über fernere Aufgaben zur Physik 



43 

der deutschen Meere. Mit 3 Abbildungen. — Wissenschaftliche 
Meeresuntevsuchungeu , herausgeg. vbn der Kommission zur wissen- 
schaftlichen Untersuchung der deutschen Meere in Kiel und von 
der Biologischen Anstalt auf Helgoland. Neue Folge, Bd. 1, Heft 2 
S. 145—180. Kiel und Leipzig 1896. 4". 

!S. 154. 7. Travemttnde. Beobachter: FLschmeister Schroeder. Die 
Beobachtungen der physikalischen Erscheinungen der Ostsee bei Travemünde 
sind in monatlichen Werten für die Jahre 1891 — 93 tabellarisch zusammen- 
gestellt. 

Hochwasser in Lübeck am 1. u. 2. Januar und am 19. u. 20. November 
1893. — Lüb. Blätter 1893, S. 12 u. 548. 

Kurze Angaljen der beobachteten Wasserstände. 
Sturmfluth 1872. Vaterstadt. Blätter. Lübeck 1897, No. 45, 49. 
Der Priwall. Vaterstädtische Blätter. LTnterhaltiiDgsblatt der Lübeckischen 
Anzeigen. 1899, No. 18. 

Beschreibung einer früheren, jetzt freigelegten Durchbruchstelle (wohl 
von 1286) auf dem Priwall und der Veränderungen im Mündungsgebiet der 
Trave seit dem Mittelalter. 

Etwas über hiesige Eisverhältnisse in den letzten 25 Jahren. Vaterstadt. 
Blätter. Lübeck 1898, No. 10. 

In einer Tabelle sind für die Jahre 1872 — 98 diejenigen Zeitabschnitte 
zusammengestellt, in denen die Untertrave mit Eis bedeckt und die Schiff- 
fahrt unterbrochen war. 

Friedrich, P. Die Versorgung unserer Industrie mit Grundwasser. 
Vortrag im Industrieverein am 18. April 1898. Jahresbericht des 
lübeck. Industrievereins 1898. Fol. 4 S. 

Friedrich, P. Die Versorgung der Stadt Lübeck mit Grundwasser. 

Mit 3 Tafeln. Lübeck, Verlag von Edm. Schmersahl Nachf. (R. Brunn). 

1898. 29 S. 4°. (Sonderabzug aus den Lüb. Blättern 1898.) jH- 1,50. 
Der Verfasser verbreitet sich zunächst über die Mängel der jetzigen 
Versorgung Lübecks mit Wakenitzwasser, indem er besonders die grosse 
Wasservergeudung (Lübeck übertrifft hinsichtlich seines Wasserverbrauchs 
— 247 1 pro Kopf und Tag im Jalu-e 1897 — alle Städte Deutschlands) und 
die willkürliche Art der Wasserbesteuerung geisselt, und entwirft ein Bild 
von den Erscheinungsformen des lübeckischen Grundwassers. Eür eine 
Grundwasserversorgung im Grossen kommt nur die sogenannte artesische 
Schicht unter dem unteren Geschiebemergel in Betracht. In dieser konnte 
durch etwa 150 Tiefbrunnen eine Bewegung des Grundwassers aus dem 
ganzen Niederschlagsgebiet der Trave in der Richtung auf Lübeck nachgewiesen 
werden. Die bisherigen Beobachtungen lassen auf einen grossen Wasservorrat 
schliessen. Airf Grund von zahlreichen Analysen ist das Wasser der über- 
wiegenden Mehrzahl der Brunnen als vortreffliches Trinkwasser und weiches 
oder fast weiches Wirtschaftswasser zu bezeichnen. Die beigefügten Tabellen 
und Tafeln geben ein hinreichend klares Bild aller Verhältnisse. 

Besprechungen im Gesundheitsingenieur 1899 und in der Gesundheit. 



44 

Friedrich,?. Beiträge zur lübeckischen Grund wasserfrage I. und II. Lüb. 
Blätter 1899. S. 54-55 u. 1900. S. 150-153, 190-195. Mit 2 Tafeln. 4». 
Enthalten als Nachtrag zur vorigen Arbeit die Bearbeitung der neue.sten 
Bohrungen. Ein besonderer Abschnitt ist der Grandwasserversorgung Travc- 
mündes gewidmet. Durch Messungen der Wassermengen an den Überlauf- 
brunnen im Travethal und durch gleichzeitige Beobachtung der Wasserstände 
der Ostsee konnte nachgewiesen werden, dass das tiefere (artesische) Grund- 
wasser in die Travemünder Bucht ausströmt. 

3. Klima und Himnielserscheinungen. 

Ergebnisse der Beobachtungsstationeu an der deutseben Küste . . 1873-93. 
B. Meteorologische Beobachtungen. No. 2. Lübeck. (Siehe Gewässer.) 
Schulze, F. L. K. Jahresübersichten der meteorologischen Beobachtungen 
in Lübeck für 1893—99. — Lüb. Blätter 1894. S. 100, 1895. S. 45, 
1896. S. 74, 1897. S. 155—157, 1898. S. 34, 1899. S. 65, 1900. S. 107. 
Tabellarische Darstellungen des Luftdruckes, der Temijeratur, der 
absoluten und relativen Feuchtigkeit u. s. w. (in Monatsmitteln, Maxim, und 
Min.). Jeder Tabelle ist ein kurzer erläuternder Text beigefügt. 
Schaper, W. Meteorologisches über Lübeck. Mit einer Tafel. — Lübeck, 
Festschrift, den Theilnehmern der 67. Versammlung deutscher Natur- 
forscher und Ärzte gewidmet . . . Lübeck 1895. S. 285—292. 8". 
Die kurze Arbeit behandelt vorwiegend die Beziehungen zwischen den 
meteorologischen Verhältnissen und den Hochwassern in Lübeck. Wie bei 
der klimatischen Betrachtung ist auch hier nur der Zeitraum 1887 bis 1894 
berücksichtigt worden. Die Arbeit umfasst alle steigenden Wasser, die am 
Pegel an der Struckfähre eine Höhe von 0,65 m über Mittelwasser erreichten. 
Schaper, W. Klimatisches über Lübeck. Mit 11 Tafeln. — Lübeck, 
Festschrift, den Theilnehmern der 67. Versammlung deutscher Natur- 
forscher und Arzte gewidmet . . . Lübeck 1895. S. 249-281. 8". 
Die bis zum Jahre 1884 in Lübeck angestellten meteorologischen 
Beobachtungen sind von demselben Verfasser bereits in einem Beitrage zur 
Landeskunde von Lübeck (Die freie und Hansestadt Lübeck. 1890. S. 51—72) 
bearbeitet worden ; das in der vorliegenden Abhandlung bearbeitete Beobach- 
tungsmaterial stammt aus den Jahren 1887 bis Ende 1894. 
Berichte der Sektion für erdmagnetische Beobachtungen für die Jahre 
1888 — 96. — Mitteilungen der geographischen Gesellschaft und des 
naturhistorischen Museums in Lübeck. 2. Reihe, Heft 1 — 13. 
Lübeck 1890—99. 8". 
Schaper, W. und Linde, H. Beobachtungen über das Nordlicht am 
18. August 1893. — Mitteilungen der geographischen Gesellschaft 
und des naturhistorischen Museums in Lübeck. 2. Reihe, Heft 7 u. 8. 
Lübeck 1895. S. 140—143. Mit Abbildung. 8». 
Schaper, W. Erdmagnetische Station zu Lübeck. Heft 5. — Mitteilungen 
der geograpMschen Gesellschaft und des naturhistorischen Museums 
in Lübeck. 2. Reihe, Heft 9. Lübeck 1896. 47 Seiten. 8». 



45 

Die dem Direktor der Seewarte, G. Neumayer, zu seinem 70. Geburtstage 
gewidmete Ai-beit iimfasst die erdmagnetisclien Beobaclitungen des Verfassers 
aus den Jalu-en 1889 — 91. Sie zerfällt in folgende Absclmitte: 1. Allgemeine 
Vorbemerkungen über Deklination, Horizontalintensität und Inklination. 
2. Variationsbeobachtungen für die Jahre 1889, 1890, 1891. 

4. Pflanzenverbreitnng 

Knuth, P. Phaenologische Beobachtungen in Schleswig-Holstein in den 
Jahren 1892—95. Heimat, 3. Jahrg. S. 49—55, 4. Jahrg. S. 76—81, 
5. Jahrg. S 66—71, 6. Jahrg. S. 30—37. Kiel 1892—95. 8». 
Die liibeckischeu Beobachtungen stammen von 0. Ranke. 
Schmidt, J ustus. Dritter Jahresbericht über die Thätigkeit des Botanischen 
Vereins zu Hamburg. Heimat, 4. Jahrg. 1894, S. 182 — 185. 

In der kurzen Aufzählung neuer Pflanzenfunde befinden sich auch 
solche aus dem lübeckischen Gebiete. 
Prahl, P. Laubmoosflora von Schleswig-Holstein und den angrenzenden 
Gebieten. — Schriften des naturwissenschaftl. Vereins für Schleswig- 
Holstein. Band 10. Kiel 1895. S. 147-223. 8«. 

Diese Zusammenstellung umfasst zahlreiche Funde aus der Umgegend 

von Eatzeburg und Lübeck. Die Angaben von lübeckischen Funden beziehen 

sich vorwiegend auf die von Haecker gesammelten und im lübeckischen 

Museum aufbewahrten Laubmoose. 

Ranke, Otto. Die Brombeeren der Umgegend von Lübeck. — Mitteil. 

der geograph Gesellschaft und des naturhistor. Museums in Lübeck. 

2. Reihe, Heft 14. Lübeck 1900. 28 Seiten. 8». 

Die vorliegende Arbeit ist che Frucht einer mehrjährigen, eifrigen und 
mühevollen DurcMorschung unserer heimischen Brombeerflora. Wir können 
dem Verfasser die Anerkennung nicht versagen, dass er als Schüler des 
Gymnasiums den Mut gehabt hat, sich in das Studium unserer schwierigsten 
Pflanzengattung zu vertiefen und dass es ihm neben treuer Pflichterfüllung 
gegenüber der Schule gelungen ist, ein reiches z. gr. T. selbst gesammeltes 
Material aus allen Teilen imseres Gebietes mit seltener Formenkenntnis 
gründlich zu bearbeiten. Ranke unterscheidet abgesehen von Abarten und 
Formen 45 Brombeerarten. 
Erichsen, F. Unsere Knicke und ihre Pflanzenwelt. Heimat, Jahrg. VIII. 
Kiel 1898. S. 163—170 und 180—188. 

Die inhaltreiche Arbeit behandelt den Nutzen der Knicke für die Vieh- 
und Landwirtschaft, ihre Entstehimg und Bewirtschaftung und zuletzt die 
Zusammensetzung ihrer Flora. Die Zahl der knickbewohnenden einheimischen 
Holzgewächse beträgt einschliesslich 8 Rosen- und 35 Brombeerarten 79. 
Dazu kommen etwa 23 fremde Arten. Die vorherrschenden Kräuter sind 
Überbleibsel einer vormals verbreiteten Waldflora. Obgleich die Arbeit ganz 
Schleswig - Holstein umfasst, verdient sie doch auch in unser Verzeichnis 
aufgenommen zu werden, denn die hier beschriebenen Verhältnisse passen 
ebenfalls auf die Knicke, die das Lübecker Land in tausenden von Reihen 
durchgittern und neben Laubwäldei-n und Seen wesentlich zur Belebung 
unseres Landschaftsbildes beitragen. 



46 

Friedrich, P. Flora der Umgegend von Lübeck. Lübeck 1895. 
47 Seiten 4". Beigabe zum Jahresbericht des Katharineums zu 
Lübeck, Ostern 1895. Verl. von Lübcke & Hartmann. jH 1, — . 

Eine kritische Zusammenstellung der lübeckisclien Flora nach dem 
Vorbilde der Prahlsehen Flora von Schleswig -Holstein. Durch zahlreiclie 
neuere Beobachtungen, namentlich von W. Brehmer, O. Eanke und dem Ver- 
fasser, hat sich das Bild unserer Flora seit Plaeckers Flora (1844) beträchtlich 
verändert und erweitert. In der Einleitung sind die charakteristischen Züge 
unserer heimischen Pflanzenwelt sowie die urkundlichen Aufzeichnungen über 
unsere Waldbäume knapp zusammengestellt. — Bespr. von Dr. Prahl in der 
Heimat, 5. Jahrg. Kiel 1895, S. XIV. 
Friedrich, P. Beiträge zur lübeckischeu Flora. — Lübeck, Festschrift, 
den Theilnehmern der 67. Versammlung deutscher Naturforscher und 
Ärzte gewidmet. Lübeck 1895. S. 295—307. 8". 

Eine knappe Darstellung der Eigentümlichkeiten der lübeckischen Flora 
im Anschluss an die vorige Arbeit. Es werden die boreal- alpinen und die 
atlantischem Pflanzen hervorgehoben, die um Lübeck ihre West- bezw. Ost- 
grenzen erreichen, ferner die Stromthalpflanzen, der Eisbeerbaum, die Eibe, 
die Kiefer und die Kieferbegleitpflanzen. 
Prahl, P. Flora der Provinz Schleswig -Holstein, des angrenzenden Ge- 
bietes der Hansestädte Hamburg und Lübeck und des Fürstentums 
Lübeck. 2. verm. u. verb Aufl. des 1. Teils der kritischen Flora der 
Provinz Schleswig- Holstein u. s. w. Kiel 1900. Universitätsbuch- 
handlung (Paul Toeche). VIII, 67, 244 S. 8 ". 

Die erste Auflage dieses vortrefflichen Buches war seit mehreren Jahren 
vergriffen. Trotz des Bestrebens des Verfassers, dasselbe zur Bestimmung 
der im Gebiete vorkommenden Pflanzen durch eingehendere Beschreibung 
derselben geeigneter zu machen und namentlich auch die wichtigeren Abarten 
und Bastarde aufzuführen und zu beschreiben, ist der Umfang der ersten 
Auflage nur um mehrere Druckbogen vermehrt worden. Die Tabellen zur 
Bestimmung der Gattungen sind beibehalten, doch werden die grösseren 
Pflanzenfamilien gesondert behandelt. Die Diagnosen dürften auch dem An- 
fänger leicht fasslich sein. 
Friedrich, P. Nachträge zur Flora von Lübeck. — - Mitteilungen der 
geograph. Gesellschaft und des naturhistor. Museums in Lübeck. 
2. Reihe, Heft 14. Lübeck 1900. 9 Seiten. 8«. 

Enthält Angaben über neue Standorte von heimischen und in den 
letzten Jahren eingewanderten und eingeschleppten Pflanzen, ferner geschicht- 
liche Mitteilungen über die Kiefer in Holstein und Lübeck. 

5. Tierverbreitung. 

Dahl, Friedrich. Die Tierwelt Schleswig-Holsteins. Pleimat, 4. Jahrg. 
1894. S. 1—8, 49—60, 113—141, 193—205, 217—247. 

Die inhaltreiche und mit zahlreichen charakteristischen Skizzen ver- 
sehene Arbeit enthält in systematischer Ordnung die Besehreibungen der 
Lebensverhältnisse aller einheimischen AVirbeltiere. Besondere Tabellen er- 
möglichen ein leichtes Bestimmen der Familien, Gattungen und Arten. Auf 
lübeckische Vorkommnisse wird häufig Bezug genommen. 



47 

Leuz, PI. Die Fauna der Umgegeud Lübecks. — Lübeck, Festschrift, 
den Theibiehmern der 67. Versammlung deutscher Naturforsclier und 
Ärzte gewidmet .... Lübeck 1895. S. 311—325. 8°. 

Es AYerden die charakteristischen und die weniger häufig vorkommenden 
Säugetiere, Vögel, Fische und niederen Tiere, sowie die sämtlichen 140 Mol- 
luskenarten aufgezählt. Eine eingehendere Darstellung ist der Fauna der 
Käfer gewidmet, der einzigen bei Lübeck bisher genauer und zwar durch 
Major V. Koschitzky durcliforschten Insektengruppe. 

Koschitzky, von. Die Käfer Lübecks. — Mitteilungen der geograph. 
Gesellschaft und des naturhislor. Museums in Lübeck. 2. Reihe, 
Heft 7 u. 8, S. 92—102; Heft 10 u. 11, S, 81—89; Heft 12 u, 13, 
S. 88—104. Lübeck 1895, 96, 99. 8 «. 

Aufzählung der bisher in der engeren Umgebung Lübecks beobach- 
teten Käfer. 

Duncker, Georg. Neue und seltene Fische der Neustädter Bucht. — 

Mitteilungen der geograph'. Gesellschaft und des naturhist^ Museums 

in Lübeck. 2. Reihe, Heft 10 u. 11. Lübeck 1896. S. 77—80. 8". 

Ergänzung zu dem Verzeichnisse der Fische der Travemünder Bucht 

von H. Lenz (ebenda Heft 3, S. 52—64). 

Struck, R. Über einige neue Übereinstimmungen zwischen Larven- 
gehäusen von Tricliopteren und Raupensäcken von Schmetterlingen. 
Illustrierte Wochenschrift für Entomologie. Band 1, S. 615 ff. 
Neudamm 1896. 8". 
Struck, R. Neue und alte Trichopteren- Larvengehäuse. — Illustrierte 
Zeitschrift für Entomologie Bd. 4. No. 8, 10, 13, 17, 19, 21, 22. 
17 Seiten mit 31 Abbildungen nach Zeichnungen von H. Zetzsche, 
Lübeck. Neudamm 1899. 8°. 

Der Verfasser teilt zahlreiche neue Beobachtungen über den Bau der 
Gehäuse und .die Entwickelung der Larven der bisher noch wenig beachteten 
Gruppe der Trichopteren (Köcherfliegen) aus der Umgegend von Lübeck 
mit. Die Zahl der Bautypen, unter welche Hoff mann die europäischen 
Larvengehäuse eiiagereiht hat , konnte von Struck um einige neue ver- 
mehrt werden. 

Struck, R. Lübeckische Trichopteren und die Gehäuse ihrer Larven 

und Puppen. Mit 6 Tafeln. — Das Museum zu Lübeck. Festschrift 

zur Erinnerung an das 100jährige Bestehen der Sammlungen der 

Ges. zur Bef. gemeinn. Thätigkeit. Lübeck 1900. S. 77—110. 8«. 

Der Verfasser hat in den letzten vier Jahren die lübeckische Trichopteren- 

fauna (Köcherfliegen) durchforscht und von den 210 deutschen Arten bis jetzt 

55 Arten in der engeren Umgebung Lübecks aufgefunden. In der vorliegenden 

Arbeit beschreibt er eingehend den Aufbau der Gehäuse und die Entwickelung 

der Larven nach Familien geordnet. Eine Liste am Schlüsse lässt leicht 

erkennen, zu welcher Jahreszeit die hiesigen Larven im erwachsenen Zustande 

leben und in welchen Gewässern sie anzutreffen sind. 



48 

Ranke, Otto. Land- und Rüsswasser - Conchylien der Umgegend von 
Lübeck. — Mitteilungen der geograph. Gesellschaft und des natur- 
histor. Museums zu Lübeck. 2. Reihe, Heft 12 u. 13. Lübeck 
1899. S. 105—116. 8». 

Die Kenntnis der Conchylien des lübeckischen Gebietes verdanken wir 
in erster Linie den langjährigen Arbeiten des Hauptlehrers Arnold. Das von 
ihm 1882 (im Archiv des Vereins der Freunde der Naturgesch. in Mecklen- 
burg, Heft 36, S. 1 — 16) veröffentlichte Verzeichnis wird in der Eankesclien 
Arbeit durch neun neue Arten, neun neue Abarten und zahlreiche neue 
Fundstellen bereichert. 

IV. Bevölkerung, 

l. Siedelungen, Ortsnamen, Mundartliches, Sitte und Braucli, 

Sage und Aberglauben. 

Hach, Th. Moisliuger Urnenfriedhof. Lübeckische Blätter 1893, S. 531 
und 532. 4». 

Kurzer Bericht ülser die Ausgrabung von etwa 40 leider fast sämtlich 
zertrümmerten Urnen aus der Jüngeren Eisenzeit. 

Festschrift zur XXVIIL Versammlung der Deutschen Anthropologischen 
Gesellschaft. Mit 43 Tafeln. Lübeck, August 1897. 135 Seiten. 8». 
Das voruehm ausgestattete Werk zerfällt in folgende Abschnitte: 

1) Theod. Hach, geschichtlicher Überblick über Forschuugen 
zur vorgeschichtlichen Altertumskunde in Lübeck. 42 Seiten. 

2) K. Freund, die prähistorische Abtheiluug des Museums zu 
Lübeck. 32 Seiten und 15 Tafeln. 

3) R. Karutz, das Museum für Völkerkunde zu Lübeck. 
35 Seiten und 23 Tafeln. 

4) H. Lenz, die Anthropoiden des Museums zu Lübeck, und 

L. Proschownick, einige Bemerkungen zu den Lübecker 

Anthropoidenbecken. 26 Seiten und 5 Tafeln. 

Eine Besprechung dieser Schrift von R. Virchow in der Zeitschrift für 
Ethnologie Jahrg. 29, Heft 3 u. 4, S. 139 — 140 ist in den Lübeckischen Blättern 
Jahrg. 1897 S. 420 abgedruckt worden. 

Hach, Theodor. Geschichtlicher Überblick über die Forschungen zur 
vorgeschichtlichen Alterthumskunde in Lübeck. — Festschrift zur 
XXVni. Versammlung der Deutschen Anthropologischen Gesellschaft. 
Lübeck, August 1897. 1. Abhandlung. 42 Seiten. 8". 

Der Verfasser giebt einen geschichtlichen Überblick über die Entwick- 
lung der antln-opologischen und vorgescliichtlichen Forschungen in J.^übeck, 
sowie kurze Biographieen derjenigen Männer, die einen hervorragenden Anteil 
an diesen Lokalforschungen genommen haben, z. B. von Ilövelen, Melle, 
Dreyer, Claudius, Haug, Klug, Arndt. 



49 

Freund, K. Die prähistorische Abteihing des Museums zu Lübeck. — 
Festschrift zur XXVIII. Versammlung der Deutschen Anthropo- 
logischen Gesellschaft. Lübeck, August 1897. 2. Abhandlung. 
32 Seiten und 15 Tafeln. 8». 

Beschreibung des Bestandes der prähistorischen Abteilung des lübecki- 
schen Museums, soweit sich die Funde auf Lübeck und die benacliliarteu 
Teile dos Fürstentums Lübeck und des Herzogtums Lauenburgs bezielicn. 
L Die Steinwerlj;zeuge, 2. Die Bronzen, 3. Die präliistorischen Grabstätten 
unseres Gebietes, 4. Alt-Lübeck. 

Freund, K. Zur Einführung in die Lübeckische Prähistorie. Vortrag 
auf der 28. allgemeinen Versammlung der deutschen Gesellschaft 
für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte in Lübeck, 1897. 
— Correspondenzblatt der deutscheu anthropologischen Gesellschaft. 
No. 9. Müncheu 1897. S. 93—95. 4». 

Freund, K. Die vorgeschichtüclien Altertümer im Lübecker Gebiete. 
Programm der Realschule zu Lübeck. Lübeck 1898. Druck von 
Max Schmidt. 29 S. 4». 

Die im lübeckischen Museum aufbewahrten vorhistorischen Werk- 
zeuge, Hausgeräte und Waffen werden in chronologischer Eeihenfolge 
(ältere und jüngere Steinzeit, Bronze- und Eisenzeit) aufgezählt und be- 
schrieben. Die Darstellung deckt sich inhaltlich und in der Form z. T. mit 
der vorigen xVrbeit. 

Lenz, H. Die altsächsischen Bauernhäuser der Umgegend Lübecks. 

Nach den Erhebungen der Commission zusammengestellt. Zeitschrift 

des Vereins für Lübeck. Gesch. u. Alterthumskunde. Bd. 7, S. 262 

—290. Mit 12 Tafeln. Lübeck 1898. 8 o. 

Der Verein für Lüb. Geschichte und Alterthumskunde setzte im Jahre 
1890 eine aus drei Mitgliedern bestehende Kommission ein', um Erhebungen 
über die im lübeckischen Gebiete zur Zeit noch vorhandenen alten Bauern- 
häuser und deren Einrichtungen anzustellen. Das reichhaltige Material, das 
durch Fragebogen vorbereitet nach eigener Anschauung gesammelt wurde, ist 
vom Verfasser nach Ortschaften geordnet und zum Schluss noch einmal nach 
allgemeinen Gesichtspunkten zusammengestellt. Die Tafeln enthalten charak- 
teristische Aussen- und Innenansichten von Bauernhäusern, Grundrisse und 
Skizzen von »Pferdeköplen, Donuerbesen und Mühlen.« 

Moll WO, Carl. Über die Beziehungen der geograpliisclien Lage Lübecks 
und der südlichen Ostseeküsten zu deren Entwickelung in der Ge- 
schichte. — Mitteilungen der geographischen Gesellschaft und des 
naturhistorischen Museums in Lübeck. 2. Reihe, Heft 12 u. 13. 
Lübeck 1899, S. 1—47. 8«. 

Der Verfasser entwirft zunächst ein Bild von den physikalischen Ver- 
hältnissen der Ostsee und besonders der deutschen Flussmiindungen , er 
skizziert dann die Entwickelung des Kartenbildes der Ostseeländer und sucht 

4 



50 

endlich darzulegen, welchen Anteil die einzelnen Kftstenglieder an der 
geschichtlichen Entwickelung genommen haben. Lübeck, »die Ausfallpforte 
deutschen Wesens für das Ostseegebiet,« steht mit seinem Siegeslauf zur 
Beherrschung der Ostsee und mit seinem späteren wechselnden Geschick im 
Vordergrund der Betraclitung. 

Vaterstädtische Blätter. Altes und Neues aus Lübeck. Unterhaltungs- 
blatt der Lüb. Anzeigen. Lübeck, Gebr. Borehers. 1896 — 1900. Fol. 
Das seit dem October 1896 als >Sonntagsbeilage der Lübeckischen An- 
zeigen erscheinende Blatt enthält zahlreiche Darstellungen von Sitten und 
Gebräuchen aus früheren Jahrhunderten, von sprachlichen Eigentümliclikeiten, 
Naturereignissen und allen wichtigen Vorgängen in dem städtischen Gemein- 
wesen. Die bisher erschienenen . Jahrgänge enthalten u. a. : Altes aus Lübeck 
und Umgegend, Handwerksgebräuche in früherer Zeit (1897), Beiträge zur 
Itibeckischen Volkskunde (Volks- und Kinderreime), Ifibeckische Ausdrücke 
und Redensarten (1897 No. 38—50), vom Lübecker Martensmann (1898 No. 3—4), 
die.Ti-äger (1898 No. 11—23, 42, 45, 46, 1899 No. 1, 8), Lübecker Dienst- 
mädchen (1898 No. 20), Lübecker Humor u. v. a. 

Beyer, W. G. Die wendischen Schwerine. Ein Beitrag zur Erläuterung 
des slavischen Götzendienstes. Jahrb. des Vereins iür mecklenb. 
Gesch. u, Altertumsk. Jahrg. 31. S. 58—139. Schwerin 1867. S". 
Der Verfasser .sucht nachzuweisen, dass sich das Wort Schwerin aus 
dem wendischen Wort Zuerin entwickelt hat und einen heiligen Hain zur 
Aufzucht wilder, dem Kriegsgott geweihter Pferde bedeutet. Der Abschnitt 
über den Schwerin bei Lübeck (S. 131 — 133, abgedruckt in der Eisenbahn- 
Zeitung 1896, No. 140) enthält Angaben aus dem Lübeckischen Urkundenbuche 
und von einer im Schweriner Archiv aufbewahrten, vom Mathematiker Tile- 
mann Stella gezeichneten Karte des lübeckischen Landgebietes aus der 
Zeit um 1560. 

Schumann, C. Nachtrag zu den Flur- oder Koppelnameu des Lübecker 
Staatsgebietes. Wissenschaftliche Beigabe zum Jahresbericht No. 740 
des Katharineums, S. 61—69. Lübeck 1893. 4 o. 
Schumann, Colmar. Die Untertrave in ihren volkstümlichen Ortsnamen. 
Mit Karte. — Mitteilungen der geographischen Gesellschaft und des 
naturhistorischen Museums in Lübeck. 2. Reihe, Heft 12 und 13. 
Lübeck 1899. S. 72—87. 8°. 

Die Arbeit dient in sprachlicher Hinsicht als Ergänzung zu der von 
dem Verfasser in den Jahresberichten des Katharineums 1892 und 1893 ver- 
öffentlichten Abhandlung über die Flur- und Koppelnamen des Lübecker 
Staatsgebietes. Der Verfasser erklärt hier diejenigen Bezeichnungen der Ufer 
und des Flussbettes, che, auf den Karten nur zum kleinsten Teile angegeben, 
im Munde unserer Bevölkerung, vorzugsweise der Fischer und Schiffer, fast 
ausschliesslich in niederdeutscher Form sich erhalten haben. Die mehr als 
250 Ortsnamen umfassende Aufzählung zerfällt in folgende Abschnitte: 

1. Von Alt-Lübeck bis Schlutup. 

2. Von Schlutup bis Stülper Huk. 

3. Von Stülper Huk bis Travemünde. 

4. Das Fahrwasser. 

5. Ortsnamen in der Travemünder Bucht. 



51 

Hach, Ed. Zur Erklärung der Namen einiger Lübeckischeu Ortsbezeich- 
nungen Miitheil. des Ver. für Lüb. Geschichte u. Alterthumskunde. 
Heft 8 (1897), S. 3—10. Lübeck 1899. 8°. 
Schumann, C. Erklärung auf fähiger Ortsnamen in Lübeck und Um- 
gegend. Vaterstadt. Blätter 1900, No. 1(5, S. 123—127. 

Die Strassennamen sind einer Arbeit von W. Brelimer über den gleichen 

Gegenstand (Zeitsclir. d. Ver. f. Lüb. Gesell, u. Alterthumsk. , Bd. 6, 1890), 

die übrigen hauptsächlich den Arbeiten des ^'erfassers über unsere Flurnamen 

und über die Untertrave entnommen. 

Kruse, W. Aus dem Lübeckischen Volksmunde. — Mittheil, des Ver. 

für Lüb. Geschichte u. Alterthumskunde, 1893, 6 Heft. Lübeck 

1895. S. 16 80. 

^'olksreime, die sich auf die Auslegung des Läutens beziehen. 
Aus dem Volks munde. Ebenda. S. 47 — 48. 

^'ulksreime, mitgeteilt von A. Grube, H. Sartori und A. Benda. 
Schumann, C. 1 Fischerlieder aus Gothmund bei Lübeck. Am Urquell 
Bd. 4, S. 164—167. 2. Glückrohr-Trinkrunde der lübischeu Fischer. 
Am Urquell Bd. 4, S 244—245.' 
Schumann, C. Beiträge zur Lübeckischen Volkskunde. Mittheilungen 
des Ver. für Jjüb. Geschichte und Alterthumskunde Heft 6 (1893 
—94) S. 11—15, 27—32, 42—45, 59—64, 172—175, 184—187. — 
Heft 7 (1895 — 96) S. 10—13, 27—31, 44—48, 58—63, 74—79, 
89—94, 126—128, 136—144, 156—160, 172—175. — Heft 8 (1897 
—98) S. 70—81. Lübeck 1895—99. 8». 

Der Verfasser ist seit zwei Jahrzehnten bemüht gewesen, die bei uns 
noch gebräuchlichen niederdeutschen Ausdrücke für Tiere, Pflanzen, Krank- 
heiten, Jfahrungsmittel u. s. w. zu sannneln. Das erste Stück dieser Samm- 
lung (die Ausdrücke für Tiere, Pflanzen, Arzneimittel und Krankheiten) ist 
bereits in dem früheren Litteraturverzeichnis aufgeführt. In die Zeit seit 
1893 fallen folgende Abschnitte: 

V. Teile des menschlichen und tierischen Leibes. 
VI. Nahrungsmittel, Speisen und Getränke. 
Vn. Backwaren. 
VrCI. Kleidung. 
IX. Hausrat. 
X. Stadt und Dorf. 
XI. Erdoberfläche. 
XII. Landwirtschaft. 
Xni. Zeiten, Wetter, Himmel. 
XIV. Fischerei und Schiff erei. 

Schumann, C. Beiträge zur Lübeckischen Volkskunde. — Lübeckische 
Blätter 1899 S. 63, 100—101, 140, 166, 178, 206, 273, 323, 334. 

Fortsetzung der vorigen Zusammenstellung. X^'. Stand und Bei'uf. — 
Die Arbeit ist noch nicht vollendet ; dem Verfasser ist leider die Gelegeidieit, 
dieselbe in den hiesigen Blättern fortzusetzen, entzogen. 



52 

Schumann, Colmar. Volks- und Kinderreirae aus Lübeck und Umgegend. 

Beiträge zur Volkskunde. Lübeck 1899. Verl. von Gebr. Borchers. 

XVI und 206 S. 80. Jt 1,50. 

Durch